Musik für 30°C

Okay, der Sommer ist unmissverständlich da. Aus zwei Dub-Richtungen wird der Sonne gefrönt. Jahtari mit seiner bekannten unverstellten Fröhlichkeit, Analogsoul mit einer Berliner Newcomerin.

Analogsoul hat mal wieder eine viel versprechende Perle ausgegraben. Illute, eine Berliner Illustratorin, die aber auch auf einer Menge anderer Pfade unterwegs ist. Einer davon ist die Musik, die Gitarre und die Singer/Songwriter-Intimität mit ebenso illustrativen deutschen Texten. Im September bringt Analogsoul in Zusammenarbeit mit einem anderen Label ihr Album raus.

Als Vorgeschmack gibt es Illutes Stück „Dünner Tag“ im Dub-Mix von dem österreichischen Producer Nefzger als Free-MP3 beim Analogsoul-Blog. Nicht schlecht für eine Singer/Songwriter-Interpretation, aber ich bin definitiv kein Posaunenfan. Und die taucht leider immer mal wieder auf. Ansonsten sind der leicht verschleierte Gesang und die sommerliche Trägheit ganz schön.

Jahmiga 02 „Porque Te Dub“ (Jahmiga)

Bei Jahtaris 7“-Perlentruhe Jahmiga geht es auch sommerlich und geheimnisvoll zu. Denn mit „Porque Te Vas“ legen die Digital Laptop Reggae-Helden einen Quasi-Bootleg vor. Und zwar von einem spanischen Dance-Klassiker aus einem Film, der in 1974 rauskam. Später wurde das unbekannte Original dann angeblich auch in deutschen, englischen und russischen Versionen veröffentlicht.

Jetzt also im Kleinformat, eingebettet in den stets sympathisch roughen Jahtari-Sound. Ein entspannter wie amtlicher Hit, der die sommerliche Trägheit in all ihrer Schönheit zelebriert und dabei auf die richtigen Beats setzt. Wer die spanischen Vocals nicht mag, hat wie immer mit der Instrumental-Version die Alternative. Zwei Stücke für eine hohe Musepräferenz.

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Ekkohaus „White Winter Lust“ (Cargo Edition)

Schon skurril bei sommerlichen Temperaturen eine Platte unter den Kopfhörern zu haben, die winterlich benannt ist. Noch dazu, wenn sie gar nicht unterkühlt klingt. Für den gebürtigen Griechen fühlen sich die Berliner Sommer wahrscheinlich wie Herbst an.

Ekkohaus gehört zum Cargo Edition-Stamm, keine Frage. Doch so richtig in Erinnerung ist er mir mit seinen letzten beiden Platten dort nicht geblieben. Mit dieser EP wird dies wahrscheinlich auch nur teilweise gelingen.

„Ace Body“ ist der Höhepunkt, gleich als erstes auf der A-Seite. Sehr smart zusammengehalten von einer lässigen House-Eleganz, manchmal sogar fast oldschool mit den Strings, dem leicht angerauten Chord und dem Vocal-Sample. So zieht er voran, ohne auf große Spannungsbögen angewiesen zu sein.

Michael Melchners Remix lässt eigentlich kaum etwas übrig vom Original. Das muss nicht schlecht sein, in diesem Fall ist es aber zu wenig für einen Remix und einen wirklich eigenständigen Track.

Auf der B-Seite dann zwei weitere Ekkohaus-Stücke. Zwei House-Tracks von denen „Dirty Mind“ erstaunlich straight ist. Toll ist, wie die Bassline im Hintergrund ganz leicht drückt und dabei etwas stolpert. Und dann flackert zwischendrin immer wieder ein umher schwirrender Sound auf, der neben dem etwas faden Chord überaus lebendig wirkt.

Dagegen hat „Parafurmadores“ etwas sehr jazzig-behäbiges. Dieser Track ist doch auch schon länger unterwegs, oder? Oder greift er etwas Altes auf? Auf jeden Fall ist das sehr alles sehr aufgeräumt. Und so rauscht die Cargo 16 an mir vorbei.

Ekkohaus Myspace
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Dsant „Sun EP“ (Logo Records)

Jetzt spannt Leipzig den Bogen nach Tunesien. Dort hat sich vor kurzem ein neues Digital-Label für Deep House aufgestellt. Und es beschert Dsant seine erste Veröffentlichung.

Sebastian Ganze alias Dsant ist bisher hauptsächlich als DJ im Mottt- und Elipamanoke-Umfeld in Erscheinung getreten, wobei ich mich auch an einige Tracks in diversen Internet-Radiosendungen erinnere. Damals war da von einem unbekannten Newcomer die Rede. Jetzt bekommt er auch als Producer ein Gesicht. Die „Sun EP“ gilt ganz Dsants gleichnamigen Track. Vier mir unbekannte Remixer haben sich zusätzlich an das Original rangesetzt.

„Sun“ ist ziemlich klassischer Deep House mit einem charakteristischen Vocal-Sample – passend zur Fußball-WM irgendwie afrikanisch klingend. Sehr gut ausbalanciert in der Deepness und Wärme der Sounds. Der Chord springt etwas plötzlich und unvermittelt ein und ist mir einen Tick zu einfach, zu baukastenmäßig. Erst zum Schluss spielt Dsant damit, bricht ihn auf und zeigt, dass da mehr möglich ist.

Bei den Remixen ist Henry Gilles mein Held. Wunderbar entschlackt mit viel Raum zwischen den Tönen schafft er es am Anfang die Deepness auf das Wesentliche zu reduzieren, auch wenn selbst hier einige Momente etwas plastisch klingen. Das Vocal schimmert zurückgesetzt hervor. Später wird es dann schon auch noch dichter und voller. Irgendwie klingt da so eine angenehme Wehmut durch.

Zoux ist mir dagegen zu sehr ein Delsin-Abklatsch und Mauro Casar zu Ibiza. Steve Lischinsky holt mehr Soul aus dem Vocal heraus und setzt auch auf die klassische Deepness wie das Original. Ein durchwachsenes aber durchaus gelungenes Debüt also.

Dsant Myspace
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Break-Digital // Break-Analog

Digital versus Vinyl. Dieser Zwist wird uns noch länger in Atem halten. Aktuell sind zwei Verfechter der jeweiligen Richtung mit neuen Veröffentlichungen dabei. Wintermute digital, Alphacut im gewohnt limitierten Vinyl-Schnitt.

Wintermute, ein Leipziger Duo, prägt eigentlich den Sound des Jenaer Netlabels Digitalgewitter. Jetzt gehen sie nach Dresden zu NoSYS Productions – ein noch recht junges Label auf demselben Creative Commons-Boden. Die „Epiphany EP“ ist eine Compilation der Leipziger Überschneidungen. Da treffen Wintermute auf Epidemic bei „Scanners“ überaus kompakt und mit Cello aufeinander.

Dagegen haut Epidemic mit „Kondensmilch Leicht“ ordentlich auf die Mütze. Nix mit Leichtigkeit und niedriger Fettstufe. Das ist Rave mit allen Mitteln. Wie ein Feuerball, der alles anzündet, aber auch zerstörerisch ist.

Der komischste und zugleich faszinierendste Track ist die Kollaboration von Wintermute mit Hardy und Needrux. Ein zurückhaltender, gedrosselter Dub-Techno-Drum’n’Bass-Hybrid. Die Sounds sind mir zwar einen Tick zu plastisch, aber es ist trotzdem spannend, wie schlüssig hier gerade und gebrochene Beats in einem Stück vorkommen.
Alphacut-19Bei Alphacut gibt es auch was neues, natürlich ausschließlich auf Vinyl. Und limitiert auf 200 Stück, so wie die letzte Platte der zweiten Release-Welle auch schon. Auf der Nummer 19 gibt es ein Wiederhören mit Morphy, der bereits der Nummer 17 einen der Höhepunkte bescherte.

Und mit „Uptown Special“ gelingt dem Schotten erneut ein wunderbar intensiver Track. Wieder ist das Tempo gedrosselt und die Sounds klingen so organisch und trocken als ob da eine Band live jammen würde. Wegen mir müssten diese Breaks-Geschichten nie schneller sein. Da bleibt einfach genug Luft zum Atmen und genug Raum für die Sounds.

Scharfkantiger und treibender klingen Trisector & Creep. Letzterer gehört zu Paranoid Society, Trisector ist Finne. Damit ist „Hollow“ also eine estnisch-finnische Zusammenarbeit, die von einer roughen Düsternis geprägt ist. Zwei Länder mit langen Winternächten.

Toll ist, wie zwischen der gespenstischem Dissonanz immer wieder mal zarte Harmonien durchschimmern. Die strahlen dann umso heller, wenn auch diese darke Konsequenz ziemlich anziehend ist. Wann gibt es eigentlich all die Tracks auf einer Compilation? Da ließe sich bestimmt auch eine gute Dramaturgie durchspielen.

NoSYS Website
Wintermute Myspace
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A versus B

Wem gehört die A-Seite? Dem Künstler des Original-Tracks oder einem Remixer? Bei den aktuellen EPs von Sven Tasnadi und Ron Deacon ist es wie sooft genau andersherum.

Eine Platte kann man wenden wie man will. Warum also überhaupt dieser A- und B-Seiten-Mythos? Die A gehört dem Hit, dem Club-Tool, dem großen Namen, dagegen sind auf der B-Seite die weniger klaren Stücke, ja, vielleicht sogar die Spannenderen zu entdecken. Klar, der A-Seite sind die klangbesseren 45 Umdrehungen pro Minute vergönnt, die B-Seite müssen sich mehrere Tracks in der Rillenenge teilen. Doch gibt es auch „ideologische“ Gründe, die bei der Platzierung von Tracks eine Rolle spielen?

Warum mogelt sich bei Sven Tasnadis neuer Platte auf Pokerflat beispielsweise Label-Chef Steve Bug mit deinem Remix von „Tell Me Again“ auf die A-Seite? Der bringt die Deepness zwar reibungsloser auf den Punkt, dafür ist das Original der ungeschliffene Diamant. Wunderbar tighte Beats mit kratzenden Zwischentönen, einem weniger dominanten Chord und einer leicht dunkel verschleierten Grundstimmung. Steve Bug räumt das feinsäuberlich auf, nimmt viele Kanten raus und zieht den Rave-Appeal an. Dafür gehört ihm dann die A?

„Groove On“ im Tasnadi-Edit ist das erste Stück auf der B-Seite. Bei Discogs steht da noch Anthony Collins als zweiter Producer. „Groove On“ gibt es in der digitalen EP-Version auch noch einmal ruhiger und blumiger. Der Tasnadi-Edit betont den Break unheimlich stark. Da grüßt die Rave-Falle.

Was aber hier auffällt: Sven Tasnadi ist ja sehr breit aufgestellt in seinem Sound. Doch gerade das Zusammenspiel aus schwebender Bassline und den Beats scheint irgendwie typisch für ihn. Da schält sich also auch eine gewisse Linie heraus. Das Ende geht mir aber dann doch zu weit.

Da bleibt mir die leicht Electro-wabernde und zurückgenommene Alternative mit mehr Understatement beim ursprünglichen „Groove On“ subtiler in Erinnerung. Der Hit ist aber Tasnadis „Tell Me Again“.

Ron-Deacon-The-Kat-Secret-GardenBei Ron Deacons erster eigener Platte gibt es ein ähnliches A- und B-Seiten-Phänomen, obwohl Farside Recordings die Sache mit einer A- und AA-Seite umgeht. Doch nicht Ron Deacons „Secret Garden“, sondern Lowtecs Remix ist die A-Seite vergönnt.

Durchaus zu recht in diesem Fall, weil es dem Thüringer gelingt, den etwas zu gefälligen Deep House-Pop-Appeal des Originals zu entschlacken. Natürlich schwebt da auch eine Menge von der roughen Lowtec-Magie mit. Die Verbindung zwischen beiden stimmt aber, denn Ron Deacon hat ja auf der letzten Workshop einen Track herausgebracht.

Ron Deacons Version hat zwar eine schöne Oldschool-Wärme in den Beats und der Bassline, aber das Vogel-Gezwitscher, das Gitarren-Sample und die Prägnanz des souligen Gesangs sind mir zu laidback, klingen mir zu sehr nach entspanntem Sonntag am See.

Der „Refresh Mix“ kann das entschärfen und sticht sogar markant heraus mit seiner bohrend-treibenden Bassline. Doch auch hier sind noch eine Menge Deep House-Classics dabei. Die tollste Sequenz sind die letzten 30 Sekunden in ihrer Reduktion. Da ist zu merken, dass der Track eigentlich ein Hit ist.

Ein Neuling ist Ron Deacon übrigens gar nicht. Früher hieß er Monopolan und da gab es auch einmal eine Platte auf dem längst verblichenen Label Polish Rec.. Und im Staubsauger hostet er die Reihe Sonderwunderlich. Aber das wissen ja bestimmt schon einige.

Die Frage zum Schluss: Sind Doppel-A-Platten eigentlich die gerechteren Platten?

Sven Tasnadi Myspace
Ron Deacon Myspace
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Wo ist der Nachwuchs?

Zugegeben, Drum’n’Bass führt bei frohfroh eher ein Schattendasein. Doch es gibt gerade einen ganz schönen Aufruf von Boundless Beatz-Veranstalter Audite. Und zwar sucht er einen viel versprechenden Newcomer für das Warm-up der nächsten Party.

Im Wortlaut hat es Audite bei It’s Yours so formuliert:

„Die nächste Boundless Beatz wird am 07.08.10 im Absturz stattfinden. Ich schreibe hiermit das Warmup von 22.30 Uhr bis 00.30 Uhr zum Wettbewerb aus.

Wer Interesse hat an diesem Abend das Warm-up zu spielen, möge mir bitte einen Link zu einem selbst erstellten Drum&Bass-Mix schicken. Der Mix muss zwischen 50 und 70 Minuten lang sein und darüber hinaus ist es mir wichtig, dass ihr euch darüber Gedanken macht, wie ihr ein Warm-up gestalten würdet und entsprechend sollte der Mix zusammengestellt werden. Sollte ein Rave-Breakcore-Monsterwobbel-Mix abgegeben werden, werde ich ihn zwar berücksichtigen aber die Chancen stehen dann eher schlecht.

Den Gewinner werde ich selbst ermitteln. Sollte ich mir unsicher sein, überlege ich mir, wie ich vorgehe.

Einsendeschluss ist der 25.06.10!

Emails bitte an audite äd web de / bitte im Betreff deutlich kennzeichnen, damit die Mail nicht ausversehen im Spamordner landet und gelöscht wird.

Ausgeschlossen sind alle DJs, die bisher auf einer Boundless Beatz aufgelegt haben, oder wahrhaftig nicht mehr als „Newcomer“ zu betiteln wären.

Als kleinen Bonus würde ich den Gewinner am 04.08.10 zur It’s Yours! Radioshow auf Radio Blau einladen. Hier darf dann auch alles ohne Vorgabe gespielt werden.

P.S. Leipzig bedeutet in dem Fall, Leipzig und alles im Umkreis von 50km…also haut rein!“

Nachtrag: Das Gerät da oben ist übrigens das Chicco DJ Mixer Piano. Mit Schlagzeug-Taste, Mikrofon, Scratch-Becken und anderen Knöpfen für Licht- und Toneffekte. Ab 9 Monate.

Marko Fürstenberg „New World EP“ (Ornaments)

Das Berliner Label Ornaments setzt voll auf die Sammelleidenschaft. Farbig marmorierte Vinyl-EPs, schlicht gelabelt und voller Deepness. Da passt Marko Fürstenberg gut rein, der auf seiner neuen EP seinen Sound weiter verfeinert.

Der Name der EP lässt Neues vermuten. Doch eigentlich bleibt alles beim Alten. Deep nach vorn treibender Dub-Techno mit weich abgefederten Beats und mäandernden Dub-Wolken. Marko Fürstenberg bleibt konsequent und überrascht damit wenig. Das könnte man ihm ankreiden. Doch irgendwie hat er seine Mitte scheinbar gefunden. Und so geht es eher um eine stete Verfeinerung als um große Stil-Sprünge. Und Verfeinerung heißt bei Marko Fürstenberg, dass die Sounds immer weicher klingen.

„Time Change“ und „Renewall“ sind auch ziemlich nah beieinander. Die A-Seite zieht etwas straighter und steigert sich stärker zu einem Peak, die B dagegen ist etwas düsterer und zugleich melodiöser ab der zweiten Hälfte. Gerade dieser Teil mit dem Wechsel zwischen Harmonischen und Dissonanten ist für mich der Spannendste auf der ganzen EP.

Ornaments Website
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Metasound & Lucius14 „From Lipsia With Love“ (Break The Surface)

Das Digital-Label Break The Surface hat Gefallen an Remixen gefunden. Und eine ausgeprägte Heimat-Empathie obendrein. Beides kommt auf der neuen EP deutlich zum Vorschein.

Auf der neuen EP gibt es quasi A- und B-Seite. Zwei neue Tracks von Metasound & Lucius14 auf der Einen, zwei Remixe von der vorherigen EP auf der Anderen. Und es sind auch zwei Soundwelten, die sich hier auftun.

Aber alles der Reihe nach: „A Night At The Elipamanoke“ ist eine Liebeserklärung für eine der schönsten Locations in Plagwitz. Und es ist auch eine Art Label-Heimat, immerhin werden die Release-Partys immer dort gefeiert. Soweit so gut. Doch mit dem Track stimmt irgendwas nicht. Er geht gut los als klar geschnittener House-Track. Dann wandelt er sich und wirft eine Menge Vocal-Samples, kurze Chords und Sounds ins Spiel. Das ist mir zu plastisch, da fehlt das organische Zusammenspiel aus allen Zutaten. Eigentlich schade, weil das Gerüst durchaus stimmt.

Auf „Puszta Dub“ ist der Flow stimmiger. Auch wenn der Track mit seinem südosteuropäisch-folkloristischen Drive in eine ganz andere Richtung geht. Aber hier passt auch das Stakatohafte in den Sounds. Vielleicht stört mich insgesamt aber auch das Kleinteilige in den beiden Tracks.

Juno6’ Remix von „Nonnenwiese“ betont ziemlich authentisch die entspannte Park-Stimmung, um die es in dem Track ja geht. Sehr rhythmisch und mit tollem Live- und Jazz-Appeal. Da steckt eine Menge lodernde Spannung und Experimentierfreude drin. Sehr toll.

Arsen1Computerklub hat sich „Venda People“ vorgenommen, den wohl kosmopolitischsten Track der „Travelogue EP“. Und der Berliner bauscht ihn zu einem 11-Minuten-Hit auf. Inklusive der tollsten Bläser, die ich seit langem in einem House-Track gehört habe. Auch wenn die Ethno-Einflüsse ja längst auf dem Dancefloor angekommen sind. Aber dies reißt noch einmal viel heraus. Wunderbar ungeschliffen und mit einem hintergründigen Drive.

Diese beiden Remixe machen die EP wirklich sehr groß.

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Comeback versus Überraschung

Bekommt Leipzig jetzt sein eigenes festes Tages-Open Air ? Die Distillery verwandelt Mitte August den Nordstrand des Cospudener Sees zu einem Rave-Strand mit Paul Kalkbrenner. Für die alten Club-Hasen klingt das nach einem Comeback, die Zuspätgeborenen sind überrascht.

Th!ink?, so der Name des wieder aufgetauten Open Air-Babys. Aufgetaut, weil es bereits 1994 und 1995 ein gleichnamiges Festival in Leipzig gab – u.a. mit Richie Hawtin und Derrick May. Ich war da in der Frühpubertät, Techno war Hell, Alanis Morissette war meine Heldin.

Also, von Comeback-Gefühlen ist bei mir keine Spur. Dafür große Überraschung und doch Freude, wenn auch Paul Kalkbrenner – als gebürtiger Leipziger  – eine Menge Umland-Testosteron anziehen dürfte. Aber mit Aril Brikha, Sascha Funke, Robag Wruhme, Daniel Stefanik und weiteren Distillery-Residents bleibt es schlüssig und viel versprechend. Rund EUR 20,- kostet das Ganze.

Hoffentlich ist der Sommer genauso euphorisch. Noch genau 70 Tage sind es von heute an.

Th!nk? Website

Martinez „The Paradigm Shift“ (Moon Harbour Recordings)

Ein Album pro Jahr scheint wohl ein weiterer Moon Harbour-Standard zu werden. 2010 gehört dem Dänen Martinez, der seit gut zwei Jahren zu neuen Label-Stamm gehört.

Als ich die ersten EPs von Martinez auf Moon Harbour gehört habe, waren sie mir fast zu glatt und eintönig. Mittlerweile mag ich die Konsequenz mit der Martin Swanstein alias Martinez seine super reduzierte House-Variante ausformuliert aber ganz gern.

Und bei aller Reduktion und Loophaftigkeit sind seine Tracks trotzdem von einer breiten Deepness geprägt. Auf ein Album von Martinez habe ich nun nicht sehnsüchtig gewartet, aber wie der Däne seinen recht klar wieder erkennbaren Sound auf eine Stunde ausbreiten würde, interessierte mich dann doch.

Zwölf Tracks lang hangelt sich Martinez auf „The Paradigm Shift“ mal mehr mal weniger klassisch durch die House-Landschaft. Zwei Brüche gibt es: „Mr. Decocco“ und „Maresias“. Ersterer in Form eines schnarrend klingendem und schlenderndem Downbeat-Tracks. Der Zweite dann als leicht eingedunkelter und sympathisch stolpernder House-Track.

Zwei Brüche also, die den Strom an House-Geradlinigkeit kurz aufhalten. In dieser Geradlinigkeit fallen aber auch einige Nuancen auf, die ich so von Martinez noch nicht kannte. „Solaris“ zum Beispiel mit seinen Flanger-Spielereien, „Lavender Mist“ mit seinem Disco-Appeal oder „Williamsburg“ mit seinem Soul-Vocal. Martinez baut in seine Loops ja öfter auch Vocal-Samples ein, aber bei diesem Track gelingt es ihm am schlüssigsten und organischsten.

„The Paradigm Shift“ wird deshalb trotzdem kein Lieblingsalbum von mir, aber irgendwie ist es doch ein weiterer Schritt mit dem mir Martinez immer sympathischer wird. Auch wenn der Kopenhagener mit diesem Album bestimmt alles gesagt hat, was er zu House zu sagen hat.

Martinez Myspace
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DD

Um Dresden ist es komischerweise etwas still, was die dortige Club- und Musikszene angeht. Wobei mit Polarkreis 18 echte Superstars aus der Landeshauptstadt kommen und endlich auch Jakob Korn wahrgenommen wird. Mit banq.de gibt es ein Dresdner Portal für all die Club-Bewegungen. Und dessen Blick geht auch nach Leipzig.

Kurz und knapp: auf banq.de gibt es zwei interessante Interviews mit Sven Tasnadi und Steffen Bennemann. Letzterer natürlich in erster Linie durch seine Nähe zum Nachtdigital-Festival, das von Dresden aus genauso weit entfernt ist wie von Leipzig. Aber in dem Video-Interview fallen auch einige Worte zur Leipziger Szene, zu seinem Koi-Projekt und eben zur Entwicklung des Nachtdigitals.

Und Sven Tasnadi erklärt wie er zum Produzieren kam und was ihn dabei heute antreibt.

Unbedingt auch anschauen: Die Foto-Story mit dem tollen Jakob Korn, der neue – und vielleicht erste – Darling der Dresdner Elektronik-Szene.

banq.de