Allzu viele Hard-Facts ließen sich über den neuen Club in Leipzig nicht sammeln, Stichwort Überraschung. Ein paar Dinge gibt es aber trotzdem zu sagen.
Baustellencharme
Der Name „mjut“ geistert seit ein paar Wochen durch etliche Gespräche. „Ah, dieser neue Club im Osten, ja, unbedingt, wann macht der endlich auf?“ – auf diese und eins-zwei weitere Fragen antworteten mir vier Mitwirkende des mjut-Clubs, die sich noch vor Eröffnung Zeit genommen haben, mit mir über ihr Projekt zu sprechen.
Wir sitzen vor dem Club, auf einer Couch in der Sonne; dort, wo in den kommenden Wochen ein Außenbereich entstehen soll. Um uns herum sieht es zwar noch unfertig aus, aber kalte Getränke gibt es schon. Gegenüber wird gerade die Anlage getestet. Eigentlich sollte ja schon viel früher eröffnet werden, allerdings gab es ein mittelschweres Problem: 50 qm Dachfläche wurden von einem Sturm („Friederike“) weggefegt und die Eröffnung musste verschoben werden. Na ja, das Dach ist mittlerweile wieder fit und es kann losgehen.
Kunst_Kultur_(elektronische) Musik
Die Halle, die eigentlich als reines Techniklager dienen sollte, wird seit Juli letzten Jahres zu einem Ort für Kunst, Kultur und Musik umgebaut. Dass solch ein Raum entsteht, sei die logische Konsequenz aus der Entwicklung im Leipziger Osten: viel junger Zuzug und Lust auf elektronische Musik. Aber um einen neuen Ort für eben solche Musik zu schaffen, braucht es einerseits Menschen und Ideen, andererseits Basics wie Boden, Decke, Putz, Brandschutz. Nach und nach bildete sich so ein Kern von ca. 20 Leuten, die Lust dazu hatten, und weiterhin haben, den Club aufzubauen – ob handwerklich oder mit Ideen und Input zu Musik, Grafik oder Awareness. Bei diesem Entstehungsprozess mit dabei zu sein, mache das Projekt auch für die Beteiligten selbst weiterhin so spannend.
Spannend ist auch das musikalische Konzept. Neben Partys sollen auch Konzerte, (Sound)Installationen und Workshops Platz finden. „Eklektisch, divers, vielleicht auch etwas nerdig“ beschreiben meine Interviewpartner_innen was uns erwartet. Ein paar Namen der kommenden Bookings nennen sie auch schon: Berceuse Heroique, Acido, Sued, Burnt Friedman, Iron Curtis, Shlømo und (the one and only) Machine Woman.
Über eine Neuigkeit wird sich übrigens die Leipziger Drum & Bass-Szene besonders freuen: Eine dahingehend bekannte Veranstaltungsreihe aus dem Westwerk wird wiederbelebt und findet im mjut ein neues Zuhause.
Kurz geht es noch in den Club, Treppe rauf, Treppe runter, schwarze Wände. Draußen wird weitergebaut, einiges ist noch zu tun. Nach diesem ersten, wahrscheinlich nicht letzten Besuch im mjut notiere ich mir noch: „positiv-ungeduldig“ – was sicher nicht nur auf mich zutrifft.
PS: Die Eröffnung findet am 7. April statt. Mit: Please Talk Softly, Plastiq, DJ Marcelle, LNS, Hellie Berry, Mo Chan, Neele, Isa Wolff, SPFDJ, Universe of Tang, Lux und Johanna Knutsson. Ach und: Lagerhofstraße 2 ist der place to be.
Amrint Keen „AK OK“
Panthera Krause „All My Circuits Part I“
Serial Error „Drum Abuse“
Bei „Two Play To Play“ wird sie offensichtlich auch ihren Raum bekommen: Erste Ambient-Phasen klingen im Laufe der zweiten Probe an, kurz setzt auch ein hektischer Beat ein, HiHats zischen. Dazu loopt Kohlstedt den Chor, der daraufhin selbst wieder einsetzt. „Es muss nicht genau auf den Loop passen. Hauptsache die Energie stimmt“, vermittelt Gregor Meyer.
Und genau diese Verhandlung ist in der zweiten Probe deutlicher mitzuerleben. Immer wieder haken Chormitglieder ein, haben Anmerkungen. Zwischendurch gibt es Absprachen zwischen Meyer und Kohlstedt bzw. dessen Tontechniker – the one and only Mario Weise aka DJ Marlow btw. Die zweite Probe ist weniger Entertainment, Gregor Meyer führt nach wie vor, wirkt aber dieses Mal weniger zentral. Das tut der Probe gut.
Für die vier Stücke auf „Garzweiler“ haben Von Spar den Pop-Appeal, den sie immer in einer bestimmten Form einbinden, teilweise heruntergefahren. Gerade „Garzweiler III“ und „Garzweiler IV“ verlieren sich in einem abstrakten Mäandern, legen immer neue Schichten frei, die aber nicht direkt miteinander zu tun haben. Doch wo andere Bands und Musiker die Tagebauklammer wahrscheinlich sehr dystopisch darstellen würden, nehmen Von Spar eine Menge organischen und elektrifizierten Funk mit auf.
„Lucid Themes“ klingt stellenweise sehr trippy und wäre auch in einem experimentellen Techno-Kontext denkbar – welche Rolle spielt für euch Clubmusik?
Siebzig Sänger warten auf den Stühlen des Chorpodests, welches in U-Form angeordnet ist und mit zwei Pianos abschließt. Auf den noch freien Plätzen der stufenförmigen Erhöhung reihen sich die vierzig Zuhörer ein. Die Grenzen zwischen Chor und Publikum verschwinden. „Das ist der Chor – das Abbild der Gesellschaft“, stellt ihn der jungenhaft wirkende Leiter in orangefarbenen Cargohose schmunzelnd vor.
Die emotionalen Töne des Weimarer Musikers füllen den Raum mit Bewunderung – die Struktur schaut zu und wird nun das erste Mal durch ihren Koordinator mit der freiheitsliebenden Intuition zusammengeführt. Ein Spiel der Gegensätze, das entweder scheitert oder sich zum Unikat entwickelt. Es scheint, als laufen Blake Baxter- und Jeff Mills-EPs synchron, doch ohne dass sich die Impulse ineinander verzahnen oder der eine Sound vom anderen befruchtet wird, vielmehr als wenn der eine genauso gut ohne den anderen existieren kann.
Various Artists „RM241217“
Falke „O.N.G. Versions“
Polo „Leisure Time“
Sevensol & Bender „Das ideale Geschenk“
Various Artists „All Nite Bangers #01“