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Autor:in

Antoinette Blume
Alles, immer, gleichzeitig und umgekehrt-nacheinander: Autorin, Journalistin, Redakteurin, Moderatorin und Podcasterin.

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Balance Club Culture Festival: Interview w/ Sentimental Rave

30. Mai 2019 / Kommentare (0)

Sentimental Rave – kein unbekannter Name. Spätestens nach ihrem Boiler Room – Auftritt und Besuchen in Leipzig dürfte man die DJ aus Paris kennen. “Lässt sich in keine Schublade pressen” passt nicht nur zu ihrem musikalischen Stil.

Das Balance Club / Culture Festival in Leipzig hat begonnen.

Wir durften uns als lokale*r Medienpartner*in – thanks for that! – einen internationalen Act aussuchen und ihm*ihr vorab ein paar Fragen stellen. Die Wahl fiel hierbei auf – sonst würden die Überschrift und das Intro wohl anders lauten – Sentimental Rave.

6 Fragen an Sentimental Rave

Jetzt zu den sechs Fragen an the one and only Sentimental Rave, die einen kleinen Einblick in das DJ-Leben der Pariserin erlauben – nachfolgend einmal als deutsche Übersetzung und in Englisch.

ff: Du warst vor nicht allzu langer Zeit in Leipzig und hast beim Acid Rave im Institut fuer Zukunft gespielt. Ist dir dabei etwas zu Leipzigs Clubkultur aufgefallen? 

Ich habe bereits zwei Mal in Leipzig gespielt und habe beide Male sehr genossen. Ich hatte den Eindruck ein (welt)offenes, multikulturelles Publikum vor mir zu haben – die Gäste waren neugierig drauf, neue Musik zu hören. Für mich ist das wichtig, um mich frei zu fühlen, wirklich alles zu spielen, was ich möchte. Für mich ist das schon sehr unterschiedlich zu dem, was wir in Paris so haben. Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind in Frankreich weit von dem entfernt, was sonst so in Europa in puncto Clubkultur passiert – nicht wegen der Musikszene, sondern wegen der Atmosphäre im Club.

Leider ist es sehr selten, dass ich länger als eine Nacht bleibe, wenn ich als Künstler*in gebucht bin. Ich kann natürlich nicht in einer Nacht die Clubkultur einer Stadt analysieren. Aber wenn ich beispielsweise das Line-Up für das Balance-Festival sehe, habe ich das Gefühl, dass viele gute Dinge passieren. Wenn so ein Festival in einer kleine(re)n Stadt wie Leipzig stattfinden kann – dann gibt es Hoffnung. 

Wie hast du das DJing für dich entdeckt? 

Ich weiß selbst gar nicht, wie ich eine DJ wurde. Alles passierte step by step. Als Teenager*in spielte ich Gitarre und hörte viel Musik – das ist aber nichts Besonderes, viele Kids machen das. Ursprünglich wollte ich Fotograf*in werden, deshalb fing ich an Kunstgeschichte zu studieren. Ich wollte mehr über Kunst wissen, aber das Studium klappte nicht. Ich wollte es nicht weitermachen, ich war nicht mehr zuversichtlich was das anging. Also verließ ich die Uni und war seit dem auf der Suche nach einem Weg, wie ich mich ausdrücken könnte. 

Vor ein paar Jahren organisierte ich dann mit Freund*innen eine Party namens «les amours alternatives», für die wir weibliche Artists aus allen möglichen Musikrichtungen suchten. Eine*r meiner Freund*innen fragte mich, ob ich nicht mal spielen wollen würde… und ab da ging und geht alles einfach super schnell, bis jetzt. Ich verstehe eigentlich bis heute nicht, wie das alles so kam –

aber das ist mein Weg, mich auszudrücken, deshalb genieße ich es. 

Du bist Teil eines feministischen Kollektivs in Paris. Wie heißt es, was sind eure Angebote – vielleicht möchtest du ein paar Insights mit uns teilen?

Ja! Unser Kollektiv heißt «Comme nous brulons» (As we burn / Wie wir Brennen). Wir machen jedes Jahr ein Festival, dieses Jahr schon die 3. Edition. Es findet immer in der Location “la Station Gare des Mines” statt. Die Location wird von einem meiner Lieblingskollektive (MU) geführt, die Leute dort sind super engagiert und ehrlich mit dem, was sie da tun. 

Wir sind so 10-15 Menschen bei «Comme nous brulons», die sich regelmäßig engagieren – das Kollektiv wächst an, sobald das Festival näher kommt. Wir wollen einen safe space für FLTIQ*-Menschen schaffen; einen Ort des Austausches, einen Ort an dem du dich frei fühlen kannst und an dem du von anderen respektiert wirst. 

Comme nous brulons

Das Festival geht über drei Tage und wir organisieren Talks, Workshops und Ausstellungen innerhalb dieser Tage. Ich bin dieses Jahr nicht so präsent wie die letzten Jahre, da ich viele Auftritte habe und damit weniger frei bin, was das Festival anbelangt – aber ich bin weiterhin involviert. Mit dem Organisationsteam lerne ich enorm viel. Dieser Lernprozess gibt mir den Mut das zu tun, was ich heute mache.

Hast du einen Lieblingstrack momentan? Vielleicht einen, den du auch beim Balance spielen wirst..?

Ich kann mich nicht auf einen einzigen Track festlegen – das ist eine echte Qual für mich. Vielleicht spiele ich Would you stop von DJ Niel & Kristof – aber ich weiß noch nicht, was ich genau spielen werde, haha. 

Diesen Track mochte ich auch sehr: Evan Jones – Don’t leave me waiting too long.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Sets? Clubbing, Streaming?

Inspiration sammele ich überall – eine Situation auf der Straße, auf Reisen, im Musikladen, wenn ich Musik online höre, in Gesprächen mit Fremden, meinen Freund*innen, Liebe, Hass, Wut, politische Scheisse… 

Wir leben größtenteils in unserer Safe-Bubble, aber ich versuche so oft es geht aus ihr herauszutreten. Ich bin mir bewusst, dass mein Lifestyle sehr privilegiert ist. Also sollte ich das für etwas Sinnvolles nutzen. 

…Ich wünschte, ich könnte öfter ausgehen, um Inspiration zu sammeln. Das geht aber wegen meiner eigenen Auftritte nur selten. Ich bin aber immer sehr happy darüber, wenn ich in einem Line-Up mit Künstler*innen stehe, die ich mag und deren Musik ich entdecken kann. Wenn ich dann fertig bin, kann ich zuhören und mich mit ihnen austauschen.

Sentimental Rave – ein schöner, mysteriöser und auch softer Name. Wie kamst du darauf und was bedeutet der Name?

Am Anfang wollte ich einen Künstler*innennamen, der mich und meinen Musikstil repräsentiert. Aber vor drei Jahren wusste ich noch nicht, was ich später einmal spielen werde, welche Art DJ ich einmal sein werde. Ich spiele so viele verschiedene Musikarten und Musikstile – und ich will, dass die Leute verstehen, dass ein DJ sich nicht festlegt. Wir sind keine Roboter, die immer das gleiche liefern. Der Style verändert sich. Wir sind von unseren Emotionen abhängig und wir können und werden nicht jede Nacht das gleiche spielen und die gleiche Musik immer und immer wieder hören. Das verbirgt sich hinter „Sentimental“. Und „Rave“, das steht für all das, was mich schon immer zur Club- und Raveszene hingezogen hat, von gestern bis heute. 

Merci!

Sentimental Rave @ Balance Club 3

Wer jetzt Lust darauf hat, Sentimental Rave einmal live zu erleben, der hat am 1.6. im Institut fuer Zukunft die Chance. Neben ihr treten Nkisi, Oceanic, Tygapaw, Interviews – live, Solaris, Ostbam und Portable/Bodycode auf.

*Das Interview wurde auf Englisch geführt und für euch frei übersetzt.

Interview w/ Sentimental Rave – english version

Sentimental Rave

ff: You have been in Leipzig for an Acid Rave – event at Institut fuer Zukunft not too long ago. Did you notice something special about Leipzigs club culture? 

Sentimental Rave: I played there two times and I really enjoyed it. I had the impression that I had an open-minded audience in front of me, multicultural, and they were curious to hear new stuff. It’s important to me to feel free to play whatever I want. For me this is different from what we have in Paris, sometimes I feel we are far from what is happening in the rest of Europe, not because of our music scene, but because of the atmosphere.

Unfortunately, every time I’m playing in Leipzig or somewhere else it’s rare that I can stay more than one night. I won’t be able to analyze the club scene in one city in one night. But when I see the lineup of Balance club festival, I feel like a lot of good things are happening. If that festival can exist in a small city, there’s still hope for us.

How did you discover music / djing? Was it your passion all along or did a special event/happening/friend/school… brought it to you? 

I don’t really know how I became a DJ. Everything happened step by step. I used to play the guitar when I was a teenager, I was listening to a lot of music – but that’s not something special, all kids do that. I started studying history of art, ’cause originally I wanted to become a photographer. I wanted to know more about art in general, but I failed… I wasn’t confident with myself to do more. 

I left university and all I wanted to do was to find a way to express myself.

Some years ago, with some friends when we arrived in Paris we organized « les amours alternatives », it’s was some party about the fact that we have to find some female artists, from almost all kind of music. Then some friend asked me to play, and everything goes super-fast until today, sometimes I still don’t understand how everything bring me there, but this is still a way to express myself, that’s why I enjoyed it.

You are a part of a feminist collective in Paris. What is it called, what are the activities of the group/collective and is it also connected to club culture in France/elsewhere? Maybe you want to share some insights about the project with us.

Yes! The collective is called «Comme nous brulons», that means «As we burn». This year we’re organizing the 3rd Edition, which will take place at la Station Gare des Mines. This is a place one of my favorite collectives in Paris runs. Really engaged and honest with what they are doing.

We are 10 – 15 people and even more when the festival comes closer.

We try to build a safe place, for women, trans and queer people; a place to exchange, a place where you can feel free and you are respected by others.

We only ask female* artists to play. We also have talks, workshops, performances, exhibitions during these three days.  I don’t have the time this year to put in the energy I want to – because I am less free with my gigs, but I keep to be involved. I learn a lot with this team and this also gives me the courage to do what I do today.

What is your favorite track at the moment – maybe one you’ll be playing at the Balance Festival – ?

I’m not able to choose one track, it’s always a real torture for me, one that I probably will play this weekend: Would you stop – DJ Niel & Kristof, but I dont’ know what I’m gonna play yet, haha.

And one that I really used to love: Evan Jones – Don’t leave me waiting too long.

Where do you get new ideas for your music? (By going clubbing yourself, by listening to podcasts on soundcloud, by going to the cinema..?) 

I find my inspiration everywhere, in one situation in the street, when i’m traveling, digging in a records shop, listening music online, by talking with strangers, talking with my friends, love, hate, anger, politics bullshit. We all have a safe bubble but I’m trying to face the truth as much as possible, I know that my way of life is a privilege, so I have to use it in a senseful way.

I wish I could go clubbing more than this, as I’m playing the weekends and I started to take some more time for myself afterwards. But I’m always happy when I’m sharing a line up with some artists that I really like (like the Balance Club line up, for example), and listening new music when you have finish, share with others artists.

Sentimental Rave – a beautiful, mysterious, soft name. What does it mean/stand for? Is there a story, how you came up with it? 

At the start I wanted to have a name which represents who I am and what I’m gonna play. Cause three years ago, I didn’t know what kind of DJ I will be. I play a lot of different kinds of music and I want people to understand that being a DJ, it’s not something that is fixed, it can change. We are not robots. That’s the sentimental way – as we can’t play the same every night, we can’t listen to the same music for the rest of our lives, we depend on our emotions.

And the rave, it’s for all the things we can find in a club, for the rave scene, from yesterday to today, that I always feel attracted by.

Thank u!

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