Good Guy Mikesh & Filburt „Milk & Honey EP“ (Liebe*Detail Spezial)

Liebe*Detail ist ein Liebhaber-Label, spezialisiert dezent aufgedrehte Hits. Die Verbindungen zu Leipzig sind sehr gut. Nach Platten von Sven Tasnadi, Juno6 und Marko Fürstenberg, bekamen auch Good Guy Mikesh & Filburt hier ihr Podium.

Schon seit Anfang Dezember des letzten Jahres ist die draußen, die Platte mit „Milk & Honey“. Jenem Hit also, der schon in den Live-Sets immer wieder für Verzückung sorgte. Auf Platte erinnert er erstaunlicherweise ein wenig an Erlend Øye. Also einfach der Moment, wie Mikesh zu dem geraden Beat, der angerauten Bassline und den hymnischen Synthies singt. Angenehm im Hintergrund und doch sehr charakteristisch für das Stück.

Spannend ist, wie beide mit der Opulenz der Harmonien und dem durchaus massiven Rhythmus umgehen. Ein wenig mehr von allem und es wäre ein zu aufgeladener Rave-Track. Doch so, wie er im Original läuft, entzieht er sich dieser Gefahr auf ganz lässige Weise. Im „Basket Mix“ wird alles noch elegischerer und schwebender. Nicht schlechter, wenn auch der Biss des Originals fehlt.

Auf der B-Seite tobt sich schließlich noch John Daly an „Milk & Honey“ aus, gleich zweimal. Einmal sehr geradlinig und homogen auf den Floor abgestimmt, mit einem langen Break. Das andere Mal ziemlich ravig, mit einer Rave-Bassline vor den umherschwebenden „Milk & Honey“-Harmonien. Irgendwie introvertierter und dennoch mit offensichtlicherem Drive. Ehrlich gesagt kommt keiner der anderen Tracks wirklich an das Original heran. Das spricht doch aber für sich.

Martsman Website
Paranoid Society Myspace
Alphacut Records Website
Mehr zu Alphacut Records bei frohfroh

United States of Leipzig

Kaum zu glauben. Die New York Times hat in ihrer Online-Ausgabe die „31 Places to go in 2010“ gekürt. Neben internationalen Tourismus-Klassikern wie Los Angeles, Kopenhagen oder Shanghai, wurde auch ein Besuch in Leipzig empfohlen. Nicht nur wegen Bach, sondern auch wegen Tanzmann & Co.

Die New York Times ist jetzt nicht irgendein Blatt, insofern wundert dieser Ritterschlag umso mehr. Zumal Leipzig die einzige deutsche Stadt in dieser Auswahl ist, überhaupt werden nur sehr sporadisch Ziele in Europa erwähnt.

Im Originaltext lautet die Huldigung so:
„In 2010, Leipzig, a small industrial city in the former East Germany with an illustrious past, will be marking the 325th anniversary of the birth of its former resident Johann Sebastian Bach and the 200th birthday of Robert Schumann with concerts, festivals and a reopened Bach Museum (www.bach-leipzig.de).

But the city’s cultural high note is likely to be the Neo Rauch retrospective opening in April at the Leipzig Museum of Fine Arts (www.mdbk.de), a show devoted to the father of the New Leipzig School of artists, a scene that for the past decade has been the toast of the contemporary art world. The art cognoscenti will also make their way to the Spinnerei (www.spinnerei.de), a former cotton mill that is home to 11 galleries, a cafe and a quirky new pension called the Meisterzimmer (www.meisterzimmer.de), with rooms starting at 50 euros, or $70 at $1.40 to the euro.

The city is also making a splash on the musical front. Moon Harbour Recordings and Kann Records, two indie labels producing innovative electronica from D.J.’s, are based here. Sevensol and Matthias Tanzmann will undoubtedly be lugging their laptops to Leipzig Pop Up (www.leipzig-popup.de), a trade fair and music festival taking place in May. Otherwise, gigs can be heard year-round in the city’s underbelly of abandoned factories and squats that look a lot like Berlin — maybe 10 years ago.“

Musik und Kunst, Alte und Neue und ein Hauch altes Berlin – dies sind die Gründe, weshalb es sich lohnt ins Flugzeug zu steigen und nach Leipzig zu kommen. Nicht schlecht. Doch wie kommt die New York Times zu diesem Geheimtipp? Wahrscheinlich durch Superheld Volker Bremer, Chef des Leipziger Stadtmarketings, der mit Geschichtsfolklore und Bach Touristen anlocken möchte. Bevorzugt US-Amerikanische. In deren Heimat hat er viel für Leipzig auf Messen geworben und im kürzlich auf LVZ Online veröffentlichten Interview nennt Bremer quasi alle Highlights für das Jahr 2010, die auch die New York Times erwähnt. Bis auf die subkulturelle Ebene natürlich, denn ob er die Pop Up-Messe oder Matthias Tanzmann kennt bzw. als relevant einschätzt, ist zweifelhaft.

Interessant an dem Interview ist auch folgendes: Bremer hat es geschafft 2010 die jährliche Tagung der Vereinigung US-amerikanischen Reisejournalisten nach Leipzig zu holen. Insofern ist der Geheimtipp der New York Times mehr eine Einstimmung für all die angeblich 500 anreisenden Kollegen. Ob dann in den USA ein Leipzig-Hype losgetreten wird? Matthias Tanzmann spielt übrigens Ende Januar wieder in New York, Chicago und Miami.

„Wir wollen schon anders klingen“ – Mod.Civil im Interview Part 2

Mod.Civil haben sich ohne Firlefanz zu einem der viel versprechendsten Leipziger Techno- und House-Acts gemausert. Dass Flächen und Gefühl nicht immer Trance bedeutet und was die beiden mit dem Kunstraum Ortloff zu tun haben, erklären Gerrit Behrens und René Wettig im zweiten Teil des frohfroh-Interviews.

Im ersten Teil des Interviews mit Mod.Civil sprachen wir darüber, wie sich Gerrit Behrens und René Wettig gefunden haben. Im zweiten Teil geht es um den neuen Hype des alten House-Sounds, Melancholie als Trademark und die Entstehung von elektronischer Musik.

Wie entstehen eure Stücke? Nehmen wir mal euren Track „Ghost“ als Beispiel, da gibt es diesen sehr hintergründigen Sound, der sich gegen Ende des Lieds zu einem ganz durchdringenden Geist-Schrei entwickelt. Wie kommt man auf die Idee so etwas in einen Track einzubauen?

Gerrit: Das sind so Prozesse, die entstehen im Moment. Du hast halt einen Grundsound, den du an Zitate von früher anlehnst oder auch an einen bestimmten Sound, aus House- oder Techno-Elementen. Aber die gewissen Sachen entstehen dann meistens in der Produktion selbst. Weil es eben bestimmte Effekte gibt oder weil plötzlich die Idee geboren wird das mit dem zu paaren, den einen Effekt darauf zu legen und diesen Effekt durch irgendwas anderes wieder modulieren zu lassen, damit es dann wieder irgendwas gibt, was dich inspiriert oder was dich weiterarbeiten lässt an dieser Sache. Und dann kommt am Ende so etwas raus…

Und das wird dann „Ghost“ genannt!

Gerrit: Genau!

Bei frohfroh hieß es ja schon mal zu euch: „Mod.Civil sind die kantigen Melancholiker. In ihren Sounds und Rhythmen durchaus straight und etwas schroff, doch im Prinzip sind ihre Tracks voller leicht eingetrübter Sehnsucht.“ Seid ihr wirklich voller melancholischer Sehnsucht?

Gerrit: Ich kann es ein bisschen nachvollziehen. Das ist auch der Trademark-Sound, den jetzt einige schon von uns beanspruchen. Dass es genau das ist, dass es so ein bisschen schwer wiegt, schwere Chords, wodurch sich auch Melancholie breit macht. Also eher Moll als Dur. Getragen wird das dann durch ein ganz normales oder klassisches House- oder Technobeat-Fundament.

Ist das ein Gefühl, dass beim Produzieren einfach rauskommt? Beziehungsweise, ist das vielleicht sogar eine Reflektion eines Gefühls, dass ihr in euch habt, ohne es unbedingt vorher zu wissen? Ein Gefühl, dass dann in den Tracks plötzlich zu Tage kommt?

René: Möglicherweise. Wir haben immer so einen leichten Hang zum – manche würden sagen – Trance. Es geht uns immer darum, eine bestimmte Stimmung zu vermitteln. Die kann man nicht einfach nur mit Rhythmus übertragen. Das passiert halt nur durch flächige Sounds oder durch melancholische Sounds, zu denen wir immer wieder versuchen hinzukommen.

Gerrit: Also es gibt auf jeden Fall sehr abstrakte Musik, die jetzt gerade wieder ausläuft, also die momentan nicht mehr so en vogue ist, wie sie es mal war. Zum Beispiel der verschriene Minimal, bei dem sehr abstrakt und technoid mit Sounds umgegangen wird und wo eben wenig Fläche war für – nennen wir es mal – ein bisschen mehr Gefühl. Die kommt eher aus dem House, wo mehr Groove drin ist, wo mehr Gefühl ausgestrahlt wird. Bei uns ist es doch schon so, dass wir immer versuchen etwas zu vermitteln, was nicht in diese abstrakte Weise mündet.

Also kommt nach Minimal House wieder breiter auf.

Gerrit: Das ist jetzt auf jeden Fall schon da. House ist gerade das ganz große Ding, ist wieder voll da. Und ich glaube, dass die einzelnen Spielarten, die es auch früher schon gab, jetzt auch langsam wieder kommen werden. Es wird sicher auch bald wieder härteren House geben, Hard-House und ich denke, dass wird sich jetzt auch weiter durch dieses House-Ding ausdifferenzieren.

Was hat es eigentlich mit den Ortloff-Platten auf sich? Im Prinzip ist das Ortloff ein Kunstraum.

Gerrit: Richtig. Das Ortloff ist ein Kunstraum. Und das sind Freunde von uns geworden.

Und wie kommt es, dass es seit letztem Jahr auch Veröffentlichungen auf Vinyl gibt?

Gerrit: Also die Idee kam, weil die Grafiker von dort meistens etwas mit Malerei und Grafik und im weitesten Sinne was mit Kunst zu tun haben, während wir die Musik gemacht haben. Und da haben wir uns irgendwann gedacht, wir könnten doch eine Platte zusammen machen. Wir kümmern uns darum, wer auf die Platte kommt und die anderen machen das ganze Artwork dafür. Da wir auch das Geld dafür zur Verfügung hatten haben wir es eben gemacht und es ist super gelaufen. Als das Geld von der ersten da, haben wir entschieden die nächste Platte zu machen. Wo das endet, das werden wir sehen!

Also, ihr habt einmal investiert und jetzt kommt immer das Geld von der letzten Ausgabe der nächsten zugute?

Gerrit: Ganz genau.

Ihr wählt ja die Musik aus. Ist das auch der ganz triviale Grund, dass ihr bisher auf beiden Ortloff-Platten veröffentlicht habt?

Gerrit: Ja, der Gedanke ist nicht ganz abzuschlagen…

René: Also, es ist nicht so, dass wir nur auf der Platte sind, weil wir das selbst aussuchen. Das ist eine Entscheidung von fünf bis sechs Leuten, die da ein Mitspracherecht haben. Zum Ortloff gehören drei Leute, die entscheiden letztlich darüber, wer auf den Platten ist.

Ihr macht denen dann nur Vorschläge?

René: Ja, wir machen Vorschläge, suchen die Musik, treffen eine Vorauswahl…

Gerrit: Ein automatisches Vorrecht haben wir auf jeden Fall nicht. Es ist schon eine Konsens-Entscheidung.

Wir haben viel über House gesprochen. Was für ein Sound erwartet den Besucher eigentlich bei einem Mod.Civil Live-Set?

Gerrit: Ja, das lehnt sich schon an den Sound an, über den wir gesprochen haben. Wir fangen meist ziemlich reduziert und groovy an, so bei etwa 121 BPM und steigern uns dann nachher. Unsere Vinyl-Tracks spielen wir natürlich auch, zum Beispiel „For Some Reason“.

„For Some Reason“ ist ein Stück, das ziemlich gut funktioniert im Club.

Gerrit: Es funktioniert wunderbar. Wo wir es gespielt haben, da rasten die Leute eigentlich jedes Mal aus. Das ist auch ein bisschen gewollt, weil es ein ziemlich langes Break gibt im Stück, was natürlich forciert, dass die Leute irgendwann schon mal anfangen zu schreien! Das ist lustig, dies zu hören, so etwas macht jedes Mal wieder Spaß.

Mod.Civil Facebook
Mehr zu Mod.Civil bei frohfroh

Matthias Tanzmann „Chano“ (Moon Harbour Recordings)

Knapp anderthalb Jahre nach seinem Debüt-Album kommt die erste Solo-EP von Matthias Tanzmann heraus. Und sie ist überraschend konsequenter als erwartet, sie deutet sogar auf eine gänzlich neue musikalische Richtung hin.

Zugegeben, Matthias Tanzmann war als Producer in letzter Zeit ein wenig unscheinbar und schwer greifbar – sowohl mit seinen Compilation-Beiträgen und Remixen als auch mit seinen beiden Kooperationen mit Martinez und Seuil. Betrachtet man jedoch die musikalische Entwicklung seit dem Debüt-Solo-Album vom Frühjahr 2008, so scheint sich der Sound des Moon Harbour-Chefs gerade in einem Transformationsprozess zu befinden.

Da passt einerseits der Output der letzten anderthalb Jahre durchaus schlüssig mit rein, zum anderen markiert die neue EP „Chano“ den vorläufigen Höhepunkt dieses Prozesses. Und im Kern muss es heißen, dass Matthias Tanzmann immer reduzierter und filigraner in seinem Umgang mit House wird.

„Chano“ gibt es in zwei Versionen, und gerade die A-Seite ist unheimlich puristisch. Bis auf das etwas mystische Latin-Jazz-Vocal-Sample besteht der Track quasi nur aus rhythmischen Elementen. Allerdings so dicht arrangiert, dass die Luft dazwischen zum Schneiden dick wird. Alles klingt skizziert: die Perkussion, die HiHats, die Rasseln, die Bassline. Im Break ist es nur ein modulierter Hall, der etwas mehr klangliche Breite erzeugt, ansonsten Rhythmus. Klar, das Vocal polarisiert, drückt den Track dann doch recht bestimmt in jenen Ethno-Einfluss, wie er momentan immer wieder bei House auftaucht. Diese konsequente Reduktion – auch über eine so lange Dauer – erreicht dennoch eine ganz neue Qualität und Intensität.

Auf der B-Seite wandelt Tanzmann „Chano“ dann in eine klassisch deepe Richtung ab, mit richtigem Chord, kompakterem House-Beat und erstaunlicherweise ohne Vocals. Sehr solide, aber auch gesichtsloser als die andere Version. Nichtsdestotrotz bleibt es jetzt spannend zu sehen, was Matthias Tanzmann noch vorhat mit seinem Sound.

Matthias Tanmann Myspace
Moon Harbour Recordings Website
Mehr zu Matthias Tanzmann bei frohfroh
Mehr zu Moon Harbour Recordings bei frohfroh

Thomas Fröhlich & Swilen Oschatz „Stretchcat 01“ (Stretchcat)

Seit dem letzten Herbst geistert der Name Stretchcat herum, wieder ein neues Label aus Leipzig. Eingebettet ist der Newcomer allerdings in einem durchaus bekannten und versierten Umfeld.

Ein Blick zu Discogs verrät schnell, wer hinter Stretchcat steckt: Matthias Kretzschmar, Daniel Stefanik und Thomas Fröhlich. Und noch etwas steht da: Statik Entertainment ist das „Parent Label“ hinter Stretchcat.

Matthias Kretzschmar erklärt wie es zu dem neuen Label kam: „Stretchcat ist ein Sublabel von Statik Entertainment. Bei der Gründung des Labels war das aber nicht unbedingt ein entscheidender Aspekt. Ich wollte mit Daniel und Thomas etwas in der housigeren Richtung machen – Statik als ‚Mutter-Label’ kam erst hinzu, als wir auf Vertriebssuche waren. Als Ergebnis wird jedoch jetzt auf Statik Entertainment eher der technoidere Stuff releast – Stretchcat fungiert als ‚House’-Basis. Aber wie gesagt – die Entwicklung war da eher zufällig.“

Vor der Nummer 1 gab es auch eine 00 von Daniel Stefanik, angeblich mit nur 20 Kopien. Insofern ist die Platte von Thomas Fröhlich und Swilen Oschatz das erste offizielle Stretchcat-Lebenszeichen. Fröhlich hat seinen House-Ritterschlag schon auf Kann Records erhalten. Dort hat er mit seinem Bruder als Brotherhood „Memorial Smith“ veröffentlicht. Ein fast schon zu dreist imitiertes Chicago-House-Brett, dessen roher Energie sich aber kaum entziehen war.

Stretchcat 01 kommt in zwei Versionen. Auf der A-Seite als klar geschnittener Floorkiller, auf der B-Seite als deeper Downbeat-House-Hybrid. Zwei Seiten wie Tag und Nacht, zusammengehalten von einem mehr oder weniger aufdringlichen Preacher-Vocal, das besonders der A-Seite eine enorme Dynamik verleiht. Andererseits reißt es den Track mit dieser Intensität und Prägnanz auch sehr an sich, lässt ihm kaum Luft. Das wird am Ende des Tracks deutlich, wenn die Vocals wegbleiben. Interessant an dieser Version ist aber, wie runtergekühlt dieser House-Classic-Appeal ist.

Die B-Seite ist perkussiver, gedrosselter und dichter im Rhythmus. Überhaupt ist alles gedrosselt, deep und angenehm elegisch. Der Prediger predigt runtergepitcht und drängt sich dadurch weniger auf. Insgesamt klingt diese Version eigenwilliger und damit auch irgendwie ehrlicher. Für den Label-Einstand aber ein viel versprechendes Statement.

Thomas Fröhlich Myspace
Stretchcat Myspace

Poll Poll 2009

Das Jahr neigt sich dem Ende. Zeit zurückzublicken und zu fragen, welche Platte aus Leipzig am besten gefiel, welche Party am meisten rockte und was man sich im nächsten Jahr wünscht. Einige DJs und Producer aus dem frohfroh-Kosmos geben ihre persönlichen Antworten.


Filburt (Permanent Vacation, Mirau Musik, Liebe*Detail Spezial)

Leipzig-Platte des Jahres:
Praezisa Rapid 3000. Ich weiß leider nicht ob das dieses Jahr noch klappt – aber hot.

Leipzig-Party des Jahres:
John Roberts im Ortloff. Das beste Publikum ever.

Leipzig-Überraschung des Jahres:
Die Verlängerung der Kurt-Eisner-Straße.

Dein Leipzig-Wunsch für 2010:
Das alle so weiter machen.


Map.ache (Kann Records)

Leipzig-Platte des Jahres:
Alles von Gunnar (Kassem Mosse).

Leipzig-Party des Jahres:
Nachtdigital, Electric Weekender-Samstag mit Margaret Dygas und Redshape.

Leipzig-Überraschung des Jahres:
Keine.

Dein Leipzig-Wunsch für 2010:
Weiter so.



LXC (Alphacut Records)

Leipzig-Platte des Jahres:
Die Tapes EP auf Jahtari hat mich derbe geflasht. Jackson ist aber auch eine coole Sau, deswegen durfte er ja auch auf meinem Geburstag den geilen Scheiß mal in laut machen.

Leipzig-Party des Jahres:
Dickste Fete 2009 war ohne Frage die Bassmaessage im November! Großen Respekt an Leipzig, das macht Hoffnung! Dermaßen viel und gutes Publikum hatten wir zuletzt 2001 in der Feinkost – da wo jetzt der Aldi steht, schnüff…

Leipzig-Überraschung des Jahres:
Überraschung? Mich hat letztens überrascht, wie arrogant und realitätsfremd OBM Jung auf den sogenannten Hitschfeld-Brief reagiert hat.

Dein Leipzig-Wunsch für 2010:
Ich wünsche mir für 2010 mindestens eine neue Location, die stilistisch offen, gut organisiert und den Stadtvätern gegenüber clever agiert und mal wieder die ganzen rostigen Schuppen ordentlich durchrüttelt… Hehe, nichts gegen das was es schon gibt, aber frischer Wind wär der Hammer, vielleicht mal was im Osten? Yeah!


Daniel Stefanik (Oh!Yeah!, Freude am Tanzen)

Leipzig-Platte des Jahres:
Juno6 „My Name Is Schultz“ auf Freude am Tanzen.

Leipzig-Party des Jahres:
Chitlin‘ Circuit mit Mathias Kaden & Daniel Stefanik.

Leipzig-Überraschung des Jahres:
Zest – Vegetarisches Restaurant in Connewitz. Grandios!!!

Dein Leipzig-Wunsch für 2010:
Dass es ein erfolgreiches Jahr wird und wir alle ein Stückchen näher zusammen rücken.


Metasound (Break The Surface)

Leipzig-Platte des Jahres:
Juno 6 auf Oh Yeah.

Leipzig-Party des Jahres:
Klangwagon triftt Break The Surface/Gusto EP-Release-Party im Elipamanoke.

Leipzig-Überraschung des Jahres:
Ich kann jetzt ehrlich gesagt nichts benennen, was mich konkret überrascht hätte. Aber sehr spannend und bemerkenswert finde ich das was um Kann, Oh!Yeah!, Sven Tasnadi & Co. passiert. Vor allem die Releases von Juno6 auf Freude am Tanzen und Oh!Yeah! finde ich großartig.

Dein Leipzig-Wunsch für 2010:
Ich hoffe das es auch 2010 spannende Releases von Leipziger Künstlern und Labels geben wird, die in den Clubs für gute Stimmung sorgt. Und natürlich auch das sich für frohfroh viel Stoff zum Berichten ergeben wird.


Sven Tasnadi (Oh!Yeah!, Ornaments, Pokerflat Recordings, Cargo Edition)

Leipzig-Platte des Jahres:
Daniel Stefanik „Say It Loud“ auf Oh!Yeah!

Leipzig-Party des Jahres:
Chitlin‘ Circuit @ Distillery.

Leipzig-Überraschung des Jahres:
Ortloff

Dein Leipzig-Wunsch für 2010:
Leipzig-Special in der Groove oder auf der Slices.


Marko Fürstenberg (Ornaments, Rotary Cocktail Recordings)

Leipzig-Platte des Jahres:
Ornaments 008 – Rhauder feat. Paul St. Hilaire „No News“. Ist zwar kein Leipziger Label, jedoch kommen zwei Remixe von Leipzigern.

Leipzig-Party des Jahres:
Kann 1-Year B-Day @ Conne Island 28.11.2009. Vor allem Kettenkarussell live war herausragend.

Leipzig-Überraschung des Jahres:
Mod.Civil. Wobei das eigentlich keine Überaschung darstellt. Ansonsten noch die beiden Ortloff-Platten.

Dein Leipzig-Wunsch für 2010:
Das alle so weiter machen.


Gerrit von Mod.Civil (Ornaments, Ortloff, Rotary Cocktail Recordings)Leipzig-Platte des Jahres:
Ortloff 2 – keine Frage!

Leipzig-Party des Jahres:
Vitali Disko mit John Roberts im Ortloff.

Leipzig-Überraschung des Jahres:
Rene ist Vater.

Dein Leipzig-Wunsch für 2010:
Weiterhin tolle Abende mit guter Musik in guter Umgebung.

MZE / Unquote „Taorrizm“ / „Ugly Face Of War“ (Alphacut Records)

Seit zwei Wochen ist sie schon draußen, die Nummer 13. Und in der Serien-Dramaturgie befinden wir uns nun komplett auf dem dunklen Dancefloor. Zwei unmissverständliche Tracks wurden hier 100mal gepresst.

Die A-Seite präsentiert nach zwei Jahren Pause mal wieder einen MZE-Track. Der Leipziger gehört quasi zum Alphacut-Inventar. Sein „Taorrizm“ hat zwei Gesichter – einmal die unerbittlich zupackenden, schroffen Parts, dann aber auch längere Momente mit futuristisch-deepen bis darken Chords. Die Übergänge, wie hier zwischen den Welten geswitcht wird, sind dabei überaus spannend. Teilweise bleiben es harte Umbrüche, dann wird aber auch ganz behutsam das Schroffe vom Musikalischen durchdrungen.

Die B-Seite gehört schließlich dem Russen Unquote, der vor kurzem auch auf der Hospital-Compilation „Future Sound Of Russia“ vertreten war. „Ugly Face Of War“ ist natürlich ein ziemlich assoziativer Titel. Und man möchte unweigerlich die verstörend harten Bassdrums und die rasend schnell schellenden Percussions als Schüsse und Säbelrasseln interpretieren. Der Track ist kompakt, kommt sehr klar auf den Punkt. Und diese Überschaubarkeit macht ihn reizvoller als sein Gegenpart auf der A-Seite.

Alphacut Records Website
MZE Website
Mehr zu Alphacut Records auf frohfroh

Kleinschmager Audio „Baan Panburi EP“ (Dekadent Schallplatten)

Knapp 600 Einwohner hat Buhla, und ein Techno-Label – Dekadent Schallplatten. Bei dem westthüringischen Label ist nun auch Joern Kleinschmager mit einer mehr oder weniger subtil ravenden EP angekommen.

Buhla liegt im Eichsfeld und schaut man auf das Artist-Roster, fallen einige Überschneidungen mit den Berliner Labels Ornaments und Rotary Cocktail Recordings auf. Deren Betreiber stammen auch aus dem Eichsfeld und sie sind per Du mit Marko Fürstenberg und Mod.Civil. So lässt sich wahrscheinlich auch der Link zu Kleinschmager Audio ins Eichsfeld erklären.

Die neue EP von Joern Kleinschmager und Niklas Worgt – die erste seit ihrem Album in diesem Frühjahr – gibt sich erstaunlich nach vorn gewandt. „Cochlea“ schleicht sich sehr direkt an. Es ist ein Track, der einer Clubnacht zu einer Wendung verhelfen kann, der ein neues Level einläutet. Der Rave-Appeal ist eindeutig, bleibt aber insgesamt doch recht subtil. Am tollsten ist der Funk, der zwischen dem treibenden Chord und den Stakato-artigen Sounds aufkeimt und permanent die Spannung hält, die sich aber nie in einem Rave-Break entlädt. Wohl einer der bisher besten Kleinschmager-Tracks.

Im From Karaoke To Stardom Remix wird „Cochlea“ genau diese faszinierende Spannung entzogen. Stattdessen wirken die Chords aufgeblasen und die vielen Rave-Delays klingen nach Brandenburg. Warum dieser Rave?

„Rasananda“ ist klassischer im Kleinschmager Audio-Kosmos verortet. Die Arrangements sind superaufgeräumt, ein durchlaufender Track ohne Anfang und ohne Ende. In der Dramaturgie sehr toolig ausgerichtet mit einem reduziert-treibenden Grundgerüst und einigen eingestreuten Sounds. Solide, aber auch leider sehr konventionell im Minimal verankert.

Kleinschmager Audio Facebook
Dekadent Schallplatten Website
Mehr zu Kleinschmager Audio bei frohfroh

„Wir wollen schon anders klingen“ – Mod.Civil im Interview Part 1

Mod.Civil haben sich ohne Firlefanz zu einem der viel versprechendsten Leipziger Techno- und House-Acts gemausert. Wie sie sich Gerrit Behrens und René Wettig gefunden haben und zu Mod.Civil wurden, erklären sie im ersten Teil des frohfroh-Interviews.

In den Clubs geistern die Beiden schon länger als einer der weniger Leipziger Live-Acts rum. Mit Tracks auf den Berliner Labels Ornaments und Rotary Cocktail Recordings kommen sie allmählich auch überregional ins Gespräch. frohfroh traf Gerrit Behrens und René Wettig zum Interview.

Wie würdet ihr euch selbst definieren, was ist Mod.Civil überhaupt?

Gerrit: Also, Mod.Civil ist ein Musikprojekt, das René und ich ins Leben gerufen haben vor ungefähr drei Jahren. Wir haben uns im Plattenladen getroffen, wollten unbedingt Musik zusammen machen, weil wir festgestellt haben, das funzt irgendwie. Und der Name Mod.Civil, der ist auf irgendeiner Party geboren. Abgeleitet aus dem Code Civil, hab ich gedacht, dass Mod.Civil ganz schön klingt, weil es eben mit Modulation was zu tun hat, also die elektronische Musik.

Ihr habt euch ganz klassisch im Plattenladen kennengelernt, René, du bist nicht nur mit Mod.Civil als Produzent und Liveact unterwegs, sondern legst auch regelmäßig allein auf. Wie hat das denn angefangen bei dir mit dem DJing?

René: Das war in meiner Heimatstadt Erfurt. Mein Onkel, der grad mal anderthalb Jahre älter ist als ich, ist Orchesterleiter und sehr musikinteressiert. Er hat damals die aufkommende Clubmusik aufgegriffen und sich dann Plattenspieler gekauft und angefangen aufzulegen. Und das hat mich so inspiriert, dass ich dem nachgegangen bin.

Und dann hast du auch bald angefangen zu produzieren?

René: Das kam etwas später, zumindest ernsthaft. Also ich bin schon mal vor knapp zehn Jahren damit in Berührung gekommen, aber irgendwie hab ich nie den richtigen Zugang gefunden, obwohl ich schon über meinen damaligen Mitbewohner an viel Technik gekommen bin. Aber so richtig weit bin ich da nicht gekommen.

Bei dir Gerrit ist es genau andersherum: Du hast viel produziert, warst aber nie als DJ unterwegs?

Gerrit: Genau, nie. Ich bin zwar Clubgänger und geh schon seit Mitte der Neunziger weg, aber so richtig heiß wurde ich erst, als ich mal ein Musikprogramm in die Hände bekommen habe. Das heißt „Rebirth“, das war Ende der Neunziger und das hat so viele schöne Sounds gemacht von den Sounds, die ich auch schon aus den Clubs kannte. Und von da an, war es eigentlich um mich geschehen. Ich hab sehr viel über die Software selbst Zuhause rumgeschraubt.

Du hattest dann aber nicht den Drang diese Musik direkt wieder in die Clubs zu tragen?

Gerrit: Nein, den Drang hatte ich komischerweise nicht. Aber das hätte ich mich auch überhaupt nicht getraut damals.

Ihr seid ja zu zweit. Wie funktioniert denn eigentlich das Produzieren im Team? Gibt’s da eine bestimmte Arbeitsteilung, nach dem Motto René macht die Bassline und Gerrit macht die Hihat oder wie läuft das?

René: Also wir machen das momentan alles an einem Rechner, weil wir kein Studio oder Proberaum haben. Gerrit macht Skizzen, spielt Melodien, ich gebe meine Kommentare dazu ab, manchmal komm ich auch mit eigenen Sachen von meinem Rechner und die schmeißen wir dann zusammen. Und live funktioniert das dann so, dass wir quasi die halbfertigen mit den fertigen Sachen kombinieren.

Gerrit: Also, ich spiele meist wirklich die vorgefertigten Skizzen ab und deswegen ist es auch jedes Mal eine neues Liveset, weil es halt niemals gleich bleibt. Wir spielen einfach keine vorgefertigten Tracks, sondern arrangieren unsere Tracks jedes Mal neu und jedes Mal anders.

Ihr habt ja auch mal zusammen gewohnt. Wie kann man sich das vorstellen, war dann immer das eine Zimmer das, wo ihr die ganze Nacht an den Rechnern saßt um zu produzieren?

Gerrit: Ja, das ist auch eigentlich immer noch so. Das ist mein Zimmer, da gibt’s eine schöne große Ecke, das ist meine Produzentenecke. Da steht mein Schreibtisch mit allen Geräten und den Boxen.

Verfolgt ihr musikalisch eine gewisse Programmatik, also, dass ihr versucht eine bestimmte Stilistik zu entwickeln? Ich meine zum Beispiel, dass ihr anders klingen wollt als andere?

Renè: Wir wollen schon anders klingen.

Gerrit: Aber das ist nicht so einfach…

René: Also, uns wurde schon gesagt, wir hätten einen typischen Sound, so einen gewissen Trademark, wenn man das so bezeichnen möchte. Aber man legt es auch nicht bewusst drauf an, das irgendwie zu schaffen. Es passiert irgendwie doch, wahrscheinlich liegt das dann an den eigenen Vorlieben oder dem eigenen Geschmack halt.

Also passiert das eher automatisch?

Gerrit: Die Hörgewohnheiten fließen auf jeden Fall mit ein, das kann man gar nicht umgehen. Man ist immer angeregt von Dingen, die aktuell stattfinden oder von irgendwelchen alten Platten, irgendwelchen alten Sounds, die man ganz bewusst auch aufnimmt. Aber trotzdem mach ich mir darüber nicht sehr viele Gedanken, wenn ich einen Track produziere, dabei passiert ziemlich viel auch einfach so im Moment.

Es gibt auch oft so etwas wie Labelsounds, dass ähnlich klingende Musik von verschiedenen Künstlern auf demselben Label erscheint.

René: Ja, es gibt bestimmt Vorlieben der Labels. Nimmt man jetzt mal ein Leipziger Beispiel wie Kann Records, die haben sich schon sehr diesem deepen House-Sound verschrieben und das hört man dann auch in den Produktionen. Und ich glaube, das ist heute mehr denn je wichtig, sich abzugrenzen. Sowohl als Label als auch als Künstler.


Im zweiten Teil des Mod.Civil-Interviews beziehen Gerrit und René Stellung zu ihrem Trademark-Sound und erklären das Konzept Ortloff, einem Kunstraum, dem sie sich sehr verbunden fühlen.

Mod.Civil Myspace
Mehr zu Mod.Civil bei frohfroh

Markus Schatz „Drippin“ (Cargo Edition)

Ein neues Gesicht bei Cargo Edition, und zwar ein Urgestein der Berliner Techno- und House-Szene. Markus Schatz ist als DJ fast von Anfang dabei, seit fünf Jahren produziert er auch. Doch als Solo-Künstler emanzipiert er sich jetzt erst.

Bisher war Markus Schatz eher in Zusammenarbeit mit anderen Producern in Erscheinung getreten, mit Tom Clark von Highgrade Records beispielsweise. Als Solo-Act scheint er sich aber erst jetzt langsam vorzutasten. Insofern ist seine EP auf Cargo Edition ein weiterer Schritt dahin.

Die drei Tracks klingen wie eine Werkschau, über die Bandbreite, die Markus Schatz abdecken mag. „Drippin“ ist sehr extrovertiert und mit ein wenig spielerischem Glamour und Oldschool-Appeal verziert. „Flippin“ ist dagegen ordentlich auf die Mütze – sehr reduziert in seinen Elementen, mit einem massiv rollenden Bass und auf ungewohnt deutliche Weise maskulin und körperlich.

„Restart“ kehrt dann noch die deepe Seite von Markus Schatz heraus, es ist der angenehmste und ausgeglichenste Track dieser EP. Alles ist sehr funktional und klar. Cargo Edition ist von seinem ursprünglich intendierten Weg der Experimentierfreude etwas abgekommen, wie es scheint. Nachvollziehbar und schade zugleich.

Markus Schatz Myspace
Cargo Edition Website
Mehr zu Cargo Edition auf frohfroh