We like your walls!

Plakate sind zum Hinhängen da. Und einige von unseren frohfroh-Plakaten dürften mittlerweile an ehemals nackten Wänden hängen. Das freut uns sehr und wir wollen am liebsten ein paar Eindrücke aus euren Wohnzimmern, Studios und Läden in einer kleinen Galerie auf frohfroh zusammentragen.

Der Anfang hält gleich eine Überraschung bereit. Im Hamburger Plattenladen Smallville hängt ein Exemplar aus. Denn so wurde uns berichtet: In der dortigen House-Szene sind die Platten von Kann Records ein Hit.

Sven Tasnadi hat ein Exemplar an seiner Studiotür hängen. Dahinter werden nicht nur Beats gebaut, sondern sogar Blumen gepflegt. Techno mit grünem Daumen.

Auch in der Forschung wird Musik aus Leipzig gemocht. Genauer an der Fakultät für Elektro- und Informationstechnik von der HTWK in der Wächterstraße. In dem hier durch ein frohfroh-Poster geschmückten Büro wird sich übrigens mit FPGA-basierter Bild- und Signalverarbeitung beschäftigt.

Und ein weiteres Poster schmückt nun auch das hübsche Schaufenster der Analogsoul-Crew in der Kurt-Eisner-Straße.

Klinke auf Cinch waren ja in Osteuropa unterwegs. Und sie hatten freundlicherweise auch einige Flyer und Plakate mit. Und so hängen nun auch in Ljubljana und Wien die Leipzig-Bekenntnisse in großen Lettern. Vielen Dank an die Analogsoul-Crew.

Schöne Grüße aus Lindenau. Kata Adamek und Bernd Adamek-Schyma vom Panipanama haben einen hübschen Hund und derzeit auch ein frohfroh-Poster im Schaufenster.

Und auch im Schall & Rausch-Plattenladen heißt es „We Like Dance Music From Leipzig“.

Weitere Einsendungen nehmen wir gern per Mail an.

Wheeler „Breeze Blow“ / Maffi „Turtle Riddim“ (Jahtari)

Jahtari bleibt seinem Netlabel-Anspruch treu, obwohl der Fokus gerade stärker auf kleine Vinyl-Auflagen liegt. Von der Maffi-Serie gibt es online nun ein weiteres Original aus Jamaika.

Wheeler kommt aus Kingston, genauer Swallofield. Dort verkauft er Bier und Zigaretten und hängt mit Freunden ab. Zu dem tiefbassigen Riddim von Maffi hat Wheller ein wahnsinnig leidenschaftliches und melodisches Vocal eingesungen – angeblich mit einfachstem Equipment aufgenommen von Selectah Easy T Jam vom Esperanza Soundsystem.

Auf der B-Seite läuft dann noch einmal Maffis Riddim instrumental. Da kommen der elektronisch dicke Bass, die tollen Claps und die kleine Melodie zwischendurch besser zur Geltung und es wird klar, dass allein das musikalische Fundament schon total auf Hit getrimmt ist.

Wheeler Myspace
Jahtari Website
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Luna City Express „Hello From Planet Earth“ (Moon Harbour Recordings)

Anderthalb Jahre nach Matthias Tanzmanns „Restless“ veröffentlichen nun auch Luna City Express ihr Debüt-Album auf Moon Harbour. Nicht ohne Überraschungen, aber auch nicht ohne Enttäuschungen.

Das Cover sieht nach einem großen Kompromiss aus. Eine derartig naiv-obskure Illustration sieht weder nach House noch nach Moon Harbour aus. Aber im Grunde ist es auch sympathisch, wie weit sich Luna City Express allein mit dem Cover aus dem Fenster lehnen. Und irgendwie ist auch ihr Sinn für Humor, wie er in dem etwas albern geratenen Intro durchkommt, durchaus sympathisch.

Mit den Tracks ihres Debüt-Albums gehen Marco Resmann und Norman Weber jedoch weitaus zaghafter um. Einerseits geht es sehr klassisch in Richtung US-House, mit fast schon pathetischen Vocals von Aaron Palmer und Yoon Lee. Dann schieben sich sehr entspannt dahin gleitende House-Tracks mit einer Downbeat-Note dazwischen, und auch reine Downbeat-Stücke mit einem eher experimentellen Charakter sind als Interludes dabei.

Im Tempo und den Stimmungen ist „Hello From Planet Earth“ unheimlich vielseitig und gar nicht mal so auf Funktionalität getrimmt, wie viele der vergangenen Moon Harbour-Platten. Und es lassen sich tatsächlich auch neue Facetten von Luna City Express entdecken. Ein Track wie „Plata“ mit seinem darken dubbigen Drive hätte ich von den beiden Berliner House-Typen bislang nicht erwartet. Selbst der offensive US-Appeal auf „Celebration Of Life“ und „Dream In Berlin“ ist erstaunlich.

Also, eigentlich ist Luna City Express hier ein durchaus großer Wurf gelungen. Doch die Höhepunkte, die einen am Anfang auffielen, verpuffen auch relativ schnell. So leicht lässt sich die anfängliche Euphorie aber auch wieder nicht ausbremsen: Luna City Express sind ziemlich vorn, was zeitgenössischen House anbelangt. Und ihr Album präsentiert auch eine Breite abseits der Club-Funktionalität. Ein paar Ecken und Kanten hätte es trotzdem vertragen können.

Luna City Express Myspace
Moon Harbour Recordings Website
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Ostwärts

Analogsoul ist wohl das einzige Label in Leipzig mit einem eigenen Laden. Trotz des kleinen Budgets lassen sich die Macher aber nicht von ihren großen Ambitionen abbringen. Aktuell schicken sie Klinke auf Cinch mit Ian Simmonds am Mikrofon auf Tour nach Osteuropa.

Es ist eines der letzten noch aktiven Netlabels der Stadt, daneben erscheinen aber auch aufwändig gestaltete CD-R-Auflagen. Künstlerisches Freispiel unter Non-Profit-Bedingungen, dies lebt das Leipziger Label Analogsoul. An anderer Stelle wird dies noch ausführlicher ein Thema bei frohfroh sein.

Interessanter für den Moment ist die Jenaer Band Klinke auf Cinch, der sich Ian Simmonds als Sänger mit angeschlossen hat. Nach seinem fulminanten Album „The Burgenland Dubs“ auf Musik Krause verwurzelt er sich scheinbar immer mehr in seiner thüringischen Wahlheimat. Klinke auf Cinch gab es aber schon vor Ian Simmonds. Live-Elektronik mit Trompete und Gesang wollen die beiden Hauptköpfe dahinter Clemens Kynast und Lutz Hartmann in neuen Einklang bringen. Angeblich verirrte sich Ian Simmonds dann irgendwann zufällig in den Klinke auf Cinch-Proberaum und war geflasht. Bislang gibt es ein Album, eine Vinyl-EP ist soeben erschienen.

Vom 23.10. – 01.11. begibt sich die Band auf eine selbst organisierte Tour durch Polen, die Tschechische Republik, Slowenien, Kroatien und Ungarn. Angesteuert werden dort Galerien, Bars und Clubs, gespielt wird ohne Gage. Das Projekt ist mehr als interkulturelles Projekt gedacht, bei dem die dortigen Szenen kennengelernt werden und neue Kontakte zwischen „altem “ und „neuem“ Europa geknüpft werden sollen.

„Wir wollen uns ansehen, wie Kultur in Osteuropa funktioniert, wie mit Leidenschaft und persönlichem Einsatz Projekte realisiert werden, die vollkommen ohne finanziellen Background auskommen, die nur vom Aktionismus der Menschen vor Ort leben“, heißt es in der Projektvorstellung. Durch Spenden wurde übrigens ein Tourbus organisiert, teilweise konnte auch eine kleine CD-Auflage darüber realisiert werden.

Die Tour startet in der Galerie KUB in Leipzig und läuft über:

23. OktoberLeipzig
24. OktoberPrag
25. OktoberBudapest
26. OktoberBudapest
28. OktoberBratislava
29. OktoberLjubljana
30. OktoberMaribor
31. OktoberBrno
01. NovemberJena

 

Analogsoul Website
Klinke auf Cinch Website

Visionäre Brüche

Die Oberfläche aufbrechen, so lässt sich der Labelname übersetzen. Und Brüche sind in der noch jungen Geschichte von Break The Surface tatsächlich ein prägendes Merkmal – interessant zum Erzählen sind sie obendrein.

Die Musikindustrie steckt schon seit Jahren im Wandel, die Prognosen zu deren Zukunft bleiben aber weiterhin uneindeutig. In den USA verkauft iTunes mehr Musik als Amazon, in Deutschland bleiben die CD-Verkäufe hingegen noch recht stabil, während es online nur langsam voran geht. Dass sich unser Alltag zunehmend digitalisiert, dürfte unbestreitbar sein. Dass ein Label aber konsequenterweise nur noch digital veröffentlicht, bleibt vorerst noch ungewöhnlich.

Break The Surface ist wahrscheinlich Leipzigs erstes Label, das seine EPs ausschließlich digital im MP3-Format vertreibt. Gestartet hat es Nick Totfalusi – als DJ Metasound kein unbekannter in Leipzig – im Frühjahr 2008. Die Entstehung und Entwicklung des Labels ist dabei erstaunlich nah mit seiner Person verbunden. Ein Label zu gründen, geisterte Nick schon länger im Hinterkopf, immerhin gab es in seinem Umfeld einige talentierte Producer, denen bislang aber eine Plattform fehlte. Für Vinyl-Pressungen reichte aber das Geld nicht.

MP3 versus Vinyl

Die Idee war jedoch stärker als der Kontostand und so wurde aus der Not eben ein Stück visionärer Aktionismus – Ausgerechnet mit einem Tonträger-Format, das für einen Vinyl-Liebhaber wie Nick bis vor wenigen Jahren keine Alternative war. Aber als damaliger Drum’n’Bass-DJ merkte er irgendwann, dass es immer weniger interessante Vinyl-Veröffentlichungen gab. „Die meisten Labels und Vertriebe gehen auf Nummer sicher. Dadurch entsteht ein gewisser Einheitsbrei. In vielen DJ-Sets hörte man aber spannende und innovative Tracks, die selten veröffentlicht wurden, weil sie eher experimentell waren“, schildert Nick seine Erfahrungen. Seit drei Jahren legt er selbst nur noch digital auf und so war der Schritt zum Digital-Label nicht weit. Break The Surface startete als Drum’n’Bass-Label – in einer Phase, in der für Nick dieses Genre immer mehr an Reiz verlor und er aus House und Techno mehr Inspiration und Freude ziehen konnte.

Bruch und Neustart

Ein Jahr nach dem Start dann die Zäsur: das Label konzentriert sich ausschließlich auf gerade Rhythmen. „Ich hatte schon kurz überlegt, ein neues Label zu gründen. Aber letztendlich passt der Bruch für mich sehr gut in das Label-Konzept. Ich finde es spannend, wenn man Entwicklungen authentisch aufzeigen kann“, so Nick. Mit Konventionen und Erwartungen brechen, eine Herangehensweise, die möglicherweise seiner Punk- und Hardcore-Sozialisation zuzuschreiben ist.

Im Fall von Break The Surface trifft das Unkonventionelle auch auf den Sound der Künstler zu – mehr oder weniger deutlich. Es sind nicht unbedingt die tighten, superfunktionalen Club-Tracks die von Leuten wie Efka, Okoli, Arsen1Computerklub sowie Metasound selbst kommen. Gerade der Berliner Arsen1Computerklub könnte als prototypisch für das Break The Surface-Spektrum angesehen werden: Sein Techno-Verständnis ist geprägt von allerlei musikalischen Querverweisen und dem Blick auf ungewöhnliche Sounds, ohne dass auf dem Dancefloor keiner mehr tanzen will. Nicht zu vertrackt, nicht zu glatt, so ließe es sich weiter verkürzen.

Verhaltene Medien und Web 2.0-Promo

„Für mich ist jetzt wichtig, bei der Auswahl der Tracks noch strenger zu werden“, so Nick. Und damit ist nicht unbedingt die Strenge eines Geschäftsführers gemeint, sondern eher der Anspruch und der Wunsch zu zeigen, dass digital veröffentlichte Musik genauso gut uns spannend sein kann, wie Tracks auf Vinyl. Bis auf die De:Bug tun sich die klassischen Musikmagazine noch schwer mit den Digital-Labels. Umso wichtiger ist die Promotion im Internet – in Foren, sozialen Netzwerken und bei den Download-Shops.

Im dreistelligen Bereich werden die Break The Surface-EPs momentan gekauft, Tendenz steigend, wie Nick betont. Über einen Vertrieb ist der Label-Katalog in vielen wichtigen Download-Shops gelistet. Tragischerweise nicht beim Primus Beatport. Tragisch daher, weil die ersten EPs sehr wohl bei Beatport angeboten wurden – Allerdings reichten die Verkäufe nicht aus, so dass sie wieder rausflogen. Jetzt wo Break The Surface sogar Feedbacks von Richie Hawtin, Laurent Garnier, Someone Else und anderen internationalen DJs bekommt, ist es ungleich schwerer, wieder von Beatport aufgenommen zu werden.

„Es ist alles noch in einer Experimentierphase, und trotzdem sehe ich Break The Surface als normales Label. Die Musik ist ebenso gut, die Arbeitsabläufe sind ähnlich“, sagt Nick. Noch muss drauf gezahlt werden, um eine Promo-Agentur zu engagieren, durch die Radio-Sender wie BBC oder eben Hawtin, Garnier & Co auf das Label aufmerksam werden – die ungezählten Stunden, die Nick aufbringt noch nicht einmal eingerechnet. Letztendlich funktioniert Break The Surface auchdank eines kleinen Netzwerks: Nick kümmert sich um die gesamte Organisation und künstlerische Linie, in Berlin sitzt ein Grafiker, der das Label visuell prägt, Con.struct mastert alle Tracks.

Für die Zukunft sind übrigens weitere Brüche möglich. Nick schließt nicht aus, irgendwann schon auch mal eine Vinyl-Platte zu veröffentlichen, wenn es finanziell möglich wird. Und er schließt auch nicht aus, in die derzeitige House-/Techno-Schiene überragende Drum’n’Bass-Tracks dazwischen zu grätschen, wenn sie ihn tatsächlich flashen sollten.

Break The Surface-Website
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Various Artists „Ortloff Zwei“ (Ortloff)

Ortloff meint es ernst. Die schöne erste Compilation auf rosa Vinyl sollte kein Einzelstück bleiben. Mit der zweiten Platte bleibt die Idee einer besonderen Leipziger Werkschau erhalten.

Irgendwie erschaffen Ortloff hier einfach richtige Liebhaberobjekte: Die Auswahl der Künstler und Tracks stimmt, das artifizielle Artwork und das blaue Vinyl lassen die Platte auch toll aussehen. Und alles made in Lindenau.

Diese zweite Ortloff gewinnt aber noch einmal besonders, weil es ihr gelingt, ungewohnte Seiten von eigentlich bekannten Künstlern zu präsentieren. Bis auf Mod.Civil, die scheinbar zu Residents der Ortloff-Reihe werden wurde das Line-up neu gemischt. Bereits auf dem Debüt war ein Track von den beiden enthalten. Ihr „Pongo Rescue“ klingt dabei erstaunlich verspielt. Einerseits sind da die scharf-rasselnden HiHats, andererseits ein Haufen verschiedener Chords, die allesamt etwas schräg klingen, teilweise wie von einem Banjo, teilweise wie von einer Kinderspieluhr. Mit Klamauk hat das nichts zu tun. Viel mehr schaffen es Mod.Civil ihre Deepness und ihren roughen Sound eine angenehm humorvolle Note zu verleihen.

Map.ache holt zur großen Schwärmerei aus, so wie er es auch schon bei „Carmella“ bei Kann Records machte. Zumindest sieht anfangs alles danach aus. Doch der trockene Beat deutet schon an, dass hier etwas anders ist. „The Fool“ wandelt sich nämlich zu einem herrlich tänzelnden Track mit metallisch schwingenden Streichern und einem schnatternden Sound. Toll ist der Moment, in dem der deepe Chord vom Anfang dieses Intermezzo wieder auffängt und beide Ebenen verschmelzen. Der beste Map.ache-Track bisher, wie ich finde.

Auf der B-Seite dann ein neuer Name: New World alias Markus Gebauer. Ziemlich krasse Eighties-Sounds pumpt der über einen einfachen Techno-Beat. Das volle Kontrastprogramm zur A-Seite und irgendwie nur in diesem Kontext auch zu ertragen. Im Prinzip bricht dieser Track ähnlich aus, wie Cheslo auf der ersten Ortloff. Eine ganze Platte mit beiden wäre wahrscheinlich zuviel. So punktuell ist es okay.

Mit Steffen Bennemann und seinem Dub-Projekt Koi wird die Platte dann noch einmal in einer ganz anderen Richtung geerdet – fernab vom Dancefloor. Spannend an „Home“ ist, dass Dub hier sehr abstrakt aufgegriffen wird. Der Track ist recht düster und sehr rhythmisch, wenn auch überhaupt nicht gerade und linear. Auf jeden Fall ist dies eine überraschend ambiente und avantgardistische Seite von Koi. Nach Map.ache mein Favorit.

50 Exemplare der Platte gibt es übrigens im roten Vinyl, exklusiv erhältlich bei Freezone Records.

Ortloff Website
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Sven Tasnadi „Lost In Chaos“ (Cargo Edition)

Die Nummer 4 für Sven Tasnadi in diesem Jahr. Und nach Ausflügen zu Pokerflat und Ornaments bleibt er mit seiner neuen EP mal wieder in Leipzig bei Cargo Edition.

2009 ist das bisher intensivste Sven Tasnadi-Jahr. Zählt man die beiden Kollaborationen mit Juno6 hinzu, sind in diesem Jahr bisher sechs Platten von Tasnadi erschienen. Die A-Seite kommt erstaunlich deep und entspannt daher, mit dezenten Chords, rollendem Bass, organischer HiHat und einem klassischen US-House-Vibe.

Insgesamt ein sehr rhythmisches Stück, sehr funktional und auf einen sehr homogenen Durchlauf geeicht. Das runtergepitchte Vocal bricht da ein wenig raus, weil es überhaupt nicht nach Detroit klingt. Vielleicht gut, dass Tasnadi sich hier nicht auf zuviel Nähe einlässt. Vielleicht nimmt es dem Track in diesen Moment aber auch die Magie.

„Amour Fou“ irritiert gleich zu Anfang mit einem Sound, bei man sich ständig fragt, ob jemand mit harten Sohlen die Dielen entlangläuft. In seiner Stringenz wird das Klackern aber durchaus sympathisch. Der angzupfte Chord setzt dem viel Wärme entgegen. Die metallischen Percussions, die sich später reinschieben geben dem Track noch einmal eine Wendung in Richtung gedrosseltem und superreduziert interpretierten Rave-Appeal. Das Vocal-Sample müsste nicht sein. Eine gute, wenn auch etwas unauffällige Tasnadi-Platte.

Sven Tasnadi Facebook
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Throttler / Snaper „Feedback / It’s Not Many“ (Alphacut Records)

Fast ein Jahr nach der letzten Platte meldet sich Alphacut Records zurück. Und wie: jeden Monat soll nun eine neue strikt limitierte Split-12“ erscheinen. Den Beginn machen Throttler und Snaper. Label-Betreiber LXC sagt im Kurzinterview, was es mit der Serie auf sich hat.

Eigentlich steht die Alphacut Nummer 10 noch aus. Allerdings sind noch nicht alle Beiträge zu der Locked Grooves-Compilation zusammen. Und so wird die Katalognummer mal eben übersprungen, um sich einer Serie von monatlichen Split-12“s zu widmen. Was es damit auf sich hat, erklärt LXC.

Wie kommt es, dass jetzt in so regelmäßiger und kurzer Folge Platten rauskommen werden? Bisher waren die Release-Abstände ja von außen betrachtet weitaus größer und unberechenbarer?

2008 war ein wichtiges Jahr für Alphacut. Davor wurde musikalisch und auch im Vertrieb viel ausprobiert. Die Ergebnisse daraus lassen sich in den drei Releases dieses Jahres wiederfinden. Mit Bop und Randomer zum Beispiel haben wir internationale Acts ausgegraben, die mittlerweile ganz groß im Rennen sind.
Viele interessante Produzenten sind auf Alphacut aufmerksam geworden, und so bekommen wir heute bergeweise gute Demos. Ein Großteil des Materials ist so experimentierfreudig, dass es bei den meisten Labels wohl nicht ins Konzept passen würde. Bei uns jedoch werden eben alle diese spannenden Spektren von „Drum&Bass and beyond“ ans Tageslicht gebracht. Es gibt noch eine ganze Menge spannender Künstler, denen wir ein Sprungbrett bieten werden.

Gibt es einen konzeptionellen Ansatz bei der Serie?

Wir wollen wieder zurück zu den Wurzeln des Labels: wenig Zierde, viel Musik, Tracks und Künstler im Fokus. Vor Allem sollen die fitten Stücke so schnell wie möglich in die Clubs und zu den Hörern, das bedeutet kurze Zeitspannen zwischen Signing und Veröffentlichung. Viele Künstler sind es einfach Leid, mehrere Jahre auf ihre Platte zu warten. Es war also klar, dass wir wesentlich öfter verlegen müssen.
Die Auflagen werden auf 100 Stück heruntergeschraubt, um in einem monatlichen Rhythmus arbeiten zu können. Durch den direkten Kontakt zum Schallplattenpresswerk in Leipzig können wir viel schneller und effektiver pressen lassen, und auch die bei Alphacut mittlerweile notorischen Endlosrillen sind wieder mit von der Partie. Eine handgemachte, minimalistische Optik hilft uns beim Break-Even und unterstützt die Direktheit der Präsentation. Trotzdem wirkt das Ganze ziemlich edel. Es wird noch Releases von Macc, Martsman, Dissident, Despot und auch dem Leipziger Myer geben.

Wie lang ist die Serie geplant?

Im Moment ist kein Ende in Sicht. Erstmal sehen, wie die Leute weiterhin reagieren. Die elfte Veröffentlichung mit Throttler und Snaper ist im Grunde schon ausverkauft. Alles läuft also super an und wir haben fertiges Material bis in den kommenden Sommer hinein. Es lohnt sich auf jeden Fall am Ball zu bleiben: Im Winter wird es Platte für Platte immer entspannter, bis es dann in der warmen Jahreszeit wieder richtig zur Sache gehen wird. Da kommt eine ganze Palette an Styles.

In welchen Genres und Bereichen siehst du gerade neue musikalische Höhepunkte?

Aus ganz persönlicher Sicht haben gerade Bassdrums in den letzten Jahren doch sehr an Charme verloren, da geht mehr. Ich bin aber zum Beispiel auch eher so der Jahtari-Typ, Moon Harbour ist einfach nicht meine Tasse Tee. Davon mal abgesehen, kann man sich doch vor spannenden Sounds gar nicht mehr retten. Und das Beste ist ja, dass all die guten Musiker sich mittlerweile auch mal zwischen den Stühlen austoben und gerade dann großartige Nummern zu Tage kommen. Wie die Schubladen heißen, ist doch egal. Microfunk, Skweee oder meinetwegen auch Funky. In Zukunft gibt es jeden Stil nur noch wenige Monate, und somit ist dieses Kategorisieren nur noch ein Schatten der Neunziger. Hoffentlich, demnächst in diesem Kino. Bei mir jedenfalls laufen zum Beispiel gerade absolut reduzierte Ambient-Tracks von Drum & Bass-Künstlern und derbe rockende kellertaugliche Breakbeats von sonst sehr emotionalen Electronica-Bastlern.

Und die Nummer 11? Der Grieche Throttler schickt ziemlich massive Beat-Salven raus, zusätzlich angezerrt von einem mächtig schwingenden Bass, roh und voller unbändiger Energie. Am liebsten ist mir der große Break, der die Tiefe des Tracks richtig hervorschimmern lässt. Auf der B-Seite gibt der Ungar Snaper sein Vinyl-Debüt. Im Gegensatz zur A-Seite stecken hier mehr Funk und mehr Sounddetails dahinter. Zwar pumpt auch hier der Bass und die Beats überschlagen sich, aber irgendwie ist der Track nicht ganz so dark wie der von Throttler.

Alphacut Website
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Arsen1Computerklub „Gusto EP“ (Break The Surface)

Nach einer kleinen Sommerpause kehrt Break The Surface zurück. Die fünfte EP kommt von Arsen1Computerklub aus Berlin und erweitert dessen Sound-Spektrum.

Arsen1Computerklub ist unter den bisherigen Break The Surface-Artists der Eigenwilligste. Klar geschnittene, klassisch reduzierte Club-Tracks sind ziemlich sicher nicht die Sache des Berliners. Irgendwie ist fast jedem Track eine gewisse Rock-Sozialisation anzuhören. Die Art der Bassläufe, die Gitarrensamples, der Blues und Funk zwischen all den Tönen – da steckt mehr dahinter. Das heißt aber nicht, dass die vier Tracks der neuen „Gusto EP“ aufgeladene Techno-Rock-Hybriden sind. Es ist eher die Art, wie Arsen1Computerklub mit Sounds und Harmonien umgeht. Der Club-Aspekt steht aber trotzdem klar im Mittelpunkt.

„Schweine und Diamanten“ bricht aber doch am deutlichsten aus. Die Gitarre ist voller Western-Appeal, der Beat stakst etwas hölzern nebenher. Schon sehr speziell, aber auch gewöhnungsbedürftig.

„Wombat“ ist da quasi klassisch hoch peitschender Minimal-House, wobei die Beats und der sich steigernde Chord erfrischend schmalbrüstig klingen – also alles andere als die dichte Deepness klassischer House-Tracks. Der Funk und die Leichtigkeit ist aber die Gleiche. Am tollsten ist der letzte Break mit der kurz auftönenden Trompete und dem reduzierten Ausklingen des Tracks.

„Gusto“ hat die schönste Harmonie der ganzen EP. Ein rau klingender, auf und ab schwebender Chord, der den Track sanft nach vorn trägt – irgendwie auch toll, wie er sich im Laufe des Tracks verändert und immer dissonanter wird.

„Wooden Roller“ schließt die EP ab, etwas jazzig mit organischen Sounds sowie einem perkussiven und leichtfüßigen Drive. Vier vielseitige und auch angenehm abwegige Tracks. Arsen1Computerklub bleibt weiter sehr eigen.

Arsen1Computerklub Facebook
Break The Surface Website
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Kitkaliitto „Swamp“ (Kann Records)

Die Jungs von Kann Records zeigen immer deutlicher, dass es ihnen ernst ist mit den nachhaltigen Platten, bei denen die Club-Funktionalität zweitrangig ist. Mit den Finnen Kitkaliitto kramen sie zudem einen echten Geheimtipp hervor.

Kitkaliitto, wer? Die Frage stellt sich fast automatisch, wenn man nicht unbedingt mit der finnischen Musikszene vertraut ist oder ein Auslandsjahr in der dortigen Hauptstadt verbracht hat. Drei Typen aus Helsinki stecken dahinter, sie arbeiten als Musik- und Künstlerkollektiv. Jeder für sich und doch irgendwie auch zusammen. Musik und Visuelles nehmen bei Kitkaliitto eine gleichberechtigte Stellung ein. Dazu gehören auch Produktionen für Filme und Theaterstücke. Und wie kommen Kann Records an diese Typen? Wir fragten nach bei Alexander vom Label:

„Web 2.0 machts möglich… Freundanfrage über Myspace, kurz gegengecheckt und bei den Tracks hängengeblieben … Props dagelassen. Im Februar nach einer goldenen Pudelnacht in Hamburg haben wir dann beschwipst das Million Dollar Signing klar gemacht. Helsinki is hell.“

Schaut man mal auf das Soundcloud-Profil von Kitkaliitto, dann lassen sich dort noch viel mehr Tracks des Trios entdecken. Und beim Durchhören bekommt man ein Gefühl, für deren Sound. Zwischen House, Downbeat und legerem Rock scheint sich bei Kitkaliitto eine höchst produktive Schnittmenge ergeben zu haben. Für ihre erste Platte überhaupt haben sie sich auf drei Tracks beschränkt.

„Moravia“ ist einerseits am klarsten auf House aus. Mit den etwas kitschigen Harmoniebögen, den Orgeln, der live eingespielten Trompete und den Rock-Rhythmen im zweiten Teil driftet das Stück aber doch gehörig ab von dem, was gemeinhin unter House verstanden wird. Das ist ziemlich gewagt und daher auch irgendwie anziehend, aber leider kommt es insgesamt ein bisschen zu brav daher. Ohne die Trompete wäre hier nur halb gewonnen. Im Remix von Sevensol & Bender ist der House-Vibe stärker betont, dadurch bekommt „Moravia“ mehr Drive und durch die Trompete natürlich eine dankbar organische Note.

„House Of Frank Herman“ verzichtet auf den Kitsch und setzt eher auf Gitarren und ein schwebendes Vocal. Alles super entspannt und irgendwie schlüssiger in seiner Zusammensetzung als bei „Moravia“.

„Swamp“ schlägt dann noch mal eine andere Richtung ein – viel cineastischer, mit den Streichern und dem beiläufig swingenden Chor kommt hier die Soundtrack-Schiene von Kitkaliitto durch, wobei das Stück dann im zweiten Teil noch mal ein wenig ausbricht mit wirren Synthesizer-Soli.

Diese Platte braucht definitiv Zeit, dann wächst sie aber schnell über sich heraus. In der Art erinnern die drei Finnen übrigens stark an Kadebostan, der im letzten Jahr auf Freude am Tanzen für Verzückung sorgte. Übrigens gibt es zu „House Of Frank Herman“ auch ein Video. Seht selbst.

Kitkaliitto Website
Kann Records Website
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Kleinschmager Audio „Audiology – L.E. Rmxs“ (Rrygular)

Nach dem Kleinschmager Audio-Debüt-Album im Frühjahr nun also die Remixe. Und alles bleibt fest in Leipziger Hand, denn Sven Tasnadi und Marko Fürstenberg durften ran.

Kleinschmager Audio sind ja Minimal-Puristen, allerdings kriegen Jörn Kleinschmager und Niklas Worgt irgendwie immer noch die Kurve in Richtung Deepness. Sven Tasnadi hat sich „Helicotrema“ vorgenommen, einen Track, der im Original verspult und etwas dark nach vorn marschiert. Tasnadi glättet ihn hörbar und verleiht ihm damit einen weniger düsteren Groove. Irgendwie geht diese sachte Hinwendung zu sehr reduziertem House zwar auf, aber insgesamt wirkt der Remix ein wenig hölzern, so als sei das Original noch nicht richtig durchdrungen, um daraus wirklich etwas neues zu gestalten.

„Tuba Auditiva“, dieses leicht orientalisch angehauchte Stück ist eigentlich nicht neu, wurde bisher nur noch nicht auf Vinyl veröffentlicht. Die B-Seite gehört dann komplett Marko Fürstenberg und seiner Neufassung von „Emphasis“. Und was soll man sagen, Fürstenberg hat einfach seinen Sound gefunden: die abgefederten Beats, die tiefen Dub-Delays und der leichte Rave-Appeal. Das ist alles nicht neu und auf zahlreichen Platten vorher dokumentiert. Aber irgendwie kriegt er einen mit dieser Beharrlichkeit und der Deepness immer wieder rum.

Dem Original hat Fürstenberg einfach die schroffen Dubs und Dissonanzen entzogen und sein Sound-Gewand übergeholfen. Das ist eigentlich dreist und mutig zugleich. Was ich aber zugeben muss: Beim ersten Hören der Remix-Platte schlummerte mir die enttäuschte De:Bug-Rezension permanent im Hinterkopf. Bestimmt würde ich die Tracks ohne Bleeds Worte auch noch einmal anders hören.

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Zwitscher! Zwitscher!

Micro Micro. Manche Nachrichten können schnell raus und brauchen nicht viele Worte. Twitter ist bestens für so etwas geeignet und daher steigt frohfroh nun auch ins Microblogging ein.

140 Zeichen, mehr gibt es nicht, um mitzuzwitschern. Beim frohfroh-Twitter sollen aber nicht unsere Gemütszustände oder der Inhalt unserer Kühlschränke im Mittelpunkt stehen, es soll eher eine Ergänzung zu den normalen Artikeln sein. Denn manche Dinge können in einem Satz gesagt oder angekündigt werden – ohne Teaser, Bild und ausschweifende Worte. Um unsere Twitter-Einträge verfolgen zu können, müsst ihr dort einen kostenlosen Account anlegen und Follower werden oder einfach einen RSS-Feed aktivieren.

Der direkte Link zum 140-Zeichen-frohfroh-Glück lautet: http://twitter.com/frohfroh