Irgendwie ist sie bei uns untergegangen im letzten Sommer: die neue EP der großartigen Kölner Band Von Spar. Die wurde nämlich vom Leipziger Label Altin Village & Mine veröffentlicht. Doch wir holen es nach – inklusive der Premiere des zweiten EP-Videos.
Von Spar kenne ich noch aus L’Age D’Or-Zeiten. Damals klangen sie super rebellisch und ungestüm und schreiend. Unangepasst sind sie geblieben, aber ihr Sound hat sich deutlich verschoben, hin zu synth-getragenem Pop mit verschiedenen Gastsängern/innen einerseits und zu strukturell befreiten, durchaus clubtauglichen Instrumental-Tracks andererseits.
„Garzweiler“ heißt die aktuelle EP. Und Garzweiler heißt auch ein großer Tagebau ganz im Westen Deutschlands, der einige Orte der Umgebung zu Geisterorten verwandelt oder sie ganz verschluckt hat. Ein landschaftliches Monster, wie es auch das südliche Umland von Leipzig mitgeprägt hat. Insofern gibt es durchaus eine inhaltliche Verbindung zwischen der Thematik von Von Spar und dem Ort, an dem Platte erschienen ist.
Für die vier Stücke auf „Garzweiler“ haben Von Spar den Pop-Appeal, den sie immer in einer bestimmten Form einbinden, teilweise heruntergefahren. Gerade „Garzweiler III“ und „Garzweiler IV“ verlieren sich in einem abstrakten Mäandern, legen immer neue Schichten frei, die aber nicht direkt miteinander zu tun haben. Doch wo andere Bands und Musiker die Tagebauklammer wahrscheinlich sehr dystopisch darstellen würden, nehmen Von Spar eine Menge organischen und elektrifizierten Funk mit auf.
Dies verleiht den Stücken eine erfreuliche Leichtigkeit, die besonders bei „Metaxourgío“ und „Omónia“ ins Hymnische übergeht. Überhaupt „Omónia“: Es startet schleppend und verschlungen, schiebt sich kurz ins Dissonante und und erblüht später zu einem leicht verschrobenen Slow-House-Hit – ich bin addicted!
Das Video dazu dürfen wir heute erstmals vorstellen. Es bebildert den Clash zwischen menschlichem Zusammenhalt und entmenschlichten Formen – die aber auch vom Menschen gemacht wurden. Trash-Grafik plus intensive Innigkeit, alles vor einem diffus wabernden Screen. Nicht verpassen.
Btw: Wir haben bisher viel zu selten von Altin Village & Mine geschrieben. Das Label hat in den letzten Jahren einige international bekannte Acts für sich gewinnen können, darunter Xiu Xiu und Deerhoof. Und auch das letzte Die Goldene Zitronen-Album erschien dort. Wir haben bisher die extrem gute Remix-EP von Map.ache vorgestellt.
„Lucid Themes“ klingt stellenweise sehr trippy und wäre auch in einem experimentellen Techno-Kontext denkbar – welche Rolle spielt für euch Clubmusik?
Siebzig Sänger warten auf den Stühlen des Chorpodests, welches in U-Form angeordnet ist und mit zwei Pianos abschließt. Auf den noch freien Plätzen der stufenförmigen Erhöhung reihen sich die vierzig Zuhörer ein. Die Grenzen zwischen Chor und Publikum verschwinden. „Das ist der Chor – das Abbild der Gesellschaft“, stellt ihn der jungenhaft wirkende Leiter in orangefarbenen Cargohose schmunzelnd vor.
Die emotionalen Töne des Weimarer Musikers füllen den Raum mit Bewunderung – die Struktur schaut zu und wird nun das erste Mal durch ihren Koordinator mit der freiheitsliebenden Intuition zusammengeführt. Ein Spiel der Gegensätze, das entweder scheitert oder sich zum Unikat entwickelt. Es scheint, als laufen Blake Baxter- und Jeff Mills-EPs synchron, doch ohne dass sich die Impulse ineinander verzahnen oder der eine Sound vom anderen befruchtet wird, vielmehr als wenn der eine genauso gut ohne den anderen existieren kann.
Various Artists „RM241217“
Falke „O.N.G. Versions“
Polo „Leisure Time“
Sevensol & Bender „Das ideale Geschenk“
Various Artists „All Nite Bangers #01“
Soma Records als Vorbild
Eine Platte möchten wir besonders ans Herz legen: die dritte EP von Possblthings selbst. Sie erschien im letzten Dezember und featured Milium. Seine beiden Stücke pendeln in Lofi-Ästhetik zwischen House und Oldschool-Electro, immer auch mit einer roughen Post-Punk-Attitüde, wie sie zuletzt auch vom Leipziger Label 


