Destruktion und Poesie – PorkFour

In der Electronica prallt ja vieles auf einander. Auch wenn es um die als Nerd-Domäne verschriene Musik in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden ist, gibt es was zu berichten – von PorkFour.

So richtig viel ist leider nicht zu Michael Kohl alias PorkFour heraus zu finden – zumindest wenn man sich auf das Durchstreifen des Internets beschränkt. Sounddesigner und Visual-Grafiker, Studienaufenthalte in Dessau und Bangkok, Veröffentlichungen auf Alphacut und Fakecore, die ich aber leider nicht zuordnen kann. Handfest ist aber die Vinyl-Compilation des gerade erst gestarteten Erfurter Labels B.L.A.T.T. Records.

„Analog Handcraft EP 1“ bündelt vier Tracks aus denen das PorkFour-Stück „Muun“ komplett aus dem Minimal- und House-Rahmen der EP heraus fällt. „Muun“ changiert zwischen digitalen Funk und mikroskopisch feiner Sound-Bastelei. Jeder Ton bleibt beweglich, es gibt kein statisches Gerüst und scheinbar auch keine direkte Dramaturgie.

Stattdessen präsentiert PorkFour eine klangliche und sich rasant verändernde Dichte, die schwindelig macht. Beeindruckend einerseits mit einer gewissen Poesie, aber auch sehr überladen und aufgerissen andererseits. Ich könnte mir vorstellen, dass PorkFour als Live-Act noch mehr flasht, weil dann die Verbindung aus Prozess und Klangwahnsinn noch intensiver wirkt. Zum Vorhören gibt es hier ein Snippet. Den kompletten Track gibt es auf der PorkFour-Myspace-Seite zu hören.

Ein was fehlt noch: Michael Kohl spielt auch in der Band Tastatur. Da gibt es dann geordnete Beats und Pop-Appeal.

B.L.A.T.T. Records Website
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Mod.Civil „Funktionen EP 1“ (Ortloff)

Ortloff geht den nächsten Schritt und wird zum Artist-Label. Nach drei Mini-Compilations kommen nun zwei EPs in kurzer Folge von Mod.Civil, die inhaltich und optisch eine Einheit bilden.

Dass es Ortloff Ernst meint mit dem Platten veröffentlichen, dürfte schon nach der zweiten Compilation klar geworden sein. Die „Ortloff Eins“ war kein einzelnes Gesamtkunstwerk aus einem Lindenauer Kunstraum.

Und so ist Ortloff zu einem dieser Liebhaber-Labels gewachsen, das mit farbigem Vinyl, besonderen Plattenhüllen und natürlich den ausgewählten Tracks aus der Leipziger Elektronik-Szene eine große Anziehungskraft erzeugt.

Mod.Civil, die bislang einzigen Residents des Labels hieven Ortloff mit ihrer Doppel-EP „Funktionen“ nun auf die nächste Stufe – inklusive zwei beigelegter Siebdruck-Plakate, die diese EP inhaltlich verknüpfen.

Die beiden Tracks der ersten EP lassen sich enorm viel Zeit. Auf der A-Seite mit „a-funktion“ über zwölf Minuten. Im Prinzip offenbaren sich hier gleich mehrere Tracks auf einem durchlaufenden Band – mehr oder weniger gut zusammengehalten und verbunden durch kurze Noise-ähnliche Interludes.

Da gibt es einen deepen ersten Part, der von einem düsteren und etwas schrofferen Teil abgelöst wird – fast krautrockig klingt in diesem Abschnitt das Fallenlassen in einen bestimmten Sound. Da wirken die sich anschließenden Streicher wie dick aufgetragener Balsam. Besänftigend und schön.

Und mit einem jähen Ende, nämlich der Rückkehr zum eingedunkelten mittleren Teil. Dramaturgisch ist die Mitte am stärksten, da sind die Kontraste am tiefsten miteinander verwoben.

Der Track auf der B-Seite ist da in sich geschlossener. Mit den typischen dumpf und trocken rauschigen Bassdrums und Basslines. Und insgesamt dominiert hier die süß schmeckende Wehmut, die so oft bei Mod.Civil durchschimmert. Mit etwas Detroit-Appeal und sich beständig hoch schraubenden Chords.

Zum Schluss hin wirkt die Synthie-Spielerei dann ein wenig wie ein zu langatmiges Gitarrensoli – nur mit anderen Mitteln. Und leider fällt das beiläufige Pfeifen zum Schluss doch sehr nett und gefällig aus. Da geht der deepe Crisp vom Anfang verloren.

Durchwachsen kommt mir da als Resümee zur ersten „Funktionen“-EP in den Sinn. Denn es gibt es eben trotzdem eine Menge dieser wunderbaren Mod.Civil-Momente – gerade auf der A-Seite.

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Nix mit Minimalismus

Das ist sie also, die erste EP von Gregor., jenem Krawallkraftbündel, das schon seit gut zwei Jahren immer wieder in den hiesigen Clubs auftauchte. Ohne Titel, ohne Label kommt die EP – dafür mit umso mehr Maximalismus.

Gregor mit Punkt, also Gregor. – allein das ist schon eine Ansage. Und auch die Tracks von Florian Treuheit alias Gregor. strotzen nur so vor gesundem Selbstbewusstsein. Jedoch eines, das nicht zur Selbstübersteigerung oder Plattitüde neigt. Es ist vielmehr eine jugendliche Unbeirrtheit, die sich einfach ihren Weg bahnt.

Gregor. hat sicherlich Boys Noize gehört. Und wahrscheinlich wäre er auf dessen Label auch gut aufgehoben. Die klangliche Nähe nun auf die Goldwaage zu legen, erscheint müßig. Das Spannende an Boys Noize – und damit auch an Gregor. – war von Anfang an die Kompromisslosigkeit mit der sich hier dem Minimalismus, der Zeitlosigkeit und der Eleganz von House und Techno widersetzt wird. Es gibt auf die Mütze, schnelle Peaks, rau-kratzende Synthies mit großen Rave-Gesten.

Das ist nicht unbedingt das, was man seinen Eltern vorspielt. Genau dieser rebellische Geist verströmt aber eben eine immense Anziehungskraft – auch für mich. Natürlich ist mir das alles einen Tick zu grob geschnitzt, aber die Haltung dahinter und die Versiertheit in den Arrangements kriegen mich einfach doch.

Und erst recht die Beats, die bei aller Breitwand-Beschallung erstaunlich diffizil, leichtfüßig und beweglich bleiben. Das nimmt dem ganzen die Mächtigkeit und vielleicht auch die Plumpheit. Denn ein stumpfes Losmarschieren kann man Gregor. nicht vorwerfen. Immer wieder schimmern ebenso deepe Momente hervor.

Mit fünf Tracks debütiert Gregor. also – in Eigenregie mit der Künstler-Booking-Plattform Riotvan im Rücken veröffentlicht. Und allein der Pappschuber für die CD zeigt, dass hier nicht einfach ein Demo entstehen sollte. Das ist auch Leipzig!

Als Hörprobe gibt es hier ein – Achtung Oldschool-Begriff – Medley sowie einige Demo-Versionen, die sich bei Soundcloud angehäuft haben.

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Electro versus Elektro

Letzten Samstag kam die Frage: „Warum muss es denn immer dieser Electro-Beat sein?“ Die Enttäuschung kam aber nicht durch das Genre an sich auf, sondern darin, dass der charakteristische Electro-Beat im Dubstep/UK Funky-Kontext des Öfteren auftaucht. Obwohl es doch spannender ginge. Doch zum Thema Electro kam mir anderes in den Sinn.

Es gibt zwei spannende Themen beim Schlagwort Electro – einmal die begriffliche Unschärfe, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Plötzlich ist alles Electro, oder auch Elektro. Überall nur noch Elektro, in der Ilse, im Waldi, im Sweat. Fast wirkt es so als würden sich manche dafür schämen zu sagen, dass sie ganz gern mal auf eine Techno- oder House-Party gehen.

Verbrannte Erde für die Indie- und Rock-Kids, die die Neunziger als Rave-Hölle wahrgenommen haben und heute doch zu geraden Bassdrums tanzen. Dass Electro ein eigenes Genre ist, fällt da leicht unter den Tisch. Auch der De:Bug fiel dieses Phänomen kürzlich auf und sie widmete ihm einen Artikel im Rahmen des Jahresrückblicks.

Der zweite Aspekt zu Electro bezieht sich auf Leipzig – denn hier gibt es seit Jahren einige Producer und DJs, die den Detroit-Vibe mit seinen niederländischen Auswüchsen beständig aufgreifen und weiterentwickeln. Besonders die Blackred-Crew ist weit vorn dabei. Dass dies hier aber zum Thema wird, liegt an meiner verspäteten Entdeckung von Headnoaks.

Als DJ war er mir lange ein Begriff. Doch seine Tracks fand ich erst auf Soundcloud. Und darüber auch den Link zu seinen digitalen Veröffentlichungen auf Militant Science und Transient Force. Vor wenigen Wochen debütierte Headnoaks nun auf Vinyl bei AC Records, dem Label der Synthesizer-Bauer von Acidlab. Zusammen mit Gerard Hanson alias Convextion alias Time Light Curve teilt sich der Leipziger die „Magnetite“-EP.

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A Forest, Doumen und Tasnadi

Ein paar Kleinigkeiten gibt es wieder zu vermelden. Schön kurz serviert: denn Montag ist bekanntlich Schontag.

A Forest haben es geschafft. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an den Spenden-Aufruf des Trios via VisionBakery. 66 Unterstützer haben das Ziel von A Forest sogar noch übertreffen können – 116 % oder 1.040 €. Die handsignierten EP-Exemplare sind schon an die Spender rausgegangen. Am 25. März erscheint „A Square“ dann offiziell. Demnächst gibt es bei frohfroh auch eine Besprechung. Nur so viel: die Stücke sind super.

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In Zeiten von Myspace, Facebook & Co sind Label-Websites ja fast Web 1.0. Doch genau wie die Schallplatte kann es nicht schaden oldschool zu sein. Doumen haben nun eine eigene Website gelauncht – mit eigenem Podcast, den Aera startet. Noch ist nicht viel Inhalt zu sehen, dafür das tolle Logo und wunderbare Hintergrundbilder in riesiger Größe.

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Und zu letzt etwas zum Hören. Etwas, das so wahrscheinlich nicht veröffentlicht wird. Sven Tasnadi hat nämlich die House- und Techno-Pfade kurzzeitig verlassen – inspiriert von Daniel Stefaniks „Dambala Experience“, die übrigens demnächst auf einer 10″ veröffentlicht werden soll. Tasnadi hat in einem Second-Hand-Plattenladen eine alte Dub-Reggae-Platte von Liz Lucci entdeckt und daraus ein paar Samples gezogen. Heraus gekommen sind drei unterschiedliche Tracks – verrauscht im Klang, und angesiedelt zwischen rumpelnden Dub, Dub-Techno und HipHop.

Großes Musikkino

Der frohfroh-Grafik-Man ist auf was wunderbares gestoßen. „Hier mein Youtube-Video-Tipp“, schrieb er heute früh ganz lapidar. Doch hinter dem Link verbirgt sich nicht nur ein Tiefseetauchervideo zu einem Sevensol & Bender-Stück. Er ließ zugleich das Video-Duo The 29th Films entdecken, das noch weitere Leipziger Tracks bebildert hat.

Aus Thüringen kommen Kevin Paschold und Sebastian Kökow. Und mit The 29th Films haben sie eine richtiges Archiv an Musikvideos aufgebaut, die in der Regel kein Label und kein Künstler in Auftrag gegeben hat. Ehrenamt at it’s best. Oder einfach purer Enthusiasmus. Bei spex.de wurden die beiden Mitte Januar interviewt.

Aus Leipzig sind neben Sevensol & Bender auch Mod.Civil und Kassem Mosse mit je einem Video vertreten. Stilistisch bedienen sich The 29th Films aus allem, was die Filmgeschichte in den letzten 100 Jahren entwickelt hat – vorwiegend wohl aus frei verfügbarem Material.

Bei Sevensol & Benders „Scuba“ geht es auf eine 9-Minuten lange Tauchreise, Mod.Civil bleiben mit „Somebody To Love“ über Wasser. Erst auf einem Schiff, später auf einer verlassenen Insel – visualisiert mit einem Stummfilm aus den 30er oder 40er Jahren. Und Kassem Mosses „Thalassocalyce“ untermalt einen alten Trickfilm im futuristischem Charme der 60er. Es ist ein Kalauer, aber man kann es nicht anders sagen: großes Kino.

Pjotr. G versus Jay Rico „Dutch Connected“ (Instabil)

Instabil überschreitet mit seiner aktuellen EP der beiden Niederländer Pjotr. G and Jay Rico die Grenzen des klassischen Dub-Techno. Das ist unheimlich erfrischend.

Es ist eigentlich nicht das erste Anzeichen für eine stilistische Öffnung des Labels. Die EP von Pandemrix 202 alias Falk war auch eindeutig in Detroit verortet als im Dub-Techno. Und auch „Dutch Connected“ lehnt sich weit aus dem Dub-Fenster. Hin zu einem Mix aus Dub, Electronica und Electro. Gar nicht weit entfernt von den zahlreichen Dubstep-Ausläufern der letzten Jahre. Zu dem Duo ist gar nicht allzu viel zu finden. 2006 gab es eine gemeinsame Platte auf Minimal Sound Noise, einem Label, das exakt nur ein Jahr existierte.

Die vier Tracks steigern sich in ihrer Dramaturgie ganz schlüssig. Mit „Prenzlauer Berg“ läutet ein Stück die EP ein, das noch am deutlichsten im Dub seine Referenz findet. Langsam mäandernd, sehr elektronisch und mit einem dezent schiebenden Beat. „Koepenicker Strasse“ zieht das Tempo schon gehörig an, mit verschleppten Snares, brüchigen Bassdrums und einer eingedunkelten Grundstimmung.

Ähnlich auch „Kollisionkurs“, nur dass hier der Rave-Appeal und die dicken Subbässe noch stärker betont sind. Ansonsten eine ganz ähnliche Darkness, die in der Mitte überraschend gebrochen wird – mit einem deepen Chord, einer Phase der Ruhe. Später rutscht der Beat wieder rein und verleiht dem eigentlich recht harschen und hektischen Track eine ungeahnte Wärme.

„Alle Fuer Die Liebe“ greift dies anfangs noch auf, löst sich aber schnell davon und geht in Richtung schwebender Electro-Chords – aufgepeitscht von einer schroffen Rhythmik. „Dutch Connected“ ist zusammen mit Pandemrix 202 mit die stärkste EP der jüngsten Instabil-Phase.

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Various Artists „Moon Harbour Joints Vol. 2“ (Moon Harbour Recordings)

Und wieder eine Compilation. Dieses Mal der zweite Teil der „Moon Harbour Joints“-Reihe, die den ganz spannenden Ansatz der temporären Kollaborationen zelebriert.

Bei der Joints-Reihe geht es um die Zusammenarbeiten zweier Moon Harbour-Künstler. Vor gut anderthalb Jahren debütierte die Serie mit Matthias Tanzmann und Martinez. Beim zweiten Mal ist das Karussell nun noch dichter besetzt mit Kollaborationen zwischen Luna City Express und Chris Lattner sowie Matthias Tanzmann und Dan Drastic. Und das Ergebnis fällt nicht spannender aus als die letzten Moon Harbour-Platten.

Nun ist gerade relativ leicht sich über den aktuellen Moon Harbour-Sound zu echauffieren – zu clean, zu funktional, zu wenig überraschend. All dies ist hier schon so oft mehr oder weniger deutlich rübergekommen. Und natürlich ist es geschmäcklerisch. Aber irgendwie ist es in doppelter Hinsicht ermüdend: das ständige Nörgeln ermüdet, die neuen Tracks aber eben auch ein. Ein Dilemma also.

Dabei gibt es durchaus auf der „Joints Vol. 2“ einige interessante Momente. Zum Beispiel ist es wirklich erstaunlich, dass bei den beiden Stücken von Matthias Tanzmann, Dan Drastic und Martinez quasi nur noch rhythmisch gearbeitet wird. Keine Chords mehr. Nur dicht arrangierte, mit Samples untermauerte House-Tracks.

Bei Luna City Express und Chris Lattner basiert die Herangehensweise noch etwas stärker auf einer Deepness der klassischen Harmonien. Das sind die beiden Herzen, die in Moon Harbour schlagen. Während aber „Puddle Trouble“ an Belanglosigkeit kaum zu überbieten ist, hat „Yamanote Line“, die Martinez-Tanzmann-Koop, ein kurzes, aber überaus wunderbares Frauen-Stimm-Sample drin – obwohl es so beiläufig klingt. Auch die Field Recordings im Hintergrund bringen ein Rauschen in die Loop-Hektik, das diesem Track doch so etwas wie eine Seele verleiht.

Das gehört eben auch zu Moon Harbour – die kleinen Freuden in den Zwischentönen.

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Various Artists „Warehouse Vol. 1“ (Cargo Edition)

Nach Moon Harbour im letzten Jahr feiert 2011 nun auch der kleine Label-Bruder Geburtstag – 5 Jahre Cargo Edition. Und der Anlass ist zugleich der Startschuss für eine neue Compilation-Reihe.

Ursprünglich war Cargo Edition ja die Spielwiese für Daniel Stefanik. Für experimentellere, schrägere und weniger funktionale Club-Tracks. Das hat sich nach Stefaniks Weggang von Moon Harbour schnell geändert. „Cargo Edition stehe für die deeperen Houseproduktionen aus dem Moon Harbour/Cargo Edition-Künstlerstamm“, heißt es heute offiziell von Label-Seite.

Allerdings hat sich der kleine Bruder mit Michael Melchner, Ekkohaus, Markus Schatz, Sven Tasnadi & Juno6 und Vera einen ganz eigenen Künstlerstamm aufgebaut, der quasi keine Überschneidungen mit Moon Harbour aufweist. Ehrlich gesagt, haben sich bis auf die Vera- und Sven Tasnadi/Juno6-EPs die anderen kaum in die Erinnerung eingebrannt. Da ist ein ebenso cleaner Sound entstanden wie bei Moon Harbour – mit relativ wenigen Überraschungen.

Mit der „Warehouse Vol. 1“-EP startet nun eine Compilation-Reihe mit Tracks von Producern, die bislang nicht bei Cargo vertreten waren – wahrscheinlich bleibt es jeweils auch nur bei diesem einen Mal. Für eine Compilation-Reihe völlig plausibel, gerade wenn es um das Aufspüren von einmaligen Perlen geht.

Leider bleiben die auf „Warehouse Vol. 1“ weitgehend aus. Schnittiger, zeitgemäßer House mit sirenenhaften Bläser-Samples gibt es mit Steven Cock aus Dresden und Minimono aus Italien. Ralph Sliwinskis „Minomess“ würde auch auf einer Moon Harbour-Platte passen.

Eine Überraschung gibt es aber doch: Mass Prod & Marco D’Aquino. „No Hummer Music“, der Track der beiden Italiener ist tatsächlich keine Musik für Hummer fahrende Breitbeiner. Das ist ein amtlich stolpernder, fast schon unverschämt simpler House-Track – angeraut und mit einer gewissen Reibung, die den anderen drei Tracks der Compilation fehlt. Keine deepen Chords, nur kurz aufzwinkernde Vocal-Samples und ein Break ohne spektakuläres Aufschäumen aller Tonspuren.

Acht Minuten lang wird hier auf einem Beat geritten, der einfach sitzt – mehr braucht der Track nicht. Was für ein Lichtblick – auch für Cargo Edition.

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Ortloff, Kann, Freude am Tanzen und mehr

Neue Woche, neues Glück – in kleinen Portionen. Unsere kurzen Nachrichten mit Ortloff, Kann, Freude am Tanzen und mehr.

Bei Ortloff geht es demnächst wieder weiter. Erstmals mit reinen Artist-EPs – zwei Mod.Civil-Platten sollen so innerhalb weniger Wochen herauskommen. Das sagte Label-Mitbetreiber Tilman Grundig alias Sebastian Dubiel im Interview mit dem Dresdner DJ-Duo The Moroders. Für deren Blog hat er gleich noch weitere Fragen beantwortet und einen Mix angefertigt.

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Auch bei Kann Records steht demnächst eine neue Platte an. Eine Compilation mit Tracks von Efdemin, , Even Tuell, Map.ache, Sevensol & Bender und: Falk! Ja, der Falk, der in letzter Zeit mit einigen Net-Releases punkten konnte gibt bei Kann sein Vinyl-Debüt. Lokale Aufbauarbeit quasi.

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Kürzlich erst wurde über die Leipziger Musikwirtschaft beim Einstand der Le Klub Analog-Reihe diskutiert. Als wichtigster Impuls ging vor zwei Wochen die Gründung einer Interessengemeinschaft hervor. Der Verein Kreatives Leipzig nimmt diese Idee auf und wird einen Antrag auf Infrastrukturförderung bei der Initiative Musik gGmbH stellen, der die finanziellen Mittel für solch eine Vertretung der Musikschaffenden Leipzig gegenüber den hiesigen Behörden ermöglichen soll. Dafür sind auch zwei weitere Diskussionsrunden mit den Protagonisten geplant. Mehr ist auf der Kreatives Leipzig-Website zu erfahren.

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Bei Freude am Tanzen in Jena wird dieses Jahr die Katalognummer 50 gefeiert. Mit einer Compilation auf der auch Daniel Stefanik und Juno6 vertreten sein werden – Anfang April soll sie erscheinen. Juno6 ist übrigens auch gerade der Star der aktuellen FAT-Podcast-Ausgabe. Zu hören gibt es ein amtliches Live-Set.

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Und noch was fernöstliches: die Japaner reißen Doumen Records die Praezisa Rapid 3000-Platten aus den Händen. Kein Scherz. Neulich stand die Nummer 01 auf dem ersten Platz der Electro-/Headz-Bestseller beim größten japanischen Mailorder jetsetrecords.net.

Daniel Stefanik „Nocturnal EP“ (Cocoon Recordings)

Ja, richtig gelesen – die neue Stefanik-EP kommt bei Cocoon heraus. Dies dürfte die Leipzig-Überraschung des noch jungen Jahres sein – wenn auch eine durchwachsene.

Es war wirklich eine Überraschung. Die Nummer 83 im Katalog von Sven Väths Label gehört seit wenigen Tagen Daniel Stefanik. Er ist damit nicht der erste Leipziger. Sven Tasnadi konnte seinen Track „Nordsee“ bereits im letzten Jahr bei Cocoon auf einer Split-EP veröffentlichen.

Ganz gleich, wie man zu Sven Väth und seinem Cocoon-Imperium stehen mag – hier wird ein sehr flächiger, voluminöser und satter Sound zelebriert, der auch die „Nocturnal EP“ ganz entscheidend prägt. Das ist nicht unbedingt der Stefanik-Sound, wie man ihn sonst kennt. Auch wenn es nicht den hermetisch abgeschirmten Stefanik-Sound gibt.

Aber es ist dennoch spannend zu hören, wie ein Label mit welchen Mitteln auch immer einen Einfluss darauf haben kann – allein durch eine bestimmte Ästhetik oder einen bestimmten Anspruch an seine Releases. Ob die das noch einmal extra fett abmischen? Schon bei Sven Tasnadis „Nordsee“ fegte eine mächtige und eingedunkelte Techno-Wolke über alles hinweg.

So ist es bei „The Silicon Garden“ und „Dirty Rhodes“, den beiden Vinyl-Tracks auch. Sehr rastlos, sehr hektisch, flächig und mächtig aufgeladen rasen sie los. Einen solchen Drive gab es ebenfalls bei der Be Chosen-EP – nur dass die beiden Tracks dort noch eine gewisse Rauheit hatten.

Die gibt es bei Cocoon nicht, die darf es da scheinbar auch nicht geben. Und doch hat solch eine Formvollendung auch ihren Reiz. Sie reißt einen unmissverständlich mit, ohne Ecken und Kanten. So ambivalent funktioniert Cocoon auch als Label: eine stilsicher dosierte Straightness zwischen Rave und nimmermüdem Pioniergeist.

Der digitale Bonus-Track „The Harlequin In Me“ nimmt diese Hast etwas heraus und spielt mit cineastisch aufschäumenden Synthie-Harmonien. „Dirty Rhodes“ dockt mit seinen Chords und Claps sehr deutlich an Detroit an und hat irgendwie den meisten Charme.

Parallel lässt sich übrigens gerade sehen, wie Daniel Stefanik neben diesem Cocoon-Ausflug eigentlich wo ganz anders unterwegs ist. Auf Soundcloud wächst derzeit eine kleine Serie heran, die eher im Dubstep und in experimentellen Sound-Gefilden agiert. Auf drei wunderbare Tracks kommt die „Dambala Experience“ bislang. Und der Kontrast zur „Nocturnal EP“ könnte kaum größer sein. In diesem Zusammenspiel zeigt sich erst die richtige Größe.

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Le Klub Analog

Leipzig schreibt sich mittlerweile mit großer Freude die Kreativwirtschaft auf die Fahnen. Dazu gehört auch die Musikszene in all ihren Facetten. Und die steht heute Abend im Rampenlicht.

Fährt man vom Zentrum aus in Richtung Plagwitz ziert seit Kurzem ein neuer Wegweiser die Strecke: Westkultur steht darauf. Im offiziellen Tourismus-Wegweiser-Style deutscher Städte. Die Kreativwirtschaft wird also auch in Leipzig als wichtiger Zweig in einer industriell eher mauen Umgebung gesehen. Die Musik gehört auch dazu – man denke nur an den EasyJet-Rave-Tourismus von Berlin. Der macht um Leipzig jedoch noch einen weiten Bogen. Aber dass es beim Tanzen, Headbangen und Mitsingen auch um Geld geht, dürfte in Leipzig wenig verwundern.

Der Verein Kreatives Leipzig e.V. widmet sich in diesem Jahr mit der Veranstaltungsreihe „Le Klub Analog“den elf offiziell definierten Sektoren der Kreativwirtschaft. Und den Start macht heute ab 19 Uhr die lokale Power Of Music. Es wird fünf Initiativvorträge aus verschiedenen Szenen geben. Den elektronischen Bereich stellt Filburt vor, den Pop-Überblick bietet Andreas Bischof von Analogsoul.

Anschließend gibt es zwei Außenblicke von Janina Klabes, Clustermanagerin der Musikwirtschaft in Mannheim, sowie von Timotheus Wiesmann, Geschäftsstellenleiter der Interessengemeinschaft der Hamburger Musikwirtschaft. Klingt alles nach einer amtlichen Veranstaltung, ähnlich der (Pop Up. Wir sind dabei. Im Bandcommunity-Bandhaus in der Saarländer Straße 17, unweit der Baumwollspinnerei.