No No No an neuer Adresse und Techno in der Neuen Welle – gut durchgemixtes Samstagsprogramm.
frohfroh-Tagestipp
No No No! // Mjut // 23:00 Uhr w/ Zacker, Dark Sounds, Timo, Mrs. Pinkeyes, Nici Palm, Novir Gin, Steiner, Subkutan, Translucid
Ein Leipziger Party-Classic dieses Mal im Mjut. No No No steht seit vielen Jahren für music for bouys and gerhls and criminal queer. Und das bringt Dark Disco, Synth Pop mit Industrial, Trance und Techno zusammen.
Außerdem heute:
X-Ternal Event – Maniac – Neue Welle, 23:00 Uhr – Techno mit Philippa Pacho, Azil, Momo, Håstad
Saturday Rave – Distillery, 23:00 Uhr – Techno, Detroit, House und Electro mit Kristin Velvet, DJ Stingray, Tijana T, Dilivius Lenni, Lars Christian Müller, Andreas Eckhardt, Fr Fels & Interviews
Made2Fade – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Rave, Techno, No Line-up
Gute Nachrichten für die Tille und vier gute Tipps für diesen KW 03-Freitag.
frohfroh-Tagestipp
The Micronaut & Friends // Distillery // 23:00 Uhr w/ The Micronaut, Pølaroit, Natalie Luengo, Metaboman
Diese Woche gab es eine gute Nachricht für die Distillery: Sie kann doch noch etwas länger bleiben in der Kurt-Eisner-Straße. Bis Ende Mai, um genau zu sein, dann soll endgültig Schluss sein.
Umso befreiter ist dann die heutige Nacht mit The Micronaut und Pølaroit live. Auch toll, dass Metaboman dabei ist – er hat zuletzt einige echt gute EPs gedroppt.
Außerdem heute:
klubnacht x Anti Anti – Mjut, 23:55 Uhr – Breaks, UK Bass, House und Techno mit Gili, PJ.NM, Oliv, DJ Pregnant, Lars
Rage – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Hard-Tek, Techno und Ghetto-Tech mit Boicot, Counts, Itsadisasta, Posh, Schastn, Sistr, Splinter, Vlts
Rumble – Kulturlounge, 22:00 Uhr – House mit Pius, Tillydin b2b Hektor Amore, Vœller
Die Spot on-Reihe ist zurück! Na ja, so richtig weg war sie ja eigentlich nie – trotzdem. Wir wollen in diesem Jahr wieder regelmäßig Personen vorstellen, die als DJ, Live Act, Producer, Tänzer:innen, Musiker:innen, (Licht-)Künstler:innen oder Veranstalter:innen in Leipzig zuhause sind. Wir fangen an mit DJ Gel.
Julius aka DJ Gel liebt besonders zwei Dinge: Musik und Essen. Darunter zählen vor allem Pizza, Blawan-Sets und seine Octatrack-Maschine. Als DJ war Julius schon in vielen Leipziger Clubs unterwegs, als Live Act hatte er vergangenes Jahr sein Debut. Wir haben DJ Gel zum Gespräch getroffen und mit ihm über seine Zeit in einer Hardrock-Band, die Leipziger Szene und Post-Corona-Nächte gesprochen. Ein exklusives Live Set gibt es auch noch für euch.
__Interview
frohfroh: Wie lange lebst du in Leipzig und wie kamst du zum Musik machen?
DJ Gel: Ich lebe seit sieben Jahren in Leipzig und bin in München aufgewachsen. In München habe ich schon viel Musik gemacht, denn ich bin in einer musikalischen Familie aufgewachsen – ich habe schon früh eine Blockflöte in die Hand gedrückt bekommen, später dann eine Klarinette. Ich habe acht Jahre lang mit meinem Bruder in einer Hardrock-Band gespielt, ich war am E-Bass. Das war echt cool, dabei habe ich extrem viel gelernt – beim zusammen Jammen sind viele unserer Songs entstanden. Später habe ich auf Schlagzeug umgesattelt. Das wollte ich dann auch studieren, aber die Aufnahmebedingungen hierfür sind sehr hart.
Nach einer fehlgeschlagenen Aufnahmeprüfung habe ich mich mehr dem Kochen zugewendet. Mit einem Kumpel habe ich mich dann selbstständig gemacht und eine Imbissbude in München aufgebaut. Und vor sieben Jahren ging es für mich nach Leipzig zum Grafikdesign-Studium an die HGB. In Leipzig habe ich mich wieder mehr der elektronischen Musik zugewandt – das relativ typische Studi-Ich-will-DJ-werden-Ding: Man geht viel feiern, legt auf Partys mal selbst auf und verbringt wieder mehr Zeit damit, Musik zu hören und mittlerweile auch Musik zu produzieren.
Gutes Stichwort: Wie kamst du vom Auflegen zum Live-Spielen?
Ich hatte irgendwann wieder echt Bock, Mucke zu machen. Beim Auflegen muss man sehr viel Zeit investieren, um neue Musik zu finden. Da wurde bei mir der Gedanke immer stärker, dass ich meine Zeit lieber in eigene Musik stecken möchte. Man steht bei beidem auch immer wieder vor der Frage, worin man sein Geld investiert: Platten und Tracks oder Synthies (lacht). Für mich war dann irgendwann klar: Ich will Musik produzieren, live spielen und mir dafür ein gutes Set-Up zusammenstellen.
Wie gehst du an elektronische Musik als Live Act ran, über die Maschinen und Synthies, über eine Software oder gar beides?
Ich habe es – wie wahrscheinlich einige – auch mal mit Ableton probiert. Mit einer Software kann man grundsätzlich erst einmal relativ preisgünstig Musik machen. Aber mit diesen ganzen Menüs und diesen unendlichen Möglichkeiten war ich einfach schnell überfordert. Ich habe mir dann einen kleinen Sampler und einen günstigen Synthesizer gekauft und damit erste Live-Fragmente produziert. Dabei habe ich gemerkt, dass mir das viel mehr Spaß macht als mit einer Software zu arbeiten und habe mich dann so richtig in die Maschinen reinvertieft.
Wie sieht dein Live-Set-Up aus, welche Geräte benutzt du?
Ich benutze derzeit nur drei Geräte: Digitakt, Octatrack und Digitone. In Digitakt und Digitone entsteht die eigentliche Komposition meiner Tracks. Den Octatrack nutze ich momentan hauptsächlich als Livemixer und Liverespampler, um zwischen den Tracks fließendere Übergänge schaffen zu können. Der Octatrack ist der neueste Zugang in meiner Sammlung und ich begreife langsam erst, wie vielseitig und kreativ ich damit arbeiten kann.
Mit diesen Geräten könnte man zwar auch sehr in die Tiefe gehen, aber man hat nicht unendlich viele Menüs und kann immer mit den gleichen Werkzeugen arbeiten. Damit habe ich zu meinem Live-Sound gefunden – denn in Ableton hat das, was ich produziert habe, immer sehr steril und trocken geklungen. Mit den Geräten ist das für mich ganz anders. Das Set für frohfroh besteht beispielsweise auch nur aus einer Stereo-Spur, die aus dem Octatrack stammt. Ein Mastering kam dann noch dazu und das war’s – diese Einfachheit fasziniert mich.
__Live Set
Wie erarbeitest du dir ein Set normalerweise? Setzt du dich einfach vor die Geräte und dann kommt dir eine Idee?
Das ist immer sehr unterschiedlich. Mit meinem Bruder Jakob mache ich ein Powerhouse-Projekt KROM. Und da er damals noch in Mannheim gewohnt hat und ich in Leipzig, haben wir uns wirklich ausschließlich zum Musik machen verabredet und eine Art „Bandcamp“ veranstaltet – von morgens bis abends haben wir dann gejammt und Musik gemacht. Solche Tage sind unendlich produktiv, da entsteht einiges. Sonst ist es bei mir so, dass die Musikgeräte bei mir im Zimmer stehen und ich in kein Studio fahren muss. Ich lege einen Stromschalter um, dann ist alles an. Nach 20 Minuten Rumprobieren habe ich dann meistens eine Idee, die ich weiterverfolge. Das finde ich bei elektronischer Musik spannend: Vieles entsteht aus Zufall. Und das passt zu meiner Arbeitsweise.
Wo gehört dein Sound hin: in Clubs, auf Bühnen, ins Internet?
Im Mjut habe ich Ende des vergangenen Sommers mein Live Act-Debut gespielt. Und dort sehe ich den Sound auch: im Clubkontext. Ich will mir jetzt ein Jahr Zeit nehmen und mich nur meiner Musik widmen – neben meinem Job. Und dann mal sehen, wo ich lande.
An welchen Orten würdest du gerne einmal spielen und warum?
Da gibt es eigentlich gar keinen spezifischen Ort – Technoclubs, Festivals, Open Airs. Überall, wo meine Musik hinpasst.
Noch zwei schnelle Fragen zum Schluss. Was liebst du an der Leipziger Szene?
Was ich gerne mag, ist das Familiäre. Viele Leipziger DJs und Künstler:innen, die ich kenne, höre ich auch wahnsinnig gerne. Beim Tarmac-Festival hatte ich den meisten Spaß bei meinen Freund:innen, die dort aufgelegt haben und wollte gar nicht so sehr zu den großen Headlinern.
Und was nervt dich?
Ich finde es schade, dass die Partys in letzter Zeit nicht mehr so ekstatisch sind wie noch vor der Pandemie. Vielleicht sind es auch genau die Partys, zu denen ich gehe, die nicht so gut besucht sind, das kann auch sein (lacht). Aber das würde ich mir wünschen, wieder etwas mehr Ekstase hier zu erleben.
__Zukunft
Apropos Ekstase und Zukunft: „Wie es so ist waren die zwei Partys, die ich nach diesem Interview besucht habe absolut hammer: Die Rillendisco und Neujahr im IfZ. Das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft“, schreibt Julius mir vor Veröffentlichung. Und hat damit schon das perfekte Schlusswort nachgeliefert. Sein Set ist die perfekte Einstimmung für jene Nächte, die da kommen mögen. Enjoy!
Happy new year. Wir starten mit einer neuen Ausgabe unseres Hey Hey-Podcasts. Host Sebastian war dieses Mal bei fem*vak.
Seit 2021 gibt es es fem*vak – ein unabhängiges, intersektionales Netzwerk im Umfeld des vak-Kollektiv-Verbundes, das FLINTA*-Personen in der Clubszene supportet und empowered. Im letzten Sommer kam auch ein eigener Raum dazu.
Bei Hey Hey, unserem frohfroh-Podcast, spricht Sebastian mit Luise und JoJo, zwei Akteur:innen hinter fem*vak. Im Gespräch stellen sie die Initiative genauer vor, erzählen wie sie entstanden ist, welche Projekte sie angestoßen haben und an welchen Themen das Kollektiv selbst weiter wächst.
Nach dem Hören von Hey Hey empfehlen wir rüber zum Podcast von fem*vak zu wechseln – dort werden regelmäßig FLINTA*-DJs mit einem Set und Mini-Interview präsentiert. Außerdem erfahrt ihr auf der Website von fem*vak mehr zu aktuellen Projekten.
Und hier ist noch ein entspannter Listening-Bar-Tipp für den Sonntagabend.
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Barcelounge // Barcelona Bar // 19:00 Uhr w/ Madera, OSC1
Jan Madera ist heute zu Gast beim Sonntagsausklang der Barcelona Bar. Er kuratiert die Elevator Music-Reihe, die sich musikalisch ruhigeren, kontemplativen und experimentellen Sounds widmet. Heute spielt er Tracks zwischen Neo-Klassik, Electronica, Musica Obscura und Ambient.
In der Distillery gibt es heute noch einmal Besuch einer House-Techno-Legende. Und darüber hinaus zwei weitere Tipps.
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Saturday Rave // Distillery // 23:00 Uhr w/ Laurent Garnier, Vincent Neumann, HW Rhapsody, Ostbam, DJ Gabi aka RZR, The Jakob Sisterz
OMG, das wird noch einmal emotional – Laurent Garnier schaut kurz vor dem Finale in der Distillery an ihrem jetzigen Standort nochmals vorbei. Er gehört zweifelsohne zu den international bekanntesten DJs für House und Techno und hat über die letzten 30 Jahre immer wieder ein feines Gespür für Sounds zwischen Big Room und Keller bewiesen.
Außerdem heute:
Stelarium – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Techno und Ambient mit DJ Space, Low Velocity Soundsystem, Medha, Murkey FM, Thnts, China Shipping Line
3Takter – xxx, 23:00 Uhr – Bass, Jungle und Dub mit N.E. Girl, Base + Derrick + Reckless, El P, Twin Suns Soundsystem, Plugdub Soundsystem
Die Neue Welle startet heute ins neue Jahr. Mit drei Acts, die jede:r für sich sehr eklektisch treibend unterwegs sind – irgendwo zwischen House und Breaks sowie Hi-NRG-Techno und New-Trance. Und das mit einem Trio aus Leipzig, Berlin und Tel Aviv.
Außerdem heute:
Klubnacht – Mjut, 23:55 Uhr – Breaks, UK Bass, House und Techno mit Miley Serious, Formella, Heckintosh
Exil – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Hard-Tek, Techno und Ghetto-Tech mit DJ Break Da Law, Krahner, IZA, DJ Fairytail, $exxxy Little Things aka Hu$tlermau$ 1999 b2b Keta Perry, Tausendmesser b2b c4llin, WLLKR, DJ Schlacker, Eli the Damaja
Liminal Love – Ilses Erika, 23:00 Uhr – Techno und Techno mit Herbert Marcusio, Kellartrax, Saalamander, Kerb
An diesem ersten Januar-Samstag gibt es drei Tipps im Westen und ein Classic-Date in der Distillery. Wer mehr weiß, haut es in die Kommentare.
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Jackie’s Cheeky-Cheeky Tanzparty // Noch Besser Leben // 21:00 Uhr w/ Jacqueline Boom-Boom, Totoshi, Himbert Boom2Boom Little Lake
Jacqueline Boom-Boom lädt nochmals zur wilden Disco-Nacht – um das Leben zu feiern und sich in trippigen Disco-, Italo-, House- und Electro-Klassikern zu verlieren. Eigentlich war die Party schon im Dezember geplant, musste dann aber kurzfristig abgesagt werden. Nun also: #fingerscrossed. Mit dabei sind auch Himbert und Littlelake von Brombért Records – wir hatten das Label neulich im Porträt.
Außerdem heute:
Sleep In – Residenz in der Spinnerei, 21:00 Uhr – Eine Ambient-Nacht, bei der gern geschlafen werden darf, damit sich Sounds mit Träumen verbinden. Mit dabei sins Alto Bloom (live), Feuerbach, Steffen Bennemann und Heiko Wunderlich
Saturday Rave – Distillery, 23:00 Uhr – Bei der Distillery beginnt das neue Jahr traditionell mit einem Set von Rødhåd. Für eklektische House-Vibes sorgt dagegen Paramida. Übrigens scheint es wohl „kleine Funken der Hoffnung“ zu geben, dass die Distillery doch noch ein wenig länger in der Kurt-Eisner-Straße bleiben kann. Aber es ist noch nicht safe. Außerdem heute Nacht: Dyscotheque, Shuray & Walle, Atalanta, Tarik Weiss
Und weiter geht’s. Das neue Jahr startet etwas ruhiger, aber mit voller Techno-Power von einer Berliner Legende.
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Raving Society // Elipamanoke // 23:59 Uhr w/ Tanith, Lars Goldammer, :MUMM, Senta Julien, T.A.T. – Traurig aber Trance, Trashabelle, Zart
Frohes Neues wünschen wir von frohfroh. Am ersten 2023er-Wochenende sind noch nicht alle Clubs wieder vollständig am Start. Das Eli startet das neue Jahr aber erst mal mit einer Berliner Techno-Legende: Tanith dürfte mit seinem harten kompromisslosen Sound derzeit wieder so aktuell wie lange nicht mehr sein. Außerdem gibt es diese Nacht einiges Trance-Vibes.
Außerdem heute:
Feels Like Friday – Kulturlounge, 22:00 Uhr – House und Soft-Breaks mit Henryk, Johanna Reinhold, Metulsky
Vier gute Club-Tipps für Silvester und weit in den Neujahrstag hinein.
Partyname:
Silvester In Family
Zeit:
31.12.2022, 22:00 Uhr
Location:
Distillery
Acts:
Shuray & Walle, Filburt, MDMK aka Dahmar & Moritz Kaiser, Thomas Stieler, Nici Palm, Lars Christian Müller, Dilivius Lenni, Andreas Eckhardt, Mike van Goetze, Felipeh, Houdafk, Ninette, Daniel Sailer, Stiqumatique, Weh8mut, 0-Dimensional, Rottnmeier, Sailent Seihmen
To be honest: Alle Clubs machen ein gutes Silvester-/Neujahrsprogramm – aber für die Distillery ist dies hier die letzte Jahresübergangsparty in der Kurt-Eisner-Straße. Deshalb gibt es hier nochmals einen Extra-Tipp. Party mit vielen alten und jungen Residents und Friends.
Außerdem heute:
Changeover – Mjut, 23:55 Uhr – All Styles mit DJ Detox, Miss Take, SK LIBRA, HiHat, DJ Fairytail, Spellya, DJ KARAWAI, Micina, nZKT, 3diz, Antonio Barbetta (Raw Ambassador), Privacy, Heckintosh, ALBA ACAB, Sophiise, Malte Magnum, Spicy dk, DJ YumYum, JENNIFER.com, Jewelry, Tayo, Sinh Tai, X-Coast, Bunny Tsukino
Hallo Welt – Elipamanoke, 1 Uhr – Surprise-Line-up
NYE x NYD – Institut fuer Zukunft, 2 Uhr – Surprise-Line-up (21 h lang)
N.Y.R. – Once Upon A Time In Reudnitz – Kulturlounge, 22 Uhr – Minimal, Tech-House Breaks mit Natalie Luengo, Voeller, Zoch, Sylvester Stallone
Auf 20 Jahre konnte das Leipziger Label Altin Village & Mine 2022 zurückblicken – und auf ein sehr release-starkes Jahr. Vier wunderbare Alben sind herausgekommen, die wir hier zusammen vorstellen.
Altin Village & Mine? Seit 2002 kuratiert das Label einen sehr vielfältigen Katalog an Veröffentlichungen von Musiker:innen aus der ganzen Welt. Im April hatten wir ein Interview mit Marcel, einem der Betreiber:innen von Altin Village & Mine. Und auf die Frage nach dem roten Faden in dieser Offenherzigkeit meinte er, dass „eine reflektierte und kritische Haltung gegenüber bestehenden Verhältnissen als Grundlage“ ebenso wichtig bei der Zusammenarbeit mit den Künstler:innen sei wie der musikalische Output.
Auch wenn die für dieses Jahr angekündigte Jubiläums-Compilation „Free/Future/Music“ erst 2023 fertig wird, so war 2022 ein äußerst gutes Jahr für das Label. Vier sehr eigene und sehr gute Alben hat Altin Village & Mine in den letzten zwölf Monaten veröffentlicht. Hier sind sie auf einem Blick.
Cloud Management „s/t“
Los geht es mit dem Debüt-Album von Cloud Management. Im Oktober hatten wir bereits den Ausschnitt eines Special-Live-Sets des Hamburger Trios erwähnt. Im November kam dann das selbstbetitelte Debüt-Album. Hinter Cloud Management stecken Thomas Korf, Sebastian Kokus und Ulf Schütte, die bereits in anderen Konstellationen sehr viel interessante Musik herausgebracht haben.
Mit ihrem neuen Projekt ist den Dreien nun ein super spannendes Kraut-Update gelungen. Rein instrumental gleitet die Band auf sieben Tracks durch ebenso organische und poetische wie surreale Soundwelten. In ihrem freien Session-Charakter entfalten Cloud Management immer neue Ebenen und behalten dabei doch auch eine gewisse Stringenz. Heraus kommt ein dezent-experimenteller und mäandernd-kosmischer, aber durchweg zugänglicher Mix aus dubbiger Entschleunigung und kraut-rockiger Trippyness. Immer angeschoben von soft pluckernden Beats und ein paar rauen Kanten. Einige Chords und Sounds schreien geradezu nach Remixen, die auch auf dem Dancefloor mächtig zünden würden. Aber der repetitive Grundcharakter hat auch so schon einiges an Energie. Ein unglaublich fasznierendes Album.
Mein Hit: „Große Wolke“. Why: Weil sich der Track so schön in seinen gläseren Sounds und einem über allem schwebenden Chord verliert.
Modus Pitch „Polyism“
Etwa zur selben Zeit erschien ein weiteres Debüt-Album bei Altin Village & Vine. Und zwar von Friedrich Brückners Solo-Projekt Modus Pitch. Brückner dürften Indie-Fans von der Leipzig-US-Band White Wine her kennen, die vor rund fünf Jahren mit ihrem arty sophisticated Rock für Szene-Aufsehen sorgte. Dort spielte er Fagott und Bass. Der klassisch ausgebildete Musiker ist aber noch viel mehr hinter den Kulissen unterwegs – so produzierte er für Warm Graves und P.A. Huelsenbeck und tourte als Sound-Designer mit internationalen Acts wie Yoko Ono, Get Well Soon, Modeselektor und Dear Reader.
Mit Modus Pitch bündelt Friedrich Brückner seit mehreren Jahren seinen breiten musikalischen Background in eigenen Tracks und Songs. Auf „Polyism“ sind 2022 nun endlich die ersten neun Stücke für alle zugänglich geworden. Und die offenbaren eine compilation-artige Fülle an verschiedenen Einflüssen. In etwas mehr als einer halben Stunde flackern ebenso Jazz, Cosmic, Dub und New Age wie auch Breakbeat und Post-Punk auf. Was beim Lesen nun vielleicht nach einem losen Mix oder einer wild zusammengereihten Werkschau eines Multi-Instrumentalisten klingen mag, fügt sich in Wirklichkeit zu einem schlüssigen Ganzen. Atmosphärisch scheinen die nostalgisch eingefärbten Synths all die Vielfalt gut zusammenzuhalten. Und da passt selbst ein düster-theatrales „Outer Veil“ in den Flow. Ein Flow, der dramaturgisch äußerst subtil und versiert angelegt ist – mit vielen stillen kontemplativen und einigen uplifting-extrovertierten Phasen. Definitiv ein Album, das ein paar mehr Durchgänge braucht, um seine volle Faszination entfalten zu können.
Mein Hit: „Suspender“. Why: Weil es in seiner verschrobenen Breakigkeit dem zeitgenössischen UK-Sound eine spannende neue Note dazugibt.
Kalme „Neue Sprache“
Im Frühjahr 2022 erschien bei Altin Village & Mine auch das erste Album von Kalme – btw. gemastert von Fritz Brückner aka Modus Pitch. Hinter Kalme steckt eine nicht weniger vielseitig aktive Musikerin aus Berlin: Sonja Deffner. Sie war in den vergangenen Jahren in mehreren bekannten Indie-Bands involviert, darunter Die Heiterkeit, PTTRNS und in Christiane Rösingers Live-Band. Daneben arbeitet sie aber auch als Grafikerin und am Theater.
Als Kalme hat Sonja Deffner einen poetischen Pop-Elektronik-Entwurf geschaffen, der mit reduziert-präzisen Arrangements und etwas eintönig sanft eingesprochenen Vocals eine sehr spezielle Atmosphäre schafft. Wie die moderne – und sehr gelungene – Vertonung eines Lyrik-Bandes, in dem biografische und soziopolitische Beziehungen in abstakten sprachlichen Bildern thematisiert werden. Und das alles auf Deutsch. Doch die Abstraktheit und das ambivalente Distanz-Nähe-Verhältnis der Vocals sorgen auch dafür, dass die Texte eine gewisse Leichtigkeit bekommmen und sich nicht zu sehr ins Zentrum drängen.
„Neue Sprache“ braucht dennoch viel Aufmerksamkeit, gibt aber auch viel zurück – musikalisch und inhaltlich.
Mein Hit: „Durchlass“. Why: Weil der Song mit seinen hintergründigen Breaks noch einmal ein besonderen Drive hat.
Fhunyue Gao & Sven Kacirek „Hoya“
Ebenfalls im Frühjahr 2022 kam „Hoya“ heraus – die Zusammenarbeit der Schweizer Musikerin Fhunyue Gao und des Hamburger Musikers Sven Kacirek. Beide haben international schon in verschiedensten Konstellationen und Solo-Projekten ihre eigenen musikalischen Spuren hinterlassen. Während einer gemeinsamen Kollaboration für ein niederländisches Tanzprojekt trafen Gao und Kacirek erstmals aufeinander und brachten ihr Instrumentarium zusammen. Und dieses Zusammenspiel aus Marimbas, Schlagzeug, Percussions, Elektronik, Theremin, Buchla-Synthesizer und Klavier faszinierte beide offensichtlich so sehr, dass sich in den Probe-Pausen weitere Off-Sessions ergaben. Und schließlich ein eigenes Projekt.
„Hoya“ ist von einer sehr filigranen und subtilen Sound-Ästhetik, von der Freude am Forschen, Loslassen und Entdecken geprägt. Zugleich sind beide Musiker:innen so tief mit ihren Instrumenten verwurzelt, dass nie das Gefühl der Beliebigkeit aufkommt. Jeder Fingerschlag, jeder Ton scheint an der richtigen Stelle zu sein. Heraus kommt eine organische Form von Electronica und zugänglicher Avantgarde, die auch live sehr gut funktioniert – wie es in der Plagwitzer Markthalle in diesem Jahr auch zu erleben war.
Danke Altin Village & Mine für das tolle Jahr!
Mein Hit: „Archie Waltz“. Why: Weil es so herrlich elegisch und frei Theremin und lose Drums vereint.
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