Mod.Civil „Ghost EP“ (Rotary Cocktail)

Mod.Civil bleiben in Berlin, was ihre Labels angeht. Und sie bleiben im gleichen Label-Umfeld. Nach der Ornaments-Platte folgt nun die „Ghost EP“ auf Rotary Cocktail.

Gerrit Behrens und René Wettig alias Mod.Civil sind die kantigen Melancholiker – In ihren Sounds und Rhythmen durchaus straight und etwas schroff, doch im Prinzip sind ihre Tracks voller leicht eingetrübter Sehnsucht. Vielleicht liegt es auch am erdigen und analogen Grundklang des Duos. Der Titeltrack dieser zweiten EP könnte genauso gut zu Dial Records passen. Eben weil er deren wehmütigen angerauten House-Gestus ebenso überzeugend und unprätentiös aufgreift. Eigentlich sind die Arrangements sehr reduziert gehalten, aber es steckt soviel Wärme darin, dass sich „Ghost“ sofort anschmiegt.

„For Some Reasons“ ist da unerwartet ravig. Obwohl die Detroit-Chords unwiderstehlich sind, steigern sie sich in den Breaks leider einen Tick zu offensichtlich in ihre Rave-Ansage. Im Club wirkt dies sicherlich noch einmal anders. Aber ein wenig schade ist es schon, dass hier die Zurückhaltung fehlt, die „Ghost“ so groß macht.

„Ghost Scream“ ist dann noch ein harter Brocken von gespenstischer Soundmalerei. Denn die knapp drei Minuten klingen tatsächlich wie die Aufnahme einer fiesen Geisterorgie. Eine insgesamt also durchwachsene Platte.

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Digitale Avantgarde in der Sackgasse?

Am 19. September veranstalten die Essential Existence Gallery, das sublab und die Free Software Foundation Europe den „Tag der freien Lizenzen“. Neben einer Ausstellung, einem Workshop und einer Podiumsdiskussion findet auch die erste Leipziger Netaudio-Nacht statt. Grund für uns nach dem Status Quo der Leipziger Netlabels zu fragen.

Die Digitalisierung der letzten Jahre hat einige Turbulenzen ausgelöst. Viele kulturelle und wirtschaftliche Konventionen müssen überdacht werden. Netlabels galten da eine Zeit lang als die Avantgarde der klassischen Musikindustrie, die viel zu lange die Digitalisierung als Bedrohung stigmatisiert hat. Über das Internet veröffentlichen immer mehr Netlabels die Musik von mehr oder weniger bekannten Künstlern kostenlos. Zwar sind die Download-Zahlen teilweise überaus beeindruckend, doch die einfachen Möglichkeiten zum Start eines Netlabels, haben eine Menge Mittelmaß hervorgebracht. Was für eine Zukunft hat diese Alternative also?

Wir fragten Jan Stern, einen der Initiatoren vom „Tag der freien Lizenzen“ zu generellen Aspekten von Netlabels. Anschließend finden sich Statements von Steffen Bennemann und Matthias Kretzschmar, die Betreiber zweier erfolgreicher – mittlerweile aber wieder eingestellter – Leipziger Netlabels.

Worin liegt der Reiz als Musiker oder Label seine Musik zu verschenken?

Da müsste man sich zunächst die Frage stellen, warum jemand Musik macht. Die meisten Musiker würden wohl von sich behaupten, dass sie sich durch Musik ausdrücken. Persönlich hat der Musiker sicher mehr davon, wenn ihm fünf Leute sagen, dass sie seine Musik sehr gut finden und dass sie dadurch berührt werden, als wenn ihm fünf Leute jeweils ohne Statement einfach einen Euro auf sein Konto überweisen.Dennoch ist klar: Der Musiker hat in sein Werk eine Menge Zeit investiert und diese Zeit sollte auch von den Konsumenten honoriert werden.

Mit den heutigen digitalen Möglichkeiten ist es für immer mehr Menschen möglich geworden ohne ein großes Tonstudio elektronische Musik zu produzieren. Gleichzeitig haben die üblichen Vertriebswege über Labels und physische Tonträger durch die MP3-Technologie stark an Einfluss verloren.

Es gibt also einen immens großen Fluss an neuer Musik, die aber nicht unbedingt massenkompatibel genug ist und somit niemals von einem Majorlabel heraus gebracht werden würde. Dennoch gibt es eine Menge Liebhaber, die diese Musik hören möchten und auch bereit sind dafür Geld zu bezahlen. Den Musikern muss man eine Plattform bieten und diese schaffen Netlabels.

Natürlich gibt es auch hier gute und schlechte Beispiele, aber die Maxime eines Netlabels sollte sein, dass es auf Qualität Wert legt und eine entsprechende Filterung für den Konsumenten vornimmt. Die Betreiber sind meistens selbst Musikliebhaber und erwarten für sich recht wenig davon, ein Netlabel zu betreiben. Ihnen geht es wohl eher um die Unterstützung von Musikern, die in ihren Augen mehr Aufmerksamkeit benötigen. Diese Musiker haben dadurch die Möglichkeit recht schnell einige Tausend Leute zu erreichen und wenn nur ein Bruchteil davon die Musik eines solchen Musikers behält und Wert schätzt, hat er schon einen größeren Erfolg erzielt als so manch anderer Musiker, der sein Werk auf Platte veröffentlicht hat.

Diese Konsumenten werden oft zum Fan, verbreiten die Musik weiter, gehen auf Konzerte, kaufen sich T-Shirts und sind auch nicht selten bereit für den Download der MP3s zu zahlen. Im Übrigen bin ich sowieso dafür, dass man dem Kunden die Chance gibt, die Musik kostenlos herunter zu laden und man im Nachhinein dennoch die Möglichkeit hat – über einen unkomplizierten Weg – Geld für die Stücke zu zahlen.

Durch den Vertrieb von kostenlosen MP3s über ein Netlabel werden wohl die Wenigsten reich, aber es kann den Grundstein für so manche Karriere legen und schließt nicht aus, dass der Künstler am Ende Geld an seiner Musik verdient. Generell sollte gute Musik einfach gehört werden und nicht auf den Festplatten der Musiker versauern, und allein darin liegt wohl der Reiz auf einem Netlabel zu veröffentlichen.

Die meisten Netlabels veröffentlichen elektronische Musik, was vermutest du könnte der Grund dafür sein?

Bei akustischer Musik sind einfach noch mehr technische Gegebenheiten erforderlich um z.B. eine Band mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang abzumischen. Diese Voraussetzungen sind oft nur in einem Tonstudio umsetzbar, was wiederum mehr Geld kostet als zu Hause am eigenen Computer Musik zu produzieren. Kostenlos ist auch das nicht und neben einer guten Idee gehört natürlich auch ein gutes technisches Verständnis und entsprechendes Equipment dazu, aber definitiv ist es im elektronischen Sektor einfacher, einen Track fertig zu bekommen.

Sind die Netlabels in ihrer Nische gefangen? Medial findet deren Output kaum Beachtung.

Sicherlich sind sie ein Stück weit darin gefangen, aber das liegt ja auch daran, dass sie sich in der Regel bewusst von anderen Labels mit physischen Tonträgern abgrenzen. Es wird ja ein ganz anderer Musikmarkt bedient. Es sind eben selten massentaugliche Stücke und finden natürlich auch weniger mediale Beachtung. In meinen Augen ist das aber nicht verkehrt, denn es gab auch schon vor dem Internet Musik, die nicht medial relevant war und dennoch ganze Generationen geprägt und begeistert hat und das ist auch gut so.

Die Leipziger Netlabel-Szene ist ja quasi zusammengebrochen bzw. orientiert sich doch wieder an klassischen Verwertungsmöglichkeiten. Haben Netlabels also überhaupt eine Zukunft?

Zur Leipziger Netlabel-Szene kann ich persönlich nicht wirklich viel sagen, da sollte man lieber die (Ex-)Betreiber fragen. Ich kenne nur zum Teil deren Motivation und ihre Geschichte. Aber um – davon abgesehen – ein positives Beispiel anzuführen, führt kein Weg an Jahtari vorbei. Sie haben als Netlabel angefangen und nach dem enormen Feedback beschlossen, neben kostenlosen Downloads auch Vinyl zu vermarkten. Zudem sind Jahtari-Künstler mittlerweile in der ganzen Welt unterwegs und nehmen, neben vielen Erfahrungen, eben auch Geld mit ihrer Musik ein. Ich finde, es gibt hier kein Gut und Böse. Jede Form, egal ob Labelart oder Art des Tonträgers, hat Vor- und Nachteile. Man muss eben nur abwägen, welche Form im entsprechenden Fall am Sinnvollsten ist. Es bringt nichts, sich den Hut der Musikindustrie aufzusetzen und immer wieder das Internet für Umsatzeinbußen verantwortlich zu machen, sondern man muss es nutzen, um neue Geschäftswege zu gehen.


Steffen Bennemann und Mirsch gründeten 2005 das Netlabel 1bit wonder für elektronische Musik im weitesten Sinne. Innerhalb der Netlabel-Szene gehörte 1bit zu den bekanntesten Labels. Im Frühjahr 2008 wurde nach 32 Veröffentlichungen das Ende des Labels bekannt gegeben. Steffen Bennemann erklärt die Gründe die dafür.

1Bit Wonder war ein sehr erfolgreiches Netlabel, warum habt ihr trotzdem damit aufgehört?

Mirsch und ich hatten einfach nicht mehr genügend Zeit, 1bit auf dem gewohnten Level weiter zu führen. Also haben wir uns gesagt: Dann lieber aufhören als nur so halb dran zu bleiben. In diese Entscheidung hat allerdings auch reingespielt, dass wir mit 1bit so ziemlich das Maximum erreicht hatten, was für uns im Bereich des Möglichen lag. Um es dann auf eine noch höhere Stufe zu hieven – z.B. durch Veröffentlichungen auch auf physischen Tonträgern – hätten wir noch mehr Zeit gebraucht als 1bit ohnehin schon verlangt hat und das war natürlich erst recht nicht möglich.

Gab oder gibt es mittlerweile Überlegungen als Digital-Label weiterzumachen? Die Infrastruktur für den Digital-Vertrieb hat sich ja mittlerweile etwas verbessert.

Nein, gibt es nicht. 1bit ist ein Netlabel der alten Schule und „free music“ ist ein elementarer Bestandteil der 1bit-Philosophie. Ganz abgesehen davon halte ich relativ wenig von reinen Digital-Labels, auch wenn das für viele inzwischen eine Option zu sein scheint. Auch eine Entwicklung zum physischen Label ist bei 1bit keine Option, das Kapitel 1bit ist beendet und wird immer als kostenloses Netlabel bestehen bleiben.

Haben Netlabels mit kostenlosen Downloads überhaupt eine Zukunft?

Ich habe immer den Standpunkt vertreten, dass kostenlose Netlabels bei allen Nachteilen, die damit verbunden sind – geringe Reichweite, unüberschaubarer Output, kaum künstlerische Selektion – unbedingt ihre Berechtigung haben. Nicht nur für abseitige Musik, die sich schlecht verkaufen lässt, sondern vorallem auch in ihrer Funktion als „Talentscouts“. Daran ändern auch die inzwischen aufgekommenen Digital-Labels nichts.


Instabil ist das Sub-Label von Statik Entertainment, gestartet 2004 als Netlabel. Im April 2008 stieg das Label dann aber auf kostenpflichtige Downloads um und vertreibt seine Musik nun über verschiedene MP3-Shops. Warum, das erklärt Matthias Kretzschmar, der Betreiber von Statik Entertainment und Instabil.

Was hat dich dazu bewogen, Instabil nicht mehr als Netlabel mit kostenlosen Downloads zu betreiben?

Instabil lag bis 2008 für etwa zwei Jahre auf Eis – doch der Grund ist nicht etwa das Schmieden des Masterplans gewesen, wie man dem Musik-Fan jetzt Geld für die Tracks aus der Tasche ziehen könnte. Es gab einfach andere Prioritäten. Aber die Frage nach dem konzeptionellen Umstieg von einer Creative Commons-Basis zum Bezahl-Download schließt immer irgendwie eine Art Vorwurf ein, den es aus der Welt zu schaffen gilt. Also: ich bin einfach der Meinung, dass das Bemühen des Künstlers und auch unsere Labelarbeit in gewisser Art und Weise gewürdigt werden muss. Zudem hat sich die Netlabel-Szene nicht positiv entwickelt, der Quantität steht nicht ansatzweise die entsprechende Qualität gegenüber. Also ist der kostenpflichtige Download auch eine Art „Filter“ oder Gütesiegel. Und noch eine Bemerkung: wir fahren seit dem Label Re-Launch keine S-Klasse oder wohnen in Villen, unseren Sound gibt es im Bryzant-Shop für schmale 99 cent.

Wie haben sich die Download-Zahlen nach dem Schritt verändert?

Die legalen Downloads sind seit dem System-Umstieg ohne Ausnahme nach unten gegangen. Jede andere Antwort bei solch einem Umstieg wäre mindestens Flunkerei. Aber das ist auch gar nicht die entscheidende Frage: Das Label spielt die Unkosten wieder ein, die Künstler erhalten einen Profit – und das Wichtigste, was auch im Vergleich zu früher geblieben ist: der Künstler erhält durch eine Veröffentlichung auf instabil die entsprechende Reputation.

Wo siehst du Vor- und Nachteile eines reinen Online-Labels, gerade in Hinblick auf deine Erfahrungen mit Statik Entertainment als Vinyl-Label?

Digitale Musik ist die Zukunft – die Möglichkeiten des Downloads zu negieren wäre fatal. Wir befinden uns gerade im Umbruch, die Diskussionen um das Tonträgerformat werden sich in naher Zeit durch ein geändertes Konsumverhalten sowieso erledigen. Dann wird man auch Antworten auf die bisher ungeklärten Fragen gefunden haben, etwa wie man die illegalen Downloads erschwert oder wie eine qualitative Auswahl der Angebote in einem Download-Shop sichergestellt wird. Das beides sind noch Nachteile. Und auch wenn sich meine Antwort gerade wie ein Plädoyer für MP3 & Co liest: die physischen Tonträger werden auch ihren Platz im Markt finden. In welchem Umfang ist offen – es wird sich zeigen, wem die Haptik langfristig wichtiger bleibt als der Komfort der Files. Und die „Macher“ wie Labelchefs oder Plattenladenbesitzer werden sich einer betriebswirtschaftlichen Frage stellen müssen; doch solange es Sammler, Liebhaber und Nerds gibt werden Schallplatten gepresst.

Wie wählst du die Tracks für Instabil und Statik Entertainment aus – also ab wann wird etwas physisch oder digital veröffentlicht?

Nach meinem Musikgeschmack – nur danach! Grundsätzlich könnte jede instabil auch eine Statik Entertainment sein – und umgekehrt. Es erscheinen also nicht die Tracks, die es auf Statik Entertainment „nicht geschafft“ haben, auf instabil. Vinyl ist nicht der unwiderrufliche Maßstab für Qualität.

Die Statik Entertainment-Platten werden auch digital vertrieben, wie sind da deine Erfahrungen?

Sehr sehr gut – die Downloads steigen von Katalognummer zu Katalognummer, während die physischen Verkäufe stagnieren. Und das ist meines Erachtens auch ein Zeichen für den sich schon erwähnten ändernden Umgang mit Musik. Es gibt nicht nur die alten Vinyl-Fans, die sich eine farbige Pressung ins Regal stellen, sondern auch Musikinteressierte der neuen Generation, die ein Statik Entertainment-Release digital kaufen.

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Hopeton Lindo „Rude Boy“ (Jahtari)

Jaja, Jahtari will es wissen. Eine neue Platte nach der anderen. Dieses Mal mit dem vierten Teil der 7“-Maffi-Serie und einem echten Reggae-Klassiker am Mikrofon – Hopeton Lindo.

Mit „Territory“ hat sich Hopeton Lindo 1987 verewigt. Die schönste Anekdote zu dem Klassiker ist, dass er vor jedem Heimspiel der jamaikanischen Fußballmannschaft gespielt wird. Und auf „Rude Boy“ ist diese Versiertheit auch sofort zu hören.

Maffi, der Kopenhagener Riddim-Resident dieser 7“-Serie bietet aber auch ein passendes Fundament. Sehr klassisch einerseits, aber auch mit einem angenehm patinierten Futurismus in den Synthisizerbässen sowie den verhallten Claps. Dann noch die Pfeiffanfaren in als Breaks.

Der „Rude Dub“ von Disrupt betont natürlich die Rave-Momente stärker, mit einem noch präsenteren Bass. Vielleicht klingt es aber auch nur so, weil beim Original die Vocals einfach mehr im Vordergrund stehen. Auf jeden Fall zielt diese 7“ ziemlich unmissverständlich auf den Dancefloor.

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Afrikan Simba „Power In The Word“ (Jahtari)

Es ist schon erstaunlich, wie international Jahtari mittlerweile aufgestellt ist. Mit Afrikan Simba greift nun einer der renommiertesten Londoner MC’s zum Mikro um zwei Tracks von Rootah zu veredeln.

Nivai Nduka, aus Nigeria stammend, steckt hinter Afrikan Simba. Und er gehört zu denjenigen Reggae-Dub-Aktivisten in London, die sich nicht einfach nur als MC die Nächte um die Ohren schlagen. Er ist ebenso einer der Betreiber von Großbritanniens erstem offiziell lizenziertem afrikanischen Radio – „The Voice Of Africa“. Und das Label Ayamba geht auch auf seine Kappe.

Auf der ersten Jahtari-Compilation war bereits ein Track mit ihm enthalten. Nun folgt eine ganze EP, produziert von Rootah. „Power Of The Word“ ist von seinem Vibe und dem spirituell aufgeladenen Vocals ziemlich klassisch. Doch hört man genauer auf die Sounds, klingen die alles andere als antiquiert.

Die „Power Version“ ist denn zwar nicht ganz instrumental, aber sie entwickelt einen weitaus fließenderen Flow, fast schon treibend. Irgendwie emanzipiert sich die Version auch mehr vom Roots-Sound. Vielleicht klingt sie deshalb auch etwas crisper. Das gilt auch für „Protect I“. Bei den Stücken von Rootah wird ziemlich deutlich, dass er zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart des Dubs vermitteln möchte. Und er hat da eine tolle Mitte gefunden.

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Neu! Neu! Mottt.fm auf frohfroh

Leipzig Subculture Radio – Mottt.fm macht Leipzigs Clubszenen via Internet auch zu Hause hörbar. Den ganzen Tag werden Sets von hiesigen DJs und Live-Acts übertragen, teilweise sogar live von Partys. Ab jetzt lässt sich der Player auch von frohfroh aus öffnen.

Mottt.org und Mottt.fm, was so gleich klingt, sind doch zwei verschiedene Projekte. Während der 2005 gegründete Mottt e.V. eine Party-Plattform für neue, noch unbekannte Producer und DJs ist, konzentriert sich Mottt.fm auf Internetradio mit Musik aus Leipzig bzw. von Leipzigern. Entstanden ist das Radio-Format dennoch aus dem Verein. Anfangs wurden über Mottt.org DJ-Mixe zum Herunterladen angeboten und gern angenommen.

Allerdings ist der Traffic und die Lizenzierung eines solchen Angebots nicht zu unterschätzen. Und so wollte der Verein sich nicht am Aufbau eines Stream-Online-Radios beteiligen. Insofern ist Mottt.fm heute das Liebhaberprojekt einiger Mottt-Mitglieder. Zusammen mit dem Global German Radio Network als technischer Partner startete Mottt.fm im März 2008 und bietet an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr elektronische Musik mit einem Leipziger Background. Rund 15 Leute kümmern sich um den Betrieb und übernehmen die Kosten. Obwohl die Nutzerzahlen des Mottt.fm-Programms stetig steigen, bleibt das Projekt getragen vom Idealismus der Beteiligten.

Eine tolle Sache finden wir. Und wir freuen uns den Mottt.fm-Player jetzt auch von frohfroh aus anbieten zu können. Einfach den Banner in der rechten Spalte anklicken und es öffnet sich ein Flash-Player in einem kleinen Pop-Up-Fenster. Alternativ lässt sich der Stream auch bei iTunes & Co einladen.

Mottt.fm Website
Mottt.fm Link für MP3-Stream
Mottt.fm Link für OGG-Stream

Juno6 „Oh Jemine“ (Oh!Yeah!)

Nun ist der Einstand von Oh!Yeah! perfekt. Mit Stefan Schultz alias Juno6 veröffentlicht auch der dritte Betreiber des Liebhaber-Labels seine EP. Eine durchaus euphorische.

Für Juno6 läuft es gerade ziemlich gut: Auf der Nachtdigital-Mainstage spielte er zu guter Stunde ein treibendes House-Set, kurz davor erschien eine EP bei Freude am Tanzen. Als Verfechter der echten, analogen Klanggeräte genießt er auch schon fast einen Exoten-Bonus. Nicht nur live, auch seine Tracks tragen den Charme des Unmittelbaren, des etwas rauen Klangs und der Freude am Knöpfchendrehen.

„Oh Yeah“ könnte quasi als Label-Hymne angesehen werden, die den Geist des Labels nochmals explizit macht. Hier machen drei Freunde ihr Ding, und klar schauen sie, was auf dem Dancefloor geht, aber es ist mehr als das. Der Track beginnt komplett rhythmisch und trotzdem da schon sehr dicht. Am tollsten sind die Momente, wenn sich die reduzierten Percussions ganz kurz im Delay verfangen.

Später kristallisiert der Track verschiedene Gesichter heraus: anfangs sehr deep, dann mit reduziertem Funk und spätestens mit den „Oh Yeah“-Ausrufen erreicht er seinen Höhepunkt. Zwischen den Tönen schimmert sogar Jazz heraus, eher latent und in der Art, wie mit den Tönen umgegangen wird. Es bleibt aber ein froh vorantanzender House-Track mit Ecken und Kanten – und das über 11 Minuten hinweg.

„Dead Cities“ ist da weitaus zurückhaltender und ruhiger. Andererseits baut er eine permanent schwelende Spannung auf, die sich nicht so recht entladen mag. Besonders gelungen sind die zum Chor verdichteten Vocals, die den Track eine elegische Grundstimmung verpassen, die auch schnell ins Pathetische abdriften könnte. Aber Juno6 setzt sie sehr dezent ein und konzentriert sich eher auf die magische Spannung.

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Roots-Pop mit Knistern

Circuit-Roots-Pop sagt Jahtari zur Musik von Illyah & ltd. Candy. Schaltkreis-Pop also, bei dem das elektrische Knistern noch zu hören ist. Und dieser ungeschliffene Pop-Appeal macht den Sound der beiden aus. Ein Porträt.

Dub aus Leipzig, für die Puristen des Genres wahrscheinlich nicht der Rede wert. Aber mit Jahtari und den Leipziger Acts Disrupt, Rootah sowie Illyah & ltd. Candy wächst gerade ein Label aus den Netaudio-Kinderschuhen heraus, das die Roots tief im Herzen trägt und sie zugleich revolutioniert. Anstatt Studios voller antiquierter Klanggeräte, reicht den Musikern zumeist ein Computer. Und so ist deren Sound zwar deutlich elektronischer, der Dub-Vibe bleibt aber erhalten. Illyah & ltd. Candy bringen zudem noch Pop ins Spiel.

Vier Tracks hat das Leipziger Duo bislang veröffentlicht, derart viel versprechende, dass ein Album eigentlich wünschenswert wäre. Aber Florian und Beata, die beiden Köpfe hinter Illyah & ltd. Candy, lassen sich von der Underground-Euphorie, die nach ihrer ersten Net-EP im Frühjahr 2007 ausging, nicht aus der Ruhe bringen. Musik ist für sie ein Hobby, wenn auch eins mit hohen Ansprüchen und einer Menge Ambition. Aber bei zwei Kindern, einer Promotion und einer Museumspädagogik-Stelle am Bauhaus ist Musik nur ein Punkt in der Prioritätenliste.

Roots-Treue versus Roots-Verrat

Vor zwölf Jahren trafen sie in Leipzig aufeinander, er gebürtiger Würzburger, sie aus Chemnitz. Und obwohl die musikalischen Vorlieben auseinander gingen, fanden sie im Roots einen gemeinsamen Nenner. Florian probierte sich schon Mitte der Neunziger mit seinem Amiga und dem darauf installierten FastTracker aus. Musikalisch war er dabei nicht allzu fest gelegt. Zusammen mit Beata entstanden unter dem Namen Toke Vamos Downbeat-Tracks, aber auch einige Sachen mit Offbeat. Die schickten sie irgendwann zu Jan Gleichmar alias Disrupt von Jahtari. „Ich wusste erst gar nicht, dass das ein Leipziger Label ist“, so Florian.

Heute sind sie das Poppigste, was Jahtari zu bieten hat, und dass im positiven Sinn. Denn bei Illyah & ltd. Candy mündet der Pop-Appeal keineswegs in geglättete Reggae-Pop-Songs, sondern in recht raue und im Tempo gedrosselte Dub-Tracks, die durch Beatas Gesang etwas sehr Eingängiges bekommen. Und etwas sehr Eigenes: Roots-Dub und Reggae wollen sie nicht imitieren. Also singen sie nicht auf Patwa, sondern in Englisch mit Akzent. „Ich finde es nicht schlimm, wenn man hört, dass ich aus Ostdeutschland komme“, sagt Beata. „Dub war damals mit King Tubby und Lee Perry alles andere als eine ethonzentristische Volksmusik, eher Avantgarde. Wenn man sich da heute hinstellt und das einfach nachahmt, verrät das sowohl den ganzen Roots- als auch den experimentellen Gedanken“, sind sich beide einig. Und sie ergänzen: „Wir sind der Sache treu, indem wir sie scheinbar verraten.“

Vor und hinter den Jahtari-Kulissen

Und deshalb sind sie auch bei Jahtari. Nicht nur, weil sie mit ihrem Sound perfekt dort hinpassen, sondern auch weil sie vor Ort etwas bewegen wollen. Beata kümmert sich nebenbei um den Vinyl-Vertrieb des Labels und ist auch mal beim Mastering der Platten bei Dubplates & Mastering in Berlin dabei. Ende August ist nun auch die erste Illyah & ltd. Candy-Platte erschienen – eine Compilation aus den Stücken der Net-EP, ihrem Beitrag auf der ersten Jahtari-Compilation und dem neuen Stück „Out In The Desert“.

Ob die Platte von den klassisch ausgerichteten Dub-Roots-DJs angenommen wird, ist noch offen. Beata vermutet, dass ihre Musik eher von MP3-Hörern aus dem Netz gezogen wird, die es zu Hause hören. Dennoch ist es für sie schon noch etwas anderes, die eigenen Tracks auf Vinyl zu haben.

Dass überhaupt so wenige Tracks entstehen, liegt in erster Linie an den Texten. „Ein Riddim ist schnell parat, aber es ist unheimlich schwierig, etwas auszudrücken, dass möglichst offen, ohne direkte Message ist und dennoch mit dem Sinn spielt, um den man ja nicht herumkommt“, meint Beata.

Erster und bislang einziger Live-Auftritt der beiden war übrigens im Rahmen der PopUp 2005 im UT Connewitz. Allerdings wurde ihnen schnell klar, dass sie mit ihrer Musik nicht auf die Bühne gehören. „Diese Musik ist im Wohnzimmer entstanden und vielleicht gehört sie da auch hin“, bringt es Beata auf den Punkt. Hoffentlich kommt demnächst noch mehr.

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City with limits

Musikstadt, Riccardo Chailly, the city with no limits – damit wirbt Leipzig seit Jahren. Dass das Stadtmarketing wenig kulturelles Gespür abseits von Oper und Gewandhaus besitzt, ist nicht neu. Dass aber die Stadtverwaltung immer penibler und schikanöser mit der hiesigen Subkultur umgeht, raubt einigen Aktivisten allmählich die Freude.

Spätestens zur diesjährigen Global Space Odyssey wurde deutlich, dass die Leipziger Stadtverwaltung ihre Richtlinien ernster nimmt als bisher. Teilweise muten die Aktionen von Ordnungsamt & Co aber auch schikanös an. So wurden die drei geplanten Afterpartys in Plagwitz zwei Tage vor der Demonstration verboten. Als Grund galt, die Locations seien illegal, weil nicht alle nötigen Genehmigungen vorlägen. Dass das Superkronik jedoch seit Monaten geduldete Partys veranstaltete – selbst am Freitag vor der geplanten GSO-Party – störte nicht. Stattdessen fand die Abschlussparty im Werk2 statt.

Seitdem scheinen die städtischen Behörden in Anti-Laune zu sein. Die Alte Damenhandschuhfabrik – gerade erst wiedereröffnet – soll nach der letzten dreikommanull-Party Ende August wieder geschlossen bleiben. Angeblich weil die Sperrstunde nicht eingehalten wurde. Die von der Stadt erst genehmigte Pampa Premium-Reihe war zu laut und sollte mit 50 Dezibel auskommen, später wurde sie auch unterbunden. Das Superkronik ist ebenfalls in einem rauen Clinch mit den Ämtern, obwohl die Kommunikation zwischen beiden Seiten lange Zeit gut verlief. Was ist also los? Wo ist die Leipziger Freiheit?

We like capital letters!

Sie sind da und wir hüpfen im Raum herum – unsere frohfroh-Poster und -Flyer. Frisch gedruckt in Radebeul, heute in aller Frühe ausgerollt im Paketzentrum Krostitz und beim Bäcker nebenan abgeholt.

So virtuell frohfroh als Blog ist, so real sind die Musiker und Labels über die wir berichten. Und da wir ebenso Freunde des Handfesten sind, ist die Freude über echte Poster und Flyer im frohfroh-Style umso größer. Das Poster ist nicht nur Identifikation mit Leipzig. Es beschreibt auch die Entwicklung des frohfroh-Logos: Liebe plus Stereo gleich frohfroh.

Abzuholen sind sie im Freezone Recordstore in der Kochstraße 10, Leipzig.
Und: Auch die Flyer sind nicht zu unterschätzen. Mit ausschweifenden 105 x 210 Millimetern sind sie quasi Kleinposter.

Illyah & ltd. Candy „Machines & Ghosts EP“ (Jahtari)

Endlich, eine Vinyl-EP des wohl smartesten Dub-Pop-Duos von Leipzig. Die Platte ist zwar nur eine Art Best-of von Illyah & ltd. Candy, aber einen neuen Track gibt es doch.

Eine Net-EP und ein Beitrag zur ersten Jahtari-Compilation, die quantitative Bilanz von Illyah & ltd. Candy scheint noch klein. Doch mit nur diesen drei veröffentlichten Tracks haben sie sich einen uniquen Sound geschaffen – zumindest weiß ich gerade von nichts ähnlichem. Musikalisch sind die beiden fest im Jahtari-Kosmos verwurzelt, der abstrakte, elektrifizierte Dub mit ausbalancierten Roots- und Elektronik-Referenzen ist deutlich herauszuhören.

Mit dem wehmütigen Gesang, den eingängigen Melodien und Arrangements heben Illyah & ltd. Candy den Jahtari-Sound jedoch auf eine ganze neue Ebene. Weniger clubbig und verspielt. Dem gegenüber steht ein Spannungsbogen aus zackig-tighten Beats sowie dem eindeutigen Pop-Appeal.

Wirkten „Poor Girl“, „Fight The Formation“ und „Machines & Ghosts“ etwas introvertiert und voller Wehmut, so tänzelt das neue Stück „Out In The Desert“ förmlich dem Spätsommer entgegen. Gerade im Refrain entwickelt es einen unheimlich positiv gestimmten Flow. Jetzt also erscheinen die Tracks auf Vinyl, gemastert von Dubplates & Mastering und einem tollen Cover.

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Matthias Tanzmann / Martinez / Seuil „Moon Harbour Joints Volume 1“ (Moon Harbour Recordings)

Moon Harbour startet eine neue Serie: Kollaborationen verschiedener Künstler. Matthias Tanzmann macht den Start. Er hat in diesem Frühjahr Martinez und Seuil in sein Studio eingeladen.

Produziert wurde nach den Moon Harbour-Label-Nächten in der Distillery bei denen Martinez und Seuil im Februar bzw. April eingeladen waren. Beide gehören ja zu denjenigen Producern, die allmählich zum neuen Kern des Moon Harbour-Rosters avancieren – Auch wenn sie weiterhin auf anderen Labels veröffentlichen. Vocals und Schnipsel davon sind gerade sehr en vogue bei Moon Harbour. Und auch bei diesen zwei neuen Tracks kommt ihnen eine prägnante Rolle zu.

Bei „Ohh I Don’t Know“ haben sich Martinez und Matthias Tanzmann scheinbar selbst gesampelt. Dabei ist eine überaus warme Bassline entstanden, ohne dass das Stimmhafte verfremdet wurde. Das Loopige und perkussiv-housige des Tracks und die ausufernden Breaks tragen eindeutig die Handschrift der letzten beiden Martinez-EPs auf Moon Harbour. Ähnlich funktional zwar, aber durch den Session-Charakter überraschend ungeschliffen.

Auch Seuil ist bei „My 808 Genty Weeps“ deutlich herauszuhören. Sein geglätteter und abgefederter House-Sound prägt diesen Track. Mehr Deepness und Funk steckt in den Tönen, Vocal-Samples und Chords. Und im Gegensatz zu Martinez ist es weniger monoton. Überhaupt passiert bei Seuil immer sehr viel. Fast zuviel. Hier ist es alles aber recht überschaubar und stimmig. Wo aber ist Matthias Tanzmann eigentlich? Irgendwie haben Martinez und Seuil deutlichere Spuren auf den Tracks hinterlassen. Aber vielleicht ist die Frage nur für Profil-Neurotiker interessant.

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Arrebite / LXC „Dubcore Volume 8“ (Sozialistischer Plattenbau)

Die achte 7“ der Dubcore-Reihe vom Hamburger Label Sozialistischer Plattenbau hat eine Menge Leipzig-Bezüge. Das brasilianische Duo Arrebite debütierte vor zwei Jahren auf Phantomnoise und zu LXC braucht es ja keine Worte.

Bei Arrebite scheint der Punk tief verwurzelt zu sein. Ihr Track „Gimme My Microphone“ mit einem grölenden Diamondog am Mikrofon ist pure Punk-Energie mit der dicken Lippe von HipHop. Allerdings ohne eine einzige Gitarre. Stattdessen steht einer dick bratzelnden Bassline einer lässig tänzelnden Rave-Harmonie. Und obwohl es hier ungemein ungestüm zur Sache geht, hat der Track alles was ein Hit braucht. Er hat etwas rohes und eingängiges, sehr ehrlich und dreckig urban.

LXCs Dub nimmt die Punk-Attiüde etwas heraus und pumpt den Rave-Charakter dafür stärker auf – mit Samples der Original-Vocals und den prominenter eingesetzten Harmonien. Könnte das Original tatsächlich ein elektrifizierter Punk-Song einer wilden Band sein, so ist der Dub mehr Track orientiert. Doch egal: beide Seiten sind groß.

Sozialistischer Plattenbau Website
Arrebite Website
LXC Website