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Nils & Jens
Nils und Jens together im Studio – beide hören sich durch den Bandcamp-Dschungel und suchen die spannendsten Leipzig-Releases heraus.

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New In – Winter 2023/2024

09. April 2024 / Kommentare (1)

Das Jahr 2024 läuft bereits seit einiger Zeit, aber wir blicken nochmal zurück in die release-starken Wintermonate. Nehmt euch am besten etwas Zeit für gut ein Dutzend spannender Platten.

Various Artists – „Familiar Faces Number 4“ (Riotvan)

Die „Familiar Faces“ sind mit ihrer vierten Ausgabe zurück. Und zwar gleich mit einer acht Track starken EP, die alte und neue Bekannte aus dem Riotvan-Dunstkreis featuret. Auch dieses Mal gibt es wieder die volle musikalische Bandbreite zu hören, die das Label seit jeher ausmacht. Vielleicht liegt der Schwerpunkt hier noch stärker im Bereich darker Synth-Sound, Electro und Wave.

Mit DC Sales und Mufti gibts ordentlich was auf die 12, Shubostar groovt mit E-Bass und Kraftwerk-Synth eher langsam rum, Gregor Habicht und Peter Invasion setzen dagegen auf darke und wavige Akzente, New Hook erinnern mit „Monkeys Run The Planet“ stilistisch ein bisschen an alte International Deejay Gigolos-Releases (der Tracktitel ist ein sehr gutes Statement btw), bei Sexy Lazer/School of X gibt es sogar sowas wie ne E-Gitarre zu hören, Tony Y Not überrascht dann mal kurz mit Italo-Disco-Vibes und Armarcord/Speaking Minds beschließen die Scheibe mit einem treibenden Acid-/Spoken Word-Track. Pretty nice!

Ziemlich vielseitige und coole VÖ, die erstmal unerwartet kommt (vor allem wegen der Spiellänge), die Tradition der Various Artists-Reihe auf Riotvan aber sehr schön weiterführt. Optisch übrigens auch mal wieder eine sehr antsprechende Platte!

Nils‘ Hit: Hart einen zu wählen, aber es ist „To Serve The Soul“. Why: Die Kombi an Sounds habe ich tatsächlich so noch nicht gehört.


Sawlin – „Keine Kunst“ (Freund der Familie/FDF RAW)

Neues gab es im Winter auch auf Freund der Familie, dem Label des gleichnamigen Duos aus Leipzig. Für was das “RAW” beim Sublabel “FDF RAW” steht, ist mir leider nicht ganz klar (ältere Releases waren deutlich softer). Auf diesem Release gibt es auf jeden Fall einen ziemlich straighten und „rohen“ Techno-Sound zu hören. Der Titeltrack hat sicher was für alle Techno-Heads und hat alles, was ein Techno-Track so braucht, ist für meinen Geschmack aber ein wenig seelenlos geraten.

Der Remix von Markus Suckut auf der B-Seite groovt sehr gut und hat nen feinen Break, ist am Ende aber leider auch nicht das, was ich vom FDF-Label erwartet hätte. Mir fehlt ein bisschen die Liebe, die in den anderen FDF-Releases steckt. Nix für ungut, das Label bleibt eines meiner Favoriten aus Leipzig. Nur ist dieser Release halt nichts für mich.

Nils‘ Hit: „Keine Kunst“ (Markus Suckut Remix)“. Why: Groovt super gut.


Various Artists – „A New Chapter“ (Balders Audio)

Mitte November startete Bastian Balders Label ein neues Kapitel: die erste VA-EP. Neben Label-Head Bastian Balders sind mit Głós und More Influenza auch zwei internationale Acts dabei – aus Tokio und Puglia in Italien. Die drei Tracks fallen durchaus schroff und düster aus. Besonders Bastian Balders Track sägt sich mit scharfen Synths durch die im Hintergrund kickende Bassdrum. Głós taucht dagegen in klassischen Hypno-Techno ab und More Influenza pushen mit rasendem Tempo und schlanken Arrangements durch die Zeit.

Jens‘ Hit: “Between The Line” Why: Weil die klassische und minimalistische Geradlinigkeit sofort packt.


MM/KM – „Ich sehe Vasen“ (The Trilogy Tapes)

Ebenfalls im November kam ein neues MM/KM-Album heraus. Yeah. „Ich sehe Vasen“ ist eine Zusammenstellung von 19 kurzen Skizzen und weiter ausformulierten Tracks, die 2022 in einer einwöchigen Session entstanden und später im Shared Producing weiter entwickelt worden. Das Album changiert zwischen offen-forschenden Sound-Experimenten und fassbareren, teils durchaus floor-tauglichen Stücken – eingebettet in die leicht melancholische, mit Patina überzogene Soundästhetik der beiden. Ein paar Überraschungen gibt es: „Teardrops fallen in den Pastis“ eröffnet einen ungewohnt souligen Rahmen, „What is MM/KM (I think I know)“ seziert einen bold Tech-House-Track bis auf sein Skelett und „Himmel ohne Himmel“ gefällt durch seine schräg-leiernden Sounds. Insgesamt ein sehr heterogenes Album, das viele Facetten zum Entdecken bereit hält.

Jens’ Hit: „Teardrops fallen in den Pastis“ Why: Weil der Soul und Funk dem MM/KM-Sound ein gutes Update verpassen.


Westbrook x Duktus – “s/t” (Outrun Records)

Leider in letzter Zeit ein bisschen zu kurz gekommen bei frohfroh ist der Leipziger Produzent Duktus, derweil ist uns sein letzter Release auf Blaq Numbers noch in klarer und sehr guter Erinnerung geblieben. Auf dieser Veröffentlichung ist er in guter Gesellschaft von Westbrook und Mae Rojas (an den Vocals).

Wer hier wen featuret bei den zwei vorliegenden Stücken ist vielleicht weniger interessant, als dass der Release ziemlich soulig, funky und gut geraten ist. Auf der A-Seite gibt es mit „Woin“ einmal organischen House mit den Vocals von Mae, die dem Track den besonderen Touch verleihen. Auf der B-Seite dann zum Stück „Slappi“ einmal Kopfnicken bitte mit E-Funk at its best. Die Veröffentlichung gibt es nicht nur digital, sondern auch als formschöne 7inch. We like!

Nils` Hit: „Woin“. Why: Ich mag die Vocals. Sehr.


DJ Balduin – „Concrete Mimoas Versions I“ (Kann)

Dj Balduins Longplayer „Concrete Mimosa“ lief bei uns in Dauerschleife und war eine DER Platten des Jahres 2023. Im Winter legte Kann nach und lieferte uns mit „Versions I“ ein feines Remix-Package der größten Hits der Platte (subjektive Wahrnehmung).

Die Interpretation des Stückes „Da Float“ von Martinou setzt auf flotten 4-to-the-floor-Beat mit Arpeggio-Line aus dem Orginal und immer mal wieder aufblitzenden Flächen, was dem Titel einen schönen Drive verleiht und dem Einsatz im Club nichts mehr im Wege stehen lässt. Hypnotisch!

„High“ war im Original schon die absolute Hymne, was kann ein Remix da Neues hinzufügen? Tibi Dabo weiß wie. Der Track gerät zur leichtfüßigen Balearic-House-Nummer in dieser Interpretation. Ibiza calling bei der Bassline, würde ich sagen. Die wunderschönen Flächen des Originals haben es auch geschafft im Break. Gegen Ende wird noch einmal perkussiv aufgedreht. Sehr langer Spannungsbogen. Sweet!

Die Emo-Breakbeat-Nummer „Wherever You´re Going …“ bekommt ebenfalls einen neuen Anstrich und mutiert im Remix von Acidfinky Endeavour zur perkussiven Techno-Walze, der zwar nicht so melancholisch wie das Original daher kommt, dafür aber sehr gut schiebt. Brettig!

Nils’ Hit: „Da Float (Martinou Remix)“. Why: It´s hypnoootic!


Cloud Management – “V.A.” (Altin Village & Mine)

Im Dezember gab es auch ein Wiederhören mit Cloud Management, dem Kraut-Trio aus Hamburg, das beim Leipziger Label seine Heimat gefunden hat. Nach dem Debüt-Album 2022 folgte mit „V.A.“ ein weiteres Langformat. Ursprünglich war nur eine Single geplant, aber bei der Band ergaben sich offenbar eine überraschende Flows, die Stoff für ein ganzes Album hergaben. Gut so, denn Cloud Management erweitern mit „V.A.“ und einigen Gästen ihren kontemplativen Sound um Dub-Elemente und einige hintergründig-pulsierende Experimente. Sehr spannend, wie sich Cloud Management hier fast nochmals neu erfinden. Das in sich ruhende Fundament ist erhalten geblieben, aber es kamen wohl einige Dub- und Psych-Inputs in die Band, die gleich verarbeitet werden wollten. In verschiedenen Track-Versionen. Mega like.

Jens’ Hit: „PST“ Why: Weil Aaron Coyes verhallter Gesang sehr gut in die neue Kraut-Dubbyness passt.


High Park Fun – „Permeate“ (Blaq Numbers)

Wie wir bereits im Interview mit Matthias Fiedler von Blaq Numbers erfahren durften, liebt er den Funk. Und davor macht auch der Release des Artists High Park Funk aus Schottland nicht halt. Der Name ist Programm. Der Produzent hat nicht nur sehr viel für Funk übrig, er lebt ihn. Vintage Synth- und Basslines, Talk-Box-Spielereien und echtes Saxophon. Ein paar Heavy Features gibt es auf dem vorliegenden Album (Matt Carmichael am Saxophon und Ewan Hastie am Slap Bass) sowie einen sehr schönen Vocal-Beiträg von Nico Fasho.

Und auch ein Leipziger – der Produzent Duktus – steuert einen Remix bei. Absolut runde Sache mit top Artwork, welches sogar in limitierter Auflage als T-Shirt erhältlich sein wird. Heißer Tip für alle Funk-Heads auf Tape (und natürlich auch digital) erhältich.

Nils’ Hit: “It´s All In Your Head”. Why: Because it´s is also in my heart


Cope – „Dancing With Plants“ (Patching Flowers)

Das Leipziger Label Patching Flowers war eine unserer Überraschungsentdeckungen des letzten Jahres. Um Silvester herum brachte es nochmals ein sehr schön filigran-verspieltes und verschacheltes House-Electronica-Hybrid-Album. Soft treibend mit vielen Details und viel Wärme kommt „Dancing With Plants“ daher. Da gibt es direkt warme Erinnerungen an frühe Dial-Platten. Nur bei „AgeFt“ wird es kurz mal etwas ruppiger mit einer derberen Bassdrum und etwas Acid-Knarzen. Und das in recht kompakten Tracks von ca. drei bis vier Minuten. Es muss gar nicht immer so lang sein.

Jens’ Hit: „Powermove“. Why: Weil hier so viel freudige Sounds und Melodien in der Sphäre umhertanzen.


Varum – „8008“ (Clear Memory)

Im Februar gab es auch frischen Varum-Stuff. Und das bedeutete zuletzt: Viel positiv stimmenden 808-Electro-Funk, sehr versiert, dicht und sphärisch gesetzte Synth-Arrangements sowie klassische Electro-Beats. Auf seiner „8008“-EP greift Varum auch den Vibe seines wunderbaren Albums „Bassment Business“ auf. Nur bei „ESM“ und „Asty“ wird es mal geradliniger in den Beats bzw. insgesamt düsterer – und sofort gibt es neue Perspektiven auf den Varum-Sound. Aber durch die umarmenden Melodien und die Detailfreude behält er die Stringenz. Sehr schön vielseitige und pulsierende EP.

Jens’ Hit: „Get Funky“. Why: Weil hier 80’s Soul und Funk sehr mitreißend von sphärisch gleitenden Synths aufgefangen werden.


Schmeichel & Shane Lizard – „Breath Studies EP“ (Defrostatica)

Bei Defrostatica kamen in den zurückliegenden Monaten auch einiges heraus – viele einzelne Tracks und Remixe. Alles guter Stuff, stellvertretend dafür sei die „Breath Studies EP“ vom Leipziger Producer Schmeichel und der Berlinerin Shane Lizard hervorgehoben. Auf vier Tracks entfalten die beiden eine sehr deepe Mixtur aus laid-back Grundstimmung und crisp-hintergründig kreiselnden Footwork-Beats. Angenehm kontemplativ und doch voller Details, die sich mit jedem Hören herausschälen. Dazu immer wieder auch dezente Soul- und Soundtrack-Vibes. Einzig „Enigmatic Ode“ rückt mit etwas mehr Hektik und Dissonanz von diesen ruhigen Atemübungen ab. Defrostatica liefert weiter groß ab.

Jens’ Hit: „Daphne“. Why: Weil die leiernden Synth-Sounds bestens mit den dezenten Soul-Einschüben harmonieren.


F.R. Fels – „Planet Fear“ / Interviews & F.R. Fels – „The Adventures of Helmut Muten(Brokntoys)

In diese Winter-Edition von New In müssen auch noch zwei besondere EPs, die schon Ende Oktober beim Londoner Qualitätslabel Brokntoys herauskamen: F.R. Fels ist nicht nur Teil der Ortloff-Crew, er kuratiert auch das Booking der Neuen Welle mit. Mit „Planet Fear“ lotete er die Zwischenwelten von Electro, Wave, Electronica und Broken-Techno aus. Alles eingefasst in eine dunkel-unterkühlte Soundkulisse und gewisse ausgehöhlte Schroffheit. Zugleich federn die zarten Melodien immer wieder die Düsterheit ab. Eine wahnsinnig spannende und in sich stimmige EP.

Parallel releaste Brokntoys auch noch eine Kollab-EP von F.R. Fels und Interviews – ebenfalls eng mit Ortloff und der Neuen Welle verbunden. Und die beiden präsentieren auf vier Tracks eine große Bandbreite an den Nahtstellen von Electro, Breaks und Techno. Sie beweisen zudem ein gutes Hit-Gespür, denn hinter all den durchaus verschachtelten und dunkel eingefärbten Beat-Strukturen schimmern immer auch lang ausformulierte Power-Melodien – vor allem bei „Passage“ und „Drift“. Mit „3 Years“ gibt es dann noch ein schwer wirkendes und sehr runtergepitchtes Ambient-Stück. Zwei sehr starkte EPs, die als Vinyl schon zurecht sold out sind.

Jens’ Hit: „Tour de Kadett“. Why: Weil hier dicht getaktete Beats und Synths und weiche Harmonien extrem in den Bann ziehen.


Gregor Dys & Nils Panda „Curare“ (Re:natura)

Zum Schluss noch ein Tipp quasi in eigener Sache. Denn „unser“ Nils – New In-frohfroh-Co-Autor und All My Ghosts-Labelbetreiber – hat zusammen mit dem Berliner Experimental-Musiker Gregor Dys im Januar eine musikalische Forschungsreise durch Welt der indigenen Naturstoffe zum Heilen und Jagen. Ein Wissensschatz, der bis heute wohl nie richtige Wertschätzung erfahren hat. Als Berufsapotheker haben die beiden natürlich nochmals einen besonderen Zugang zu diesem Thema. Als Musiker übersetzen sie das Forschen und Experimentieren mit verschiedenen Inhaltsstoffen für heilende Wirkungen, indem sie Gitarre, Stimmen und lauter elektronische Sounds ineinandergreifen lassen. Heraus kommen sehr musikalische, teilweise ätherisch einnehmende Electronica-Ambient-Stücke, die sich immer wieder mit poppigen Momenten aus dem klassischen Rahmen herauswinden. Sehr verspielt und dennoch kontemplativ. Heilend eben.

Jens’ Hit: „Pancuronium“. Why: Weil hier Ambient, Jazz und Natur sehr gut zusammenwachsen.

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    y6ckie
  • Tilman / 12. April 2024 / um 10:37
    Vielen Dank für die schönen Worte, Jens!

    Liebe Grüße,
    Tilman

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