Christian Fischer „Tactical Protection“ (Definition Records)

Es ist die erste neue Single seit Christian Fischers letztem Album „Change Disko“ – und Sven Tasnadi ist mit einem Remix dabei.

Christian Fischer und Definition Records – das ist das unverblümte Ausloten von Rave-Mechaniken, der Stadion-Rock im Tech-House. Ganz ohne Hohn. Aber eben auch mit einer gewissen Scheu. Christian Fischers erster neuer Track bleibt dem schnellen, hoch aufbäumenden, effektiven Großraum-Sound von „Change Disko“ treu. Lange Rave-Breaks, Hi-Hat-Gerassel, Delay-Chords.

Sven Tasnadi belässt die Sounds und den Rave-Charakter, strafft ihn aber durch eine drückendere Bassdrum. Trotzdem ungewöhnlich für Tasnadi. Und dann noch ein Remix von Alex Young, der in seiner perkussiven, reduzierten Art sehr an Moon Harbour erinnert. Naja.

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J.M.F. „Philipp Dolphia“ (Permanent Vacation)

J.M.F., wer? Jacob Korn, Mikesh und Filburt stecken hinter der Abkürzung. Und ihre Kollaboration kommt auf einem Label heraus, das für alle beteiligten wichtig war.

2009 war es das Münchner Label Permanent Vacation, das „Someone Told Me“ von Good Guy Mikesh & Filburt veröffentlichte. Im Nachhinein wahrscheinlich der Ausgangspunkt für das was dann für die beiden folgen sollte. Und auch den Dresdner Jacob Korn hatte Permenant Vacation früh im Blick und holte ihn auf verschiedene Compilations. Im letzten Jahr trafen sich alle drei im Studio von Jacob Korn. Dass die beiden Tracks aus der Session nun bei Permanent Vacation herauskommen, könnte also kaum passender sein.

Nicht selten mutieren solche Zusammenspiele zu Materialschlachten. „Philipp Dolphia“ ist aber frei davon. Ein unaufgeregtes House-Stück mit kurz durchlaufenden Flötenparts und Streichern im Hintergrund. Filburts Stimme ist weit runtergepitcht und auf eine Silbe reduziert. Eine für Korn typische trockene Bassdrum hier, eine Mikesh-Filburt-Bassline da – fein verzahnte Charaktere.

„At The Ranch“, das zweite Stück, ist vom Tempo her und den elegisch schwirrenden Snythies und Pianos schon etwas stärker dem Sound der beiden Leipziger zuzuschreiben. Auch wenn es hier keinerlei Versus-Gedanken auszuloten gilt. Sicherlich sind die Stücke aus Skizzen entstanden, die dann jeder bei sich weiter ausformuliert hat.

Phillip Lauer nimmt „At The Ranch“ mehr auf die Disco-Spur mit seinem Remix. Analoger klingend als Original. Aber mit einer ähnlichen Verspultheit.

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Good Guy Mikesh & Filburt „No Other“ (Riotvan)

Riotvan legt sein nächstes Vinyl nach. Eine 10″-Single mit einer wahren House-Hymne. Wir verlosen ein Exemplar.

Die Tracks von Good Guy Mikesh & Filburt scheuten bislang eh keine ausschweifenden Gesten, aber „No Other“ toppt es noch einmal. So selbstbewusst und Pop-beseelt klangen die beiden noch nie auf Platte. Auch spannend zu hören, wie anders Mikesh hier im Gegensatz zu dem eher melancholischen Tonfall bei Here Is Why klingt.

„No Other“ sei bewusst mit einer Überdosis musikgeschichtlicher Querverweise in die frühen 1990er entstanden – nicht ohne Augenzwinkern, heißt es im Info-Text. Der Hinweis wäre gar nicht unbedingt nötig gewesen, denn Good Guy Mikesh & Filburt genießen in Sachen gefühlsbetonter Hingabe eh eine gewisse Narrenfreiheit.

Permanent Vacation und die Dirt Crew wechseln Mikeshs Gesang dennoch aus gegen den von Mark Flynn alias The Drifter. Und vielleicht zeichnet sich hier ein guter Popsong eben auch aus – nämlich dadurch, dass er auch als Cover nichts an Reiz verliert. Auch wenn bei The Drifter etwas weniger Pathos mitschwingt.

Musikalisch glätten Permanent Vacation die Chords, die Dirt Crew überzieht ihn mit ihrem leicht ravigen Glitzer. In der analogen Reibung vielleicht sogar ein wenig spannender als die Permanent Vacation-Version. Und Riotvan? Presst das ganze auf 10″ Clear Vinyl. Sehr schön.

Wir verlosen ein Exemplar der EP. Dieses Mal bitte einfach bis zum 15.6.,12 Uhr einen Kommentar drunter hauen und die letzte selbst gekaufte Platte (ja, Vinyl) nennen. Aus allen wird dann jemand gewählt – per Zufallsgenerator. Falsche Mail-Adressen haben Pech – Namen sind egal, aber Adressen müssen stimmen. Sie werden nicht öffentlich angezeigt.

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Sven Tasnadi „Raw Wedding/Just For Freaks“ (Katermukke)

Sven Tasnadi tritt im Berliner Kater Holzig nicht nur auf, er veröffentlicht auch auf dem hauseigenen Label.

Clubs und eigene Labels – ein sich zunehmend verbreitendes Phänomen. Und bei allem fliederduftenden Exzess muss man den Bar25-Betreibern auch eine sehr ausgeprägte Geschäftstüchtigkeit zuschreiben. Ganz ohne Argwohn betrachtet. Aber aus dem nunmehr geschlossenen Bretterclub zieht nun eine Label- und Party-Reihe-Karawane durchs Land, die von all den Mythen lebt. Neulich sogar der eigene Film.

Der Quasi-Nachfolger Kater Holzig hinkt da noch etwas her. Aber das Label ist schon mal am Start. Katermukke kommt auf 13 Veröffentlichungen – die aktuellste ist von Sven Tasnadi. Warum? Weil er mit Label-Betreiber Dirty Doering in dieselbe Grundschule ging. Auf dem gemeinsamen Einschulungsfoto müssten beide zu sehen sein.

Seine beiden Tracks auf der Katermukke-EP greifen beide Seiten des Clubs auf – die lang gezehrten, in sich ruhenden Momente und die entrückten Zirkus-Gesten. Eine spröde, leiernde Deepness bei „Raw Wedding“, Pferdewiehern, metallisch scheppernde Percussions und Orient-Hooks bei “Just For Freaks“. Alles etwas entspannter als die letzten Tracks von Sven Tasnadi.

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Various Artists „Moon Harbour Inhouse Vol. 4“ (Moon Harbour Recordings)

Sie sind ein Klassiker des Moon Harbour-Katalogs – die „Inhouse“-Compilations. Drei Jahre nach der letzten Ausgabe kam soeben die Vierte heraus.

Es liegen auch drei Jahre zurück seit dem letzten neuen Track von Matthias Tanzmann. „Chano“ überraschte damals durch seine runtergestrippte Art und ein altes Jazz-Vocal. Sein „Konao“ auf der vierten „Inhouse“-Compilation hängt nun dagegen in den Minimal-Falle fest. Dramaturgisch gibt es verschiedene Sound-Teaser, keiner wird aber weiter ausformuliert. So also, wie Minimal Techno anfangs erfrischte und später langweilte.

Im direkten Vergleich zu Guido Schneiders Track „Luna“ wird auch deutlich, was vielen Moon Harbour-Stücken dann doch immer wieder fehlt – die Musikalität. Schneider ist ein guter Bekannter des Labels. Und seine Schwelgerei fällt auf zwischen den zwölf Stücken. Luna City Express und Ekkohaus kommen dem noch nahe – besonders letzterer mit seiner leicht brüchigen Deepness. Okay, dann noch Italoboyz mit einem durchaus lässigem Stück Vocal House.

Ansonsten ist „Inhouse Vol. 4“ wieder gewohnt aufgezogen mit Tracks aus dem engeren und weiteren Label-Stamm. Die CD kommt gemixt, dieses Mal von Dan Drastic, der auch mit einem neuen Track dabei ist. Die Vinyl-Version ist zweigeteilt mit jeweils vier Stücken.

Und den DJs gefällt es: „Supported by Dubfire, Sneak, Mathias Kaden, Karotte, Chris Lattner, Anthony Collins, Mathias Schaffhäuser, Arado, tINI, Raresh, Federico Molinari, Robert Dietz, Sven Tasnadi, ONNO, Kabale Und Liebe, Lauhaus, Super Flu, Audiofly, Todd Bodine, Ian Pooley, Nic Fanciulli, Tripmastaz, Anthea, Luca Bacchetti, Gregor Tresher, Martin Eyerer, Delete, Martinez, Hector, Alexi Delano, Marco Faraone, Johnny D“

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Various Artists „Closed Expansion“ (Resistant Mindz / Cascade Records)

Nach dem großartigen Debüt-Album von Chris Medleigh geht das HipHop-Ausläufer-Label Resistant Mindz einen weiteren Schritt – hin zur großen Kooperation mit dem französischen Label Cascade Records.

Wie schnell es manchmal gehen kann. Vor zehn Monaten wurden die Leipziger via Soundcloud auf Cascade Records aufmerksam. Und es blieb nicht nur bei „gegenseitigen Respektbekundungen und Bestellungen“. Dass die fixe Idee einer gemeinsamen Compilation aber so zeitnah zu einem echtem Doppel-Vinyl reifte, ist schon mehr als beeindruckend.

Mit 16 Tracks ist „Closed Expansion“ prall voll mit verschiedenen Nuancen ambitionierten HipHops. Die Form also, bei der es durchaus elektronischer, instrumentaler und auch brüchiger zugeht. Die Goldketten hängen woanders, große Ghetto-Gesten bleiben außen vor. Es ist mehr ein musikalischer Umgang mit dem HipHop-Erbe und all dem, was im letzten Jahrzehnt auf das Genre eingewirkt hat.

Chris Medleigh und Dnte stechen hervor. Aber auch Ichiro_ oder FantastikClick & Sport G. Es ist ein kosmopolitisches HipHop-Statement – mit Musikern aus Frankreich, den USA, Japan, Ungarn, Kroatien und eben aus Leipzig. Resistant Mindz meint es Ernst mit dem Label, keine Frage.

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Daniel Stefanik „Compilation L“ (Cocoon Recordings)

Lange nichts mehr von Daniel Stefanik gehört. Und dass obwohl 2012 sein Cocoon-Jahr ist. Auf der aktuellen Label-Compilation ist er nun auch mit einem Track vertreten.

Ich habe den Cocoon-Katalog nicht so fest im Blick. Insofern ist die Buchstaben-Compilation-Reihe auch an mir vorbei gegangen. Es scheint sie aber schon länger zu geben – bei „L“ ist sie 2012 angekommen. Daniel Stefanik bestreitet den Schluss. Und entsprechend nach Afterhour klingt sein „Everything Goes Green“ auch.

10 Minuten lang, sachte mäandernd, mit leicht federnden Bassdrums. Der Track hätte von der kontemplativen Stimmung her auch auf Stefaniks letztes Album „Reactivity“ gepasst. Nur kurz heben sich die Chords etwas.

Besonders im sonst eher ravelastigen Kontext der restlichen Compilation fällt „Everything Goes Green“ in seiner friedlichen Stille aus dem Rahmen. Ein ganz andere Ansage auch als seine erste EP auf Cocoon Recordings. Wir sind gespannt auf das Album!

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Map Rave

Oben in der dunkelgrauen Leiste gibt es etwas neues – frohfroh hat sich bei Google Maps verewigt.

Unter der Rubrik „Orte“ haben wir eine Karte mit wichtigen Orten der Leipziger Clubmusikszene gestartet. Da sind sicher noch Freiflächen. Wer sofort eine entdeckt, kann gern dabei helfen, die auf der Karte mit Bedeutung zu besetzen. Entweder ein Kommentar drunter, oder eine Mail an uns. Work in progress also.

Momentan haben Labels (Blau) und Clubs (Braun) je ein eigenes Icon sowie einen kleinen Beschreibungstext.

Bigalke & Sunset „The Green Nylon Bag Remix EP“ (Esoulate Music)

Eine neue Esoulate-EP steht seit heute zum Download bereit. Internationaler besetzt als je zuvor.

Auf der vergangenen „Zugpferd EP“ flashte ja ein sehr dunkel eingefärbtes, raues Stück Techno von Bigalke & Sunset. Genau dieses wurde nun einmal quer durch Europa verschickt und als Remix wieder eingesammelt. Heraus gekommen ist eine prominent besetzte Remix-EP in deren Zentrum „The Green Nylon Bag“ steht. Auf sieben Versionen schafft es das Stück nun.

Und vom Sound her geht es eindeutig in den Distillery-Keller. Esoulate-Betreiber Georg Bigalke veranstaltet dort zusammen mit anderen seit über vier Jahren regelmäßig die Syntax-Partys, die sich der schrofferen Seite von Techno widmen. Die Liste der Remixer liest sich denn auch wie ein Rückblick auf vergangene, berstend laute Nächte. Dave Tarrida, Paul Birken, Mark Hawkins, Lief Ryan und Ben Pest verschrauben sich auf sehr britische Weise in das Original. Brüchig, kantig, unberechenbar, aber eben auch sehr tight.

Mark Hawkins betont mehr Dub, Lief Ryan mehr Dubstep und Electro. Trotz der Fülle geht die Zusammenstellung in ihrer Vielseitigkeit voll auf. Während Klima den Drive auf einem ähnlichem Level hält, geht Marco Marset eher den Minimal-Weg.

Zum Schluss dann noch ein neues Stück von Bigalke & Sunset. „Pigeonholing“ zeigt auf unterschwellige Art seine Härte. Es schwingt etwas Maschinelles und Verstörendes in den sehr direkten Sounds und der marschierenden Bassdrum mit. Weniger offensichtlich als „The Green Nylon Bag“ zwar, aber dadurch vielleicht sogar noch einnehmender.

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Krink „Everyone“ (Deep Beep Records)

Im Sommer steht eine neue Stiff Little Spinners-Ausgabe an. Zwischendurch veröffentlichte Mit-Kurator Philipp Krink einen Track bei Deep Beep Records.

2011 wurde das US-Digital-Label mit dem Ziel gegründet, eben nicht nur auf die großen Namen zu setzen. Nachwuchsarbeit. Jeden Monat sollte eine neue EP heraus kommen. Die Frequenz konnte hielt aber nur ein halbes Jahr. Genau so lang passierte nichts. Krinks „Everyone“ ist demnach auch das erste Lebenszeichen für Deep Beep Records – für ihn auch nach der ersten Stiff Little Spinners-EP.

Ein sehr unaufgeregtes und aufgeräumtes in der Original-Version. Etwas analoger im Remix von Karol XVII & MB Valence. Bei beiden kommt eine tief runter gepitchte Stimme mit rein. Ähnlich unaufdringlich. „Everyone“ ist ein solider House-Track mit versteckten Steigerungen und angeteastem Rave-Appeal.

Erstaunlicher ist aber, dass „For You“, ein Free Download auf Krinks Soundcloud-Profil nirgendwo noch einmal veröffentlicht wird. Außer auf dem aktuellen Rosetape von Filburt. Wunderbar musikalisch und ausgewogen in seiner süßen Melancholie. Schade nur, dass er so abrupt abbricht. Nächster Krink-Halt dann die neue Stiff Little Spinners. Wir bleiben dran.

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Sieben und zehn

Alphacut-Head LXC machte kürzlich Halt auf einer irischen 10″ und startet zum Sommer gleich mal ein neues Sublabel. Aber der Reihe nach.

Ende April schon kam „I Know U“ auf dem irischen Label Bustle Beats heraus. Zum Mutterlabel Subtle Audio Recordings gibt es einige Überschneidungen zu Alphacut – Macc und Dissident veröffentlichten hier wie da. Und sicherlich sind Netzwerk-Übergänge von LXC eh sehr fließend.

Sein Beitrag zu der zweiten 10″ von Bustle Beats ist dicht konzentriert. Ohne Atempausen, ohne Durststrecken. Die Percussions überschlagen sich beinahe. Im Hintergrund ein neurotisches Vocal-Sample. Und doch bleibt „I Know U“ auf seine Weise sehr kompakt. Gerade der reduzierte Anfang fesselt. Auch toll: ein Vinyl-Sleeve mit eigenem Comic.

Zurück in der Heimat bündelt LXC an anderer Stelle neue Energien – zusammen mit Dubmonger. Mit 45Seven startet er zum Juni eine limitierte 7″-Reihe, die mehr die Dub- und Reggae-Ausläufer von Drum’n’Bass und Jungle ausloten möchte – eine „journey through the sonic realms of dub and beyond“, so steht es auf der Alphacut-Website.

Morphy tut sich für das Debüt mit den Belgiern Untouchables zusammen für einen tief wummernden, gefährlich schleichenden Track. Knapp drei Minuten – mehr passen nicht auf eine 7″. Und sie reichen, um „Tread This Land“ zu einer verdunkelten Hymne mutieren zu lassen. Flatliners aus Istanbul ist etwas orthodoxer im Dub unterwegs. Aber auch mit einer tollen, fein aufgegliederten und organischen Rhythmik.

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Doppelduo

Zwei EPs, zwei Labels. Das eine startet neu, das andere wandelt sich zunehmend zum 1-Artist-Label. Von Tiefenherz 50 und Break The Surface ist die Rede.

Und wieder ein neues Label aus Leipzig. Tiefenherz 50 kommt aus der hier weitgehend unterrepräsentierten Ecke der Shootingallstars/50 Herz, genauer von Wuttig & Reuter, die in naher Vergangenheit schon auf FM Musik Tracks veröffentlichten. Tiefenherz 50 ist ein „neues aufstrebendes Label aus Leipzig, welches sich nicht auf die Fahne geschrieben hat im Schatten bestehender Konkurrenten zu koexistieren, sondern mit frischem und smoothen anspruchsvollem Deephousesound zu überzeugen“, so die ersten Zeilen im Infoblatt.

Bescheidenheit klingt anders. Frische ebenso. Denn auch wenn die beiden Tracks der „Broken Up EP“ anspruchsvoll sind – sie reihen sich zwischen dem Moon Harbour- und FM Musik-Sound ein. Slicker House, ganz einfach. Wobei der Titel-Track ein paar schöne, nostalgische 2000er-Momente in sich trägt. Vorhören via Soundcloud ist leider nicht.

Bei Break The Surface stellt sich allmählich die Frage, wie lange ein Label mit nur einem Künstler interessant bleiben kann. Seit zwei Jahren konzentriert sich der Katalog auf neue Stücke der Label-Betreiber Metasound und Lucius14. Und der neue, sehr organische Lagerfeuer-Sound der beiden brennt sich immer mehr ins Break The Surface-Gedächtnis ein.

„Chill The Beast“ bleibt dem treu. Mit einem tollen, lange ausgespielten Orgel-Chord, aber wieder mit einer dieser Western-Gitarren. Und gab es nicht andere Vocal-Samples als: „Okay, here we go – sounds great“? Eine neue Nuance gibt es aber doch auf der „Devoted EP“ – nämlich Pop bei dem gleichnamigen Track. Dem Devaaya Sharkattack-Gesang ist dies maßgeblich zu verdanken. Aber auch dem gediegenen Tempo und den angenehm in die Länge gezerrten Sounds. Ein Ruhepol.

Martin Hayes switcht „Devoted“ vom Sofa unter die Diskokugel. Etwas breitwandig, aber sehr souverän. Filburt kramt noch einmal „All I Want“ von der ersten „Campfire Funk“-EP hervor. Im Nachhinein gehört, brachte das Original eigentlich auch schon eine gehörige Pop-Note mit ein. Bei Filburt bleibt die aber zugunsten des Dancefloors draußen. Er orgelt sich langsam hoch und schwenkt schließlich in eine lässige Disco-Deepness über.

Bei der Qualität der neuen EP, kann das Gemecker um die 1-Artist-Konzentration also auch als Luxusproblem gewertet werden.

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