Defrostatica meldet sich im Frühjahr 2018 mit einer neuen EP zurück. Und die besitzt Durchschlagskraft.
Kurz ein Rewind: Letztes Jahr überraschte Defrostatica mit der „Rogue Style 1 EP“, auf der vier Producer ihre Hip-Hop- bzw. B-Boy-Einflüsse in spannenden Drum & Bass-Footwork-Hybriden verarbeiteten. Eigentlich vollkommen logisch, dürfte der Hip Hop-Einfluss – neben dem gemeinsamen Tempo – einer der gemeinsamen Nenner zwischen Drum & Bass aus UK und Juke/Footwork aus Chicago sein.
Somit ist folgerichtig, dass Defrostatica die Serie mit der „Rogue Style 2 EP“ fortsetzt und dafür eine Reihe hochkarätiger Acts zusammenbringt. Spoiler: Die Durchschlagskraft ist im Vergleich zum ersten Teil um einiges höher.
Drum & Bass-Urgestein Digital eröffnet die EP mit „Uprock“, in dem er seine typischen Bassläufe mit Handclaps und Cymbals kombiniert und daraus einen trockenen Funk entwickelt. Obwohl er damit auf einer gescheiten Anlage definitiv die Crowd bis in die Haarspitzen massieren wird, wirkt der Track im Vergleich zum energiegeladenen „Call Out“ von 6blocc, Calculon und Shamanga nahezu gemäßigt. Ganz klar: Die Breakbeat-Samples und gechoppten Vocals rocken einfach ohne Ende – auf rohe, fast aggressive Weise. „Tessellation“ von Agzilla ist ein ebenfalls recht düsterer Track, der mit klassischen Amen-Breaks aufwartet und auch keine Gefangenen nimmt. Einmal den Dancefloor auseinandernehmen, bitte!
Doch mein Highlight ist Stück Nummer drei, nämlich das klaustrophobische „Machinedrummachine“ von Finnlands Breakbeat-Altmeister Fanu. In dessen Zentrum verweisen Samples aus MC Shans „The Bridge“ direkt auf die Hip Hop-Wurzeln: Der Track ist Teil des legendären Battles zwischen der Juice Crew aus Queensbridge und Boogie Down Productions aus der South Bronx, bei dem die Frage um den Ursprung von Hip Hop in Form mehrerer Tracks verhandelt wurde. Fanus Sample-Wahl beschert mir einen Gänsehaut-Moment und ist nicht nur wegen der Hip Hop-geschichtlichen Bedeutung so spannend: Weil hier Teile aus MC Shans Rap mit leichter Verzerrung bearbeitet sind, hat man das Gefühl, eine verrauschte Kassette im Walkman zu hören, während man nachts als Teenager mit der Sprühdose weit entfernt vom Big Apple eigene Abenteuer erlebt. Damit beschreibt Fanu auch ästhetisch die Faszination, die der Mythos Hip Hop auf die Kids der 80er und 90er (und auch später) in aller Welt ausübte.
Bonus: Die beteiligten Artists haben eine Playlist erstellt, die der Verbindung von B-Boy-Kultur und Breakbeat-Sounds weiter unter die Lupe nimmt. Ein 25 Tracks langer Geschichtsunterricht quasi.
Und wir legen euch auch wärmstens den Beitrag zur „Rogue Style“-Reihe bei Bandcamp Daily ans Herz.
Für die vier Stücke auf „Garzweiler“ haben Von Spar den Pop-Appeal, den sie immer in einer bestimmten Form einbinden, teilweise heruntergefahren. Gerade „Garzweiler III“ und „Garzweiler IV“ verlieren sich in einem abstrakten Mäandern, legen immer neue Schichten frei, die aber nicht direkt miteinander zu tun haben. Doch wo andere Bands und Musiker die Tagebauklammer wahrscheinlich sehr dystopisch darstellen würden, nehmen Von Spar eine Menge organischen und elektrifizierten Funk mit auf.
„Lucid Themes“ klingt stellenweise sehr trippy und wäre auch in einem experimentellen Techno-Kontext denkbar – welche Rolle spielt für euch Clubmusik?
Siebzig Sänger warten auf den Stühlen des Chorpodests, welches in U-Form angeordnet ist und mit zwei Pianos abschließt. Auf den noch freien Plätzen der stufenförmigen Erhöhung reihen sich die vierzig Zuhörer ein. Die Grenzen zwischen Chor und Publikum verschwinden. „Das ist der Chor – das Abbild der Gesellschaft“, stellt ihn der jungenhaft wirkende Leiter in orangefarbenen Cargohose schmunzelnd vor.
Die emotionalen Töne des Weimarer Musikers füllen den Raum mit Bewunderung – die Struktur schaut zu und wird nun das erste Mal durch ihren Koordinator mit der freiheitsliebenden Intuition zusammengeführt. Ein Spiel der Gegensätze, das entweder scheitert oder sich zum Unikat entwickelt. Es scheint, als laufen Blake Baxter- und Jeff Mills-EPs synchron, doch ohne dass sich die Impulse ineinander verzahnen oder der eine Sound vom anderen befruchtet wird, vielmehr als wenn der eine genauso gut ohne den anderen existieren kann.
Various Artists „RM241217“
Falke „O.N.G. Versions“
Polo „Leisure Time“
Sevensol & Bender „Das ideale Geschenk“
Various Artists „All Nite Bangers #01“
Soma Records als Vorbild
Eine Platte möchten wir besonders ans Herz legen: die dritte EP von Possblthings selbst. Sie erschien im letzten Dezember und featured Milium. Seine beiden Stücke pendeln in Lofi-Ästhetik zwischen House und Oldschool-Electro, immer auch mit einer roughen Post-Punk-Attitüde, wie sie zuletzt auch vom Leipziger Label