Daniel Stefanik „Confidence“ (Cocoon Recordings)

„Confidence“ heißt das neue Album von Daniel Stefanik, das in diesen Tagen bei Cocoon Recordings erschienen ist. Wir haben reingehört und Daniel ein paar Fragen gestellt.

Seit Anfang des Jahres ist Daniel Stefanik bei Sven Väths Cocoon-Netzwerk aus Label und Booking-Agentur. Dass seine Alben sich viel Zeit nehmen und eher auf einen zeitlosen Sound zielen, zeigte schon das Vorgänger-Album „Reactivity“ auf Statik Entertainment. „Confidence“ tritt jedoch weit offener und selbstbewusster auf. Die Dub-Wolken sind weitergezogen.

In der melodiösen Tiefe bleibt sich Stefanik aber treu. Das ist seine Stärke – die Musikalität und Verspieltheit von Warp und Detroit mit dem heutigen Dancefloor zu verknüpfen. Es sind aber nicht die einzigen Einflüsse, wie er unten selbst erzählt. Nun hätte man vermuten können, dass ein Cocoon-Album eine gewisse Steigerung in der Opulenz und der Funktionalität nach sich zieht.

Beides ist auch geschehen. Aber scheinbar in einem sehr freien Rahmen. Es ist keine Maximierung der Effekte, es ist eine möglichst breite Auseinandersetzung mit verschiedenen Einflüssen der elektronischen Musik. Allein, dass es eine LP- und eine CD-Version mit verschiedenem Tracklisting gibt, zeugt von einem großen Pool an Ideen, der „Confidence“ hat entstehen lassen.

Und mit „Distillery“ setzte Daniel Stefanik seinem Heimatclub auch ein musikalisches Denkmal. Ja, es ist etwas unheimlich: Aber dieses Album klingt so stimmig in seinen ruhigen und forschen Momenten. Immer wieder auch mit einer nostalgischen Wehmut versehen, die komischerweise nie an Reiz zu verlieren scheint. Toll übrigens auch, dass Vocal-Samples auf „Confidence“ fast keine Rolle spielen – instrumental wird hier mehr erzählt, als ein ganzes Vocal vermitteln könnte.

War für dich die Zeit reif für ein neues Album oder war der Wechsel zu Cocoon mit einem eigenen Label auch eine Motivation?

„Beides zugleich. Ich hatte eh vor ein Album fertig zu stellen und natürlich hat sich das auch einfach angeboten durch den Agenturwechsel. Nach vier Jahren kann man so was schon mal wieder machen. Mir macht das Arbeiten an einem Album echt Spaß, viel mehr als für eine EP. Man kann einfach musikalisch vielfältiger sein und muss sich dabei nicht nur auf die Peaktime konzentrieren. Dennoch wollte ich – auch gerade im Bezug auf Cocoon – das Album ‚floortauglicher‘ gestalten.

Ich habe versucht den Spagat zu wagen zwischen Kann und Cocoon. Ich wollte nun nicht unbedingt weg von gewohntem Terrain, aber dennoch den Sound von Cocoon in irgendeiner Form gerecht werden. Auf keinen Fall wollte ich mich aber verbiegen, es ist absolut ehrlich. Dazu muss ich aber auch sagen, dass Cocoon mir nie das Gefühl gegeben hatte, dass sie das Album und mich als Künstler in Frage stellen würden. Was besseres kann dir nicht passieren.“

Wie lange hast du daran gearbeitet?

„Für manche Tracks lagen die Ideen fast vier Jahre auf meinen Rechner rum. Zwei Tracks wären auch richtig gut gewesen für meine ‚In Days of Old‘-Reihe auf Kann. Generell saß ich ungefähr vier Monate daran. Es ist immer so ein hin und her mit den Gefühlen, während des Entstehungsprozesses. Es gab Tage, da war ich völlig verunsichert, ob diese Musik überhaupt gut ist.

Man verliert irgendwann das Gefühl für ein Stück. Man kennt es in- und auswendig und das Thema ist für dich durch. Ich habe auch einfach mal zwei Wochen die Tracks liegen gelassen und dann mal später im Auto wieder reingehört. Letztendlich muss man dann aber auch einfach mal loslassen und das ganze abschließen. Ich bin sehr glücklich mit dem Album so wie es ist und klingt, das ist die Hauptsache.“

„Reactivity“ war konzeptionell im Dub verankert, „Confidence“ eher in Detroit – bewusst?

„Nein, unbewusst. Ich bin nun mal stark geprägt von diesem Sound und das fließt dann wahrscheinlich immer in diese Stücke mit hinein. Obwohl ich zugeben muss, dass ich die Tracks eher Frankfurt-inspiriert finde. Perlon mit seinen Protagonisten Ricardo Villalobos, Soul Capsule und Melchior Productions und auch Sven Väth selbst waren für mich immer präsent im Kopf, als ich die Tracks entwickelt habe. Mal abgesehen davon, hab ich immer das Gefühl, dass das Hardwax in Berlin meine Tracks gar nicht mag, also so ‚detroit‘ können meine Tracks gar nicht sein.“

Warum die verschiedenen LP-/CD-Varianten?

„Cocoon und ich haben uns gedacht, dass wir einen Anreiz schaffen müssen für diejenigen, die sich die Schallplatte kaufen. Exklusive Tracks für das jeweilige Format war dann so die Idee und dem entsprechend habe ich die Trackauswahl getroffen. Deshalb ist die Vinylversion etwas mehr für den Dancefloor und die CD auch für das Auto gut. Der Vinylkäufer bekommt sogar die CD dazu.“

Gibt es eine für dich überraschende neue Note oder Ebende, die du beim Produzieren des Albums entdeckt hast? Also persönlich für dich als Producer betrachtet?

„Im Grunde genommen habe ich all das Wissen ausgelebt, was ich mir vorher mit Stefan – Juno6 – und unserem gemeinsamen ‚Alienjazz‘-Projekt angeeignet habe. Das Jammen mit den Geräten. Alle Melodien wurden zum Beispiel frei eingespielt und aufgenommen und in die Tracks eingebaut, hier kam mir das Klavierspielen zu gute. Du weißt einfach, was du da gerade spielst.

Eigentlich wird es erst jetzt wieder für mich interessant, wo ich das Album abgeschlossen habe. Jetzt werde ich wieder im Studio sitzen und viele neue Sachen ausprobieren. Ich baue mir gerade ein Modularsystem auf und werde mich in Zukunft mehr mit Max/MSP auseinander setzen. Denn eins ist sicher: wenn ich so jetzt weiter Musik produziere wie bisher, wird es nicht nur für mich langweilig.“

Daniel Stefanik Website
Cocoon Recordings Website
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Das Electro Compendium

Wie viel würden wohl 1,4 GB Musik wiegen? Verteilt über 116 Tracks. Ein paar Leute haben so viel Musik zusammen getragen und kostenlos ins Netz gestellt. Als „The Electro Compendium“. Und zwar, um dem Genre und der Etymologie von Electro einen würdigen Platz einzuräumen. Denn es ging da einiges schief mit dem Begriff in den vergangenen Jahren:

Kraftwerk invented it in the seventies. Hip hop jacked it in eighties. Techno took it underground in the nineties. And then strange things happened in the noughties. House and dubstep co-opted the word „electro“, shifting its meaning and confusing people. […] Electro is the sound of robots dreaming of a science fiction future, making machine music in their bedrooms with pulsing drum machines, while their keytars gently bleep., so die Macher hinter dem Compilation-Projekt.

Aus Leipzig sind die Pal Secam Kids mit einem Stück vertreten – neulich berichteten wir schon aus deren Umfeld. Blackred fehlt leider. Aber diese Compilation lohnt nicht nur wegen des Leipziger Beitrags. Der Genre-Schnell-Einstieg quasi in das mehr oder weniger aktuelle Geschehen.

Nix mit Platte – Baumwolle

Irgendwie sollte doch eine neue Mikrodisko-Platte im Spätsommer kommen. Von der M9 war die Rede. Die M9 ist auch schon längst draußen, seit Ende Juli.

Aber nicht auf Vinyl, sondern aus Baumwolle und Polyester. Mikrodisko hat einen runden Poncho entworfen – mit den typischen Label-Streifen. Toll auch wieder das Info-Pamphlet. Strategiewechsel, aha.

Deko Deko „Make Death Listen“ (Ortloff)

Neulich wurde sie live im nächtlichen Wald vorgestellt – die Debüt-EP von Deko Deko. Der Sound der vier Tracks passt auch genau dahin.

Release-Konzert im Wald, morbider EP-Titel, viel Schwarz im Artwork. Die Goth- und Wave-Assoziation lässt sich bei Deko Deko auf dem ersten Blick nicht vereiteln. Auch der Sound des Duos ist dunkel verschleiert. Dass die Grenzen zwischen Achtziger-Wave und Goth-Pop fließend verlaufen, zeigten zuletzt Austra, Zola Jesus und Fever Ray ganz groß.

Deko Deko sind dagegen aber weit weniger extrovertiert und exaltiert. Auch wenn die Synthies teilweise ebenso weit ausholen können. Lena Seik und Tristan Schulze sind Deko Deko. Zwischen Punk, Trash und Post-Rock wurden sie musikalisch sozialisiert. Der Spung zum dunkel verhangenen Wave ist da historisch nicht weit.

Seit 2011 arbeiten sie nun zusammen an ihrem elektronischen Pop, der sich zwischen Wärme und Kühle aufreibt. Das spannende ist, dass hier nicht einfach der Gesang für den warmen Einschlag und die Synthies für den kalten verantwortlich sind. Es schlägt genauso auch um. Dann schweben die Harmonien, während Lenas Stimme unterkühlt klingt.

Bestimmt gibt es weitere musikalische Referenzen auszumachen. Zusammen mit dem visuellen Aspekt schaffen Deko Deko aber hier ihr eigenes Gesamtwerk – schaut euch unbedingt auch den interaktiven Bereich zu der EP an. Ein sehr schlüssiges.

Ortloff Website
Deko Deko Website
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Various Artists „BR01“ (Blackred)

Neues Label – kein Scherz. Dieses Mal wieder keine unbekannten Neulinge. Die Blackred-Crew hat nämlich endlich ihre Label-Idee verwirklicht.

Mit Blackred hat Leipzig seit Jahren seinen eigenen Pol für den klassischen Electro-Sound, mitsamt der naheliegenden Classic House-Anrainer der Detroiter und Chicagoer Schule. In erster Linie waren es die vielen Partys, die unter dem Blackred-Banner veranstaltet wurden. Mit einer überaus uniquen Grafik-Sprache – die Flyer und Plakate leuchteten förmlich in der ganzen Stadt.

Eng verbunden ist auch das Leipziger Grafik-Duo Doppeldenk und der dazugehörige Ausstellungsraum Off-Center. Die Kreise schließen sich also schnell. Und das Label ist ein weiterer schlüssiger Baustein. Gerade wenn man den Output von Headnoaks verfolgt. In Eigenregie hat er bereits einige Alben rausgehauen – nachzuhören bei Bandcamp. Eigentlich sollte ihm auch die Debüt-EP gehören. Es wurde dann aber doch eine Mini-Compilation.

Obwohl Blackred ein Kollektiv aus verschiedenen Musikern und Künstlern ist, hält Philipp Klein alias Rekorder die Fäden für das Label weitgehend allein zusammen. Seit drei Jahren schon hängt die Idee eines eigenen Labels in der Luft. In welchen Intervallen weitere Platten folgen werden, ist noch offen. Vielleicht halbjährlich, vielleicht öfter – je nach Zeit.

Die „BR01“ steckt erstmal das grundlegende Spektrum ab. Und es zeigt auch die Nähe zu Dresden. Denn mit Credit00, Invalog und CVBox sind drei Tracks aus der Elbstadt auf die Platte gekommen. Klar, Credi00 war seit jeher mit Blackred verbunden, CVBox musikalisch verbrüdert – bei Uncanny Valley hatte er kürzlich eine eigene, großartige EP.

Aus Leipzig sind Headnoaks, Unknown Artist und PorkFour dabei. Die „BR01“ ist voller analog schimmernder Science Fiction-Atmosphäre. Ein klassischer Sound, der einfach immer diesen nostalgisch-futuristischen Moment in sich tragen wird.

Und der immer ein Tick mehr Wehmut und Verspieltheit in sich trägt als andere Genres der elektronischen Musik. Bei Headnoaks spielt das Experimentelle meist noch eine größere Rolle. PorkFour kommt mit einem erstaunlich forschen und Acid-geschwängerten Track daher. Und bei den Dresdnern ist tendenziell mehr Deepness in den Zwischentönen. Eine tolle EP, eine längst überfällige EP.

Blackred Website
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Various Artists „Subscribe For All EP“ (Submit Records)

Und noch ein neues Label – Submit Records. Eins mit vielen Verzweigungen in die Geschichte der Leipziger Clubmusik-Szene.

Als Hinzugezogener und Zuspätgeborener liegen die Neunziger und frühen Nuller Jahre von Leipzig für mich weitgehend im Dunkeln. An ein paar Sachen erinnere ich mich aber noch. An den Kellermusik-Laden am Roßplatz etwa, exakt da wo heute der Buchladen Kapitaldruck ist. Das Label mit seinen Sublabels stand seinerzeit für die dunklere und experimentellere Seite der elektronischen Musik.

Einige der damaligen Protagonisten – Klima, Stanley Hottek und DenizchadoR – beenden mit Submit Records nun ihre mehrjährige Pause. Stöbert man bei Discogs ein wenig rum, finden sich zu allen dreien zahlreiche Releases auf verschiedenen Labels. Klima war zuletzt auf zwei EPs von Esoulate Music vertreten. Auch „Slight Screen“ war dort bereits zu hören. Jetzt erscheint es noch einmal auf Vinyl.

Die anderen drei Stücke kommen erstmals heraus. Zwei von Stanley Hottek, eins von DenizchadoR. Und rein vom Sound hört man ihnen an, dass die musikalische Sozialisation etwas zurückliegt – ganz im positiven Sinne aber. Die Stücke klingen nach einem analogeren Umgang mit den Sounds. Mit Kanten, Dissonanzen, einer eingedunkelten Electronica-Grundstimmung und einer gewissen Patina.

Wahrscheinlich kommen sie genau im richtigen Moment. Denn nach den slicken Minimal-Jahren und der zunehmend weichgezeichneteren House-Deepness hat diese Reibung etwas überaus Wohltuendes – auch wenn sie alles andere als neu ist. Die erste Submit-Platte ist auf 250 Stück limitiert und seit einer Woche draußen.

Submit Records Soundcloud

Petula/The Micronaut „Dia02“ (Dia Records)

Die erste Ausgabe des neuen Analogsoul-Sublabels Dia Records ging hier unter. Dabei ist die Idee einer digitalen Split-Single mehr als spannnend.

Noch dazu wenn sie so stimmig und kontrastreich zugleich kuratiert wird. Zwei Stücke von zwei Künstlern, so die Idee hinter Dia Records. Aber eben nicht auf Vinyl, sondern digital. Bei der Nummer 2 teilen sich der Berliner Petula und der Neu-Leipziger Micronaut die virtullen zwei Seite der Split-EP. Loop Folk hier, Breitwand-Pop-Elektronik da.

Wer sich etwas im deutschen Indie-Geschehen der letzten 10 Jahre auskennt, dürfte Sebastian Cleemann aus den Bands Kate Mosh und SDNMT kennen. Ich erinnere mich da noch ein großartiges Konzert im Conne Island mit letzterer Formation. Sein Solo-Projekt Petula ist aber längst eigenständig genug, um auf all die Bandverweise verzichten zu können.

Bei seinen beiden Dia-Songs mag man kaum glauben, dass hier nur eine Person dahinter steckt. Die volle Instrumentierung. Leicht knittrig in den Sounds, und dann doch wieder opulent aufpoliert. Wunderbar, wie zwischen den Tönen heraus zu hören ist, was ein Pop-Song der elektronischen Musik eben auch voraus hat – die emotionale Dichte und die Fülle an Spannungsbögen auf kleinstem Raum. Aber gut. Äpfel und Birnen.

Micronaut, bzw. The Micronaut ist nicht minder spannungreich in seinen Stücken. Auch „All I Have Is Now“ und „She’s Mine“ wechseln die Klangfarben von einem auf den anderen Augenblick. Nur mit mehr Staccato.

Die Micronaut-Stücke bewegen sich einerseits immer nah am Überladensein. Andererseits ist das eben auch deren Reiz. Elektronisch in der Dramaturgie, organisch im Klang. Wobei die Vocals und die Breaks bei „She’s Mine“ fast schon Rave-Qualitäten aufweisen. Nur eben runtergedimmt. Feingeistiger. Mit einer deutlichen Indie-Sozialisation aufgebaut. Bitte mehr Dias.

Dia Records Website
Petula Website
Micronaut Website

Lake Powel „Bright Eyes, Dirty Hair“ (Fenou)

Nein, kein Schreibfehler. Lake People hat gemeinsam mit Powel aus Berlin ein paar Tracks produziert. Zwei davon kommen nun auf 10″ heraus.

Fenou ist bekanntermaßen das Boutique-Label aus dem Label-Konglomerat von Dapayk. Kleines 10″-Format, meist florale Covergestaltung. Und auch die Tracks sind allesamt abseits der großen Abfahrt. Eine bessere Heimat könnten die zwei ersten Lake Powel-Stücke also gar nicht bekommen. Seit sechs Monaten sind sie bei Soundcloud schon im Stream – gerade das Titelstück hat die 10.000er-Grenze kürzlich geknackt.

Es gibt eine große Sehnsucht auf dem Dancefloor, der Lake Powel den Soundtrack verleihen. Spätsommerlich ist im Info-Text zu lesen. Und diese Stimmung trifft es sehr gut. Das Sommerglück ausfadend schwingen die beiden Stücke mit halber Melancholie und halber Seligkeit voran. Der große Entspannungsreigen in je rund neun Minuten vertont. Sehr musikalisch und spielerisch, abseits jeglicher Funktionalitäten. Wobei: bestimmt funktionieren die Stücke auf einer nicht zu durchen Afterhour sehr wohl. Aber auch da treffen Melancholie und Glück direkt aufeinander.

„Bright Eyes, Dirty Hair“ bietet durch seinen gedämpften Gesang noch mehr Anknüpfpunkte dahingehend. Doch die Tracks sind zu gut ausbalanciert, als sie den Montagsravern unterjubeln zu wollen. Hier erreicht House seine Existenzberechtigung für Zuhause. Ob das der typische Lake Powel-Sound sein wird, bleibt offen. Aber für den Moment stimmt alles.

Nachtrag: In der digitalen Version gibt es auch noch Remixe von Acid Pauli & Nu sowie Mira & Chris Schwarzwälder.

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Flowtec „Mental Therapy“ (Resistant Mindz)

Nach dem großen Vinyl-Projekt mit dem französischen Label Cascade Records besinnt sich Resistant Mindz wieder auf das Tape. Mit Flowtec aus.

Wobei das Tape als Liebhaberding nebenbei läuft. Auf 100 Stück ist die Auflage limitiert. Ansonsten gibt es den 30-minütigen Mix mit Tracks von Flowtec auch als Free-Download. 15 sanft wogende HipHop-Tracks hat er in einem durchlaufenden Mix zusammengestellt. Teils klassisch, teils etwas experimenteller.

Es ist der Sound, wie ihn Resistant Mindz als Label voranbringt. Laid-back, vorwiegend instrumental, wobei Flowtec schon viel mit Vocal-Samples arbeitet. Manchmal schimmert der frühe Four Tet oder Flying Lotus in Spurenelementen mit durch. Gerade in dem Mix bekommen die Stücke noch einmal ein anderes Podium, wird der Flow im Gesamten deutlich. Eine unbedingte Empfehlung für einen entspannten Ausgleich von der geraden Bassdrum.

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Post-Freezone-Elan

Ein dreiviertel Jahr ist es her, dass Filburt den damaligen Freezone-Laden verließ. Anscheinend ein guter Zug für sich als Producer, DJ und Labelbetreiber.

Raus aus der Ladenroutine, rein ins pralle Künstler-Dasein. Etwas überspitzt, klar. Aber seit letztem Herbst konzentriert sich Filburt mehr um Auftritte – ob solo oder mit Good Guy Mikesh –, tritt immer öfter auch als Solo-Producer in Erscheinung, knüpft neue Netzwerke und gründete soeben mit Ron Deacon ein weiteres Label – RDF Music. Unter dem Kürzel traten sie bereits auf der letzten O’RS-Platte auf.

Die erste „Code EP“ gibt nun einen weiteren Einblick in die gemeinsamen Jam-Sessions. Zwei sehr unterschiedlich temperierte Tracks. „1204“ beinahe beängstigend episch, gerade im mittleren Teil brandet eine gehörige House-Rave-Welle auf. Durchaus gewagt. „2203“ dann wesentlich gedrosselter und analoger klingend. Feinfühliger arrangiert und durch die tiefen Vocals auch irgendwie amerikanisiert – im ganz positiven Sinn.

Die Schweizerin Timnah Sommerfeldt nahm sich dieses Stück noch einmal an und brachte ein deutlich fiepigere Stimmung rein. Auch wenn das Tempo ähnlich bleibt. Die Strings strahlen erst ganz hell, später verdunkeln mächtige Synths den Sound. Die Reise von RDF sei noch offen, so Filburt.

Bei O’RS ist die Reise ebenfalls offen. Überraschenderweise ist die vierte EP „O’RS 1800“ eine Split-EP mit Break The Surface. Quasi die Erfüllung eines lang gehegten Traums für Break The Surface-Betreiber Metasound. Immerhin sei die Haptik eines Vinyls doch nicht zu unterschätzen.

Filburt gewährt auf seiner Seite den Platz für zwei Debüts: Marbert Rocel-Mitglied Panthera Krause veröffentlicht nämlich erstmals solo und für die Augsburger Dominik Marz & Leon Holstein ist die „O’RS 1800“ ebenfalls das erste Lebenszeichen, bevor sie demächst auf Pastamusik eine eigene komplette EP bespielen werden. Krause ist in seinem House-Verständnis ähnlich ausgerichtet wie Ron Deacon und Filburt. Analog-warme, hoch musikalische Deepness, etwas Soul zwischen den Tönen.

Die beiden Augsburger sind deutlich poppiger bei ihrem „You Know It’s True“. Fast theatralisch aufgeladen mit den choralen Momenten. Dazu aber auch klare Disko-Einschübe. Die Spannung zum Schluss hat etwas sehr einnehmendes.

Auf der Break The Surface-Seite dann zwei neue Tracks von Metasound & Lucius14. Wieder mit starker Funk-Note. Gewohnt vielschichtig und mit Lagerfeuer-Charme aufgebaut, aber mir wird das zunehmend zu brav. In der Digital-Version legen Break The Surface noch drei weitere Tracks obendrauf. Und da geht es erstaunlicherweise aufgeräumter zu. Großer Tipp hier „Sweetest Ting“ mit seinen hintergründigen Disko-Anleihen. Wo sind aber die neuen Künstler bei Break The Surface?

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Science Fiction reloaded

Der Fokus auf die Visual-Kunst ist im Club-Geschehen etwas abgeflaut in den vergangenen Jahren. Dabei ist das Thema keineswegs durch. Das Leipziger Animations- und Illustrationsduo Legacy of NEST zeigt es eindrucksvoll.

Im Conne Island und UT Connewitz gab es vor rund sieben Jahren sogar kurz eigene Reihen, die sich den vielen VJs der Stadt widmeten und auch überregionale Helden einluden. Visuals sind zwar nicht gänzlich aus den Clubs verschwunden, doch die Wertschätzung für die visuellen Arrangements scheint in keinem Verhältnis zu deren Aufwand zu stehen. Dass die Symbiose zwischen Musik und Bild aber nichts an Reiz verloren hat, zeigen nicht nur die vielen Musikvideos im Pop-Bereich, die nach wie gedreht werden. Es gibt immer wieder – wenn auch weit seltener – Konzeptarbeiten, die auf DVD erscheinen.

Ganz aktuell: Der Londoner IDM-/Electro-Producer Scanone. Er ließ zwölf Tracks aus seinem Archiv von zwölf Video-Künstlern visualisieren und hat sie nun alle auf der DVD „Archive“ versammelt. Darunter auch eine Arbeit der Leipziger Legacy of NEST. Für das Stück „1002“ entwickelten Alexander Priebe und Christian Kroneck eine düstere Reise durch eine surreale Maschinenwelt.

Science Fiction reloaded, mit dem entsprechend neurotischen Soundtrack dazu. Beeindruckend fein sezierte Mechaniken wurden rhythmisch angepasst – für den Club wahrscheinlich zu komplex und konzentriert, in diesem Screening-Rahmen aber genau richtig. Im Teaser zur DVD entdeckt man auch Ausschnitte der anderen Video-Arbeiten. Und Legacy of NEST stechen durch ihren sehr vektorgrafischen Stil heraus.

Die beiden Video-Künstler sind keine Neulinge in Leipzig. Sie sind auch vom Projekt Leipzigwest bekannt. Alexander und  Leipzigwest-Mitgründer Kay Knofe alias Secam waren als Pal Secam Kids eine zeitlang als Live-Act zu erleben. 2006 erschien auch eine Platte mit zwei Tracks des Duos. Christian ist dem einen oder anderen vielleicht noch als Zapotek ein Name. Legacy of NEST produzierten beispielsweise auch das Video zum Hexer-Track „The Bomb“, das auf Alphacut Records herauskam.

Die „Archive“-DVD ist momentan erstmal hier zu ordern. Später auch bei uns.

Legacy of NEST Website
Scanone Facebook
Leipzigwest Website
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Zohki & Roozlee „One Way Out EP“ (Moon Harbour Recordings)

House-City Essen. Mildpitch, Bine, Manuel Tur, Langenberg, DPlay. Eine doch recht dicke Stecknadel kann auf der House-Landkarte bei Essen angesteckt werden. Moon Harbour hat zwei weitere Protagonisten entdeckt.

Und zwar Quereinsteiger. In den Neunzigern waren Zohki & Roozlee HipHopper. Angeblich mussten sie dann einmal bei einer House-Party als DJs aushelfen und blieben anschließend der langgezogenen Deepness treu. Oft ist es ja so, dass Quereinsteiger die spannenderen Tracks produzieren. Ein anderer Input, andere Perspektiven, abseitigere Vorlieben. Mehr Reibung, mehr Mut. Zohki & Roozlee sind aber eher die Ausnahme.

Klar, in den Vocal-Samples schwingt für Moon Harbour-Verhältnisse mehr Soul und HipHop mit, die Grooves sind etwas stärker im Bass betont. Allein „Dreams“ bewegt sich in seiner introvertieren Art aus dem Gleichklang. Aufgeräumt und schwebend. Zwei der Stücke sind übrigens Kollaborationen mit den Kölnern Vito & Danito und Agent! aus Würzburg. Und laut den Beatport-Charts glückt das Debüt der beiden Essener.

Moon Harbour Recordings Website
Zohki & Roozlee Facebook
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