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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Platten aus dem Club – Distillery Records

09. Mai 2018 / Kommentare (1)

Das Berghain hat es, das Katerblau auch, genauso das Robert Johnson – und ab sofort die Distillery. Die Rede ist von einem eigenen Club-Label. Die Zeit dafür war überreif, es brauchte jedoch etwas, bis es jemand wirklich in die Hand nahm. Wir haben die beiden getroffen.

„Gibt es etwas, das du gern umgesetzt hättest“, lautete eine Frage an Distillery-Chef Steffen Kache im frohfroh-Interview zum 25. Club-Geburtstag. „Das Thema Label und Booking-Agentur ist über die Jahre leider nicht entstanden. […] Aber das wollen wir jetzt endlich angehen,“ antwortete er darauf. Ein halbes Jahr später ist es nun soweit: Die Distillery startet ihr eigenes Label.

Ein Blick zurück – und auf Discogs – verrät, dass dies nicht der erste Versuch war. Schon einmal erschien eine Compilation im Namen der Distillery. 2001 zum neunten Geburtstag war das, damals noch mit Tracks von Marlow, Frankman, Da Halz und Studio H, einem frühen Projekt von Filburt. Danach folgte sogar eine weitere EP von einem Artist namens Medicine Eardrum. Danach wiederum nichts mehr. Oder doch? Zum 20. Geburtstag gab es doch ein Vinyl. Das war aber ein Geschenk von R.A.N.D. Muzik.

Die Geschichte verbindet
Dass nun nach 25 Jahren endlich der Schritt zu einem Club-Label klappt, ist vor allem zwei Menschen zu verdanken: Gamal (aka Mauro Caracho) und Markus (aka Peter Invasion). Anfang 2017 merkten die beiden bei einem gemeinsamen Essen, dass sie die Idee eines Distillery-Labels reizt. Markus hat mit Riotvan bereits erfolgreiche Label-Erfahrungen gesammelt, Gamal ist seit dem letzten Jahr Distillery-Resident und hatte „Bock, sich dort noch mehr einzubringen“, meint er. Und weiter: „Wir haben uns dann mehrmals getroffen und ein richtiges Konzept geschrieben, eine Art Businessplan. Von Anfang wollten wir auch Steffen mit ins Boot genommen, damit es nicht wieder im Sande verläuft. Am Ende meinte er nur: ‚Finde ich gut, macht mal.’“Gamal und Markus sind seitdem als Label-Manager für Distillery Records zuständig – „relativ autark. Wir versuchen natürlich, Steffen und Marc vom Booking mit einzubinden. Aber sie vertrauen uns“, so Markus. Vertrauen schenkte ohne mit der Wimper zu zucken auch Kompakt. Ein Traditionsvertrieb aus Köln, der für Distillery Records eine Ausnahme vom Aufnahmestopp neuer Labels machte. Die Geschichte verbindet. Und die gemeinsamen Partys. Denis Stockhausen vom Kompakt-Vertrieb kam extra rüber in den Osten, als im letzten Herbst die Wighnomy Brothers in der Distillery ihr Comeback feierten. „Denis meinte, dass dies die beste Party war, die er seit Jahren erlebt hätte,“ so Markus. Da wurde nicht lange gezögert und der Vertriebsvertrag war unterschriftsreif.

Featuring the saturday rave
Die Nummer 1 des Distillery Records-Neustarts kommt eigentlich ein halbes Jahr zu spät. Denn die Debüt-Compilation auf Doppel-Vinyl hat den 25. Club-Geburtstag als Aufhänger. „Doch es ist einiges an Papierkram zu erledigen, wenn man ein Label gründet – wir wollten uns aber keinen Stress machen“, meint Gamal.

Letzte Woche erschien „25 Yrs Distillery“ schließlich, auf Doppel-Vinyl und mit einigen Digital-Bonus-Tracks. Wie so oft bei einem Labelstart wird anfangs erstmal der musikalische Rahmen abgesteckt. Bei der Distillery kommen noch eine Menge historische Verweise dazu. Und so sind neben Tracks von Residents wie Daniel Stefanik, Georg Bigalke, Chris Manura, Lars Christian Müller und Filburt auch Stücke von langjährigen Freunden des Hauses dabei: Joel Mull, Monkey Maffia, Hector Oaks. „Das sind alles Leute, die seit langer Zeit mit dem Club verbunden sind und regelmäßig hier spielen“, sagt Markus.

Gemeint sind jedoch nur die DJs und Producer, die samstags in der Distillery auflegen. Der Freitag mit seinem diversen Breaks-, HipHop- und Dub-Programm bleibt bei Distillery Records außen vor. Vielleicht entsteht für den Freitag irgendwann mal ein eigenes Sub-Label – doch das ist Zukunftsmusik, meint Markus.

Dabei ist auch der Samstag aus Label-Sicht durchaus herausfordernd: „Normalerweise filtert ein Label Musik aus einer bestimmten Musikrichtung heraus. Distillery Records soll aber schon den Sound des Ladens widerspiegeln – und der besteht mit Techno und House aus zwei sehr verschiedenen Stilen“, so Gamal.Demo-Stopp vorm ersten Release
Geplant sind künftig drei bis vier physische Releases plus ein paar Digital Only-EPs pro Jahr. Natürlich geht es dabei um den Aufbau einer Plattform für die distillery-nahen Producer, aber nicht nur. Gleich die nächste Platte bricht mit den Erwartungen. Statt eines Residents legt Joel Mull eine Artist-EP nach, und die wird zudem eher Techno als Tech House oder House sein.

Was der gute Ruf der Distillery nebenbei auch mit sich bringt: Demos einschicken ist sinnlos. Noch vor der ersten Platte waren die Postfächer bei Gamal und Markus voll mit Demos – „auch von großen Namen“. Die ersten zwei Jahre sind allerdings geplant mit Veröffentlichungen. Nicht im Detail, aber von den Künstlern her.

Nach der Release-Party im Kompakt-Store letzte Woche, folgt am kommenden Wochenende zu Hause die große Feier. Dabei ist ein Großteil der Acts, die auch auf der Compilation einen Track beigesteuert haben. Mit dem Label machen künftig auch die Distillery-Showcases über die Heimat hinaus regelmäßiger Sinn. Bisher liefen die nur im Rahmen der großen Geburtstage.

Die Hits
Und wie ist sie nun, die erste Distillery-Platte? Sehr durchmischt mit klassischem House, langatmigen Tech House, straightem Techno, einem Hauch Disco und Breaks. Meine Hits: „Driven“ von Joel Mull, „Monkey Breaks“ von Monkey Maffia, „Thursday Noon“ von Napoleon Dynamite und „Repeating Their Past, Seeding Out Future“ von Hector Oaks.

CommentComment

  • Francis / 11. Juni 2018 / um 17:20
    Wow, reine Männerveranstaltung. Wie lang führen wir jetzt diese Diskussion? Seit 15 Jahren, seit 20 Jahren, seit forever?

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