Annäherungen im Dub

Nicht nur zwischen Statik Entertainment und Instabil herrscht gerade ein reges Verwischen der Haupt- und Sublabel-Grenzen. Die aktuellen Platten von Alphacut Records und 457 connection sich ähnlich.

Normalerweise offenbaren Sub-Labels eine Facette, die vom Kurs des Hauptlabels mehr oder weniger deutlich abweicht. Natürlich ist dies nirgendwo in Stein gemeißelt oder gesetzlich fixiert. Und gerade ein Label wie Alphacut würde sich nie auf solche Konventionen einlassen. Insofern ist die klangliche und personelle Paralleliät eigentlich kein großes Ding. Aber dennoch irgendwie auch überraschend.

Für das Hauptlabel sicherlich noch einen Tick mehr als für 457, das sich ja deutlicher dem Dub verschrieben hat. Personell stehen auf beiden Platten der Istanbuler Flatliners und The Untouchables in den Spuren. Wie schon auf dem 457-Debüt im Frühjahr. Auf der zweiten 7″ holt sich Flatliners mit Mr Foul am Mikrofon seinen eigenen „Jah Victory“ nach Hause. Sehr viel offensiver als bei der ersten Platte, angetrieben von einer dunklen, tief hängenden Bassline.

Aber auch The Untouchables sind weniger verwunschen in ihrem Cosmic Dub unterwegs. Einerseits etwas aufgeräumter, andererseits mit mehr Noise-Appeal. Hier nähert sich 457 Alphacut an.

Umgekehrt drosselt die 28. Alphacut-Platte das Tempo in Richtung 457. Naturgemäß mit viel mehr Zeit zum Entfalten auf den kompletten 12″-Seiten. Die Verspultheit der Untouchables bleibt aber auch hier bei „Hungry Belly“, nur eben epischer ausgebreitet. Beim Flatliners „Kangaroo Dub“ legte Dubmonger noch einmal nach. Auch hier aber sehr klar im klassischen Dub geerdet. Zufall oder nicht: perfekt, dass beide Platten quasi parallel herauskommen.

Alphacut Records Website
Mehr zu Alphacut Records bei frohfroh

Der Ticket-Rummel

1. Dezember, 16 Uhr – na dämmert’s? Der Nachtdigital-Ticket-Rummel öffnet kurz seine Tore bei TixForGigs.

Obwohl die Server wohl etwas mehr Wodka Red Bull bekommen sollen, merkt die ND-Crew an: „Jedoch wird es wohl, wie auch im richtigen Laden, kaum ohne Anstehen gehen wenn ein paar tausend Leute gleichzeitig Tickets kaufen möchten.“

Von 2. bis 4. August 2013 findet das 16. Nachtdigital übrigens statt. Das Line-up gibt es hier.

Imugem Orihasam „Otaru Chords“ (Instabil)

Und wieder Dancefloor-Experimente aus Japan. Wie schon Statik Entertainment widmet sich auch Instabil dem Producer Imugem Orihasam.

Vor kurzem tauchte der Name bereits bei Statik Entertainment auf. Während „The Nippon Express“ jedoch auf ebenso eindringliche wie schroffe Weise die experimentellen und dunkleren Ränder von Techno streifte, schaltet „Otaru Chords“ einen Gang zurück. In der Weite und Rauheit der Dub-Chords unterscheiden sich die Tracks beider EPs nicht sehr. Dafür entfernen sich die drei neuen Stücke stärker vom Dancefloor und driften in Richtung Electronica.

Einem etwas in Vergessenheit geratener Sound, der bei Imugem Orihasam aber keineswegs oldfashioned klingt. Vielleicht liegt es an der präsenteren Rhythmik. Besonders „Tolerance“ gewinnt dadurch einen schleppend-gebrochenden Groove, an dem Dubstep nicht ganz spurlos vorübergezogen ist. Der definitiv stärkste Track der EP. Geradliniger ist dagegen „Same Position“, ein Track, der die Verbindung zu „The Nippon Express“ herstellt.

„Flickering“ dekonstruiert Dub-Techno – und zwar von den Chords her. Überall leiert es und entwickelt damit einen irgendwie kosmisch klingenden Sog. Ganz ganz hinten stampft in Zeitlupe die Bassdrum. Einen unterkühlten Charme haben die „Otaru Chords“.

Mehr zu Instabil bei frohfroh

Leipzig – Göttingen – Detroit

Im Oktober war Kassem Mosse auf zwei Platten zu hören, die zusammen mit anderen Musikern entstanden. Eine kleine Rückschau darauf.

Einmal ging es nach Detroit, einmal nach Göttingen. Zusammen mit Fit alias Aaron Siegel und XDB alias Kosta Athanassiadis entstanden insgesamt drei Tracks. Die wahrscheinlich schillerndere ist die „Enter The Fog“-EP. Nicht nur, weil sie bei Omar S‘ Label FXHE Records erschien mitsamt eines Remixes des eigensinnigen Betreibers. Wie schon zuletzt bei FXHE tritt Kassem Mosse mit seinem echten Name hervor.

„Enter The Fog“ als Track strahlt eine holprige Leichtigkeit aus, die den weithin melancholisch-kantigen Charme von Kassem Mosse um eine ungewohnte Funk-Note erweitert. „Rollout“ schlägt einen ganz ähnlichen Vibe ein. Dabei bleiben die Rahmenbedingungen gleich – trocken, analog, skizzenhaft und doch in all ihrer Einfachheit faszinierend.

Laut Discogs kümmerte sich Kassem Mosse um die Beats, Fit um den schwelgerischen Rest. Omar S lässt ausschließlich ein drückendes Säbelrasseln raus, in dem er die „Fog Beats“ extrahiert.

„Omrish“, das gemeinsame Stück mit XDB kam bei Diamond & Pearls heraus, die ich bisher nur als Vertrieb von Kann Records, Mikrodisko, Ortloff und O’RS kannte. Hier prägt weniger Funk, sondern mehr Sci-Fi-Deepness den Sound. Stärker in sich verwoben und dramaturgisch aus dem Club-Rahmen gezogen. Die Leipzig-Göttingen-Tagente klingt eben doch etwas anders als Leipzig-Detroit. Vorhören via Soundcloud ist leider nicht. Dafür hier und hier.

Kassem Mosse Facebook
Mehr zu Kassem Mosse bei frohfroh

Krink „Darkness EP“ (FormResonance)

Stiff Litte Spinners-Mitgestalter Krink festigt seine House-Deepness mit einer neuen EP. Dieses Mal auf einem Hamburger Label, das nicht zum ersten Mal seine Fühler nach Leipzig ausstreckte.

FormResonance, das Label von Florian Schirmacher und André Hoffmann holte im vergangenen Jahr bereits Chris Manura mit seiner „Smohalla EP“ ins Boot. Nun also Krink, der neben seinen Tracks auf dem Audiolith-Ableger Stiff Little Spinners auch schon anderswo auftauchte.

Mit den vier neuen Stücken der „Darkness EP“ kristallisiert sich immer mehr der klangliche Faden heraus, den Krink als Producer verfolgt. Die große Wärme von Deep House einerseits, dezenter Maximalismus andererseits. Denn wenn aus den wogenden, langgezogenen Chords plötzlich eine analog-britzelnde Synth-Bassline auffährt, umarmt Krink Pathos und Oldschool mit einem Mal.

Das ist durchaus gewagt. Aber gerade dieses Aushebeln der House-Dogmen gefällt sehr. Einzig „Session“ kann da nicht mithalten. Zu weich gezeichnet klingt dieser Track. „Darkness“ ist die Hymne, keine Frage. Was aber alle Stücke gleichermaßen zusammen hält, ist ihre nächtliche Stimmung. Nicht die im Club, sondern die manchmal ganz heilsame Stille der nächtlichen Einsamkeit.

FormResonance Website
Krink Facebook
Mehr zu Krink bei frohfroh

Various Artists „SVS Sampler“ (Mayolove Music)

Raus aus der Stadt, aus dem eigenen Studio. Rauf auf eine Almhütte in die Berge. Mit dabei Freunde und Bekannte und ein Haufen Instrumente – heraus kommt Selbstversorgersound. Mit Leipziger Beteiligung.

Seit 2007 versammelt Beni Brachtel – für kurze Zeit auch Student an der Leipziger Musikhochschule – einmal im Jahr Musiker aus verschiedenen Richtungen auf einer Almhütte. Reduktion und Konfrontation sind die Ziele der mehrtägigen Sessions. Reduziert im Equipment, konfrontiert mit anderen Einflüssen in einer ungewohnten Umgebung. Brachtel taufte das Experiment Selbstversorgersound und präsentiert zusammen mit dem Müncher Label Mayolove Music erstmals Ergebnisse dieser Zusammenkünfte – auf Doppel-Vinyl.

Das Gros ist elektronisch geerdet – an ganz verschiedenen Stellen und Rändern der Genres. Downbeat, House, Techno, Pop, Avant-HipHop flackern auf, klingen in den Details am meist eine Spur abseitiger. Die stilistischen Reibungen kommen deutlich hervor. Entweder in der Auswahl oder der Mischung der Sounds. Und obwohl diese Compilation so heterogen ist, bleibt sie erstaunlicherweise recht kompakt beisammen.

Aus Leipzig nahmen Matthias Groß alias Zaquoir und Lukas Rabe bei den Selbstversorgersound-Ausflügen teil. „Tanz in den Mai“ ist ein gemeinsames Stück der beiden. Dunkel und aufgeladen, mit einer kräftigen Bassline untermauert, ist es eines der geradlinigeren und klareren Tracks auf „SVS“. Aber ebenso mit feinen Brüchen versehen. Zaquoir arbeitete auch mit dem Saxofonisten Hamza Touré zusammen.

Säuseln ist aber nicht. „Wolfsbeeren“ zerfasert verschiedene Saxofonspuren und setzt sie auf wohlwollende und experimentelle Weise neu zusammen – immer unterlegt mit einer tief bohrenden Bassdrum. Vielleicht beeinflussten hier auch die musikalischen Gegensätze von Istantbul die Arbeit, wo Matthias Groß‘ eine zeitlang lebte.

Seit 1997 produziert er Musik, entsprechend gefüllt ist sein Soundcloud-Profil. Und in den meisten dieser Stücke hallt sein Hang zum Experimentellen und zum Sounddesign wider. Das gleiche gilt aber auch für Lukas Rabe – ebenfalls dokumentiert bei Soundcloud. Zwei Querdenker auf dem Dancefloor also, die uns hier eine große Überraschung bescheren. Unbedingt aber auch die anderen Stücke anhören.

Mayolove Music Website
Selbstversorgersound Website

Bay B Kane „4Saken / Chills“ (Junglelivity)

Es sind schon gut drei Wochen vergangen seit dem Release einer doch bemerkenswerten Platte auf Junglelivitiy – dem epischen Ableger von Ulan Bator Records. Doch der Mann hinter den Tracks hat sich ebenso viel Zeit gelassen.

Zwölf Jahre war es still um Bay B Kane, einem der Jungle-Pioniere aus London. Die Familie, die Uni und das Leben an sich waren Auslöser für die Pause, wie er in einem Interview von 2011 kundgab. Ein Jahr zuvor war er das erste Mal seit Mitte der Neunziger im Studio und Bay B Kane dürfte es nicht bereut haben. Heute treibt er die Future Jungle-Bewegung an, wie Framo von Junglelivity meint. Über Soundcloud ist er mit seinen Label-Kollegen auf die neuen Tracks des Londoners gestoßen.

Und da bei Junglelivity „mittlerweile der Anspruch besteht eher langlebigere Tunes auf Platte zu bannen“, horchten sie wohl hier besonders auf. Ich kenne den alten Bay K Kane nicht. Im Oldschool- versus Future-Vergleich muss ich also passen. Was bei den beiden Stücken der Junglelivity-EP aber auffällt, ist die Ruhe, die sie ausstrahlen.

Natürlich rattern die Beats weit über der 140er-Linie, aber die Chords sind allesamt auf Schwebekurs zum eigentlich geschlossenen Chill-out-Floor. Bei den Vocals – gerade bei denen von „4Saken“ – wird es zwar stellenweise pathetisch, aber die Aufgeräumtheit beider Stücke ist doch wie ein Sog. Sicherlich eine EP mit historischen Flashbacks. Aber für mich die erste von Junglelivity, die hängenbleiben dürfte.

Bay B Kane
Ulan Bator Records Website
Mehr zu Ulan Bator/Junglivity bei frohfroh

Tonsystem Klangkunst „High Five EP“ (Esoulate Music)

Esoulate setzt seine Artist-Feature-Serie fort – dieses Mal mit der ersten EP des Duos Tonsystem Klangkunst.

Als Live-Act gibt es die beiden bereits seit sieben Jahren. Erstaunlich, dass es erst jetzt zu einer Studio-EP kommt. Das Interessante: sie arbeiten ohne Rechner. Das Live-Setup brachte demnach die vier Stücke der „High Five EP“ hervor. Ein wenig ist der Ansatz auch wahrnehmbar. Es ist alles in sich fließend, überschaubar in den Elementen und relativ rough im Mix. Bei den Basslines wird es manchmal etwas breiig.

Der mal sanftere, mal zwingenderere Strom hat zur Folge, dass es dramaturgisch keine großen Eruptionen gibt. Und dass durchaus im positiven Sinne. Ron Deacon arbeitet mit ähnlichen Mitteln. Die Effekthascherei bleibt somit auch aus. Aber natürlich bleiben in solch einem Fluß die charakteristischen Anker schwerer greifbar. Der Weg ist entscheidender als klar ausformulierte Stücke.

Da kommt die Live-Erfahrung sehr deutlich heraus. Also ein Kontext, der vielmehr mit dem Moment arbeitet sowie der Idee ihn solange wie möglich zu dehnen, ohne den Dancefloor zum Stillstand zu bringen. Insofern gar keine leichte Aufgabe damit eine EP zu bestreiten.

Den Unterschied hört man schließlich beim Remix von Sebastian Wolf – er ist sehr viel trackorientierter. Aber er wird den Mix sicherlich auch nicht live eingespielt haben. Wie immer gibt es die EP bei Esoulate kostenlos als MP3.

Tonsystem Klangkunst Website
Esoulate Music Website
Mehr zu Esoulate Music bei frohfroh

Chris Manura „Cube EP“ (Dirtydrivesounds)

Nach dem Remix für Douglas Greed neulich, erschien eben auch eine EP von Chris Manura. Inklusive eines Sven Tasnadi-Remixes.

Und wieder bei Dirtydrivesounds, da wo auch schon Manuras „Fockeberg“-EP herauskam. Allerdings wagt sich das Label aus der Nähe von Zeitz nun auch an Vinyl. Die „Cube EP“ kommt in einer grün-melierten Version mit zwei neuen Tracks von Chris Manura. Im Tech-House bewegen sich beide, mit etwas mehr Dub-Einfluss bei „Cube“ und mehr klassischer, leichtgängiger Deepness bei „TYO“.

Recht sphärisch und aufgeladen klingen sie, wie es desöfteren bei Chris Manura zu hören ist. Anders akzentuiert könnte „Cube“ in manchen Momenten auch eine groß ausholende Rave-Nummer mit Trance-Erdung sein. Manura hält das Stück aber trotz des raschen Tempos bescheiden.

Sven Tasnadi zieht in seinem Remix den Druck der Bassdrums merklich an. Und er nimmt die Breitwandigkeit des Originals heraus, um dagegen die helleren, schwebenden Chords zu betonen. Irgendwie runder und feiner justiert. Label-Chef Mac-Kee bleibt der Grundatmosphäre treu, doppelt aber die Bassline auf und reduziert zugleich die Arrangements. So richtig zündet er aber nicht, der Remix.

Chris Manura Facebook
Dirtydrivesounds Website
Mehr zu Chris Manura bei frohfroh

Grüße aus Reudnitz

Am vergangenen Wochenende feierte die Distillery ihr 20-jähriges Bestehen. Und ein Geschenk kam aus Reudnitz.

Aus dem Industriehof an der Göschenstraße – genauer gesagt vom Leipziger Schallplattenpresswerk R.A.N.D Muzik. Am Samstag bekam die Distillery eine limitierte Vinyl-Compilation mit einer Seite für den Freitag und einer den Samstag. Darauf sind bislang unveröffentlichte Stücke von den Resistant Mindz-Jungs Duktus, Chris Medleigh, DFKT & Mr. Beef, Daniel Stefanik sowie Sven Tasnadi & Juno6. Außerdem ist noch „Puddle Trouble“ von Dan Drastic & Matthias Tanzmann mit dabei, ein Stück von der zweiten Moon Harbour Joints.

Auch hinter den Kulissen bleiben die Verbindungen zwischen Club und Szene nahe: Kompiliert hat das ganze Filburt, die Hülle gestaltete Philipp Neumann vom mzin-Laden, dessen großer Bruder die Anfangsjahre der Distillery mit prägte. Und gepresst wurde natürlich von R.A.N.D.. Super Sache. Und glücklich, wer eins der Exemplare überreicht bekommen hat.

Noch etwas zur Distillery: die Crowdfunding-Aktion zum Doku-Film entpuppte sich zur Rekordaktion. In nur zwei Tagen war die anberaumte Summe drin. Mittlerweile hat sie sich fast verdoppelt.

Die Distillery-Doku

Die Distillery feiert am kommenden Wochenende ihr 20-jähriges Bestehen. Anlass für ein kleines Team aus vier TV-Journalisten eine Dokumentation zu drehen. Die Hälfte ist geschafft, für die Zielgerade seid ihr gefragt.

Crowdfunding heißt das Zauberwort, VisionBakery die Plattform. Dort rufen Janine Göhring, Johannes Amm, Benedikt Fitzke und Stefan Leuschel zur finanziellen Unterstützung bei der Produktion und Promotion der für das Frühjahr 2013 angekündigten DVD auf.

Das Prinzip ist einfach und von Labels wie Analogsoul bereits öfter erfolgreich angewandt worden: ihr spendet einen selbst gewählten Beitrag, bekommt eine entsprechende Gegenleistung und – viel wichtiger – fördert dem Quartett ein unabhängiges Filmprojekt. Denn hinter „20 Jahre Distillery – Der Film“ steht keine kommerziell agierende Produktionsfirma, die im Auftrag eines Senders arbeitet, hier arbeiten vier Leute mit wahr werdenden Flausen im Kopf.

Ein Großteil des Filmmaterials wurde bereits aufgenommen, es kommen noch Interviews hinzu. Die Spenden gehen für Lizenzgebühren, Plakate, Pressung und mehr drauf. Schaut selbst auf der Aktionsseite. Dort gibt es alles im Detail. Hier geht es auch noch zur Facebook-Seite des Films.

Der Deacon-Oktober

Gleich zwei EPs veröffentlicht Ron Deacon in diesem Oktober. Neulich bei Oh! Yeah!, in wenigen Tagen auf Farside Records.

Ron Deacons Diskografie ist in den vergangenen zwei Jahren ja erfreulich gewachsen. Erfreulich auch, wie unique er sich einen Sound herausgearbeitet hat, der viele seiner Tracks zusammenhielt. In diesem Oktober folgen sieben neue Stücke, verteilt auf zwei EPs. Die größere Überraschung liegt bei „Songs About Love“.

In erster Linie, weil sie auf Oh! Yeah! herauskommt. Die Öffnung des Labels abseits von Sven Tasnadi und Juno6 erreicht damit den nächsten Schritt. Und zugleich einen sehr schlüssigen. Musikalisch ist die Überraschung ambivalent. Einerseits präsentiert Ron Deacon teilweise eine ungewohnt funktionale Seite, andererseits wirkt die aber auch etwas verwaschen. Zurückgelehnt und perkussiv bei „Sax Groove“, straighter hingegen bei „Don’t Stop“. Solide in beiden Fällen, aber eben ohne jene tief vereinnahmende Spannung, wie sie sonst bei Ron Deacon herrscht.

Bei „Beauty Irony“ kommt diese wieder hervor. Ein 9-Minuten-Epos, grazil strahlend und knisternd zugleich. Aber auch hier: ein Saxofon. Da gräbt Ron Deacon ein echtes Kriegsbeil aus. Obwohl der Rest des Tracks es abfedern kann. „Fall In Love“ klingt wie eine kleine Persiflage. Worauf, kann ich nicht orten.

Bei Farside gibt es ein Wiederhören. Vor zwei Jahren sorgte das Label von Ingo Sänger mit der „Secret Garden“-EP für Ron Deacons zweiten Frühling. „In Temptation“ heißt die neue Platte. Und sie greift genau diese sich nicht entladen wollende Spannung auf, von der ich immer wieder schwärme. Lang gezogene Momente, episch ausholend und nach Jam-Sessions klingend.

Die Dramaturgie ist hier nie fixiert. Alles fließt, kommt oder kommt vielleicht auch nicht. Henry L & Ingo Sänger wollen mit ihrem Remix von „Did You Know“ jedoch lieber die klassische Deep House-Nummer schieben. Sie entledigen sich aber eines sehr sehr gewagten Elementes des Originals – nämlich um das Sample eines Musikers, der sein Publikum auf eine Ballade vorbereitet. Aus dem Nichts taucht es plötzlich auf, und genau dahin verschwindet es am Ende der Breaks auch wieder.

Im Club vielleicht ein Killer, vielleicht aber auch gar nicht nötig, denn der Track ist mit seinem scharfen Kontrast aus marschierender Bassdrum und hoch aufbäumenden Synth-Melodien eigentlich genau richtig besetzt. Ein Deacon-Oktober mit Überraschungen also.

Ron Deacon Facebook
Oh! Yeah! Website
Farside Records Website
Mehr zu Ron Deacon bei frohfroh
Mehr zu Oh! Yeah! bei frohfroh