Wie geballt das manchmal läuft mit den Veröffentlichungen. Vor einem Jahr kam die letzte Ron Deacon-EP heraus. Jetzt ist er gleich auf zwei neuen Platten dabei. Eigenwillig wie immer.
Bei Ron Deacon hört man immer wieder heraus, dass hier jemand schon seit Jahren an House-Tracks arbeitet. Nicht, dass sie routiniert klingen würden. In den Sounds und Arrangements steckt einfach eine subtile Tiefe, die Preset-Tracks nicht bieten können. Nach Handarbeit, Producer-Ethos und Erfahrung klingen die Stücke.
Innerhalb der letzten Woche sind nun zwei neue Veröffentlichungen von Ron Deacon heraus gekommen, die diese Beobachtung einmal mehr bestätigen. Bei Aim Records, dem Berliner Label von Tristen, jammt sich Deacon über elf Minuten hinweg durch verschiedene Klangräume. Zusammengehalten wird die Reise von einem sonor strahlenden Ton, der „The Rhythm“ seine leicht bedrohliche, aber doch auch in sich ruhende und driftende Grundstimmung verleiht.
Solche Tracks sind zum Hören, zum Entdecken und sicherlich auch zum stummen Mit-sich-tanzen – es sind schlicht Kleinode, die mehr wollen, als nur zu funktionieren. „The Rhythm“ ist Teil der groß aufgezogenen Aim-Compilation „Sun Avenue“ – in einer Reihe mit Oskar Offermann, Oliver Deutschmann und Christopher Rau.
Bei Phil Records, einem jungen Label aus Rotterdam, platziert Ron Deacon seine dritte eigene Artist-EP mit insgesamt vier Tracks. Auch The Kat ist als Sängerin bei zwei Stücken wieder dabei. Allerdings weniger anschmiegsam als auf der „Secret Garden“-EP. In „Love Your“ und „Electronic Music“ hält sie sich eher im Hintergrund – zumindest scheinbar.
Denn die Vocals bei „Electronic Music“ haben es durchaus in sich. „There are too many guys, that think they’re making good music“, spricht sie etwa an einer Stelle zu dem leicht stolprigen Beat und den deep schwebenden Chords. Überhaupt ist auch diese EP ein weiterer Schritt hin zur Langsamkeit.
„Don’t Drive Again“ schleicht beharrlich und verschlungen voran. Mit einem halligen Klavier und wohligem Rauschen. „Tribute To Oxygene“ setzt an den Detroit-Futurismus an, mit angeteaster Space Disco-Leichtigkeit. Dieses Stück könnte ebenso vor 30 Jahren entstanden sein, so verspielt und experimentierfreudig wie die Synthies klingen. Nur ist es durch die tightere Bassdrum in der Gegenwart verwurzelt.
Eigensinn, das kommt mir bei Ron Deacon immer wieder in den Sinn. Und es ist eine wunderbare Tugend.
In der abgebildeten Breite ist das Buch eine beeindruckende Leistung. Sonja Eismann spricht über linke Kulturdiskurse und politischen Sound, der Tontechniker Rumsei über „seine“ Anlage, Sascha Lange über die Gründungsmythen des Conne Island. Und auch die Kritikfreudigkeit mit der eigenen Geschichte verleiht dem Buch eine eigene Stärke – nimmt es das Jubiläum nicht als Anlass zur großen Lobhudelei, sondern als Ausgangspunkt für neue Diskussionen.
Die Glanzpunkte bleiben natürlich nicht unerwähnt. Heiko Wunderlich alias OneTake schwärmt zurecht von den ersten Dubstep-Nächten, auch Jan Barich alias
© Marcus Wenzel
© Holger Schulze
Und wenn ich nicht zu Warp gekommen wäre, hätte mich dann überhaupt interessiert, wie man mit Maschinen wirklich interessante Klänge herausbringen kann bzw. nicht nur nach fertigen Presets schaut, sondern selbst die eigene Kreativität fördert und fordert? Wo wäre ich dann als DJ, wenn ich doch niemals gelernt hätte, selbst zu selektieren und mich nur von Charts in unübersichtlichen MP3-Shops leiten und verleiten zu lassen?
Im
Das kann leicht ins Nostalgische und Kitschige entgleiten, aber irgendwie schaffen es alle drei auf ihre Weise dem zu entgehen. Eine wunderbar schlüssige EP, die 250 mal auf Vinyl gepresst wurde. Auf einen Vertrieb verzichten die Rose Records-Betreiber erstmal. Bei fünf Leuten bleiben die Aufgaben überschaubar, sagen sie.