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Christoph
Christoph mag es, wenn es breakig und verspielt klingt. Nicht zu gerade. Als Kid Kozmoe legt er auch auf. Und heimlich produziert er eigene Tracks. Aber pssst.

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New Faces – Yseto

28. Juni 2020 / Kommentare (0)

Verträumte Synthesizer-Sessions, die auch mal die 20-Minuten-Marke knacken und ganz ohne Beats auskommen: Wir stellen euch Yseto vor.

Mit „Liebes frohfroh“ beginnend erreichte uns Ende Januar eine Mail von Yseto, der kürzlich nach Leipzig gezogen war und sein Album „Transit To Now“ der hiesigen Musik-Szene vorstellen möchte. Ich war gleich sehr angetan von dem, was aus den Lautsprechern schallte: Ruhig fließende Ambient-Stücke, meistens sehr verträumt, machmal aber auch in dunklere Gefilde schielend. Perfekte Musik für ruhigere Stunden also, die sich in den nachfolgenden Monaten aus allseits bekannten Gründen durchaus häufen sollten.

Da passt es gut, dass Yseto gleich weiter nachlegte: Im vergangenen halben Jahr hat er bereits sechs weitere Veröffentlichungen im Alleingang herausgebracht. Teilweise aus Live-Aufnahmen bestehend, verdeutlichen die Releases auch das Ausprobieren der Möglichkeiten, wenn Club-Funktionalitäten nicht im Mittelpunkt stehen. So gibt es um die zwanzig Minuten lange Sessions zu entdecken, die nicht nur uns Hörer*innen in den Bann ziehen, sondern ganz offensichtlich auch den Musiker selbst.

Klare Sache, es wird schnell deutlich, dass Yseto sehr viel Spaß am Experiment mit Synthesizern und anderer Hardware hat. Nicht zuletzt bei „Slow and Endless by Basic“: Ein Teil seines vorherigen Albums „Two Mornings and a Day“ hat er mit einem kaputten Kassettendeck verlangsamt, wodurch so eine verwaschene Lofi-Ästhetik zum Vorschein kommt, wie es bspw. auch bei Dyze der Fall war:

Grund genug also, Yseto an dieser Stellen mit einem kleinen Interview vorzustellen. Und vielleicht ergibt sich ja auch trotz Corona die Möglichkeit, seinen Sound bald mal live zu hören.

In den Beschreibungen deiner Musik erwähnst du Synthesizer und Field Recordings. Wie bist du zur Musik gekommen und auch zu der verwendeten Technik?

„Als Kind habe ich begonnen klassische Gitarre zu lernen und bin bis heute von dem Instrument begeistert. In meiner Jugend habe ich allerdings immer mehr Interesse daran bekommen, die Klänge der Gitarre durch Effekte zu manipulieren.

Gleichzeitig habe ich angefangen, auch elektronische Tanzmusik zu hören und meinen generellen musikalischen Kosmos zu erweitern. Dabei ist mir aufgefallen, dass es Klänge gibt, die ich einfach keinem Instrument zuordnen konnte und habe bei meiner Recherche Synthesizer entdeckt …

Die Vorstellung davon, Klänge zu kreieren und zu manipulieren, hat mich wahnsinnig geflasht!

Da wusste ich dass ich das selbst ausprobieren musste und habe mir damals spontan vom Ersparten einen Roland Gaia Sh01 gekauft … (von Software und VST wusste ich noch nichts) … ein sehr übersichtliches Gerät, an dem alles schön beschriftet war, perfekt zum Lernen der subtraktiven Synthese auf der heimischen Stereo-Anlage.

Gezogen von meinem Hype um elektronische Musik, vor allem Techno, Drum and Bass und Ambient, habe ich schnell entdeckt, dass Hardware ein spannender Weg für mich ist. Ich habe begonnen, alle möglichen Geräte auszuprobieren: Drumcomputer von MFB, die Korg Volca-Reihe und andere diverse Geräte von Elektron. Allerdings habe ich versucht, mit allem möglichen Musik zu machen, Klänge aus Haushaltsgeräten zu samplen oder Instrumente zu benutzen, die ich gar nicht beherrsche.

Als ich zum Abitur in Mainz gelebt habe, bin ich auf die ersten elektronischen Jams gegangen und habe mich an improvisierten Techno-Sets mit Synthesizern und diversen Drum-Machines versucht. Hier war es ungemein wichtig, die Geräte in den wichtigsten Funktionen wie auch die Haptik der Geräte selbst und dessen Menütiefe auswendig zu kennen: Wie schnell kann ich Klänge verändern, ohne das Set komplett über den Haufen zu werfen und die Dynamiken aufrecht erhalten?

Gibt es Geräte oder Techniken, die du am liebsten verwendest oder die deine Musik am stärksten prägen?

Auf jeden Fall! Generell würde ich sagen, dass mich analoge Signalwege sehr geprägt haben. Doch ohne DAW und Postproduktion wäre alles wohl halb so spannend und klanglich würde ich vermutlich in den 70ern hängen!

Seit ungefähr einem Jahr baue ich ein modularen Synthesizer auf und habe mich vorher intensiv mit dem semimodularen Synthesizer Blackbox SV-1 auseinandergesetzt. Dieser stellt die Basis meines Racks dar und ist eigentlich ein klassischer monophoner, subtraktiver Synthesizer mit zwei Oszillatoren, der allerdings paraphon gespielt werden kann und komplett patchbar ist. Richtig spannend wird es nämlich eben gerade durch das Unterbrechen und Neu-Denken des eigentlichen Signalwegs.

Dazu habe ich einige für mich klanglich spannende Erweiterungen vorgenommen wie ein Lowpass-Gate, das den Weg Richtung Westcoast-Synthese öffnet. Oder das FX Kit von Koma Elektronik, das z.B. ein CV-gesteuertes Multi-FX-Gerät beinhaltet. Außerdem habe ich einen Line-Input-Modul, mit dem ich Tracks aus Ableton durch den Modular schicken und somit Filter und andere klangfärbende Module im Nachhinein benutzen kann.

Manchmal sitze ich stundenlang da und versuche, das System immer wieder neu zu denken.

Oft entkabel ich das Gerät komplett und starte mit neuen Patchideen bzw. verändere die Notenbefehle und Parameter eines Patches. So kommt es, dass es Tage gibt, bei denen ich das Gefühl habe spannende Klänge zu hören und manchmal speichere ich einfach nur die Session ab. Es kommt auch schon mal vor, dass es dann echt schnell an die Maschine gehen muss, bevor der Zauber verflogen ist oder die Idee auf dem Weg verloren geht.

Sampling ist für mich auch ein großes Thema geworden. Hierfür nutze ich einen mobilen Fieldrecorder, um alle möglichen Klänge auf Spaziergängen durch die Stadt einzufangen. Dabei fange ich manchmal den klanglichen Charakter eines Objektes ein, aber auch Ambiences, die durch die Stereomikrofonie sehr räumlich wirken können.

Ein weiteres wichtiges Element ist mein Tapedeck. Hin und wieder ziehe ich einzelne Spuren hier drüber und je nach Kasettentyp und Sättigung gibt es Nuancen in der Klangfärbung oder im Timbre, die mich immer wieder begeistern!

Für mich sehr überraschend ist die doch dauerhafte Abwesenheit von Beats in jeglicher Form. Ist dies eine bewusste Entscheidung?

Ja, ich empfinde es so, dass es für ein intensive Gefühle durch Klang nicht unbedingt einen Beat braucht, sondern die generelle Ästhetik des Tracks viel dazu beiträgt, welche Assoziationen und Gefühle ausgelöst werden. Außerdem sind die Tracks teilweise ja auch durch tonale Elemente sehr rhythmisch gestaltet. Prinzipiell halte ich Rhythmik für sehr wichtig und spannend, die Strukturen der Pattern und das Zusammenwirken der Sounds als Ganzes sind mir jedoch gerade wichtiger.

Auch habe ich mich vorher viel mit improvisierten Live-Techno beschäftigt. Diesen Pfad habe ich mit dem Projekt „Yseto“ bewusst verlassen, um mir mehr Zeit für die Synthese von Sounds zu lassen und auch die Klänge für sich sprechen zu lassen.

Spielst du live? Wie sind die Reaktionen? Und in welchen Umgebungen fühlst du dich am wohlsten?

Nein, bisher habe ich noch keine Live-Sets als Yseto gespielt, da ich noch keine Möglichkeit hatte. Tatsächlich wäre dies aber spannend, da ich das aktuelle Setup im Studio teilweise anders verwende als live. Aktuell wäre es auch nicht möglich, Tracks von den beiden Alben zu spielen, da ich quasi mit dem modularen Setup keine Speichermöglichkeiten habe. Alles würde zu 100% live passieren, was auch eine gewisse Spannung inne hat, da wohl auch dieses Set nicht 1:1 reproduziert werden kann.

Ich habe große Lust live zu spielen und freue mich darauf die Leipziger Kulturszene nach der entbehrungsreichen Corona-Zeit explodieren zu sehen!

Vor einigen Monaten bist du nach Leipzig gezogen. Wie nimmst du die Stadt und die lokale Szene als Neuankömmling wahr?

Haha … Ich habe mich direkt in den Cossi verliebt, ich war wirklich oft im See!

Ich empfinde Leipzig als eine vielfältige Stadt, jeder Stadtteil hat etwas für sich und bietet andere Facetten. Die Breite der Straßen und das Grün lassen mir auf jeden Fall genug Luft zum Atmen!

Musikalisch habe das Gefühl das Leipzig eine wichtige Stadt ist, um tolle Erfahrungen zu sammeln.

Es gibt viele gute Leute, die sehr unterschiedliche Projekte auf die Beine stellen und ich nehme eine entspannte Offenheit wahr, diese zu teilen.

Außerdem sehe ich auch viel Raum, der relativ barrierefrei genutzt werden kann.

Als Konsument kann man wohl von sehr guten Jazz über Klassik hin zu elektronischer Musik alles finden! (Props an die Mondayjazz-Sessions im Westflügel <3)

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