Roots-Pop mit Knistern

Circuit-Roots-Pop sagt Jahtari zur Musik von Illyah & ltd. Candy. Schaltkreis-Pop also, bei dem das elektrische Knistern noch zu hören ist. Und dieser ungeschliffene Pop-Appeal macht den Sound der beiden aus. Ein Porträt.

Dub aus Leipzig, für die Puristen des Genres wahrscheinlich nicht der Rede wert. Aber mit Jahtari und den Leipziger Acts Disrupt, Rootah sowie Illyah & ltd. Candy wächst gerade ein Label aus den Netaudio-Kinderschuhen heraus, das die Roots tief im Herzen trägt und sie zugleich revolutioniert. Anstatt Studios voller antiquierter Klanggeräte, reicht den Musikern zumeist ein Computer. Und so ist deren Sound zwar deutlich elektronischer, der Dub-Vibe bleibt aber erhalten. Illyah & ltd. Candy bringen zudem noch Pop ins Spiel.

Vier Tracks hat das Leipziger Duo bislang veröffentlicht, derart viel versprechende, dass ein Album eigentlich wünschenswert wäre. Aber Florian und Beata, die beiden Köpfe hinter Illyah & ltd. Candy, lassen sich von der Underground-Euphorie, die nach ihrer ersten Net-EP im Frühjahr 2007 ausging, nicht aus der Ruhe bringen. Musik ist für sie ein Hobby, wenn auch eins mit hohen Ansprüchen und einer Menge Ambition. Aber bei zwei Kindern, einer Promotion und einer Museumspädagogik-Stelle am Bauhaus ist Musik nur ein Punkt in der Prioritätenliste.

Roots-Treue versus Roots-Verrat

Vor zwölf Jahren trafen sie in Leipzig aufeinander, er gebürtiger Würzburger, sie aus Chemnitz. Und obwohl die musikalischen Vorlieben auseinander gingen, fanden sie im Roots einen gemeinsamen Nenner. Florian probierte sich schon Mitte der Neunziger mit seinem Amiga und dem darauf installierten FastTracker aus. Musikalisch war er dabei nicht allzu fest gelegt. Zusammen mit Beata entstanden unter dem Namen Toke Vamos Downbeat-Tracks, aber auch einige Sachen mit Offbeat. Die schickten sie irgendwann zu Jan Gleichmar alias Disrupt von Jahtari. „Ich wusste erst gar nicht, dass das ein Leipziger Label ist“, so Florian.

Heute sind sie das Poppigste, was Jahtari zu bieten hat, und dass im positiven Sinn. Denn bei Illyah & ltd. Candy mündet der Pop-Appeal keineswegs in geglättete Reggae-Pop-Songs, sondern in recht raue und im Tempo gedrosselte Dub-Tracks, die durch Beatas Gesang etwas sehr Eingängiges bekommen. Und etwas sehr Eigenes: Roots-Dub und Reggae wollen sie nicht imitieren. Also singen sie nicht auf Patwa, sondern in Englisch mit Akzent. „Ich finde es nicht schlimm, wenn man hört, dass ich aus Ostdeutschland komme“, sagt Beata. „Dub war damals mit King Tubby und Lee Perry alles andere als eine ethonzentristische Volksmusik, eher Avantgarde. Wenn man sich da heute hinstellt und das einfach nachahmt, verrät das sowohl den ganzen Roots- als auch den experimentellen Gedanken“, sind sich beide einig. Und sie ergänzen: „Wir sind der Sache treu, indem wir sie scheinbar verraten.“

Vor und hinter den Jahtari-Kulissen

Und deshalb sind sie auch bei Jahtari. Nicht nur, weil sie mit ihrem Sound perfekt dort hinpassen, sondern auch weil sie vor Ort etwas bewegen wollen. Beata kümmert sich nebenbei um den Vinyl-Vertrieb des Labels und ist auch mal beim Mastering der Platten bei Dubplates & Mastering in Berlin dabei. Ende August ist nun auch die erste Illyah & ltd. Candy-Platte erschienen – eine Compilation aus den Stücken der Net-EP, ihrem Beitrag auf der ersten Jahtari-Compilation und dem neuen Stück „Out In The Desert“.

Ob die Platte von den klassisch ausgerichteten Dub-Roots-DJs angenommen wird, ist noch offen. Beata vermutet, dass ihre Musik eher von MP3-Hörern aus dem Netz gezogen wird, die es zu Hause hören. Dennoch ist es für sie schon noch etwas anderes, die eigenen Tracks auf Vinyl zu haben.

Dass überhaupt so wenige Tracks entstehen, liegt in erster Linie an den Texten. „Ein Riddim ist schnell parat, aber es ist unheimlich schwierig, etwas auszudrücken, dass möglichst offen, ohne direkte Message ist und dennoch mit dem Sinn spielt, um den man ja nicht herumkommt“, meint Beata.

Erster und bislang einziger Live-Auftritt der beiden war übrigens im Rahmen der PopUp 2005 im UT Connewitz. Allerdings wurde ihnen schnell klar, dass sie mit ihrer Musik nicht auf die Bühne gehören. „Diese Musik ist im Wohnzimmer entstanden und vielleicht gehört sie da auch hin“, bringt es Beata auf den Punkt. Hoffentlich kommt demnächst noch mehr.

Illyah & ltd. Candy Myspace
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City with limits

Musikstadt, Riccardo Chailly, the city with no limits – damit wirbt Leipzig seit Jahren. Dass das Stadtmarketing wenig kulturelles Gespür abseits von Oper und Gewandhaus besitzt, ist nicht neu. Dass aber die Stadtverwaltung immer penibler und schikanöser mit der hiesigen Subkultur umgeht, raubt einigen Aktivisten allmählich die Freude.

Spätestens zur diesjährigen Global Space Odyssey wurde deutlich, dass die Leipziger Stadtverwaltung ihre Richtlinien ernster nimmt als bisher. Teilweise muten die Aktionen von Ordnungsamt & Co aber auch schikanös an. So wurden die drei geplanten Afterpartys in Plagwitz zwei Tage vor der Demonstration verboten. Als Grund galt, die Locations seien illegal, weil nicht alle nötigen Genehmigungen vorlägen. Dass das Superkronik jedoch seit Monaten geduldete Partys veranstaltete – selbst am Freitag vor der geplanten GSO-Party – störte nicht. Stattdessen fand die Abschlussparty im Werk2 statt.

Seitdem scheinen die städtischen Behörden in Anti-Laune zu sein. Die Alte Damenhandschuhfabrik – gerade erst wiedereröffnet – soll nach der letzten dreikommanull-Party Ende August wieder geschlossen bleiben. Angeblich weil die Sperrstunde nicht eingehalten wurde. Die von der Stadt erst genehmigte Pampa Premium-Reihe war zu laut und sollte mit 50 Dezibel auskommen, später wurde sie auch unterbunden. Das Superkronik ist ebenfalls in einem rauen Clinch mit den Ämtern, obwohl die Kommunikation zwischen beiden Seiten lange Zeit gut verlief. Was ist also los? Wo ist die Leipziger Freiheit?

We like capital letters!

Sie sind da und wir hüpfen im Raum herum – unsere frohfroh-Poster und -Flyer. Frisch gedruckt in Radebeul, heute in aller Frühe ausgerollt im Paketzentrum Krostitz und beim Bäcker nebenan abgeholt.

So virtuell frohfroh als Blog ist, so real sind die Musiker und Labels über die wir berichten. Und da wir ebenso Freunde des Handfesten sind, ist die Freude über echte Poster und Flyer im frohfroh-Style umso größer. Das Poster ist nicht nur Identifikation mit Leipzig. Es beschreibt auch die Entwicklung des frohfroh-Logos: Liebe plus Stereo gleich frohfroh.

Abzuholen sind sie im Freezone Recordstore in der Kochstraße 10, Leipzig.
Und: Auch die Flyer sind nicht zu unterschätzen. Mit ausschweifenden 105 x 210 Millimetern sind sie quasi Kleinposter.

Illyah & ltd. Candy „Machines & Ghosts EP“ (Jahtari)

Endlich, eine Vinyl-EP des wohl smartesten Dub-Pop-Duos von Leipzig. Die Platte ist zwar nur eine Art Best-of von Illyah & ltd. Candy, aber einen neuen Track gibt es doch.

Eine Net-EP und ein Beitrag zur ersten Jahtari-Compilation, die quantitative Bilanz von Illyah & ltd. Candy scheint noch klein. Doch mit nur diesen drei veröffentlichten Tracks haben sie sich einen uniquen Sound geschaffen – zumindest weiß ich gerade von nichts ähnlichem. Musikalisch sind die beiden fest im Jahtari-Kosmos verwurzelt, der abstrakte, elektrifizierte Dub mit ausbalancierten Roots- und Elektronik-Referenzen ist deutlich herauszuhören.

Mit dem wehmütigen Gesang, den eingängigen Melodien und Arrangements heben Illyah & ltd. Candy den Jahtari-Sound jedoch auf eine ganze neue Ebene. Weniger clubbig und verspielt. Dem gegenüber steht ein Spannungsbogen aus zackig-tighten Beats sowie dem eindeutigen Pop-Appeal.

Wirkten „Poor Girl“, „Fight The Formation“ und „Machines & Ghosts“ etwas introvertiert und voller Wehmut, so tänzelt das neue Stück „Out In The Desert“ förmlich dem Spätsommer entgegen. Gerade im Refrain entwickelt es einen unheimlich positiv gestimmten Flow. Jetzt also erscheinen die Tracks auf Vinyl, gemastert von Dubplates & Mastering und einem tollen Cover.

Illyah & ltd. Candy Myspace
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Matthias Tanzmann / Martinez / Seuil „Moon Harbour Joints Volume 1“ (Moon Harbour Recordings)

Moon Harbour startet eine neue Serie: Kollaborationen verschiedener Künstler. Matthias Tanzmann macht den Start. Er hat in diesem Frühjahr Martinez und Seuil in sein Studio eingeladen.

Produziert wurde nach den Moon Harbour-Label-Nächten in der Distillery bei denen Martinez und Seuil im Februar bzw. April eingeladen waren. Beide gehören ja zu denjenigen Producern, die allmählich zum neuen Kern des Moon Harbour-Rosters avancieren – Auch wenn sie weiterhin auf anderen Labels veröffentlichen. Vocals und Schnipsel davon sind gerade sehr en vogue bei Moon Harbour. Und auch bei diesen zwei neuen Tracks kommt ihnen eine prägnante Rolle zu.

Bei „Ohh I Don’t Know“ haben sich Martinez und Matthias Tanzmann scheinbar selbst gesampelt. Dabei ist eine überaus warme Bassline entstanden, ohne dass das Stimmhafte verfremdet wurde. Das Loopige und perkussiv-housige des Tracks und die ausufernden Breaks tragen eindeutig die Handschrift der letzten beiden Martinez-EPs auf Moon Harbour. Ähnlich funktional zwar, aber durch den Session-Charakter überraschend ungeschliffen.

Auch Seuil ist bei „My 808 Genty Weeps“ deutlich herauszuhören. Sein geglätteter und abgefederter House-Sound prägt diesen Track. Mehr Deepness und Funk steckt in den Tönen, Vocal-Samples und Chords. Und im Gegensatz zu Martinez ist es weniger monoton. Überhaupt passiert bei Seuil immer sehr viel. Fast zuviel. Hier ist es alles aber recht überschaubar und stimmig. Wo aber ist Matthias Tanzmann eigentlich? Irgendwie haben Martinez und Seuil deutlichere Spuren auf den Tracks hinterlassen. Aber vielleicht ist die Frage nur für Profil-Neurotiker interessant.

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Arrebite / LXC „Dubcore Volume 8“ (Sozialistischer Plattenbau)

Die achte 7“ der Dubcore-Reihe vom Hamburger Label Sozialistischer Plattenbau hat eine Menge Leipzig-Bezüge. Das brasilianische Duo Arrebite debütierte vor zwei Jahren auf Phantomnoise und zu LXC braucht es ja keine Worte.

Bei Arrebite scheint der Punk tief verwurzelt zu sein. Ihr Track „Gimme My Microphone“ mit einem grölenden Diamondog am Mikrofon ist pure Punk-Energie mit der dicken Lippe von HipHop. Allerdings ohne eine einzige Gitarre. Stattdessen steht einer dick bratzelnden Bassline einer lässig tänzelnden Rave-Harmonie. Und obwohl es hier ungemein ungestüm zur Sache geht, hat der Track alles was ein Hit braucht. Er hat etwas rohes und eingängiges, sehr ehrlich und dreckig urban.

LXCs Dub nimmt die Punk-Attiüde etwas heraus und pumpt den Rave-Charakter dafür stärker auf – mit Samples der Original-Vocals und den prominenter eingesetzten Harmonien. Könnte das Original tatsächlich ein elektrifizierter Punk-Song einer wilden Band sein, so ist der Dub mehr Track orientiert. Doch egal: beide Seiten sind groß.

Sozialistischer Plattenbau Website
Arrebite Website
LXC Website

The Sonic Boom Foundation „Resistant To Change EP“ (Velocity Sounds Rec.)

Rave-Rock für britische Stadien, dreckige Kellerclubs, Outdoor-Rave-Festivals und Bandwettbewerbe – The Sonic Boom Foundation nehmen alles mit, bleiben aber erstaunlich bodenbeständig. Die neue EP gibt es nur online.

Ehrlich gesagt sind die Vier bisher weitgehend an mir vorbeigegangen, wenn auch mir die rasante Entwicklung nicht entgangen ist. Hinterließ die Vermischung von Rock und Elektronischem bei Think About Mutation teilweise harte Kanten, so scheint bei The Sonic Boom Foundation wirklich eine nahtlose Symbiose zu gelingen.

Die Mischungsverhältnisse variieren jedoch, immer zugunsten von mehr songhaften oder trackhaften Strukturen. „On The Hook“ ist eigentlich ein klassischer Rocksong mit etwas elektronischer Spielerei. „Ignorance To Change“ dagegen ist breakig, ohne Rock-Vocals und einfach mal acht Minuten lang.

Bei „Alien To Me“ und „Resistant To Change“ wird es dann interessant. Denn beide Stücke basieren fast komplett auf einem elektronischen Fundament, sind originär aber Rock-Hymnen. So sehr The Sonic Boom Foundation auf die Pauke hauen, die Auswahl ihrer Sounds – selbst in den Rave-Momenten – zeugt von einem gewissen Stil. Ebenso das Englisch des Sängers.

Die EP gibt es kostenlos bei Velocity Sounds, wer es solidarisch meint, kann sie aber auch bei Amazon & Co kaufen.

The Sonic Boom Foundation-Website
Velocity Sounds-Website

Support your local Filmtheaterclub!

Eine der schönsten Loactions von Leipzig ist in Nöten: Das UT Connewitz benötigt 20.000 EUR, um städtische Auflagen zu erfüllen. Wer etwas übrig hat auf dem Konto und für das UT, kann ab sofort spenden.

Bislang lief der Veranstaltungsbetrieb des UT Connewitz auf Grundlage von Ausnahmegenehmigungen. Nachdem Bauordnungsamt und Brandschutzdirektion Anfang August zum letzten Mal vor Ort waren, wurden neue Auflagen erteilt, die Kosten in Höhe von 20.000 EUR nach sich ziehen. Auf die Schnelle kann das UT Connewitz diese Summe allerdings nicht aufbringen. Daher bittet der tragende Verein um Spenden auf folgendes Konto:

Kontoinhaber: UT Connewitz e.V.
Kontonummer: 1100762694
BLZ: 86055592 (Sparkasse Leipzig)
Verwendungszweck: Spende UT Connewitz e.V., Namen, Anschrift

Alle die mehr als 100 EUR spenden, werden in den „Club der 100“ aufgenommen. Dafür gäbe es dann 2010 freien Eintritt für das komplette Kino-Programm. Auch ein spezieller Club-Abend ist geplant.
Einen Tipp für alle Finanzamt-Cracks: 5 Prozent der jährlichen Einkünfte können abgesetzt werden, u.a. mit einem Spendenbeleg, den das UT Connewitz auch ausstellen würde.

UT Connewitz Website

Hoax „The Destruction of Meaning“ (Instabil)

Ein Brite, der laut den Flyern auf Myspace eigentlich auf Psytrance-Partys auflegt, bringt auf Instabil seine neue EP heraus – mit Electronica-inspirierten Dub-Techno.

Es beginnt mit einem Knistern, ehe sich ganz langsam die Dub-Chords und der Beat reinfaden. Und das Knistern bleibt auch den gesamten ersten Track präsent, obwohl sich immer mehr Ebenen öffnen, und sich Tempo und Lautstärke von ruhig zu straight sowie still und laut verändern.

Es sind vier Tracks, die sich viel Zeit lassen, die scheinbar kein Ende finden würden, wenn es Hoax nicht selbst beeinflussen würde. Interessant ist, wie der Brite mit einem klassischen Dub-Techno-Elementen arbeitet, sie aber immer wieder mit kantiger Electronica und schwärmerischem Ambient durchsetzt.

Bei „Variable 3“ rückt der Dub-Techno gar ganz in den Hintergrund. Toll an dem Stück ist die Entwicklung hin zu einem überaus fröhlichen Sound, voller Farben und eine flächigen Dichte. Demgegenüber wirken die drei anderen Tracks süß-melancholisch. Vielleicht kommt Hoax sein Psytrance-Hintergrund zugute, um so unbeschwert schwelgerisch und doch so verwunschen klingen zu können. Auf jeden Fall eine sehr gute EP.

Instabil Bandcamp
Hoax Myspace

Various Artists „Deepentertained“ (Statik Entertainment)

Nach der eher düster-vernebelten Vinyl-Compilation von Statik ist die Nummer 30 überraschend poppig und unbeschwert. Eine Sommerplatte im besten Sinne könnte man sagen.

Auf der A-Seite tänzelt in dubbiger Deepness und mit abgefederten Beats ein Duplex-Remix von einem Track des niederländischen NuJazz-Duos Delgui. Eine kleine Verbindung nach Leipzig haben die beiden übrigens: 2005 war bereits ein Remix von ihnen auf einer Curl Curl-Platte vertreten. Sie scheinen im eklektischen NuJazz-Sound ziemlich weit vorn zu sein, zumindest lassen das die Tracks auf Myspace erahnen. Der Reshape von Duplex (Foto) ihres Songs „Highlights“ auf Statik ist ein süß-melancholischer House-Pop-Track, ziemlich glatt – in einer angenehmen Weise, wie es Dimension 5 auf Delsin oder auch das Stuttgarter Duo Borneo & Sporenburg beherrschen.

Bernd Maus auf der B-Seite bleibt in einem ähnlichen Bereich. Sein „Tell Me“ ist jedoch mehr House, mit einem warmen Chord, den hellen Strings am Ende und der zurückgesetzten, perkussiven Rhythmik. Sehr klassisch und schnörkellos, vielleicht aber gerade deshalb so pur und schön. Passend eigentlich auch deshalb, weil es ja insgeheim auch eine Jubiläumsplatte ist: die 30. und das mitten im 15. Jahr von Statik Entertainment.

Statik Entertainment Website
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n/a „Whiskey Bar“ (Jahmiga)

Ein neues Sublabel von Jahtahri, und zum Debüt gibt es eine 7″ von einem anonymen Künstler. Poppig ist der Track, mit ungewöhnlichem Soul und einem latenten Techno-Hauch.

Es ist eine klassische Dub-Platte. Vorn die Version mit einem Vocal, hinten dann rein instrumental. „Whiskey Bar“ ist ein richtiger Pop-Song, für Jahtari aber auch ziemlich reduziert. Im Prinzip schlagen in dem Stück zwei Seelen: eben die sehr eingängige Seite mit der gedrosselten Gesangseinlage mit Sixities-Soul-Patina. Andererseits hat das Stück eine unheimlich tighte Bassline, klassische Gitarrenakkord-Echos und ravig aufflackernde Sounds.

Bei der Instrumentalversion „Whiskey Dub“ wirken eben diese Elemente noch präsenter. Die Pop-Note fehlt zwar, aber das macht nichts – obwohl sie auf der A-Seite eine Menge reißt. Stattdessen übernimmt der Bass das Kommando. Wenn man diese Version so hört, dann lassen sich da einige Sounds heraushören, die irgendwie auch in einem Dub-Techno-Kontext passen würden. Nicht direkt, eher im übertragenen Sinne.

Jahtari Website

Gute Nacht!

Das Nachtdigital ist vorbei, und es war erwartungsgemäß schön. Schön auch die Gegend, in der das Festival seit über zehn Jahren eingebettet ist. Und so stehen bei unserem Rückblick mehr die Momente neben dem eigentlichen musikalischen Geschehen im Mittelpunkt.

Die Autos waren bedeckt von einer dünnen Staubschicht. Denn kurz vor Sonnenuntergang fuhren auf den Feldern neben dem Parkplatz noch die großen Mähdrescher ihre Runden. Richtiges Landleben eben.

Moderat waren das Live-Highlight. Schon bei ihrem Auftritt im Conne Island brachte das Zusammenspiel aus dem vielseitigen Set und den unglaublichen Visuals der Berliner Crew Pfadfinderei einige magische Momente hervor.

Bum Bum nicht nur auf dem Nachtdigital. Bum Bum auch auf dem Minigolfplatz in Bucha, ca. sechs Kilometer von Olganitz.

Zwei Turniere mit unentschiedenem Ausgang. Eins zu eins. Der Golfplatz lag direkt an einem kleinen See, der von der benachbarten Bevölkerung gern zur Abkühlung genutzt wurde. Denn es war heiß an diesem Wochenende.

Dörfer und Felder. Wenn der Wind gut stand, waren die Beats schon aus der Ferne zu hören.

Außen eine Mischung aus Western und Rumänien, innen sächsischer Pensionsstandard. Sehr okay, ja eigentlich gediegen für einen Festivalbesuch – mit Bett, Dusche und Frühstück. Mit dem Rad ging es dann durch die Nacht, den Beats entgegen.

Der Dachs ist tot! Auf dem Weg nach Olganitz hatte es ihn hingerafft.

DJ-Highlight neben Move D war DJ Koze, der vom Nachmittag bis Mitternacht spielte. Eine schöne Zeit mit Sonnenuntergang und einer Menge DJ Koze-Coolness.

Der Zeltplatz aus der Ferne.

Eingangsportal zum Kann Records-Floor. Am Sonnabend und Sonntag Nachmittag bespielten die Kann-Jungs zusammen mit Kassem Mosse einen eigenen kleinen Floor direkt am See. Wir haben es leider verpasst.

Dekoration des Kann-Floors.

Ein Spielplatz in der Nähe.