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Christoph
Christoph mag es, wenn es breakig und verspielt klingt. Nicht zu gerade. Als Kid Kozmoe legt er auch auf. Und heimlich produziert er eigene Tracks. Aber pssst.

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Various Artists „Softeis“ (O*RS)

23. Juli 2015 / Kommentare (0)

Filburt erhöht abermals die Release-Dichte und sammelt auf dem zweiten Album des Labels befreundete Künstler. Liest man die Namen der Artist, wundert man sich zunächst über die kurze Dauer der Tracks. Nicht über vier Minuten sind diese, was für House doch eher unüblich ist. Doch die große Überraschung zeigt sich erst, sobald man die Musik hört: Wie auch schon beim ersten Album – dem OverDubClub-Sampler – bleibt hier die gerade Bassdrum außen vor. Und das funktioniert wunderbar.

Dass Filburt sich mit O*RS auch gern vom House löst und andere musikalische Ecken erkundet, ist ja nichts Neues. Aber sein gutes Händchen für die Track-Selektion erstaunt mich hier dann doch. Obwohl ich viele der beitragenden Künstler eher mit straighteren Bassdrums assoziiere, bewegen sich die Tracks abseits davon, passen aber wunderbar zusammen.

Während bei „Ignition (ReShape)“ vom Freund der Familie noch die gerade Bassdrum durch den Dub-Techno-Nebel schimmert, schenkt uns Panthera Krause mit „Condensed Matter“ watteweiche Beats irgendwo zwischen Hustensaft-Synthesiezern und Sonnenuntergangs-Melancholie. „Vast Citys“ von Matt Flores ergänzt diesen Sound mit flüsternden Vocals zur Großstadt-Einsamkeit. Ein Hit durch und durch.

Jan Ketel kreuzt Sandwüsten-Gitarre mit angeglitchten Beats, um von den Opossums im Hinterhof zu erzählen. Ranko probiert sich zusammen mit Helen Fares und Phoenix Muhammad am Neon-Soul aus. Thomas Schulz zeigt uns, dass Gangsta-Electronica zugleich verspielt und gefährlich klingt.

Das Vinyl-Only-Stück „Nferior“ von Area schnattert da etwas friedfertiger vor sich hin, während „Orangement“ von Red Panda uns wieder vor den dunkleren Orten der Stadt warnt. Filburt schenkt dem „Vanilla Flavour“ unbekümmert-versöhnliche Hymne. Perel feiert mit „My Face“ entrückt-leiernden Boogie.

Wie eine Erinnerung an bessere Zeiten wirken die Samples, welche RJ mit einem schleppenden Beat bei „xxx“ unterlegt. Ron Deacons Jazz-Stück „Outer Drive“ führt diese seltsame Wehmütigkeit fort. DEO & Z-MAN ziehen die Geschwindigkeit im angejazzten „If I Had“ nochmal an, bevor Daniel Stefanik das Album mit seinem Grenzgang zwischen Klaviermusik und kosmischer Musik beendet.

Obwohl der Titel „Softeis“ diese gewisse Sommer-Leichtigkeit suggeriert, verbirgt sich das gesamte Album immer so eine misstrauische Vorahnung. Als könnte die vordergründige Idylle jederzeit platzen. Vielleicht ist das der Grund, warum mich das Album auch nach mehrmaligen Hören so packt. Vielleicht ist es aber auch das Gefühl, dass der fehlende Fokus auf den Dancefloor die Musik der Beteiligten viel spielerischer und befreiter klingen lässt als sonst.

O*RS Bandcamp
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