New In – Feb 2025

Der Februar liegt nun schon ein paar Wochen zurück. Aber wir rücken ihn nochmals in den Fokus: Mit ausgewählten Februar-Releases aus Leipzig.

Various Artists – „Maniac Vol. 1“ (Maniac)

Genau am 1. Februar startete die Maniac-Crew ein neues Kapitel und gründete ein eigenes Label. Das kann eigentlich nur gut werden, wenn man die top kuratierten Partys als Vorlage heranzieht. Zum Start gibt es eine kleine Vinyl-Compilation, die ebenfalls gut kuratiert ist. Neben Maniac-Resident Elmar gibt es da ein Wiederhören mit der längst etablierten Carlotta Jacobi sowie unserer Leipzig-Neuentdeckung Iglo. Mit Egotot kommt auch noch etwas Wiener-Techno-Sound auf die „Vol. 1“. Und wie klingt das? Sehr ausgereift und wohltemperiert. Alle vier Acts liefern sehr packende Tracks ab – jed:r mit einem eigenen Twist. Während Carlotta Jacobi den Spannungsraum zwischen Detroit und Dub auslotet, arbeitet Egotot mehr mit einem rollenden Groove, Iglo forscht weiter an dem gewagten Einbetten von klassischen Gesangsstimmen und Elmar bewegt sich in einem eher kalten, industrial-geprägten, diffus-pulsierenden Soundästhetik. Kein Track, der hier schwächelt – eine äußerst gelungene Premiere.

Jens‘ Hit: „Ndirin“ – Why: Weil dieser verrauschte, nicht ganz durchsichtige und dennoch harte Sound sehr viel Faszination weckt.


En Direct – „The Illusion Of Control“ (Clear Memory)

Im Februar erschien auch ein neues Album auf Clear Memory. En Direct waren bereits aus der ersten „Various Artists“-EP auf Clear Memory vertreten und haben in der Zwischenzeit zwei EPs auf Lunatic Records (ebenfalls ein Leipziger Label) veröffentlicht. Ihre Inspiration ziehen En Direct aus der Electronic Body Music und frühem Electro. Sie ergänzen den Sound des Labels somit um eine weitere feine Nuance. „Crush The Light“ ist ein makelloser EBM-Banger. Mit „On Time“ schlägt das Duo dann eher klassische Electro-Klänge an. Die Spoken-Word-Vocals und die hypnotische, wandernde Synth Line entwickeln ihren ganz eigenen Sog. 

„Little White Lies“ könnte mit seiner Midi-Sound-Ästhetik und den Lofi-Beats auch der Soundtrack eines Computerspiels aus den 1980ern sein (irgendwas mit Autorennen). Bei „This World“ klingen dann mit der sägenden Synth-Basslinie sogar mal kurz DAF an. En Direct verweben mühelos Electro, EBM und Industrial-Elemente. Den Synths wird alles abverlangt, die Beats sind immer hart und schneidend. Die Vocals geben dem Sound des Duos an vielen Stellen den letzten Kick. Ach so, französisch singen können sie scheinbar auch noch („Positive Paranoia“). „The Illusion Of Control“ ist etwas für dunkle Gemüter, hat mir beim Hören aber sehr viel Spaß gemacht.

Nils‘ Hit: „On Time“ – Why: Glasklarer Electro Track mit Model-500-Anklängen.


Richard Brook – „Cold Winds“ (04177 Records)

Auf 04177 Records erschienen ist im Februar „Cold Winds“, ein neuer Track von Richard Brook. Es ist schon cool zu sehen, wie sich aus dem Lindenauer Label in den vergangenen Jahren zu einer verlässlichen Größe von gut zugänglichem House entwickelt hat. „Cold Winds“ macht dabei keine Ausnahme – im Gegenteil: Der Track verleiht dem Label-Katalog eine gewisse Eindringlichkeit, die bisher zwar nicht per se gefehlt hat, aber eben auch so in der Form nicht überpräsent war. Getragen von einem eindringlichen Synthie-Motiv findet der Track sehr souverän zu sich selbst, hebt sich dabei atmosphärisch von Richard Brooks erstem auf 04177 veröffentlichten Track „I Lost a friend“ ab. Abgerundet wird der Release von einem Remix von Labelchef Bajazo, der, nicht allzu überraschend, etwas näher am bekannten Repertoire des Labels ist – was hier keinesfalls als Kritik gelesen werden sollte. Im Gegenteil: Auch als etwas entspannterer House funktioniert der Track wunderbar.

Davids Hit: „Cold Winds“ – Why: Einfach wegen dieser Eindringlichkeit.


DJ Balduin – „Everything EP (Small Steps)

Es war etwas still um DJ Balduin seit seinem fulminanten 2023er-Album „Concrete Mimosa“ auf Kann Records. Nun erschien im Februar endlich eine neue EP auf Small Steps, dem noch jungen Label der Brüsseler DJ Lola Haro. Eine Connection zu Balduins Album gibt es übrigens auch auf der „Everything EP“: Der Opener „Andever“ ist nämlich eine elegant auf den Dancefloor gelotste House-Version des eher breakig-experimentellen „Endeavour“. Wenn man es weiß, tauchen überall direkte Soundreferenzen des Originals auf, sie wirken in dem hypnotisch-mäandernden Drive aber noch einmal aufgeräumter und viel viel wärmer. Vor allem der warm-bassige Chord ist eine unglaublich kuschelige Decke. Diese filigrane, im Moment verharrende und doch sanft schiebende Atmosphäre prägt auch die anderen beiden Tracks. Zart federnde Bassdrums, schlagzeugartige HiHats, deep-sphärische, nostalgisch tief abtauchende Chords, die sich erst aufbäumen und dann davon fliegen. Meditativ und loslösend im besten Sinne. Genau so, wie Balduin auch in seinen DJ-Sets agiert. Eine sehr umarmende EP, der wir ebenso viel Liebe zurückgeben.

Jens‘ Hit: „Somar– Why: Weil der Mix aus unglaublicher Deepness und konstanter Spannung fast schon spirituelle Züge offenbart.


Mindelect – „Zima EP“ (Self-released)

Es beginnt mit einem glockenartigen Loop, der wunderschön ist. Ein Zirpen und ein Wasserspiel unterstreichen das Entspannte und Meditative und machen die klangliche Szenerie komplett. Aber es entstehen Risse im harmonischen Gesamtgefüge. Die Töne werden schief und dann setzt ein Electro-Beat ein. Keine Ahnung, wo der herkam, aber der Überraschungseffekt ist gelungen. Und das ist nicht der einzige Moment auf der EP des Produzenten Minelect, der das Vorhersehbare ignoriert und mit den Hörgewohnheiten bricht. 

Worte, welche mir beim Hören der Musik in den Sinn kommen sind „tiny“ oder süß. Es wird nicht dick aufgetrumpft, sondern entspannt vor sich hin produziert. Man kann die EP sicher dem Electro-Genre zuschreiben, aber das trifft vor allem auf die gebrochenen Beats zu. Alles, was darüber hinaus passiert, ist verspielt und in vielen Momenten sehr poppig, wie der letzte Titel mit seinen jazzigen und housy Vibes am allermeisten beweist. Hier gibt es mit Emilia sogar noch ein Feature an den Vocals. Ansonsten ziehen sich gediegene Orgeln, analog anmutende Synth-Arpeggio-Linien und eine leicht melancholische Grundstimmung durch den Release.

Nils‘ Hit: „Prélude“ – Why: Gelungener und überraschender musikalischer Bruch. 


Harry Wills – „Zima EP“ (Long Vehicle)

Die achte Ausgabe vom Kann-Sublabel Long Vehicle markiert die „Slanch EP“ von Harry Wills, erschienen Mitte Februar. Sie schreibt die bisherige Story von Long Vehicle als Platz der kleineren Form weiter, aber knüpft auch nahtlos am Anspruch der vorhergehenden Releases an. Auf rund 20 Minuten präsentiert Harry Wills hier intelligente, griffige elektronische Musik. Auffällig ist, wie mühelos sich hier alles anhört. Die komplette Produktion fügt sich sehr nahtlos, ohne Irritationen, zu einem schön individuellen Klangbild zusammen, das sich einer allzu genauen Beschreibung und Bezeichnung irgendwo auch entzieht – und sei es nur, weil es in diesem Fall einfach keinerlei Notwendigkeit dafür gibt. Die EP macht enorm viel Spaß, eben weil sie es schafft, Abwechslungsreichtum in ein genugtuendes klangliches Gesamtes einzubinden.

Davids Hit: „Lamreal“ – Why: Ehrlicherweise ist es schwierig, einen Track hervorzuheben – einfach weil alle drei Tracks stark sind. Aktuell ist es aber dieser, wegen der Entwicklung des Tracks, aber es könnte morgen schon anders sein.


Leibniz – „La Bomba“ (Rat Life Records)

Oha, Neues von Leibniz auf Rat Life, dem Label von Credit 00. Auf Leibniz hatten wir vor über zehn Jahren bei frohfroh einen unfassbaren Hype. Zurecht, finde ich nach wie vor. Er lebte damals in Leipzig und überraschte aus dem Nichts mit sehr guten, rau gehaltenen und UK-inspirierten House- und Breaks-Hybriden. Mittlerweile lebt Leibniz längst in Berlin und hat mit Hundert ein eigenes Label etabliert. Im Februar machte er mit seiner „La Bomba“-EP einen Ausflug zurück nach Leipzig und zu Rat Life. Dort, wo er 2016 schon einmal eine EP rausbrachte. 2025 klingt Leibniz auf vielen Ebenen anders (wobei der Change schon immer zu ihm gehörte): Die A-Seite wirft zwei super roh und schnell zerrende Oldschool-Techno-Tracks auf den Floor, die mal mit Pop-, mal mit Comic-Appeal alles mitreißen. Sehr simpel und augenzwinkernd, aber eben genau deshalb auch so serious. Auf der B-Seite wartet dann erstmal das genaue Gegenteil: „GT“ und „Zero Bass“ überraschen mit tief liegendem Dubstep, großer UK-Grazilität und so einigen Rave-Avancen. „Teka“ schlägt dann mit seinem kindlich euphorischen, extra trockenen Techno-Bounce wieder einen guten Bogen zu A-Seite. Was für eine EP – Leibniz bleibt besonders!

Jens‘ Hit: „Teka“ – Why? Weil die trockene Kick und die hingerotzten Soul-Häppchen jeden offenherzigen Floor in Euphorie versetzen dürften.


Gzardin – „RM12032“ (R.A.N.D. Muzik Recordings)

Eine neue Rinde auf R.A.N.D. darf auch im Februar nicht fehlen – musikalisch einzusortieren unter House/Techno. Oder halt unter „R.A.N.D.“. Interessant, wie ein Label so sehr für einen Sound stehen kann. Die „Hentroduction“ verzaubert mit einem sehr schönen Synth-Akkord und geht bassig und perkussiv verspielt wie auch groovy as hell sehr gut rein. „Rainy Pain“ galoppiert ein bisschen finsterer und flotter nach vorne – Kategorie Techno-Tool. „Part Time Shed“ und auch der letzte Titel rocken ohne Höhepunkte im Tribal-Techno-Modus durch. Leider einer der weniger spannenden Releases auf R.A.N.D. (für mich!), aber das Label steht für Qualität und deshalb ziehe ich auf jeden Fall immer die neueste Platte aus dem Fach und höre durch. Oft genug landen die Dinger dann aich auf dem Verkaufstresen. 

Nils‘ Hit: „Hentroduction – Why: Der Chord!


Carlotta Jacobi / Ponygirl – „Surreal Fluctuation EP“ (Synergie)

Von Carlotta Jacobi gab es im Februar noch drei weitere neue Tracks zu entdecken – auf einer Split-EP des Hannoveraner Labels Synergie. Mit der Berliner Producerin Ponygirl hat Jacobi hier auch einen sehr passenden Sidekick erhalten für ihren zunehmend detroit-inspirierteren Sound. Über die schnell getakteten, mächtig kickenden Bassdrums schichtet Carlotta Jacobi auf dieser EP wenige, extrem gut sitzende Sounds. Einfache Sounds, die in ihrem Minimalismus einen starken Sog entfalten. Dazu klassische Claps, scharfe HiHats – mehr Worte braucht es dazu gar nicht. Mein Gefühl ist, dass Carlotta Jacobi immer mehr die Mitte ihres Sounds findet und gerade in ihrem Feinschliff immer mehr Energie losreißt. Und zugleich klare Referenzen in die 1990er zwischen Berlin und Detroit integriert. Sehr treibend, sehr gut.

Jens‘ Hit: „Alla Vet“ – Why: Weil hier noch extra Wärme in dem Energiesog hervorkommt.


Hayter – „Inspector Todd“ (Self-released)

Hier wird es spannend! Hayter ist Teil der Clear Memory Crew und hat uns ein paar kraftvolle Lofi-Electro-Tracks mitgebracht. Der Titeltrack ist super eingängig und verspielt. „Changing Patterns“ hat ein paar traumhaft kaputte Vocoder-Sounds an Bord. Ansonsten einen Haufen abwechlungsreiche Breaks und minimale Veränderungen in den Patterns im Repertoire. Der bissige Synth sägt sich ein deinen Gehörgang. Kurze Verschnaufpause. „In The Meantime“ ist ein bisschen behäbiger, aber nicht weniger fordernd. Eine darke Synth-Line und paar säureartige Sounds prägen den Track. „Give Me The File“ hat dann noch einen Micro-Hymnen-Synth-Break am Start. Absoluter Banger! Der Fall ist dann auch geschlossen nach fünf Tracks. Man möchte gerne fragen, was Hayter als Inspiration diente bei der Produktion der EP. Es muss was mit diesem Inspektor Todd zu tun haben. Diese EP ist lofi, ein bisschen retro, sehr abwechslungsreich und zugleich druckvoll produziert. High quality shit!

Nils‘ Hit: „Give Me The File“ – Why: Absolute Electro Hymne. 

KW 12 – Freitag

Neues Wochenende, neue Tipps – dieses Mal acht Party-Optionen.

frohfroh-Tagestipp //

Elek Panjoli – Flinta* Edition // Elipamanoke // 23:59 – 09:00 Uhr
w/ Shanda, Gvemeacd, DJ Stimula, Keta Perry, Kimya, Luzi, Senta Julien

Die Eli-eigene Reihe Elek Panjoli hostet dieses Mal eine All-Flinta*-Edition. Mit bekannten und geschätzten Leipziger Locals und einigen spannenden Berliner DJs. Unsere Entdeckungen: Shanda aus Hong Kong sowie Gvemeacd und deren treibend-grooviger Techno. Doch es gibt in dieser Nacht auch genrefluide Abzweige in Richtung Trance und Powerhouse.


Außerdem heute //

DUQO & Creme Club Invites Buerro / DUQO, 20:00 – 06:00 Uhr – Leipzig meets Mainz mit zwei Crews, viel deepem House und Electro von Amina & Tuga, Ilkay & Xarb, Jonas Stern & S.Oliver

Ritmo Spumante / Kulturlounge, 23:00 – 08:00 Uhr – Spritzig housy und breaky wird es, wenn Ritmo Spumante den Frühling einläutet. Mit dabei sind Hanna von Godzilla, Lord of Wtf, Mensch Hans, Rotkehl

Tranceform / Garage Ost, 19:00 – 02:00 Uhr – Die Garage Ost hat sich zu einem extrem wichtigen Club- und Social-Space für den Osten entwickelt. Aber auch hier bleiben die aktuellen Herausforderungen nicht vor der Clubtür. Deshalb gibt es heute eine Soli-Nacht mit Trance. Line-up? Secret.

Clubberware x Serum / Absturz, 23:00 – 06:00 Uhr – Zwei Crews bespielen heute den Absturz, mit hypnotischem Techno und wärmendem House. Das Line-up hier: DJ Frostschutz, Sebastian Strootmann, KarlF, Smiley Cyrus b2b Marci K. b2b KafkaX

Brotfabrik Showcase / xxx, 19:00 – xxx Uhr – Die Brotfabrik-Crew bleibt äußerst umtriebig und aktiv. Heute wieder ein Secret-Rave im Osten mit RN86, Nøvae, Riod, Simon Phil.ter, Knete, Rodek, Swen Dufke

Spätikadancen / Spätikatessen, 20:00 – 02:00 Uhr – Dreamy, proggy und melodic House und Techno im Westwerk-Späti mit Buntfink und Kluese

Soft / xxx, 23:00 – 10:00 Uhr – Super smooth, super soft und durchaus slow mäandern die Beats und Chords durch den weiten Westen. Mit dabei bei der neuen Soft-Ausgabe: Duygu, Jaqueline Dior, Gyrl, Kotoe, To Be Honest

KW 12 – Samstag

Sphere Radio-Sounds, dazu viel Trance, Big Room und Gabber – wilder Samstag.

frohfroh-Tagestipp //

Sphere Radio presents: Post Hibernation // Kulturlounge // 21:30 – 05:00 Uhr
w/ Jewelry, E.m.s., Sirius Topic, Sensi.ble, DJ Smooksy, DJ Annita, Depp Blatter, DJ Bisous

Das Leipziger Community-Radio Sphere weckt uns ebenfalls aus dem Winterschlaf und präsentiert eine Welcome-Spring-Nacht voller House-, Jungle- und -Beyond-The-Genres-Sets von einigen Radio-Hosts. Sowohl mit Dance- und Listening-Potenzial. Musikalisch sind die Sphere-Radio-Partys tatsächlich immer gut, stilsicher und divers kuratiert.


Außerdem heute //

Showing / ZiMMT, 19:00 – 21:00 Uhr – Die beiden Künstler:innen Yaand und Urbau sind gerade für eine einwöchige Residency im ZiMMT. Beide entwickeln ein Stück mit experimentellem Sounddesign sowie genreübergreifenden Elementen aus Hyperpop, industriellem Lärm und verräumlichtem Audio – heute gibt es einen musikalischen Schulterblick

Kosmos / Elipamanoke, 23:59 – 09:00 Uhr – Bouncender und rave-geladener Big-Room-Techno mit Fab Massimo, Katzengold, Aio, Adrija, Cøral Negrø

KitschyDænce / DUQO, 22:30 – 11:30 Uhr – Das DUQO gibt nochmals alles und hostet eine extra lange Trance-, Trash- und Rave-Party. Mit dabei Arriba Rima, Aroma Pink, Alina Viktoria, Blaubassbube, Can’t.help.it, DJ Suessmausi, DJ Salatalles, Gac00n, Isosportler, J<3SS, Minthril, M4schino, Sacid, Technoraupe, Yannick Weineick

Tanzmanie / Garage Ost, 19:00 – 03:00 Uhr – Und nochmals funny Edits und Trance mit etwas Techno von Meta Tronic und Ryan Ghosting

xxx / 360 Grad Waschbar, 22:00 – 03:00 Uhr – Die Waschbar mag es gerade etwas härter: Mekronikal und Ericsson Sky lassen die Georg-Schwarz-Straße mit Hard Techno, Hardcore und Gabber beben

KW 12 – Sonntag

Da geht noch was, da geht noch was – zwei Sonntagstipps.

frohfroh-Tagestipp //

Sonntagstratsch x Aroma+ // DUQO // 12:00 – 23:59 Uhr
w/ Carlo Bonanza, Daniel Hauser, Kataya, Kluntje, Mp.ulle, Poppy

Direkt im fließenden Wechsel nach dem langen KitschyDænce startet mittags im DUQO der Sonntagstratsch – dieses Mal mit Support der Aroma+-Crew aus Jena, Leipzig und Berlin. Und das bedeutet nochmals ein hohes Powerlevel an ebenso pushendem wie herzöffnendem House sowie einigen Trance-Schlenkern. Nebenbei eine der letzten Events im DUQO – also nicht verpassen.


Außerdem heute //

The After / Garage Ost, 12:00 – 21:00 Uhr – Spannend zu sehen, wie die Garage Ost immer mehr Club-Veranstaltungen hostet. Heute sogar eine klassische Afterhour-Party mit melodisch-deepem Tech House von Emphox, Tom Pavicich b2b Oulcan, Emeveka

Premiere: New In Radio

Mit unserer New-In-Rubrik besprechen wir regelmäßig wichtige und spannende Electronic-Releases aus Leipzig. Ab sofort könnt ihr uns dabei auch zuhören – wir starten ein Radio-Format.

Wer frohfroh schon etwas länger verfolgt, wird wissen, das „New In“ mittlerweile unsere zentrale Rubrik ist, um neue elektronische Musik aus Leipzig kennenzulernen. Aktuell teile ich mich mit David und Nils in die Auswahl und die Texte rein. Anschließend hört sich jeder durch seine Auswahl und bespricht sie.

Wir hatten aber auch große Lust, gemeinsam über ausgewählte Releases zu sprechen. Und here we go: Unsere Pilotfolge ist fertig und kann direkt hier gehört werden:

New In Radio – das Konzept

Wir wollen kompakt in einer Stunde einen Überblick zu aktuellen Leipzig-Releasess bieten, bei dem wir gemeinsam unsere Gedanken und Eindrücke äußern und ihr einzelne Tracks auch direkt hören können. Klassisches Musikradio, nichts Neues, aber etwas, das uns noch immer abholt, weil es Empfehlungen und Neuentdeckungen abseits von Algorithmen ermöglicht.

Jede Ausgabe vom New In Radio teilt sich in zwei Teile: Es geht los mit einem Free Dive, bei dem wir in kurzer Folge mehrere Releases vorstellen. Später folgt ein Deep Dive, in dem wir einem Release etwas intensiver widmen – mit mehr Wortanteil und mehreren Tracks. Und am Ende gibt es noch eine Überraschungsrubrik, die wir jetzt aber noch nicht verraten. Hört einfach rein.

Bei der Pilotfolge haben wir die Stunde schon mal um 17 Minuten gerissen, aber wir sind dran! Hier ist die Tracklist:

1. Iglo – „Neverplace“
2. Sonnenstadt – „Marmara Station“
3. DJ Balduin – „Andever“
4. Elme – „Dyn“
5. Carlotta Jacobi – „Between Two Stools“
6. Notsch – „197“
7. Iglo – „Recovery“
8. Iglo  – „Introsprection“
9. Iglo – „Dispersity“
10. „xxx“


Credit: Robert Gemmel

An dieser Stelle auch ein herzliches Danke an Lisa Zwinzscher alias Pony Pracht für das Leihen ihrer KI-Stimme für unsere Jingles. Was es damit auf sich hat, erzählt sie selbst:

„Meine KI-Stimme ist Wegbegleiterin, die vor nichts zurückschreckt – vielseitig, wandelbar, unendlich ausdauernd und berechenbar. Eine Erweiterung meiner selbst.“

Zwischen Hype und Verdrängung – ein Blick in Leipzigs erste Clubstudie

Anfang Februar erschien eine erste Studie, die die Wertschöpfung und die Herausforderungen der Leipziger Club- und Livemusik-Szene mit validen Zahlen darstellt. Wir haben uns das spannende Dokument einmal genauer angeschaut – hier sind unsere zentralen Erkenntnisse.

Leipzig hat sich mit seiner lebendigen Clubkultur einen festen Platz in der elektronischen Musikszene erarbeitet. Doch ob das so bleibt, ist ungewiss. Die zahlreichen Schließungen von Clubs und Kulturorten in den vergangenen Jahren zeigen deutlich: Die Clubkultur steht unter Druck. Dies verdeutlicht auch die aktuelle Studie zur Lage der Clubs und Livemusikspielstätten (CLIV) in Leipzig, welche von der Stadt Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Nachtrat, dem LiveKommbinat durchgeführt wurde. Dieser Artikel gibt Einblicke in die umfassenden Ergebnisse der CLIV-Studie und nimmt dabei in den Fokus, wo Leipzigs Clubszene derzeit steht und welche Zukunftsperspektiven sich abzeichnen. Eines macht die Studie dabei unmissverständlich klar: Wir haben viel zu verlieren, wenn nicht gemeinsam gehandelt wird.

Clubs- und Livespielstätten: Wo sie heute stehen und warum wir und die Stadt sie brauchen

Die CLIV-Studie, deren Ergebnisse im Februar 2025 veröffentlicht wurden und die im Jahr 2024 durchgeführt wurde, beleuchtet die Vielfalt der Leipziger Nachtkultur. Die 129 befragten Spielstätten repräsentieren ein breites Spektrum an Musikkultur: Neben den 21 Clubs zählen dazu 47 Musikbars, 18 Musikspielstätten, 23 Offspaces und 20 soziokulturelle Zentren. Diese Orte sind weit mehr als nur Veranstaltungsräume – sie sind soziale und kulturelle Knotenpunkte, die Leipzigs Identität prägen. Sie fördern Nachwuchskünstler:innen, bieten Raum für subkulturelle Szenen und tragen maßgeblich zur Attraktivität der Stadt bei, auch für den Tourismus. Doch die CLIV-Studie nimmt nicht nur die kulturelle, sondern auch die wirtschaftliche Bedeutung dieser Spielstätten in den Blick: Jährlich generieren sie einen Umsatz von 47 Millionen Euro, von dem 80 Prozent in der Stadt verbleiben. Insgesamt 2,2 Millionen Menschen besuchen jährlich Konzerte, Partys und andere Veranstaltungen. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen bleibt die Zukunft vieler Locations ungewiss. In den letzten Jahren mussten bereits die das Mjut, das IfZ und bald auch das DUQO schließen – und die Distillery braucht deutlich länger, um an anderer Location neu zu starten. Doch warum geraten immer mehr Leipziger Clubs und Musikspielstätten in Existenznot?

Von steigenden Mieten bis hin zu verändertem Feierverhalten

Dass die Gentrifizierung in Leipzig längst angekommen ist, ist kein Geheimnis – ihre Auswirkungen sind vielerorts spürbar. Die CLIV-Studie verdeutlicht aus Sicht der Betreiber:innen, dass steigende Mietpreise für Räumlichkeiten eine zunehmende Belastung darstellen. Doch die Lösung kann nicht darin bestehen, dass Clubs und Kulturorte immer weiter an den Stadtrand gedrängt werden, denn das erschwert den Zugang für Besucher:innen und gefährdet die kulturelle Vielfalt. Zudem zeigt die Studie, dass es entweder an passenden Förderprogrammen fehlt oder dass bürokratische Hürden so hoch sind und/oder der Wettbewerb, um die begrenzten Fördermittel zu groß ist.

Ein weiteres Hindernis sind behördliche Auflagen, etwa zu Lärmschutz, Brandschutz und Barrierefreiheit. Für viele Clubs bedeuten diese Vorschriften hohe Investitionen, die sie finanziell überfordern. Auch die Anforderungen an Sicherheitskonzepte und Awareness-Maßnahmen sind gestiegen, was zusätzlichen Druck erzeugt. Ein entscheidender Pfeiler der die Leipziger Clubszene trägt ist dabei nicht zu vernachlässigen: Das enorme Engagement ehrenamtlicher Helfer:innen. Ganze 66 Prozent der Arbeitsstunden in den Clubs- und Livespielstätten werden ehrenamtlich geleistet und nur 16 Prozent der Tätigkeiten werden in Vollzeit ausgeführt. Ohne diese ehrenamtliche Arbeit könnte die Szene kaum bestehen.

Gleichzeitig verstärkt diese Abhängigkeit die Unsicherheit vieler Clubs. Doch nicht nur die Stadt Leipzig und wirtschaftliche Faktoren drehen an den Stellschrauben der Veränderung – auch ihr Publikum selbst. Die CLIV-Studie hat hierzu über 3.000 Besucher:innen befragt und zeigt: Menschen gehen seltener feiern als vor der Corona-Pandemie. Besonders das jüngere Publikum unter 30 bleibt weniger lange im Club. Statt ausgedehnter Nächte stehen gezieltere Besuche im Vordergrund – viele kommen, um einen bestimmten Headliner zu sehen. Interessanterweise, wird generell als Grund für einen „Nicht-Besuch“ einer Spielstätte nur in 9 Prozent der Fälle zu hohe Kosten angegeben.

Wenn Nachtruhe auf Bass trifft – weitere Herausforderungen

Verschiedene Interessen kollidieren – zwischen Anwohner:innen, Stadtplanung und den Clubs selbst. Ein großer Faktor ist schlichtweg die Lautstärke. Die Studie zeigt, dass Anwohner:innen zunehmend über Lärm und nächtliche Menschenmengen beschweren, während Clubbetreibende um ihre Existenz kämpfen. Gleichzeitig ist die Szene auch aus stadtplanerischer Perspektive unter Druck, indem Flächen für Clubs Wohn- oder Gewerbeprojekten weichen müssen. Auch innerhalb der Szene gibt es Spannungen: Zum einen, weil es nicht immer einfach ist, politische und soziale Verantwortung in einem kollektiv organisierten Betrieb zu integrieren.

Zum anderen unterscheiden sich ideelle und wirtschaftliche Herangehensweisen. Während einige Clubs auf Kommerzialisierung setzen, um finanziell zu überleben, kämpfen andere für den Erhalt der DIY-Kultur. Diese Konflikte machen deutlich: Ohne klare politische Weichenstellungen droht eine weitere Verdrängung der Subkultur, was Leipzigs Status als Musikstadt massiv gefährden würde.

Die Stadt muss handeln

Die CLIV-Studie hat einige Ideen, um die Kultur in Leipzig nachhaltiger zu stabilisieren und zu fördern. Eine dieser Ideen, ist beispielsweise eine sogenannte Kulturschutzzone: Damit Spielstätten nicht dem nächsten schicken Loft-Wohnungsprojekt von Berliner Investoren weichen müssen, ist der Vorschlag räumliche Zonen zu für Kulturprojekte zu etablieren. Weitere Maßnahmen wären langfristige Mietverträge und Förderungen die z. B. guten Schallschutz ermöglichen, um die bereits beschrieben Konflikte zu vermeiden. Ein weiterer Punkt, den die CLIV-Studie hervorhebt, ist die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit mit der Stadt, einer stärkeren politischen Unterstützung und einer besseren Vernetzung der Projekte untereinander.

Zudem müssen Kulturräume in der Stadtplanung mitgedacht werden, anstatt sie lediglich als Störfaktoren zu betrachten. Andernfalls droht Leipzig ein herber Verlust an kulturellen Quellen und wichtigen Begegnungsorten. Es bleibt zu hoffen, dass diese Ergebnisse einen Anstoß für politisches Handeln geben und die Stadt Leipzig sich das Bewahren und nachhaltige fördern der Nachtkultur zu Herzen nimmt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Ergebnisse politische Impulse setzen und die Stadt Leipzig die Nachtkultur langfristig erhält und gezielt fördert.

Für weitere Informationen und Ergebnisse der CLIV-Studie könnt ihr gerne in der offiziellen Broschüre nachlesen.

KW 11 – Freitag

Das Electric Island startet seinen langen Birthday-Rave – doch es gibt noch acht weitere Tipps für diesen KW 11-Freitag.

frohfroh-Tagestipp //

20 Yrs Electric Island // Conne Island // 19:00 – xxx Uhr
w/ 50phie, Ateq, Bender, Dahmar, DJ Hefeweizen, DJ Rijkaard, Dyscotheque, Filburt, HAL, Håstad, HW Rhapsody, John Minus Plus, Letkidbe, Lux, Neele, Perm, Philipp Rmke, Polo, Resom, Scherbert, Steffen Bennemann, Werner Benzo 

20 Jahre Electric Island, wow. Wir können uns nur wiederholen – eine der prägendsten Leipziger Partyreihen der letzten zwei Jahrzehnte für House und Techno feiert großes Jubiläum. Mit einem Sektempfang und einer kleiner Foto- und Sound-Ausstellung am Anfang und später einem langen langen Rave bis in die Sonntagnacht hinein. Nachts im großen Saal, tagsüber im Café. Musikalisch treffen hier verschiedene Generationen und House-/Techno-Nuancen der letzten 20 Jahre aufeinander. Große Gefühle garantiert!

Checkt auch unbedingt unseren aktuellen Hey-Hey-Podcast. Dort gibt es ein Interview mit zwei Akteur:innen aus der Electric-Island-Orga.


Außerdem heute //

Rude x Spätshobbe / DUQO, 20:00 – 05:00 Uhr – Ein letztes Mal Rude im DUQO, da dürfte noch einmal eine volle Ladung contemporary Bass, Breaks und Bounce den Floor befeuern. Mit dabei sind Cheetah, DJ Luiser, Frau Pau, Shamzy, Sophiise b2b Zipperclit, Yowlandi

Stolen Money Invites Wellenwandler / xxx, 22:00 – 07:00 Uhr – Das Leipziger Wellenwandler-Kollektiv lädt in einen Mockauer Keller ein – mit Bachstelzen-Support, Techno und Trance von Buzz Lightyear, SFTI, Bodenplatte DJ Team, Thomas Heinrich, Zarathustra

Rave 2 Save – Feiern für den Regenwald / Garage Ost, 20:00 – 02:00 Uhr – Der Junglehelp e. V. veranstaltet sein zweites Charity-Event. Die Tür-Einnahmen fließen dann in Schutzprogramme für den Regenwald in Sumatra. Musikalisch wird es wild mit Trance, Hardcore, Edits und mehr von Styne x Mansiehtsichmal, DJ Spinello, Whipitclipit

Straight Outta Schacht Juicy Pre-Party / Elipamanoke, 23:59 – 10:00 Uhr – Vorgeschmack auf das Juicy-Festival im Mai in den Pittlerwerken. Bei der Pre-Party gibt es auch den juicy Mix aus Drum & Bass, Tek, Hardcore, Trance und Techno. Mit Headliner Paraçek sowie RaverPik, Anne-Lu, Pavelo Promillo, Giorgio Inkasso, Mercuriar, Ksar, A_Chaos, Schköff, Qvalle, Snarecrow, Abelyn, Mind:freqnz, Unknown, Mondenkind, Mc_Lovin live Set

Nosponsor//:NoLimit / Absturz, 23:00 – 06:00 Uhr – Die Nosponsor-Crew macht es sich im Absturz gemütlich bei Techno, House, Trance und Rave mit Richard Brook, Kaskoe, Ernst Bremer, Matchbyrne

Bermooda Breakz / xxx, 22:00 – 06:00 Uhr – Schön kuratierte Dub-, Dubstep- und Jungle-Party im Westen. Mit Phuture-T aus Amsterdam sowie Dub Isotype, Not For Human Consumption, Mr Pennerswagger, Lony Mu, Ave FM, Yoru, Barbnerdy, Pfx

Schutt und Asche / Ilses Erika, 23:00 – 06:00 Uhr – Zwischen finster und psychedelisch, aber auf jeden Fall rasend schnell. Meyhartt, Tram To Moon, Keno, DJ Babanatz legen die Ilse in Schutt …

The Cosmic Progress / Neues Schauspiel, 21:30 – 05:00 Uhr – Deep, tribal und proggy eröffnen Nok!a und Lego ihren cosmic progress

KW 11 – Samstag

Heute wird erst über die Herausforderungen der Leipziger Clubkultur diskutiert und später bewiesen, dass sie weiterhin äußerst vital ist.

frohfroh-Tagestipp //

KeinKollektiv x DUQO // DUQO // 19:00 – 06:00 Uhr
w/ tba 

Wie schon berichtet, schließt das DUQO Ende März. Nach dem IfZ ein weiterer trauriger Moment für die Leipziger Clubkultur. Das KeinKollektiv aus Leipzig organisiert deshalb heute einen Abend zum Thema „Clubsterben“ – obwohl niemand mehr das Wort hören kann 😉 Und obwohl die lokale Clubszene bislang nichts an ihrer Vitalität eingebüßt hat. Dennoch ist die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen für Clubs richtig und wichtig. Der Abend geht los mit Einblicken in die Club-Leipziger Studie 2024 sowie mit Erfahrungen von DJs, unabhängigen Veranstalter:innen und nicht-kommerziellen Kulturzentren.

21 Uhr beginnt dann eine Podiumsdiskussion mit Jörg Kosinski (Vorstand LiveKommbinat Leipzig e. V.), Nils Fischer (Fachbeauftragter für Nachtkultur Leipzig), Michael Ziegenhorn (Mitbegründer Leipziger Kulturmesse) und Markus Ohm (Geschäftsführer TixForGigs). Danach heißt es dann: Party gegen das Clubsterben.


Außerdem heute //

Mnemonics Workshop Tape Release / Vary, 19:00 – 22:00 Uhr – Das wunderbare Label Workshop Records veröffentlicht ein neues Tape des Experimental-Projekts Mnemonics. Zum Record Release kommen Mix Mup & Lowtec & Kassem Mosse sowie Lino Rex mit ihren Platten

Superpamanoke / Elipamanoke, 23:59 – 09:00 Uhr – Tresor-Resident Carmen Electro ist mit ihrem bouncy-trancy Techno zu erleben. Dazu passender Local-Support von Red Harmony, Itsadisasta, Splinter, Slany, DJ Tudor, Stigmatique

Xcuseme / Neue Welle, 22:00 – 06:00 Uhr – Ungewohnt düster, hart und industriell wird es heute Nacht in der Welle. Mit Bigalke, Atalanta, Ambroxan, Krahner, Juro und mehreren Visuals-Artists

Raubbau / 360 Grad Waschbar, 22:00 – 03:00 Uhr – Auch in der Waschbar ist heute ein etwas schnellerer und technoiderer Waschgang eingestellt. Mit dabei Cornichon, Lenka, Emma Ro.zn

20 Yrs Electric Island / Conne Island, 00:00 – xxx Uhr – Und klar, Electric Island läuft und läuft und läuft noch weiter …

Hey Hey – Im Talk zu 20 Jahre Electric Island

In diesem März feiert die Electric-Island-Reihe ihren 20. Geburtstag. In unserem Hey-Hey-Podcast blicken wir mit zwei aktuellen Akteur:innen des Orga-Teams zurück und nach vorn.

Electric Island ist ohne jeden Zweifel eine der prägendsten Leipziger Partyreihen für Techno und House der Nuller und Zehner Jahre. Als am 10. Dezember 2004 die erste Ausgabe stattfand, war das keineswegs vorauszuschauen. Das Conne Island war zu diesem Zeitpunkt kaum noch in touch mit elektronischer Musik, nachdem es in den Neunzigern viele wegweisende Partys gab. Doch die DIY-Leichtigkeit und der kleine Rahmen mit ausschließlich lokal besetzten Line-ups von Electric Island traf schnell einen Nerv in der Stadt. „Nothing can come close to this familiar feeling“, beschrieb schon damals sehr treffend den irgendwie intimen und angenehm pulsierenden Vibe dieser jungen Reihe.

Später öffnete sich Electric Island immer mehr für internationale Bookings öffnete und holte tatsächlich viele wichtige, stilprägende Acts nach Leipzig – Scuba, Efdemin, Lawrence, Alex Smoke, Margaret Dygas, Redshape, Shinedoe, Roman Flügel und Helena Hauff. Auf der Conne-Island-Website lassen sich alle Partys der letzten 20 Jahre noch einmal nachlesen – mit jeder Menge Nostalgie für alle, die in dieser Zeit selbst öft dort Gast waren. In den letzten Jahren ist es ruhiger um die Reihe geworden. Die Leipziger Clubkultur hat sich weiterentwickelt und auch im Island rückte das Thema elektronische Musik erstmal in den Hintergrund. Sicher auch, weil der Hype um Electric Island mit einigen Herausforderungen einher ging.

Über ein paar dieser Entwicklungen und Themen sprechen Neele und Max vom aktuellen Orga- und Booking-Team des Electric Island in unserem Hey-Hey-Podcast. In einer kompakten halben Stunden schauen sie zurück und erzählen, was euch bei der großen 20-Jahre-Party am 14. und 15. März erwarten wird. Viel Spaß beim Hören:

Die Hardfacts zu 20 Years Electric Island:

14. / 15. März 2025
28 h-Rave im Saal und Café
Electric-Island-Fotos von Martin Lovekosi und eine akustische Ausstellung von R!ke

Sets von:
50phie | Ateq | Bender | Dahmar | DJ Hefeweizen | DJ Rijkaard | Dyscotheque | Filburt | HAL | Håstad | HW Rhapsody | John Minus Plus | Letkidbe | Lux | Neele | Perm | Philipp Rmke | Polo | Resom | Scherbert | Steffen Bennemann | Werner Benzo

Noch ein weiterer Hörtipp: Auch Anja von Radio Blau hat ein spannendes Interview zu 20 Jahre Electric Island geführt – mit nochmals vier anderen Crew-Personen. Unbedingt reinhören.

Pink-Cloud-Kollektiv: Die neue Art zu feiern?

Rave und Konsum gehören untrennbar zusammen. Wirklich? Das Leipziger Pink-Cloud-Kollektiv schafft seit einigen Monaten einen spannenden Gegenentwurf – und der scheint zu funktionieren. Wir stellen das Kollektiv und seine Gedanken näher vor.

Seit meiner späten Jugend komme ich regelmäßig in Kontakt mit Alkohol, Zigaretten und anderen Substanzen – vor allem beim Feiern. So geht es sicherlich nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Menschen der aktuellen Partyszene. Es gibt viele Gründe dafür: soziale Zugehörigkeit, ein erhöhtes Selbstbewusstsein, die Flucht aus dem alltäglichen Stress, aber auch die Ritualisierung – das Denken, dass es eben einfach dazugehört. Doch so normal es auch scheint, gibt es genauso viele Gründe, dies nicht zu tun: keine Kater, keine „Hanxiety“, die eigene mentale und körperliche Gesundheit, keine Gefahr des Kontrollverlusts und so weiter. Wäre da nicht der soziale Druck und das Gefühl, als einzige nüchterne Person einsam zu sein. Um herauszufinden, ob und wie nüchternes Feiern möglich ist, durfte ich mir einige Fragen vom Pink-Cloud-Kollektiv beantworten lassen.

Ein neues Bewusstsein

Von Beginn meiner Recherche an, konnte ich feststellen, dass ich nicht allein bin mit meinen Gedanken und Fragen zum Thema Drogenkonsum und Feiern. Bereits seit einigen Jahren suchen immer mehr Menschen nach Möglichkeiten, nüchtern feiern zu gehen – in Räumen, in denen dies normal und sogar erwünscht ist. „Sober Raving“ oder „Conscious Clubbing“ sind wachsende Trends. So rief Gideon Bellin bereits 2016 die Initiative „Sober Sensation“ ins Leben, ein alternatives Partykonzept in Berlin, das auf jegliche Form von Drogen verzichtet und auf das „natürliche High“ des Partymachens baut. Neben dieser Initiative entstanden in den letzten Jahren immer mehr Organisationen und Kollektive, die das Nüchternsein in den Mittelpunkt ihrer Arbeit rücken – so auch das Pink-Cloud-Kollektiv.

Das Kollektiv

Pink Cloud gibt es seit Februar 2024. Der Name stammt aus der Sober-Community und beschreibt den Zustand von Leichtigkeit und Klarheit, welcher mit der Unabhängigkeit von Substanzen einhergehen kann. Das Kollektiv selbst bezeichnet sich als bunten Haufen von Menschen mit viel Bezug zur Clubszene. So arbeiteten sie vor Gründung des Kollektivs jahrelang selbst in Clubs, auf Festivals, in Bars oder an der Technik. Einige machen selbst Musik, andere sind Kunst- und Mediengestalter:innen und wieder andere bringen Erfahrungen aus selbstverwalteten Räumen mit. Im frohfroh-Interview sagen sie: „Die Idee entstand aus unserer eigenen Erfahrung mit Recovery und der Erkenntnis, wie herausfordernd es sein kann, feiern zu gehen und Menschen kennenzulernen, wenn die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Alkohol und anderen Drogen eine Hürde darstellt.“ Da es kaum Räume gab, die frei von Konsumdruck waren, beschlossen sie, diese selbst zu schaffen – und gründeten das Kollektiv. Das Ziel ist es zu zeigen, dass Feiern und Verbindung auch ohne Rausch funktionieren – ohne das Risiko schädlichen Konsums oder konsumbedingten, grenzüberschreitenden Verhaltens. Mit einigen Vorerfahrungen, aber auch viel Learning-by-doing veranstalteten sie ihre erste Party im September 2024, wobei sich diese aus einer offenen Bühne, Lesung, Konzerten und DJ, also einem bunten Programm zusammensetzte.

Mehr als nur Feiern: Eine Bewegung, die wächst

Auch das Pink-Cloud-Kollektiv bestätigt, dass das Bedürfnis nach alternativen Partymöglichkeiten wächst. Viele erkennen die Schattenseiten des Drogenkonsums – sowohl körperlich als auch geistig – und gleichzeitig die Vorteile des Nüchternbleibens. Es ermöglicht echte Begegnungen, klare Erinnerungen, bewusste Erfahrungen und mehr Selbstbestimmung. Zudem reduziert es das Risiko von Gewalt oder grenzüberschreitendem Verhalten und erschafft Räume, die sich sicherer anfühlen.

Doch es geht nicht nur um das direkte Umfeld. So argumentiert Pink-Cloud im Interview mit uns: „Am nächsten Tag fühlt man sich fitter und emotional stabiler – was besonders wichtig ist, wenn wir in diesen Tagen die Kapazitäten brauchen, um für gerechtere Strukturen zu kämpfen. Gleichzeitig sind Verbindung und Gemeinschaft starke Werkzeuge, um ungerechten Verhältnissen etwas entgegenzusetzen. Auch deshalb schaffen wir diese Räume.“

Feiern ohne Rausch?

Während das Kollektiv selbst fest davon überzeugt ist, dass dies möglich und erfüllend ist, bestätigte dies, laut Pink-Cloud, auch die Resonanz nach den ersten Partys: „Viele Menschen haben uns gesagt, dass sie genau so einen Raum gebraucht haben.“ Einige erlebten zum ersten Mal nüchtern eine Party und waren überrascht, wie intensiv sie die Musik und die Atmosphäre wahrnahmen. Das Kollektiv beobachtete, dass es zwar etwas länger dauert, bis alle aufgetaut sind, sich die Atmosphäre dann aber schnell zu einer ausgelassenen, entspannten und kreativen Energie entwickelt.

Doch es gibt auch kritische Stimmen – etwa von Menschen, die Alkohol nicht als Droge sehen, sich durch solche Veranstaltungen bevormundet, verurteilt, oder durch den Fokus auf Nüchternheit ausgeschlossen fühlen. Viele Menschen sagen, dass Feiern ohne Alkohol keinen Spaß mache oder meinen, dass Feiern und Substanzkonsum untrennbar zusammengehören. Das Kollektiv reagiert darauf mit Aufklärungsarbeit und Gesprächen über die Notwendigkeit kompromissloser Safer Spaces. Sie sagen im Interview:

„Es geht nicht darum, andere zu verurteilen, sondern ein weiteres Angebot innerhalb der Clubkultur zu schaffen.“

In ihren Augen lebt die Clubkultur nicht von Alkohol oder Drogen, sondern vielmehr von der Musik, den Menschen und der gemeinsamen Energie.

Musik, Kunst und Lesungen

Musikalisch setzt das Kollektiv auf eine Mischung aus Raves und Konzerten, veranstaltet aber auch Lesungen, Performances und Installationskunst. Wichtig ist ihnen, dass auch die auftretenden Künstler:innen das Konzept unterstützen und während der Veranstaltung nüchtern bleiben. Des Weiteren erklärten sie: „Wir legen viel Wert darauf, unser Line-up möglichst divers zu gestalten, damit verschiedene Menschen eine Bühne bekommen und sich repräsentiert fühlen.“

Neben den Veranstaltungen spielt auch Aufklärungsarbeit eine große Rolle. Vor allem zu Beginn musste das Kollektiv viel erklären. Trotz der vielfältigen und offenen Leipziger Subkultur war vielen das Konzept Sober-Partys nicht vertraut. Doch die Veranstaltungsorte zeigten sich überraschend offen für das Konzept von Pink Cloud und freuten sich, sie als so junges Kollektiv zu unterstützen.

Was uns erwartet

Die nächste und gleichzeitig vierte Veranstaltung findet am 8. März 2025 in der Conserve Lindenau statt. Nachdem die ersten zwei Stunden für Newcomer:innen reserviert sind, erwartet uns ein Line-up mit DJs, die für tiefgründige und mitreißende Sounds zwischen Techno, Trance und Hardcore stehen. Außerdem gibt es Kunstinstallationen, die Möglichkeit, sich selbst im Artspace kreativ auszuleben sowie alkoholfreie Mocktails und vegane Snacks auf Spendenbasis.

Ein weiteres Highlight: Die Partys starten meist bereits am Nachmittag, sodass auch Menschen mit Kindern daran teilhaben können. Doch auch neben den Partys will das Kollektiv in Zukunft verschiedene Veranstaltungen anbieten: Workshops und Diskussionsformate sollen das Thema Sober Spaces breiter aufstellen und Menschen dazu ermutigen, sich mit ihrem Konsumverhalten auseinanderzusetzen und alternative soziale Räume zu gestalten. Sie werden außerdem beim Recovery-Walk, eine Veranstaltung, organisiert von Menschen mit Suchtgeschichte zur Vernetzung von Betroffenen, Angehörigen, Fachleuten und Interessierten, mitwirken. Dieser findet im September 2025 erstmals in Leipzig statt.

Zur Party? Zur Party!

Nachdem ich mich durch meine Recherche und das Gespräch mit dem Pink-Cloud-Kollektiv erstmals intensiver mit dem Thema Sober Clubbing auseinandergesetzt habe, möchte ich es nun auch selbst erleben. Bisher habe ich mich zu selten getraut einfach nüchtern zu bleiben, doch ich habe das Gefühl durch genau solche Räume, wie sie von Pink Cloud geschaffen werden, wird dies enorm erleichtert. Ich muss keine Angst haben, die einzige nüchterne Person zu sein und den Vibe der anderen nicht zu fühlen und darf mein Selbstbewusstsein im nüchtern tanzen mal wieder herausfordern. Für mich steht fest: Die nächste Party am 8. März werde ich auf jeden Fall besuchen. Ich bin gespannt, wen ich dort treffe.

Pink Cloud auf Instagram / Telegram

Foto-Credits: Pink Cloud

KW 10 – Freitag

Gut gemixt geht es in das nächste Wochenende – hier unsere Tipps für den KW 10-Freitag.

frohfroh-Tagestipp //

Bar & Music Extended with Adjourned + Lärm // DUQO // 20:00 – 06:00 Uhr
w/ Blond Felice, Clarity, DJ Aquaplaning, DJ Hörgerät, Gelato Joe, Splendid Alfonsino + Bela Bertram, Ninette, SubkoØne

Im DUQO ist heute volles Programm: Unten öffnet die Bar schon früh für einen Adjourned-Take-over. Dahinter steckt eine gleichnamige Crew aus München und Leipzig. Mit einem Label und eigenen Party-Reihen vereinen die Adjourned-Residents uplifting-deepen House mit breakigen UK-Einflüssen. Später öffnet oben auch der DUQO-Club für die Lärm-Crew. Dort gibt es dann ein heavy Kontrastprogramm: Peitschender, rasender und industrieller Techno.


Außerdem heute //

FLINTA*-Friday / Sleeve++, 13:00 – 21:00 Uhr – Erster Freitag des Monats heißt im Sleeve++: FLINTA*-Friday. Entspanntes Stöbern und Plattendiggen für FLINTA* plus später mehrere DJ-Sets aus verschiedenen Genres. Dieses Mal dabei: Anka, Goldie Palm, R!ke, Yunyin

Leider 9 / Elipamanoke, 23:59 – 09:00 Uhr – Big-Room-Techno plus Trance, Tech House und Techno mit Fennek, Invaria, Kichererbsenstampf, Langnikel, Mideã, Moto Moto, Poppy

Arttechnology Invites / Absturz, 23:00 – 06:00 Uhr – Mit einem Techno-Trance-Mix gleitet auch der Absturz durch die Nacht. Mit dabei: Elysea, Hypnosta, Hallak, InterStella

KW 10 – Samstag

Gegen patriarchiale Strukturen und übermäßigen Konsum – das sind die Party-Tipps für diesen 8. März.

frohfroh-Tagestipp //

fem*vak – Still Raving Against Patriarchy // Elipamanoke // 23:59 – 09:00 Uhr
w/ Aivee, Anka / Bad:Belle, Clju_2k, Hanï, HoudaFK, Ilovedaddyz, Mi$$ Junia

8. März, Internationaler Frauentag bzw. Feministischer Kampftag + Samstag – sehr passend, dass sich heute mehrere Raves gegen patriarchiale Strukturen auflehnen. Die Aufmerksamkeit ist leider nötiger denn je: Denn die Zahlen zu Gewalt, Hate Speech, Pay Gap und anderen Diskrimierungen gegenüber Frauen – und mit einem erweiterten Blick – queeren Menschen steigen unaufhörlich. Es bleibt ein patriarchialer Clusterfuck. Im Eli veranstaltet deshalb die Leipziger fem*vak-Crew heute eine große Party mit einem energiegeladenen, empowernden, schön diversen Mix durch Techno, Trance, Groove, Breaks, Garage und House. Mit vielen spannenden Local Acts und Mi$$ Junia aus Berlin. Eine gute After-Party zur großen Demo auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz.


Außerdem heute //

Sober Rave / Conserve Lindenau, 19:00 – 01:00 Uhr – Das Pink-Cloud-Kollektiv veranstaltet einen weiteren Sober-Rave. Das heißt: Kein Alkohol, keine anderen Drogen, kein Rauchen, nur Techno, Trance, Hardcore und Fun von Bellanna, Kattastrophe, Hakkepetra und einem Special Guest. Nicht verpassen: Wir stellen das Kollektiv gerade bei uns mit einem Porträt vor.

Sweat Vol. 4 Fem* Strike Edition / xxx, 21:00 – 04:00 Uhr – Auch woanders im Westen gibt es heute eine Fem*Strike-Nacht. Hier mit Trance und EBM von Blaskir, Shallat, DJ BJ, DJ RJ

FLINTA Rave / Garage Ost, 19:00 – 02:00 Uhr – Nach einem feministsichen Brunch und Bingo wird es auch in der Garage Ost lauter – mit House und Trance von DJ Twerking Class, Action Bronko, Julita Just

Space Trance / 360 Grad Waschbar, 22:00 – 03:00 Uhr – Melodic, housy und trancy mit einigen Oldschool-Vibes geht es in der Waschbar zu, mit dabei Bajazo, Niklas Meier, Swen Dufke