Remix-Werkschau

Neulich schon veröffentlichte Matthias Tanzmann eine digitale Zusammenstellung einiger seiner Remixe. Alles aus der Zeit zwischen 2002 – 2012.

Mit einem Deep House-Schwenk zu Freestyle Man, dem Durchbruch-Hit „Movin’“ und einer Gamat 3000-Referenz. Ein Blick auf Discogs verrät, dass es wirklich eine sehr konzentrierte Auswahl ist.

Marco Marset „Touch The Bell“ (Avida Music)

Eine melierte Vinyl-Promo, so etwas kommt nicht oft rein. Noch dazu aus Kabelsketal, einem Dorf auf halber Strecke zwischen Halle und Leipzig.

Aus dem Esoulate-Umfeld ist mir Marco Marset im Hinterkopf geblieben. Dass dahinter quasi noch ein anderes Umfeld mit eigenem Labels steht, war mir so gar nicht bewusst. Plakat Records heißt das erste Label von Marco Marset, als MaSET brachte er dort schon rund zehn EPs heraus.

Nun also auch Avida Music. Und gleich mit einem durchaus namhaften Einstand. Tolga Fidan von Vakant remixte nämlich „Touch The Bell“. Doch erstmal zum Original: das bevorzugt die Reduktion. Angeteaste Elemente, eine gewisse Wärme und ein schnörkelfreies Beat-Fundament. Gut ausbalanciert, aber auch sehr in der Tech-House-Schnittigkeit verfangen. Das ist irgendwie die typische europäische Kühle, die da mitschwingt.

Tolga Fidan versucht die zu brechen, indem er grelle Chords aufschäumt und die Bassline aufpumpt. Der Dresdner Steven Cock betont den kontemplativen Drive von „Touch The Bell“. Wie er es schon einmal auf einer Cargo Edition-Compilation sehr gut schaffte. Zusätzliche Wärme und leichtes Dub-Rauschen reichert er an. Insgesamt die gelungendste Version des Stückes.

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Kassem Mosse / Diana Policapro „Staat Aus Glas“ (Sounds Of The Universe)

Diese Platte ist bereits ausverkauft. 300-mal gibt es sie nun irgendwo verteilt auf der Welt. Die Spekulationsblase der Schallplatte ist in vollem Gange.

Künstliche Verknappung ist längst ein probates Mittel, um Begehrlichkeiten zu wecken. Erst recht mit all den limitierten Vinyl-Auflagen – wenn gleich sie oft eher aus finanziellen Gründen klein gehalten werden. Bei Kassem Mosse wäre so etwas kaum notwendig. Und er selbst versuchte im letzten Jahr mit seinem Label gegen die großen Discogs-Blasen anzugehen, indem er die Ominira-Compilation einfach nachpresste, um dem Preiswahnsinn den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es half tatsächlich.

Letzte Woche startete das Überlabel Soul Jazz unter dem Banner seines Londoner Plattenladens Sounds Of The Universe das Komplettpaket mit hohem Spekulationsappeal. Im Rahmen einer neuen „Art + Sound“-12″-Serie veröffentlichte es die „Staat Aus Glas“-EP. 180g-Vinyl plus ein handgedrucktes Artwork der portugisischen Künstlerin Diana Policarpo. Auf 300 Stück limitiert und ausschließlich über den labeleigenen Shop zu kaufen, pro Käufer nur ein Exemplar für je 10 Pfund. „Sold out“, sofort.

Und bei Discogs? Da gibt es sie noch. Ab 50 Euro aufwärts. Mit ihr eine rege Diskussion voller Unmut. Fans, Sammler und Spekulanten stehen bei solchen Aktionen in derselben Schlange. Die Fetischisierung der limitierten Auflagen ist dabei gar nicht so sehr das Problem. Sie sind völlig nachvollziehbar die Perlen einer Sammlung, auch wenn hier der Grat zur blinden Heroisierung genauso schmal ist.

Mit Kassem Mosse kann dabei künstlerisch nicht viel schief gehen. Die drei Tracks der „Staat Aus Glas“-EP füttern die unbändige Faszination für seinen Sound weiter – obendrein ist es perfekt eingebunden in das kosmisch-schwarz-weiß-schillernde Artwork. Aber geht es darum noch? Oder sind solche EPs – so gelungen sie aus künstlerischer Sicht auch sind – ab einem bestimmten Punkt nur die Mikro-Version einer Eigentumswohnung in 1a-Lage? Kassem Mosse kontert via Facebook: „Save your money on the discogs antics, go invest in some weird outernational records instead.“

Es ist nichts neu an dieser Diskussion. Aber die „Staat Aus Glas“-EP beflügelt sie auf prototypische Weise. Dem Vinyl lag übrigens auch ein exklusiver Download-Code für die MP3-Versionen bei. Digital zu kaufen, gibt es sie offiziell nicht. Aber jenseits der virtuellen Vertriebsschranken sind bereits ebenso die gewohnten Mechanismen in Gang gesetzt worden.

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M.ono „Easydance“ (Rose Records)

Nächster Schritt bei Rose Records. Nach drei Compilations kommt nun die erste Artist-EP. M.ono hat die Ehre.

Ganz klar, M.ono ist der große Emo-Schwelger bei Rose. Wo Martin Hayes etwas mehr in Richtung Disco schielt und sich Luvless stärker im Deep House bewegt, holt M.ono die groß umarmenden Gesten heraus. Schwebende Streicher, sanft schnalzende Snares und endlos durchlaufende Vocal-Samples. Aber die „Easydance“-EP erweitert behutsam den Rahmen.

Mit „Holding Back California“ etwa. Alles ist hier gedrosselter, weniger klar ausformuliert, fast schon zurückhaltend. Denn auch das ist markant an M.ono: das Selbstvertrauen und die Offenheit, die aus seinen Hymnen hervorschimmern. Und dass auf so entwaffnende Art. In „Albany“ und „Hypnotize“ ist genau das wieder herauszuhören.

Bei allem Easydance gerät „Kithara“ dann aber doch arg ins Schunkeln. Percussion plus Gitarre plus Rave-Ansage: puh. Auch wenn die Sounds toll gewählt sind, in ihrem Zusammenspiel sind sie mir zu direkt auf Abfahrt und Hit getrimmt. Aber gut, der Dancefloor. Sonst eine wunderbare EP.

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Klinke Auf Cinch „Highs & Hills“ (Analogsoul)

Da ist es also, das neue Klinke Auf Cinch-Album. Irgendwie geisterte es durch den bandeigenen Blog ja schon wochenlang im Hinterkopf.

Auf Releasing A Record dokumentierten Klinke Auf Cinch den Entstehungsprozess des Albums, nachdem die Band mit den Studioaufnahmen fertig ist. Spannend zu lesen und ein permanentes Grundrauschen aufbauend. Jetzt sind die zwölf neuen Stücke da. Wobei „Lentis“ schon als Zwischen-Single im Sommer 2011 veröffentlicht wurde. Drei Jahre sind vergangen seit dem Debüt „Palumar“. Und es hat sich eine Menge getan.

Klinke-Auf-CinchEin großer Reifeprozess, so pathetisch dies klingen mag. Aber es zeichnet „Highs & Hills“ ganz klar aus. Die Art wie Klinke Auf Cinch mit den Sounds umgehen, wie sie die stilistische Offenheit kanalisieren und wie sie in all den Ambitionen eine gewisse Gelassenheit ausstrahlen. In den weich gezeichneten Farben und dem organischen Sound-Ansatz sind die Thüringer musikalische Nachbarn von von den anderen Ur-Thüringern Marbert Rocel. Passend also auch, dass genau sie „Highs & Hills“ neulich remixten.

Es ist ebenso Pop, eingebettet zwischen Electronica und House, mit Trompete, Gitarre und filigran gesetzten Beats. Durch den Gesang von Martin Hansmann wird die Pop-Note allerdings nicht so ausgereizt wie bei Marbert Rocel. Wo dort die Wohligkeit auch schon mal über die Strenge schlägt, bleibt hier mehr Understatement.

Toll ist der Pop-Einschlag immer dann, wenn man nicht unbedingt mit ihm rechnet. „Depart“ startet als Slo-House-Stück und switcht dann um. Auch bei „Hunter“ gibt es solche Gegenläufe. Und ja: „Highs & Hills“ ist ein amtlicher Hit. Nebenbei: Analogsoul hatte ein verdammt gutes Jahr.

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Sveihnachtet

Äh, heute eröffnet der Weihnachtsmarkt. Den Soundtrack dazu liefert Sven Tasnadi zwar nicht, aber er hat trotzdem ein kleines Vorweihnachtspräsent – bestehend aus zwei Teilen.

„K.O.J.“ – kurz für „Keep On Jumping“ – heißen die beiden Stücke, die Tasnadi gestern Abend bei Soundcloud hochgeladen hat. Zum Download. Wegen Weihnachten und so.

Spannend ist besonders zu hören, in welch verschiedene Richtungen sich ein Grundgerüst im Produktionsprozess entwickeln kann. Mit Jazz-Funk-Einschlag bei der ersten „Slomo“-Version, mit großer Dramatik in der zweiten „No Vocal“-Version. Obwohl die andere Version gar keine Vocals hat. Schlummert also noch irgendwo eine Vocal-Version?

Hier geht es zum Download. Und hier zum noch immer aktuellen frohfroh-Interview.

Lake People „Point EP“ (Krakatau Records)

Ein Wiederhören von Lake People auf Bodi Bills Label Krakatau – dieses Mal aber mit kompletter EP.

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere: auf Krakatau fand sich vor zwei Jahren ein Lake People-Remix von einem Bodi Bill-Stück. Und nun eine ganze EP mit fünf Stücken und erfreulicherweise dem Raum zum Abdriften. Denn das erste Mal seitdem Lake People unter diesem Pseudonym die harmonische, verspielt-epische Seite von House bespielt, kommen seine Electronica-Wurzeln ganz explizit hervor.

Und zwar auf der B-Seite mit „Hidden Point“ und „Point Zero“. Bislang spiegelte sich sein Sound seines anderen Projektes Trickform nur zwischen den Tönen wider. Bei diesen beiden Stücken ist der experimentelle Ansatz ganz unverblümt. „Hidden Point“ behält den Dancefloor dramaturgisch aber durchaus im Visier, mit einem warmen Bassschub und seiner schwebenden Aufgeräumtheit.

„Point Zero“ forscht an den Kanten, zerfasert Beats, zelebriert den digitalen Crisp. Allein dafür muss man Krakatau danken, dass sie Lake People diesen Platz einräumen. „Point Of Time“, „Tipping Point“ und „Point Of View“ kehren schließlich seinen bereits bekannten House-Sound heraus – etwas eingedunkelter vielleicht.

Flirrend leicht, melancholisch, harmonieversunken und auf besondere Weise bescheiden. Es scheint, als wolle Lake People unbeirrt aufzeigen, wie beseelt es abseits der Peak-Time zugehen kann. Inhaltlich ist die „Point EP“ quasi ein Mini-Album. Ein verdammt gutes.

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Simon12345 & The Lazer Twins „If I Stay Here, I’ll Be Alone“ (Doumen)

Scheiße noch mal: Was macht Doumen da? Schon wieder eine dieser wunderbar eigenartigen Platten, für die man sich am liebsten selbst unter eine Vinyl-Presse legen möchte.

Okay, die Euphorie gleich am Anfang. Keine Umwege, sondern direkt, jetzt. Simon12345 & The Lazer Twins legen nicht weit entfernt vom Präzisa Rapid 3000-Hafen an – es gibt auch personelle Überschneidungen beider Bands. Das Trio hier zog ein paar Winterwochen lang in eine dänische Waldhütte, ließ sich treiben, spielte lauter Parts ein und schob dann noch einmal anderthalb Jahre die Spuren so hin, bis alles passte. Und es passt mit diesen sechs Stücken der EP.

Wie angedeutet: die instrumentale Grundstimmung mit den sich überschlagenden Rhythmen und der seltsam-einnehmenden Mischung aus Melancholie und Weirdness ist der von Präzisa Rapid 3000 nicht unähnlich. Es gibt bei „If I Stay…“ jedoch einen stärkeren HipHop-Bezug – in einem sehr abstrahiertem Sinne aber.

Am deutlichsten natürlich durch den Rap-Einsatz des US-Amerikaner Beegs Alchemy auf „I’ll Be Alone…“, einem „postapocalyptic rap genius from California“, wie Doumen ihn nennt. Der Anticon-Singsang kommt in seiner Art zu rappen sofort durch. Aber mit der hatte er wohl nichts zu tun.

Doch auch bei den anderen Stücken klingt die nickende Lässigkeit durch die vielen Schichten an Stimmen-Samples und selbst aufgenommenen Sounds hervor. Dazwischen die Wärme echter Instrumente, besonders das Schlagzeug leistet großes für diese EP. Durch seinen direkten Sound einerseits, durch seine Unberechenbarkeit andererseits. Dazu die lang gezehrten Delays, das Rascheln und die manipulierten Stimmsamples – Doumen toppt sich ein wenig selbst mit dieser Platte.

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Es wird ernst

Nachdem die Dokumention Releasing A Record kontinuierlich vom Entstehungsprozess des neuen Albums der Jenaer berichtete, wird es langsam ernst. Im November stehen die ersten Tour-Termine an, am 30. erscheint dann „High & Hills“.

Der gleichnamige Track wurde vorab schon als Radio-Single veröffentlicht. Organisch-poppiger House. Marbert Rocel rücken das Ganze noch ein wenig konkreter in den Club. Mehr zum Album dann demnächst bei frohfroh.

„Ich bin auf der Suche nach mehr Gelassenheit“ – Map.ache im Interview

Es ist in doppelter Hinsicht ein Debüt – für Map.ache als Musiker, für Kann Records als Label. „Ulfo“, das erste Album. Map.ache erzählt im Interview, wie es entstand.

Zehn Tracks, zehnmal große und süß schimmernde Wehmut. „Ulfo“ ist im Prinzip die Fortsetzung von Map.aches sehr eigenem Aufschichten und Verweben von emotionalen Sounds. Immer kurz vorm Überladenen und trotzdem auf latente Weise sehr bescheiden. Selbst in offensiven Momenten bleiben die gewohnten Rave-Diktate aus. Insofern erzählt Map.ache auf „Ulfo“ nicht grundlegend neue Geschichten, aber die Weite des Album-Formats verleiht seinem Sound eine andere Würde. Es gibt ihm den Raum, den sein Poesie-House auch braucht.

Referenzen gehen an seine zweite Heimat, das Conne Island, wo er für einen Teil des Bookings zuständig ist und an seine langjährige Post-Rock-Heimat – die mittlerweile aufgelöste Band Diario. „Ulfo“ ist ein persönliches Statement, keine Frage. Und beide Stücke stecken exemplarisch den Rahmen von Map.ache ab. Die ruhigen, leicht brüchigen Phasen und die lang gedehnten Sehnsuchtsmomente auf dem Dancefloor. Was sie zusammen hält ist die Unberechenbarkeit, die Wendungen innerhalb der Stücke. Was Map.ache selbst zum Album denkt? Das haben wir ihn gefragt.

Hast du konkret an einem Album gearbeitet, oder haben sich die Stücke zusammengereiht über die Zeit?

Der Plan zum Album ist jetzt fast genau ein Jahr alt. Alle Stücke sind auch in dem Zeitraum entstanden. Ein Konzept gab es dafür jedoch weniger, was jedoch auch an meiner Art liegt, Musik zu machen. Sobald ich mit einem Stück anfange, weiß ich vorher nie, was hinten bei rauskommt. Die Stücke entwickeln sich beim machen. Und so ist auch das Album entstanden. Es war mir jedoch wichtig, dass alle Stücke zusammen als Album funktionieren und nicht als bloße Aneinanderreihung von Stücken wahrgenommen werden. Ob das gelungen ist, weiß ich nicht.

Die Schwierigkeit jedoch ein Album zu machen, dass zum einen im Clubkontext wahrgenommen wird und zum anderen auch als Höralbum funktionieren will, war schon enorm. Im Prozess wusste ich dann oft nicht, ob das jetzt zu ruhig oder zu sehr bloß Track ist. Alle Stücke sind demnach meist auch parallel zueinander entstanden.

Wie hast du es geschafft den roten Faden dann reinzubekommen?

Ob es einen roten Faden gibt, kann ich nicht wirklich entscheiden. Jedoch gab es natürlich sehr subjektive Entscheidungen, wie und wo letztendlich was aufs Album kommt. Vor dieser Entscheidung musste ich gezwungener Maßen ein paar Ideen verwerfen oder mich gegen Stücke entscheiden, da es sonst zu viel gewesen wäre. Das Album hat zehn Stücke, von denen jedoch nur acht auf der Vinyl-Version zu finden sind. Deshalb haben wir uns auch als Label entschieden noch eine CD-Version mit allen Stücken in die Platte zu legen.

Die physische Umsetzung setzt somit den Ansatz von Album versus Club ungewollt fort. Ich wollte aber unbedingt, dass jeder der eine Platte kauft auch das ganze Album erhält. Rein ästhetisch liegt der angesprochene Faden wahrscheinlich in der gleichen Zeit der Produktionen begründet. Außerdem wollte ich mich auch mit etwas Abstand in den Stücken wiederfinden als weniger auf Funktionalität der Tracks zu achten. Das macht für mich auch den Sinn eines Album aus – fernab von unbedingter Clubtauglichkeit dennoch die Liebe zu Clubmusik individuell auszuleben und seine eigene Handschrift zu verdeutlichen. Aber ob auch das gelungen ist, müssen wiederum andere entscheiden.

Gab es besondere Einflüsse beim Produzieren – musikalisch oder außermusikalisch?

Es gibt und gab immer viele Einflüsse. Logisch. Ohne Kann und das Conne Island wäre das so sicherlich nicht entstanden. Desweiteren schwärme ich seit Jahren für die verschiedensten Musiker wie. The Sea & Cake, Tortoise, Lawrence, Omar S, Kassem Mosse oder Shed und sicher noch hunderte mehr. Der direkte Einfluss ist demnach schwer zu benennen. Als DJ, der sich nach wie vor wöchentlich Schallplatten kauft, gibt es – übertrieben gesagt – jede Woche neue Einflüsse und Aha-Erlebnisse.

Das überfordert einen zwar auch, kann aber mit gewisser Gelassenheit auch erheblich zur Motivation beitragen. Alles ist in diesem Clubzirkus irgendwie immer in Bewegung und das macht die Sache wohl auch immer noch so reizvoll. Für einen selbst bleibt es demnach spannend einerseits immer mitmachen zu wollen und auch zu müssen, sich aber andererseits die Freiheit zu nehmen, die Sachen nicht immer so verbissen zu sehen und sich und alles nicht immer zu wichtig zu nehmen. Ich denke dazu dient ein Album zu machen auch ganz gut.

Dein Sound ist generell sehr musikalisch – schwingt da deine Post-Rock-Erfahrung mit Diario mit?

Sicherlich. Das war mein erstes und vor allem auch bisher wichtigstes musikalisches Projekt neben Map.ache. Mit der Band habe ich zum ersten mal Musik selber gemacht und Stücke gebastelt. Wir haben damals schon ausschliesslich instrumental gefrickelt und waren weniger auf klassische Song-Strukturen aus. Daher wahrscheinlich auch der Einfluss und meine ewige Ungeduld, Stücke für mich nie langweilig werden zu lassen. Ich habe oft das Gefühl, dass ich Stücke mit zu vielen Elementen befrachte. Aber irgendwie kann ich es auch nicht anders.

Ich bewundere klassische House- und Techno-Produzenten, die es schaffen mit wenigen Elementen und Geduld einen guten Track zu machen, der sich aus der ständigen Wiederholung erst erschließt. Das sind auch die Stücke, die man am liebsten selber spielt und die im Kontext einer guten Clubmacht nicht nur funktionieren. Aber ich bin bereits auf der Suche nach mehr Gelassenheit.

Diario gibt es ja nicht mehr – fehlt dir der Band-Kontext oder ist das Alleinarbeiten mehr in deinem Sinne?

Leider nein, er fehlt mir derzeit nicht. Nach vielen Jahren gemeinsamer musikalischer Kompromisse mit Diario, die ohne Frage total gut waren, genieße ich es wirklich beim produzieren ausschließlich mit mir allein zu sein und eigene musikalische Vorstellungen auszuformulieren. Aber das schließt natürlich nicht aus, dass ich perspektivisch mal wieder irgendwas mit anderen zusammen machen werde. Momentan fehlt mir jedoch neben dem Musik machen, Auflegen, Conne Island und Label-Arbeit einfach die Zeit dafür.

Dass das Album auf Kann rauskommt, war von Beginn an klar, oder gab es auch andere Angebote?

Ja, den Plan zum ersten Artist Album auf Kann haben wir zusammen geschmiedet. Deshalb gab es auch keine ernstzunehmende Alternative für mich. Zumal ich dass Album ja für Kann produziert habe.
Das bringt natürlich einen enormen Vetrauensvorschuss vom Label mit sich. Ich habe auch Alex und Dennis erst am Album teilhaben lassen, als es komplett fertig war.

Das war, glaube ich, der aufregendste Moment zum Album, den beiden und meiner Freundin das fertige Album zum Hören zu geben und abwarten zu müssen, was die sagen. Nebenher gab es jedoch einige Anfragen für Stücke und EPs auf anderen Labels, bei denen ich schon mit mir ringen musste, die für die Konzentration aufs Album abzusagen. Im Nachhinein war aber alles die richtige Entscheidung.

Ist eine Release-Tour mit dir als Live-Act geplant?

Nein, eine Release-Tour und ist nicht geplant. Und auch Live-Spielen will ich erstmal nicht. Auflegen ist mir lieber. Es gibt drei Termine als kleine Release-Partys: jetzt am Samstag der „Kann Dance Ulfo“ als aufregendstes Heimspiel, bei dem auch die Platte zum ersten Mal erworben werden kann. Dann am 29. November in der Loftus Hall in Berlin und im Pudel am 1. Dezember in Hamburg. Alles sehr passend.

Das Schöne an den drei Abenden ist, dass wir die als Label komplett selber gestalten und von Anfang bis Ende die musikalischen Choreographen sein dürfen. Dass ist ein Privileg im Gegensatz zu den meisten Sachen bei denen wir mit Manamana für drei Stunden genau auf den Punkt bereit für Party sein müssen und abliefern. Der musikalische Aufbau und das Ende sind aber eigentlich immer die schönste und die größte Herausforderung eines Abends. Generell soll vor allem die Platte erstmal für sich stehen, ohne irgendein konstruiertes Drumherum. Das würde der ganzen Herangehensweise wohl am Ende auch nicht gerecht.

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