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Amy
"Zwischen Breaks und Party pur mit Schirmchen im Drink" - Amy Woyth alias ttyfal glüht für geile Partys, spannende Künstler*innen und gute Musik. Und schreibt auch gerne darüber.

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Interview: DOSIS im Institut fuer Zukunft

15. Juli 2021 / Kommentare (0)

Vom Biergarten zum Corona-Testzentrum und nun zur Ausstellungsfläche: Das IfZ bleibt in der Pandemie weiterhin wandelbar und stellt ab dem 15. Juli verschiedene Werke in Kooperation mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst aus. Wir haben zwei Kurator:innen zum Interview gebeten.

Nachdem kürzlich die „7IX“-Platte erschienen ist, feiert das IfZ nun einen weiteren Meilenstein und öffnet seine Tore zwei Monate lang für Kunstinteressierte. Wir haben bei Neele, Bookerin des IfZ, und Stephen Stahn, Mitarbeiter der HGB Galerie, Mitveranstalter der HGB Rundgangsparty und Fotografiestudent an der HGB, nachgefragt, was es mit den Ausstellungen DOSIS I und II auf sich hat.

Ihr habt schon öfter mit der HGB zusammengearbeitet. Wie kam es zur DOSIS Idee und damit zur erneuten Kollaboration?

Neele: Seit einigen Jahren richtet das IfZ die beliebte Rundgangsparty der HGB aus. Dabei verliefen die Grenzen strikter als nun bei der DOSIS, wenngleich auch da schon einige Gemeinsamkeiten zum Vorschein traten. Die Kooperation hat immer sehr viel Spaß gemacht und neue Synergien hervorgebracht. Weiter gab es auch personelle Überschneidungen. So gibt es Mitarbeitende, die an den Kunsthochschulen studieren und natürlich auch Studierende, die wiederum DJs oder Producer sind oder sich gar im KreV engagieren. So kommt es – und das freut mich ganz besonders – dass unser Türsteher eben auch mal im IfZ ausstellt!

Im IfZ selbst wurde sich in der veranstaltungsfreien Zeit sehr viel mit strukturellen und inhaltlichen Fragen beschäftigt. Was ist das IfZ? Was kann es sein? Was passiert mit der Crew und auch den Freund:innen des IfZ, wenn der Ort als solcher wegbricht? Das IfZ ist so viel mehr als Techno. Und eben diese Fragen führten dazu über den „Raum“ IfZ als solchen nachzudenken. Hinzu kam, dass auch für viele Ausstellungsräume aufgrund der pandemischen Situation weggebrochen sind und dies führte schlussendlich dazu, die Idee einer Ausstellung etwas größer und nicht zuletzt kooperativer zu denken.

Das IfZ ist endlich wieder nicht nur im Außenbereich für Besucher:innen geöffnet. Was erwartet uns im Inneren des Clubs, wie ist die Ausstellung aufgebaut?

Stephen: Es wird eine feste Route durch den Club geben. Entlang dieses Rundgangs werden über 30 künstlerische Positionen zu sehen sein, die sich mit den Gegebenheiten der Räumlichkeiten beschäftigt haben. Zum einen sind Arbeiten in den letzten Wochen im IfZ entstanden, aber auch bestehende Kunstwerke wurden in den Club gebracht und vor Ort neu kontextualisiert. Darüber hinaus werden auch Bereiche bespielt, die nicht beim üblichen pre-corona Clubbetrieb zugänglich waren.

Warum „DOSIS“? 

Stephen: Wir wollten einen Namen, der auf vielen Ebenen miteinander verbunden werden kann. Wir verstehen DOSIS I & DOSIS II als eine „dosierte“ Öffnung von Kunst- und Clubbetrieb. Das Wort selbst kommt aus dem griechischen und heißt übersetzt „Geschenk“. Ausstellungen mit über zwei Monaten Laufzeit wären im normalen Clubbetrieb niemals praktizierbar gewesen. Somit sind die DOSIS-Ausstellungen ein einmaliges bzw. zweimaliges Experiment, aber auch trotz aller Umstände eine Art „Glücksfall“. Obendrein hat der Name natürlich einen Corona-Bezug und da recht schnell klar war, dass wir zwei Ausstellungen organisieren wollen, fiel uns die Namensentscheidung leicht. Und, naja, pharmakologisch kann man den Titel der Ausstellung durchaus auch lesen. 

Werden die Werke einen thematischen Bezug zum Namen haben? Beziehungsweise mit welchem Hintergedanken wurden die Werke kuratiert und ausgewählt?

Stephen: Wir wollten mit dem Namen der Ausstellung inhaltlich offener bleiben, anstatt uns an einem bestimmten Themenfeld abzuarbeiten. Die gezeigte Kunst orientiert sich aber stets in einem Bereich wo sich Club und Kunst treffen: sei es in der Materialität, der Form, im Inhalt, in der Vermittlung von einem bestimmten Gefühl oder sogar von Gerüchen. Besonders wichtig war uns, dass die Künstler:innen die Chance haben vor Ort und mit dem Ort Arbeiten zu produzieren. Hierfür haben wir vor allem lokale Künstler:innen ausgesucht und eingeladen.

Wie unterscheiden sich DOSIS I und II? 

Stephen: Ohne DOSIS I keine DOSIS II. Es werden für die Ausstellung nochmal eine Vielzahl weiterer Künstler:innen die Chance bekommen im Non-White-Cube-IfZ auszustellen. Wie genau die Unterscheidung zwischen diesen Ausstellungen aussieht, bleibt eine Überraschung. Wenn beide Ausstellungen abgeschlossen sind, ist auch eine Publikation geplant, welche den ganze Prozess nochmal in publizierter Form mit allen Beiträgen zusammenfasst.

Zu den Grafiken: Wir haben schon euer neues Maskottchen Sekti entdeckt. Was hat es damit und den vielen Logo-Variationen im Hintergrund auf sich?

Ris, Jakob, Coco (Grafik Team): Eine Kunstausstellung im IfZ legitimiert den Clubraum als Ausstellungsfläche und schafft einen kunstinstitutionellen Rahmen. Die von uns gestalteten Logos hijacken ikonische Kunstinstitutionen [etwa das MET, die Tate, das MdbK] und machen aus dem Darkroom einen White Cube. 

Sekti, das Sektglas als Maskottchen, vermittelt zwischen Clubkultur und Vernissage, zwischen scheinbar konträren Welten und dem damit einhergehenden Publikum. 

Ist das der Lockdown für die Spinnerei?


DOSIS I ist ab dem 15. Juli im Institut fuer Zukunft zu sehen, Tickets gibt es bei Tix for Gigs. Mehr über die Veranstaltung erfahrt ihr über die Kanäle des IfZ. Das Headerbild ist von Martin Ruckert.

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