Sven Tasnadi „Lost In Chaos“ (Cargo Edition)

Die Nummer 4 für Sven Tasnadi in diesem Jahr. Und nach Ausflügen zu Pokerflat und Ornaments bleibt er mit seiner neuen EP mal wieder in Leipzig bei Cargo Edition.

2009 ist das bisher intensivste Sven Tasnadi-Jahr. Zählt man die beiden Kollaborationen mit Juno6 hinzu, sind in diesem Jahr bisher sechs Platten von Tasnadi erschienen. Die A-Seite kommt erstaunlich deep und entspannt daher, mit dezenten Chords, rollendem Bass, organischer HiHat und einem klassischen US-House-Vibe.

Insgesamt ein sehr rhythmisches Stück, sehr funktional und auf einen sehr homogenen Durchlauf geeicht. Das runtergepitchte Vocal bricht da ein wenig raus, weil es überhaupt nicht nach Detroit klingt. Vielleicht gut, dass Tasnadi sich hier nicht auf zuviel Nähe einlässt. Vielleicht nimmt es dem Track in diesen Moment aber auch die Magie.

„Amour Fou“ irritiert gleich zu Anfang mit einem Sound, bei man sich ständig fragt, ob jemand mit harten Sohlen die Dielen entlangläuft. In seiner Stringenz wird das Klackern aber durchaus sympathisch. Der angzupfte Chord setzt dem viel Wärme entgegen. Die metallischen Percussions, die sich später reinschieben geben dem Track noch einmal eine Wendung in Richtung gedrosseltem und superreduziert interpretierten Rave-Appeal. Das Vocal-Sample müsste nicht sein. Eine gute, wenn auch etwas unauffällige Tasnadi-Platte.

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Throttler / Snaper „Feedback / It’s Not Many“ (Alphacut Records)

Fast ein Jahr nach der letzten Platte meldet sich Alphacut Records zurück. Und wie: jeden Monat soll nun eine neue strikt limitierte Split-12“ erscheinen. Den Beginn machen Throttler und Snaper. Label-Betreiber LXC sagt im Kurzinterview, was es mit der Serie auf sich hat.

Eigentlich steht die Alphacut Nummer 10 noch aus. Allerdings sind noch nicht alle Beiträge zu der Locked Grooves-Compilation zusammen. Und so wird die Katalognummer mal eben übersprungen, um sich einer Serie von monatlichen Split-12“s zu widmen. Was es damit auf sich hat, erklärt LXC.

Wie kommt es, dass jetzt in so regelmäßiger und kurzer Folge Platten rauskommen werden? Bisher waren die Release-Abstände ja von außen betrachtet weitaus größer und unberechenbarer?

2008 war ein wichtiges Jahr für Alphacut. Davor wurde musikalisch und auch im Vertrieb viel ausprobiert. Die Ergebnisse daraus lassen sich in den drei Releases dieses Jahres wiederfinden. Mit Bop und Randomer zum Beispiel haben wir internationale Acts ausgegraben, die mittlerweile ganz groß im Rennen sind.
Viele interessante Produzenten sind auf Alphacut aufmerksam geworden, und so bekommen wir heute bergeweise gute Demos. Ein Großteil des Materials ist so experimentierfreudig, dass es bei den meisten Labels wohl nicht ins Konzept passen würde. Bei uns jedoch werden eben alle diese spannenden Spektren von „Drum&Bass and beyond“ ans Tageslicht gebracht. Es gibt noch eine ganze Menge spannender Künstler, denen wir ein Sprungbrett bieten werden.

Gibt es einen konzeptionellen Ansatz bei der Serie?

Wir wollen wieder zurück zu den Wurzeln des Labels: wenig Zierde, viel Musik, Tracks und Künstler im Fokus. Vor Allem sollen die fitten Stücke so schnell wie möglich in die Clubs und zu den Hörern, das bedeutet kurze Zeitspannen zwischen Signing und Veröffentlichung. Viele Künstler sind es einfach Leid, mehrere Jahre auf ihre Platte zu warten. Es war also klar, dass wir wesentlich öfter verlegen müssen.
Die Auflagen werden auf 100 Stück heruntergeschraubt, um in einem monatlichen Rhythmus arbeiten zu können. Durch den direkten Kontakt zum Schallplattenpresswerk in Leipzig können wir viel schneller und effektiver pressen lassen, und auch die bei Alphacut mittlerweile notorischen Endlosrillen sind wieder mit von der Partie. Eine handgemachte, minimalistische Optik hilft uns beim Break-Even und unterstützt die Direktheit der Präsentation. Trotzdem wirkt das Ganze ziemlich edel. Es wird noch Releases von Macc, Martsman, Dissident, Despot und auch dem Leipziger Myer geben.

Wie lang ist die Serie geplant?

Im Moment ist kein Ende in Sicht. Erstmal sehen, wie die Leute weiterhin reagieren. Die elfte Veröffentlichung mit Throttler und Snaper ist im Grunde schon ausverkauft. Alles läuft also super an und wir haben fertiges Material bis in den kommenden Sommer hinein. Es lohnt sich auf jeden Fall am Ball zu bleiben: Im Winter wird es Platte für Platte immer entspannter, bis es dann in der warmen Jahreszeit wieder richtig zur Sache gehen wird. Da kommt eine ganze Palette an Styles.

In welchen Genres und Bereichen siehst du gerade neue musikalische Höhepunkte?

Aus ganz persönlicher Sicht haben gerade Bassdrums in den letzten Jahren doch sehr an Charme verloren, da geht mehr. Ich bin aber zum Beispiel auch eher so der Jahtari-Typ, Moon Harbour ist einfach nicht meine Tasse Tee. Davon mal abgesehen, kann man sich doch vor spannenden Sounds gar nicht mehr retten. Und das Beste ist ja, dass all die guten Musiker sich mittlerweile auch mal zwischen den Stühlen austoben und gerade dann großartige Nummern zu Tage kommen. Wie die Schubladen heißen, ist doch egal. Microfunk, Skweee oder meinetwegen auch Funky. In Zukunft gibt es jeden Stil nur noch wenige Monate, und somit ist dieses Kategorisieren nur noch ein Schatten der Neunziger. Hoffentlich, demnächst in diesem Kino. Bei mir jedenfalls laufen zum Beispiel gerade absolut reduzierte Ambient-Tracks von Drum & Bass-Künstlern und derbe rockende kellertaugliche Breakbeats von sonst sehr emotionalen Electronica-Bastlern.

Und die Nummer 11? Der Grieche Throttler schickt ziemlich massive Beat-Salven raus, zusätzlich angezerrt von einem mächtig schwingenden Bass, roh und voller unbändiger Energie. Am liebsten ist mir der große Break, der die Tiefe des Tracks richtig hervorschimmern lässt. Auf der B-Seite gibt der Ungar Snaper sein Vinyl-Debüt. Im Gegensatz zur A-Seite stecken hier mehr Funk und mehr Sounddetails dahinter. Zwar pumpt auch hier der Bass und die Beats überschlagen sich, aber irgendwie ist der Track nicht ganz so dark wie der von Throttler.

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Arsen1Computerklub „Gusto EP“ (Break The Surface)

Nach einer kleinen Sommerpause kehrt Break The Surface zurück. Die fünfte EP kommt von Arsen1Computerklub aus Berlin und erweitert dessen Sound-Spektrum.

Arsen1Computerklub ist unter den bisherigen Break The Surface-Artists der Eigenwilligste. Klar geschnittene, klassisch reduzierte Club-Tracks sind ziemlich sicher nicht die Sache des Berliners. Irgendwie ist fast jedem Track eine gewisse Rock-Sozialisation anzuhören. Die Art der Bassläufe, die Gitarrensamples, der Blues und Funk zwischen all den Tönen – da steckt mehr dahinter. Das heißt aber nicht, dass die vier Tracks der neuen „Gusto EP“ aufgeladene Techno-Rock-Hybriden sind. Es ist eher die Art, wie Arsen1Computerklub mit Sounds und Harmonien umgeht. Der Club-Aspekt steht aber trotzdem klar im Mittelpunkt.

„Schweine und Diamanten“ bricht aber doch am deutlichsten aus. Die Gitarre ist voller Western-Appeal, der Beat stakst etwas hölzern nebenher. Schon sehr speziell, aber auch gewöhnungsbedürftig.

„Wombat“ ist da quasi klassisch hoch peitschender Minimal-House, wobei die Beats und der sich steigernde Chord erfrischend schmalbrüstig klingen – also alles andere als die dichte Deepness klassischer House-Tracks. Der Funk und die Leichtigkeit ist aber die Gleiche. Am tollsten ist der letzte Break mit der kurz auftönenden Trompete und dem reduzierten Ausklingen des Tracks.

„Gusto“ hat die schönste Harmonie der ganzen EP. Ein rau klingender, auf und ab schwebender Chord, der den Track sanft nach vorn trägt – irgendwie auch toll, wie er sich im Laufe des Tracks verändert und immer dissonanter wird.

„Wooden Roller“ schließt die EP ab, etwas jazzig mit organischen Sounds sowie einem perkussiven und leichtfüßigen Drive. Vier vielseitige und auch angenehm abwegige Tracks. Arsen1Computerklub bleibt weiter sehr eigen.

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Kitkaliitto „Swamp“ (Kann Records)

Die Jungs von Kann Records zeigen immer deutlicher, dass es ihnen ernst ist mit den nachhaltigen Platten, bei denen die Club-Funktionalität zweitrangig ist. Mit den Finnen Kitkaliitto kramen sie zudem einen echten Geheimtipp hervor.

Kitkaliitto, wer? Die Frage stellt sich fast automatisch, wenn man nicht unbedingt mit der finnischen Musikszene vertraut ist oder ein Auslandsjahr in der dortigen Hauptstadt verbracht hat. Drei Typen aus Helsinki stecken dahinter, sie arbeiten als Musik- und Künstlerkollektiv. Jeder für sich und doch irgendwie auch zusammen. Musik und Visuelles nehmen bei Kitkaliitto eine gleichberechtigte Stellung ein. Dazu gehören auch Produktionen für Filme und Theaterstücke. Und wie kommen Kann Records an diese Typen? Wir fragten nach bei Alexander vom Label:

„Web 2.0 machts möglich… Freundanfrage über Myspace, kurz gegengecheckt und bei den Tracks hängengeblieben … Props dagelassen. Im Februar nach einer goldenen Pudelnacht in Hamburg haben wir dann beschwipst das Million Dollar Signing klar gemacht. Helsinki is hell.“

Schaut man mal auf das Soundcloud-Profil von Kitkaliitto, dann lassen sich dort noch viel mehr Tracks des Trios entdecken. Und beim Durchhören bekommt man ein Gefühl, für deren Sound. Zwischen House, Downbeat und legerem Rock scheint sich bei Kitkaliitto eine höchst produktive Schnittmenge ergeben zu haben. Für ihre erste Platte überhaupt haben sie sich auf drei Tracks beschränkt.

„Moravia“ ist einerseits am klarsten auf House aus. Mit den etwas kitschigen Harmoniebögen, den Orgeln, der live eingespielten Trompete und den Rock-Rhythmen im zweiten Teil driftet das Stück aber doch gehörig ab von dem, was gemeinhin unter House verstanden wird. Das ist ziemlich gewagt und daher auch irgendwie anziehend, aber leider kommt es insgesamt ein bisschen zu brav daher. Ohne die Trompete wäre hier nur halb gewonnen. Im Remix von Sevensol & Bender ist der House-Vibe stärker betont, dadurch bekommt „Moravia“ mehr Drive und durch die Trompete natürlich eine dankbar organische Note.

„House Of Frank Herman“ verzichtet auf den Kitsch und setzt eher auf Gitarren und ein schwebendes Vocal. Alles super entspannt und irgendwie schlüssiger in seiner Zusammensetzung als bei „Moravia“.

„Swamp“ schlägt dann noch mal eine andere Richtung ein – viel cineastischer, mit den Streichern und dem beiläufig swingenden Chor kommt hier die Soundtrack-Schiene von Kitkaliitto durch, wobei das Stück dann im zweiten Teil noch mal ein wenig ausbricht mit wirren Synthesizer-Soli.

Diese Platte braucht definitiv Zeit, dann wächst sie aber schnell über sich heraus. In der Art erinnern die drei Finnen übrigens stark an Kadebostan, der im letzten Jahr auf Freude am Tanzen für Verzückung sorgte. Übrigens gibt es zu „House Of Frank Herman“ auch ein Video. Seht selbst.

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Kleinschmager Audio „Audiology – L.E. Rmxs“ (Rrygular)

Nach dem Kleinschmager Audio-Debüt-Album im Frühjahr nun also die Remixe. Und alles bleibt fest in Leipziger Hand, denn Sven Tasnadi und Marko Fürstenberg durften ran.

Kleinschmager Audio sind ja Minimal-Puristen, allerdings kriegen Jörn Kleinschmager und Niklas Worgt irgendwie immer noch die Kurve in Richtung Deepness. Sven Tasnadi hat sich „Helicotrema“ vorgenommen, einen Track, der im Original verspult und etwas dark nach vorn marschiert. Tasnadi glättet ihn hörbar und verleiht ihm damit einen weniger düsteren Groove. Irgendwie geht diese sachte Hinwendung zu sehr reduziertem House zwar auf, aber insgesamt wirkt der Remix ein wenig hölzern, so als sei das Original noch nicht richtig durchdrungen, um daraus wirklich etwas neues zu gestalten.

„Tuba Auditiva“, dieses leicht orientalisch angehauchte Stück ist eigentlich nicht neu, wurde bisher nur noch nicht auf Vinyl veröffentlicht. Die B-Seite gehört dann komplett Marko Fürstenberg und seiner Neufassung von „Emphasis“. Und was soll man sagen, Fürstenberg hat einfach seinen Sound gefunden: die abgefederten Beats, die tiefen Dub-Delays und der leichte Rave-Appeal. Das ist alles nicht neu und auf zahlreichen Platten vorher dokumentiert. Aber irgendwie kriegt er einen mit dieser Beharrlichkeit und der Deepness immer wieder rum.

Dem Original hat Fürstenberg einfach die schroffen Dubs und Dissonanzen entzogen und sein Sound-Gewand übergeholfen. Das ist eigentlich dreist und mutig zugleich. Was ich aber zugeben muss: Beim ersten Hören der Remix-Platte schlummerte mir die enttäuschte De:Bug-Rezension permanent im Hinterkopf. Bestimmt würde ich die Tracks ohne Bleeds Worte auch noch einmal anders hören.

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Zwitscher! Zwitscher!

Micro Micro. Manche Nachrichten können schnell raus und brauchen nicht viele Worte. Twitter ist bestens für so etwas geeignet und daher steigt frohfroh nun auch ins Microblogging ein.

140 Zeichen, mehr gibt es nicht, um mitzuzwitschern. Beim frohfroh-Twitter sollen aber nicht unsere Gemütszustände oder der Inhalt unserer Kühlschränke im Mittelpunkt stehen, es soll eher eine Ergänzung zu den normalen Artikeln sein. Denn manche Dinge können in einem Satz gesagt oder angekündigt werden – ohne Teaser, Bild und ausschweifende Worte. Um unsere Twitter-Einträge verfolgen zu können, müsst ihr dort einen kostenlosen Account anlegen und Follower werden oder einfach einen RSS-Feed aktivieren.

Der direkte Link zum 140-Zeichen-frohfroh-Glück lautet: http://twitter.com/frohfroh

Mod.Civil „Ghost EP“ (Rotary Cocktail)

Mod.Civil bleiben in Berlin, was ihre Labels angeht. Und sie bleiben im gleichen Label-Umfeld. Nach der Ornaments-Platte folgt nun die „Ghost EP“ auf Rotary Cocktail.

Gerrit Behrens und René Wettig alias Mod.Civil sind die kantigen Melancholiker – In ihren Sounds und Rhythmen durchaus straight und etwas schroff, doch im Prinzip sind ihre Tracks voller leicht eingetrübter Sehnsucht. Vielleicht liegt es auch am erdigen und analogen Grundklang des Duos. Der Titeltrack dieser zweiten EP könnte genauso gut zu Dial Records passen. Eben weil er deren wehmütigen angerauten House-Gestus ebenso überzeugend und unprätentiös aufgreift. Eigentlich sind die Arrangements sehr reduziert gehalten, aber es steckt soviel Wärme darin, dass sich „Ghost“ sofort anschmiegt.

„For Some Reasons“ ist da unerwartet ravig. Obwohl die Detroit-Chords unwiderstehlich sind, steigern sie sich in den Breaks leider einen Tick zu offensichtlich in ihre Rave-Ansage. Im Club wirkt dies sicherlich noch einmal anders. Aber ein wenig schade ist es schon, dass hier die Zurückhaltung fehlt, die „Ghost“ so groß macht.

„Ghost Scream“ ist dann noch ein harter Brocken von gespenstischer Soundmalerei. Denn die knapp drei Minuten klingen tatsächlich wie die Aufnahme einer fiesen Geisterorgie. Eine insgesamt also durchwachsene Platte.

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Digitale Avantgarde in der Sackgasse?

Am 19. September veranstalten die Essential Existence Gallery, das sublab und die Free Software Foundation Europe den „Tag der freien Lizenzen“. Neben einer Ausstellung, einem Workshop und einer Podiumsdiskussion findet auch die erste Leipziger Netaudio-Nacht statt. Grund für uns nach dem Status Quo der Leipziger Netlabels zu fragen.

Die Digitalisierung der letzten Jahre hat einige Turbulenzen ausgelöst. Viele kulturelle und wirtschaftliche Konventionen müssen überdacht werden. Netlabels galten da eine Zeit lang als die Avantgarde der klassischen Musikindustrie, die viel zu lange die Digitalisierung als Bedrohung stigmatisiert hat. Über das Internet veröffentlichen immer mehr Netlabels die Musik von mehr oder weniger bekannten Künstlern kostenlos. Zwar sind die Download-Zahlen teilweise überaus beeindruckend, doch die einfachen Möglichkeiten zum Start eines Netlabels, haben eine Menge Mittelmaß hervorgebracht. Was für eine Zukunft hat diese Alternative also?

Wir fragten Jan Stern, einen der Initiatoren vom „Tag der freien Lizenzen“ zu generellen Aspekten von Netlabels. Anschließend finden sich Statements von Steffen Bennemann und Matthias Kretzschmar, die Betreiber zweier erfolgreicher – mittlerweile aber wieder eingestellter – Leipziger Netlabels.

Worin liegt der Reiz als Musiker oder Label seine Musik zu verschenken?

Da müsste man sich zunächst die Frage stellen, warum jemand Musik macht. Die meisten Musiker würden wohl von sich behaupten, dass sie sich durch Musik ausdrücken. Persönlich hat der Musiker sicher mehr davon, wenn ihm fünf Leute sagen, dass sie seine Musik sehr gut finden und dass sie dadurch berührt werden, als wenn ihm fünf Leute jeweils ohne Statement einfach einen Euro auf sein Konto überweisen.Dennoch ist klar: Der Musiker hat in sein Werk eine Menge Zeit investiert und diese Zeit sollte auch von den Konsumenten honoriert werden.

Mit den heutigen digitalen Möglichkeiten ist es für immer mehr Menschen möglich geworden ohne ein großes Tonstudio elektronische Musik zu produzieren. Gleichzeitig haben die üblichen Vertriebswege über Labels und physische Tonträger durch die MP3-Technologie stark an Einfluss verloren.

Es gibt also einen immens großen Fluss an neuer Musik, die aber nicht unbedingt massenkompatibel genug ist und somit niemals von einem Majorlabel heraus gebracht werden würde. Dennoch gibt es eine Menge Liebhaber, die diese Musik hören möchten und auch bereit sind dafür Geld zu bezahlen. Den Musikern muss man eine Plattform bieten und diese schaffen Netlabels.

Natürlich gibt es auch hier gute und schlechte Beispiele, aber die Maxime eines Netlabels sollte sein, dass es auf Qualität Wert legt und eine entsprechende Filterung für den Konsumenten vornimmt. Die Betreiber sind meistens selbst Musikliebhaber und erwarten für sich recht wenig davon, ein Netlabel zu betreiben. Ihnen geht es wohl eher um die Unterstützung von Musikern, die in ihren Augen mehr Aufmerksamkeit benötigen. Diese Musiker haben dadurch die Möglichkeit recht schnell einige Tausend Leute zu erreichen und wenn nur ein Bruchteil davon die Musik eines solchen Musikers behält und Wert schätzt, hat er schon einen größeren Erfolg erzielt als so manch anderer Musiker, der sein Werk auf Platte veröffentlicht hat.

Diese Konsumenten werden oft zum Fan, verbreiten die Musik weiter, gehen auf Konzerte, kaufen sich T-Shirts und sind auch nicht selten bereit für den Download der MP3s zu zahlen. Im Übrigen bin ich sowieso dafür, dass man dem Kunden die Chance gibt, die Musik kostenlos herunter zu laden und man im Nachhinein dennoch die Möglichkeit hat – über einen unkomplizierten Weg – Geld für die Stücke zu zahlen.

Durch den Vertrieb von kostenlosen MP3s über ein Netlabel werden wohl die Wenigsten reich, aber es kann den Grundstein für so manche Karriere legen und schließt nicht aus, dass der Künstler am Ende Geld an seiner Musik verdient. Generell sollte gute Musik einfach gehört werden und nicht auf den Festplatten der Musiker versauern, und allein darin liegt wohl der Reiz auf einem Netlabel zu veröffentlichen.

Die meisten Netlabels veröffentlichen elektronische Musik, was vermutest du könnte der Grund dafür sein?

Bei akustischer Musik sind einfach noch mehr technische Gegebenheiten erforderlich um z.B. eine Band mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang abzumischen. Diese Voraussetzungen sind oft nur in einem Tonstudio umsetzbar, was wiederum mehr Geld kostet als zu Hause am eigenen Computer Musik zu produzieren. Kostenlos ist auch das nicht und neben einer guten Idee gehört natürlich auch ein gutes technisches Verständnis und entsprechendes Equipment dazu, aber definitiv ist es im elektronischen Sektor einfacher, einen Track fertig zu bekommen.

Sind die Netlabels in ihrer Nische gefangen? Medial findet deren Output kaum Beachtung.

Sicherlich sind sie ein Stück weit darin gefangen, aber das liegt ja auch daran, dass sie sich in der Regel bewusst von anderen Labels mit physischen Tonträgern abgrenzen. Es wird ja ein ganz anderer Musikmarkt bedient. Es sind eben selten massentaugliche Stücke und finden natürlich auch weniger mediale Beachtung. In meinen Augen ist das aber nicht verkehrt, denn es gab auch schon vor dem Internet Musik, die nicht medial relevant war und dennoch ganze Generationen geprägt und begeistert hat und das ist auch gut so.

Die Leipziger Netlabel-Szene ist ja quasi zusammengebrochen bzw. orientiert sich doch wieder an klassischen Verwertungsmöglichkeiten. Haben Netlabels also überhaupt eine Zukunft?

Zur Leipziger Netlabel-Szene kann ich persönlich nicht wirklich viel sagen, da sollte man lieber die (Ex-)Betreiber fragen. Ich kenne nur zum Teil deren Motivation und ihre Geschichte. Aber um – davon abgesehen – ein positives Beispiel anzuführen, führt kein Weg an Jahtari vorbei. Sie haben als Netlabel angefangen und nach dem enormen Feedback beschlossen, neben kostenlosen Downloads auch Vinyl zu vermarkten. Zudem sind Jahtari-Künstler mittlerweile in der ganzen Welt unterwegs und nehmen, neben vielen Erfahrungen, eben auch Geld mit ihrer Musik ein. Ich finde, es gibt hier kein Gut und Böse. Jede Form, egal ob Labelart oder Art des Tonträgers, hat Vor- und Nachteile. Man muss eben nur abwägen, welche Form im entsprechenden Fall am Sinnvollsten ist. Es bringt nichts, sich den Hut der Musikindustrie aufzusetzen und immer wieder das Internet für Umsatzeinbußen verantwortlich zu machen, sondern man muss es nutzen, um neue Geschäftswege zu gehen.


Steffen Bennemann und Mirsch gründeten 2005 das Netlabel 1bit wonder für elektronische Musik im weitesten Sinne. Innerhalb der Netlabel-Szene gehörte 1bit zu den bekanntesten Labels. Im Frühjahr 2008 wurde nach 32 Veröffentlichungen das Ende des Labels bekannt gegeben. Steffen Bennemann erklärt die Gründe die dafür.

1Bit Wonder war ein sehr erfolgreiches Netlabel, warum habt ihr trotzdem damit aufgehört?

Mirsch und ich hatten einfach nicht mehr genügend Zeit, 1bit auf dem gewohnten Level weiter zu führen. Also haben wir uns gesagt: Dann lieber aufhören als nur so halb dran zu bleiben. In diese Entscheidung hat allerdings auch reingespielt, dass wir mit 1bit so ziemlich das Maximum erreicht hatten, was für uns im Bereich des Möglichen lag. Um es dann auf eine noch höhere Stufe zu hieven – z.B. durch Veröffentlichungen auch auf physischen Tonträgern – hätten wir noch mehr Zeit gebraucht als 1bit ohnehin schon verlangt hat und das war natürlich erst recht nicht möglich.

Gab oder gibt es mittlerweile Überlegungen als Digital-Label weiterzumachen? Die Infrastruktur für den Digital-Vertrieb hat sich ja mittlerweile etwas verbessert.

Nein, gibt es nicht. 1bit ist ein Netlabel der alten Schule und „free music“ ist ein elementarer Bestandteil der 1bit-Philosophie. Ganz abgesehen davon halte ich relativ wenig von reinen Digital-Labels, auch wenn das für viele inzwischen eine Option zu sein scheint. Auch eine Entwicklung zum physischen Label ist bei 1bit keine Option, das Kapitel 1bit ist beendet und wird immer als kostenloses Netlabel bestehen bleiben.

Haben Netlabels mit kostenlosen Downloads überhaupt eine Zukunft?

Ich habe immer den Standpunkt vertreten, dass kostenlose Netlabels bei allen Nachteilen, die damit verbunden sind – geringe Reichweite, unüberschaubarer Output, kaum künstlerische Selektion – unbedingt ihre Berechtigung haben. Nicht nur für abseitige Musik, die sich schlecht verkaufen lässt, sondern vorallem auch in ihrer Funktion als „Talentscouts“. Daran ändern auch die inzwischen aufgekommenen Digital-Labels nichts.


Instabil ist das Sub-Label von Statik Entertainment, gestartet 2004 als Netlabel. Im April 2008 stieg das Label dann aber auf kostenpflichtige Downloads um und vertreibt seine Musik nun über verschiedene MP3-Shops. Warum, das erklärt Matthias Kretzschmar, der Betreiber von Statik Entertainment und Instabil.

Was hat dich dazu bewogen, Instabil nicht mehr als Netlabel mit kostenlosen Downloads zu betreiben?

Instabil lag bis 2008 für etwa zwei Jahre auf Eis – doch der Grund ist nicht etwa das Schmieden des Masterplans gewesen, wie man dem Musik-Fan jetzt Geld für die Tracks aus der Tasche ziehen könnte. Es gab einfach andere Prioritäten. Aber die Frage nach dem konzeptionellen Umstieg von einer Creative Commons-Basis zum Bezahl-Download schließt immer irgendwie eine Art Vorwurf ein, den es aus der Welt zu schaffen gilt. Also: ich bin einfach der Meinung, dass das Bemühen des Künstlers und auch unsere Labelarbeit in gewisser Art und Weise gewürdigt werden muss. Zudem hat sich die Netlabel-Szene nicht positiv entwickelt, der Quantität steht nicht ansatzweise die entsprechende Qualität gegenüber. Also ist der kostenpflichtige Download auch eine Art „Filter“ oder Gütesiegel. Und noch eine Bemerkung: wir fahren seit dem Label Re-Launch keine S-Klasse oder wohnen in Villen, unseren Sound gibt es im Bryzant-Shop für schmale 99 cent.

Wie haben sich die Download-Zahlen nach dem Schritt verändert?

Die legalen Downloads sind seit dem System-Umstieg ohne Ausnahme nach unten gegangen. Jede andere Antwort bei solch einem Umstieg wäre mindestens Flunkerei. Aber das ist auch gar nicht die entscheidende Frage: Das Label spielt die Unkosten wieder ein, die Künstler erhalten einen Profit – und das Wichtigste, was auch im Vergleich zu früher geblieben ist: der Künstler erhält durch eine Veröffentlichung auf instabil die entsprechende Reputation.

Wo siehst du Vor- und Nachteile eines reinen Online-Labels, gerade in Hinblick auf deine Erfahrungen mit Statik Entertainment als Vinyl-Label?

Digitale Musik ist die Zukunft – die Möglichkeiten des Downloads zu negieren wäre fatal. Wir befinden uns gerade im Umbruch, die Diskussionen um das Tonträgerformat werden sich in naher Zeit durch ein geändertes Konsumverhalten sowieso erledigen. Dann wird man auch Antworten auf die bisher ungeklärten Fragen gefunden haben, etwa wie man die illegalen Downloads erschwert oder wie eine qualitative Auswahl der Angebote in einem Download-Shop sichergestellt wird. Das beides sind noch Nachteile. Und auch wenn sich meine Antwort gerade wie ein Plädoyer für MP3 & Co liest: die physischen Tonträger werden auch ihren Platz im Markt finden. In welchem Umfang ist offen – es wird sich zeigen, wem die Haptik langfristig wichtiger bleibt als der Komfort der Files. Und die „Macher“ wie Labelchefs oder Plattenladenbesitzer werden sich einer betriebswirtschaftlichen Frage stellen müssen; doch solange es Sammler, Liebhaber und Nerds gibt werden Schallplatten gepresst.

Wie wählst du die Tracks für Instabil und Statik Entertainment aus – also ab wann wird etwas physisch oder digital veröffentlicht?

Nach meinem Musikgeschmack – nur danach! Grundsätzlich könnte jede instabil auch eine Statik Entertainment sein – und umgekehrt. Es erscheinen also nicht die Tracks, die es auf Statik Entertainment „nicht geschafft“ haben, auf instabil. Vinyl ist nicht der unwiderrufliche Maßstab für Qualität.

Die Statik Entertainment-Platten werden auch digital vertrieben, wie sind da deine Erfahrungen?

Sehr sehr gut – die Downloads steigen von Katalognummer zu Katalognummer, während die physischen Verkäufe stagnieren. Und das ist meines Erachtens auch ein Zeichen für den sich schon erwähnten ändernden Umgang mit Musik. Es gibt nicht nur die alten Vinyl-Fans, die sich eine farbige Pressung ins Regal stellen, sondern auch Musikinteressierte der neuen Generation, die ein Statik Entertainment-Release digital kaufen.

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Hopeton Lindo „Rude Boy“ (Jahtari)

Jaja, Jahtari will es wissen. Eine neue Platte nach der anderen. Dieses Mal mit dem vierten Teil der 7“-Maffi-Serie und einem echten Reggae-Klassiker am Mikrofon – Hopeton Lindo.

Mit „Territory“ hat sich Hopeton Lindo 1987 verewigt. Die schönste Anekdote zu dem Klassiker ist, dass er vor jedem Heimspiel der jamaikanischen Fußballmannschaft gespielt wird. Und auf „Rude Boy“ ist diese Versiertheit auch sofort zu hören.

Maffi, der Kopenhagener Riddim-Resident dieser 7“-Serie bietet aber auch ein passendes Fundament. Sehr klassisch einerseits, aber auch mit einem angenehm patinierten Futurismus in den Synthisizerbässen sowie den verhallten Claps. Dann noch die Pfeiffanfaren in als Breaks.

Der „Rude Dub“ von Disrupt betont natürlich die Rave-Momente stärker, mit einem noch präsenteren Bass. Vielleicht klingt es aber auch nur so, weil beim Original die Vocals einfach mehr im Vordergrund stehen. Auf jeden Fall zielt diese 7“ ziemlich unmissverständlich auf den Dancefloor.

Hopeton Lindo Myspace
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Afrikan Simba „Power In The Word“ (Jahtari)

Es ist schon erstaunlich, wie international Jahtari mittlerweile aufgestellt ist. Mit Afrikan Simba greift nun einer der renommiertesten Londoner MC’s zum Mikro um zwei Tracks von Rootah zu veredeln.

Nivai Nduka, aus Nigeria stammend, steckt hinter Afrikan Simba. Und er gehört zu denjenigen Reggae-Dub-Aktivisten in London, die sich nicht einfach nur als MC die Nächte um die Ohren schlagen. Er ist ebenso einer der Betreiber von Großbritanniens erstem offiziell lizenziertem afrikanischen Radio – „The Voice Of Africa“. Und das Label Ayamba geht auch auf seine Kappe.

Auf der ersten Jahtari-Compilation war bereits ein Track mit ihm enthalten. Nun folgt eine ganze EP, produziert von Rootah. „Power Of The Word“ ist von seinem Vibe und dem spirituell aufgeladenen Vocals ziemlich klassisch. Doch hört man genauer auf die Sounds, klingen die alles andere als antiquiert.

Die „Power Version“ ist denn zwar nicht ganz instrumental, aber sie entwickelt einen weitaus fließenderen Flow, fast schon treibend. Irgendwie emanzipiert sich die Version auch mehr vom Roots-Sound. Vielleicht klingt sie deshalb auch etwas crisper. Das gilt auch für „Protect I“. Bei den Stücken von Rootah wird ziemlich deutlich, dass er zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart des Dubs vermitteln möchte. Und er hat da eine tolle Mitte gefunden.

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Neu! Neu! Mottt.fm auf frohfroh

Leipzig Subculture Radio – Mottt.fm macht Leipzigs Clubszenen via Internet auch zu Hause hörbar. Den ganzen Tag werden Sets von hiesigen DJs und Live-Acts übertragen, teilweise sogar live von Partys. Ab jetzt lässt sich der Player auch von frohfroh aus öffnen.

Mottt.org und Mottt.fm, was so gleich klingt, sind doch zwei verschiedene Projekte. Während der 2005 gegründete Mottt e.V. eine Party-Plattform für neue, noch unbekannte Producer und DJs ist, konzentriert sich Mottt.fm auf Internetradio mit Musik aus Leipzig bzw. von Leipzigern. Entstanden ist das Radio-Format dennoch aus dem Verein. Anfangs wurden über Mottt.org DJ-Mixe zum Herunterladen angeboten und gern angenommen.

Allerdings ist der Traffic und die Lizenzierung eines solchen Angebots nicht zu unterschätzen. Und so wollte der Verein sich nicht am Aufbau eines Stream-Online-Radios beteiligen. Insofern ist Mottt.fm heute das Liebhaberprojekt einiger Mottt-Mitglieder. Zusammen mit dem Global German Radio Network als technischer Partner startete Mottt.fm im März 2008 und bietet an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr elektronische Musik mit einem Leipziger Background. Rund 15 Leute kümmern sich um den Betrieb und übernehmen die Kosten. Obwohl die Nutzerzahlen des Mottt.fm-Programms stetig steigen, bleibt das Projekt getragen vom Idealismus der Beteiligten.

Eine tolle Sache finden wir. Und wir freuen uns den Mottt.fm-Player jetzt auch von frohfroh aus anbieten zu können. Einfach den Banner in der rechten Spalte anklicken und es öffnet sich ein Flash-Player in einem kleinen Pop-Up-Fenster. Alternativ lässt sich der Stream auch bei iTunes & Co einladen.

Mottt.fm Website
Mottt.fm Link für MP3-Stream
Mottt.fm Link für OGG-Stream

Juno6 „Oh Jemine“ (Oh!Yeah!)

Nun ist der Einstand von Oh!Yeah! perfekt. Mit Stefan Schultz alias Juno6 veröffentlicht auch der dritte Betreiber des Liebhaber-Labels seine EP. Eine durchaus euphorische.

Für Juno6 läuft es gerade ziemlich gut: Auf der Nachtdigital-Mainstage spielte er zu guter Stunde ein treibendes House-Set, kurz davor erschien eine EP bei Freude am Tanzen. Als Verfechter der echten, analogen Klanggeräte genießt er auch schon fast einen Exoten-Bonus. Nicht nur live, auch seine Tracks tragen den Charme des Unmittelbaren, des etwas rauen Klangs und der Freude am Knöpfchendrehen.

„Oh Yeah“ könnte quasi als Label-Hymne angesehen werden, die den Geist des Labels nochmals explizit macht. Hier machen drei Freunde ihr Ding, und klar schauen sie, was auf dem Dancefloor geht, aber es ist mehr als das. Der Track beginnt komplett rhythmisch und trotzdem da schon sehr dicht. Am tollsten sind die Momente, wenn sich die reduzierten Percussions ganz kurz im Delay verfangen.

Später kristallisiert der Track verschiedene Gesichter heraus: anfangs sehr deep, dann mit reduziertem Funk und spätestens mit den „Oh Yeah“-Ausrufen erreicht er seinen Höhepunkt. Zwischen den Tönen schimmert sogar Jazz heraus, eher latent und in der Art, wie mit den Tönen umgegangen wird. Es bleibt aber ein froh vorantanzender House-Track mit Ecken und Kanten – und das über 11 Minuten hinweg.

„Dead Cities“ ist da weitaus zurückhaltender und ruhiger. Andererseits baut er eine permanent schwelende Spannung auf, die sich nicht so recht entladen mag. Besonders gelungen sind die zum Chor verdichteten Vocals, die den Track eine elegische Grundstimmung verpassen, die auch schnell ins Pathetische abdriften könnte. Aber Juno6 setzt sie sehr dezent ein und konzentriert sich eher auf die magische Spannung.

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