New in the Bag – März 2026

Was war neu? Was war hörenswert? Was lief bei uns im März rauf und runter? Hier erfahrt ihr es.

Wir blicken in kurz und knapper Form auf einige der interessantesten Leipzig-Releases aus dem März 2026 zurück. Mit dabei sind eine wunderbare Neuentdeckung, viele experimentelle Sounds, aber auch einige Rave-Tracks. Los geht’s.

Platte des Monats:
Linusalexis – „Asbetos“ (self-released) 

Auf der Suche nach neuer, elektronischer Musik sind wir bei unserer Bandcamp-Recherche auf einen vielversprechenden Produzenten und Neu-Leipziger gestoßen. Wir hatten Linusalexis bislang nicht auf dem Schirm, aber mit seiner EP „Asbestos“ hat sich das in unserer Redaktion schlagartig geändert. Diese Musik hat uns gelinde gesagt geflashed.

Sieben sehr ausgereifte und scharfsinnig produzierte Stücke versammelt er auf dieser grandiosen EP. Hervorzuheben ist die Musikalität, die auf ein sehr gutes klangliches Grundverständnis oder sogar eine Ausbildung hindeuten. Ein wie selbst eingespielt klingendes Klavier, subbige Bässe, ein leichtes Knistern und kantige Breakbeats. Erinnert bisweilen an Produktionen von Genre-Größen wie Bonobo. Kurz: Ein ganz heißer Tip! Wer bist du Linusalexis? Wir wollen mehr erfahren. 


VA – „OSMVA005“ (Osmium)

Das Hamburger Techno-Label Osmium ist seit der EP „Wings Of Glass“ der Leipziger Produzentin Slany auf unserem Radar erschienen. Auf der neuen Various-Artists-Veröffentlichung „OSMVA005“ wird explizit auf den Begriff „Experimental“ hingewiesen. Was dies in musikalischer Ausführung bedeutet ist sicher strittig. In diesem speziellen Fall lässt sich aber klar sagen, dass die Stücke allesamt dem Techno zuzuordnen sind, die Genregrenzen aber locker ausgedehnt werden und der Fokus nicht auf reiner Funktionalität liegt. 

Es entsteht Raum für verhallte Sounds, dynamische Track-Verläufe mit teils langen Aufbauten und aufgebrochenen 4-to-the-Floor-Beats. Mit Farkas, Kønnë und Humanoizer finden sich auch drei Leipziger Artists auf der Compilation, wobei ersterer die Zusammenstellung kuratiert und gemastert hat.


Jakob Mäder – „A Matter Of Time“ (Paradijs Boogie)

Nach zahlreichen Releases auf dem Leipziger Label Freund der Familie und auf deren „Schubladen-Labels“ wie FDF Dubs, FDF Raw usw. gibt es mit Paradijs Boogie seit 2025 auch ein echtes Sub-Label. Das erste Album des Stuttgarter Produzenten Jakob Mäder ist die zweite Veröffentlichung darauf. Der musikalische Ansatz ist ebenso einfach wie eingängig. Es gelingt dem Produzenten auf der gesamten Spiellänge atmosphärische Ambient-Sounds mit geschmeidigem Deep House zu kombinieren, was das Album sehr hörbar macht. Wollte man ein Bild heraufbeschwören, klingt dieses Album wie Abendrot über tiefblauem Wasser. „A Matter Of Time“ kommt wie aus einem Guss und kann tatsächlich zu diversen Anlässen aufgelegt werden – sei es zu Hause oder in gediegenerem Club-Kontext. 


.At/on – „Anti Rave“ (Adventurous Music)

Weiterhin abenteuerlich ist nicht nur die Veröffentlichungs-Frequenz auf dem Leipziger „Non-Profit-Micro-Label“ Adventurous Music, sondern auch die Musik, die hier immer das Licht der Welt erblickt. Diese EP hier etwa ist kein Diss gegen die Rave-Szene, wie es der Titel vermuten ließe. Vielmehr handelt sich um eine nerdige Electronica-/Experimental-VÖ, deren Musik auf einem einzigen Gerät entstand – einem Drumcomputer, der auch als „Anti Rave“ bekannt ist, zumindest bei den Hardware-Nerds da draußen.

Die nur aus dieser Kiste stammenden Samples wurden auseinander geschnitten und weiter prozessiert. Das Ergebnis sind neun Stücke, wobei jedem Track ein Buchstabe des EP-Titels zugewiesen wurde (inklusive des „_“). Die EP ist durchgängig hörbar und erfrischend kurz. Kann man sich mal in knapp 20 Minuten geben. 


Mytripismytrip – „Rage People“ (Marginalia Music)

Mytripismytrip war bisher bei uns nur in den Dance-Dance-Tipps ein Thema. Denn vor allem ist das Leipziger Duo durch seine Live-Sets präsent. Allerdings gab es schon einige Releases. Im März folgte auf Marginalia, dem Label der in Barcelona lebenden, international tourenden DJ Elif, nun eine weitere EP mit zwei straight auf den Dancefloor zielenden Techno-Tracks.

Mit „Rage“ und „People“ haben Mytripismytrip zwei sehr drückende, analog und verspielt klingende Stücke aus einem Guss gebracht, die sonst wahrscheinlich in dessen Live-Sets schlummerten. Die gepitchten Vocal-Samples garnieren etwas Pop-Appeal in den ravig und für größere Floors ausgelegten Grundsound dieser EP. Der mexikanische Producer Ripopolar glättet „Rage“ dann noch etwas, was dem Stück einerseits gut tut, aber tatsächlich bleibt die Ruppigkeit des Originals noch anziehender. Gute Rave-EP made in Leipzig.


Ergashma – „フォルダ「enchantments“ (Self-released)

Im März ist uns mal wieder eine höchst interessante Neuentdeckung auf Bandcamp gelungen: Ergashma. Viele Informationen lassen sich leider nicht extrahieren. Hinter dem Namen steckt ein in Leipzig lebender Producer mit usbekischen Wurzeln. Und die scheinen in seiner musikalischen Arbeit eine wichtige Rolle zu spielen. Seit 2022 veröffentlicht Ergashma via Bandcamp sehr unterschiedliche Musik, meist experimenteller und ambienter geprägt, manchmal aber auch mit einem Fokus auf special Dancefloors.

Mit „フォルダ「enchantments“ erschien im März nun ein neues Album mit elf kurz gehaltenen Stücken, die sich zwischen folkloristisch-organischen Sounds und minimalistischer Elektronik bewegen. Einige Tracks bleiben fragmentarisch, andere wirken schon ausformulierter. Und die zweite Hälfte des Albums entfaltet sich zunehmend rhythmischer und zugänglicher mit dezent deepen bis dubbigen Downbeat-, Electro- und Drum & Bass-Tracks. Aber nie in einem klassischen Sinne. Ergashma ist offenbar in einem andauernden Forschungsprozess, an dem wir ab sofort häufiger teilhaben möchten.


Noch mehr neue Leipzig-Releases entdecken?

Für immer: Flying Moon In Space

Etwas abseits der klassischen Clubfloors lotet die Leipziger Band Flying Moon In Space mit minimalistischen Arragements eine höchst tanzbare Energie aus. Zeit für eine kurze Vorstellung und einen Blick auf ihr neues Album.

Aus einer kollektiven Idee und stundenlanger Improvisation entstand vor gut zehn Jahren in Leipzig Flying Moon In Space. Sie spielten überall, wo ein bisschen Platz war, in Hausprojekten, Imbissbuden oder Kneipen – oft ohne Unterbrechung die halbe Nacht durch, bis kaum jemand mehr stehen konnte. Motorisch pulsierendes Schlagzeug und minimalistische Gitarrenpattern verschmolzen mit Effektpedalen zu einer rauschhaften, extrem tanzbaren Musik, die sich mit dem Moment intuitiv verwandelte.

Bis heute entsteht die Musik der nun sechsköpfigen Band aus freier Improvisation. Für ihr drittes Album „Immer Für Immer“, das am 13. März auf dem Londoner Label Fuzz Club erschienen ist, haben sie zehn Tage im Kinett verbracht, einem ehemaligen Kino in der Rheinland-Pfälzischen Kleinstadt Kusel. Dort kondensierten sie neun Songs aus dem gemeinsamen Spiel – fast alle kürzer als vier Minuten, aber so verdichtet, energiegeladen und bisweilen fragmentiert, dass es scheint, als könnten sie sich über Stunden ausdehnen, wenn man sie nur ließe.

Flying Moon In Space haben das Album als „Ritual gegen das Gefühl, verloren zu sein“ beschrieben und verorten sich damit in den Brüchen der Gegenwart. Auch musikalisch tastet „Immer Für Immer“ Grenzen ab: Der erste Track „Barbarian“ rollt schnell mit hellen, verzerrten Synthie-Arpeggien herein, die bald von fest und dumpf stampfenden Drums davongerissen werden. Der Gesang klingt durch Hall wie ein Rufen auf Distanz, die Melodie ist ungleich eingängig und vertraut. Kaum hat sich der Sog des Tempos ausgebreitet, mündet die Single abrupt in eine Fläche, nur um aus der Ruhe gleich wieder ekstatisch davonzueilen. Die Stimmung bleibt melancholisch. In „Where Are You“ überlagern sich stolpernde Muster und minimalistische Gitarrenpattern, bevor der Refrain mit hellem Chor und viel Raum in einen der euphorischen Überwältigungsmomente des Albums aufgeht.

Nicht nur wegen der gemeinsamen Art Stücke zu schreiben, ist Krautrock eine der naheliegenden Kategorien. Das Prinzip „Steigerung durch Wiederholung“ zieht sich durch alle Tracks und sorgt samt metallisch angezerrten, elektronischen Klänge auch für technoide Passagen. Dicht in sich verschlungene Flächen aus Gitarreneffekten und Synths schlagen Brücken zu Shoegaze und Ambient – der Song „Zx473-A“ etwa ist eine einzige, in sich bewegliche, kühl pulsierende Fläche.

Live auf Europatour

Die kleinen Lücken ihrer Heimatstadt haben Flying Moon In Space lange verlassen. Ihre aktuelle Tour führt sie im April und Mai einmal quer durch Europa. Am 8. April brachten sie „Immer Für Immer“ auch in Leipzig im UT Connewitz auf die Bühne, die sie mit den Post-Punk-Koryphäen A Place To Bury Strangers teilten.

Flying Moon In Space sind: Atom Parks (vocals), Valentin Bringmann (Gitarre), Henrik Rohde (Gitarre), Sebastian Derksen (Gitarre/Synthesizer), Sascha Neubert (Bass) und Timo Lexau (Schlagzeug)

Alle Fotos: Walther Le Kon

KW 16 – Freitag

Es gibt einen Club-Geburtstag zu feiern – und ein diverses Rave-Programm.

frohfroh-Tagestipp //

19 Yrs Of Eli – Day 1 // Elipamanoke // 23:59 – 11:00 Uhr
w/ Dr. Rubinstein, Aivee, Flexibleheart, Nienein b2b Lars Goldammer, Senta Julien, Siggi Sauer, Splinter b2b Lyzi, Plateau Bitch

Happy Birthday, liebes Eli. Auf der Zielgerade zu einem wirklich großen Jubiläum im nächsten Jahr wird an diesem Wochenende das letzte Teenager-Jahr gefeiert – mit zwei langen B-Day-Partys. Heute kommt extra dafür die Berliner Acid-Techno-Queen Dr. Rubinstein dazu und wird sicher auch den einen oder anderen Hardcore- und UK-Banger abfeuern. Außerdem gratulieren jede Menge Residents und Friends vom Elipamoke mit ihren Techno-House-and-beyond-Sets.


Außerdem heute //

Boundless Beatz x Function x Skillz // Distillery, 21:00 – 06:00 Uhr – Drei Crews bespielen heute Nacht drei Tille-Floors mit einem breiten Mix aus Drum & Bass, Dubstep, Garage und HipHop. Mit dabei sind auch zwei Highlights: Sweetpea aus UK sowie Ambient-Held Azaleh. Außerdem spielen Votha, Dubbalot, Vrum, Gent1e $oul, Rolex3k, Neelie., Pens, Rarri, Posse Unter Tage, Szillo Tetrapack, Tokan & Morris, Derbydelay, Nrco und Shamzy

Bpm Attack // Absturz, 23:30 – 06:00 Uhr – Im Absturz wird es mal wieder schneller, mit einem deftigen Trance-Gabber- und Hardcore-Mix von Aurora Polaris, Marcie, Ostbam, Vluna sowie der Flinta* Newbie-DJ-Contest-Gewinner:in 

Tape Release Party // Pata Soul, 19:00 – 23:00 Uhr – Das junge Leipziger House-Duo Clear Light System feiert seine Debüt-EP auf O*RS – zur Tape-Party spielen die beiden live, dazu legen auch Filburt und Nils fein-stofflichen House auf

Disconized Vol. 1 // Moritzbastei, 20:00 – 24:00 Uhr – Die MB featuret heute eine Soul-Funk-Disco-Party mit der Leipziger Band Extraviolette und Italo-Signore Möbelnder Pop

Klubnacht // Caracan, 21:00 – 03:00 Uhr – Und auch auf der Neuen Linie kann heute gedancet werden – zu den House- und Funk-Sets von Big T, Acid Jack & Da Wiesel und Ho/ka

KW 16 – Samstag

Und auch der KW 16-Samstag zeigt sich von seiner diverseren Rave-Seite. Hier sind unsere Tipps.

frohfroh-Tagestipp //

IO Records presents Glome // Neue Welle // 23:00 – 07:00 Uhr
w/ Polygonia, Mitra, Tenzia b2b Mordio, Vanta

Das Münchner Techno- und Minimal-Label IO Records präsentiert heute sein neues Vinyl-Release mit einem Showcase-Rave in der Welle. Und der dürfte von deep-filigran-hypnotischen sowie leicht darken und experimentellen Sounds getragen werden. Mit Polygonia ist bei dieser Labelnacht auch eine international tourende Resident-DJ des Münchner Blitz-Clubs zu erleben. Außerdem gibt es zwei Live-Sets von Mitra und dem Leipziger IO-Artist Vanta.


Außerdem heute //

19 Yrs Of Eli – Day 2 // Elipamanoke, 23:59 – 11:00 Uhr – Die zweite Birthday-Nacht des 19. Eli-Geburtstags pumpt mehr Trance, Groove und Bounce, aber auch etwas classic House. Mit dabei Hamburgs Groove-Duo Andata sowie DJ Stimula b2b S-Ray, Gretaepisch, Goldie Palm, Luzi, R-Sohr, Traxx Jr b2b F.D.M, Vluna, Günther Kardashian, Bonnie The Biceps b2b Hofer

Instore Session // Sleeve++, 18:00 – 21:00 Uhr – In dieser Woche erscheint die neue wunderbare Compilation des Leipziger Electro-Labels Clear Memory. Checkt unbedingt unser New In Radio, dort stellen wir die Platte ausführlicher vor. Oder geht zu dieser Instore-Session mit einigen der CM-Residents

Saturday /.Dissy! // Distillery, 21:00 – 10:00 Uhr – Der Tille gelingt heute ein guter Spagat zwischen bouncy Techno und lässig tänzeldem House. Mit dabei sind Jakojako, Nurmiri, Theus Mago, Nici Palm, Slany b2b Noxsonos, Vincent Neumann, Kleinschmager Audio, Lovelycloudjane, Mathias Ache & Mule und Sugar D.

Komorebi #3 // Kulturlounge, 23:00 – 07:00 Uhr – Das Komorebi-Kollektiv präsentiert einmal mehr seinen fluiden Mix aus Acid, Techno, Psytrance, Breaks und Bounce. Dieses Mal mit Jack Mate, Kim Shine, Lottini b2b Albatron, Flomel b2b PáThos sowie Eclipsa b2b Cherry.s

Soli-Rave // Kopfsalat, 14:00 – 22:00 Uhr – Der Kopfsalat e.V. belebt den Stannebeinplatz seit zehn Jahren – und ist leider in Gefahr. Deshalb steigt heute ein musikalisch diverser Day-Rave mit Habitat, Epidemic, Elsa die Landratte, Lexo, Szet, Ruuf sowie DJ Goldraum & die Rattenloch-Crew

New In Radio – 04/2026

Es gibt eine neue Ausgabe von unserem New In Radio. Dieses Mal wieder mit einem sehr diversen Soundprofil. Hier gibt es den Stream.

Im April trafen sich mal wieder Nils und Jens allein im Radio-Blau-Studio, um einige der spannendsten Leipzig-Releases der vergangenen Wochen vorzustellen. Es geht los mit einigen deepen House-Tracks und mündet dann in experimentellen Techno, Folk-Ambient und breakige Sounds.

In unserem Deep Dive steht die neue Compilation des Leipziger Electro-Labels Clear Memory im Fokus. Sie featuret sehr unterschiedliche Nuancen von patina-überzogenem, bouncy und teilweise auch poppigem Oldschool-Electro.

Reinhören? Immer gern. Den Mitschnitt findet ihr die nächsten sieben Tage in der Mediathek von Radio Blau. Oder ihr bleibt einfach hier und hört die ungekürzte Ausgabe über Soundcloud:

Und hier die komplette Tracklist:

Salomo & Reece Walker – “Beating Hearts„ (R.A.N.D. Muzik Recordings)
Marvin Böttcher – „Feels Like“ (04177 Records)
Ron Deacon, Interflug – „Lost In Your Eyes (feat. Zoree – R.D. Disco Remix)“ (Compost Disco)
Kid Kozmoe – „Holiday Dub“ (Piennar)
Cloud Management & Vivien Goldman – Whoops Wrong Planet (Altin Village & Mine)
Mytripismytrip – „Rage“ (Marginalia)
Kablehead – „Tiger Ghost“ (Self-released)
Farkas – „Magnolia“ (Osmium)
PsiOnide – „Serpent“ (Bassmaessage)
Ergashma – „ララバイ“ (Self-released)
Tsaritsa Logiki – „HBDTON“ (Self-released)
VR-System – „Nuuns Moonlight„ (Clear Memory)
Varum – „Tryp“ (Clear Memory)
Dog Balls „Verwaarloosbaar“ (Clear Memory)
Sven Tasnadi – Amy Rose (Stretch Cat)


Ihr wollt nochmals in die vergangenen Folgen reindiven? Gern gern. Hier ist das Archiv:

Bells Echo – iiiinteriiiim – 15. Mai 2026

Im Mai steht eine neue Ausgabe der wunderbaren Bells-Echo-Reihe an. Dieses Mal an einem neuen Ort und mit zwei spannenden Musiker:innen zwischen Orgel und antiker Flöte.

Mit Bells Echo hat Leipzig bekanntlich seit etwas mehr als zehn Jahren eine Reihe, die Konzerte nicht einfach in Räume setzt, sondern die gewählten Räume mitdenken lässt. Es sind meist Kirchen und Denkmäler, Orte mit Patina, Volumen und einem Eigenleben. Orte, die Klänge nicht neutral transportieren, sondern sie brechen, aufladen, verlängern. Für die nächste Ausgabe am 15. Mai zieht Bells Echo nun erstmals in die Evangelisch Reformierte Kirche am Tröndlinring. Ein neuer Schauplatz also. Und einer, der sich für das, was diese Reihe seit 2015 auszeichnet, als ziemlich ideal erweisen dürfte: konzentrierte Musik zwischen Drone, Experiment, Minimalismus und sakraler Anmutung im direkten Dialog mit Architektur und Geschichte sowie deren Nachhall.

Dass diesmal Ellen Arkbro zu Gast ist, wirkt dabei fast folgerichtig. Schon mit Kali Malone war im April 2025 eine Musikerin aus Skandinavien bei Bells Echo zu erleben, nun folgt mit der schwedischen Komponistin und Soundkünstlerin eine weitere Künstlerin, die ihre Kraft aus der Langsamkeit, Präzision und räumlicher Tiefe bezieht. Arkbro arbeitet mit just intonation, also mit fein austarierten, reinen Stimmungen, mit lang gehaltenen Tönen, minimalen Verschiebungen und Harmonien. Dies alles lässt sich eher als körperlicher Zustand denn als klassische Komposition erfahren. Ihre Musik ist reduziert, aber nie leer. Klar gebaut, aber voller Bewegung im Detail. Wer ihre Arbeiten für Orgel, Blechbläser oder elektronische Setups kennt, weiß, dass es ihr nicht um vordergründige Dramatik geht, sondern um Resonanz – im Raum, im Ohr, im Körper. Gerade deshalb entfaltet diese Musik ihre Wirkung besonders dort, wo Architektur nicht bloße Hülle bleibt. Bei Bells Echo wird sie ihr 2024 erschienenes Album „Nightclouds“ live vorstellen.

Mit Lukas De Clerck steht Arkbro ein zweiter Künstler zur Seite, dessen Arbeit ganz anders ansetzt und doch erstaunlich gut in dieses Setting passt. Der belgische Musiker und Forscher beschäftigt sich mit dem Aulos, einem antiken Doppelrohrblattinstrument, das seit vielen Jahrhunderten als verschwunden gilt. De Clerck hat daraus allerdings kein museales Rekonstruktionsprojekt gemacht, sondern vielmehr eine lebendige, gegenwärtige Praxis entwickelt. Sein jüngstes Album „Telescopic Aulos of Atlas“ klingt archaisch und futuristisch zugleich, roh und präzise, körpernah und seltsam entrückt. Es geht um Atem, Reibung, Mikrotonalität, um Obertöne, die im Raum zu flirren beginnen. Eine Musik, die sich nicht aufdrängt, aber festsetzt.

Der neue Ort dürfte dafür einiges beitragen. Die Evangelisch Reformierte Kirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neo-Renaissance errichtet und bringt genau jene Mischung aus Strenge, Ruhe und räumlicher Präsenz mit, die für Bells Echo so entscheidend ist. Der Bau am Tröndlinring wirkt klar gegliedert, aufgerichtet, konzentriert. Dahinter versteckt sich kein überladener Sakralraum, sondern ein Ort mit eigener Achse, mit Haltung, mit akustischer Tiefe. Auch seine Geschichte – von der Errichtung um 1900 über die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bis zum vereinfachten Wiederaufbau – schreibt sich in diese Atmosphäre ein.

Das ist genau der Punkt, an dem Bells Echo in Leipzig weiterhin herausragt. Die Reihe kuratiert nicht einfach spannende Namen. Sie findet Konstellationen. Zwischen Künstler:innen und Orten. Zwischen Klang und Architektur. Zwischen Kontemplation und Intensität. Die Ausgabe mit Ellen Arkbro und Lukas De Clerck verspricht dafür ein besonders stimmiges Beispiel zu werden.


Tickets Tickets

Tickets für die neue Bells-Echo-Ausgabe gibt es bei TixForGigs.

KW 15 – Freitag

Das KW-15-Wochenende startet gut durchmischt – hier sind unsere vier Rave-Tipps.

frohfroh-Tagestipp //

Dualism // Distillery // 23:00 – 08:30 Uhr
w/ Shoki287, Baugruppe90, DJ Wasserfall, Krash Cora, Charleen Herzig, Katta Lana, Brauer, Rocko Garoni, Multifun, Hanna Baertig, Laurix

Die Berliner Dualism-Reihe verlässt ihre Homebase und besucht Leipzig mal wieder für eine Techno- und Trance-Nacht. Mit Shoki287 und Baugruppe90 sind auch zwei Headliner mit am Start, die für bouncy-uplifting Techno stehen. DJ Wasserfall zeigt dagegen, dass auch Kiel ordentlich auf der Trance-Welle reitet. Und Katta Lana & Brauer sind mit einem poppig-treibenden Live-Set zu erleben. Also eine Nacht mit viel Dualismus.


Außerdem heute //

Finest Selection // Kulturlounge, 23:00 – 08:00 Uhr – Sphärisch deepen House mit dezenten Techno-Ausflügen verspricht das Zusammentreffen dieser vier Acts: Zischko, 96kbps, Thomas Heinrich & Andreas Eckhardt

Galactic Techno Voyages Vol.1 // Elipamanoke, 23:59 – 09:00 Uhr – Die Brotfabrik startet eine neue Reihe für galaktisch aufgeladenen Space und Melodic Techno. Zur Premiere kommen mit Ele Luz und Rauschhaus gleich zwei Headliner:innen aus diesem Bereich in die Stadt. Außerdem dabei: Tiwea, Juni b2b Bernau, Rn86, Nøvae, Ri0d. und Simon Phil.ter

Gb²r presents Hakken 2.0 // Absturz, 23:30 – 06:00 Uhr – Oder lieber noch mehr Tempo und Härte? Dann bietet die Hakken 2.0-Nacht ein volles Gabber-, Hardcore- und Tekno-Programm mit Noirn0a, Lyzi b2b Dan Shepphard, Parasit, Bby.ric, Anonarky sowie einer Feuer-Performance von Éclattax

KW 15 – Samstag

All-Flinta*-Line-up, Bass-Nacht, Hyperpop und eine sexpositive Party – das sind unsere Samstags-Tipps für die KW 15.

frohfroh-Tagestipp //

Zan // Elipamanoke // 23:59 – 09:00 Uhr –
w/ Dari, Apøllo, DJ Tudor, DJ Tonic, Speedy Blondz, Stenella, Witty b2b Lena Xx

Die Zan-Reihe ist zurück im Eli – und mit ihr wieder ein musikalisch powerful aufgeladenes All-Flinta*-Line-up inklusive unterschiedlichen Verzweigungen von Techno, Trance, House und Disco. Was alle Sets eint: ein hohes Tempo und maximale Energie. Unser Highlight: DJ Tudors bouncy-fluider Techno-Mix.


Außerdem heute //

Saturday /.core // Distillery, 21:00 – 10:00 Uhr – Düster-schillernd, schnell-treibend und mit Psy- und Industrial-Einflüssen klingt die Tille heute. Musikalisch bespielt von Barcelona-Headlinerin Metaraph und Supergloss sowie den Locals Emeveka b2b Skoria, Moto Moto, Bephål und Bigalke

Bass Line 140 // Polikyl, 22:00 – 06:00 Uhr – More breaky geht es im Westwerk zu. Hier legen Tmsn, J Nuggetz, Manfredo Best und Iona μ einen guten Mix aus UK Garage, Jungle, Grime und Bass auf

Obscura // Studio Nr. 16, 21:00 – 09:00 Uhr – Obscura lädt mal wieder zu einer kinkful Techno-Nacht mit vielen Gast-DJs aus Berlin, playful Dresscode und Playroom. Auf zwei Floors spielen Play, Oneaxone, DJ Sanity Check, Itsadisasta, Ninalacool, Cotumo, Maniaclina, Eiji De Luca und Charlie

Br4tifi3d & 0v3rstimulat3d // Absturz, 22:00 – 05:00 Uhr – Oder eher eine Queer Party mit Hyperpop und Internet Music? Der Absturz überstimuliert heute alle Sinne mit einem wilden Musikmix von Khaos Reignsss, DJ Jouissance, Jenzee Lej und DJ Putzi

KW 15 – Sonntag

Huhu, da geht noch was im Osten der Stadt …

frohfroh-Tagestipp //

Crème Hours // Treuhand // 10:00 – 20:00 Uhr
w/ Boris & Davy, Jewelry, Lucie Leh

Nach der Afterhour neulich in der Distillery, holt die Crème-Club-Crew den wochenendverlängernden House-Day-Rave nochmals nach. Dieses Mal aber im intimeren Bar-Rahmen des Goldhorn-Nachfolgers Treuhand. Mit dabei sind neben zwei Crème-Residents auch zwei weitere wunderbare House-DJs: Lucie Leh aus dem Sleeve+ sowie Jewelry.

KW 14 – Freitag

Am Ende des Karfreitages werden dem göttlich verordneten Dance-Verbot einige Beats entgegengeschleudert.

frohfroh-Tagestipp //

Aggregat // Kulturlounge // 23:00 – 06:00 Uhr
w/ Dev1tron b2b DJ Hefeweizen, Sophiise, DJ M€r$€bvrg b2b Toffel

Das zwischen Leipzig, Wien und Eichstädt pulsierende Aggregat-Kollektiv ist zurück mit einer weiteren etwas intimeren Party. Inklusive zweier Resident-B2Bs und einem Set von Sophiise von der Rude-Reihe. Sie bringt nochmals eine extra breakig-bouncy Bass- und HipHop-Note in den eh schon offenherzigen Aggregat-Sound. Der steht ja für einen wunderbaren Mix aus deepem und spacigem House bis hin zu treibenderen psy-inspirierten Techno. Ein perfekter Start in das lange Osterwochenende.


Außerdem heute //

Trance Edit Vol. 3 // Absturz, 23:59 – 06:30 Uhr – Für einen more bouncy Trance-Start ist der Absturz heute die erste Wahl. Dort treffen sich Benito, Vivex, Raphus und Sinn-& Taktlos zur dritten Trance-Edit-Ausgabe

KW 14 – Samstag

Der Ostersamstag startet mit einem langen Wohnzimmer-Rave und drei weiteren Optionen.

frohfroh-Tagestipp //

36h Whnzmmr – Easter Edition // Distillery, 22:00 – xx:00 Uhr
w/ Ellen Allien, Boris, AgainstMe, Ryan Elliott, Karete Bu, Kim Shine, Shuray & Walle, Napoleon Dynamite, Pokka, Kønnë, Helly_Fx, Fr. Jpla, Janein, Subkoøne, Hypnosta, Mona:mi b2b Handgemaenge, Junction, A:technuk, Siggi Petrol

Die Tille knüpft an ihre traditionellen, extra langen Oster-Raves an. Heute geht es los und endet irgendwann im Laufe des Ostermontags. Und das Line-up ist mal wieder sehr fein zwischen verschiedensten Nuancen von House und Techno kuratiert – mit bekannteren und neu zu entdeckenden Locals sowie mit einigen Headliner-Highlights. Allen voran: Ellen Allien! Sie verbindet in ihren Sets genau diese beiden Welten mit einem Schuss Futurismus, Big Room und Glamour.


Außerdem heute //

Sugarbass // Elipamanoke, 23:59 – 07:00 Uhr – Auch die Sugarbass-Crew hostet dieses Wochenende eine große Easter-Edition mit einem gewohnt fluiden Soundprofil zwischen Trance, Techno, Breakbeat, Bass und mehr. Dieses Mal sind DJ Mischkonsum, Eisbärin Action Bronko, Richie Rollin, Scrappy Coco, Timstagram, 2shabba, DJ Kammerflimmern, Speedy Blondz, Lene Jenner, Benninja, Pauli, Flippo108, Czesny und David Ghetto mit dabei

Welcome to Oˈaːzə // Polikyl, 21:00 – 06:00 Uhr – Im Westwerk steht dagegen die Premiere einer neuen Reihe an: Oˈaːzə. Und die scheint voll im Tribal- und Melodic Techno aufzugehen. Zum Start gibt es drei B2B-Sets von Jæmïn & Magic Love, Kijanka, Knete b2b Rodèk, @A b2b DJ Sour

Deep in the Easter // Garage Ost, 19:00 – 02:00 Uhr – Auch die Garage öffnet am Ostersamstag abends ihren Floor für breakig-, sphärisch-melodiösen House und Techno, hier von Da Megro, Spooky Spill und Marcus Friedrich von der Club-Proton-Crew