Ron Ron

Wie geballt das manchmal läuft mit den Veröffentlichungen. Vor einem Jahr kam die letzte Ron Deacon-EP heraus. Jetzt ist er gleich auf zwei neuen Platten dabei. Eigenwillig wie immer.

Bei Ron Deacon hört man immer wieder heraus, dass hier jemand schon seit Jahren an House-Tracks arbeitet. Nicht, dass sie routiniert klingen würden. In den Sounds und Arrangements steckt einfach eine subtile Tiefe, die Preset-Tracks nicht bieten können. Nach Handarbeit, Producer-Ethos und Erfahrung klingen die Stücke.

Innerhalb der letzten Woche sind nun zwei neue Veröffentlichungen von Ron Deacon heraus gekommen, die diese Beobachtung einmal mehr bestätigen. Bei Aim Records, dem Berliner Label von Tristen, jammt sich Deacon über elf Minuten hinweg durch verschiedene Klangräume. Zusammengehalten wird die Reise von einem sonor strahlenden Ton, der „The Rhythm“ seine leicht bedrohliche, aber doch auch in sich ruhende und driftende Grundstimmung verleiht.

Solche Tracks sind zum Hören, zum Entdecken und sicherlich auch zum stummen Mit-sich-tanzen – es sind schlicht Kleinode, die mehr wollen, als nur zu funktionieren. „The Rhythm“ ist Teil der groß aufgezogenen Aim-Compilation „Sun Avenue“ – in einer Reihe mit Oskar Offermann, Oliver Deutschmann und Christopher Rau.

Ron-Deacon-The-Kat-Phil-3Bei Phil Records, einem jungen Label aus Rotterdam, platziert Ron Deacon seine dritte eigene Artist-EP mit insgesamt vier Tracks. Auch The Kat ist als Sängerin bei zwei Stücken wieder dabei. Allerdings weniger anschmiegsam als auf der „Secret Garden“-EP. In „Love Your“ und „Electronic Music“ hält sie sich eher im Hintergrund – zumindest scheinbar.

Denn die Vocals bei „Electronic Music“ haben es durchaus in sich. „There are too many guys, that think they’re making good music“, spricht sie etwa an einer Stelle zu dem leicht stolprigen Beat und den deep schwebenden Chords. Überhaupt ist auch diese EP ein weiterer Schritt hin zur Langsamkeit.

„Don’t Drive Again“ schleicht beharrlich und verschlungen voran. Mit einem halligen Klavier und wohligem Rauschen. „Tribute To Oxygene“ setzt an den Detroit-Futurismus an, mit angeteaster Space Disco-Leichtigkeit. Dieses Stück könnte ebenso vor 30 Jahren entstanden sein, so verspielt und experimentierfreudig wie die Synthies klingen. Nur ist es durch die tightere Bassdrum in der Gegenwart verwurzelt.

Eigensinn, das kommt mir bei Ron Deacon immer wieder in den Sinn. Und es ist eine wunderbare Tugend.

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Die Schatzinsel

Das Conne Island, der Eiskeller – er feiert in diesem Herbst seinen 20. Geburtstag als subkultureller und sozialer Freiraum. Neben dem fast dekadenten Booking für die nächsten Wochen, erscheint auch ein Buch.

„20 YRS – Noch lange nicht Geschichte“ heißt es und wird in diesen Tagen vom Berliner Verbrecher Verlag veröffentlicht. Und es ist eine breit aufgezogene Introspektive. Kein distanzierter Blick von außen, kein „akademischer, kulturwissenschaftlicher und sozialarbeiterischer Zugang“, wie es im Vorwort heißt.

Es sind fast zwei Dutzend persönliche Reflektionen von ehemaligen und noch immer aktiven Mitstreitern des Conne Island sowie einigen Gästen. Aus ganz verschiedenen Richtungen schauen sie auf die vergangenen 20 Jahre und daraus geprägte Gegenwart – teilweise sind die Sichten eng fokussiert auf bestimmte musikalische Entwicklungen, dann wieder weiter ausholend als Pop-Diskurs.

Electric Weekender (Foto: Conne Island/Verbrecher Verlag)In der abgebildeten Breite ist das Buch eine beeindruckende Leistung. Sonja Eismann spricht über linke Kulturdiskurse und politischen Sound, der Tontechniker Rumsei über „seine“ Anlage, Sascha Lange über die Gründungsmythen des Conne Island. Und auch die Kritikfreudigkeit mit der eigenen Geschichte verleiht dem Buch eine eigene Stärke – nimmt es das Jubiläum nicht als Anlass zur großen Lobhudelei, sondern als Ausgangspunkt für neue Diskussionen.

„20 YRS“ ist kein schulterklopfendes Kompendium über das bisher Erreichte. Über 300 Seiten hinweg zeigt das Buch die inhaltliche, soziale und kulturelle Vielschichtigkeit des Conne Island auf – mit all ihren Problemen.

(Foto: Conne Island/Verbrecher Verlag)Die Glanzpunkte bleiben natürlich nicht unerwähnt. Heiko Wunderlich alias OneTake schwärmt zurecht von den ersten Dubstep-Nächten, auch Jan Barich alias Map.ache zeichnet die Erfolgsgeschichte der Electric Island-Reihe nach, thematisiert aber auch die kritischen Stimmen, die in der Reihe zunehmend eine „Großraumdiskothek“ sehen.

In gewisser Weise ist „20 YRS“ auch eine Liebeserklärung an einen besonderen Ort, der anders sein möchte. Dieses Wechselspiel macht den Reiz des Buches aus. Und natürlich auch die vielen alten Bilder und beinahe antik wirkenden Flyer. Zwischendrin reihen sich auch Glückwünsche von einigen Musikgrößen, die das Conne Island ebenso als einen Ort wahrgenommen haben, der mehr ist als eine Konzerthalle.

Das Buch ist für 12 € direkt beim Verlag zu bestellen. Am 8.9. wird das Buch im Conne Island selbst vorgestellt.

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Daniel Stefanik „In Days Of Old Pt. II“ (Kann Records)

Da ist er nun also, der zweite Teil von Daniel Stefaniks Auseinandersetzung mit seinen musikalischen Wurzeln. Sie kommt im richtigen Moment, denn ab dem nächsten Jahr dürfte einiges anders werden.

Es ist keine Neuigkeit, dass in Leipzig etwas entsteht und beharrlich wächst. Für Daniel Stefanik steht 2012 der nächste Schritt an. Dann nimmt ihn Sven Väth in sein Cocoon-Konglomerat auf – sowohl was das Booking betrifft, als auch seine Veröffentlichungen. Ein Album ist für das nächste Jahr beispielsweise geplant. Erste Cocoon-Luft konnte er bereits im letzten Jahr mit seiner „Nocturnal EP“ schnuppern. Mal sehen, wie sich die unmittelbare „Nachbarschaft“ zu Ricardo Villalolobos auf den künftigen Sound von Daniel Stefanik auswirken wird.

Doch zurück in den September 2011. Seine zweite EP auf Kann Records erweitert die „In Days Of Old“-Reihe um drei weitere Stücke. Es sind neue Stücke, die nicht in der selben Session entstanden sind, wie die ersten drei. Doch sie vermitteln einen ähnlich entspannten, sich treiben lassenden Eindruck. Mit viel Wärme und viel Zeit, um sich ausleben zu können.

„Four“ nimmt sich fast elf Minuten, um mit einem elegant schiebenden House-Fundament unterschiedlich versponnene Sounds umher geistern zu lassen. Ganz unaufgeregt. In der fast schwebenden Weise erinnert „Four“ an „Reactivity 03“ von seinem Debüt-Album. Das mäanderte auch so vor sich hin – allerdings in ein dichtes Dub-Gewand eingehüllt.

„Five“ zeigt Stefaniks Faible für Electronica – zum Glück hat er Warp vor vielen Jahren entdeckt. Hier dominiert keine Bassdrum das Geschehen, sondern versunken flirrende Sounds. Wunderbar, dass er auch diesem Stück so viel Zeit einräumt. Dadurch wird es nicht zum bloßen Interlude einer Club-Platte. Es erhebt sich vielmehr zu einer eigenständigen Facette, die der EP sehr gut tut und die nebenbei auch die Qualität von Kann Records widerspiegelt, in dem es als Label so etwas zulässt.

„Six“ ist vielleicht das direkteste Club-Stück. Jedoch nur, was die Schärfe der Rhythmik und die sich ganz dezent aufbäumende Dramaturgie angeht. Für die Peak Time ist es zu verwoben. Toll hier, wie sich die Sounds über einen langen Zeitraum hinweg unterschiedlich heraus schälen. „Blues“ steht in der iTunes-Genre-Bezeichnung, aber das Augenzwinkern dahinter trifft die durchaus introvertierte Weise der drei Stücke doch irgendwie.

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KM

Gutes Musikfernsehen, welch ungewohnte Freude. Boiler Room hat neulich ein Live-Set von Kassem Mosse im Netz gesendet – und mitgeschnitten. 60 Minuten produziert mit „enough equipment to give a small African township fresh water for a year“, wie Boiler Room lakonisch meint.

Im weißen T-Shirt steht Kassem Mosse mitten im Boiler Room. Überall wippende Menschen. Zum Anschauen natürlich etwas tröge, als Zeitdokument aber doch sehr schön. Denn sonst kursieren meist nur verschwommene Handy-Mitschnitte von Kassem Mosses Auftritten.

Für das Online-Magazin Little White Earbuds gab er vor Kurzem auch ein sehr ausführliches Interview, unter anderem ging es dort um die Unmittelbarkeit und der stete Wandel seiner Musik im Club und sein Chill Out-Projekt mit Mix Mup. Sehen und lesen und hören. Noch einmal ein schöner Montag.

DIY – Reloaded

Letzte Woche haben wir dazu aufgerufen, uns eure selbst gestalteten Cover der Nachti Zehn Zoll zu schicken. Viel kam nicht, aber die Galerie ist hiermit eröffnet und könnte wachsen – wenn ihr denn wollt.

Zwei Bilder erreichten uns – und verschiedener könnten die Cover kaum sein. Einmal wilder Minimalismus, einmal geordnete Repetitivität, inklusive eines Autogramms von Skydden, dem A-Seiten-Star. Vielen Dank an Holger Schulze und Marcus Wenzel.

Nun sind wir hier nicht in der Druckwirtschaft mit harten Deadlines, sondern im digitalen Work in Progress. Wer sich von den beiden Bildern inspiriert fühlt, kann sein Exemplar immer noch einreichen. Wir wollen mehr – hört ihr! Zum Ansporn gibt es auch was zum Hören. Einen schönen Montag.

© Marcus Wenzel

© Holger Schulze

Studio Studio – Daniel Stefanik

Zwei Monate sind vergangenen seit dem letzten Einblick in ein Leipziger Musikzimmer. Dazwischen liegen komische Sommertage, sicherlich schöne Urlaube, Partys, Festivals und mehr. Pünktlich zum Spätsommerbeginn geht es mit der Studio Studio-Serie weiter – mit Daniel Stefanik.

Wie unterschiedlich die persönlichen Beschreibungen der Zimmerbesitzer ausfallen können. Vom ausschweifenden Nerd-Talk bis zur Basswellenforschung im Hinterhof. Daniel Stefanik hält es kurz und durchaus philosophisch. Was wäre wenn, ist seine Leitfrage, die in einem Atemzug die kulturtechnische Revolution der letzten zehn Jahre aufgreift.

Zwei Bilder haben wir ausgewählt aus der Session, die Christian Hüller kürzlich im Studio von Daniel Stefanik aufnahm. Es gibt sie auch größer zu begutachten: einfach auf die Bilder klicken und es öffnet sich eine Lightbox.

„Wenn ich mir die Bilder so anschaue, denke ich: ich finde diesen Ort wundervoll und ich bin dankbar, dass ich diesen Ort habe. Er ist vielleicht nicht besonders schön und gemütlich, aber ich kann darin kreativ sein.

Es ist alles da, was ich dafür brauche. Meine Plattensammlung zum Beispiel. In der 3. Reihe des ersten Fachs befindet sich meine fast vollständige Perlon-Sammlung, ein paar sind noch in der Plattenkiste. Zwei Fächer darunter – auf dem Bild nicht zu sehen – die komplette Axis / Purpose Maker / M-Plant-Serie. Rechts neben Perlon ist Playhouse, M_nus, Plus8. Darüber befindet sich alles von Cadenza. Ich bin ein typisches Beispiel für einen Jäger und Sammler.

Wenn mich ein Label kickt, dann will ich alles davon haben, auch wenn vielleicht manche Releases nicht so mein Fall sind. Aber ich bin immer gut gefahren damit, Artists oder Label-Chefs und ihrem Geschmack zu vertrauen. Man kann nicht immer alles gleich verstehen und mögen. Es braucht alles auch seine Zeit und vielleicht einen bestimmten Moment.

Ich bin auch froh, in einer Zeit aufgewachsen zu sein, in der Vinyl noch das absolute Muss war, weil man sonst nicht an diese Musik herankam. Es war irgendwie alles streng limitiert und nur im gesamten Paket erhältlich. Heute kann man einzelne Tracks von einem Album kaufen.

Aber wie kann ich heute wissen, was ich morgen vielleicht gut finden werde? Oder die klassische B-Seite, was ist mit ihr? Bei Planet E zum Beispiel (3. Reihe, 3. Fach) gibt es eine Menge genialer B-Seiten-Stücke. Sie wären mir alle verwehrt geblieben, hätte ich damals nur den vermeintlichen Hit als MP3 herunterladen können. Wäre ich überhaupt zu Warp Records gekommen, wenn ich mir nur Hits hätte ziehen können, die mich damals als Jungsporn fast ausschließlich interessiert haben?

Studio Studio #4 – Musikzimmer von Daniel Stefanik (Foto: Christian Hüller)Und wenn ich nicht zu Warp gekommen wäre, hätte mich dann überhaupt interessiert, wie man mit Maschinen wirklich interessante Klänge herausbringen kann bzw. nicht nur nach fertigen Presets schaut, sondern selbst die eigene Kreativität fördert und fordert? Wo wäre ich dann als DJ, wenn ich doch niemals gelernt hätte, selbst zu selektieren und mich nur von Charts in unübersichtlichen MP3-Shops leiten und verleiten zu lassen?

Wo wäre mein Antrieb, schwierige Übergänge zu meistern, wenn es den Sync Button an den Turntables schon damals gegeben hätte? Hätte ich überhaupt ein Maß, wenn alles maßlos zur Verfügung gestanden hätte und wie sähe dann dieser Ort hier aus, wenn ich schon damals mit einem Programm vermeintlich ein ganzes Tonstudio ersetzen hätte können?“

Do It Yourself

Das Nachtdigital liegt nun einen Monat zurück. Und wir wollen noch einmal auf die erste auf Vinyl gepresste Erinnerung des Festivals zurückblicken. Mit euch zusammen.

10-Zoll im Durchmesser, weitgehend weiß in der Cover-Gestaltung, zwei Seiten musikalisches Glück – das ist die erste EP des Nachtdigitals. In Zusammenarbeit mit Kann Records entstand die „Nachti Zehn Zoll“ mit der Sommer-Ode „Hier kommt die Sonne“ von Robag Wruhme & Erobique sowie „The Ungeduld“ von Map.ache.

Herzlicher Klamauk und epische Deepness auf einer Platte. Und bei der Cover-Gestaltung gab es sogar noch Spielraum. Außer eines kleines Aufklebers blieb die Hülle weiß und bot damit eine Menge Platz für eure Ideen.

Und genau um die geht es uns: wir wollen sehen, was dabei herausgekommen ist. Schießt ein Foto von eurer persönlichen „Nachti Zehn Zoll“-Version und schickt sie bis zum 4. September an dance at frohfroh.de. Wir veröffentlichen alle Einsendungen dann zu einer Galerie. Zu gewinnen gibt es ausnahmsweise mal nichts. Außer Ruhm natürlich.

Übrigens gibt es auch noch ein paar Exemplare der limitierten Platte. Neben dem Freezone und Smallville in Hamburg auch online im Kann Records– und Nachtdigital-Shop. Ausgewählte Sets des 14. Nachtdigitals gibt es auch hier zu hören.

Neue Rosen

Die Leipziger Label-Landschaft wächst beharrlich. Mit Rose Records startet in diesem August das nächste Liebhaber-Label von einer handvoll Freunden.

Hat ein Plattenpresswerk vor der Haustür einen Einfluss auf die Entwicklung neuer Labels? Das frage ich mich immer wieder. Wenn schon so ein immer seltener zu findendes Industrie-Refugium vor Ort existiert, dann ist die Hemmschwelle zum eigenen Label vielleicht niedriger. Ob das bei Rose Records eine Rolle spielte, weiß ich nicht, aber als These geistert es länger schon in meinem Kopf.

Bei Rose Records geht es erster Linie um eine unabhängige Plattform für eigene Tracks, für einen eigenen Sound, ohne Abstriche. Nicht von irgendwem: Rose Records ist die neue Heimat von M.ono, Luvless und Martin Hayes – im Hintergrund werkeln noch zwei weitere Freunde am gemeinsamen Glück.

Die drei hatten ihr Debüt als Trio bereits im letzten Winter auf der „Summer Anachronismus“-EP auf Mancha Recordings. Und schon da war klar, wofür das Herz der drei schlägt: für deepen, ja, wirklich deepen House mit einer gehörigen Disco-Prägung.

Im frohfroh-Interview mit Good Guy Mikesh & Filburt vor anderthalb Jahren wurde dem Disco-Sound in Leipzig eher eine Außenseiterrolle zugesprochen. Mit Rose Records als Label und M.ono, Luvless und Martin Hayes als DJs ist da mittlerweile ein ganz neuer Input in die Stadt gekommen. Jene unverstellte Leichtigkeit, wie sie in den frühen Disco-Tracks omnipräsent war, findet sich auch in den drei Stücken der ersten Rose-EP.

Am deutlichsten bei „Take Me“ von Martin Hayes. Unglaublich cheesy, elegant und lässig aus der Hüfte. Bei den Tracks von M.ono und Luvless ist die Entwicklung von Disco zu House das prägendere Element. Die Bassdrums sind etwas druckvoller, die Arrangements gestreckter. Doch der Disco-Appeal atmet aus jeder Pore.

Das kann leicht ins Nostalgische und Kitschige entgleiten, aber irgendwie schaffen es alle drei auf ihre Weise dem zu entgehen. Eine wunderbar schlüssige EP, die 250 mal auf Vinyl gepresst wurde. Auf einen Vertrieb verzichten die Rose Records-Betreiber erstmal. Bei fünf Leuten bleiben die Aufgaben überschaubar, sagen sie.

Und so sind einige der handnummerierten Platten im Freezone- und dem einen oder anderen Plattenladen zu finden. Hans Nieswandt und Move D sind bereits Fans der ersten Platte. Und vergesst nicht den tollen M.ono-Edit von When Saints Go Machine

Rose Records Website
M.ono & Luvless Facebook
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Metasound & Lucius14 „Campfire Funk Pt. 1“ (Break The Surface)

Über ein Jahr lang war es still um Break The Surface – abgesehen von den Label-Nächten im Elipamanoke. Nun ist eine neue EP von Metasound & Lucius14 herausgekommen, die auch als Ode an den Sommer gesehen werden kann.

In den heutigen Release-Zyklen kann ein Jahr Pause für ein Label durchaus problematisch sein, gerade auf rein digitalem Terrain und gerade für ein Label, dass bereits eine große Zäsur hinter sich hat. Break The Surface lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Mit Arsen1Computerklub tummelt sich zwar ein wichtiger Label-Act zunehmend auf anderen Pfaden, doch es scheint weiterzugehen.

„Campfire Funk Pt. 1“ heißt die neue EP des Label-Betreibers Metasound und seinem Kompagnon Lucius14. Beide stehen seit jeher für einen leichtfüßigen, teilweise verspielten Umgang mit House. Die neuen Stücke treiben dies noch weiter auf die Spitze. Überall schimmert die Lagerfeuerromantik durch.

Im Studio lag auch eine Gitarre, die gesamplet immer wieder eingestreut wurde in den vier Tracks der EP. Die Bassdrums sind abgefedert, die Chords sehr weich abgestimmt. Dazwischen haben die beiden eine Menge organisch klingenden Funk und ein wenig Jazz eingefädelt. Im Gros ist alles sehr feinsinnig und sehr musikalisch ausbalanciert. Bei „Lingual Education“ und „Echoes Of A Long Lost Future“ allerdings fast zu brav, zu nett. Wobei der Jazz-Saxophon-Part bei „Lingual Education“ schon sehr groß ist.

Griffiger kommen mir „All I Want“ und „So What’s That All’bout?!“ vor. Ersterer mit seinem eher anskizzierten Funk und den lässigen, sehr amerikanisch ausgelegten Soul-Pop-Vocals von Casey Keth. Das gräbt sich schon tief und recht authentisch in die House-Historie ein. „So What’s That All’bout?!“ ist der heimliche Hit der EP. Die sich überschlagenden Beats, die kurz angeteasten Gitarren-Loops und die im Downbeat geerdeten Chords.

Da kommt die House-Deepness am schlüssigsten mit dem Lagerfeuer-Laissez-faire zusammen. Auch wenn die Stücke aus geschmäcklerischer Sicht unterschiedlich ausfallen, bleibt doch ein wohliges Staunen, über den musikalischen Sprung, den Metasound & Lucius14 mit der EP aufzeigen. Und „Pt. 1“ impliziert, dass da noch mehr kommt.

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Hymnen basteln

Oh! Yeah!, das Label um das Trio Tasnadi, Stefanik und Schultz pausiert zwar gerade, es bleibt aber lebendig. Nicht nur durch einige Label-Showcases, sondern auch durch eine Kollaboration mit dem Nachtdigital und Ableton.

Das 14. Nachtdigital ist Geschichte. Es hallt aber nach, nicht nur in den 3.000 Erinnerungen und zahlreichen Youtube-Videos. Auch in der von Oh! Yeah! ausgerufenen Suche nach einer ND-Hymne. Nach dem Producer-Workshop beim letzten Nachtdigital mit Stefan Schultz alias Juno6 sucht das Label-Trio nun die Festival-Hymne.

Dafür haben sie die Spuren des Tasnadi-Stücks „Charisma“ sowie einzelne Loops von Juno6 und Daniel Stefanik in ein großes Paket gepackt, das jeder herunterladen kann. Bearbeiten lassen sich die Sounds jedoch nur mit Ableton. Zu Gewinnen gibt es auch etwas.

Bis zum 2. Oktober sollten die Hymnen in spe bei Oh! Yeah! eintrudeln – via Soundcloud oder Dropbox. Eine Woche später werden die Gewinner bekannt gegeben. Die Session ist eröffnet.

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Oh! Yeah! Website
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Various Artists „Guten Tag EP“ (Esoulate Music)

Esoulate hat sich ja in den vergangenen acht Jahren als weitgehend lokal agierende Booking-Agentur einen gehörigen Platz in Leipzig erarbeitet. Jetzt erweitert sich deren Aktionsfeld – und zwar mit einem eigenen Net-Label.

Gerade noch dachte ich, dass es mit der Netlabel-Szene quantitativ in Leipzig eher mau aussieht, da kommt die Nachricht vom Launch des Esoulate-Labels. Es sei eine bewusste Entscheidung die Musik auf nichtkommerzielle Weise zu vertreiben, so Sebastian alias Dsant. Als DJ ist er im Esoulate-Roster und er pushte die Label-Idee neben einigen anderen aus Agentur-Umfeld mit voran. Administrativ hält aber Esoulate-Betreiber Georg Bigalke die Fäden in der Hand.

Ganz uneigennützig ist die Idee natürlich auch nicht: Veröffentlichungen ebnen heute mehr denn je den Weg zu DJ- und Live-Auftritten. Und spätestens da werden auch Gagen gezahlt. Völlig zurecht, keine Frage. Über den Netlabel-Kanal lassen sich jedoch die Tracks der Agentur-Künstler unkomplizierter und risikofreier vertreiben, als mit kostspieligen Vinyl-Auflagen.

Gerade für eine etablierte Booking-Agentur scheint die Label-Erweiterung auf Creative Commons-Lizenz aber durchaus sinnvoll. Denn unbekannt sind die Künstler in Leipzig keineswegs. Sie tingeln fast jedes Wochenende durch die Clubs und bekommen mit den Releases nun ein eigenes Gesicht abseits des Dancefloors. Die Idee schlummerte schon länger, seit Dezember letzten Jahres. Online ist die Esoulate Music-Seite nun seit gestern.

Den Einstand markiert eine Compilation mit fünf Tracks. „Quintessenz ist die natürliche Mitte zwischen Mainstream und Club“, lautet eine der Selbstbeschreibungen von Esoulate. Und der Satz trifft auch die klangliche Bandbreite dieser ersten EP ganz gut. Zwischen groß ausholendem Rave und kammermusikalischem Downbeat ist auf der „Guten Tag EP“ einiges vertreten.

Dsant selbst ist mit seinem „Organic Funk“ dabei – einem sich angenehm treiben lassenden House-Stück mit angerauten Oldschool-Basslines und sehnsüchtig flirrenden Chords. Alex Bull lässt auf „Early Bird“ die Vögel zwischen aufgepumptem House und Vocal-Samples zwitschern – etwas blutleer an manchen Stellen, aber insgesamt schon ein ausgereifter Track.

Ganz anders „Guana Tak“ von MarSet: der Betreiber von Plakat Records haut mit der Rave-Keule mächtig drauf. Da wird eindeutig am Mainstream-Rand der Esoulate-Philosophie geschraubt. Hallende, umher schwirrende Sounds, Spooky-Rave-Breaks – das ist Effekthascherei für das Nature One.

Simon Sunset, der Neuling im Esoulate-Roster geht einen weitaus deeperen Weg, mit einigen überraschenden Ausflüchten in schroffere Gefilde – „Outer Banks“ ist ein gewagtes Spiel mit kontrastreichen Sound-Intermezzos.

Musikalisch beweist aber Klima das ausgereifteste Feingefühl. Zwar sind die Downbeat-Beats sehr behäbig, aber die Streicher- und Piano-Arrangements loten im Zusammenspiel mit den antiquiert-futuristisch anmutenden Chords eine hohe Musikalität aus – ohne Beats wäre dieses Stück ein wehmütig klagendes Stück Kammermusik. Wunderbar elegisch, cineastisch ausbreitend und dem Pathos nahe.
Der Kellermusik Records-Betreiber wird also zum stillen Helden dieses ersten Lebenszeichens von Esoulate Music. Es soll einiges folgen. Wir sind gespannt.

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Mod.Civil „Funktionen EP 2“ (Ortloff)

Eigentlich kommt er offiziell erst in einer Woche in die Läden, der zweite Teil der „Funktionen EP“ von Mod.Civil. Doch in Leipzig ist sie bereits seit einigen Tagen erhältlich. Und die Platte ist ein Schmuckstück.

Nicht nur Äußerlich in der für Ortloff typisch aufwendigen Aufmachung. Auch innerlich strahlt sie hell. Vor fünf Monaten erschien der erste Teil. Erinnert sei nur kurz an den zwölfminütigen Ausflug der „A-Funktion“. Auf der zweiten Ausgabe finden sich gleich vier neue Tracks.

Und mehr denn je gehen sie auf Tuchfühlung mit Detroit – mit deutlichen Reminiszenzen und doch auch mit einer ausgereiften Eigenwilligkeit. Während sich „C-Funktion“ noch eher im klassisch deepen Fahrwasser tummelt, nehmen „D-“ und „F-Funktion“ das Wagnis auf, sich neben dem Dancefloor auszutoben.

Die Bassdrums halten sich zurück und gewähren den Synthesizer-Chords einen größeren Rahmen. Wehmütig und zuversichtlich zugleich holen sie aus, fast pathetisch. Sie spielen mit der immergleichen Sehnsucht, die in dem Detroit-Sound mitschwingt.

Und komischerweise verliert jene Sehnsucht kaum an Reiz – auch wenn etwas Nostalgisches darin steckt und der Sound klar mit einer Zeit verbunden ist, die mehr als zwanzig Jahre zurückliegt.

„E-Funktion“ verbindet sowohl die Dancefloor-Ansprüche mit schwelgerischen Chords und der so angenehmen Brüchigkeit in den Beats, wie sie bei Mod.Civil immer wieder auftauchen. Im Gegensatz zum ersten Teil finden die Tracks schlüssiger innerhalb der ganzen EP zusammen. Mit „Funktionen 2“ komplettiert sich übrigens das Poster der ersten EP – zu sehen ist dann das Ortloff-Gebäude in Lindenau.

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