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Amy
Hauptsache gute Laune - von Disco bis Tekno kommt für Amy aka ttyfal auf dem Dancefloor und USB Stick alles in Frage. Szene über Mainstream, Open Air über Club, Sekt über alles.

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Spot on #5 – Janthe

09. Juni 2020 / Kommentare (0)

Im fünften Künstler*innenporträt stellen wir Janthe vor: talentierte DJ, Mitbegründerin vom Chelsea Hotel Kollektiv und Mitglied bei feat. Fem und G-Edit. Was sie sonst noch treibt, erfahrt ihr im Text.

„Liebe Emily, deine DJ-Superkraft ist meiner Meinung nach, dass du neben deinem tollen Sound auch andere Künstler*innen ganz unaufgeregt und ehrlich supportest. Du gibst ihnen Raum und Sichtbarkeit. Das ist ein großes Geschenk und Inspiration für viele!“ 

A defender of contemporary club sound: Emily alias Janthe durfte ich zum ersten Mal live erleben, nachdem ich ihre Sets hoch und runter gehört hatte und sie schon fast auswendig konnte. Ich hatte die Möglichkeit bekommen, sie für eine Party zu buchen. Ihre Gelassenheit hinter dem DJ Pult, ihre Selection, die Energie in ihrem Set – ich war gefesselt. Nun ist es an der Zeit, dass wir ihre Person und ihr Talent bei frohfroh vorstellen. 

Back to the roots 

Emily legt seit ungefähr zwei Jahren auf, erzählt sie mir bei unserem Interview. Sie macht aber nicht nur gute Musik – sie ist außerdem umringt von Projekten und aktiv feministisch in der Leipziger Clubkultur engagiert, als Mitbegründerin vom Veranstaltungskollektiv Chelsea Hotel und als Teammitglied bei feat. Fem und G-Edit.

Ursprünglich aus Cottbus kommend, ist Emily einige Male umgezogen, um dann schließlich vor sechs Jahren nach Leipzig zu kommen. Zur elektronischen Musik hatte sie immer einen groben Bezug, durch Jugendclubs oder Festivals zum Beispiel, aber durch ihren Freundeskreis wurde aus nur einem groben Bezug ein großes Interesse.

„Ich bin immer nur auf Partys gegangen, ohne mir zu denken, dass ich auch auflegen könnte. Nachdem ich in Leipzig von einem Freundeskreis umgeben war, in dem das viele Leute gemacht haben und ich es auch interessant fand, habe ich es mir zeigen lassen.“

2018, als sie ihre ersten Anläufe beim Auflegen feierte, nahm Judith van Waterkant Emily mit auf ein feat. Fem Treffen – „weil ich mich nicht getraut habe, dort alleine hinzugehen.“ Dort kristallisierten sich gerade Strukturen und Aufgabengruppen heraus. Emily, Judith, Carlotta Jacobi und Lou alias illousion taten sich unter anderem zusammen und bilden seitdem die Crew hinter dem feat. Fem Podcast auf SoundCloud. Das Zitat am Anfang des Porträts stammt aus dem Text, den Judith für ihre Ausgabe des Podcasts über Emily schrieb.

Tatendrang

Judith schreibt außerdem über Emily, dass sie „neben G-Edit zu einer der angenehmsten Crews in Leipzig [gehört], mit denen ich veranstaltet habe: Chelsea Hotel“. Die Leipziger Version dieses Ortes umfasst aber weitaus mehr, als nur Boutiquen, Schlafplätze und Galerien – und sie ist überhaupt gar nicht nur auf einen Ort bezogen. 

Die erste Chelsea Hotel-Veranstaltung fand vor über zwei Jahren zu Emilys Geburtstag in einer Off-Location im Leipziger Osten statt, wo sie b2b mit Ninze als DJ Team Action Service das erste Mal so richtig vor einer Crowd auflegen konnte. Im August 2018 folgte die erste IfZ-Veranstaltung zur CHANNEL, anschließend dann drei Kollaborationen mit der Petrola-Crew im So&So und mjut. Auch in anderen Off-Locations, im Leipziger Westen zum Beispiel, fanden Chelsea Hotel Veranstaltungen statt.

Foto von Nina Koellner

Den Namen bekam das Projekt, weil der Ort in New York für die Gruppe einfach spannend war, und was die Crew jetzt aus dem Projekt gemacht hat, ist genau das: spannend. „Dadurch, dass wir das Hotel-Thema immer kreativ aufgreifen können, haben wir immer geile Deko realisieren können“ – so gab es bisher auf Veranstaltungen mal eine Rezeption oder Lobby im Club, als Garderobenmarken Zimmerschlüssel mit Zimmernummern. Im ebenfalls eigenen Podcast gibt es vor jedem Mix eine Fahrstuhl-Ansage, in welche Etage es nun gehen soll. Abgerundet wird das Ganze mit einem souveränen Design, verwirklicht durch zwei Teammitglieder. Solche Details machen viel aus.

Und: während die New Yorker Version des Hotels zwölf Stockwerke umfasst, ist der Chelsea Hotel Podcast im wahrsten Sinne mit seiner bereits dreizehnten Folge durch die Decke gegangen. „Ich finde, durch den Podcast haben wir nochmal unserem Sound eine Identität geben können“ sagt Emily. Dieser Sound ist meist laid back und stark fokussiert auf

alles, was House anbelangt. 

Female focus

Für zwei von drei Kollektiven, bei denen Emily mitwirkt, liegt der Arbeitsschwerpunkt darauf, weibliche Artists zu pushen und feministische Perspektiven und Herausforderungen in der Clubkultur sichtbarer zu machen. Feat. Fem und G-Edit nahmen in Leipzig bei diesen Themen in den letzten Jahren eine Vorreiterrolle ein. Unter den Projekten, die Emily gerade gerne selbst aufmerksam verfolgt, zählen die nice 4 what Crew und die female* Ableton User Group im IfZ. 

In den letzten Monaten aber lag der Fokus innerhalb der Subkultur auf einem anderen Thema: Corona. Natürlich ist auch Emily nicht verschont geblieben, für sie sind Slots auf dem zeitraum Festival oder im ://about blank verloren gegangen. Aber: „Ich finde es cool, was hier so an Arbeit reingesteckt wird, auch zu sehen, dass es genug Unterstützung innerhalb der Stadt gibt, wenn so eine Krise die Szene trifft. Es werden trotzdem Mittel und Wege gefunden um das zu supporten und seine Verbundenheit auszudrücken.“

Ich frage trotzdem, ob es für Emily etwas gibt, von dem sie sich wünscht, dass es sich nach der Krise ändert. Aber im Gegenteil: „Es wäre schön, wenn nicht vergessen wird, was vorher war. Dass nicht nur, weil alle Clubs zu haben und gerade nur gestreamed wird, politische Themen unter den Tisch fallen.“ Sie hofft, dass weiterhin auf Diverstität geachtet wird und betont dass all-male, all-white Lineups nicht mehr zeitgemäß sind.

Hier und Jetzt

Gerade, meint Emily, steht für sie im Zuge der aktuellen Situation nichts konkretes an. Aber an ihre bisherigen DJ-Highlights erinnert sie sich trotzdem gerne zurück – sie nennt, wie auch schon DJ Team Kevin Kuranyi in ihrem frohfroh-Porträt, die Steele-Bühne auf dem Feel Festival als einen ihrer schönsten Gigs. Und „überhaupt erstmal nach Berlin gebucht zu werden, oder der erste Auftritt im ://about blank, das war krass.“

Die Zeit, die es momentan zum Nachdenken gibt, wird angemessen genutzt. Emily hat sich mit ihrer Podcast-Kollegin Carlotta Jacobi zusammengetan, über die wir eben unser letztes Künstlerinnenporträt geschrieben haben, und gemeinsam forschen die beiden qualitativ darüber, welche Zugangsschwierigkeiten es für Frauen in der Musikproduktion gibt. „Es gibt in Leipzig mittlerweile sehr viele Frauen, die auflegen, aber in der Produktion gibt es ein krasses Ungleichgewicht. Uns interessiert, warum das so ist.“

Zum Abschluss unseres Interviews möchte ich von Emily wissen, wie sie ihre eigenen Sets selbst einschätzt – eine Frage, die ihre DJ-Kollegin Judith van Waterkant bereits ins Schwanken gebracht hat. Durch die jetzige Situation ist die Frage aber ein wenig nuancierter geworden: „Das finde ich gerade ganz spannend, dadurch, dass man gerade keine Club-Sets mehr vorbereiten muss. Wenn man Musik diggt, wie kommt die rüber? Wie verändert sich der Sound? Ich finde es spannend, das im Digging-Verhalten zu beobachten, nicht mehr im Hinterkopf zu haben, was man gut im Club oder nicht spielen könnte. Aber sonst – ‘ne geile Acid-Line, schön bouncy, breaky.

Dass es geil nach vorne geht.

Es ist schwer das zu beschreiben, ohne ‘ne blöde Metapher zu verwenden.“ WORD!

Janthe X frohfroh

In dem Moment, in dem ich Janthes Mix für unsere Reihe zum ersten Mal höre, bekomme ich Flashbacks zu dem Moment, als ich das erste Mal auf ihr SoundCloud-Profil gestoßen bin. Ihr Sound ist frisch und clean geblieben, das Set steigert und steigert sich. Einfach nur killer – dafür lassen sich keine Metaphern finden.

Janthes Sound ist, wie bereits erwähnt, vor allem zeitgenössisch – und deshalb habe ich sie gebeten, mir drei ihrer momentanen Lieblingsreleases vorzustellen. Diese drei hat sie ausgewählt:

  • Klein/Melchner – Critical Mass EP (Blank State) 
  • V.A. – Viral Syndicate Vol. 3 (Haŵs) 
  • Roza Terenzi – Modern Bliss (Planet Euphorique)

Und nun, without further ado: Janthes Spot on Mix, der exklusiv für uns aufgenommen wurde. Danke dafür und hoffentlich bis bald auf den Dancefloors unserer Stadt. <3


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