← ZurückReleasesReleases

Autor/-in

Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

Links

Tags

Teilen

Credit 00 „Game Over“ (Uncanny Valley)

24. März 2017 / Kommentare (0)

Nach CVBox veröffentlicht mit Credit 00 ein weiterer, aktuell in Leipzig lebender Producer sein erstes Album auf Uncanny Valley. Es ist eine Ode an die alten Gaming-Sounds.

Ich habe keine Ahnung von Computerspielen, „Prince of Persia“ und ein ödes Formel 1-Spiel sind die einzigen Games, die mich in meiner Kindheit ein paar Monate gefesselt haben. Bei Credit 00 scheint das anders gewesen zu sein. Die gleichermaßen wild bleependen und nostalgisch schimmernden Klänge vieler Spieleklassiker haben sich offensichtlich tief verinnerlicht.

Mit „Game Over“ widmet sich Credit 00 nun im Langformat diesem Thema. Während „Game Over“ und „Hit Fire To Respawn“ am Anfang im schwebenden Slow House-Modus unterwegs sind, schwappt danach eine ordentliche Portion Digital Dub, Wave, Reggae, Oldschool-Electro und Electro Boogie in die Tracks. Mit eben jener teils grob belassenen, manchmal naiv wirkenden Sound-Ästhetik, wie sie mit alten Computerspielen assoziiert wird.

„Breakers Revenge“ und „Insert Disk Two“ sind dabei so lässig und smart verspielt, das passt glatt in den Jahtari-Kontext. Und mit „Dance Dance Revolution“ und „Jungle Hunt“ mutiert Credit 00 sehr stilsicher und versiert zur Hit-Maschine. „Game Over“ ist ein stilistisch extrem weit aufgerissenes Album, fast wie eine Compilation, die verschiedene Artists vereint. Credit 00s EPs deuteten solch eine Offenheit durchaus an, meist konzentrierte sich der Fokus dort aber auf analogen House und Electro.

Die Breite hier – insbesondere die Jungle-, Dub- und Reggae-Einflüsse – ist also schon sehr überraschend und geht ebenso überraschend sehr schlüssig auf. Ohne es konzeptionell schwer aufzuladen. Ohne den Faden zu verlieren.

Was ich generell an „Game Over“ mag, ist das vorwiegend gedrosselte Tempo.

Möglicherweise ist das auch der Kit, der das Album als Gesamtwerk so gut zusammenhält. Zugleich ergibt sich so mehr Entfaltungsraum für die Sounds.

Meine persönlichen Hits sind die stillen „Odyssey“ und „One Zero One“, letzteres gerade durch sein hypnotisches, super reduziertes und beatloses Verschrauben von darken und hell flackernden Synthsounds. Toll toll.

Kathi hat Credit 00 übrigens eben in ihrer Radio-Sendung „Clubperlen“ vorgestellt und interviewt. Dort erfahrt ihr auch, dass Credit 00 gar kein Gamer ist. Nicht verpassen.

CommentComment

    RelatedRelated

    zum Seitenanfang scrollen