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Autor:in

Nils
Hört Musik am liebsten Schallplatte oder Tape. Kann sich zudem für analoge Technik mit Tasten und Knöpfen begeistern. Nebenberuflich Labelmacher und manchmal auch Veranstalter.

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New in the Bag – März 2026

20. April 2026 / Kommentare (0)

Was war neu? Was war hörenswert? Was lief bei uns im März rauf und runter? Hier erfahrt ihr es.

Wir blicken in kurz und knapper Form auf einige der interessantesten Leipzig-Releases aus dem März 2026 zurück. Mit dabei sind eine wunderbare Neuentdeckung, viele experimentelle Sounds, aber auch einige Rave-Tracks. Los geht’s.

Platte des Monats:
Linusalexis – „Asbetos“ (self-released) 

Auf der Suche nach neuer, elektronischer Musik sind wir bei unserer Bandcamp-Recherche auf einen vielversprechenden Produzenten und Neu-Leipziger gestoßen. Wir hatten Linusalexis bislang nicht auf dem Schirm, aber mit seiner EP „Asbestos“ hat sich das in unserer Redaktion schlagartig geändert. Diese Musik hat uns gelinde gesagt geflashed.

Sieben sehr ausgereifte und scharfsinnig produzierte Stücke versammelt er auf dieser grandiosen EP. Hervorzuheben ist die Musikalität, die auf ein sehr gutes klangliches Grundverständnis oder sogar eine Ausbildung hindeuten. Ein wie selbst eingespielt klingendes Klavier, subbige Bässe, ein leichtes Knistern und kantige Breakbeats. Erinnert bisweilen an Produktionen von Genre-Größen wie Bonobo. Kurz: Ein ganz heißer Tip! Wer bist du Linusalexis? Wir wollen mehr erfahren. 


VA – „OSMVA005“ (Osmium)

Das Hamburger Techno-Label Osmium ist seit der EP „Wings Of Glass“ der Leipziger Produzentin Slany auf unserem Radar erschienen. Auf der neuen Various-Artists-Veröffentlichung „OSMVA005“ wird explizit auf den Begriff „Experimental“ hingewiesen. Was dies in musikalischer Ausführung bedeutet ist sicher strittig. In diesem speziellen Fall lässt sich aber klar sagen, dass die Stücke allesamt dem Techno zuzuordnen sind, die Genregrenzen aber locker ausgedehnt werden und der Fokus nicht auf reiner Funktionalität liegt. 

Es entsteht Raum für verhallte Sounds, dynamische Track-Verläufe mit teils langen Aufbauten und aufgebrochenen 4-to-the-Floor-Beats. Mit Farkas, Kønnë und Humanoizer finden sich auch drei Leipziger Artists auf der Compilation, wobei ersterer die Zusammenstellung kuratiert und gemastert hat.


Jacob Mäder – „A Matter Of Time“ (Paradijs Boogie)

Nach zahlreichen Releases auf dem Leipziger Label Freund der Familie und auf deren „Schubladen-Labels“ wie FDF Dubs, FDF Raw usw. gibt es mit Paradijs Boogie seit 2025 auch ein echtes Sub-Label. Das erste Album des Stuttgarter Produzenten Jacob Mäder ist die zweite Veröffentlichung darauf. Der musikalische Ansatz ist ebenso einfach wie eingängig. Es gelingt dem Produzenten auf der gesamten Spiellänge atmosphärische Ambient-Sounds mit geschmeidigem Deep House zu kombinieren, was das Album sehr hörbar macht. Wollte man ein Bild heraufbeschwören, klingt dieses Album wie Abendrot über tiefblauem Wasser. „A Matter Of Time“ kommt wie aus einem Guss und kann tatsächlich zu diversen Anlässen aufgelegt werden – sei es zu Hause oder in gediegenerem Club-Kontext. 


.At/on – „Anti Rave“ (Adventurous Music)

Weiterhin abenteuerlich ist nicht nur die Veröffentlichungs-Frequenz auf dem Leipziger „Non-Profit-Micro-Label“ Adventurous Music, sondern auch die Musik, die hier immer das Licht der Welt erblickt. Diese EP hier etwa ist kein Diss gegen die Rave-Szene, wie es der Titel vermuten ließe. Vielmehr handelt sich um eine nerdige Electronica-/Experimental-VÖ, deren Musik auf einem einzigen Gerät entstand – einem Drumcomputer, der auch als „Anti Rave“ bekannt ist, zumindest bei den Hardware-Nerds da draußen.

Die nur aus dieser Kiste stammenden Samples wurden auseinander geschnitten und weiter prozessiert. Das Ergebnis sind neun Stücke, wobei jedem Track ein Buchstabe des EP-Titels zugewiesen wurde (inklusive des „_“). Die EP ist durchgängig hörbar und erfrischend kurz. Kann man sich mal in knapp 20 Minuten geben. 


Mytripismytrip – „Rage People“ (Marginalia Music)

Mytripismytrip war bisher bei uns nur in den Dance-Dance-Tipps ein Thema. Denn vor allem ist das Leipziger Duo durch seine Live-Sets präsent. Allerdings gab es schon einige Releases. Im März folgte auf Marginalia, dem Label der in Barcelona lebenden, international tourenden DJ Elif, nun eine weitere EP mit zwei straight auf den Dancefloor zielenden Techno-Tracks.

Mit „Rage“ und „People“ haben Mytripismytrip zwei sehr drückende, analog und verspielt klingende Stücke aus einem Guss gebracht, die sonst wahrscheinlich in dessen Live-Sets schlummerten. Die gepitchten Vocal-Samples garnieren etwas Pop-Appeal in den ravig und für größere Floors ausgelegten Grundsound dieser EP. Der mexikanische Producer Ripopolar glättet „Rage“ dann noch etwas, was dem Stück einerseits gut tut, aber tatsächlich bleibt die Ruppigkeit des Originals noch anziehender. Gute Rave-EP made in Leipzig.


Ergashma – „フォルダ「enchantments“ (Self-released)

Im März ist uns mal wieder eine höchst interessante Neuentdeckung auf Bandcamp gelungen: Ergashma. Viele Informationen lassen sich leider nicht extrahieren. Hinter dem Namen steckt ein in Leipzig lebender Producer mit usbekischen Wurzeln. Und die scheinen in seiner musikalischen Arbeit eine wichtige Rolle zu spielen. Seit 2022 veröffentlicht Ergashma via Bandcamp sehr unterschiedliche Musik, meist experimenteller und ambienter geprägt, manchmal aber auch mit einem Fokus auf special Dancefloors.

Mit „フォルダ「enchantments“ erschien im März nun ein neues Album mit elf kurz gehaltenen Stücken, die sich zwischen folkloristisch-organischen Sounds und minimalistischer Elektronik bewegen. Einige Tracks bleiben fragmentarisch, andere wirken schon ausformulierter. Und die zweite Hälfte des Albums entfaltet sich zunehmend rhythmischer und zugänglicher mit dezent deepen bis dubbigen Downbeat-, Electro- und Drum & Bass-Tracks. Aber nie in einem klassischen Sinne. Ergashma ist offenbar in einem andauernden Forschungsprozess, an dem wir ab sofort häufiger teilhaben möchten.


Noch mehr neue Leipzig-Releases entdecken?

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