Der kuratierte Plattenladen – N° 9

Autor: Jens / Datum: 23. Januar 2015
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Das Label Riotvan eröffnet einen eigenen Plattenladen – voraussichtlich nur für ein Jahr, aber mit einem besonderen Ansatz.

Plattenläden sind bekanntlich nicht nur Orte zum Kaufen von Schallplatten. Sie sind eine wichtige Schnittstelle für die damit verbundene Szene. Man trifft sich, tauscht sich aus, erfährt andere Neuigkeiten als in der Facebook-Timeline, checkt neue Musik.

Keine neue Erkenntnis. Sie wurde in Leipzig jedoch umso deutlicher, nachdem im letzten Sommer überraschend der Kann-Plattenladen seine Türen schloss. Wenig später öffnete in Connewitz mit Possblthings zwar eine viel versprechende Alternative. Doch die Leipziger Elektronikszene ist divers genug, um weitere Anlaufpunkte zu vertragen.

Tatsächlich hängt die Idee für den nun eröffneten Laden N°9 in der Kolonnadenstraße 9 mit der Kann-Schließung zusammen. Für Riotvan-Betreiber Markus Krasselt fiel eine wichtige lokale Abnahmestelle für seine Platten weg. Und eben auch ein Ort zum Treffen mit anderen Label-Betreibern, Künstlern und Bekannten.

Krasselt hielt Ausschau nach Flächen und bekam schließlich das Angebot von der im letzten Herbst eröffneten Contemporary Urban-Galerie, kurz CU, einen separaten Bereich für ein solches Ladenprojekt nutzen zu können. Temporär, denn das Haus in der architektonisch spannenden Straße mit nahtlos verbundenen Alt- und Plattenbauten wird voraussichtlich im nächsten Jahr saniert und anderweitig genutzt.

Dennoch klingt die N° 9-Idee überaus reizvoll. Es soll kein klassischer Plattenladen sein, eher ein Showroom für Riotvan und Labels aus dem befreundeten Umfeld. Neben den Leipzigern Kann Records, Ortloff, Holger, O*RS, Lunatic, pneuma-dor, Doumen, Rose Records und Karl Marx Land gehören auch Uncanny Valley, Permanent Vacation, Keinemusik und Robert Johnson von außerhalb dazu.

Platten, die musikalisch und visuell herausstechen, möchte Markus Krasselt an einem realen Ort versammeln. Und Showroom ist wörtlich gemeint. An der Wand hängen verschiedene Regale aus schwarzem Multiplex, in denen aktuelle Releases und passender Merchandise bedacht drapiert werden – immer auch mit einem besonderen Fokus auf eine bestimmte neue Platte. Davor zwei klassische Label-Fächer zum Stöbern.

N° 9 möchte zudem auch kleinen Release-Abenden und inhaltlich passenden Ausstellungen einen Platz bieten. Aus der Release-Party wird so eine Release-Vernissage in einem bewusst reduziertem Galerie-Ambiente. Das Soziale steht bei diesem Ladenprojekt eindeutig vor dem Profit an erster Stelle. Für Riotvan wird der Laden außerdem die neue Adresse für die Label- und Booking-Arbeit.Markus Krasselt ist in der Kolonnadenstraße 9 nicht allein: Franziska Eichhorn nutzt den kleinen Laden ebenfalls als Showroom für ihr Modelabel Yes, Boy. Dessen urbane und grafisch inspirierte Kollektionen für Männer stoßen insbesondere in Skandinavien auf viel Aufmerksamkeit. Nun bietet sie auch an dem Ort eine Anlaufstelle, an dem sie lebt und an dem alle Pullover, Mäntel und Hosen in Handarbeit entstehen.

Unterstützung beim Ausstatten von N° 9 kam übrigens aus verschiedenen Ecken: Ein Plattenspieler aus dem Kann-Laden steht nun eingebaut auf dem Plattenspielerpodest, den Filburt eigens für die Vernissage des ”Bitte“-Box-Sets baute. An einer Wand hängt eine Lichtinstallation von Markus Gebauer, der als New World sowie als Teil von QY und Boytalk musikalisch aktiv ist. Das Regalsystem entstand zusammen mit Hey Kosch von Electronic Resistance.

Bestenfalls geht es alles auch länger als ein Jahr. Auf jeden Fall gewinnt die Kolonnadenstraße nach dem Hinzug des mzin-Buch- und Grafikmagazin-Ladens mit N° 9 noch einiges mehr an Charme, als es Steffen Bennemann bereits in seinem Leipzig-Rundgang für das britische Online-Magazin Ransom Note anmerkte.

Donnerstag und Freitag zwischen 14 und 19 Uhr sowie Samstag von 12 bis 16 Uhr ist N° 9 geöffnet.

Riotvan Website
Yes, Boy Website
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