Lydia Eisenblätters Label [OAM] Records veröffentlicht nicht oft, aber dafür immer analog-pushende Dancefloor-Hymnen. Die vierte EP hat auch ein paar parat.
Ziemlich genau ein Jahr nach der letzten EP, hat [OAM] Records eine neue Platte gedroppt – und erstmals ist nicht nur Label-Chefin Lydia Eisenblätter darauf zu hören. Schien das Label bisher vor allem eine Plattform für eigene Tracks zu sein, teilt sich Lydia die „Hybrid One EP“ mit Ostreaktor, einem in Portagal lebenden Producer.
„Hybrid“ ist auch der Name einer neuen Serie des Labels. Eine Serie mit klarem Anspruch: Zwei Artists setzen sich mit den Classic-Nuancen des frühen Detroit- und Chicago-Sounds auseinander. Ostreaktor legt dafür gleich drei angenehm diverse Richtungen vor. „Travessa“ feiert die US-amerikanischen Techno- und House-Anfänge mit happy Piano-Chords und Breakbeats, „September“ mit rasent-deeper Straightness und „Ost“ mit einem perkussiv-treibendem Drive. Schön hymnisch, schön nostaligisch.
Auf der B-Seite übernimmt dann Lydia Eisenblätter. Und bei ihr ist etwas mehr Funk und Pop-Appeal dabei. Beide Tracks spielen mit Vocal-Samples, melodischen Basslines und flächigen Synths. Sie arbeitet hier sehr versiert und geschichtsbewusst an einer House-Hommage. Und in dieser Zeit waren auch Vocal-Samples wie bei „Don’t Give It Up“ en vouge. Nur waren die damals schon sehr cheesy. Der Track hat zwar auch eindeutiges Hit-Potenzial, holt mich nicht so ab.
Yana Ponura ist DJ, Neu-Leipzigerin und ursprünglich aus Kyiv. Und ich werde wohl nie vergessen, wie sie mir bei Instagram schrieb: „Klar können wir das Interview machen. Falls ich lebend aus der Ukraine nach Leipzig kommen sollte.“ In Anbetracht der Lage, die in der Ukraine herrscht, ist das keine dramatische Übertreibung. Warum Yana Leipzig als ihren neuen Lebensmittelpunkt ausgesucht hat und wie in ihrer Heimat während des Krieges gefeiert wird, erzählt sie im Interview.
_Interview
Das Interview fand Mitte Januar statt. Es jetzt zu veröffentlichen, hat mehrere Gründe. Erstens: It was about time! Zweitens: It was about time, oh ja. Und Drittens: Yanas Label Progressive Future hat ein aktuelles Release, das ihr euch unbedingt anhören solltet. Deshalb verlinken wir es euch, als Soundtrack zu diesem Interview, gleich hier oben.
Yana Ponura sitzt auf einem der Wandklappstühle aus Holz im Vary, hier sind wir verabredet. Es ist voll, ein bisschen zu laut, Leute kommen, gehen, telefonieren, tippen auf ihren Laptoptastaturen, trinken Cappuccino oder Espresso-Tonic, tauchen Löffel in Milchschaum und Gabeln in Kuchenstücke, dabei schauen sie kaum von ihren Displays oder Büchern hoch. Musik wabert hörbar, aber nicht eindeutig durch den Raum und den Gang, in dem wir beide noch einen letzten Platz gefunden haben. Eine ruhige, dezente Frau sitzt mir gegenüber. Die Lautstärke und Hektik des Cafés prallen an ihr ab; sie sieht genau aus wie auf ihren Pressefotos, nur nicht so streng – eine gewisse, sehr eigene Widerständigkeit gegen den Alltagslärm umgibt sie.
Wir sind beide überpünktlich, bestellen Kaffee und sprechen über die Radfahr-Situation in Leipzig und vom Platten-Kaufen, von Labels, von Berlin, von unseren Cluberfahrungen der letzten Wochen – ohne dass das Gespräch mitgeschnitten wird. Dann nehme ich ein paar O-Töne auf und bin beeindruckt, mit welcher Klarheit und wenigen Worten Yana von Kyiv erzählt, wie Wärme und Trauer gleichermaßen aus ihr sprechen.
__Kyiv, Berlin und Leipzig
Zu Beginn frage ich Yana, ob es Trigger-Themen gibt, die wir aussparen sollen. Erst vor ein paar Monaten war sie in ihre Heimat, die Ukraine, gereist und unsicher, in welcher Verfassung sie zurück nach Leipzig kommen würde. Sie antwortet mir an diesem Nachmittag, Trigger-Themen gebe es für sie nicht – nichts sei schlimmer, als nicht über das, was gerade in der Ukraine passiert, zu sprechen. Aber wir sprechen nicht nur über den Krieg in der Ukraine – wir sprechen auch über Musik und Leipzig, von DJ-Gigs und Solidarität.
Als Russland die Ukraine überfiel, floh die 27-Jährige wenige Wochen nach Kriegsbeginn von Kyiv nach Berlin. Ein Freund von ihr lud sie dann, als sie sich gerade in Berlin eingerichtet hatte, für einen Gig nach Leipzig ein und sie bleib eine Woche – danach packte sie ihre Sachen in Berlin wieder ein und zog nach Plagwitz.
Leipzig gefalle ihr, sagt sie, auch wenn sie noch nicht allzu viele Clubs, Cafés oder Spots der Stadt kennt:
„Ich fühle mich oft nicht gut genug, um auszugehen. Zuhause höre ich viel Musik, dort fühle ich mich wohl. Anfangs habe ich viele neue Leute kennengelernt und im IfZ, im Mjut und im Conne Island aufgelegt. Dann fuhr ich zurück in die Ukraine und wollte danach erst einmal nur in Ruhe gelassen werden. Trotzdem möchte ich mir hier ein neues Leben aufbauen. Es ist schwer zu erklären.“– Yana Ponura
Nach über einem Jahr Krieg in der Ukraine hat sie sich darauf eingestellt, dass es nicht absehbar ist, ob und wann der russische Angriffskrieg endet. Der Krieg beschäftigt sie seitdem jeden Tag, vom morgendlichen News-Checken bis zum Abend. Ein neues Leben als DJ und Akteurin im Nachtleben in Leipzig zu beginnen, ist zwar ein Wunsch von Yana – aber vielmehr möchte sie zurück, in ihre Heimat, in ihr Viertel, ihre Wohnung. Sie wünscht sich Frieden und keine Bomben mehr für die Ukraine, betont sie.
__Techno in der Ukraine
Als wir von der Technoszene in der Ukraine sprechen – denn nicht nur in Kyiv, sondern auch in Odesa und Kharkiv habe es herausragende Clubs gegeben, erzählt Yana – schwärmt sie von den Bookings, der euphorischen Crowd, dem mittlerweile melancholischen Gefühl, dass hier etwas Großes, vergleichbar mit der Berliner Technoszene, hätte entstehen können. Hätte. Vor dem Krieg legte Yana regelmäßig in der Ukraine, aber auch international auf. Ihren Style bezeichnet sie selbst als Genre-übergreifend mit Elementen aus Dub, Garage, Breakbeat, IDM und „dirty Kyiv Electro“.
Aber auch während des Krieges gebe es Partys, Zusammenkünfte und Musik in der Ukraine. Bei ihrem Besuch vor ein paar Monaten, im Dezember, spielte sie auf einem Rave, der tagsüber stattfand. Tagsüber, weil Partys seit Kriegsbeginn nicht mehr in der Nacht stattfinden können, denn ab 23 Uhr herrscht Ausgangssperre.
Das Gefühl in einem Bunker oder Club dort, während des Krieges, zu spielen, sei sehr besonders:
„Mir gefällt die Stimmung, auch wenn sich das vielleicht für viele strange anhört. Mir gefällt, etwas zu tun, in dieser schwierigen Situation. Die Menschen in der Ukraine feiern, als könnte es – literally – das letzte Mal sein.“ – Yana Ponura
Ausländische DJs kämen zwar nicht mehr, aber es gebe genug lokale DJs, oder DJs wie Yana, die regelmäßig in die Ukraine reisen, um dort zu spielen. Die Partys werden mit Generatoren an unterschiedlichen Orten ermöglicht, erklärt sie weiter. Es klinge absurd, bizarr und man solle diese Partys nicht romantisieren. Aber sie seien unter gewissen Umständen weiterhin möglich und notwendig.
__Zukunft
Ihre Gedanken seien immer bei ihrer Familie in der Ukraine, auch wenn sie in Leipzig sei. Und bei ihren Freund:innen aus dem Nachtleben. Denn genau das bedeutet ihr weiterhin viel, natürlich. DJ-Auftritte in Berlin, Leipzig, Dresden, Warschau und London lenken sie zwar immer wieder ab, aber nur kurz. Pläne und Gigs gibt es auch bei Yana, aber die größte Hoffnung, die sie für die Zukunft hat, ist, dass der Krieg endlich endet. Und dass sie sich, egal wo, wieder sicher fühlen kann – denn das Gefühl von Sicherheit gibt es für sie derzeit nur, wenn sie Musik hört, im Studio experimentiert oder auflegt.
Etwas, an dem Yana gemeinsam mit Freund:innen gearbeitet hat, ist die neue EP ihres Labels „Progressive Future“. Die Solidarität und Spenden, auch innerhalb der Technoszene in Deutschland, nehme jeden Tag ab. Das sei zwar ganz normal, aber trotzdem schmerzlich, sagt sie. Ihr könnt das Label und Yana unterstützen, indem ihr die Tracks anhört, teilt und kauft. Also: Go for it!
Im Februar hat einer der spannendsten und international bekanntesten Leipziger Producer sein neues Album veröffentlicht – Kassem Mosse is back.
Wer frohfroh schon länger verfolgt, dürfte wissen: Ich bin Kassem-Mosse-Fanboy von Anfang an. Diese sehr eigene, mit Patina überzogene und lofi-eske Sound-Ästhetik, diese oftmals erfrischend unrund laufenden House-, Techno- und Electronica-Tracks – all das hat mich früh in den Bann gezogen. Unvergessen das treibende, tief verrauschte „578“ oder Mosses Debütalbum „Workshop 19“ vor knapp zehn Jahren.
Zuletzt haben sich bei mir aber auch ein paar Ermüdungserscheinungen breit gemacht. Mein Gefühl war: Der musikalische Radius von Kassem Mosse ist zwar endlos faszinierend, aber auch weitgehend abgesteckt. Wobei das nur bedingt stimmte. Denn mit seinem letzten Album „Disclosure“ auf dem britischen Traditionslabel Honest Jon’s atmomisierte Kassem Mosse 2016 seinen Trademark-Sound in die einzelnen Bestandteile und setzte sie zu einem lose oszillierenden Gemenge zusammen. Der Club stand hier nach den Hypejahren um 2012 definitiv nicht mehr so im Fokus, was auch gut war.
Einige seiner letzten Releases sind aber auch an mir vorbeigegangen – das tolle Ambient-Album „Scortched Erden“ seines zweiten Alias Seltene Erden zum Beispiel. Oder der Mitschnitt einer experimentellen MM/KM-Performance 2019, als Kassem Mosse mit Mix Mup den Off-Space Kardamom betrieben und den Katalog des Travel by Goods-Label live remixten.
Umso erfreuter war die News vom neuen Album. Dazu ein Comeback auf Lowtecs Label Workshop. Zehn Tracks, eine Stunde Laufzeit – es gibt also einiges zu entdecken. Auf dem ersten Blick ist „Workshop 32“ ist ein klassisches Kassem Mosse-Album. Es ist aber an vielen Stellen deutlich reduzierter, direkter, aufgeräumter und harmonischer. Zugleich spannt es eine Art Bogen über die vergangenen 15 Jahre von Kassem Mosse – mit all seinen kantig-pushenden, warm-ambienten und quer laufenden Sounds. Mit uniquen Dancefloor-Tracks und breakig-runtergefahrenen Interludes.
Bei genauerem Hinhören gibt es aber durchaus neue Impulse: Auf „C1“ und dem überraschend konkret betitelten „Provide Those Ends“ etwa. Hier tauchen Soul- und Rap-Spuren auf, die sich überraschend gut mit dem bekannten Kassem-Mosse-Sound vertragen. Sicher auch, weil sie sehr nahtlos und lässig integriert sind. In anderen Tracks – „D1“ und „D2“ – mischen sich genauso selbstverständlich kurz angespielte Soul-Samples unter. Und auch hier sorgen sie für eine gewisse Lässigkeit und eine etwas weniger sophisticated Atmosphäre.
Und mein Ermüdungsmoment? Ist einem angenehmen Gefühl der Vertrautheit gewichen. Denn klar: Kassem Mosse begleitet mich seit 2006 musikalisch. Und zwar so unique, dass er immer sofort zu erkennen ist und mich emotional in bestimmte Sphären mitnimmt. Damit schafft er eben auch ein tiefen-entspannendes Gefühl von unumstößlicher Stabilität und süßer Nostalgie. Etwas, dass in dynamischen Zeiten wie diesen alles andere als schlecht ist. Vielen Dank dafür!
Heute noch einmal volles Programm – mal wieder mit viel Trance und härterem Techno.
frohfroh-Tagestipp
Aequalis x Exil Kollektiv // Institut fuer Zukunft // 23:59 Uhr w/ Claudio Prc, Medha, N.akin, Ayumi, Kontinum, Namlitt, DJ Fairytail, Miss Finster, Wasn’t Born, C4llin, Nyota
Die Aequalis-Reihe lädt das Exil Kollektiv als Sidekick ein. Damit treffen in dieser Nacht hypnotisch-deeper Techno auf härtere und trancy Techno-Sounds. Highlight ist der italienische DJ Claudio Prc – mit seinem subtil groovenden, house-beeinflussten Techno.
Außerdem heute:
Saturday Rave x 10 Years Voxnox – Distillery, 23:00 Uhr – Techno und House mit Dana Ruh, Gili, Kalte Liebe, Lucinee, New Frames, Shuray & Walle
Rawmantique – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Techno, House and Queer Dress Code mit Agy3na, Rakans, Khloe, Hanni, Lady Rug, Jun Choi
Trance Force Welle – Neue Welle, 10-18:00 Uhr – Trance, Techno, Downbeat, Experimental mit Deep Sea Moonlight Chakra, MDMK, :Mumm, DJ Ritalino
VØID by KeinKollektiv – Neue Welle, 23:59 Uhr – Hard-Tek und Trance mit Charlyn, Hvllvk, Abyssus, Pierre, Boicot, Elka
Trance Force One – Täubchenthal, 20:00 Uhr – Sachsentrance-Birthday bis Sonntag 22 Uhr mit DJ Fuckoff, DJ Fingerblast, DJ Heartstring, GehLekTek, Shadyline, HC Baxxter x Leih Nusz, DJ Break da law, Young Lychee b2b DJ Fucks Himself, Pablo Pepstasy Sabu!, The Jakob Sisterz, Trancemaster Krause, Aitch, Akribisch Rapid, DJ Pult b2b DJ Carpet Crawler 3000, DJ Pheromone, DJ Local B, Bebi2Bebi (Alina Viktoria & DJ Stud), MIDNXGHT, Atreo, Malte Süß, Cylo, Dsjnkt, Tek Wanna Do, RaverPik, Rzr, Bierbabes
Italo Fundamentalo – Noch Besser Leben, 20:00 Uhr – Italo Disco mit RNVP, I. Marcello, Luigi Andrea Ramazotti, Ansonica
Und hier einige Partytipps für den KW 12-Freitag. Mit dabei Self Learning System, Boundless Beatz und mehr.
frohfroh-Tagestipp
Klubnacht x Self Learning System // Mjut // 23:00 Uhr w/ Solaris, DJ Detox, Neele, DJ Unisex, Friedrich Ernst
Das Leipziger Electro-Label Self Learning System präsentiert sich in einer eigenen Klubnacht. Mit dabei sind neben den Gründern Friedrich Ernst und DJ Unisex auch Solaris und Neele aus dem IfZ. Das heißt, es wird crisp, bouncy und kantig in den Sounds und breakig bis trippy bei den Beats.
Außerdem heute:
ZAN – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Techno und Hard-Tek mit DJ Ruediger, Kim Yasmina, Laviena, NoirnOa, Schirin, Spellya, Sue Lèwig, Weyed
WTBR Off Techno Series Chapter – Kulturlounge, 23:00 Uhr – Techno mit Snake Milk, Stephan von Wolffersdorff, Daniel Sailer, Subtrak, 0-Dimensional
Trance Force One – Täubchenthal, 20:00 Uhr – Sachsentrance-Birthday bis Sonntag 22 Uhr mit DJ Fuckoff, DJ Fingerblast, DJ Heartstring, GehLekTek, Shadyline, HC Baxxter x Leih Nusz, DJ Break da law, Young Lychee b2b DJ Fucks Himself, Pablo Pepstasy Sabu!, The Jakob Sisterz, Trancemaster Krause, Aitch, Akribisch Rapid, DJ Pult b2b DJ Carpet Crawler 3000, DJ Pheromone, DJ Local B, Bebi2Bebi (Alina Viktoria & DJ Stud), MIDNXGHT, Atreo, Malte Süß, Cylo, Dsjnkt, Tek Wanna Do, RaverPik, Rzr, Bierbabes
Von heute bis November 2023 habt ihr jeden zweiten Donnerstag die Möglichkeit, das ZiMMT-Klanglabor für eigene Soundforschungen und Experimente zu nutzen. Im ZiMMT findet ihr eine 3D-Klangkuppel mit 32 Lautsprechern, dazu ein 3D-Audio-Postproduktionsstudio, Mikrofone, Interfaces und Controller sowie zwei Expert:innen, die euch begleiten und in die Technik einführen. Darunter auch immer eine FLINTA*-Person.
Interessiert? Dann meldet euch unter klanglabor@zimmt.net an. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Weitere Infos gibt es hier.
Außerdem heute:
Konzert – Conne Island, 20:00 Uhr – Kraut-Alternative-Rock und Elektronik mit Anika und Aua
Beep Street – Sowiewir, 20:00 Uhr – Jungle, Drum & Bass und Dubstep mit DJ Badshape und CUN
Input – Institut fuer Zukunft, 22:00 Uhr – Jungle und Drum & Bass mit Mag.darine, DJ Badshape, Valeska b2b Big Honey
Ihr wollt die Interessen der Leipziger Clubszene vor der lokalen Stadtverwaltung vertreten? Dann gibt es hier ein interessantes Job-Angebot vom NachtRat Leipzig für euch.
Seit 2021 gibt es in Leipzig die „Botschaft der Nacht“. Sie ist die zentrale Schnittstelle zwischen den Stadtämtern und der Clubszene und setzt sich für eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Weiterentwicklung der Leipziger Nachtkultur ein.
Genauso teilen sich auch zwei Akteur:innen in die gemeinsame Arbeit rein: Der bzw. die Fachbeauftragte für Nachtkultur im Kulturamt der Stadt Leipzig – aktuell besetzt mit Nils Fischer – wirkt in die Verwaltung hinein, während sich der NachtRat Leipzig als ehrenamtliches, interdiszipliäres Gremium die Seite der Clubs kümmert. Unter anderem bringen sich im NachtRat Drug Scouts, Initiative Awareness e.V., LiveKommbinat Leipzig e.V., vak. Leipziger Kollektive, DEHOGA Hotel- und Gaststättenverband Sachsen e.V. sowie die Polizeidirektion Leipzig ein.
Von Anfang an war geplant, dass der NachRat eine feste Koordinierungsstelle bekommt, die sich um das Vor- und Nachbereiten der Arbeitstreffen, das Einwerben von Projektfördergeldern und die Außenkommunikation kümmert. Im letzten Stadthaushalt fehlte dafür aber noch das Geld. Nun ist es da – zumindest für 2023 und 2024.
Ab dem 1. Juli 2023 wird die Stelle in Teilzeit (75 Prozent) besetzt. Aktuell läuft die Bewerbung – bis 9. April 2023 könnt ihr eure Unterlagen einreichen.
Was ihr für den Job braucht
Leidenschaft für Nachtkultur und Kenntnisse rundum deren Herausforderungen, Akquise-Erfahrungen, gutes Netzwerk in die Leipziger Clubszene, mindestens Fachhochschul- oder Bachelorabschluss und ein paar Dinge mehr. Hier findet ihr die Details.
Was ihr für den Job bekommt
Ein Gehalt nach 11/1 TVöD, flexible Arbeitszeiten in einem hierarchiearmen Umfeld und viele Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der Leipziger Clubszene. Hier gibt es weitere Details.
Vor Kurzem haben wir auf unserem Instagram-Kanal eine kleine Umfrage gestartet. Wir wollten wissen, was euch inhaltlich interessiert und was euch bei frohfroh eventuell fehlt. Hier ist ein Zwischenstand eures Feedbacks.
Erstmal vorweg: Vielen Dank an alle, die an unserer Umfrage teilgenommen haben. Sie ist auch weiterhin in den Story-Highlights zu finden und open to join – aber die ersten Ergebnisse sind jetzt schon interessant.
Diese Insights nehmen wir mit:
→ Musiknews aus Leipzig sind vielen von euch weiterhin wichtig – besonders Porträts, Interviews und Hintergrundstories. Yeah!
→ Für Partytipps ist frohfroh ab und zu relevant. Ok, wir schauen, dass wir das ändern!
→ Die ganz junge Rave-Generation hat frohfroh kaum auf dem Schirm. Da müssen wir also ran, wenn frohfroh auch in Zukunft relevant sein soll!
Was frohfroh noch nicer machen würde? Hier eine Auswahl an Antworten:
☞ Beständiger neue Artikel posten
☞ Gern vertiefender über Musik schreiben
☞ Artist-Talks zur Entstehung von Musik führen
☞ Einblicke in die Leipziger Musikgeschichte geben
☞ Mehr Track-Premieren und Spot-on-Podcasts
☞ Mehr Artists of Color pushen
Join us. Be frohfroh. Open Call.
Ein Punkt in der Umfrage hat uns besonders gefreut: Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden meinten, dass Sie Lust hätten bei frohfroh mitzumachen – schreibend oder sonst wie. Das ist eure Stunde! Schreibt uns gern eine Nachricht an dance [at] frohfroh.de und pitcht uns, wie ihr euch bei frohfroh einbringen und verwirklichen möchtet.
Hier ein paar Anregungen, was ihr bei frohfroh machen könnt:
✲ Musik- und Kulturjournalismus – Reviews, Interviews, Event-Ankündigungen, Track-Premieren, Reportagen, Essays etc.
✲ Partytipps – Termine kuratieren, Tipps im Backend anlegen, Dance Dance-Rubrik weiterentwickeln
✲ Social Media – Instagram- und Twitter-Profile von frohfroh betreuen, vielleicht TikTok starten 😉
✲ Podcasts – weitere Podcast-Formate entwickeln, launchen und betreuen
✲ Fotografie / Video – Artist-Fotos oder Reportagen bebildern
Also, wenn ihr Teil der nächsten frohfroh-Generation sein wollt und die Leipziger Clubszene journalistisch begleiten wollt, dann join us – be frohfroh!
Was wir bieten können? Viel Freiraum, um sich journalistisch, grafisch und fotografisch auszuprobieren. Eine etablierte Plattform, um über Musik und Szenethemen aus Leipzig zu schreiben. Gute Netzwerk-Möglichkeiten in die Leipziger Clubszene. Zugriff auf Musik-Promos und ggfs. Gästelistenplätze.
Was wir aktuell nicht können? Honorare zahlen. frohfroh ist von viel Idealismus getragen und hat keine nennenswerten Einnahmen, mit denen sich Honorare zahlen ließen. Aber das heißt nicht, dass sich dies nicht irgendwann ändert.
Noch Power am Sonntag? Es gibt einen ruhigen und einen pushenden Ausklang.
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Lärm // Distillery // 18:00 Uhr w/ Chlamydia, Ninette, Kim Valmount, Bela Bertram b2b Hock
Oha, ab Sonntagabend gibt es nochmals High-Energy-Techno. Unter dem Credo „Ecstasize your inner Fetish“ zielt die Lärm-Crew bei dieser Party auf einen kompromisslosen Sound, Freiheit und Freizügigkeit. Und um einen extra Safer Space für FLINTA* und die queere Community.
Außerdem heute:
Barcelounge – Barcelona Bar, 19:00 Uhr – Breaks, Jungle, Footwork und Drum & Bass mit Booga und Zapotek
Eine Healing-Nacht von dem vielen Trance und Hard-Tek: Multisex bringt vier DJs zusammen, die die unterschiedlichen Nuancen von House durchspielen. Mit klassischer Deepness und dubbigen Phasen, aber auch mit Disco-, Proto- und Techno-Anleihen. Highlight: Sedef Adasi, eine Berghain-Resident aus Augsburg, die sehr eklektisch durch all diese Sphären gleitet.
Außerdem heute:
Saturday Rave – Distillery, 23:00 Uhr – Techno und House mit Roman Flügel, Enelram, Mauro Caracho, Hyperaktivist, Atalanta, Bigalke
Twisted Dreams – Mjut, 23:00 Uhr – House mit Burak, Denis, Gwenan, Max Maruo
Clubnacht Live – Institut fuer Zukunft, 23:59 Uhr – House, Electro, Techno, Acid und Trance mit Oliv, Friedich Ernst, Poly Chain, Not Even Noticed, Bunny Tsukino, Wemory, Fatmuska
Waldbrand – Elipamanoke, 23:59 Uhr – House und Techno mit Goldie Palm, Gado Gado, Shady Scherbert, Premio, Peter Sniffin, DJ Mellon, Tøsche, Luzi
Night at the Museum – Kunstkraftwerk, 22:00 Uhr – Tech-House, House und Techno mit immersiver Show mit Biesmans, Manqo, Weg
Sieben Tipps haben wir für diesen KW 11-Freitag. Unter anderem mit einer Auktionsparty.
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Soli Auction and Party // Mjut // 20:00 Uhr w/ Spinne-mann, Balout Krew, Kansi, East Alavist
Das Erdbeben in der türkisch-syrischen Grenzregion hat über 50.000 Menschenleben gefordert, nochmals so viele wurden verletzt und haben ihre Wohnungen verloren. Um den Menschen vor Ort zu helfen, findet heute eine Auktion mit Party statt. Neben Essen und Drinks könnt ihr auch Kunst, Klamotten, Tattoos und Vintage-Möbel von regionalen Künstler:innen erwerben. Dazu gibt es später gut ausbalancierten House. Alle Erlöse des Abends gehen an die Initiativen STELP supporter on site und Spende für Erdbebenopfer in Samandağ-Hatay.
Außerdem heute:
Herrensauna x Pulsår – Institut fuer Zukunft, 23:59 Uhr – Techno und House mit DJ Saliva, Cem, MCMLXXXV, Ferrari Rot b2 I$A
Oxidation – Distillery, 23:00 Uhr – Techno, Hard-Tek und Trance mit DJ Hyperdrive, Noneoftheabove, Marc Moeller, Willkr, Rå, Mieezzz, David Zikarsky b2b Technotoni, Neagles, Jaszaloth, Meyharrt, Klaudia Kowalksi, Erasmios b2b Justech
Moovin Groovin – Kulturlounge, 23:00 Uhr – House mit Shnady, DJ HDGDL, Pajari
Elotrance – Ilses Erika, 23:00 Uhr – Techno und Trance mit Paraçek, Sondersendung, Felix Schwarzenberger, Cargo x Igor, Morpheus b2b LH7
Find a Place – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Techno, House und Tech-House mit Aio, Aender, Delia Plangg b2b Conte, Dilivius Lenni, Konfusia, LottaLove, Mila Stern, Miriamore, Sam Fearon b2b Doko, Schlepp Geist
In.Takt – Neue Welle, 23:00 Uhr – Tech-House, House und Techno mit GoldGrund, Martin Young, Ramponage, Labex, Girosso (ausverkauft)
Bei Planet Almanac ist wieder mehr Leben. Nachdem sich das Leipziger Label im letzten Herbst nach einer fünfjährigen Pause reaktiviert hat, gibt es nun bereits die nächste EP – von einem Dresdner Duo.
Hagoromo sind Fenta Flowers and Heninspace – zwei Musiker, die schon länger solo in verschiedenen Sounds und Genres unterwegs sind. Meist eher experimentell, mäandernd und fernab vom Club- und Pop-Geschehen. Seit 2016 verschmelzen die beiden ihre Geräte und lassen sie in freien Sessions laufen. Eine drei Viertel Stunde daraus ist nun bei Planet Almanac zu hören.
Auf „Budgi Tumanligi“ verdichten sich weitgehend lose Rhythmen und Synth-Sounds zu bis zu 16-minütigen Ambient- und Soundscape-Tracks. Hier gilt also: hinsetzen, Zeit nehmen und im Sound fallen lassen.
Während „Gektar“ im Moment verharrt und still vor sich hin pluckert, entfaltet „Ket“ in seiner Repetitivität fast eine Art avantgarden Clubsound. „Qizil“ ist dann die zweite sehr lange Reise – dieses Mal mit hintergründig durchschimmernden Harmonien, klareren Strukturen und leicht dubbigem Hall. Zum Schluss wird es nochmals dark: „Dunyo“ wabert mit düster-rauschendem Synth daher. Die Bedrohlichkeit wird aber durch rhythmisch pulsierende, fast schon kindliche Sounds abgefedert. Aber auch hier gibt es versteckte, einfache Melodien, die wie Lichtschimmer hervorkommen.
In seinem offenen Lofi-Kosmos und perfomatischen Charakter hat „Budgi Tumanligi“ viele spannende Phasen. Live ist das sicherlich auch noch einmal faszinierender.
Mein Hit: „Qizil“. Why: Weil die dubbigen Hallräume und zarten Melodien zum Abtauchen einladen.
Shikoba is also calling …
Btw. Planet Almanac-Betreiber Shikoba hat zuletzt auch selbst einige EPs veröffentlicht. Einmal beim Dresdner 7″-Label Copyshop und dann zweimal auf Bandcamp. Und vor allem die Copyshop-EP ist unglaublich stark. Denn die beiden Tracks sind so klar und direkt in ihren Sounds sowie so trippy und polyrhythmisch patternhaft arrangiert, dass ich sofort hängengeblieben bin. Hier kommt auf jeden Fall Shikobas Liebe für Düssedorfer Kraut-Rock im Sinne von zeitgenössischen Acts wie Kreidler und Tolouse Low Trax heraus, allerdings modernisiert er deren Ansätze und gibt ihnen hier noch mehr Schub und Dringlichkeit.
Ähnlich krautig, aber eine ganze Spur verspielter sind die selbst veröffentlichten EPs. Aber auch hier: Eine große, sehr einnehmende Direktheit im Sound.
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