KW 19 – Donnerstag

Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen der Trip Days – heute geht es los. Wir verlosen Tickets.

frohfroh-Tagestipp //

Trip Days // UT Connewitz // 21:00 Uhr
w/ Catnapp, Magi Merlin

Yeah, das Trip ist zurück – dieses Jahr als Compilation mehrerer, musikalisch für sich stehender Abende. Trip, was? Hier gibt es noch einmal ein kleines Intro, inklusive den Besonderheiten in diesem Jahr.

Zum Start geht es mit bouncy HipHop-Breaks-R’n’B-Clashs los. Catnapp ist hier wirklich herausragend. Sie bündelt jede Menge Energie in kurze, pushende Tracks, mixt Avant-Pop mit Subversion und ist live definitiv ein Erlebnis. Letztes Jahr kam ihre letzte EP heraus – mit Features von Modeselektor. Etwas klassischer souliger ist dagegen Magi Merlin. Dafür aber nicht weniger spannend. Sie bringt ein contemporary Refresh von Soul und R’n’B mit elektronischem Einschlag auf die Bühne.

frohfroh präsentiert The Trip Days // Verlosung
Wir verlosen für den heutigen Abend 2 x 2 Tickets. Lust darauf? Dann schickt eine Mail an dance @ frohfroh.de mit dem Betreff „Trip Thursday“. Die Gewinner:innen bekommen eine Mail.


Außerdem heute //

Input – Institut fuer Zukunft, 22:00 Uhr – Local-Hero-Rave

Endless Pleasure mit Deslin Ami Kaba

Letzte Woche erschien die Debüt-EP der Sängerin Deslin Ami Kaba auf VLOP – für das von Cyan85 kuratierte Leipziger Label ist das zugeich die erste Veröffentlichung. Was Deslins Mutter und Olli Schulz mit der EP zu tun haben und wann wir sie live mit Band in Leipzig erleben können, erfahrt ihr hier.

Deslin Ami Kaba

Als ich Deslin via FaceTime anrufe, sitzt sie im Wohnzimmer ihrer WG in Erfurt. Die ursprüngliche Hallenserin ist vor fünf Jahren für ein Studium dorthin gezogen. Musik hat schon von klein auf einen besonderen Platz in ihrem Leben eingenommen. Ihre Mama ist DJ und hat sie nicht nur früh mit elektronischer Musik in Kontakt gebracht, sondern ihr auch den Zugang zu einer Vielfalt von Genres ermöglicht. Als Kind hat sie in Musicals des Kinder- und Jugendchors der Oper Halle gesungen, wodurch sie ihre Verbindung zum Gesang kontinuierlich bis zum Abitur aufrechterhielt.

Als Deslin 2020 bei der Arbeit im Erfurter Sommertheater im Kassenhaus vor sich her sang, wurde ihr Chef auf ihre Stimme aufmerksam. So kam es, dass sie kurze Zeit später einer Jazz-Band vorgestellt wurde und sich als Sängerin in Erfurt einen Namen machte. Das waren dann zunächst Coverkonzerte mit ihren Lieblingsliedern: „soulig, emotional, bisschen jazzy und RnB-mäßig“, beschreibt sie die ersten Songs. Deslin hat dann schnell gemerkt, wie wohl sie sich auf der Bühne fühlt und sie erzählt mir mit einem breiten Lächeln:

„Es ist besser als alles andere, was ich bisher gemacht habe. Nichts kann mir dieses Gefühl geben, wie auf der Bühne zu stehen und zu singen.“ – Deslin Ami Kaba

„Ok, dann machen wir eine ganze EP“


Für die Antwort auf die Frage, wie die Idee zur EP kam, holt Deslin etwas weiter aus: Produziert wurde „Endless Pleasure“ in Cyan85s Studio in Leipzig. Cyan85 hatte frohfroh im letzten Jahr schon einmal näher vorgestellt. Er kommt ursprünglich aus Erfurt und ist auf Deslin über einen gemeinsamen Erfurter Freund aufmerksam geworden. Dieser gemeinsame Freund, Max Priesnitz, war übrigens auch am Schreibprozess der Songs beteiligt. Für ein erstes Reallife-Treffen mit Cyan85 ist Deslin dann nach Leipzig gefahren. Ursprünglich wollten Sie nur einen Song aufnehmen, haben aber schnell gemerkt, dass es richtig gut flowt: „Dann haben wir noch einen Song aufgenommen und dann waren es auf einmal zwei und wir waren richtig cool damit. Am Ende dachten wir: Ok, dann machen wir eine ganze EP“, erzählt Deslin.

Die Texte hat sie zum Teil selbst, aber auch in Zusammenarbeit mit Yannick und Max geschrieben. Im namensgebenden Song der EP „Endless Pleasure“ singt Deslin von einer Zeit, in der sie über einen Sommer hinweg ziemlich verknallt war. Und der Song traut sich, all jene Dinge zu sagen, die sie sich nicht getraut hat, der Person in echt zu sagen. Deslin lacht: „Liebe ist ein riesiges Thema in meinem Leben.“ Das Thema ist natürlich ein Dauerbrenner und passt auch zum musikalischen Genre der EP. Die discoide, RnB-anmutende, soulige EP erinnert an groovig-sanfte Lovesongs aus den 1980ern und 1990ern.

Mit dem Ziel, etwas Nostalgisches erschaffen zu wollen, haben Deslin und Yannick mit dieser EP den Nagel auf den Kopf getroffen. Deslin beschreibt, dass sie sich musikalisch in den 80ern, 90ern und 2000ern verloren hat. In dieser Zeit findet sie sich am ehesten wieder und kann sich viel weniger mit der aktuellen Musik identifizieren. Dabei erwähnt sie Musikerinnen wie Donna Summer, Whitney Houston, Mary J. Blige, Zhané oder Beyoncé, die sie inspiriert haben. Ihr Wunsch ist es, dass sie durch das Aufgreifen dieses nostalgischen Vibes etwas Zeitloses schaffen kann, was auch noch in Jahrzehnten gerne gehört wird. Und damit das Ganze auch haptisch eine langfristige Errungenschaft ist, erschien die EP nach 1,5 Jahren Zusammenarbeit mit Cyan85 über das frisch gegründete Label VLOP als Vinyl.

VLOP und die erste Platte

Zur Labelgründung kam es, weil die EP „Endless Pleasure“ auf Vinyl herauskommen sollte. Sowohl Deslin als auch Cyan85 sind beide Vinyl-Fans. Deslin beschreibt auch, dass ihr Faible zu Vinyl wahrscheinlich dadurch zustande kommt, dass ihre Mutter selbst nur mit Vinyl auflegt und sie deshalb einen anderen Bezug dazu spürt. Außerdem ist für sie der Musikgenuss ein anderer:

„Zu Hause sich die Zeit nehmen zum Musik hören … Ich finde das so viel entspannter und ich kann mich da so viel mehr drauf einlassen.“ – Deslin Ami Kaba

Und zu dem Wunsch nach zeitloser Musik gehöre schließlich auch ein zeitloses Medium, ergänzt Deslin. Das Plattenpressen lässt sich jedoch nur mit einem Label realisieren – und Cyan85 hatte schon länger vor, eine neue Plattform zu gründen, die musikalisch vielseitig ist und bei der es nicht immer clubtauglich daher geht. Hinter dem Label steckt er zurzeit allein als Produzent, aber mit einem „wahnsinnig kreativen und magischen Team im Nacken“, meint er. Er zeigt sich dankbar gegenüber Frieder Oelze, der das Grafikdesign übernimmt, Matthias Wolf und Ruth Schönherr als Fotografinnen und gegenüber Yngwie von Nada ounddesign, mit denen er die Songs des Releases gemischt hat. Bei dem tollen Team können wir also gespannt sein auf all das, was uns noch an Veröffentlichungen erwartet. Dabei wird sicherlich nicht jedes Release auf Platte erscheinen, und auch genretechnisch möchte Cyan85 erstmal keine Einschränkungen machen und „das Auto während der Fahrt bauen“.

Erste Reaktionen zum Debüt – von Freunden bis zu Olli Schulz

Deslin hat das viele, positive Feedback auf die „Endless Pleasure“-EP ziemlich umgehauen. Sie wurde nicht nur von Freunden und Leuten, die sie kennt auf ihr Debüt-Single angesprochen, sondern auch von random Personen. Das hat sie auch etwas überfordert. Zusätzlich war es ein enormer Push für die Sängerin, dass sie mit ihrem Song „Endless Pleasure“ in der „Fidi & Bumsi“-Playlist vom „Fest & Flauschig“-Podcast mit Jan Böhmermann und Olli Schulz gelandet ist.

Vielleicht kurz zur Erklärung: Richtig große Reichweite erlangt man in der Songwelt heute oft nur, wenn man auch in großen Playlists auf Spotify landet, da dies viele Klicks und Hörer:innen generiert. Ich hatte aber auch zuvor mitbekommen, dass Deslins erster Song sogar selbst von Olli Schulz in einer „Fest & Flauschig“-Ausgabe angekündigt wurde. Das hat mich neugierig gemacht. Also frage ich Deslin, wie es eigentlich dazu kam.

Wieder lacht Deslin herzlich, bevor sie zur Antwort kommt. Ihre Mutter hört gerne den Podcast und hat dann Olli Schulz eine Nachricht mit einem Link zu Deslins Song geschickt. Und dann kurz darauf, erinnert sich Deslin zurück, am Samstag oder Sonntag nach dem Release der ersten Single, rief ihre Mutter sie um 8 Uhr morgens völlig aufgeregt an: „Deslin, oh mein Gott!!! Olli Schulz hat dich in seinem Podcast erwähnt!“ – „Ich habe halt gar nichts gecheckt“, erzählt sie weiter und lacht. Rückblickend freut sie sich total und meint, dass es für eine Newcomerin wie sie gar nicht hätte besser laufen können.

Was uns erwartet

Deslin versichert mir, dass da auf jeden Fall noch Songs kommen werden – was genau aber „in the
Loading“ ist, verrät sie natürlich noch nicht. Wir dürfen also gespannt bleiben. Worauf wir uns in
Leipzig auf jeden Fall schonmal freuen können, ist, dass Deslin am 01. Juli 2023 in Leipzig mit Band in den Pittlerwerken zu hören sein wird. Dann gibt es die Songs ihrer EP und ein paar ihrer RnB-Favorites auf die Ohren. Damit wir das nicht verpassen, erinnern wir euch gerne rechtzeitig nochmal daran! In der Zwischenzeit legen wir euch ans Herz, in ihre EP reinzuhören.

Alle Bilder von Matthias Wolf

Various Artists „Clear Memory 010“

Clear Memory geht in die zehnte Runde! Und zwar mit einer Compilation. Mit dabei sind dieses Mal Milium, Alley X, 0341 Hills, VR-System, Varum und Robyrt Hecht.

Das Leipziger Record Label Clear Memory ist schon seit einer Weile mit dabei. Es releast seit 2019 eigene Platten und besitzt eine der talentiertesten Leipziger Crews für Electro. Ganz frisch erschein letzten diesen Freitag die neue Compilation.

Milium legt den ersten Track der EP vor. “Lidl Darknet“ ist roh, kompromisslos, modular. Mechanische Sounds und Klangkulissen werden hier hochgehalten – und wirken hypnotisch. Hallige Vocals und Old-School-Synths, die stark an Electro-Labels Ende der 1990er und Anfang der 2000er erinnern, bereiten auf die Stimmungslage der EP vor.

Denn: „Clear Memory 010“, bewegt sich, trotz der Elemente von härterem Elektro, in atmosphärischere Richtungen. Zum einen liegt das an den etwas weicheren Tracks, aber auch an der Wahl von mysteriös geheimnisvoll gehaltenen Pads, Melodien und Stimmungslagen. Das zeigt sich verstärkt auch bei Track 2. „Alley X – I Got Mail“ ist auf der einen Seite groovy, auf der anderen Seite erinnert der Sound an cheesige Spionagefilme der 1990er. Hier funktioniert dieser Vibe richtig gut. Auch weil kleine Glitch-Sounds und Vocals so arrangiert sind, dass sie sparsam, aber an den richtigen Stellen Platz bekommen.

Nicht wirklich abgeholt hat mich dafür Track Nummer 3 „0341 Hills – No Sense“. Unter dem Überthema Distortion werden hier Acid-Lines mit distorted Kicks und distorted Snares sowie Hi Hats. etc. kombiniert. Distortion en masse also. Das klingt zwar schön böse, der Funke will dennoch nicht überspringen. Dem Acid-Bass wird hier viel Platz gegeben. Für meinen Geschmack kommt dort zu wenig Bewegung auf, zu wenig Elemente, die überraschen.

Dafür ist Track Nummero 4 „VR System – S.Tek.V.O.“ das Highlight der EP. Der Kontrast zwischen härteren Drums, brachialerem Bass und den später einsetzenden Pads funktioniert hier am besten. Es entsteht ein Wechselspiel aus Straight-Forward Sounds, die sich in der Kombination mit träumerischen Synths in atmosphärische Gefilde etablieren.

Diese Stimmung wird durchaus in Track 5 weitergeführt. „Varum – Dusky“ legt Gewicht auf die Synths, den Sub-Bass der sich immer wieder hochwölbt. Drums wirken im Gegensatz zu den anderen Tracks weiter hinten im Fokus. Ganz genaues Hinhören lohnt sich: Verschiedene Melodien gehen verspielt in und aus dem Fokus hinaus – wirken dabei aber nicht so überladen, dass es nervig wird.

Abgerundet wird die EP vom Robyrt-Hecht-Remix von Aizrs „Ultrafunk“. Funky auf jeden Fall.
Dabei wirken hier viele Stimmungen zusammen, die in den vorherigen Tracks schon mal
aufkamen. Sphärige Pads, groovige Percussions und vor allem das Spiel zwischen erst düsterem
und später fröhlicherem Vibe.

Bilanz zum Ende: Der zehnte Release von Clear Memory ist richtig gut geworden. Die
Songs lassen sich mehr Zeit, um zu wirken. Das fällt vor allem nach mehrerem Anhören auf, bei dem sich immer weitere kleine interessante Sounds entdecken lassen.

F.B.ILLWIG „Hairy Situations“ (MoonWalk X)

Aus dem Vary-Umfeld kam im April eine sehr haarige Platte – mit Tracks, die beinahe für immer auf einer Festplatte verborgen geblieben werden.

F.B.ILLWIG ist ein Alias von Julian Kramer. Als Mitgründer des Vary-Plattenladens, DJ, Producer, Illustrator und Grafikdesigner von vielen Plattencovern und Plakaten ist er vielfältig vernetzt in Leipzig.

Vor drei Jahren erschien mit „Unknown Spheres“ ein erstes Album auf Tape mit filigranen und minimalistischen Ambient-Tracks. Viele Jahre davor entstanden jedoch Tracks, die noch ganz anders klangen. Aufgenommen mit einem billigen Mikrofon und Sampler, Drum Machines und ein paar geborgten Platten bastelte er an einem Tribute zur Gründungszeit von Soul und House. In diesen Homestudio-Sessions kamen analog-kantig und simpel arrangierte Tracks voller Oldschool-Funk heraus, die alle von einem Thema zusammengehalten werden: Es geht bei den acht Tracks der „Hairy Situations“ immer um Haare.

Und das gibt dem Ganzen eine unerwartet ironische Leichtigkeit. Zwar steckt auch in den Beats und kleinen Melodien schon viel Augenzwinkern und eine angenehme Leichtigkeit, doch erst die weirden Vocals und Vocal-Samples über unterschiedlichste Haar-Befindlichkeiten geben dem Album einen extra charmanten Twist.

Dass diese rough produzierten Perlen nun noch an die Öffentlichkeit gelangen, ist wohl Julian Kramers Freundin zu verdanken. Sie spielte einem Bekannten aus Berlin die Stücke vor – und der war davon so angetan, dass er gleich ein Label dafür gründete: MoonWalk X. Ach ja, ich stehe auf solche Geschichten. Und diese analoge Unbeschwertheit.

Abtauchen in 3D – Pony Pracht

Im Februar erschien die neue EP von Pony Pracht. Für einen Song hat die Leipziger Musikerin ein Mini-Videogame dazu programmiert – für einen ganz besonderen Zugang zu ihrer Musik und den Texten. Wir sind eingetaucht in die EP und 3D-Welt.

Immer mal wieder begegnen mir auf Social Media Fotos und Videos von Leuten, die ihren alten Game Boy oder Nintendo DS wieder rausgekramt haben. Dabei spielen sie nostalgisch Spiele wie Mario Kart, Animal Crossing oder Nintendogs. Ich hatte als Kind und Jugendliche keinen Game Boy und erinnere mich daran zurück, wie mein einziger Videospiel-Zugang in den 2000/2010er Jahren Browser-Games waren. Lisa Zwinzscher aka Pony Pracht hat ein Browser-Game zu ihrer Single „Aics“ entwickelt, das mich genau an diese Zeiten zurückerinnert. Die Single erschien im Februar diesen Jahres auf ihrer EP „Lomb“.

Das Design des Spiels strotzt in seinem Vaporwave-Look nur so vor 3D-Retro-Vibes. Auf die Idee eines Videogames zu ihrem Song ist Pony Pracht 2021 gekommen, als sie bei einer Musikvideoproduktion mitgewirkt hat. Dort beschäftigte sie sich erstmals mit der Software Unity, die sie auch für das Programmieren ihres Videogames benutzt hat.

Mit dem Videospiel zum Song ermöglicht Pony Pracht nicht nur Hörende:r ihres Songs zu werden, sondern auch aktive:r Teilnehmende:r.

„Ich fand den Gedanken cool, dass man es im Gegensatz zu einem Musikvideo gestalten kann und dass es jede und jeder irgendwie auf seine eigene Weise spielen wird.“ – Pony Pracht

Dabei greift das Videogame die Ästhetik und visuellen Elemente des dazugehörigen Musikvideos auf, das bereits Februar diesen Jahres erschienen ist.

Im Spiel schwebt ein Kopf durch eine rosarote Pastell-Welt auf der Suche nach Samples aus dem Song. Die Aics-3D-Welt, durch die der Kopf fliegt, symbolisiert eine spannende unbekannte Welt, die wir erkunden dürfen. Hat man alle Samples gefunden, kann man im letzten Schritt eine Hardware einsammeln. Was man mit dieser am Ende machen kann, solltet ihr euch am besten selbst hier ansehen und anhören.

Im Song „Aics“ geht es um das Loslassen einer langen Beziehung und das daraus resultierende Freiheitsgefühl. Dieses Gefühl spiegelt sich sowohl im Song selbst als auch im Spiel wider. Passend zur Ästhetik des Videogames und des Musikvideos rollt Pony Pracht vor uns einen Ambient-Vaporwave-Soundteppich aus, geprägt durch repetitive Synths mit sanfter Sogwirkung, welche durch deren Dynamik erzeugt wird. Darüber liegen die Vocals, die im Vergleich zum Instrumental viel bestimmter wirken. Dies bricht aber keinesfalls die Atmosphäre, sondern gibt dieser einen angenehmen, dezenten Drive.

Das Videogame selbst sieht Pony Pracht als „Geschenk“ an ihre Hörer:innen und auch ich bedanke mich für diese schöne, erholsame Spielerei durch die kleine Welt des Songs „Aics“. Und dazu empfehle ich, gleich noch in die ganze EP reinzuhören:

KW 18 – Samstag

Und hier folgt ein spannender KW 18-Samstag – mit Local-Label-Stuff und ein paar großen Headlinern.

frohfroh-Tagestipp //

Vaertism // Westbahnhof // 21:00 Uhr
w/ Mbius, Tillydin, Submod, Jewelry

Die Vaertism-Label-Crew ist mal wieder im Westen zu erleben. Das heißt: Eine smoothe Nacht mit House von dem Halle-Rostock-Duo Tillydin und Minimal mit Submod aus Leipzig. Dazu legen auch die Vaertism-Hosts Mbius und Jewelry ihre House-, Disco- und Breaks-Tracks auf.


Außerdem heute //

IfZ x Veselka – Institut fuer Zukunft, 23:59 Uhr – Techno, Progressive, House mit dem ukrainischen Queer-Club-Kollektiv Veselka mit Tweeman, Vani Vachi, Cleo Snk, Julian Muller, Gili, Janthe – VORAB um 18:30 Uhr: Panel-Diskussion zum Thema „Queering The Rave – How queer club culture can be built, kept and nurtured“ mit Vani Vachi, Serj, Gloriya und Rasheed

Electrolyt – Neue Welle, 23:00 Uhr – Electro, Breaks, Rave und Techno mit Flax, Goody b2b Varum, Jetson G, Toni Pfad

Westhafen Klub – Westhafen, 20:00 Uhr – House, Techno und Tech House mit Radio Slave, Mathias Kaden, Isabeau Fort, Divilius Lenni, Markus Welby, Anahi, Sledge

Saturday Rave – Distillery, 23:00 Uhr – House, Techno, Breaks, Tech House mit Schwarzmann, Lars Christian Müller, Dahmar, Coco Cobra, Solaris, DJ Yumyum

& with Brotfabrik – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Tech House, House und Techno mit Blank Vision, Emel White, Jakomo, Lady Lynzki, Langnikel, Nøvae, Riod, Rn86, Simon Phil.ther, Tante Emma

KW 18 – Freitag

Unsere Party-Tipps für diesen Freitag beginnen mit einem besonderen Konzertabend. Und die Nacht ist erstaunlich divers.

frohfroh-Tagestipp //

Graveyard Records x Rituals // Conne Island // 20:00 Uhr
w/ David Novell, Alehlokapi & Band, nspktklr, Jivee

Ein spannendes, nicht klassisch-frohfroh-typisches Team-up gibt es heute im Island: Das Leipziger Label Graveyard Records und die Party-Crew Rituals kuratieren einen gemeinsamen Abend mit Avant-Soul, Wavy Rap, Electronic Pop sowie ebenso radikal-romantischen wie auch kritischen Stimmen. Live im Konzert sind David Novell, Alehlokapi und nspktklr dabei – zwischendurch und im Anschluss legt Jivee auf.


Außerdem heute //

Italo Fundamentalo – Distillery, 23:00 Uhr – Italo Disco, Cosmic und Milano-Vibes mit Italoconnection, Shimanski, Rascheljacke, Corrado DJ

Vertigo – Institut fuer Zukunft, 23:59 Uhr – Techno, Darkroom, Redroom, Extravaganz und Fetisch mit Illousion, Krusie_Kontrol, Wellengenerator, Ezuri

Mechatronica – Neue Welle, 23:00 Uhr – Electro, Acid, Techno mit Credit 00, Lazercat, Mejle, Milan Hermess, ElectroDon

Klubnacht – Mjut, 23:55 Uhr – Jungle, Breaks und UK Bass mit Yeahlena, Atrice, Translucid

Liminal Love – Ilses Erika, 23:00 Uhr – Progressive, Downtempo, Techno, House und Disco mit Ador:yes, Kellartrax, Kluges Kind, Saalamander, Fanny Fresh, Gudrun Unlimited, Herbert Marcusio

Remember Nothing – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Techno und House mit Baugruppe90, Keta Perry, Lars Goldammer, Noxsonos, Siggi Petrol, Siggi Sauer

A2iCE & BO3 „Extracted Soil“ (Paryìa)

„Extracted Soil“ ist die vierte EP, die über das von Marie Montexier kuratierte Leipziger Label Paryìa erschien. Auf dieser EP ist das Debüt des Dortmunder DJ-Duo A2iCE & BO3 zu hören.

Lex Rütten und Jana Kerima Stolzer sind A2iCE & BO3. Und die Tracks ihrer ersten EP beinhalten Field Recordings, welche die Künstler:innen für eine multimediale Ausstellung für den Hartware MedienKunstVerein in Dortmund aufgenommen haben. Die vier Tracks wirken angenehm chaotisch und aufgeräumt zugleich und zeichnen sich durch eine Mischung aus breakigen Drums, wabernden Acid-Basslines und – passend zum Namen der EP – organischen, experimentellen Sounds aus. Zusätzlich zu den vier Tracks von A2iCE & BO3 bereichert ein Remix der Berliner DJ und Produzentin Mor Elian die EP.

Der erste Track „Pacific Nickel“ überzeugt durch eine überraschende Verzahnung eines Breakbeats mit raumeinnehmender Kick und Ambient-Synths, die den Track sanft und trotzdem selbstbewusst umhüllen. Bei „Mineral Treasure“ ist eine Acid-Bassline im Fokus, die alles andere als versteift wirkt. Dies sorgt für eine trippy-fluide Atmosphäre, die auch hier wieder durch flächige Synths aufgefangen wird.

„A Rubbels Lament“ kommt etwas düsterer daher. An Struktur gewinnt der Track durch seine Hi-Hat, die mit ihrem Jungle-Sound Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dies schafft einen schlüssigen Übergang zum vierten Track – ein Remix von „Pacific Nickel“ ist. Der konsistente, perkussive Groove mit seinem Dembow Vibe macht den Track clubtauglicher als die anderen.

Als digitalen Bonus-Track gibt es noch „Mother, why are there so many machines in our place“. Er ist wieder etwas freier im Beat und schafft es, einen guten Abschluss zu bilden, indem er mit seinen vielseitigen Sounds und gut verknüpften Drops die Spannung bis Ende aufrechterhält.

KW 17 – Sonntag

Und hier noch ein Saison-Opening und ein Nachmittags-Techno-Ausflug.

frohfroh-Tagestipp //

Opening // Westhafen // 12:00 Uhr
w/ Township Rebellion, Super Flu, Bebetta, Jamiie, Dominik Stefan

Die Westhafen-Saison beginnt wieder – zum Opening gar nicht mal mit so spannendem Programm. Aber in der Preview gibt es einige Highlights. Heute gibt es tagsüber Big-Room-Techno, Melodic Techno und Tech House.


Außerdem heute //

Rillendisco – Institut fuer Zukunft, 14:00 Uhr – Techno, No Names

KW 17 – Samstag

Volles Programm an diesem KW 17-Samstag – mit dabei der IfZ-Birthday und eine Gästelisteverlosung.

frohfroh-Tagestipp //

9 I N E // Institut fuer Zukunft // 23:59 Uhr
w/ fr.Jpla, Justine Perry, Kaiser, Ostbam, Karete Bu b2b Eves120, Mor Elian, ttyfal, DJ Luiser, Facci OG, Angelconda, Yung FSK18

Happy birthday, IfZ! Zum neunten Geburtstag gibt es ein extra volles Programm mit drei Floors voller Techno, House und Breaks sowie HipHip und Bass. Außerdem dabei: ein Bällebad im Darkroom, spontane Bierspiele mit dem Nebula-Kollektiv und neuer Merch mit Can’t Decide und Lion Sauterleute.

Musikalische Highlights sind auf jeden Fall Mor Elian und Justine Perry, neben den IfZ-Residents natürlich.

Wir verlosen 2 x 2 Gästelistenplätze für die Party: Einfach eine Mail an dance @ frohfroh.de schicken und sagen, worauf ihr euch am meisten freut.


Außerdem heute //

Heatwave – Neue Welle, 23:00 Uhr – Special Club-Sounds, Breaks, Prog Bass, Electro und Wave mit Lena Willikens, Miss Take, F.R. Fels

Opening Rave – Wuest (Pittlerwerke), 22:30 Uhr – Techno, Minimal, Fäncy-House mit André Galluzzi und Bonbons

24 h Wohnzimmer – Distillery, 23:00 Uhr – Techno, House mit Trikk, Ed Davenport, Aurora Halal, Meggy, Estella Boersma, Panthera Krause, Peter Invasion, Thomas Stieler, Qnete, Baby Mango, Preller, Napoleon Dynamite, DJ HDGDL, Paul Koski, Vincent Neumann, Ninette, Atalanta, Miami Müller

Ritmo Spumante – Kulturlounge, 23:00 Uhr – Italo, Disco, House mit Anka, Cremant Ultras, Robin E. Rubecula, Mensch Hans

Morph – Mjut, 23:55 Uhr – Techno, Hardtrance, Psy, Jungle mit Spellya, Blk Slk, Dirtpitcher, Snackbites, Tinsaye, Tøsche, Weyd

Made2face – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Techno, No Names

KW 17 – Freitag

Dieser Club-Freitag zur Buchmesse bietet eine Preview für ein neues Festival, ein xxx und viel Techno.

frohfroh-Tagestipp //

Chimaera x Waldbrand Teaserparty // Mjut // 23:55 Uhr
w/ 503, Nthng, SQF2000, Carlo Caracho, Kaya Karacho, 3LNA, DJ Uludag, Acima, Kim Shine, Action Bronko, DJ DVB

Vom 23. bis 25. Juni 2023 findet im brandenburgischen Friedland das erste Chimaera Festival statt. Entstanden aus einer Idee von Dresdner Raver:innen soll hier Rave und Urlaub verbunden werden – unter anderem werden DJ Mell G und Lux im Sommer dabei sein.

Zur Teaserparty heute gibt es ein Team-up mit der Waldbrand-Crew. Es erwartet euch also eine gute Mischung aus Techno, Electro, Trance und Breaks – und mit Nthng sogar einen deepen Delsin-Act.


Außerdem heute //

PACE – Leipzig-West, 23:00 Uhr – Techno mit Houdafk, Konkarve, Dari And The Beast, DJ Tudor b2b Good Guy Roman

Rage – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Hard Tek, Trance, Industrial, Techno mit D.N.P., Feinraus, Krahner, Mono Fetish, NoirnOa, NVLA, Slany, StinaFrancina

Blooming Birds – Kulturlounge, 23:00 Uhr – Techno und Dark Downtempo mit Under Pleasure, Zoukai, Carina Posse, Steiner b2b Two Dots

Friday Rave x Proyeckt Qrach – Distillery, 23:00 Uhr – Techno, House mit Dominik Eulberg, Madame Blueberry, Andreas Eckhardt, Janein, Simetra, Miezzz, Sailent Seihmen

Hitech Department – Institut fuer Zukunft, 23:00 Uhr – Psy-Trance, Goa, Techno mit Dregspin, Insector, Flausch, Phara-O, DJ Alsan, Voxel Blue, Acid Goldee, Kimya, Konnyshiva, Animo, Goagraf b2b Psidelicat, Monchi, 3-Phasen-Depot, Dr. Escher

Mtty „Shtüm“ & Kepler „Sense“ (Breakfree Records)

Breakfree, das recht junge Sub-Label von R.A.N.D. Muzik, hat in diesem Frühjahr zwei neue EP rausgebracht – hier sind beide in einer Review.

Grundlegend bin ich vor Tech House immer ein wenig geflüchtet. Seitdem Hard Techno und Trance ihren Platz in kommerziellen Clubs Leipzigs gefunden haben, ist das Genre auch nur noch wenig präsent. Um mich eines Besseren zu belehren, releasten Breakfree Records im Februar und März gleich zweimal. Breakfree ist das Sub-Label von Leipzig-Label-Größe R.A.N.D. Muzik und veröffentlicht seit Sommer letzten Jahres. Der Sound des Labels verschreibt sich einem progressiven House-Sound – verspielt und groovy.

Mtty „Shtüm“

Die 003 bildet da mit dem ersten Vinyl-Release des canberra-based Artists Mtty keine Ausnahme. First Track „Shtüm“ leitet die EP mit einem Sog aus Basslines und spielerischen Percussions ein. Die hintergründigen Synths wirken dabei schon fast ambient-artig und schaffen Kontrast; beruhigen gegen die aufgeregten kleinen Sounds und Elemente. Spätestens beim zweiten Track wird deutlich, dass sich die Befürchtung von einer Hommage an klassischen 2000er-Tech-House nicht bestätigt.

„Oma the Wailmer“ bleibt bassig und groovelastig, kommt aber vom typischen Four on the Floor ab und findet sich auf sehr sauberem Breakbeat wieder. Die hauptsächlich ausgelassene Stimmung des ersten Tracks schwindet: „Oma the Wailmers“ Pads wirken zwar recht ruhig, beginnen jedoch langsam aggressiver zu werden, sich weiter in den Vordergrund zu drängen.

Besonders atmosphärisch wird’s auf Track Nummer 3 „That’s Nonsensical“. Mit verschiedenen kleinen Voice-Samples, verträumten Synths und wabernden Acid-Basslines wird hier futuristischer Sound erzeugt. Erinnert sehr an die Reflex Blue-EP auf R.A.N.D. Muzik vom Januar 2022.

“Wonki“ wiederum ist schon fast trancig. Auf jeden Fall hält der Track, was er verspricht und bringt ganz viel Wonkiness ins Rennen. Groovy Bass, Percussions, luftige Voice-Samples sind mit am Start, dieses Mal halt nur ein wenig schneller.

Kepler “Sense“

Ein Monat später folgt die „Sense EP“ vom wiederkehrenden Artist Kepler. Dieser hat schon letztes Jahr einmal bei R.A.N.D. Muzik veröffentlicht. Was direkt auffällt: Keplers Sound geht ohne zu Zögern in eine klare Richtung. Drums, Basslines und Synths sind gezielt und präzise, laden zum tanzen ein. “Sense“ und “Confusion“ zeigen sich minimalistisch. Die einzelnen Elemente wirken ausgewählt, perfektionistisch. Dass Kepler sonst auch viel UK Garage produziert, lässt sich unweigerlich raushören und zeigt sich stetig bei den snappy Drums. Seine „Sense EP“ ist sauber und nüchtern, kriegt es dabei aber hin, abwechslungsreich zu bleiben. Dass liegt auch den wenigen Elementen, die hier exakt gesetzt wurden.

Im Vergleich klingen beide EPs zwar in der Wahl der glitchigen Sounds, kreativen Basslines und gelegentlichen Voice-Samples recht ähnlich, unterscheiden sich jedoch in ihrer Herangehensweise. Während sich Mtty einem atmosphärischeren Tech House verspricht, konzentriert sich Kepler auf weniger Sounds, die dafür aber umso aufgeräumter klingen.

Also: FREE003 & FREE004 machen sehr neugierig, was aus dem Hause Breakfree Records noch kommen mag. Dabei sind beide EPs garantiert etwas für Leute die Tech House mögen und so gut, dass sie auch was für Leute sind, die prinzipiell mit Tech House nichts anfangen können. Unbedingt mal reinhören!