Die Distillery ist volljährig. Und ab diesem November auch auf neuen Pfaden unterwegs. Zumindest was den Freitag angeht. Verantwortlich dafür ist Steffen Thieme. Er hat das Konzept zur neuen Reihe „Fenster zum Hof“ entwickelt. Einige Fragen haben wir an ihn gestellt.
Street Art, Tanz, Benefiz und Global Bass. Aber lest selbst.
Wie kam die Idee für eine neue Freitagsreihe in der Distillery?
Wie ja fast allen aufgefallen sein dürfte, lief der Freitag in der Tille die letzten zwei Jahre nicht mehr so rund wie es eigentlich sein sollte. Ich selbst hatte mich vor ca. zwei Jahren mal wieder aus meinem musikalischen Reggae/Dancehall-Kosmos gelöst und mich neuer Musik geöffnet.
Da stellte sich für mich auch die Frage nach einem neuen Party-Konzept, das nicht nur auf 10 Uhr-Türen-auf-und-Musik-an basiert. Ich wollte irgendwie mehr. Da ich mich seit geraumer Zeit für Street Art und auch für Tanz über Breakdance hinaus interessiere, wollte ich diese beiden Elemente bei einer Party mit einfließen lassen. Im Ergebnis entstand so „Mad Again!“.
Das war im Herbst 2009. Wie kam es dann zu „Fenster zum Hof“ ein Jahr später?
Aaron konnte nach dem Sommer aus beruflichen Gründen nicht mehr als Freitags-Booker in der Distillery fungieren. Und so kam es dann dazu, das ich da rein gerutscht bin. Nichts lag näher als die Ideen von „Mad Again!“ aufzugreifen und auszubauen. Denn alles in eine Party zu packen ist aber auch recht schwierig. Gerade um die vielen Neuerungen auch nach außen tragen zu können, musste ein neuer Name und ein neues Aussehen her. In dem Zuge hat sich dann das „Fenster zum Hof“-Konzept entwickelt.
Was konkret habt ihr vor?
Ziel war von vornherein, mehr Interaktion zwischen den Leuten zu schaffen. Ein Club trägt ja auch eine soziale Verantwortung. Die wollten wir aufgreifen und zudem Musik, Grafik und Tanz wieder näher zueinander führen. An der stelle möchte ich mal ein großes Dankeschön an Mario und Christoph sagen. Und viele andere die mich bei der Ideenfindung und den Prozessen in der Vorbereitung unterstützt haben.
Da ich selbst lange aufgelegt habe, habe ich mitbekommen wie der Plattenladen als Treffpunkt leider immer mehr weggefallen ist. Es bezieht sich heute fast alles auf das Internet. Das ist, denke ich, nicht der Weg, den wir einschlagen sollten und deshalb kann man das ganze eventuell auch als Stufe zum Jugendclub für Erwachsene begreifen.
Wie nehmt ihr die soziale Verantwortung eines Clubs noch wahr?
Ein wichtiger Bestandteil sind auf jeden Fall die sozialen Projekte, die wir unterstützen wollen. Für sie wird es auf verschiedene Art und Weise die Möglichkeit geben sich zu präsentieren. Wir werden zwei Benefiz-Partys im Jahr machen und dann mal schauen, was sich noch so spannendes daraus ergibt. Und allen die dabei Bedenken haben sei gesagt, dass ich mit allen Projekten seit zwei Jahren in Kontakt stehe und wir die auch deshalb supporten wollen.
Die Musik und Party werden wir natürlich nicht vergessen. Daran orientiert sich alles, wobei wir sicherlich keine neue Feierkultur entwickeln werden. Das Rahmenprogramm vor den Partys wird recht bunt und wir sind auch für alle Ideen offen. Was sich dann wie umsetzen lässt muss sich zeigen. Sofern es machbar ist, wird es verschiedene Tanz-Workshops geben, die im Übrigen kostenlos sind.
Des weiteren bemühen wir uns, Leute an den Start zu bekommen, die von ihren Reisen in andere Länder erzählen wollen und dabei auch Bezug auf die dortige Musik-, Grafik- oder Tanzkultur nehmen. Was die Jungs von Exlepäng mit dem Circuit Bending-Workshop am 26.11. machen werden steht exemplarisch für eine etwas andere art von Workshop. Da gibt es vieles was man machen kann.
„Mad Again!“ ist ja mit dem oberen Floor auch ein gutes Beispiel dafür was alles passieren kann wenn Erwachsene spielen. Und natürlich werden wir auch mal den einen oder anderen Film zeigen oder wie bei Funky Kingston die Domino-Steine auspacken. Zudem werden wir versuchen das Essensangebot ein wenig zu erweitern und an den Abend anzupassen. Es wird sich auch an der Bar ein wenig ändern.
Und schlussendlich soll www.fensterzumhof.org die Plattform werden bei der alles was Werbung angeht passiert. Mit viel Glück haben wir dann das Zeitalter der Flyerei spätestens nächstes Jahr im Frühling hinter uns und Mutter Natur freut sich.
Wo geht es musikalisch hin?
Der Freitag wird weiterhin urban bleiben, ohne aber außer Acht zu lassen, welch großen Einfluss elektronische Musik mittlerweile auch auf die urbane Musik ausübt – wobei urban natürlich auch alles und nichts ist. Ich habe noch den kleinen Traum, das irgendwann demnächst mal südafrikanischer House an einem Freitag laufen kann – nur mal als Beispiel was möglich ist. Ansonsten wird es viel altbewährtes geben und mit dem einen oder anderen Act wollen wir uns auch mal an gewisse Grenzen wagen. Außer Techno, House, Rock, Pop und die üblichen Verdächtigen wird alles irgendwie seinen Platz finden.
Warum eigentlich „Fenster zum Hof“?
Dem Konzept einen Namen war ehrlich gesagt das Schwierigste an der ganzen Sache. Und dann auch noch einen, der allem irgendwie gerecht wird. An dieser Frage bin ich gelegentlich auch verzweifelt. Ich selbst bin ein recht bildlicher Typ, dementsprechend kam es dann zu der Lösung. Die Stieber Twins mit den gleichnamigen Track haben da natürlich auch mit rein gespielt. „… durchs Fenster zum Hof, ja dort spielt die Musik …“ – das fand ich einfach toll und vor allem ehrlich.
Doch kurz: Egal wo wir auf dieser Welt sind, ein Hof ist immer eine Lebensader und die Elemente wie Musik, Grafik oder Tanz wird man da immer wieder Antreffen – egal ob man nun am Fenster sitzt und beobachtet oder selbst Akteur auf dem Hof ist. Und da wir eben auch über Leipzigs Grenzen hinaus schauen wollen, hatte sich das angeboten.
Die erste Ausgabe wurde 200mal gedruckt – im Copy-Shop am Rossplatz. Anschließend faltete das Paperclip-Trio die beidseitig in Schwarz-Weiß bedruckten A4-Letter einzeln zusammen und befestigte sie mit einer Büroklammer. Genau an der November-Stelle im Druck. Das ist liebevolle Perfektion mit DIY-Charakter. Ein Großteil liegt nun in Kneipen, Spätis und anderen szeneaffinen Geschäften des Südens und kreativen Westens von Leipzig aus. Die Idee kam den Dreien übrigens auf der Autobahn von Halle nach Leipzig.
Ein Fanzine im klassischen Sinne soll es nicht sein, zumindest nicht fokussiert auf eine eng abgesteckte musikalische Nische. Zwar sei das Debüt recht Drum’n’Bass-dominiert mit einem DJ Booga-Interview und einer Alphacut-Besprechung, aber schon in der Dezember-Ausgabe stehen Praezisa Rapid 3000 sowie Rezensionen zur deren erster offizieller Platte und der neuen Mancha Recordings-Platte auf dem Plan.
Bei Dan Drastic & Andreas Eckhardt ist es ungekehrt. Da ist das Original dem Remix voraus. „Butterfly“ kam bei dem Kopenhagener Digital-Label Girafe Sauvage heraus. Im Gegensatz zur ersten gemeinsamen EP der beiden auf Rrygular ist dieser Track weniger straight. Dafür etwas gespenstischer mit seinem Vocal und dem flirrenden Bienenschwarm-Sound im Hintergrund. Recht zurückgenommen und basic.
Die Nummer 10 sollte etwas besonderes sein. Zugleich lag aber auch so viel gutes Material wie schon lang nicht mehr bei LXC auf dem Tisch. Das musste raus. Und so startete die „Second Wave“ von Alphacut – jeden Monat eine neue Platte, anfangs limitiert auf 100 Exemplare, später wurden es 200, weil sich solch kleine Auflagen dann doch kaum lohnen. Das hat LXC durchgehalten und dramaturgisch einen spannenden Bogen von roughen bis zu sehr gedrosselten Tracks gespannt. 

Doch zurück zur Nummer 10. Die sollte eigentlich schon vor einem Jahr erscheinen. Die ursprüngliche Idee war eine Jubiläums-Compilation mit Künstlern und befreundeten Musikern des Labels. Die Liste wurde irgendwann aber zu lang und so kamen die Loops ins Spiel, die bereits früher auf vielen Alphacut-Platten als Gimmicks zu finden waren. 
Und es gleicht nebenbei einem historischen Rundumschlag in punkto elektronischer Musik – von Leipzig und der Welt aus. Da Halz, Booga, Proceed, Thomas Christoph Heyde, Qui, triPhaze und Opossum hauen ebenso zwei Sekunden-Tracks heraus wie Paradox, Hans Platzgumer, Martsman, Hey-O-Hansen, Karl Marx Stadt oder Enduser. Manche sehr reduziert, andere so aufgeladen wie es wohl nur geht. Manche total rhythmisch konzentriert, andere auf Chords fokussiert. Wunderbar übrigens auch die Track-List bei
10 und 20
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„Wendungen“, „Streifen“ und „Hund“ sind die Stücke, die tatsächlich relativ geradlinig und straight ausfallen – jedes für sich mit einer eigenen Prägnanz. „Hund“ baut sich beispielsweise zu einem episch abhebenden Slow-Raver auf, inklusive verschleiert dunklem Gesang. Überhaupt sind Stimmen bei Orange Dot hier ein wichtiges Element. Allerdings nicht um sich den Pop-Appeal reinzuholen, sondern um eine bestimmte Stimmung noch stärker zu verfestigen.