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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Auf Distanz zu den Techno-Düster-Standards – DUR

05. Januar 2015 / Kommentare (0)

Neues Jahr, neues Glück. Stimmt, denn mit DUR startet ein neues Label für die experimentelleren Ränder von Techno und Ambient. Niklas Kraft alias Talski beantwortet ein paar Fragen dazu.

Es hat dann doch etwas länger gedauert als gedacht. Insgesamt, aber auch seit der ersten Ankündigung bei frohfroh im letzten März. Zwischendurch gab es mehrere Podcast-Mixe und eine Label-Nacht im Institut für Zukunft. Mit der Katalognummer 001 startet DUR nun als Label. Nicht nur von Talski betrieben – wie es dazu kam, erklärt er später selbst.

Ein Grund für die Verzögerung war auch die Suche nach einem passenden Vertrieb. Mit Ready Made aus Berlin wurde einer gefunden, der mit Blackest Ever Black und Downwards Records einige Perlen einige sperrige Perlen vertreibt.

Das DUR-Debüt teilen sich Talski, Konrad Wehrmeister, Emrauh sowie Detlef Diamand & Lukas Rabe. Was sofort auffällt, ist der hypnotisch-kontemplative Sound aller Stücke. In vier verschiedenen Nuancen – angereichert um Dub- und Ambient-Elemente – kommt er zum Tragen.

So tritt selbst in der bedrohlich-düsteren Atmosphäre von Talskis „Eckbert“ und der kaum helleren, dubbig-hallenden Weite von Emrauhs „Vademecum“ ein angenehmes Gefühl der Losgelöstheit hervor.

Eingerahmt von diesen beiden Stücken strahlenDetlef Diamand & Lukas Rabe sowie Konrad Wehrmeister mit „Projection“ und „Search“ mehr Wärme und sogar einen Hauch von klassischer House- und Ambient-Deepness aus. Eine tatsächlich herausragende Platte zum Versinken. Im Sound und in Assoziationen.

Warum DUR entstanden ist und was noch passieren soll, erklärt Niklas Kraft alias Talski nun selbst:Bei Facebook steht „Ist am 18. Oktober 2010 beigetreten“ – die Idee zum Label schlummert schon lange?

Ja, der Gedanke eine Plattform für elektronische Musik mit Labelstrukturen zu gründen, ist tatsächlich schon ein längerer Plan von mir gewesen. Allerdings haben mir zur realistischen Umsetzung die finanziellen Mittel und das bis vor einem Jahr noch viele Unterwegssein mit Projekten einen Strich da durch gezogen.

Daher habe ich die Idee für ein paar Jahre wieder auf Eis gelegt und als Utopie schlummern lassen. Als dann die Produktionen für die erste Platte entstanden, gab es für mich keine Zweifel mehr, das endlich auf Vinyl rauszubringen und dabei hat sich wiederum die Label-Idee manifestiert.

Ursprünglich war nur von dir als Betreiber die Rede. In der Zwischenzeit hat es sich erweitert – wie kam es dazu?

Das damalige Hirngespinst bzw der „Grundstein“ wurde von mir gelegt, um die ganze Sache in Gang zu bringen und zu konkretisieren. Für mich war aber von Anfang an klar, dass ich dabei Gleichgesinnte brauche, die ein musikalisches Konzept teilen und sich für verschiedene Bereiche mitverantwortlich fühlen.

Emrauh hat jetzt beispielsweise das Grund-Mastering der gesamten Platte übernommen – mit einem abschließenden Feinschliff von Lake People. Perm kümmert sich um verschiedene organisatorische Bereiche, wie z.B. Promo und Vertriebsangelegenheiten. Beide hatten Lust auf die Labelarbeit und ich bin sehr froh, sie als Austauschpartner zu haben. DUR sind also wir zu dritt.

Gibt es ein musikalisches Konzept hinter Dur?

Wir wollen mit diesem Label vor allem Produktionen veröffentlichen, bei der die hypnotisch-meditative Ebene die Basis ist und auch mit kommenden Releases versuchen, noch mehr das Augenmerk auf ambient beeinflusstes Sounddesign zu legen. Einen starken Hang zur experimentellen elektronischen Musik habe ich persönlich sowieso, daher kann theoretisch in diesem Rahmen auch alles passieren. Auf jeden Fall wollen wir versuchen „anders“ zu klingen.

Warum eigentlich Dur? Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass viele Techno-Tracks in Moll sind.

„Durus“ ist das lateinische Adjektiv für „hart“. Ich finde die etymologische Herkunft dieses Wortes, bezogen auf das Wort Dur, welches im deutschen ja nur im Musikwortschatz zu finden ist, sehr interessant. Eine Tonart, die in Dur ist, bezeichnet ja ein freundliches, warmes Gefühl, das für mich schwierig mit Härte in Einklang zu bringen ist.

Darin liegt für mich eine Art Zwiespältigkeit verborgen, die ich wiederum mit meiner persönlichen Hörgewohnheit mit Techno in Einklang bringen konnte. Daher kam ich zu jenem Namen. Ich hoffe, dass hierbei auch eine gewisse Ironie erkennbar wird, denn die Welt braucht wahrscheinlich mittlerweile sowieso keine neuen Techno-Labels mehr, aber schon gar keine mit pseudo-düsteren Messages, die einem nur so ins Gesicht geballert werden, damit auch jeder versteht, dass Techno eine extrem tiefgängige Angelegenheit ist.

Vielleicht ist DUR eben mehr als eine Metapher zu sehen, um sich ein wenig von jener standardisierten „Düsterness“ zu distanzieren und trotzdem für tiefgründige und anspruchsvolle Musik stehen zu können.

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