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Nils
Hört Musik am liebsten Schallplatte oder Tape. Kann sich zudem für analoge Technik mit Tasten und Knöpfen begeistern. Nebenberuflich Labelmacher und manchmal auch Veranstalter.

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Teichmann + Soehne “Flows” (Altin Village & Mine)

28. November 2023 / Kommentare (0)

Teichmann + Soehne – ein Projektname, der sehr nach Familienbetrieb klingt. Und tatsächlich
verbergen sich dahinter ein Vater und seine zwei Söhne – alle drei in ihren Bereichen geschätzte Musiker. Ihr gemeinsames Debüt-Album erschien nun beim Leipziger Label Altin Village & Mine.

Hinter Teichmann + Soehne steckt einerseits der Jazzmusiker Uli Teichmann. Er spielt seit mehreren Jahrzehnten Saxophon, Mandoline, Klarinette, Percussion, Flöte und Glockenspiel. Und seine beiden Söhne Hannes und Andi haben in der Vergangenheit als Gebrüder Teichmann einige verspielt-organische Minimal- und House-Platten auf Labels wie Disko B oder Kompakt veröffentlicht. Sie stecken zudem hinter dem Label Festplatten und waren immer offen für spannende Kollaborationen mit anderen Musiker:innen. Aus diesen beiden Welten kommend trifft man sich also in der Mitte?

Das Leipziger Label Altin Village & Mine hat zuletzt musikalisch ein wenig umgesattelt oder man könnte auch sagen, „das Repertoire beharrlich erweitert“. Ob lokal oder international, die Grenzen verwischen oder gab es jemals welche? Ob Krautrock, Avant Pop oder Neo-Klassik/Ambient, es wird veröffentlicht, was gefällt und Altin Village, die ich früher eher in die Postpunk/Indie Ecke geschoben habe, ist zu einem sehr modernen und fast schon avantgardistischen Label avanciert. Mit einer über 20-jährigen Label-Geschichte – im letzten Jahr hatten wir darüber ausführlich berichtet.

Das Album „Flows“ der Familie Teichmann hat eine durchaus interessante Entstehungsgeschichte.
Zunächst haben sich die Söhne noch stark abgrenzen wollen vom Jazz-Hintergrund des Vaters. Mit
der Gründung einer Punkband vor vielen Jahren und später mit der Produktion elektronischer
Tanzmusik setzten sie eher auf Einfachheit als auf verspielte Soli. Einen musikalischen Erstkontakt
gab es erst 2012, als die drei für ein gemeinsames Improvisations-Konzert gebucht wurden, weil der Veranstalter es unglaublich fand, dass die Musiker zu diesem Zeitpunkt noch nie gemeinsam auf einer Bühne gestanden hatten.

Aus einer spielerischen und eher lockeren Vorbereitung auf dieses Event wurde schnell Ernst. Dem ersten Konzert folgten viele weitere. Das Ausgangsmaterial für „Flows“ stammt aus unzähligen Probe-Sessions für ihre gemeinsamen Konzerte. Die Aufnahmen wurden selten durch Overdubs ergänzt, jedoch im Nachgang in gemeinsamer Arbeit weiter prozessiert.

Das Ergebnis kann durchaus als das beste aus beiden Welten verstanden werden. Ein Hybrid aus
Elektronica und Jazz. Eine Annäherung, ein Prozess oder um mal beim Titel des Albums zu bleiben
ein „Flow“. Mal steht ein organisches Element mehr im Vordergrund, mal dominiert ein Beat oder
eine rhythmische Struktur. Durch Techniken wie Live-Sampling entstehen neue Layers, die
Improvisation kann fließen.

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