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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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5 Years x A Friend In Need – Interview mit Lootbeg

28. Mai 2018 / Kommentare (0)

Von einer Podcast-Reihe zum eigenen Label – A Friend In Need kann in diesem Jahr sein fünftes Jubiläum feiern. Wir haben mit Label-Head Lootbeg über das Erreichte gesprochen und gefragt, warum sein Debüt-Album nicht auf dem eigenen Label herauskam.

House, Techno, Electro, Ambient – Lootbeg ist stilistisch kaum festzuzurren. Immer, wenn man denkt ‚Ah, ein weiterer Classic-House-Typ‘, überrascht er mit einem anderen Sound. Das sorgt auch bei seinem Label A Friend In Need immer wieder für Überraschungen. Zwischen dem harschen Techno von Tsorn und dem süß-melancholischen House der ersten EPs liegen Welten. Zugleich gehört A Friend In Need zu den aktivsten Leipziger Elektronik-Labels der letzten Jahren. Zeit, sich etwas mehr mit Lootbeg zu beschäftigen.

Das Interview ist ein schöner Reminder an Lootbegs sehr nächtlich gestimmtes, interstellar gleitendes Debüt-Album „Stargazing“, das Anfang des Jahres auf O*RS herauskam.

A Friend In Need wird 2018 fünf Jahre – bist du happy mit dem, wie das Label gewachsen ist?

Auf jeden Fall. Es ist wirklich ein gutes Gefühl nach fünf Jahren mal in Ruhe auf das Erreichte zurück zu blicken. Nicht nur auf die Musik, auch auf das viele positive Feedback und den Support einzelner DJs. Vor allem in den letzten zwölf Monaten war aus der Richtung nochmal ein deutlicher Aufschwung bemerkbar, der viel dazu beigetragen hat, dass das Label und die Musik eine immer größer werdende Hörerschaft erreicht und anspricht.

Ich schätze, das liegt wohl auch daran, dass ich mit dem Label regelmäßig versuche auch musikalisch in andere Richtungen zu schauen. Auch das aktuelle Album von 5http, das als Tape das erste wirklich anfassbare Release auf A Friend In Need ist, stößt derzeit auf eine sehr positive Resonanz. Alles in allem bin ich sehr zufrieden, wie sich alles entwickelt hat. Und ich freue mich auf das, was sich daraus noch alles entwickeln wird.

Du hast ausschließlich digital veröffentlicht: Lässt sich so eine ähnliche Fanbase aufbauen oder haben es Vinyl-Labels einfacher?


Das kann ich nur teilweise beurteilen, da ich als Label keine Erfahrung mit Vinyl-Veröffentlichungen habe. Ich bin mir aber dennoch ziemlich sicher, dass es ein Vinyl-Label leichter hat, sich eine feste Fanbase aufzubauen als ein Digital-Only-Label. Vorausgesetzt der Output stimmt. In der unendlichen Masse der wöchentlichen Digital-Releases geht man einfach zu stark unter. Man muss schauen, dass man mit der Qualität punktet, um Leute darauf aufmerksam zu machen und entsprechend ans Label zu binden. Wenn man dann den langen Atem hat und dranbleibt, hat man, denke ich, schon gute Chancen, sich trotz der Digi-only-Mentalität einen Namen zu machen. Vergleichbar mit den Möglichkeiten und dem Aufwand eines Vinyl-Labels ist das dann aber natürlich trotzdem nicht.Wo ist A Friend In Need besonders beliebt, lässt sich das ausmachen?


Nur an den Sales der letzten zwölf Monate gemessen, sind das die Top 5: USA
, UK, Deutschland
, Italien
 und Russland. 
Frankreich, Südafrika und Australien gehören aber auch in den engeren Kreis der Fanbase.

Was war den Verkaufs- und/oder Streamingzahlen nach der größte Label-Hit bisher?

Das ist in beiden Punkten „Keep It Up“ von 78Edits aus Schottland. Der Track stammt vom fünften afin-Release „Various Varieties“ von 2015. Zu der Zeit lag der musikalische Fokus des Labels fast ausschließlich bei langsamen Sleazy-House und Edits.Dein erstes Album wolltest du aber nicht auf dem eigenen Label veröffentlichen?

Ehrlich gesagt habe ich nie direkt daran gedacht, überhaupt ein Album zu veröffentlichen. Der Anstoß dazu kam von Filburt, als ich ihm vor zwei, drei Jahren einen Ordner mit aktuellen Demos geschickt habe. Das waren um die zehn Tracks und er meinte, dass wohl alle recht stimmig seien und dass das ja eigentlich schon ein fertiges Album ist. Ich habe die Tracks damals nie als Ganzes gesehen. Sicher hätte man da ein oder zwei EPs aus je drei bis vier Titeln zusammenstellen können, aber als Steffen dann die Idee mit dem Album hatte und ich mir in diesem neuen Kontext alles nochmal zusammenhängend angehört habe, machte das durchaus Sinn. Also haben wir uns zusammengesetzt und alles für eine Veröffentlichung auf O*RS vorbereitet.

Du hast in den letzten Jahren sehr unterschiedlich klingende Tracks veröffentlicht, das Album wirkt dagegen sehr geschlossen. Ist es in einer zusammenhängenden und bestimmten Phase entstanden?


Ja ist es. Ich muss dazu sagen, dass ich die ursprünglich geplanten Tracks fürs Album aufgrund der langen Verzögerungen noch einmal komplett über den Haufen geworfen habe. Zwischen Steffens erster Idee, ein Album zu machen, und dem finalen Release im Januar 2018 waren über zwei Jahre vergangen – und ich habe mich musikalisch und technisch in der Zeit natürlich weiterentwickelt. Somit habe ich das Konzept dazu überarbeitet und Steffen hat mir glücklicherweise viel Freiraum dazu gelassen. Ein Großteil der finalen Stücke ist in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum entstanden, in dem ich krankheitsbedingt viel Zeit fürs Produzieren hatte. Da ich dem Album bewusst einen geschlossenen und zusammenhängenden Charakter geben wollte um, war dies natürlich ein großer Vorteil.

Was genau wolltest du bei deinem Album nochmals überarbeiten?

Bei mir ist es so, dass ich für mich mit der Zeit neue Herangehensweisen in Sachen Produktion entwickle und auch musikalisch gesehen bestimmte Phasen habe, in denen sich einfach die Interessen ändern bzw. weiterentwickeln. In den letzten drei Jahren hat sich da bei mir also einiges bewegt und ich war vom damaligen Konzept und den Tracks des Albums nicht mehr zu 100 Prozent überzeugt. Bis auf drei Titel habe ich also alle Tracks neu und direkt für das Album produziert, um ein wirklich in sich geschlossenes Werk zu schaffen. Thematisch betrachtet war es ähnlich. Ich wollte mit dem neuen Sound eine gewisse mysteriöse Stimmung erzeugen, die sich rund um das Thema Weltraum, fremde Zivilisationen und deren Interaktionen mit uns Menschen dreht. Das wäre mit den ursprünglich geplanten Tracks so einfach nicht umsetzbar gewesen.Was ist dir generell wichtig beim Produzieren – technisch und musikalisch?


Am wichtigsten ist es, dass ich Ideen schnell und unkompliziert umsetzen kann, ohne viel Zeit damit zu verbringen, Signalwege zu patchen, Presets und Samples zu durchsuchen, Geräte an und abzuschließen usw. Da ich einen normalen Job habe, bleibt leider nicht viel Zeit zum Produzieren und aus diesem Grund versuche ich immer einen gewissen stetigen Grundaufbau bei Hard- und Software zu haben, um mich bei jeder Gelegenheit dransetzen zu können ohne immer wieder bei Null anfangen zu müssen. Dieses grundlegende Set-up ändert sich in gewissen Details natürlich von Zeit zu Zeit bzw. ist es projektabhängig wie im Fall des Albums oder einzelner EPs. Aber gewisse Drum-Racks und Synth-Presets sind darin auch auf Dauer wiederzuerkennen. Somit ist auch der musikalische Aspekt damit verknüpft. Wenn es die Zeit dann hergibt, experimentiere ich mit anderen Genres, Geräten und Sounds, schaue was sich ergibt und speichere das entsprechend entstandene Set-up für spätere Sessions ab.

Du bist super aktiv, mit dem Label, aber auch als Producer – davon leben wolltest du aber nie?

Leider ist da ein großes Loch zwischen wollen und können. Sicher wäre es ein Traum, ausschließlich davon zu leben, aber um das wirklich in einem sicheren und zufriedenstellenden Rahmen tun zu können, fehlt mir da einfach die internationale Bekanntheit. Das Geld wird mit Bookings verdient und solange diese eher sporadisch und unregelmäßig kommen, wird es erstmal so bleiben wie es ist.

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