Various Artists „Jahtarian Dubbers Vol. 1“ (Jahtari)

Das Leipziger Label Jahtari hat den Sprung vom kleinen Netlabel zum international erfolgreichen Sammelpunkt für „Digital Laptop Reggae“ geschafft. Nun verwirklichen sich Jahtari endlich ihren Traum, eigene Tonträger zu veröffentlichen.

Begleitet von einer Vinyl-Maxi gibt die CD „Jahtarian Dubbers Vol. 1“ einen wunderbaren Überblick über die Aktivitäten der Labelbetreiber Disrupt und Rootah und ihres inzwischen beachtlich gewachsenen Netzwerks an gleichgesinnten Dub-Erneuerern.

Highlights bietet die Compilation etliche: Disrupt zeigt sich wieder einmal in Bestform mit dem sich sehnsüchtig in alle Richtung ausweitendem „Selassi I Continually“ sowie „Kozure Okami“, einem schräg-leichtfüßen Skanker im 8bit-Stil. Ebenfalls aus Leipzig kommen Illyah & Ltd. Candy, die mit der geheimnisvollen Süße von „Machines and Ghosts“ verführen. Und African Simba hält, unterstützt von Rootah, die Wurzeln des Conscious Dub lebendig.

Mit seinem rohen und zugleich atmosphärischen Sound beweist „Jahtarian Dubbers Vol. 1“, dass die Geschichte des digitalen Dubs nicht Anfang der 1990er Jahre endete, sondern in Leipzig weiter geschrieben werden kann.

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Jakin Boaz „Metafour EP“ (Spunky Monkey Records)

Ein neues Label aus Leipzig. Spunky Monkey Records verortet sich selbst zwischen Techno und IDM. Die erste EP bildet beides ab, begeistert aber insbesondere durch seine vertracktere B-Seite.

Intelligent Dance Music war um die Jahrtausendwende das große Ding, Laptop-Künstler waren mit vertrackten elektronischen Tracks die Helden. Nachdem aber alles irgendwie ähnlich klang, wurde es langweilig. Dass IDM wieder spannend sein kann, zeigt Joan Boaz, ein Leipziger Producer, der auch bei Alphacut und Phantomnoise veröffentlicht hat.

Seine erste eigene EP „Metafour“ startet mit düster-vernebeltem Techno. Die anderen drei Stücke sind IDM in Höchstform – hektisch umher flirrende Beats und angenehm sphärische bis punktuell aufschimmernde Sounds. Diese Verbindung aus Schroffheit und Musikalität ist zwar keineswegs neu für IDM, doch in so homogener, beinahe eingängiger Form überzeugen die Tracks.

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Good Guy Mikesh & Filburt „Hypnopoint“ (Broque)

Mikesh, seit geraumer Zeit ein selbsternannter Good Guy, ist einmal nicht der Charmeur, sondern mutiert auf seiner ersten Vinyl-EP zum Raver. Zusammen mit Filburt werkelt er derzeit an einer Club-Variante seines herzzerreisenden Pop-Funk.

So richtig viel von Mikesh ist allerdings nicht zu hören – seine markante Stimme fehlt, nur ein paar Harmonie-Bögen und das Orchestrale im Hintergrund erinnern vage an ihn. „Hypnopoint“ startet viel versprechend als zwingender Tech-House-Track, ist mit der sich im Wechsel reinsteigernden knarzigen Bassline sowie den Rave-Fanfaren am Ende aber leider etwas überladen.

Die beiden Remixe von Lars Sommerfeld und Lucy and Rone fangen dieses Manko mit mehr House und mehr Minimal auf. In ein perkussives Dub-Techno-Gewand wird „Hypnopoint“ schließlich von Mapache gehüllt. Daher bleiben die Punkte letztendlich doch in Leipzig.

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Mix Mup „Something More To Play“ (Mikrodisko Recordings)

Eine Hommage an die Spontaneität ist die vierte Platte des Leipziger Labels Mikrodisko. Der Leipziger Producer und Künstler Mix Mup hat in einem Ritt drei Tracks aufgenommen, denen man ihre Ungeschliffenheit anhört.

Genau dieser raue Klang macht sie so anziehend. Die A-Seite wandelt sich von einem reduzierten, treibenden Acid-House-Track zu einer wahnwitzigen Hymne, die mit epischen Melodien und spleenigen Sounds abzuheben droht.

„Fresh Breeze“ zeigt indes Mix Mups Vorliebe für leicht kitschigen Italo-Disco-Pop. Mit legeren Vocals und eingängigem Aufbau wird daraus ein richtiger Pop-Dancefloor-Hybrid. Düsterer und angelehnt an den klassischen Electro-Sound schlägt abschließend „How Much I Love You“ ein weiteres Kapitel auf.

Mikrodisko entwickelt sich tatsächlich zu einem Label, dass verschiedene Stile elektronischer Musik unter einen Hut bringt, ohne dass es beliebig wird. Und dazu auf eine sehr authentische Weise.

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Ein Mosaik aus Vinyl

Die elektronische Musik-Szene in Leipzig bleibt in Bewegung: immer mehr Enthusiasten dieser Stadt trotzen der Krise der Musikindustrie indem sie eigene Plattenlabels gründen. Alphacut Records gehört dabei schon fast zu den alten Hasen.

Musikalisch bewegen sich die Veröffentlichungen von Alphacut meist grob im Universum des Drum’n’Bass, aber Labelmacher LXC – bekannt für Veröffentlichungen auf Labels wie Offshore, Subtle Audio und Death$ucker – betont: „Es geht um keine konkrete Sparte, wir sind in keiner Schublade drin, darum ist jede Platte auch ein bisschen anders.“ Mit Alphacut lassen sich zum einem eher unübliche Tracks immer neuer internationaler Künstler entdecken, zudem entstehen durch die Zusammenstellung von verschiedenen Acts auf einer Platte mit jedem Release spannende Kombinationen.

Genauso wichtig ist LXC aber auch, die Kontrolle über den gesamten Produktionsprozess zu behalten, von der Kontaktaufnahme zu den Künstlern bis zur eigenhändigen Plattenpressung. Dieser aus dem Punkrock stammende DIY-Gedanke scheint ihm im Blut zu stecken: „Ich kann das gar nicht, immer nur zugucken und zuhören, sondern ich will dann auch selber meinen Senf dazu geben, weil ich denke, dass sonst auch gar nichts ins Rollen kommt.“ Auch besondere Features wie farbiges Vinyl, Handnummerierungen und so genannte Endlosrillen zeugen von einer Leidenschaft, die Alphacut-Platten zu einem Geschenk für Vinyl-Liebhaber machen.

In den ersten Jahren veröffentlichte Alphacut zwar konstant, aber relativ selten. Mittlerweile wird die liebevolle Beharrlichkeit, mit der LXC seine Ideen verfolgt, auch nach außen hin deutlicher: „Es ist, als hätte sich mit jeder Platte das Mosaik mehr zusammengefügt und jetzt haben die Leute verstanden, worum es uns geht.“ Insbesondere auf die achte Veröffentlichung in diesem Sommer gab es viel positives Feedback. Das Resultat, nicht zuletzt auch dank der persönlich gepflegten Kontakte zu Künstlern und Fans des Labels, ist inzwischen ein erheblich angewachsener Pool an guten Musikern, der dem Labelbetreiber Ansporn für neue Veröffentlichungen ist.

So folgte im Dezember schon die nächste Platte mit zwei wunderbar zugänglichen Stücken. „High Resolution“ von Paranoid Society aus Estland erinnert mit der perfekten Mischung aus Hektik und Gefühl daran, warum Neunziger-Jahre-Helden wie Photek so zukunftsweisend waren. Der Engländer Randomer dagegen beeindruckt auf seinem Track „Down In The Woods“ mit frisch-steppenden Ethno-Elementen. Mit Randomer werden Alphacut auch ihre Jubiläumsplatte bestreiten, dann mit der böse zappelnden Energiebombe „Seeing Angels Redux“. Diese 10. Veröffentlichung wird aber auch noch einen ganz besonderen Leckerbissen bieten: eine B-Seite mit 111 Endlosrillen, darunter von international bekannten Künstlern wie Paradox und Melt Banana, aber auch von weniger bekannten und lokalen Freunden des Labels.
(Erstveröffentlichung im Kreuzer 1208)

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Thomas Christoph Heyde „HCMF“ (HCMF Records / Phantomnoise Records)

Dass der Kurator vom Forum für Zeitgenössische Musik Leipzig hier relevant ist, ist nicht selbstverständlich. Aber Thomas Christoph Heyde ist niemand, der sich von dem Label E-Musik vereinnahmen lässt. Das zeigt auch sein Album.

Es beginnt mit einem unangenehmen Fiepen. Nach und nach steigern sich jedoch Piano, Schlagzeug und eine verzerrte Gitarre mit Metal-Attitüde zu einem klanglichen Feuerwerk, das eindrucksvoll eine dramatische Kinosequenz untermalen könnte.

Thomas Christoph Heydes gilt als „junger Wilder“ der Neuen Musik. Dort ist er musikalisch tief verwurzelt, doch auf einen exklusiven Hochkultur-Diskurs möchte sich der freie Leipziger Komponist nicht einlassen – dies machen bereits der Albumtitel und die Zusammenarbeit mit dem Label Phantomnoise deutlich.

Die Stücke sind nichts für nebenbei. „HCMF“ zwingt zum Zuhören, und ist voller spannender Details, die immer auch auf andere Genres der so genannten U-Musik referieren. Da schimmern Jazz-, Electronica-, Minimal- und Pop-Anleihen durch, die in dem Avantgarde-Kontext überaus erfrischend wirken. Die Arrangements wechseln nahtlos zwischen fragilen Harmonien und schroffen Dissonanzen. Gewährt man „HCMF“ die nötige Zeit zum Entfalten, dürfte die Euphorie nachvollziehbar sein.

Thomas Christoph Heyde Website
Phantomnoise Records – frohfroh-Porträt

Wiedererwachter Pioniergeist

Phantomnoise Records ist wieder da! Das Leipziger Label für „experimentelle elektronische Musik der eher härteren Gangart“, wie Labelmacher Alexander Dreyhaupt die Ausrichtung selbst beschreibt, meldete sich 2008 mit einigen neuen Veröffentlichungen zurück.

Vor fast zehn Jahren gegründet, machte sich Phantomnoise anfangs vor allem in der Breakcore-Szene einen Namen. 2004 wurden sie zu einem der letzten „labels of the month“ in der BBC-Radioshow des verstorbenen John Peel, doch auf die damit verbundene Aufmerksamkeit reagierte Alexander Dreyhaupt mit einer langen Pause. Probleme mit Vertrieben hatten die Arbeit erschwert und andere Projekte wie das Forum Zeitgenössischer Musik Leipzig wurden ihm zeitweise wichtiger. Vor einem Jahr veröffentlichte Dreyhaupt dann eine EP der Brasilianer Arrebite und leckte wieder Blut für die Labelarbeit: „2007 habe ich angefangen, neu zu planen, es war darum eigentlich eines der aktivsten Jahre für Phantomnoise, was man aber erst dieses Jahr merken wird.“

Wie lebendig Phantomnoise wieder ist, beweist die gerade erschienene EP „Particles“ des Ulmer Künstlers Jens Döring alias e.stonji. Die vier Tracks gibt es schon seit einer Weile als Teil eines Konzeptalbums auf dem Berliner Label Kitty-Yo – allerdings nur digital. Alexander Dreyhaupt, der schon früher mit e.stonji zusammengearbeitet hatte, war begeistert von der Kombination aus verschrobenen Beats und flirrenden Melodien.

Um der Musik doch noch ein haptisches Forum zu geben, veröffentlichte Phantomnoise sie auf Vinyl. Und es lohnt sich – die Tracks klingen fetter und wärmer, und sie werden durch ein liebevolles Artwork ergänzt. Dreyhaupt schwärmt: „Bei e.stonji ist alles durchwurstet mit seiner eigenen Ästhetik, er hat als Künstler ein Gesamtkonzept – das gefällt mir.“

Eine ganz neuartige Erfahrung dagegen war die Produktion des Albums von Thomas Christoph Heyde, das Ende Mai bei Phantomnoise erscheinen wird. Als der Leipziger Komponist sich für ein Vinyl-Album entschied, bat er Dreyhaupt, die Produktion zu übernehmen. „Normalerweise kommen die Tracks fertig bei mir an, aber das Heyde-Album war organisatorisch sehr aufwendig. Ich wollte es so groß wie möglich machen.“

Das Stück „HighCulture Motherfucker“ auf Heydes Myspace-Seite gibt einen ersten Vorgeschmack auf die zu erwartende Fusion zwischen klassischer neuer Musik und poppig-perkussiver Electronica. Mit solchen Grenzüberschreitungen beweist Phantomnoise frischen Pioniergeist und hebt sich wohltuend vom allgemeinen Gejammer der Musikindustrie ab. Ein inspirierendes Plattenlabel, nicht nur für die Leipziger Musikszene.
(Erstveröffentlichung im Kreuzer 0408)

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Thomas Christoph Heyde „HighCulture Motherfucker“ – frohfroh-Rezension

Matthias Tanzmann „Restless“ (Moon Harbour Recordings)

„Ich wollte hauptsächlich Sachen produzieren, die in irgendeiner Weise für einen DJ einsetzbar sind“, so beschreibt Matthias Tanzmann die Intention hinter seinem ersten Solo-Album.

Auch wenn „Restless“ für den Club produziert wurde, so entfalten die acht neuen Stücke auch abseits des Exzesses ihre Dynamik und ihren musikalischen Reiz. Im Gegensatz zu den letzten Club-EPs mit ihrem klaren Blick auf die Tanzflächen, geht das Album mehr in die Breite und überrascht mit ruhigeren, teils Dub-inspirierten Stücken, die die Deep House-Vergangenheit von Matthias Tanzmann auf elektronischere und reduziertere Weise modifizieren.

Zum anderen entwickeln einige Tracks eine ungewohnt experimentelle Note mit perkussiven Momenten und einem Jamsession-Charakter. Dazwischen mischen sich unmissverständlich zwingende Clubtracks. Auf Gastsänger, unnötigen Pop-Appeal und stilistische Ausbrüche verzichtet Tanzmann indes weiterhin. Allerdings fehlt ihm dadurch an manchen Stellen auch der eigene Charakter, die persönlichen Kanten. „Restless“ spiegelt insofern Matthias Tanzmanns ausgereiften Umgang mit Sounds und seine DJ-Erfahrungen wider.

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Tom Mangan „Good Words“ (Lorna)

Mit Deadset hat der Brite Tom Mangan ein wildes Debüt-Album veröffentlicht – voller House mit Schnittstellen zu Pop, Funk und mehr. Solo frönt er House in seiner klassischsten Weise.

Das ist eine Lieblingsplatte, ja ja ja. Diese beiden Tracks von Tom Mangan sind so euphorisch und schwelgerisch, sie schreien förmlich, wie zeitlos und berauschend House-Musik sein kann. Der Brite ist eigentlich mit dem Duo Deadset gerade gut unterwegs. Deren Album ist ebenfalls ein Manifest für House, wenn auch in einem humoristischeren und noch Funk orientierteren Sinne.

Auf „Good Words“ stimmt einfach alles: die House- und Dub-Chords, die Balance zwischen ewigem Loop und einem langsamen Hochfahren. Spätestens wenn die Strings das Ende des Breaks einläuten, hebt alles ab.

„Bit Lip“ will gar nicht mehr aufhören. Über zwölf Minuten pusht sich dieser Track nach vorn, nach oben, kühlt sich wieder ab, um kurz danach neu zu starten. Wie es scheint ist „Bit Lip“ ein wenig stärker beeinflusst von dem Deadset-Stil. Die Sounds im Hintergrund sind zackiger, manchmal alberner und mit einem Hauch von Disco. Aber die Chords, ja, die sind keinen Deut weniger schwelgerisch. Woah!

Tom Mangan Myspace

Kassem Mosse „Workshop 03“ (Workshop)

Wow, Kassem Mosse nun bei Workshop, dem neuen Label von Lowtec aus Südthüringen. Drei Tracks ohne Namen sind auf dieser EP, bei der De:Bug war sie weit oben in den Redaktions-Charts.

Die drei neuen Tracks sind zwar eindeutig Kassem Mosse, aber gerade die A-Seite ist rhythmisch gebrochener und mehr im Elektro verwurzelt als die Stücke auf seinem Mikrodisko-Debüt vom Frühjahr. Er wirkt sehr offen, freundlich, harmonisch und ausgeglichen – natürlich alles relativ zu der omnipräsenten Wehmut, die bei Kassem Mosse immer zwischen den Tönen steckt. Der A-Seiten-Track überrascht auch mit einem langen ambienten Auslauf.

Auf der B-Seite wird es dann wieder düsterer und reduzierter. Irgendwie ist es spannend, wie Kassem Mosse das Tempo drosselt und dadurch den Sounds viel mehr Aufmerksamkeit und Raum zum Entdecken gibt. Es geht hier einfach nicht um den Dancefloor, sondern um mehr. Und das klappt ausgezeichnet.

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Kassem Mosse „Those Days“ (Mikrodisko Recordings)

Die erste wirklich eigene Platte von Kassem Mosse. Und dann noch die mit dem wahrscheinlich längsten Titel der Welt: „Those days are long sped in the night of the past, as if they never had been“.

Die Wehmut dieses Gedichtsausschnitts schlägt sich auch in der klanglichen Atmosphäre der drei Tracks nieder. „Tears Run Rings“ ist unterkühlt und streng, Techno auf dem Weg von Detroit zu uns rüber. Ganz entfernt schimmert so etwas wie eine abstrahierte Melodie hervor. Wie der Soundtrack zu einem fiktiven Tarkowski-Roadmovie.

„Shaqued“ ist dagegen eine warme, heimliche Oase. Der Beat ist verdeckter, dafür bekommen die deepe Chords und ein alter Synthesizer mehr Raum. In einer wohligen Dub-Wolke ist schließlich „Crown Gall“ eingewickelt. Die Bassdrum drückt aus der Wolke ziemlich trocken hervor, ohne Schnörkel. Dafür ist der Track am introvertiertesten von allen auf dieser EP. Wobei: Wirklich extrovertiert ist hier eigentlich nichts.

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17 Pictures „s/t“ (Ahornfelder)

Siebzehn Skizzen von Jörg Follert alias Wechsel Garland – Siebzehn Mal Musik für fiktive Kurzfilme. Musikalisch toll wie immer, leider in ihrer skizzierten Art viel zu kurz.

Jörg Follert ist ein stiller Held. Einer, der als Wechsel Garland erst mit rein instrumentalen Elektronika-Stücken verzückte und zuletzt auf seinem Album „So Easy“ überraschend zum Pop-Song fand – inklusive hinreisender Melodien und Vocals. Überhaupt: leichtfüßige und doch auch wehmütige Harmonien sind die Stärke des Kölners, der ebenfalls als Filmmusiker aktiv ist.

Und cineastisch klingen auch die siebzehn Sound-Skizzen seines neuen Projektes 17 Pictures. In teilweise nur einminütigen Stücken vertont Jörg Follert mit Gitarre, Rhodes und Harmonica imaginäre Bilder, deren Titel zwar eine mögliche Interpretation vorgeben, die aber eigentlich geradezu zum Selbst-Ausmalen einladen. Den Bogen zwischen den siebzehn musikalischen Bildern spannt ein Thema, das leicht variiert immer wieder auftaucht und den anfangs lose wirkenden Stücken zu einer gewissen Gesamt-Dramaturgie verhilft.

Im Prinzip könnte 17 Pictures als neues Wechsel Garland-Album angekündigt werden, wenn auch das Visualisierende mehr im Fokus steht – Glücklicherweise aber ohne verschrobene Kunst-Attitüden.
(Erstveröffentlichung im Kreuzer0207)

Wechsel Garland / 17 Pictures Website