Daniel Stefanik „Two.Zero. Zero.Nine“ (Oh! Yeah!)

Da ist es also, das eigene Label von Daniel Stefanik. Nicht von ihm allein, sondern zusammen mit Sven Tasnadi und Stefan Schultz alias Juno6. Stefanik macht aber den Start, und was einen.

Hypnotischer Techno, wie man ihn nach seinem sehr dubbigen Album „Reactivity“ nicht erwartet hätte. „Say It Loud“ ist so straight und reduziert, dass einem erstmal der Atem stockt. Ganz leicht schimmern dann auch mal Rave-Fanfaren durch, die aber nie die Regie über den Track übernehmen. Es bleibt das Unbändige, was so fasziniert.

„Like This“ auf der B-Seite ist ebenfalls Techno, in den Sounds aber verschachtelter, melodiöser und subtiler, weniger auf Peak-Time getrimmt. Oh! Yeah! soll auch die weniger bekannten Seiten der drei Producer zeigen, mit dieser ersten Platte ist das auch im positiven Sinn gelungen.

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Efka „RDY For D.I.S.C.O. EP“ (Break The Surface)

Oha, Break The Surface ändert seinen Sound – vom gebrochenen zum geraden Beat. Efka ist bisher ja nur als DJ aus dem esoulate-Umfeld bekannt, nun debütiert er also auch als Producer – durchaus viel versprechend.

„rdy“ ist ein dunkel eingefärbter Techno-Track mit allerlei umher schwirrenden Sounds – sehr digital und spooky in ihrem Klang. Alles gut ausbalanciert, in der richtigen Dosis an neuen Elementen.

„D.I.S.C.O.“ ist auch nicht gerade ein lebensfrohes Stück, wenn auch mit wesentlich mehr Funk. Die Vocals, die Sounds, die Bassline alles ziemlich düster. Da kommt allerdings kurz ein toller Chord rein, nur wenige Sekunden. Den habe ich woanders aber schon gehört, in dem letzten Ellen Allien-Set auf Resident Advisor.

Chris Manura und Marc Model setzen da bei ihrem Remix von „D.I.S.C.O.“ reduzierter und homogener an, mehr House, mehr Deepness. Allerdings stören die Vocals, die passen einfach nicht, ziehen den Track so runter. „Coco Loco“ zum Schluss ist mir etwas zu albern, obwohl das gemäßigte Tempo dem Track sehr gut tut.

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Various Artists „Moon Harbour Inhouse Vol. 3“ (Moon Harbour Recordings)

Moon Harbour hat sich mit der Zeit immer mehr für Minimal und Techno geöffnet oder, wie sie es selbst beschreiben, „einer stärkeren Funktionalität, ohne die Komplexität und Wärme zu verlieren“. Diese Suche nach komplexer Funktionalität ist auch auf „Inhouse Vol. 3“ zu hören.

Wirkliche Seele findet sich dagegen nur in wenigen Momenten. Zwischen trocken-monotonen und tribalistisch nach vorne drängenden Tracks lassen sich zwar viele interessante Elemente entdecken, aber in ihrer Ganzheit kann die Compilation kaum fesseln. Auf der Vinyl-Version, die neue Stücke versammelt, hinterlässt einzig Dot einen wirklich euphorisierenden Eindruck. Der Israeli ist ein Beweis dafür, wie international Moon Harbour inzwischen geworden sind.

Dies gilt auch für den Dänen Martinez, der ebenfalls auf der Compilation vertreten ist und der für die CD-Version einen DJ-Mix aus neuen und älteren Moon Harbour-Stücken aufgenommen hat. Wäre schön, wenn Moon Harbour beim Spagat zwischen Klassischem und Neuem auch bald sein Herz wiederfinden würde.
(Erstveröffentlichung im Kreuzer 0409)

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Disrupt „The Bass Has Left The Building“ (Jahtari)

Jahtari ist gerade nicht zu stoppen. Was bei uns gar nicht so recht auffällt, ist in Großbritannien ein lang erwartetes Album aus Leipzig. „The Bass Has Left The Building“ ist das zweite große Werk von Jahtari-Mitbetreiber Jan Gleichmar alias Disrupt.

Klar, da ist der Bass. Der drückt tief nach vorn und legt das Dub-Fundament. Vielmehr passiert dann aber darüber. Soviel verhalltes Gefippe und Geplubbere, so leichtfüßige Oldschool-Sounds und 8bit-Harmonien schwirren umher, dass man sich sofort in einem alten Computerspiel oder in einem antiquierten Science Fiction-Film wähnt.

Dabei ist die wilde Spielerei keineswegs albern. Gerade durch die abstraktere Spielart von Reggae und Dub hat Jahtari und insbesondere dieses Album das Potential auch Leute zu begeistern, die sich bisher wenig von solcher Musik begeistern lassen konnte. Es klingt, als wüsste Disrupt ziemlich genau, wo er hin will – Die Experimentierphase ist lange überstanden.
(Erstveröffentlichung im Kreuzer0309)

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Map.ache „Carmella“ (Kann Records)

Die erste eigene Platte von Jan Barich alias Map.ache. Und was soll man sagen, sie ist toll, sie ist sehr eigen und während seine Live-Sets sehr auf den Dancefloor ausgelegt sind, entfalten seine Tracks eine ganz andere Tiefe und Emotionalität.

Die Überraschung beginnt mit dem Schlagzeug am Anfang von „Clouds Over Clowns“. Da schimmert die Rock-Sozialisation durch. Später mäandert alles jedoch in einen schwelgerischen House-Track mit Piano und Streichern – sehr zurückgelehnt und doch mit einem angenehmen Drive.

„Tel Aviv“ ist dagegen stromlinienförmiger, mehr im Fluss, aber nicht weniger auf Harmonien aus. Die Percussions und Kinderstimmen bringen aber noch etwas Sommer dazwischen. „Carm“ schließlich ist mit seinem Beat am straightesten, mit seinen Chords am reduziertesten und in seiner Stimmung am amerikanischsten. Toll ist generell bei allen Tracks, wie Map.ache seinen Funk zwischen abstrakten und sehr organischen Sounds austariert.

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Various Artists „Satellite Religion“ (Statik Entertainment)

Statik lässt momentan einfach nicht nach. Jede Platte ist ein Kleinod in Dub. Und dabei gar nicht immer nur auf die technoide Seite beschränkt. Dieses tauchen zwei Briten ganz tief in den Dub ein.

Diese Compilation gehört dem britischen Kollektiv Satellite Religion und den beiden Mitgliedern Grit und SEN. Grits Tracks pendeln zwischen einem relativ klaren Dub-Techno-Gerüst und sehr sphärischen Sounds. Beides tritt gleichberechtigt hervor, so dass die Tracks nie überladen klingen oder sich in Sound-Orgien verlieren. Interessant auch wie hier eine düstere und zugleich schwelgerische Stimmung hervorgebracht wird.

Bei dem einen kurzen Track von SEN sind die Beats gebrochener und insgesamt viel stärker im Hintergrund. Die Dub-Erdung ist hier auch viel geringer. Als Ausklang passt der Track aber gut, wenn auch das Ende so abrupt ist.

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Sven Tasnadi „Our Destiny“ (Ornaments)

Sven Tasnadi bleibt auf der Überholspur. Nun also auch eine EP bei dem Berliner Liebhaber-Label Ornaments, strikt limitiert und auf durchsichtigem Vinyl.

Doch nicht nur die Haltung und Optik gefällt, auch der Track „Our Destiny“, ein deeper, aufgeräumter House-Track mit warmen Dub-Chords. Sehr entspannt, wahrscheinlich perfekt zum Sonnenaufgang. Und trotzdem hat er noch genügend Drive und schöne Sounds. Auf der B-Seite dann mal wieder der House-Held der Stunde: Sven Weisemann.

Sein Remix nimmt sich mehr Zeit, um aus den Elementen des Originals einen neuen Track zu skizzieren. Viel reduzierter, weniger verspielt und den Dub erst spät offenbarend. Dadurch wirkt diese Version noch eine Spur zurückgelehnter, gleichzeitig aber auch dichter gestrickt. Auf der ersten Bassdrum liegt ein einziger warmer, hallender Basston, der irgendwie fast dubsteppig ist. Trotzdem: beide Tracks sind für sich genommen sehr groß.

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Various Artists „Ortloff Eins“ (Ortloff)

Ein Kunstraum mit eigener Platte, nicht schlecht. Erst recht, wenn solch gute Kontakte da sind, um von Marko Fürstenberg, Sevensol & Bender sowie Mod.Civil exklusive Tracks für eine Compilation zu bekommen.

Lindenau wird Szeneviertel. Irgendwann. Wenn die Gentrifizierung auch Plagwitz erreicht hat und die Eisenbahnstraße cool geworden ist. Und dann können sich die Galerien und Kunsträume, die heute schon in Lindenau residieren, als Pioniere fühlen. Das Ortloff wäre auch ein Pionier. Mit eigenem Label.

Naja, zumindest einer ersten Platte mit vier Tracks von befreundeten Producern. Die gerade Bassdrum vereint sie alle, in den Nuancen ist die stilistische Spannbreite aber weit abgesteckt. Marko Fürstenberg ist einmal mehr der Dub-Techno-Held, der den Basic Channel-Vibe konsequent weiter entwickelt. Ebenso am Klassischen orientiert sind Sevensol & Bender, da aber im House. Beide aber sehr versiert und unprätentiös.

Mod.Civil spielen mit einem sehr abstrakten Funk und sympathisch stolpernden Beats. Ein kurzes Vinyl-Debüt bekommt schließlich Cheslo alias Friedmann Lichtenthal aus Weimar mit einem schnellen, verschmitzten Techno-Brett. Eigentlich lassen sich die beiden Seiten in warm und kalt unterteilen. Die A-Seite ist voller Deepness, während die andere Seite etwas unterkühlter rüberkommt.

Dass die Kunst im Ortloff einen wesentlichen Raum einnimmt, wird bei der gesamten Gestaltung deutlich: Die Platte ist knallpink und steckt in einer Kunststoffhülle mit einem riesigen Ortloff-Logo. Ein Gesamtkunstwerk also.

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Various Artists „File Under Dub #1“ (Instabil)

Hier startet wohl eine neue Compilationserie? Zumindest suggeriert das der Titel. Die Nummer 1 vereint verschiedene Künstler, die bereits mit Statik Entertainment und/oder Instabil verbunden sind oder erstmals veröffentlichen.

Ja, Dub-Techno ist einfach nicht klein zu kriegen. Diese Wärme und Entspanntheit, das Fließende, Dichte und Atmosphärische erzeugt fast automatisch etwas zeitloses, etwas nie Verblassendes. Eigentlich ist dies der Link zwischen Ambient und Techno.

In den Nuancen schlägt nahezu jeder Track auf „File Under Dub“ eine andere Richtung ein. Grit ist sehr klar und straight, Vextrex etwas schabend und dissonant, Mr. Cloudy, SEN und Souldub recht klassisch, Dubatech raschelnd und Daniel Stefanik endlos.

Siebzehn Minuten gönnt sich Stefanik, wahrscheinlich ist es in einer Session entstanden. Es beginnt mit einem mäandernden Rascheln und sanft durchschimmerten Chords. Erst nach zehn Minuten schlägt der Track eine andere Richtung ein, in dem ein geradliniger Beat beginnt. Dass Daniel Stefanik tief im Dub steckt, zeigte ja schon sein kürzlich erschienenes Album „Reactivity“. Hier wird es noch eine Spur experimenteller.

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Bo Marley vs. Disrupt „s/t“ (Jahtari)

Bo Marleys Track „Bauhelm“ ist so etwas wie ein Klassiker im Jahtari-Katalog. Überhaupt haben die Dänen das Zeug zu Legenden. Auf diesem Album stellen sie sich einem Sound-Fight gegen Jahtari-Kopf Disrupt.

Bo Marleys organischer wie plastischer Band-Sound ist umwerfend, genauso wie poppigen Melodien, die Vocals und die deutschen Texte mit ihrer dadaistischen Attitüde. Nebenbei ist dieses Album das erste Lieblingsalbum meines Sohnes. Mit seinen drei Jahren schiebt er die CD regelmäßig in den Player. „Fleisch“ und „Bauhelm“ sind seine Lieblinge, und das illustrierte Cover sowieso. Eine Präferenz für die Originale oder die etwas track-orientierteren Disrupt-Versionen lässt sich jedoch nicht ausmachen.

Das gilt generell. Das Album inszeniert einen Wettkampf zwischen Bo Marley und Disrupt. Und er geht eindeutig unentschieden aus. Vielleicht auch, weil die jeweiligen Versionen relativ nah beieinander bleiben. Disrupt ist noch einen Tick bleepiger und tighter. Dafür klingen Bo Marley einfach wie eine Band, wie eine sehr einzigartige.

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Sven Tasnadi & Juno6 „Down Under Influence“ (Cargo Edition)

Die erste Zusammenarbeit von Sven Tasnadi und Stefan Schultz alias Juno6 auf Vinyl. Zwei sehr eigenwillige Minimal-Tracks sind dabei entstanden.

Was für eine Minimal-Session. Ob die in einer Nacht entstanden ist? Über 14 Minuten lang marschiert „Aramis“ auf der A-Seite nach vorn. Mit ein paar Pausen, die angenehmerweise keine Rave-Breaks sind. Vielleicht sind es auch mehrere verschiedene Tracks, die hier einfach zu einem verwoben wurden.

Der Flow stimmt aber und wirkt nicht wie ein DJ-Set. Also, doch ein Track aus einem Guss, mit einer gespenstischen Grundstimmung und dissonant aufflackernden Sounds, die immer wieder durch neue ersetzt werden. Komischerweise ist das nie überladen oder mit einer Prog-Rock-Attitüde versehen.

„Genau So“ auf der B-Seite geht in eine ähnliche Richtung, ufert aber nicht so aus. Dafür rücken die Percussions mehr in den Mittelpunkt. Für eine Minimal-Platte recht eigen und erstaunlich straight.

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Martinez „Momomowha“ / „Le Cirkus“ (Moon Harbour Recordings)

Ein neues Gesicht bei Moon Harbour. Kein neues, Martinez hat in nur acht Jahren eine beachtliche Diskografie angehäuft. Dass er nun bei Moon Harbour ist und dort wohl auch ein bleiben möchte, überrascht aber.

Die letzten Jahre ging der Sound von Martin Swanstein alias Martinez eher in Richtung sphärischer Tech-House. Für Moon Harbour zeigt der Kopenhagener seine ausufernde House-Seite. Ausufernd, weil die Tracks auf beiden EPs fast alle die 10-Minuten-Linie überschreiten. Und dass, obwohl sie sehr loop-basiert und auf wenige Elemente reduziert sind.

Der Aufbau ist bei beiden EPs ähnlich. Die A-Seiten beschränken sich auf einen dicht gesetzten House-Loop, inklusive Vocal-Sample, viel Perkussion und einem langen Break. Die B-Seiten hingegen sind smoother Deep-House.

Wenn auch recht loopig, so sind es gerade diese beiden Tracks „Day By Day“ und „Mundial“, die mit ihrer klanglichen Wärme und der Lässigkeit wirklich begeistern. Wahrscheinlich, weil sie nicht so sehr auf Peak-Time getrimmt sind.

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