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Christoph
Christoph mag es, wenn es breakig und verspielt klingt. Nicht zu gerade. Als Kid Kozmoe legt er auch auf. Und heimlich produziert er eigene Tracks. Aber pssst.

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Spot on #2 – Zoumo Soundsystem

29. Februar 2020 / Kommentare (0)

Soundsystem-Kultur in Leipzig: Nach Jenny Sharp kommt unser heutiger DJ-Mix diesmal gleich von einer ganzen Soundsystem-Crew.

Tragt euch den 28.03. dick im Kalender ein – dann findet im Conne Island nach dem Soundsystem Clash 2017, welcher im ersten Teil unserer Reihe „Soundsystem-Kultur in Leipzig“ besprochen wurde, endlich wieder eine Subbass-zentrierte Veranstaltung statt. Der Name ist nun mit Soundsystem Sessions #1 ein anderer und unterstreicht, dass es nicht primär um eine Konkurrenz zwischen den Plug Dub Soundsystem und dem Zoumo Soundsystem geht, sondern eher um eine freundschaftliches Zusammenkommen, bei dem gemeinsam mit dem Publikum Musik und Soundsystem-Kultur gefeiert wird.

Mit dem Plug Dub Soundsystem haben wir im zweiten Teil eine der beteiligten Crews bereits vorgestellt. Heute widmen wir uns dem Zoumo Soundsystem, das auf vielen Veranstaltungen in und um Leipzig für einen guten Sound sorgt und unter anderen Namen bereits im Conne Island aufgestellt wurde.

Secret Location.
Alle Fotos © Zoumo Soundsystem, wo nicht anders angegeben.

Toke, Tano, Cun und Histeppa sind die vier Personen, die hinter dem Zoumo Soundsystem stecken. Alle vier legen seit Jahren tieffrequente Musik auf. Aber auch am lokalen Partygeschehen sind sie als Teil der beiden Crews Bassment Rockaz und Bassmaessage, aus denen wiederum das Zoumo Soundsystem entwachsen ist, beteiligt. Aus diesen Aktivitäten heraus entsprang auch die Idee des Soundsystems, wie Tano berichtet:

Es gab immer mal Gespräche darüber, dass es schon geil wär, als Party-Veranstalter, Promoter eine eigene Anlage zu haben. Und dann hab ich irgedwann vier Achtzehnzöller gekauft und auf den Tisch gestellt und gesagt „Jetzt müssen wir dafür Gehäuse bauen.“ Das war so ein bisschen die Untermauerung, dass wir das ernst meinen.

Etwa zweieinhalb Jahre dauerte der Bau des Systems, wobei auch die Konzeption der Gehäusetypen bereits viel Vorlaufzeit benötigte. Hilfreich waren auch Kontakte zu befreundeten Technikern und Ingenieuren, aber auch dem Plug Dub Soundsystem, die ihre Erfahrung beisteuerten. Hier ein kleiner Werkstatteinblick:

Wer die Anlage schon einmal gehört hat, weiß, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Neben einem schönen satten Bass legt die Crew wert darauf, dass auch die höheren Frequenzen klar und präzise klingen, damit die unterschiedlichen Genres von Dubstep über Jungle hin zu Electro und Techno zur Geltung kommen. Klar, hinter dem Zoumo Soundsystem stecken schließlich Musikenthusiasten, die sich nicht starr auf ein Genre festlegen möchten und die mit jeder Veranstaltung weiter an der Verbesserung des Sounds feilen.

Tano: Grundsätzlich ist es schon so, dass es bestimmte Gehäusetypen gibt, die eher für bestimmte Musikrichtungen geeignet sind. Wir haben uns gedacht, wir sind musikalisch viel breiter aufgestellt und wollen deswegen ein System, dass den Sound präziser darstellt und nicht unbedingt nur den meisten Pegel macht.

Cun: Alle Leute bei uns haben eine unterschiedliche Kante und Richtung. So habe ich das bei uns auch schon immer verstanden: Dass der Sound ein Instrument ist, um verschiedene Sachen auszuleben, auf die man selber Bock hat, und man nicht auf einen Stil festgelegt sein muss. Klar, Bassmusik …

Tano: … ist der Nenner.

Soundsystem Clash im Conne Island, 2017.
Foto © Gregor Barth

Die angesprochene Vielfalt gab es schon auf vielen Partys in unterschiedlichen Locations und unter Beteiligung anderer Crews und DJs zu hören. Neben vielen Off-Locations waren beispielsweise die Einladungen zum Hechtfest in Dresden 2018 und 2019, zum Grethenfestival 2018, aber auch zur Outlook-Launch-Party mit Commodo im XX-Superkronik Highlights für die Crew. Der Soundsystem Clash 2017 stand dabei am Anfang, war dies doch das Debüt der Anlage. Tano fand den Abend gut:

Ich finde, dass das Konzept aufgegangen ist und funktioniert hat. Das Publikum hat sich darauf eingelassen, ein bisschen durch den Raum geschickt zu werden. Auch dass sich die Spielzeiten zugespitzt haben: Das ist über eine Stunde, eine dreiviertel Stunde, eine halbe Stunde auf eine Viertelstunde zugelaufen. (…) Ich fand ja cool, dass dort die Bandbreite von dem, was Soundsystem-Kultur sein kann, dargestellt wurde – optisch und musikalisch. Auch wenn wir noch dabei sind, uns da zu verorten.

Toke ergänzt: Das viele Facetten dargestellt worden sind. Plug Dub waren sehr traditionell mit einer starken Tendenz zu, ja, Rasta-Kultur. Eben diese alten 60er-, 70er-Dub-Geschichten, aber auch modernere. Und wenn wir gespielt haben, das war dann schon so diese elektronische Club-Sparte. Da gab es schon einen starken Kontrast.

Toke hält außerdem auch die Fahne in einem weiteren Bereich der Soundsystem-Kultur hoch: Dubplates sind früher aus Acetat, heute aus Vinyl geschnittene Einzelanfertigungen von mehr oder weniger exklusiven Tracks, die DJs direkt von den Producer*innen erhalten. Was ist der Grund für den Aufwand, anstatt einfach Files zu spielen?

Toke: Weil ich es bevorzuge, mit Vinyl aufzulegen. Es macht mir viel Spaß. Früher war es fast die einzige technische Praxis, durch die Anfertigung von Dubplates exklusive Tracks wiederzugeben. Heute denke ich, dass es eine individuelle, ästhetische Frage ist, ob man unveröffentliche Tracks als Files von einem digitalem Mediaplayer abspielt oder als maßgeschneiderte Dubplates. Ich bewerte andere nicht darüber. Der finanzielle Faktor spielt bei der Herstellung von Dubplates auch eine Rolle, weil sie kostspielig sein können.

Ich habe oft erfahren, dass die Producer*innen das Arrangement ihrer Tracks mehrmals durchgegangen sind, um mir am Ende die für sie beste, zufriedenstellende Produktion weiterzugeben, damit der Track für den Schnitt im nächsten Schritt gut vorbereitet ist. Man fördert und fordert sozusagen die Musikszene auf einer gewissen Weise.

Mittlerweile habe ich aber immer einen USB-Stick als Backup im Rucksack, falls es mit der Technik nicht hinhaut, wenn ich irgendwo auswärts eingeladen werde. Da ist es schon manchmal komisch, wenn auf der einen Seite Vinyl läuft und auf der anderen Seite ein CD-Player mit anderer Haptik zu steuern ist. Die Arbeitsweise ist von der Bedienung und vom Feeling her anders. Es ist alles nur Übungsache, denke ich. Und es klingt auch anders. Nicht besser, nur anders. Ansonsten kümmern wir uns als Soundsystem um die komplette Signalwiedergabekette, unabhängig vom Medium.

Wie kommst du an deine Dubplates?

Toke: Betriebsgeheimnis. Nee, man kann ganz normal fragen. Wenn du nach frischen, unveröffentlichen Tracks für deine Dubplate suchst, musst du auf allen möglichen Kanälen offene Ohren haben. Bei Radiosendungen und Podcasts zuhören, bei verschiedenen Streamingportalen auf dem laufenden bleiben. Alles aufsaugen. Mehr ist das nicht. Wenn dir was gefällt, schreibst du den Producer an, wenn du Glück hast, bekommst du den Tune. Wenn nicht, dann halt nicht. Ehrlich fragen kostet ja nichts.

Wie sind die Reaktionen auf Anfragen?

Toke: Bisher immer positiv. Also ich trau mich nicht an großen Namen ran. Von denen bekommt man sehr schwer Tunes, weil diese eben schon durch einen bestimmten Kreis, in der Regel DJs, Agenturen etc., so ihren Namen als Producer etabliert haben. Die Sache mit der Größe ist ja auch relativ abhängig von der eigenen Betrachtungsperspektive. Vielleicht trifft man mit der Zeit auf eben diese vereinzelten Kreise, aber es soll auch für mich kein Zwang sein, sich nur auf Dubplates zu fokussieren und sich darüber zu profilieren. Go by the flow, schließlich ist das Soundsystem für uns nur ein Hobby. Es ist vielleicht aus Soundsystem-Perspektive auch interessanter, an den jungen Leuten dran zu sein und denen Support zu geben und somit eventuell gemeinsam etwas nachhaltig zu wachsen, wenn die Synergien miteinander stimmen.

Cun: Die sind ja auch froh, wenn jemand ihre Tunes spielt und sie Response bekommen. So bekommt man ja auch Hörweite. Klar kann man sie auf Soundcloud stellen oder YouTube, aber es geht ja schon um Club-Musik und dass die Tunes im Club gut klingen. Das muss man ja auch ausprobieren. Das ist bei unserem Soundsystem ja auch ne coole Möglichkeit, zu hören, wie das Zeug auf einem System klingt, auch vor der Party.

Toke: Ja, man kann anderen Leute eine kleine Referenz geben. Jugendarbeit für die Produzent*innenszene quasi …

Mix Mix

Hier hört ihr den exklusiven Mix – mit ein wenig Verspätung, verzeiht es uns und Zoumo!

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