Sven Tasnadi „Black Souls“ (Instabil)

Die Nächte werden länger, die Luft kälter – ihr wisst, was draußen passiert. Jedes Jahr dasselbe Spiel. Erstaunlich ist eher, dass Sven Tasnadi diesen Herbst sehr dark einläutet.

Sven Tasnadi ist wenig fokussiert auf eine bestimmte Linie in seinem Sound. Zwischen „Nordsee“ und „Amy Rose“ liegen Welten. Für Instabil und Statik Entertainment gräbt sich Tasnadi noch einmal in andere Gefilde. Darker, dubbig vertrackter Techno.

Und vertrackt ist die Sache auch hinter den Sounds. Sein Engagement für Instabil und Statik Entertainment hängt nämlich an einem anderen Künstler – Jakob Altmann, ein Berliner Münchner Producer, der Techno noch so nimmt, wie Techno eigentlich ist. Quasi auf die Berliner Art. Von ihm erscheint demnächst eine EP bei Statik.

Sven Tasnadi bringt zeitgleich eine Mix-CD mit drei eigenen – düster gestimmten – Stücken und einigen von Jakob Altmann heraus. Aus diesem Mix wird dann „Black Souls“ via Instabil einzeln ausgekoppelt. Soweit der konzeptionelle Überbau. Für Sven Tasnadi seit das jedoch „keine klassische DJ Mix-CD.“ Sie repräsentiere nicht das was er sonst im Club spiele. Zuhause höre er solch einen Sound durchaus gern, für den Dancefloor sei er aber zu düster.

Düster ist „Black Souls“ tatsächlich. Anfangs noch recht klassisch dem Dub-Techno verbunden, versetzt die plötzlich einsetzende, derbe Bassdrum dem Stück eine unerwartet forsche Wendung. Im Hintergrund schwebt ein leicht sakraler Chord, die HiHats rasseln angeteast.

„Black Souls“ bleibt bis auf die Bassdrum-Schübe fast zehn Minuten lang in einer dunklen Blase gefangen. Das hat hypnotische Qualitäten, aber auch ermüdende. Erst im Mix findet der Track einen schlüssigeren Ort als einzeln. Das mag bei vielen House- und Techno-Tracks so sein. In dieser direkten Gegenüberstellung wird diese Gepflogenheit aber umso deutlicher.

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Remix-Überblick

Es gibt ein kleines Problem. Kein großartiges. Immer wieder gehen hier Remixe mit Leipziger Handschriften unter. Weil es noch nicht die ultimative Remix-Kolumne bei frohfroh gibt. Weil es sich nicht lohnt nur einen Remix vorstellen. Um nicht komplett den Anschluss zu verlieren, zweckentfremde ich einfach mal den News-Ticker. Immer schön Remix plus Original zum Hören

Aus dem erweiterten Kann-Umfeld gibt es nämlich eine neue EP von Johannes Beck. Der Berliner zählt durchaus zum Artist-Stamm. Und auf Mutual Musik kam kürzlich die EP „Prince Of The Night“ heraus. Ein typisch musikalisch gestimmter Beck-Track, dem sich auch Map.ache mit einem Daylight-Mix widmete. Träumerisch und dezent vertrackt.

Auch Chris Manura legte Hand an einen fremden Track. Auf rotem Vinyl veröffentlichte Dirtydrivesounds zwei neue Tracks von Mac-Kee. Chris Lattner und Chris Manura nuancierten hinzu. Manura strickt „Blood And Soul“ etwas schlanker und mit weniger Funk-Bläser-Brimborium. Dafür schiebt er eine tief drückende Dub-Ebene unter das House-Stück. Und gewinnt damit.

Bei Farbton Records ist auch wieder Mittagskind zu hören. Nach seiner EP „Over Cities“ nun als Remixer für Scott la Coxx‘ Stück „Wallstreet“. Und er entzerrt den Dub stärker als beim Original, nimmt ihm den Druck heraus. Das gibt „Wallstreet“ eine verträumtere Grundstimmung. Und alles relativ understatement.

Und zum Schluss der einzige Nicht-Remix. Dafür ein neues Stück von Lake People, das auf einer 4-Track-Compilation auf Crossfrontier Audio. Auf einer sehr verschiedenartigen. Zwischen drei anderen Maximal-Rave-Stücken gruppiert sich sein „Tellap Tac“. Flink und verspielt, in seiner euphorischen Ausuferung aber echt zurückhaltend im Gegensatz zu dem Rest der Platte. Eine wirklich skurrile Platzierung.

Habe ich was vergessen?

Italoboyz vs. Blind Minded „Bekeke“ (Moon Harbour Recordings)

Humor ist ja nicht das Schlechteste im Leben. Auch im House nicht. Der Grat zum Albernen ist jedoch höchst schmal, wie die aktuelle Moon Harbour-Platte beweist.

Eine Kollaboration der italienischen Wahl-Londoner Italoboyz und Blind Minded. Mit Trapez Ltd. haben beide einen gewissen Schnittpunkt – beide veröffentlichten bereits auf dem Kölner Label. Auf Moon Harbour debütiert nun diese Dreier-Konstellation mit drei Tracks. Rein vom gerade gezogenen und eruptionsfreien House- und Tech-House-Ansatz passt die „Bekeke EP“ schlüssig in den aktuellen Label-Katalog.

Die Platte fällt aber zugleich auch sehr auffällig aus eben jenem Raster. Jeder Track wird mit einem großen Augenzwinkern versehen. Naive Melodien, Trash-Fernseh-Hooks, ausdauernde Pfeiforgien oder tieftoniges Mitsummen – die Italo-Connection lässt nichts unversucht, um House ein breites Grinsen zu verpassen. Es macht aber einen Unterschied, ob mit Ironie oder mit Albernheit etwas gebrochen wird.

Und um einen Bruch mit House-Konventionen geht es dem temporären Trio ganz sicher. Wo ist also die Grenze? Wahrscheinlich an dem Punkt, wenn die Ideen und Mittel zu plump ausfallen, wenn der Ironie der subtile Charme des Abwegigen fehlt. Und das geht mir bei jedem der drei Tracks dieser EP so. Drei Knallbonbons mit Lach-Diktat. Ich weiß nicht…

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Juno6 „Jenz Lutz EP“ (Freude am Tanzen)

Auf höchst unprätentiöse Weise entwickelt Juno6 einen immer ausgefeilteren Sound. Und mit jedem Track kommt scheinbar eine neue Nuance hinzu. Auf seiner zweiten EP für Freude am Tanzen ist es der Pop-Appeal.

Nicht, dass Juno6 bisher nicht schon oft genug überzeugte. Die „Jenz Lutz EP“ sticht aber irgendwie noch einmal besonders hervor. Vielleicht ist es die Vielseitigkeit, vielleicht der überraschend deutlich ausformulierte Pop auf der B-Seite. „Action3“ zieht mit scharfkantiger Straightness von Beginn an los, offenbart zur Mitte hin dann jedoch solch einen Pop-Anstrich, dass ich anfangs in Deckung ging. Zu schnell kann eben dieser von einem House-Fundament elektrifizierte Funk-Pop ins Aufdringliche und Beliebige abrutschen.

Aber Juno6 begegnet dieser Gefahr mit einer kraftvollen Bassline, dissonanten Momenten und einem wunderbar verwobenen Vocal-Puzzle, das live von zwei Frauen eingesungen wurde, die ebenso wie Juno6 Schultz mit Nachnamen heißen. Eine Familienproduktion etwa? Spätestens beim inszenierten Duett zwischen originaler und durch den Vocoder geschickter Stimme wird „Action3“ reif für das Radio – im guten Sinne aber. Für das Radio 1-Tagesprogramm.

Es ist der tighte und durchaus ungeschliffene Sound, der dem Pop hier die spannenden Kanten zuführt. Auf der vorherigen FAT-Platte von Juno6 gab es übrigens ein „Action2“, auch schon mit den Schultz-Stimmen.

„Nend“ bleibt diesem Ansatz nahe, dreht mit seinen warmen Chords und der Dramaturgie insgesamt aber doch wieder deutlicher auf den House-Floor ab. Die Schultz-Sängerinnen sind skizzenhafter zu hören.

Und die A-Seite: die hält sich von von diesem Pop-Ausflug fern. „Tanger“ tänzelt mit flirrend-träumerischem Sound und deepen Chords dem Sonnenuntergang entgegen. Unglaublich, wie nahtlos und perfekt in diesen Strom die Flöte und die Strings reinpassen. Ohne Hektik schiebt sich „Tanger“ nach oben, hin zu einem Stück, das die letzten Reserven einer langen Nacht hervorzuholen weiß. Ja, das klingt hier euphorisch. Und das ist auch so gemeint. Denn mit dieser EP übertrifft sich Juno6 selbst.

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Teufel links, Teufel rechts

Der Teufel übt gerade wieder eine besondere Anziehungskraft aus – Sascha Ring alias Apparat nennt sein aktuelles Album „The Devil’s Walk“, auch die Neu-Leipziger Pentatones sind in Teufels Hand.

Die intensive Leipzig-Thüringen-Verbindung kommt bei diesem Quartett einmal mehr zum Vorschein. Denn eigentlich ist vieles bei Pentatones mit Weimar und Jena verbunden. Und dass im besten Sinne. Sängerin Dehlia war bereits auf zahlreichen Tracks von Douglas Greed, den Wighnomy Brothers und Marlow zu hören. Immer sehr präsent und einnehmend. Immer gut ausbalanciert zwischen Soul-Overkill und angerautem Charme.

Bei Pentatones ist sie nun Teil einer Band, die mit klarer Pop-Attitüde auf den Dancefloor drängt und die gern auch zu einer gewissen Extravaganz auf der Bühne neigt. Also gar nicht weit entfernt von den Erfurtern und Quasi-Leipzigern Marbert Rocel, wenn auch mit etwas mehr Crisp und dunklem Schimmer.

In Vorbereitung zu dem demnächst erscheinenden Album kam im September eine Vorab-EP „The Devil’s Hand“ heraus, einem Electronica-House-Stück, das in der Dramaturgie Track und Song gleichermaßen ist. Die Stimmungen schwanken zwischen entwaffnender Demut, ausgeglichener Sanftmut und forschem Angriff. Das verleiht dem Original eine verblüffend hoch peitschende Atmosphäre, die sich nur teilweise entlädt.

Für die Remixer dürften diese vielen Spannungsbögen Fluch und Segen zugleich gewesen sein. Alle einigen sich jedoch auf die Entschlackung. Gunne und End Of Tape entschlacken im Sinne der Straightness. Schleck&Stecker sowie Douglas Greed ziehen die düsteren Momente des Originales noch ein zwei Etagen tiefer in den Keller.

Greed möchte dabei noch tanzen, Scheck&Stecker nehmen dagegen jeden Funk heraus und basteln die Einzelteile zu einem kratzig-stolpernden und schleppenden Pop-Song zusammen – inklusive rückwärts gezogener Vocals. Hier kommt der Teufel-Ansatz am eindrucksvollsten heraus. Und der Mix zeigt auch, wie weit und nah zugleich sich ein Remix zum Original verhalten kann. Und Pentatones? Wir sind gespannt auf das Album.

Pentatones Website
Lebensfreude Records

Selten geerdet

Oh oh, im Pseudoym-Dschungel ist hier eine Kassem Mosse-Platte durch die Lappen gegangen. Schon im Juni erschien auf dem japanischen Label Mule Electronic eine Platte als Seltene Erden. Nur wenige Tage liegt dagegen die Nonplus-Platte von ihm zurück.

Zugegeben: der Artist-Name könnte in seiner verschwommenen und poetischen Mystik auch aus dem Dark Wave- und Gothic-Umfeld stammen. In Wirklichkeit ist es aber Gunnar Wendel alias Kassem Mosse, der hier vier neue Tracks veröffentlicht. Doch braucht es den anderen Namen? Jein. Denn für jemanden wie Kassem Mosse kann solch eine Platte Testlauf und Befreiung zugleich sein. Sein Name ist längst zum Trademark geworden und daran geknüpft sind bestimmte Erwartungen und Vorurteile. Auch ihm selbst ist das durchaus bewusst. Und so stehen die Tracks für sich im Raum, ohne Kassem Mosse-Stempel.

Seltene Erden scheint denn auch nicht als neues und offizielles Seitenprojekt geplant gewesen zu sein. Das Label spricht von einem neuen Künstler, auf der Facebook-Seite von Kassem Mosse findet sich kein Verweis das Seltene Erden-Debüt. Doch das Internet ist schneller. Bei Discogs gibt eine Verlinkung zwischen Kassem Mosse und Seltene Erden, Monday Edition wusste auch Bescheid.

Vom Sound der vier Stücke her ist die Nähe dann natürlich nicht von der Hand zu weisen. Im Detail fallen sie jedoch entzerrter und noch eine Spur historischer aus – einerseits in einem Ambient-Rahmen bei „Bayan Obo“ und „Hoidas Lake“, andererseits in einem forschend-rohen Chicago-Kellerstudio-Rahmen bei „Northern Rae“ und „Kvanefjeld“. Das Tempo bei letzteren beiden Stücken ist indes noch einige Gänge mehr runter gedimmt, hin zu roughem Beatdown mit schwelgerischem Industriecharme.

Kassem-Mosse-Enoha-EPAuf Nonplus Records, dem eher im Dubstep verwurzelten Londoner Label bleibt alles offiziell – wie schon bei der ersten Platte dort. Doch so charakteristisch Kassem Mosse in seinem Sound ist, so sehr überrascht er mit dieser EP. „Enoha“ beispielsweise, weil das Stück sehr schlank und stromlinienförmig im Techno unterwegs ist. Fordernde Hi-Hats, keine gestenreichen Snythie-Chords. Techno kommt wieder, ist davon nicht schon länger die Rede?

Die drei anderen Stücke überraschen dann weiter als Set – denn sie bewegen sich in dem für Kassem Mosse sich gleichberechtigt entfaltenden experimentellen Sound zwischen Electronica und Electro. In dieser Dichte kam diese Seite von ihm allerdings noch nicht zum Vorschein. Es ist eine wesentlich düstere Platte als vieles, was zuvor von Kassem Mosse erschienen ist. Das Schwelgerische weicht einem harschen, unberechenbaren und dicht verschlungenen Hybriden für die ausfransenden Ränder des Dancefloors.

Vielleicht die darkeste Platte von Kassem Mosse überhaupt. Aber sie zeigt auch, dass er in der selbst erarbeiteten künstlerischen Freiheit eigentlich nicht unter anderen Namen zu veröffentlichen braucht. „Enoha“ ist als Gesamtes nämlich überraschender und wegweisender als der Inkognito-Ausflug von Seltene Erden.

Nonplus Records Website
Mule Electronic Website
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My Hype Your Hype

Hypemachine at it’s best. Riotvan hat ihn gerade eben entdeckt, wir springen begeistert mit auf. In unbändigem Web 2.0-Tatendrang und mit offensiven Pop-Appeal kommt My Heart Your Heart um die Ecke geschossen.

Pop – ohne Scheu ausgelebt, leicht antik in den Wave-Arrangements und mit dem nötigen Schmiss, um auch auf den Dancefloor nicht alt auszusehen. My Heart Your Heart, kurz MHYH macht vieles richtig, wenn es um eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit Pop-Musik der letzten 30 Jahre geht. Große Snythie-Melodien, Disco getränkte Beats, Pathos geschwängerte Vocals – und das alles aus einer Hand.

Nämlich der von Sebastian Sackewitz, einem 25-jährigen Hannoveraner, der seit vier Jahren in Leipzig lebt, so ist es bei Riotvan zu lesen. Die Künstler-Plattform ist nicht minder begeistert und hat gleich einen Remix für der Here Is Why-Album geordert, das im nächsten Frühjahr erscheinen wird. Ja, Riotvan wird zum Label.

Doch zurück zu MHYH: von ihm soll demnächst auch eine EP folgen, die „Benice Veach EP“. Klar, viel von dieser hier entfachten, musikalischen Euphorie hat Caribou im letzten Jahr mit seinem Album „Swim“ zwar bereits abgreifen können – gerade bei „Eleven“ ist die Nähe beinahe schon dreist.

Aber MHYH kommt diesem Entdeckungsgefühl schon sehr nahe. Vielleicht weil es direkt von nebenan stammt. Vielleicht, weil hier tatsächlich jemand Potential entwickelt. Spannend dürfte noch sein zu sehen, wie die One-Man-Show live umgesetzt wird. Hört und seht selbst. Drei Videos gibt es zu seinen Stücken auch.

MHYH Soundcloud
MHYH Facebook

„Es geht doch hier nicht um Geld“

Die Netlabel-Szene ist in den letzten Jahren nicht unbedingt lebendiger geworden. Aber sie lebt weiter. In Leipzig etwa mit Markus Masuhr und seinem Label Insectorama. Wir wollten wissen, warum er an dem Konzept weiter festhält.

Ist die digitale Avantgarde in der Sackgasse fragte frohfroh vor zwei Jahren – Anlass war das Ende des Leipziger Netlabels 1bit Wonder und die Transformation von Instabil hin zum Digital-Label, bei dem die MP3s verkauft und nicht mehr verschenkt werden. Wir wollen wissen, wie es 2011 um die hiesige Szene bestellt ist.

Ist die große Netlabel-Euphorie vorbei oder täuscht der Eindruck?

Auf jeden Fall ist die Euphorie vorbei. Es kamen jede Woche unzählige neue Netlabels ans Tageslicht und wie es nun einmal bei so einer Situation ist, kamen leider viel zu viele schlechte Releases heraus. Was der ganzen Sache einen üblen Beigeschmack beschert hat. Die meisten dieser neuen Netlabels sind aber auch meist nach kurzer Zeit wieder in die Versenkung zurückgekehrt.

Leider haben aber auch sehr viele große und sehr gute Netlabel dadurch sich entschlossen den Schritt nach „vorn zu gehen“. Hin zum Digital-Label, sie wollen damit jetzt Geld verdienen, was ich für einen Trugschluss halte, da dort gerade das gleiche passiert – nur in einem sehr viel größeren Stil. Und da viele Digital-Labels es nicht so genau mit der Bezahlung der Künstler nehmen, gibt es immer mehr, die wieder zurück zu Netlabels gehen, weil sie den Umgang mit ihren Tracks so nicht mehr mit sich vereinbaren können.

Welche Netlabels sollte man denn heute im Blick behalten?

Tropic Netlabel aus Frankfurt, das von d.soul geführt wird oder Inoquo aus Spanien. Und da wären noch Bleepsequence, Deepindub, Unfound, Monokrak, Zimmer, Miniatura um nur einige zu nennen. Die Liste könnte man jetzt noch stetig fortsetzen, aber auch hier denke ich, dass sich Qualität auf jeden Fall durchsetzt. Viele große bekannte Acts haben ja mal auf Netlabels angefangen oder releasen heute immer noch zweigleisig – einmal auf Vinyl und dann eben auf Netlabels.

Der für mich größte Unterschied – und zugleich auch der Positivste – ist, dass bei Netlabels keiner mit angeblichen großen Acts wirbt, die angeblich alle deren Releases spielen und so toll finden. Denn meistens ist es so, dass umso mehr ein Digital-Label seine Releases mit Künstlern bewerben muss, desto schlechter ist der Sound es in der Regel.

Was ist für dich der Grund weiter ein Netlabel zu betreiben?

Es gibt so viele unbekannte, sehr gute Künstler auf der Welt, die fantastische Musik machen, aber nie die Chance bekommen auf Vinyl zu releasen. Genau da kommt ein Netlabel zum Einsatz. Gerade im Dub-Techno-Bereich gibt es viel bessere Netlabel-Releases als Vinyl-Releases.

Für mich war und ist es einfach wichtig Künstlern eine Plattform zu bieten, auf der sie sich verwirklichen können. Das geht mit einem Netlabel am einfachsten und auch am schnellsten. Für mich stand auch nie zur Debatte, ob ich zu Digital wechseln sollte, denn ich bin der Meinung, dass Musik – abgesehen von Vinyl – kostenlos sein sollte. Es geht doch hier nicht um Geld, sondern um Musik.

Man hat ja schließlich nichts in der Hand, wie beim Vinyl. Und warum sollte man für etwas zahlen müssen, das man am Ende nur als digitale Datei auf dem Rechner hat? Klar könnte man jetzt sagen der Künstler hat da etwas erschaffen und sollte auch dafür entlohnt werden, aber dann sollte der Künstler selbst entscheiden dürfen, welchen Weg er geht, um seine Tracks zu releasen.

Geht es aber nicht mehr um die Musik und Kunst an sich, die einen gewissen Wert hat – unabhängig von ihrem Format?

Das ist schon richtig. Von meiner persönlichen Sicht aus würde ich nie für eine digitale Datei Geld ausgeben. Bei Vinyl ist es mir hingegen total egal, was es kostet. Wenn mir die Musik gefällt, kaufe ich sie mir. Das hat dann wohl mit der Sammelleidenschaft zu tun und mit der Limitierung des Vinyls. Auch hat man bei Vinyl was in der Hand. Da steckt vom Track übers Cover sehr viel Arbeit drin, was bei digital natürlich auch der Fall ist und auch gebührend belohnt werden sollte.

Aber es ist digital und nicht Vinyl. Viele sehen das anders und kaufen digitale Releases und das ist auch gut so. Ich hingegen bin da wohl eher ein bischen altmodisch und engstirnig und verharre da vieleicht zu sehr auf meiner Einstellung. Aber das ist nun mal die freie Entscheidung, die ich habe und die jeder andere auch hat. Es ist sicherlich auch ein Grund, dass man bei digital einfach nichts in der Hand hat nach dem Kauf. Es ist und bleibt eine digitale Datei auf dem Rechner.

Insectorama hat einen enormen Output – gibt es eine feste Fan-Base oder schwanken die Download-Zahlen?

So enorm würde ich den Output nicht bewerten. Insectorama gibt es seit 2006 und bis jetzt sind es 47 Releases. Eine Fan-Base gibt definitiv. Und die ist wunderbarer Weise auf der ganzen Welt verteilt. Trotzdem schwanken die Downloadzahlen so zwischen 3.000 und 30.000 Downloads pro Release.

Aber ich denke solche Zahlen sind schon ganz ok. Es geht ja auch nicht darum, wer die meisten Downloads hat, sondern viel mehr um qualitativ hochwertige Musik. Da hat jeder auch einen anderen Geschmack. Ich release auch wirklich nur Sachen die mir selber zu 100% Gefallen und nicht weil es gerade angesagt ist.

Insectorama Website
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Nachzügler auf zwei Floors

Hier House, da Jungle – in den Clubs sind solche Clashs keine Seltenheit. Bei Plattenvorstellungen wird aber meist feinsäuberlich getrennt. Warum eigentlich? Wir hauen Alphacut und Good Guy Mikesh & Filburt in einen Topf.

Natürlich nicht wirklich, wie in einem DJ-Mix. Aber hier liegen zwei Nachzügler auf dem Tisch, die aus verschiedenen Gründen bei frohfroh noch nicht vorkamen. Zum ersten der Good Guy Mikesh & Filburt-Beitrag der im August erschienenen Compilation „If This Is House I Want My Money Back Zwei“ vom Münchner Label Permanent Vacation.

Im Prinzip ein Wiedersehen mit dem großen Katalysator der beiden. Vor zwei Jahren gelang dem dort mit „Someone Told Me“ ein kleiner, aber doch amtlicher Hit. Ihr aktuelles Stück „Roamer“ ist wesentlich zurückhaltender und in nur vier Minuten gut auf den Punkt gebracht. Es ist der entspannt-deepe Ausklang von einer subtil besetzten Compilation mit Leuten wie Jacob Korn & Cuthead, Trickski, John Talabot und anderen.

Für Good Guy Mikesh & Filburt ist „Roamer“ erstaunlich deutlich auf House getrimmt, mit einer dezent treibenden HiHat und ohne Vocals. Die Disco-Note in den Chords bleibt aber nicht außen vor. Auf eine reife Weise verspielt, so klingt „Roamer“. Nicht überzogen, aber durchaus ernsthaft in der Schwelgerei.

Alphacut-24Bit Depth & Phuture-T „Stalk Them“/„Amazon Basin“ (Alphacut Records)

Bei Alphacut Records ist mir die Nummer 24 durch die Lappen gegangen. Und dass obwohl die Release-Intervalle der „Second Wave“ seit einem Jahr gestreckt wurden, um jeder EP mehr Luft zu Entfalten zu geben. Auf der 24 gibt es ein Wiederhören mit Phuture-T, der auf der EP zuvor sehr verschlungen und sphärisch klingende dabei war. Bei „Amazon Basin“ zieht der Amsterdamer das Tempo merklich an. Weniger große Flächen, dafür schnell aufflammende Chords und Sounds. Ein Stück mit wilden dramaturgischen Wechseln.

Für Bit Depth ist „Stalk Them“ das Debüt. Und für Alphacut ein kurzer Abstecher an die ambitionierte Schnittstelle von Jungle und HipHop. Sehr scharf geschnittene, stakkatohafte Beats mit wenigen zusätzlichen Chord-Skizzen. Das hält den Track sehr kompakt. Sehr schön. Übrigens bietet Alphacut Records jetzt auch ein Vinyl-Abo an. Damit geht keine Platte unter, und es gibt sogar Rabatt.

Permanent Vacation Website
Alphacut Records Website
Good Guy Mikesh & Filburt Facebook
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Roundtable – Analog sucht Digital

Am kommenden Freitag fragt das Label Analog zusammen mit der Fenster zum Hof-Crew nach dem Status Quo der Digital-Analog-Verschmelzung. Anlass genug, einen virtuellen Roundtable mit den drei auftretenden Bands zu genau diesem Thema anzuleiern.

Das Diskussionsfeld ist riesig, mit unzähligen Anknüpfungspunkten und verschiedenen Perspektiven. Was hört analog produzierte Musik auf, wo beginnt das Digitale, an welchen Punkten sind Vermischungen möglich? Sind Laptop-Live-Acts überhaupt Live-Acts. Wir haben Klinke Auf Cinch, Me And Oceans und PraezisaRapid3000 einige Fragen zu diesem Thema gefragt. Hier sind ihre Antworten.

Analog sucht digital, so das Credo des Abends, den Analogsoul zusammen der Distillery kuratiert – sind die beiden Kategorien für euch beim Musik machen heute noch solch ein Gegensatz?

Clemens (Klinke Auf Cinch): Kreatives Arbeiten ermöglichen beide Welten. Aber analoges Equipment klingt in unseren Ohren angenehmer und ist für uns daher unverzichtbar. Letztendlich landet aber doch jeder Track auf der Festplatte. Das ist schon ungeheuer praktisch, um Ideen schnell aufnehmen und im Sequenzer immer wieder umarrangieren zu können. Dadurch entwickelt sich ein schöner Arbeitsfluss und verbindet damit wieder beide Welten.

Henrik (Praezisa Rapid 3000): Diese „Analog/Digital“-Diskussion spricht ja von etwas ganz anderem als wirklich ihr Thema sein sollte. Die Leute versuchen Kategorien zu schaffen um sich zu erklären warum dies und das fetter, besser, wärmer als das andere klingt. Das ist natürlich Quatsch.Für uns stellt sich nie die Frage ob analog oder digital gearbeitet wird. Eher die Frage ob wir versuchen Dreck durch schlechte Qualität von Geräten oder Tonträgern einzubringen, das machen wir dann teils mit Simulationen auf digitaler Ebene und teils mit Aufnahmegeräten und halbkaputten Tretminen aus den Siebzigern auf der analogen Seite. Im Prinzip würde auch analoge Summierung ein Thema für uns sein, wenn wir denn das nötige Kleingeld hätten um uns in der Richtung auszustatten.

Fabian (Me And Oceans): Auf der einen Seite nicht, da beide Dinge Teil des natürlichen Workflows beim Songwriting und Produzieren sind. Es ist für mich relativ selbstverständlich, das analog und digital zusammengehen und beispielsweise alte Synthesizer auf Plugins treffen. Dennoch wird immer wieder ein Unterschied sicht- bzw. hörbar. Und dann tausche ich für den finalen Mix doch das Pianoplugin gegen ein echtes Fender Rhodes, oder lasse die Streicher nochmal einspielen, die bislang nur als Emulation und somit als digitaler Fremdkörper im Mix saßen, oder lass das Mastering dann komplett analog machen.

Klinke Auf CinchGibt es im Entstehungsprozess neuer Stücke Momente, in denen ihr primär digital oder primär analog arbeitet?

Clemens (Klinke Auf Cinch): Manchmal tüfteln wir stundenlang an einem Sound, testen verschiedene Mkrofonierungen durch oder hängen plötzlich in einer Jam fest. Der rote Faden unserer Stücke entsteht aber oft erst am Rechner, weil immer neue Ideen das Grundkonzept oft wieder umwerfen.

Henrik (Praezisa Rapid 3000): Es ist immer eine Mischung. Auf der „Doebeln/Detroit“ zum Beispiel ist ein Stück, da ist der Drum-Track mit einem Sample-Drumkit im Rechner und einem USB-Controller entstanden. Die Drums haben wir dann aus dem Rechner rausgeschickt und erstmal dann ging es durch einen vollanalogen Flanger aus den Siebzigern (Electric mistress). Ein sehr schönes Gerät, es ist auch etwas kaputt und so hat man immer ordentlich Störgeräusche dabei. Danach ging es durch ein weiteres Effektgerät – ein digitaler Oktavgenerator. Der sieht analog aus und klingt auch so, ist er aber nicht. Dann wurde das ganze auf eine schon oft überspielte ChromeII-Kassette aufgenommen und von da aus wieder in den Computer geschickt. Das war dann der Grundrhythmus, den haben wir für einen zweiten Teil im Lied noch einmal in der Tonhöhe verändert und die Geschwindigkeit angezogen, das ganze dann bis zum geht nicht mehr editiert und voilá, fertig war das Drum-Fundament.

Fabian (Me And Oceans): Nein, eigentlich nicht. Dadurch das Me And Oceans für mich nicht primär elektronische Musik im klassischen Sinn ist, steht natürlich das Songwriting, also Harmoniearrangement, Text und Gesang sehr im Vordergrund und damit automatisch zuerst sehr „analoge“ Sachen. Das geht aber immer sofort einher mit ersten Beatskizzen, gesampelten und digital editierten Teilen oder einem schnell festgehaltenen Thema, das ich midi einspiele.

Me And OceansUnd auf der Bühne, spürt ihr da einen Hang mehr zum Analogen oder mehr zum Digitalen?

Clemens (Klinke Auf Cinch): Wir sind natürlich mit Instrumenten auf der Bühne. Grundbausteine unserer Tracks kommen aber von Rechner und MPC.

Henrik (Praezisa Rapid 3000): Auf der Bühne ist es wichtig, etwas anfassen zu können und wirklich in die Lieder einzugreifen. Das ist keine Frage von analog oder digital, sondern von guten Instrumenten und Interfaces. Da Computer instabil sind, tendieren wir zu Hardware. Da fehlt allerdings das Geld, um sich wirklich so auszustatten wie wir es bräuchten. Also sind wir abhängig vom PC, der im Liveauftritt ca. zehn Synthesizer und nochmal soviele Sampler darstellt. Bei der Gitarre bin ich Purist, da muss es schon ein Singlecoil-Tonabnehmer und Vollröhrenamp sein.

Fabian (Me And Oceans): Ich spiele live ja mit Laptop, und einigen Kleinstinstrumenten und manchmal mit einer alten Hohner-Orgel. Der Fokus liegt sehr auf der Stimme, die ich auch kaum oder gar nicht verfremde. Insofern trifft da analog hart auf digital und ich versuche einfach ein „Gesamtes“, etwas Homogenes zu performen.

Was ist live die größte Herausforderung für euch?

Clemens (Klinke Auf Cinch): Wasser zu trinken.

Henrik (Praezisa Rapid 3000): Jedes mal anders zu spielen. Die Lieder entstehen in monatelanger Kleinstarbeit, nicht aus dem Jam. Das wollen wir so, live ist das eine große Herausforderung, denn ein Proben beginnt immer mit der Frage: „Wie verdammt nochmal setzen wir das Lied denn jetzt live um..?“ Wir sehen keinen Sinn darin einen Auftritt zu spielen, bei dem man versucht cool auszusehen und im Takt der Musik mitzuwippen, aber nichts wirklich verändert in dem Moment, keinen Zugriff auf die Essenz der Musik hat. Das allerdings zu überwinden ist ein langer Prozess. Aber wir haben Zeit.

Fabian (Me And Oceans): Die größte Herausforderung ist auf jeden Fall dem Laptop als „Band“, der ja sehr kühl und akribisch funktioniert menschliche Wärme hinzuzugeben und wie oben schon gesagt etwas auf der Bühne zu zeigen, das als ein Ganzes wahrgenommen wird und einen Transport hat, also irgendwas auslöst, berührt.

Man könnte meinen, dass durch die Verknüpfung von Digitalem und Analogem nahezu alles möglich wird. Seht ihr trotzdem irgendeine Grenze?

Clemens (Klinke Auf Cinch): Ohne Analog gehts nicht. Ohne Digital aber schon.

Henrik (Praezisa Rapid 3000): Es fehlt noch an wirklich möglichkeitserweiternden Mensch-Computer-Interfaces. Der Computer muss vollkommen zum Musikinstrument werden. Die meisten bisherigen Controller sind bloss Kopien von alten Klaviaturen und Mischpulten. Da geht aber noch viel mehr. Multitouch ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber für mich noch nicht wirklich praktikabel, es fehlt die Kontur und das, was man wirklich anfassen kann. Audio anfassen können, das wärs. Es gibt bei uns auch schon länger die Überlegung sich mal selbst an ein Interfacekonzept zu wagen – wir werden sehen.

Me And Oceans Website
Klinke Auf Cinch Website
Praezisa Rapid 3000 Soundcloud
Analogsoul Website
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Der Tick zuviel

Achtung, hier werden zwei EPs in einen Topf geworfen, die in ihren Nuancen abseits der geraden Bassdrum sehr verschieden ausfallen. Was sie dennoch eint: beide überzeugen nicht so recht.

Das ist aber nicht der eigentliche Grund, sie gemeinsam zu besprechen. Spannend ist eher der Generationsunterschied, der in beiden EPs mitschwingt. Mittagskind als Jungspund, Frankman als Leipziger House-Urgestein. Musikalisch liegen auch durchaus Welten zwischen beiden.

Wobei dies natürlich wenig mit dem Altersunterschied zu tun hat. In den Zwischentönen liegen die Feinheiten. Dunkel eingefärbter Minimal hier, souliger Deep House da. Und beides ist irgendwie in seiner Zeit hängengeblieben.

Wie schon auf der Debüt-EP im Mai gräbt sich Mittagskind mit der neuen EP „Over Cities“ auf dem Eisenhüttenstädter Label Farbton Records sehr in sich geschlungen und düster in die Minimal-Welt hinein. So gemäßigt die drei Stücke im Tempo sind, so pathetisch und bedeutungsschwanger holen die hallüberladenen Chords aus.

Gerade auf der melodischen Ebene klingt der gedämpfte Rave-Appeal oft recht plastisch und vorgeformt. Wobei genau die gedämpfte Stimmung eben auch ihre Qualität hat, nimmt sie doch dem naheliegenden Progressive-Charakter den Wind aus den Segeln.

Frankman-At-NightBei Frankman bleibt die ultimative Deepness mit dem Downbeat-Fundament der späten Neunziger das prägende Element. Auf seinem eigenen Label erschien Anfang September die EP „At Night“. Mit drei neuen Stücken, die überraschend verspielt und leichtfüßig sind. Bei Frankman ist es immer wieder erstaunlich angenehm, wie tight die Bassdrums sind, und wie soft sich die Tracks später hin entwickeln.

„Red Moon“ trägt dick auf mit einem kurzen Soul-Vocal am Anfang und einem Funk-Gitarren-Jam am Ende. Sehr versiert, aber auch recht kitschbeladen. „Dreamcatcher“ hält sich da mehr zurück, wenn auch im Hintergrund immer mal wieder Chords rein fahren, die nach einer typischen Sternschnuppen-Vertonung klingen.

Mit „Darkness“ überrascht Frankman am meisten. Ein dunkel schiebender, später sehr sehr ravig werdender House-Track – Âme klingen hier in Ansätzen durch. Einen Tick zu weit geht der Abfahrtspegel aber doch. Auch wenn die Arrangements und Sounds deutlich nahtloser verschmolzen sind als bei Mittagskind. Ein wenig muss der Altersunterschied ja doch herauszuhören sein.

Mittagskind Soundcloud
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Neu entdeckt

Dieses neue Label kümmert sich noch nicht um die Pressearbeit, ist aber erwähnenswert, hieß es in den Kommentaren der letzten Dance Dance-Ausgabe. Beides stimmt.

Und dass, obwohl hier nicht die gerade oder gebrochene Bassdrum dominiert. Es geht um Resistant Mindz, ein Anfang des Jahres gegründetes Label-Kollektiv mit Künstlern wie Duktus, Chris Medleigh, Dyze, Soul Mad und anderen. Für die kurze Zeit ist es erstaunlich fit aufgestellt. Mehrere Mixtapes und Compilations mit eigenen Tracks zum kostenlosen Download, ein Podcast, professionellen Videos und eine Menge Fans, die bei Soundcloud ihr Lob kundtun.

Vor wenigen Tagen dann der vorläufige Höhepunkt: das erste auf 300 Stück limitierte Vinyl, inklusive Release-Party im Sweat. „Each production follows the red line of soulful expression“, heißt es auf der Resistant Mindz-Website etwas pathetisch. Mit welchen Mitteln dies passiert, scheint dabei egal.

Dass die Heimat der Resistant Mindz-Köpfe im HipHop liegt, ist aber kaum zu überhören. Allerdings ist es eher der Ausgangspunkt für verschiedene Ausläufer. Instrumental ist vieles, mit gesampleten Funk- und Soul-Elementen. Und immer wieder lugen auch Electronica- und Dubstep-Anleihen mit durch. Das alles überaus versiert und ausgereift im Sound. So sehr, dass sich einige der Producer auch live auf die Bühne wagen.

Da dürfte also auch schon länger an Tracks gefeilt werden. Und irgendwann ist die Zeit reif damit auch an die Öffentlichkeit zu gehen. Ein Phänomen von dem Leipzig gerade sehr profitiert. Im Vorfeld der ersten Platte entstand auch eine Art Image-Video – mit schönen Bildern, aber auch nicht bescheiden mit theatralischen Gesten.

„RM1“ ist mit acht Stücken der Resistant Mindz-Crew bestückt. Und die zwei Seiten des Vinyls zeigen auch zwei musikalische Pfade auf: die zumeist kurz gehaltenen Stücke tauchen sowohl in einen eher experimentellen Bereich des HipHops ab als auch in den eher klassischen. Angenehm brüchig in den Arrangements bei Defekto und Chris Medleigh auf der A-Seite. Sehr Oldschool-inspiriert bei Mr. Beef und Dyze auf der B-Seite. Als erstes handfestes Lebenszeichen ist „RM1“ überaus viel versprechend. Via Bandcamp ist es auch digital zu bekommen.

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