Äh, eine Menge Gitarren, jaja. Aber auch eine Menge Freiraum – so versüßen Webermichelson die letzten beiden – eigentlich trüben – Tage.
Es ist nicht so, dass der Elektronikszene von Leipzig langsam die Puste ausginge und daher nun Gitarren im frohfroh-Fokus die Leerstellen auffüllen müssten. Und es ist auch kein Flashback in meiner persönlichen Rock-Sozialisation. Denn Webermichelson gehören eigentlich mitten auf die Tanzfläche eines Techno-Clubs. In der Mitte all die Gitarren, Effektpedale, Schlagzeug und Mikrofone, drum herum auf gleicher Ebene das Publikum.
Keine Ahnung, wie die Shows von Philipp Weber und Sven Michelson wirklich ablaufen, aber rein musikalisch könnte dieses Setting aufgehen. Die beiden hieven den offenherzigen Post-Rock-Geist ziemlich spannend in die Dramaturgien des Clubs. Ohne viele Worte, ohne die obligatorischen und schnell ermüdenden Laut-Leise-Wechsel des Genres. Die Nähe zu anderen Disziplinen, etwa zur bildenden Kunst und Mode, ist da. Mit dem Leipziger Mode-Label howitzweissbach arbeiten Webermichelson schon länger zusammen.
Ende Januar erschien ein live eingespieltes Album als Free-Download und als limitierte Kassette. Sechs Stücke zwischen 3 und 14 Minuten Länge sind darauf. Gerade Bassdrums, repetitive Gitarren, eingestreute Elektronik und immer mal ein von weitem her hallender Gesang. Zwischen Post-Rock-House und Shoegaze-Ambient – damit ließe sich der Vibe des Momentanen der sechs Stücke grob verorten.
Aus Rock-Sicht gäbe es sicherlich noch andere Beschreibungsansätze, und vielleicht wären da auch die einen oder anderen Konventionen auszumachen. Doch das macht Webermichelson scheinbar aus – dass sie aus verschiedenen Perspektiven betrachtet schillern. Dass sie einfach so ein Album raus hauen, dass nicht einfach so im Netz versauern sollte.
Die Connwax-Verbindung bleibt verschleiert. Auf der Website keine Infos. White-Label-Label-Politik in Reinform, ähnlich den verschwommen Hardwax-Mythen. Statt Hardwax scheint aber
Überraschender aber fällt seine dritte EP für Broque aus. Da ist noch mehr Rohheit in den fünf Tracks. Zwischen Techno und Ambient bewegen sich die Stücke – in einer sehr historisch ausholenden Weise. Da schwingt der futuristisch geprägte Forscherdrang mit. So wie man sich das als Zuspätgeborener eben vorstellt. Riesige Geräte, kosmische Sounds, psychedelisch und tight.
„The Devil’s Hand“ als Album löst denn auch das Versprechen der Single ohne Zweifel ein. Gezehrte Songs, teilweise still, teilweise mit ungewohnter Rave-Note. „On Our Own“ strahlt besonders hell – obwohl es so dunkel anmutet. Und auch so widersprüchlich. Einerseits hat es super reduzierte, intensive Momente, andererseits peitscht es sich später phasenweise enorm hoch.
Wintermute wiederum verhalf einem neuen Label aus Berlin Ende Dezember zum Start –
Bei Alphacut Records schafft es nach längerer Zeit wieder ein Leipziger Producer auf LXCs Schneidetisch. Lowcut (Foto) gelangt auf Alphacut 26 mit „Therapist“ der Sprung raus aus der Soundcloud. Zu Recht. Das schnarrende, lange Intro, die fein sezierten Beats, die gespenstisch runter gedimmten Breaks und die sich langsam hoch pushende Steigerung. Sehr schön, sehr dicht.