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Jens
Im Stadtmagazin kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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DJ Overdose / Varum „Orphra Clipz“ (Hypress)

31. Januar 2017 / Kommentare (0)

Die erste Hypress-EP ist draußen und sie baut eine direkte Verbindung zwischen Rotterdam und Leipzig auf. Sogar ganz konkret: Unsere Review bringt DJ Overdose und Varum zusammen.

Techno und Electro sind die entscheidenden Eckpfeiler für Hypress, erzählt Label-Gründer Templeton in unserem Mini-Interview. Die erste EP „Orphra Clipz“ lässt keinen Zweifel daran. Sowohl DJ Overdose als auch Varum bespielen mit ihren Tracks diesen musikalischen Rahmen.

Während die Electro-Tracks durchaus klassisch ausfallen und gleichermaßen die harschen und harmonischen Seiten des Genres anklingen lassen, gibt es im Techno der beiden eine maximalere, vom Industrial beeinflusste Version zu hören. Bei DJ Overdose passiert dies mit einer gewissen Leichtigkeit, bei Varum hingegen brutaler und breakiger. Das bringt über die gesamten fünf Tracks eine vielfältige Spannung rein, die mit Varums „Floatation Vérsion“ am Schluss in einen euphorischen, weltumarmenden Electro-Techno-Hybriden mündet. Mein Hit auf dieser durchweg gelungenen ersten EP.

Als ich mit René von Hypress über die Labelpläne sprach, kam uns der Gedanke, dass es interessant wäre, beide Musiker miteinander ins Gespräch zu bringen. Denn oft ist es bei Split-EPs wohl eher so, dass sich zwei Acts eine Platte teilen und nichts voneinander wissen. René hat seinen ersten beiden Label-Acts also Fragen geschickt und wir durften daraus einen virtuellen Smalltalk basteln. Hier ist er:

Varum: Hey DJ Overdose. Ich arbeite bei der Telekom als telefonischer Kundenberater. Das klingt lächerlich, ist es auch – wie ist es bei dir?

DJ Overdose: Ich arbeite in einem Kino. Mit der Musik und dem Auflegen kommt aber auch etwas herum. Warum der Name Varum?

Varum: Das hat einen ziemlich lächerlichen Hintergrund. Ich wollte einen Namen, der meinen Musikstil beschreibt. Also habe ich angefangen, das Wort „antreibend“ per Google-Übersetzer in andere Sprachen zu übersetzen. Dabei kam dann Varum heraus. Hat es bei dir eine Bedeutung? DJ Overdose: Ja, weil die Leute wegen der vielen Musik, die ich ihnen hinterherwerfe, mein Haus immer müde verlassen. Ich gebe ihnen eine Überdosis Musik. Was ist dein musikalischer Background?

Varum: Ich war von 2004 bis 2011 im Thomanerchor, habe also nur klassische Kirchenmusik gesungen und Klavier gespielt. Damals wollte ich mich durch die Musik, die ich höre, soweit wie möglich von der Musik abgrenzen, die ich singen musste. Dadurch bin ich zu sehr brachialen Genres gekommen, vor allem Death-Core und alles andere mit -Core am Ende. Gereizt haben mich damals vor allem die Brutalität und die bösen, schnellen Rhythmen. Das hat mich später auch zu Experimental und Industrial gebracht. Anfangs mehr Noise, später dann der industrielle Techno – vor allem durch Ancient Methods, dessen Sound mich bis heute noch reizt. Hast du ein Instrument gelernt?

DJ Overdose: Leider nicht. Obwohl meine Mutter klassische Musik und Klavier gespielt hat. Alles was ich gelernt habe, ist mit Plattenspielern aufzulegen. Ich bin früh, als es mit HipHop losging, mit Electro in Berührung gekommen. Mit Afrika Bambaataa und frühen Sachen aus New York, Detroit und Los Angeles fing das an. Wie war es bei dir?

Varum: Mein erster Kontakt zu Electro kam in Berlin. Damals habe ich mit Gregor alias Milium zusammengewohnt. Er hat die ersten Technasia-Platten gekauft, so kamen auch die ersten Electro-Platten ins Haus. Bei mir hat es allerdings noch eine ganze Weile gedauert bis ich selbst angefangen habe, Electro zu spielen – ungefähr 2014 war das. Wie entsteht Musik bei dir?

DJ Overdose: Ich bin das, was man einen Schlafzimmerproducer nennt – außer, dass es bei mir das Wohnzimmer ist. Denn alles was ich habe, ist Musikstuff, eine Couch und das wars. Ich habe Unmengen unfertiger Skizzen. Manchmal lösche ich einige davon, weil ich sie nach ein paar Anhören doch nicht mehr mag. Bei dir ist es anders? Varum: Mein Workflow ist meist gleich. Ich nehme mir ein altes Projekt und versuche darin weiterzuarbeiten. Meist klappt das nicht, dann suche ich mir die Sounds heraus, mit denen man etwas anfangen kann und baue darauf auf. Selten fange ich bei Null an. Ich habe meist wenigstens ein bis zwei Sounds, die die Grundlage bilden. Oft höre ich Musik, egal welchen Genres und habe dann Melodien im Kopf, die ich versuche umzusetzen. Bei mir hängt viel von meiner Stimmung und Emotion ab, wodurch sich mein Sound oft verändert. Ich habe viele Sachen, die so halb fertig sind, mit denen ich aber nicht hundertprozentig zufrieden bin. Ich lasse sie dann so lange liegen, bis mir etwas neues einfällt und versuche dann, sie zu Ende zu bringen. Ich höre noch immer viel Musik aus den 80ern und heutige Folk-Rock-Sachen – geprägt durch den Geschmack meiner Eltern. Ich brauche oft einen Kontrast zu der ganzen elektronischen Musik, so dass ich zu Hause viel Instrumentelles höre. Es gibt aber auch noch immer Experimentelles, das mich reizt, vor allem Sachen wie Esplendor Geometrico. Hast du ein komisches Genre, das du magst?

DJ Overdose: Ich wüsste nicht, welche Musik man komisch nennen könnte. In jedem Genre gibt es wahrscheinlich Tracks, die ich mag.

Varum: Irgendwelche Pläne? Ich würde gern irgendwann ein Album veröffentlichen.

DJ Overdose. Viel Geld machen und vielleicht ein großes Boot kaufen, um darauf zu leben.

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