Sevensol & Bender „How Not To Lose Things“ (Kann Records)

Offiziell steht sie erst ab September in den Läden – doch im labeleigenen Shop ist sie bereits erhältlich. Daher auch schon jetzt vorgestellt: die neue Kann Records-EP.

Vier Jahre ist es her, dass Sevensol & Bender mit ihrer „The Big Easy“-EP Kann Records offiziell einweihten – wenn man einmal von der Katalognummer „00“ absieht. Es ist bekanntlich nicht so, dass die beiden einen mit Output überrollen. Umso höher sind natürlich auch die Erwartungen. „Balei Bifzbaf“ und „Captain Trollig“ halten sie jedoch in aller Bescheidenheit.

Denn wenn etwas den Sound von Sevensol & Bender prägt, dann ist es die schnörkellose, effektfreie House-Deepness. Dicht verwobene Wärme, naiv-freudige Bögen, süße Melancholie. Das war bereits in ihrem Fauxpas Musik-Track „Scuba“ ganz groß und es kommt auch bei den beiden neuen Stücken zum Tragen.

„Balei Bitzbaf“ etwas durchdringender, „Captain Trollig“ etwas verspulter. Diese Tracks klingen so, als ob es die Peaktime im Club nie gegeben hätte. In sich ruhend, völlig autark und im Reinen. Wer braucht die große Abfahrt? Die großen Gesten? Sevensol & Bender ganz bestimmt nicht. Und so klingen ihre Stücke denn auch.

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Mix’n’Remix

Neue Musik zur neuen Woche. Und zwar ausschließlich gemixte – beziehungsweise geremixte.

Los geht es mit Break The Surface. Gestern ging dort die erste Ausgabe des Label-Podcasts online. Label-Kopf Metasound übernimmt konsequenterweise das Ruder. In wenigen Tagen erscheint übrigens eine neue EP – auf Vinyl, zusammen mit O’RS.

Etwas Indie zwischen die Bassdrums mischt Micronaut. Nicht nur bei seinen eigenen Tracks, sondern auch in seinem aktuellen „Schleußig“-Mix.

In der melancholischen Verziertheit stehen sich Kollektiv Turmstrasse und Lake People tatsächlich sehr nahe. Letzterer remixte daher gleich zwei Stücke der soeben veröffentlichten „Ordinary EP“.

Die Blog-Kollegen von itsours haben ja auch eine Podcast-Mix-Reihe. M.ono & Luvless zelebrieren im dritten Teil den Sommer, den Sommer, den Sommer, den Sommer.

Der Londoner Club Fabric dürfte ja hinreichend für sein herausragendes Programm bekannt sein. Auch die dazugehörige Mix-Serie. Matthias Tanzmann dürfte die Nummer 65 mixen. Mit dabei auch ein Track von Guido Schneider und Florian Schirmacher, der wahrscheinlich demnächst bei Moon Harbour erscheinen wird.

Irgendwer Ergänzungen? Einfach drunter für alle.

3 Jahre frohfroh – 3 Tage Pause

Raus aufs Land, offline sein – so sieht es. Und wir sagen: Danke.

Danke für die Musik:

A Forest, Alex Bull, Aloo, Alphacut Records, Analogsoul, Andreas Eckhardt, Audite, Bigalke & Sunset, Boys’r’us, Break The Surface, Cargo Edition, Chris Manura, Chris Medleigh, Christian Fischer, Connwax, Dan Drastic, Daniel Stefanik, Definition Records, Demian, Disrupt, Doumen, Dsant, Duktus, Dyze, Efka, Esoulate Music, Falk/Falke, Filburt, FM Musik, Frankman, Gimmix, Good Guy Mikesh & Filburt, Gregor., Headnoaks, Here Is Why, Iami, Illyah & Ltd. Candy, Insectorama, Instabil, Jahtari, Jakin Boaz, Juno6, Kali Avaaz, Kann Records, Kassem Mosse, Kator, Kleinschmager Audio, Klima, Koi, Krink, Kyoto Inc., Lake People, Laura Post, Limousine Rot, Lowcut, Lupos Benai, Luvless, LXC, M.ono, Map.ache, Marbert Rocel, Marko Fürstenberg, Markus Masuhr, Martin Hayes, Matthias Tanzmann, Me And Oceans, Metasound & Lucius14, MHYH, Micronaut, Mikrodisko Recordings, Mittagskind, Mix Mup, Mod.Civil, Moon Harbour Recordings, Mud Mahaka, Mute-ation, Nasdia, Neonlight, O’RS, Oh! Yeah!, Ominira, Orange Dot, Ortloff, Pentatones, Petite Unique Records, Phantomnoise Records, PorkFour, Praezisa Rapid 3000, Pragmat, Privatelektro, Pwndtiac, Resistant Mindz, Riotvan, Rivulet Records, Ron Deacon, Rootah, Rose Records, Sensual, Sevensol & Bender, sH1, Simon Sunset, Soom T, Spunky Monkey Records, Statik Entertainment, Steffen Bennemann, Stiff Little Spinners, Stretchcat, Subkutan, Sven Tasnadi, Tetmusik, Udosson, Ulan Bator Records, Webermichelson, Wintermute, Wright & Bastard, Wuttig & Reuter.

Diamond Eye „45 Remixes“ (Modern Urban Jazz)

Das LXC-Netzwerk verästelt sich weiter. Besonders mit dem Schotten Morphy und seinem jungen Dub-Alias Dubmonger passiert gerade einiges.

Noch einmal zur Erinnerung. Morphy ist eng mit Alphacut Records und LXC verbunden. Tracks auf dem Label, Einladungen zu Gigs in Leipzig und zuletzt der Start des gemeinsamen 7″-Labels 45Seven. Dort agiert Morphy jedoch unter anderem Namen: Dubmonger, der „tape echo enthusiast and dub manufactor“, wie er sich selbst beschreibt.

Nun traten sie als Duo an anderer Stelle auf und produzierten zwei Remixe von Stücken des ersten Diamond Eye-Albums. Das Qualitätslabel Modern Urban Jazz veröffentlichte 2011 das Album „Moments In Life“ und legt nun eine 7″-Remix-Platte nach. Die bewegen sich eindeutig im 45Seven-Gang und entschleunigen die Drum’n’Bass-Arrangements der Originale in Form von herrlich feingeistigen, soundversierten Dub-Versionen.

Durchaus auch ein kleiner Ritterschlag, dass dies unter dem Modern Urban Jazz-Banner passiert. Dubmonger stürzt sich mehr auf die Harmonien, LXC auf die verhallten Zwischentöne. Eigentlich hätte gleich das ganze Album von den beiden neu bearbeitet werden können. LXC hat einige Kopien der limitierten 7″ bei sich rumliegen.

Und noch etwas lässt sich zu LXC verlautbaren: er bietet seine Mastering-Skills nämlich seit einigen Monaten unter dem Label Watta Sound an. Ein Interview zu diesem Thema führte Dubmonger neulich für seine Website.

Modern Urban Jazz Website
Dubmonger Website
LXC Website
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Various Artists „Remixes Part One“ (Oh! Yeah!)

Neues von Oh! Yeah! Dieses Mal ein neu interpretierter Blick in den Backkatalog. Mit Douglas Greed, Thomas Stieler und Matthias Meyer.

In den Zwischentönen des frohfroh-Interviews kündigte Sven Tasnadi die Remix-EP bereits an. Seit einer Woche ist sie nun draußen. Die erste überhaupt. Denn bisher veröffentlichte das Label nur eigene Tracks des Betreiber-Trios. Für die „Remixes Part One“ gingen die drei Jahre alten Orginale nach Jena, Saalfeld und Lüneburg. Schon ein erstaunlicher Zug solch verhältnismäßig alte Tracks noch einmal hervorzuholen – noch dazu die B-Seiten.

Aber gerade „Charisma“ von Sven Tasnadi war mir gar nicht mehr als solche Perle im Gedächtnis. Thomas Stieler streckt die verträumte Atmosphäre und hebt dezent den Drive. Ausgewogen, aber nicht unbedingt notwendig. Dafür strahlt das Original einfach zu stark.

Douglas Greed und Matthias Meyer nahmen sich unabhängig von einander „Dead Cities“ von Juno6 vor. Kein leichtes Unterfangen, bei den langen, leichtig trippigen und fein verästelten Arrangements. Douglas Greed akzentuiert einige Elemente sehr viel deutlicher und spielt mit einem leicht holprigen Funk. Matthias Meyer fokussiert dagegen voll auf die Streicher-Chords. Sehr effektreich und mit sehr versiertem Blick auf den Dancefloor. Insgesamt eine solide Remix-EP, die aber wieder sehr viel mehr Lust auf die Originale zu wecken versteht.

Oh! Yeah! Website
Sven Tasnadi Facebook
Juno6 Website
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Der Neonlight-Sommer

Der Juli war ein guter Neonlight-Monat – auch wenn die anderen Monate nicht minder gute Monate für das Duo gewesen sein dürften. Aber es kamen zwei Platten mit Tracks von den beiden heraus.

Nicht nur von ihnen allein. Ihr gemeinsam mit sH1 und Wintermute produzierter Track „Perpetuum Mobile“, der bereits vorseit einigen Monaten auf Soundcloud angeteast wurde, kam Mitte Juli offiziell heraus. Jenes Bollwerk also, das sich auf Maximal-Level unermüdlich nach vorn schraubt. Auf der EP sind auch zwei Neonlight-Remixe des Tracks „Never Acid Again“ der Londoner Label- und Producer-Crew Cause4Concern dabei. Große Rave-Schieber, bei denen mir aber leider das Vokabular fehlt, um sie anständig einzuordnen. Zumal ich das Original auch nicht kenne.

Ebenfalls bei einem Londonder Label – Bad Taste Recordings – kamen zwei weitere Neonlight-Stücke heraus, die in Kollaborationen entstanden. Einmal wieder mit den beiden Leipzigern Wintermute und sH1, das andere mit Aeph. „Reminiscence“ – die Leipziger Zusammenkunft – fällt um einiges ruhiger aus als „Perpetuum Mobile“. Sehr viel aufgeräumter, mehr Raum lassend für die einzelnen Sounds.

Ehrlich gesagt ist der sonst so gängige Overload das, was mich bei Drum’n’Bass-Stücken tendenziell auf Distanz gehen lässt. Vielleicht sind meine Synapsen überreizt. Vielleicht bin ich anders sozialisiert. Auf jeden Fall berührt mich ein „Reminiscence“ weitaus mehr. „Space Truckers“ – das Stück mit Aeph geht zwar auch sehr deutlich auf die Überholspur, aber ebenfalls in recht überschaubaren Bahnen.

Toll aber insgesamt zu sehen, wie Neonlight auch andere Producer aus der Stadt mit ziehen. Noch mehr Neonlight gibt es bei Drum & Bass Arena – Interview plus Mix.

Neonlight Facebook
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Various Artists „Nachti Zwölf Zoll“ (Nachtdigital)

Letztes Jahr eine 10″, zum 15. Jubiläum eine 12″ – das Nachtdigital hat auch Gefallen am Platten veröffentlichen gefunden.

Es wundert auch kaum – die Kontakte zu guten Künstlern dürften zuhauf vorhanden sein. Wahrscheinlich wären genug Tracks für ein richtiges Label parat. Aber das Nachtdigital ist ein Festival und die bisher zwei Platten ein schönes Gimmick für die Besucher. Waren im letzten Jahr Robag Wruhme & Erobique sowie Map.ache mit ihrer verschwurbelten und deepen Art dabei, geht der Sound der „Nachti Zwölf Zoll“ in eine ganz andere Richtung.

Als ob die Border Community-Zusammenarbeit der vergangenen Jahre noch immer nachhallen würde. Die beiden Italiener von Margot haben auch eine Platte auf dem Londoner Groß-Schwelgerei-Label veröffentlicht – die Referenz ist also da. Ihre Tracks „Dancefloor 118“ und „Sidechain“ klingen rauschvoll, spielerisch und angeraut hoch peitschend. Amtliche Rave-Tracks mit einem kantigen, hoch emotionalisierten Charme. Sie werden am ND-Wochenende auch in Olganitz sein.

Die größere Überraschung ist aber Steffen Bennemann mit seinem „Teufelberg 3“. Nicht nur, weil Tracks von ihm eher selten an die Öffentlichkeit gelangen. Sondern auch, weil er sich mit jedem neuen Track quasi neu erfindet. Klar, sein Koi-Projekt forschte sehr konzentriert im elektronischen Dub.

Doch es liegen Welten zwischen seinem Debüt auf 1Bit Wonder und diesem aktuellen Stück – nebenbei auch über sechs Jahre. Auch er verliert sich im epischen Moment. Langsam gleitend, einen alten fiktiven Science Fiction-Film vertonend. Und auch dem Kraut-Sound sehr verbunden. Toll, dass die Nachtdigital-Platten ebenso Liebhaber-gesteuert sind wie das Line-up.

Die Nachti Zwölf Zoll wird es erstmal nur auf dem Festival geben – mit DIY-Cover-Gestaltungsecke. Die Restexemplare landen dann im ND-Online-Shop sowie dem einen oder anderen Plattenladen. Von Steffen Bennemann kann man ganz aktuell bei der Groove auch einen Podcast-Mix herunterladen. Und Robag Wruhme ist ebenso dabei: Ende August erscheint mit „Olgamikks“ eine Compilation zum 15-jährigen Jubiläum des Nachtdigital. Die volle Packung Glück also.

Nachtdigital Website
Steffen Bennemann Facebook

Momo „One Of These Mornings“ (Rivulet Records)

Am vergangenen Wochenende war offizielle Release-Party im Berliner Club Ritter Butzke – damit ist nun auch Rivulet Records amtlich. Mit Siebdruckcovern und deepem House.

Der Name stand schon länger im Raum, auch der Termin und das Anliegen. Etwas genauer betrachtet, spannt Rivulet personell den Bogen zwischen Weimar, Leipzig und Berlin. Zwei der insgesamt vier Labelbetreiber kommen aus Weimar, leben mittlerweile aber in Leipzig, zwei Leipziger hat es nach Berlin verschlagen. Dazwischen steht nun ein eigenes Label mitsamt eigener Art Direktorin, die sich um das Artwork kümmert. Und da mag es Rivulet gern handmade – die Cover der Debüt-EP wurden selbst siebgedruckt.

Die Tangente bestimmte auch das Line-up vom letzten Samstag – Sevensol & Bender waren ebenso dabei wie Leute aus dem Weimarer Giegling-Umfeld. Und die Tracks auf der ersten Platte? Die kommen von einem jungen Berliner Produzenten namens Momo, der früher Nirvana hörte und später House für sich entdeckte. Eben wegen der emotionalen Note, wie er selbst sagt.

Emotional und sanft schwingend sind auch seine beiden House, die bei „I’ll Wait For You“ keine Scheu vor längeren Pop-Vocals haben. Wie in Watte eingehüllt und mit einem gewissen Kitsch versehen, tänzelt dieses Stück über fast neun Minuten umher. Der zweite Track „One Of These Mornings“ trägt die beste Zeit zum Entfalten dieser Stücke denn auch im Namen. Ganz klar der Morgen mit seiner Mischung aus matter Benommenheit und den letzten Resten einer noch nachhallenden Euphorie aus der vergangenen Nacht.

Da ist Momo mit dieser EP angesiedelt, ohne dass er sonderlich herausstechen würde. Aber er versteht es dieses Gefühl musikalisch zu vertonen. Und er beschert Rivulet einen gelungenen Einstand. Ab Winter wird es übrigens auch eine Rivulet-Party-Reihe in Leipzig geben.

Rivulet Records Website
Momo Facebook

Filburt solo

Filburt produziert ab und an auch allein. Ein Track ist nun auf einer Compilation des französischen Labels Brown Eyed Boyz Records rausgekommen.

„Say Say“ kommt mit sommerlich unaufgeregtem, durchaus introvertiertem Groove um die Ecke. Ohne große Fanfaren. Toll, könnte man auch sagen.

Aus der RDF-Zusammenarbeit mit Ron Deacon wird nach dem Sommer übrigens ein eigenes Label. RDF wird es heißen. Und die nächste O’RS ist eine Split-EP mit Break The Surface.

!?

Die Plakate hängen schon länger in der Stadt, an diesem Sonntag ist es nun soweit – das Think Festival macht den Sonntag lang. Wir kündigen es schon heute an und verlosen Freikarten.

Es ist das dritte Jahr der Think-Neuauflage und schon wirkt es so, als sei es nie weg gewesen. Als hätte es die 15 Jahre Pause nicht gegeben. Nun ist es die Leipziger Variante von Green & Blue, Merkwürdiges Verhalten und all der anderen größer aufgezogenen Tages-Open Airs. Wer genau hinschaut, wird auch bemerken, dass sich an der großen Konzentration an Leipziger Producern nichts geändert hat – das Think bleibt also auch eine Werkschau.

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die schönen, unaufgeregten Location-Bilder aus der Groove. Mit all der stillen Poesie eines Ortes, der für einen Tag lang ein ganz anderer sein wird. Cornelius Plache ist dafür extra an den Nordstrand gefahren. Wir dürfen sie hier noch einmal zeigen.

Doch ich will hier gar nicht um den heißen Brei reden. Wir verlosen 2 x 2 Freikarten für das Think Festival. Dafür müsst ihr den folgenden Satz richtig vervollständigen und an dance [at] frohfroh.de schicken: „Ich denke, also …“

Unter allen korrekten Einsendungen verlosen wir die Tickets. Zeit ist bis Mittwoch, den 25. Juli 2012, 18 Uhr.

Foto: Cornelius Plache // ©2012 Cornelius Plache // ©2012 TH!NK?Zur Einstimmung hier noch einmal das Line-up:

Sven Väth
DJ Koze
Kaden & Stefanik
Marek Hemmann
Daniel Bortz
Nu
Marbert Rocel
Good Guy Mikesh & Filburt
Tasnadi & Juno6
Lars-Christian Müller
Chris Manura
Andreas Eckhardt
Peter Invasion
Philipp Matalla
Manamana
Feenstaub
Stephan von Wolffersdorff
Daniel Sailer
Dilivius Lenni

Think Festival Website

„Wir repräsentieren nicht nur die Feierkultur der elektronischen Musik“ – Global Space Odyssey

Am 21. Juli startet die Global Space Odyssey wieder am Connewitzer Kreuz, um einmal quer durch die Stadt für die Belange der freien Szene zu demonstrieren. Wir hatten ein paar Fragen, Sascha Heyne beantwortete sie.

Die Global Space Odyssey gehört mittlerweile fest zum Leipziger Jahreskalender. Was ich nicht wusste war, dass sie bereits seit 2001 existiert. Damals noch als Teil des Global Marihuana March. Heute ist die Global Space Odyssey in ihrem thematisch breiten Anspruch zu einem Unikum avanciert – anders als Shit- oder Hanfparade, auch anders als der Karneval der Kulturen. Ähnlich ist jedoch der Spaß, der trotz der Ernsthaftigkeit auf die Straßen Leipzigs gebracht wird.

Nach einer Pause 2007 kümmert sich seit 2008 ein neues Team um die Organisation und Themensetzung der GSO. Und zunehmend reicht das Engagement über die reine Demonstration hinaus. Zeit also einmal kurz resümieren und hinter die Kulissen zu schauen. Sascha Heyne alias Sencha vom Organisationsteam fand die Zeit für ein paar Antworten.

Die GSO hat in den vergangenen Jahren immer konkreter und ausführlicher Themen gesetzt und ihr Engagement auch über die reine Demo verstärkt – hat sich das Selbstverständnis verändert?

„Das Selbstverständnis der GSO hat sich in den vergangenen Jahren sicherlich geändert. Seit wir uns als Orga-Team vor fünf Jahren neu formiert haben, ist auch das Verständnis dahingehend gewachsen, dass es für uns nicht nur um diesen einen entscheidenden Tag im Jahr geht, an dem wir alle gemeinsam auf die Straße gehen, um für kulturelle Vielfalt, Freiheit und Selbstbestimmung zu demonstrieren.

Wir beobachten die kulturpolitischen Entwicklungen in der Stadt sehr genau, melden uns dann auch zu Wort oder informieren über unsere Netzwerke über aktuelle Ereignisse oder Prozesse in Leipzig. Zudem wollen wir die GSO auch immer sinnvoll ‚durch den Winter bringen‘. Zum Beispiel durch gesonderte Plakataktionen oder die kontinuierliche Erarbeitung eines nachhaltigen Freiflächenkonzepts für Veranstaltungen, die sonst teils in die Illegalität gedrängt werden würden.“

Wie werden Themen gesetzt?

„Die Themen ergeben sich meist aus der Situation heraus, die uns umgibt. Also in erster Linie meint dies uns als Orga-Team, da die meisten auch einen ’subkulturellen‘ Hintergrund mitbringen, egal ob als DJ, Veranstalter oder einfach, indem sie sich irgendwie in der „freien Szene“ bewegen. Und da der Begriff Kultur auch mit Lebensumständen außerhalb vom Feiern zu tun hat, spannt sich der thematische Bogen entsprechend weiter.

Dass die GEMA dieses Jahr weit oben auf der Liste stand, ist nachvollziehbar. Sorgt doch die Tariferhöhung für bedrohte Existenzen unter den Clubbetreibern und ebenso für empfindliche Einschnitte bei der Partykultur allgemein. Und das nicht nur in Leipzig, sondern bundesweit. Was wir dieses Jahr noch stärker in den Fokus rücken möchten, ist das Problem fehlender Bandproberäume in unserer Stadt. Gerade weil die GSO häufig nur mit elektronischer Musik gleichgesetzt wird, war es uns wichtig, hier auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Denn wer sich unsere Aufrufe zur Demo durchliest, wird merken, dass wir keinesfalls nur die Feierkultur der Sparte elektronischer Musik repräsentieren.

Letztlich war es dieses Jahr auch ein wichtiges Anliegen, uns selbst ein wenig zu reflektieren, was einer unserer Broschürentexte zur diesjährigen GSO sehr gut widerspiegelt. Denn es geht nicht immer nur ums Einfordern: Wir alle können selbst schon wichtige Akzente für ein besseres Miteinander setzen.
Außerdem kommen viele GSO-Themen jedes Jahr erneut auf den Tisch, weil sich eben in gewisser Hinsicht nichts oder zumindest viel zu wenig seitens der Stadtverwaltung verändert.

Schaut man sich nur die Entwicklung der Clubkultur Leipzigs an oder denke eben an das angesprochene Freiflächenkonzept, das schon seit geraumer Zeit durch blockierende Ämter ins Stocken geraten ist, weiß man, warum man das macht. Auch die Hürden, die wir mit den Clubs für unsere Aftershow-Partys vor drei Jahren zu nehmen hatten, gossen natürlich von Seiten der Ämter noch einmal zusätzliches Öl ins Feuer: völlig kurzfristig gab es ein Veranstaltungsverbot für Gieszer16, DHF und das Superkronik.

Abgesehen davon arbeiten wir mit dem Ordnungsamt stets gut zusammen, auch wenn nicht immer jede von uns vorgeschlagene Demonstrationsroute abgesegnet wurde oder uns die ein oder andere Auflage für die Durchführung der Demo übertrieben scheint. Auch die Absprache mit der Polizei während der GSO lief die letzten Jahre durchaus gut.“

Wie hat sich die Wahrnehmung entwickelt – speziell die Akzeptanz der Stadt gegenüber der GSO?

„Speziell meinst du sicher auch die Außenwahrnehmung der Global Space Odyssey. Das ist für uns ein wichtiger Aspekt, an dem wir in den letzten Jahren stets dran geblieben sind, um eine Schnittstelle zwischen den Themen, die uns am Herzen liegen und dem richtigen Zugang nach ‚außen‘ zu entwickeln. Es bringt ja nichts, sich hinzustellen und erst einmal prinzipiell ‚anti‘ zu sein.

Wir wollen ganz einfach an der Entwicklung der Stadt teilhaben und diese mit gestalten, Freiräume schaffen, für ein respektvolles und tolerantes Miteinander werben. Uns liegt es sehr am Herzen, was in Leipzig passiert und wollen nicht zusehen, wie es sich in eine Richtung entwickelt, die eher Konsum und Vermarktung hinterher rennt und die Menschen selbst dabei zurückbleiben. Dies sind wichtige und absolute legitime Forderungen und Wünsche, die wir auf kritische aber eben auch auf bunte Weise auf die Straße bringen wollen.

Auch wenn die Medien hier und da gern wieder das Bild einer inhaltslosen Spaßparade zeichnen, wird uns das nicht davon abhalten, diesen Themen weiter Gehör zu verschaffen. Wir sind immer bemüht, das so auszubalancieren, dass die Message ankommt. Und ich hoffe, das gelingt uns von Jahr zu Jahr besser.

Im Übrigen haben wir heute Morgen dem Oberbürgermeister Burkhard Jung eine Einladung zur Global Space Odyssey geschickt. Quasi als Reaktion auf seine PR-schwangere Antwort zu einem recht guten Artikel von Robert Schimke in der ZEIT. Wir sind gespannt, ob er kommt und seinen Blick auf die Dinge, die wirklich in dieser Stadt vorgehen, ein wenig schärft.“

Gibt es einen festen Kern an mitgestaltenden Leuten oder wechselt es jährlich?

In der jetzigen Gruppe arbeiten Viele von Anfang an mit – also über die letzten vier bis fünf Jahre. Es kommt natürlich immer wieder vor, dass jemand durch Studium oder Job zu sehr gefordert wird und mal aussetzen muss. Alles in allem kann man aber sagen, dass die Zusammenarbeit trotz eines recht bunt zusammen gewürfelten Haufens wunderbar klappt. Ab und zu gibt es Diskussionen, aber immer sehr von Akzeptanz geprägt. Das macht das Arbeiten sehr angenehm. So sollte es auch sein, immerhin machen wir das alle in unserer Freizeit und für lau. Wenn es dann Spaß macht und man Ergebnisse sieht, ist das auch vollkommen okay.

Trotz allem ist die GSO über die letzten Jahre ziemlich gewachsen: sowohl inhaltlich, was die Themen und die Umsetzung nach außen angeht, als auch die Demo an sich. Wir reden mittlerweile von über 3500 Menschen, die begleitet von vielen bunten Wagen durch die Straßen Leipzigs ziehen und ihre kritische Stimmen bzw. Füße erheben. Das erfordert natürlich wiederum ein wacheres Auge für die Organisation der Demo. Daher haben wir vor ein paar Monaten zu einem Infotreffen geladen, um neue Leute für unser Team zu gewinnen. Und das hat auch prima funktioniert. Wir sind jetzt um ein paar kluge Köpfe und helfende Hände reicher.

Global Space Odyssey Website