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Jens
Im Stadtmagazin Kreuzer war irgendwann kein Platz mehr für die viele gute elektronische Musik aus Leipzig. Also hat Jens im Sommer 2009 frohfroh gegründet.

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Neues Label – Sign Bit Zero

28. März 2016 / Kommentare (1)

Jetzt wird es dark – Sign Bit Zero bringt einen Post Punk- und Dark Wave-Vibe auf den Dancefloor. Label-Gründer Kilian Krings erklärt, was er vorhat.

Und wieder formt sich in Leipzig aus einer Party-Reihe ein neues Label. In der jüngeren Vergangenheit passierte dies bereits öfter: Pneuma-dorBoundless Beatz, Bassmæssage, Lunatic, Blackred oder Zwischenwelten wagten sich irgendwann mit eigenen Residents und bei Partys geknüpften Kontakten auch an das Veröffentlichen von Musik.

Bei Sign Bit Zero war es ganz ähnlich. Allerdings bringt das Label einen bisher in Leipzig wenig beachteten Sound heraus, der die House- und Techno-Kultur mit Post Punk, Eighties Wave, Industrial und Dark Wave verbindet. Viel im Edit-Format, bei dem mehr oder weniger alte und bekannte Songs behutsam in Dance-Tracks übertragen werden.

Als DJ brachte Kilian Krings diese Mixtur in den vergangenen Jahren mehrfach in Clubs wie das Institut fuer Zukunft, Goldhorn, Dr. Seltsam und Blaue Perle. Nun also auch auf Vinyl – zusammen mit Alza54 von Modern Trips, der die Gestaltung der Sign Bit Zero-Cover übernimmt.

Für die erste Platte widmete sich der Stuttgarter Mick Wills dem Song „Center“ der kalifornischen Wave- und Post Punk-Band Ale Mania und stretchte ihn in zwei Versionen mit geraderem Fokus und neuen Elementen für den Dancefloor. Heraus kommen zwei wehmütig-schleppende, analog schillernde Wave-Hymnen.

So episch wird es nicht immer bleiben – die nächsten beiden geplanten Platten werden einen durchaus scharfkantigen, experimentellen und obskuren Sound hervorbringen. Eine sehr viel versprechende Rückbesinnung und Bereicherung der Leipziger Elektronik-Szene. Wir wollten noch mehr wissen und baten Kilian Krings um ein Interview. Here we go:

Bisher hast du Sign Bit Zero-Partys organisiert. Wie kam die Label-Idee?

Die Idee, Sign Bit Zero als Plattenlabel ins Leben zu rufen, hatte ich im Dezember 2014 als Silvester kurz vor der Türe stand. Wie jedes Jahr im Dezember dachte ich kurz darüber nach, ob es irgendwelche interessanten Vorsätze gäbe, welche man sich für 2015 vornehmen könnte.

Dabei gingen mir die Standards, wie mit dem Rauchen aufzuhören, oder öfters an die Uni zu gehen kurz durch den Kopf, wurden dann aber als „Bullshit, den ich eh nicht einhalten würde“ schnell wieder verworfen.

Eine Idee, die mir jedoch immer wieder durch den Kopf ging, kam dann im Zuge dieses inneren Monologs nochmals hoch und mir war klar, dass ich ein Label gründen möchte. Daraufhin hatte ich mit Lukas Mehling, dem Grafiker von Sign Bit Zero, geredet und er fand die Idee ebenfalls gut.

Zudem hatten wir mit dem Partys schon eine geeignete Plattform geschaffen und auch Kontakte und Beziehungen zu diversen Künstlern aufbauen können, wodurch ein einfacher Start als Label möglich wurde.

Musikalisch wird es dark, rau und obskur – was hat dich musikalisch geprägt?

Musikalisch geprägt hat mich besonders das Verlangen nach einem „neuen“ Sound für die Clubs. Nach ein paar Jahren mit House und Techno hatte ich einfach auch keine Lust mehr auf diesen Sound und befand mich auf der Suche nach etwas anderem. So habe ich dann letztendlich über die elekronische Musik wieder zu dem Sound, der mich in meiner Jugend geprägt hatte, zurückgefunden – dem Punkrock und Postpunk, was ja die Wurzeln des Label-Sounds sind.

Des Weiteren inspirieren und prägen mich momentan Künstler und Bands wie Esplendor Geometrico, Beau Wanzer, Ruud Kluivers, Beats per Minute, Maoupa Mazzocchetti, Musumeci, Deutsche Wertarbeit, Mania D, Kriminal Tanzkapelle, Portion Control, und und und …Was reizt dich an dem postpunk-beeinflussten Sound besonders – auch im Gegensatz zu klassischem Techno und House?

Vor allem die provokante Attitude. Besonders interessant finde ich auch, dass in der Musik Themen behandelt werden, die zeigen, dass eben nicht alles schön und harmonisch ist. Gängige Themen sind dann unter anderem Krieg, unsere Gesellschaft, Liebe, Tod und auch oftmals das eigene Empfinden, die eigenen Probleme, was dann oft eine sehr persönliche Beziehung zwischen den Künstlern und ihrerer Musik darstellt.

Außerdem besteht bei der Musik kein kommerzielles Interesse, sondern die Leute machen einfach, was ihnen gefällt. Egal ob es sich verkauft oder die Leute es mögen. Deswegen finde ich, dass es sehr authentische Musik ist.

Für welche Artists wird Sign Bit Zero eine erste Plattform sein?

Bisher wird Sign Bit Zero lediglich für mich eine erste Plattform sein, aber wir fangen ja gerade erst damit an, deswegen wird sich das sicherlich auch noch ändern. Die anderen Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten, haben schon auf diversen anderen Labels releast.

Es wird viele Edits geben – warum und wie wählst du die Originale aus?

Das stimmt, die ersten drei Releases sind mit Ausnahme von zwei Tracks bei der 003 ausschließlich Edits. Wir haben uns dazu entschieden, da wir Musik, die eigentlich nicht für den Club-Kontext bestimmt war oder ist, an die Leute herantragen und auch für DJs spielbar bzw. spielbarer machen wollen.

Denn was die Produktion, das Arrangement und auch leider das Speichermedium – in unserem Falle oftmals schlechte Tapes – der meisten originalen Tracks anbelangt, bedarf es meistens einer Nachbearbeitung. Die meisten Künstler, die auf Sign Bit Zero Edits releasen sind shon seit mehreren Jahren dabei und haben eine dementprechend große Sammlung an Platten oder Tapes. Wir nehmen dann einfach die Tracks, die uns am besten gefallen und zum Label passen.

Wie machst du das: Nimmst du Kontakt mit den Bands und Labels auf, um an die Spuren heranzukommen oder können Edits einfach so angefertigt werden? Auch urheberrechtlich ist das bestimmt eine Frage.

Die kann man einfach so anfertigen. Solange sie ausschließlich für den privaten Gebraucht bestimmt sind, ist da rechtlich nichts zu beanstanden. Wenn es jedoch ums veröffentlichen geht, benötigt man die Rechte der Künstler und der Labels, falls der entsprechende Track vorher schonmal veröffentlicht wurde. Da die Szene jedoch recht überschaubar ist, tritt man mit den Künstlern leicht in Kontakt und bekommt dort schnell auch positives Feedback.

Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist mein Edit von S.M. Nurse „Heimwerker“. Als ich den Edit fertig gemacht hatte, hatten Freunde von mir aus Amsterdam den Edit S.M. Nurse gezeigt und mich mit denen in Kontakt gebracht. Menko von S.M. Nurse fand ihn dann so gut, dass er die Rechte schnell mit Domestica Records geklärt hatte, sodass wir ihn jetzt bald veröffentlichen können.Ich war in Mathe immer eine Null. Was hat es mit der Signed Zero und Gleitkommazahlendarstellung auf sich? Ist das ein rein mathematisches Ding oder sind Ableitungen auf lebensnahe Dinge möglich?

Haha, das ist so eine Sache mit dem Namen … Ich habe selber etwas Zeit gebraucht, um das zu verstehen. Der Begriff kommt von meinem Mitbewohner und guten Freund Torben Jäckel, der Informatik studiert.

Kurz gefasst: Sign Bit gibt lediglich an, ob eine Zahl in der Informatik einen positiven oder negativen Wert annimmt. Das bedeutet: Sobald eine Null an erster Stelle steht, ist der Wert der Zahl positiv und umgekehrt bei einer Eins dann negtativ.

Der Bezug zur „normalen“ Welt besteht darin, dass diese Methode in den meisten Drummachines und Synthesizern verwendet wurde, die auch den Sound unseres Labels prägen. Um ein Paar Beispiele zu nennen: Roland TR707, Kawai R100 oder Roland Juno 60.

Des Weiteren passt zu unseren Namen Sign Bit Zero, dass die Musik, die wir releases ihren Höhepunkt hatte, als Computer und die Digitaltechnik gerade neu waren und ein technischer Umbruch stattfand, welcher dann massiv die gesellschaftliche und künstlerische Entwicklung beeinflusst hatte.

Was ist für nächsten Monate geplant?

Für die nächsten Monate ist einiges geplant, wir arbeiten gerade an folgenden Sachen: Am 15. April wird Sign Bit Zero in der Galerie Echobuecher in Berlin ausgestellt und dort werden auch die Releases SBZ002 mit Edits von Wosto und mir sowie die SBZ003 mit Murray CY-Edits zum ersten Mal zu hören sein.

Einen Tag später startet unsere Collaboration mit dem Label Contort Yourself aus Glasgow und Ohne Ziel. Wir haben dafür ein 24-stündiges Line-up in der Berliner Griessmuehle mit DJs zusammengestellt, die für ihre Sets im Bereich Industrial, Wave und Obscure Electronics bekannt sind. Eine Woche später findet dann noch eine Sign Bit Zero-Labelnight in Leipzig statt, dafür haben wir Alessandro Adriani von Mannequin Records gebucht.

Des weiteren arbeiten wir gerade noch an einer neuen Reihe, bei der wir originale Alben und EPs wiederveröffentlichen. Hierbei geht es darum, dass alles – auch das Design original belassen wird. Im Gegensatz zu den anderen Releases ist uns hier nicht wichtig, ob die Sachen in den Club- Kontext passen oder nicht. Musikalisch soll es exzentrischer werden – zu erwarten sind Punkrock, Free Jazz, Art Rock, Industrial und NDW.

CommentComment

  • Ela / 30. März 2016 / um 18:48
    Hallo Kili,
    cooles Interview. Hab es von Sascha. Weiter so.

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