KW 15 – Montag

Die neue Woche startet mit einem lässig-chilligen House-Rave.

frohfroh-Tagestipp //

Electric Easter // Conne Island // 14:00 Uhr
w/ XDB, Polo, Sophie & Julius

Ein Mini-Electric-Island- und Klub-Sonntag-Mash-up gibt es hier – ab 13 Uhr ist der Conne Island-Freisitz offen. Ab 14 Uhr öffnet dann der Saal für zwei alte Bekannte: XDB und Polo nehmen mit ihren House-Sets das aktuelle Tempo heraus.

Spot on – DJ Fairytail

Trance is back – seit ein paar Jahren mischt sich der melodisch-emotional aufgeladene Sound immer mehr auch in den Techno-Underground. Zeit für ein DJ-Porträt aus diesem Bereich. Mit DJ Fairytail treffen wir eine Newcomer:in in ihrer Startphase, die genauso schnell ist wie ihr Sound.

__Premiere

„Unter 160 bpm fange ich eigentlich nie an“, erzählt Lara alias DJ Fairytail, als sie ihren Sound beschreibt. Angefangen mit klassischem, happy Trance hat der sich zuletzt in Richtung Hard- und Psy-Trance entwickelt. „Ich mag es mittlerweile mehr, einen schnellen düsteren Vibe zwischen 160 und 180 bpm zu kreieren. Die süße und verspielte Happiness von Trance gefällt mir zwar weiterhin, ich lege sie aber nicht mehr so gern auf.“

Für mich ist dieses Treffen eine Premiere – mein erstes Interview mit einer DJ aus dem durchaus weitem Trance-Feld. Zugegebenermaßen habe ich um den Sound lange einen Bogen gemacht. Zu kitschig, zu pathetisch, zu überladen. Zugleich bin ich durch die dezenten Trance-Einschübe vieler Techno- und Progressive House-DJs wie Courtesy, Janthe oder Mama Snake in den letzten Jahren zugänglicher dafür geworden.

Zum Interview treffen wir uns auf einen Kaffee im Waldstraßenviertel. Das Dankbar Café ist an diesem Freitagvormittag voller als erwartet. Draußen regnet es, drinnen erzählt Lara von ihrem Ankommen in Leipzig. Rund vier Jahre ist das her. Ursprünglich kommt sie aus einer Kleinstadt aus Mecklenburg – Neubrandenburg. Klingt nach Tristesse, durch die Fusion-Festival-Bubble sei für elektronische Musik aber ein großes Bewusstsein in der Gegend, meint Lara. Für eigene Clubs reichte das jedoch leider nicht. Stattdessen stieg sie mit ihren Freunden im Alter von 17 / 18 Jahren in die Regionalbahn nach Berlin. Meist waren sie damals in der Griesmühle, einem ehemaligen Club in Neukölln, der für straigthen Techno bekannt war.

So sehr ihr die ersten Berlin-Rave-Ausflüge auch gefielen, irgendwann zog sie „der industrielle Standard-Techno“ nicht mehr so mit – und wirklich viele Alternativen fand sie in Berlin auch nicht. „Mittlerweile ist Hardgroove in Berlin richtig groß, was ich sehr mag. Aber Trance ist wenig zu hören – das hat mich später in Leipzig inspiriert, auf diese Schiene zu gehen“, erzählt Lara.

__Inspirierendes Umfeld

Auf Leipzig wurde sie zuvor auch über die Berliner Clubszene aufmerksam. Denn beide Städte sind nicht nur eine Zugstunde entfernt, auch die Szenen sind teilweise eng verbunden. Fürs Studieren zog sie das kleinere Leipzig schließlich vor. „Leipzig war mir von Anfang an die sympathischste Stadt. Besonders, weil hier so viel los ist und es eben so gut mit Berlin connected ist“, erzählt Lara.

In Leipzig taucht sie zuerst auch direkt in das Clubleben ein und trifft auf ein Umfeld, in dem viele Leute Musik machen und auflegen. Vor zwei Jahren möchte auch sie mehr als nur feiern – sie kauft sich ihre ersten DJ-Decks und macht sich auf die Suche nach ihrem Sound.

„Ich wollte mehr aus der Szene mitnehmen und herausfinden, wie die Musik funktioniert. Es ist so nice, sich tiefer mit dem auseinanderzusetzen, zu dem man feiern geht.“ – Lara aka DJ Fairytail

Gelangweilt vom industriellen Techno der letzten Jahre entdeckt sie Trance für sich. Sie stößt auf Labels wie Ute.Rec, Crude, Underzone Records und Speedmaster Records. Und sehr oft sind es skandinavische Acts, die sie inspirieren – vor allem aus Kopenhagen: Marilao, Alda Vain, Maurinstarr, Matriark und Malik Fields. „Alles was die selbst produzieren, ist der Wahnsinn. Jeder einzelne Track ist ein krasses Werk. Da steckt für mich mehr Herz drin als im klassischen Techno“, meint Lara.

Doch warum nun dieser Trance-Hype? Für sie ist es in der Musik wie in der Mode. Alles kommt irgendwann wieder. Und junge Künstler:innen hätten natürlich den Anspruch, etwas zu machen, was aktuell nicht überall zu erleben ist – und da werde eben auch zurück geschaut. Das habe auch sie so gemacht und sich durch Trance-Tracks der 1990er Jahre geskippt. Dabei ergaben sich natürlich zahlreiche Bezüge zum heutigen Sound. Vieles baut auf den Anfängen auf – allerdings könne sie die Originale kaum im Club spielen, weil sie so „shitty gemastert“ seien, erzählt Lara.

Eventuell hat auch Corona einen Anteil an dem Harmonie-Turn der Clubs:

„Ich habe Trance tatsächlich in der Corona-Zeit entdeckt. Das hat mir echt geholfen und positive Gefühle gegeben, in denen ich mich fallen lassen konnte. Diese Musik hat mich sehr aufgefangen – und ich denke, da bin ich nicht die einzige. Vor allem im Sommer kann einen Trance emotional total mitziehen – deshalb bauen es vielleicht auch immer mehr DJs ein. Einfach, um mehr Spaß zu haben.“ – DJ Fairytail

Für die Entwicklung ihres aktuellen DJ Fairytail-Sounds waren später aber mehr Labels wie In Orbit, Vile Immerse, Sunthoid, Elysium oder Morph prägend. Mit düsteren, hypnotisch-treibenden Hard- und Psy-Trance-Tracks und Tribal-Elementen. Zum Auflegen sei dieser Sound alles andere als einfach, meint sie:

„Bei Trance ist es nicht so leicht, gute Matches zu finden, weil es sehr melodisch ist und die Tracks viele Elemente haben. Da kann es schnell sehr überladen sein und es erfordert mehr Vorbereitung. Die Umgebung zum Auflegen ist für Newcomer:innen aber in Leipzig wirklich gut. Es ist klein, deshalb hat man gute Chancen, auch selbst mal in einem Club zu spielen. Und auch abseits davon – bei Open Airs oder in Ateliers – gibt es viele Möglichkeiten, sich als DJ auszuprobieren. Mein Gefühl ist auch, dass das Publikum offener als in Berlin ist.“ – DJ Fairytail

__DJ-Start in Highspeed

Bei DJ Fairytail ging es nun aber wirklich sehr schnell: An Silvester 22/23 hatte sie ihren ersten Clubgig im Mjut, wo sie nebenbei auch an der Bar arbeitet. Danach folgten innerhalb von drei Monaten Auftritte im Elipamanoke und Institut fuer Zukunft. Ein Katalysator war dabei definitiv ihre Aufnahme in das Exil Kollektiv, das sich in den letzten 3,5 Jahren einen Namen für harten, schnellen und finsteren Techno sowie künstlerisch aufwendige Party-Deko und ein freundschaftliches Miteinander gemacht hat. Kürzlich erst hat die Crew den All-Time-Besucherrekord des Elipamanoke geknackt, freut sich Lara. Über zwei Freunde sei das Kollektiv auch auf sie aufmerksam geworden.

„Ich wurde von Exil erst für einen Podcast angefragt und dann zu einer Party als DJ eingeladen. Und dann kam die Anfrage zum Mitmachen. Ich war sehr überrascht, dass es so schnell ging. Aber der Vibe hat bei uns direkt gepasst und ich denke, dass sich die Crew auch musikalisch erweitern wollte.“ – DJ Fairytail

Als FLINTA*-Person habe sie in Leipzig noch einmal zusätzliche Chancen, schnell ein Publikum zu erreichen – hier sei bei vielen Clubs die Awareness für diverse Line-ups vorhanden. „Ganz im Gegenteil zu anderen Städten – das schätze ich sehr an Leipzig“, meint Lara.

Ganz ohne Kritik blickt aber auch sie nicht auf die lokale Szene: Mittlerweile sei hier ebenfalls der G-Konsum in der Clubkultur stärker verbreitet, was besonders für FLINTA*-Personen zum Problem wird. Denn die aufwendige Arbeit der Clubs, besondere Safe-Spaces zu schaffen, ist durch die sediernde und immer wieder auch missbräuchlich verabreichte Droge in Gefahr. Und auch die von TikTok angetriebene Inszenierung eines Techno-Lifestyles sei hier immer häufiger spürbar. „Viele scheißen auf die No-Photo-Policy und appreciaten kaum noch die Musik – es geht mehr um das Posieren und Konsumieren. Mir scheint, dass die Leute mit dem Kopf immer etwas woanders sind – besonders bei Techno-Partys“, meint Lara.

Umso mehr freut sie sich über Crowds, die sich auf neue Sounds einlassen und alternative Genres entdecken möchten. Wer DJ Fairytail erleben mag, sollte dazu die Mjut- und Exil-Line-ups der nächsten Monate im Blick behalten. Darüber hinaus plant sie mit Freunden ein kleines Festival im Leipziger Umland. Als Karriere-Option sieht Lara das DJ-Dasein übrigens nicht:

„Ich habe öfter mitbekommen, wie sich Leute selbst verlieren, wenn sie als DJ bekannter werden. Am Ende ist Auflegen aber auch keine mega große Sache. Mir geht es mehr um den Spaß und den verliert man sicher, wenn man jedes Wochenende einen Gig hat.“ – DJ Fairytail

Vielen Dank, Lara. Auch für den exklusiven Spot-on-Mix – er dokumentiert nochmals das Set ihres DJ-Debüts im Institut fuer Zukunft:


__Fotos

Wir sind sehr happy, das uns ab sofort Johanna Fazekaš mit Fotografien unterstützen wird – von ihr stammen auch die Bilder dieses Porträts. Und so arbeitet sie:

“Hey, ich bin Hanni. Die ästhetischen Vorstellungen meiner analog- und digital-fotografischen Arbeit spiegeln sich in neckischen Farbspielen, viel Nähe zu Details und spannenden Stimmungen wider. Bei frohfroh möchte ich gern Artists und deren jeweiligen Stil mit meiner Fotografie begleiten.“

KW 14 – Samstag

Ein emotionaler langer Rave, dazu viel Techno und eine All-Styles-Party. Unsere Tipps für den Ostersamstag.

frohfroh-Tagestipp //

24 h Wohnzimmer – Easter Edition // Distillery // 23:00 Uhr
w/ Ata, ND Baumencker, Aera, Adi, Victor, Mila Stern, Kataya, Schlepp Geist, Sevensol, Felipeh, Electric Pandas, Nene H, Akua, B2, Houdafk, Rottnmeier, Weh8mut, Tarik Weiß

Das letzte Mal langer Oster-Rave in der Distillery. In ca. sieben Wochen schließt der Club in der jetzigen Location – zum Ende des Jahres soll es dann in der Messehalle 7 der Alten Messe weitergehen. Insofern wird es hier sicher schon heute sentimental.

Highlights: Aera und Ada mit unterschiedlichen House-Nuancen. Im Keller ist es dann gewohnt härter und schneller


Außerdem heute //

Clubnacht – Institur fuer Zukunft, 23:59 Uhr – Techno und House mit Psyk, Carlotta Jacobi, Kontinum, Luuy, Mizar b2b Marov, DJ Spa

[Ultima Ratio] – Neue Welle, 23:00 Uhr – House und Hardgroove mit Lea Occhi, Golden Plate, High Torque, Picaro

Trappin #2 – Elipamanoke, 23:59 Uhr – HipHop, Trap, Grime, Techno, Drum & Bass, House und Hits mit Haaizey, Karmaxutra, Vanya, Yami, Luccatree, Loco, Scrappy Coco, Aezarya, Becstasy, Neele, Nina Frizzante, No Mercy, P. Aris, Ics., Iggy Tarn, Action Bronko

KW 14 – Freitag

Karfreitag, Tanzverbot? Einfach spät anfangen und in den Samstag reinfeiern. Und so gibt es vier Party-Tipps für dieses Freitag.

frohfroh-Tagestipp //

Very Good+ // Neue Welle // 23:00 Uhr
w/ Bufiman, Eves120, Qnete

Das Can’t Decide-Label holt mal wieder sehr gut gepflegten House-Platten heraus. Neben Resident Qnete ist dieses Mal auch Bufiman alias Jan Schulte aus Düsseldorf dabei. Er eröffnet in seinen Sets sehr eigene, teils überraschend ungewohnte und schräge Welten von House – breakig, krautig, experimentell, spannend. Etwas progressiver und tranciger spielt dagegen die Eves120, eine Objekt Klein a-Resident-DJ aus Leipzig.


Außerdem heute //

Re:Start – Mjut, 23:55 Uhr – Synthpop, Electro, House, Techno, Breaks, Trance und mehr mit Sam, Hannie Phi, Perra Inmunda, Jessica Nightlife, Jewelry, ttyfal, Sophiise, Bunny Tsukino, Ostbam, He duh, Jing Lekker

Fat Bemme – Distillery, 23:59 Uhr – Drum & Bass und Neurofunk mit The Caracal Project, Cptr, Cuepric, Novalu, FB Residents, [Tbats], Ace, Audite

Heyciao, Vacanza! Vol. 06 – Elipamanoke, 23:59 Uhr – House, Techno und Trance mit 2 Girls 1 Club, Dyscotheque, Shuray & Walle, Multifun, Butschi, 1000kjulez, Freizeitlaerm, R!ke b2b Marov

Welcome Disko Sued

Das UT Connewitz ist eine der spannendsten Locations für besondere Live-Musik. Ab diesem April wird das alte Lichtspieltheater auch zum temporären Club für internationale elektronische Musik. frohfroh präsentiert und verlost Tickets.

Bisher ist das UT Connewitz vor allem für seine Live-Konzerte und Mini-Festivals wie das TransCentury Update bekannt – inklusive einer beeindruckenden Patina und Geschichte. Mit der Disko Sued soll das UT künftig zweimal jährlich auch zu einem Club für special music werden.

Dahinter steckt eine gleichnamige Crew, die im Sommer Partys veranstaltet oder ausgewählte Floors einen ganzen Abend lang bespielt – mit sehr diversen, internationalen Sounds, die den Fokus auch über die europäischen Grenzen hinaus öffnet. Die Idee, daraus eine eigene Partyreihe zu entwickeln, geisterte schon länger in den Köpfen der Crew-Mitglieder. Nun scheint die Zeit dafür reif zu sein:

„Wir kommen alle aus dem Süden Leipzigs und uns fehlte genau die passende Party zu unserem Musikgeschmack. Da ich im UT arbeite und auch die Umstände dort kenne – sprich: es ist schon schwierig eine Art Club- und Party-Nacht dort durchzuführen – habe ich mir das als Challenge gemacht. So kamen dann die Verbindung und adäquate Bookinganfragen für die Disko Sued.“ – Niclas

Niclas veranstaltet auch das Trip Festival, das dieses Jahr in einem anderen Rahmen im Mai stattfinden wird. Bei der Disko Sued stehen moderne Sounds im Spannungsfeld von jungen und etablierten Musiker:innen sowie von Live-Bands und DJs im Fokus. Alles tanzbar, elektronisch und mit weniger europäischen musikalischen Elementen, von 22 bis 3 Uhr. Einmal im Frühjahr und dann nochmals zum Ende des Jahres. Eigens dafür entwickelt die Crew auch ein neues Raumkonzept:

„Es wird kantig mit Sitzecken sowie einer Tanzfläche, die kleiner als der große UT-Raum ist. Außerdem arbeiten wir mit einer Licht- und VJ-Crew zusammen, die auch das Visuelle dem Club näher bringt.“ – Niclas

Das klingt alles höchst interessant – und auch das erste Line-up am 15. April 2023 ist viel versprechend:

WaqWaqKingdom (live)
House und Grime plus japanischer Gesang von Kiki Hitomi

OY (live)
Electronica, Afrobeat, Avant-Pop, Trap und Jazz mit Einflüssen aus Ghana

Bollek (DJ)
Atmosphärische Dance-Tracks und Slow-Jams mit 80s-Appeal

Aural Guerilla (DJ)
International Sounds


Tickets & Verlosung

Wir verlosen 2 x 2 Tickets für die erste Ausgabe der Disko Sued am 15.4.2023. Schickt einfach bis zum 12.04.2023, 12 Uhr eine Mail an dance @ frohfroh.de mit dem Betreff „Disko Sued“.

Wer sicher gehen möchte, holt sich ein Ticket im Vorverkauf.

KW 13 – Sonntag

Noch Power für etwas Neues? Im IfZ gibt es eine neue Sonntagsreihe.

frohfroh-Tagestipp //

All Red // Institut fuer Zukunft // 14:00 Uhr
w/ Commoton‘, Janthe, Fonte

Premiere im IfZ: Mit All Red scheint hier eine neue Sonntagsreihe zu entstehen. Als guter Kontrast zur Rillendisco steht hier aber nicht Techno im Mittelpunkt, sondern eher House in seinen deepen, verspulten und proggy Spielarten.

KW 13 – Samstag

Das Eli feiert weiter und die Hotshot-Reihe ist mal wieder am Start. Unsere Partytipps für den KW 13-Samstag.

frohfroh-Tagestipp //

Hotshot // Institut fuer Zukunft // 23:59 Uhr
w/ Mixtress, Coco Cobra b2b Leeza b2b Bunny Tsukino, Micina, Dangermami, Monibi, Marie Midori, Papi

Die Hotshot-Reihe lässt mal wieder ein Hammer-Line-up auf Leipzig los. Hier mergen House, Future Bass, Dubstep, Drum & Bass und Techno auf super schlüssige und funky Weise zu einem eklektisch-modernen Clubsound.

Mit Mixtress ist dieses Mal auch eine spannende DJ aus London mit dabei – und es gibt Besuch aus Berlin mit Dangermami und Marie Midori.


Außerdem heute //

Klubnacht x Maniac – Mjut, 23:00 Uhr – Techno mit Håstad, Azil, Blanka, Iglo

16 Yrs of Eli – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Techno, House, Trance, Psy-Trance mit Vril, DJ Stimula, DonRamones, Ge_heym, Lars Goldammer, Mentell, Monsoon Traxx, Nienein, Nina Frizzante, Sam Paradise, Splinter

Saturday Rave x Where The Buffalo Roam – Distillery, 23:00 Uhr – House, Tech-House und Techno mit Mira, Judith van Waterkant, Mike van Goetze, Christian Eimann, Sebastian Sandmann, Kroetentanzbein, Stephan von Wolffersdorff

Musikbar – Pracht, 20 Uhr – Ambient, Dub, Broken Beats mit Tico und Peak Phine

KW 13 – Freitag

An diesem Wochenende feiert ein Club Geburtstag – außerdem schaut Chris Liebing mal wieder vorbei. Und es gibt einen xxx-Tipp.

frohfroh-Tagestipp //

16 Yrs of Eli // Elipamanoke // 23:59 Uhr
w/ Nur Jaber, Karete Bu, Kimya, Kleinschmager Audio, Keta Perry, Luzi, mxmlmx, Rsohr, Senta Julien, Siggi Sauer, Zischarias

Happy birthday, Eli. Voll gut, dass du schon lange die Leipziger Clubkultur mitgestaltest und es dabei offensichtlich auch schaffst, immer wieder Generationswechsel hinzubekommen.

An diesem Wochenende finden findet ein Geburtstagsrave in zwei Episoden statt. Zum Start gibt es Techno-Besuch von Nur Jaber aus Berlin und ein sehr vielschichtiges Local-Hero-Programm mit House, Minimal, Techno, Electro, Hard-Tek und mehr.


Außerdem heute //

Friday Rave – Distillery, 23:00 Uhr – Techno mit Chris Liebing, Nadine Talakovics, Rngr, 0-Dimensional, XXXXX

Nice 4 What – Neue Welle, 23:00 Uhr – House, Breaks und Trance mit den Nice 4 What All Stars

Stolen Money – xxx, 22:00 Uhr – House, Electronic und Techno mit Neele, Panta Rex, Nikita von Tiraspol, Thomas Heinrich, LightningLars

Ostreaktor & Lydia Eisenblätter „Hybrid One EP“ ([OAM] Records)

Lydia Eisenblätters Label [OAM] Records veröffentlicht nicht oft, aber dafür immer analog-pushende Dancefloor-Hymnen. Die vierte EP hat auch ein paar parat.

Ziemlich genau ein Jahr nach der letzten EP, hat [OAM] Records eine neue Platte gedroppt – und erstmals ist nicht nur Label-Chefin Lydia Eisenblätter darauf zu hören. Schien das Label bisher vor allem eine Plattform für eigene Tracks zu sein, teilt sich Lydia die „Hybrid One EP“ mit Ostreaktor, einem in Portagal lebenden Producer.

„Hybrid“ ist auch der Name einer neuen Serie des Labels. Eine Serie mit klarem Anspruch: Zwei Artists setzen sich mit den Classic-Nuancen des frühen Detroit- und Chicago-Sounds auseinander. Ostreaktor legt dafür gleich drei angenehm diverse Richtungen vor. „Travessa“ feiert die US-amerikanischen Techno- und House-Anfänge mit happy Piano-Chords und Breakbeats, „September“ mit rasent-deeper Straightness und „Ost“ mit einem perkussiv-treibendem Drive. Schön hymnisch, schön nostaligisch.

Auf der B-Seite übernimmt dann Lydia Eisenblätter. Und bei ihr ist etwas mehr Funk und Pop-Appeal dabei. Beide Tracks spielen mit Vocal-Samples, melodischen Basslines und flächigen Synths. Sie arbeitet hier sehr versiert und geschichtsbewusst an einer House-Hommage. Und in dieser Zeit waren auch Vocal-Samples wie bei „Don’t Give It Up“ en vouge. Nur waren die damals schon sehr cheesy. Der Track hat zwar auch eindeutiges Hit-Potenzial, holt mich nicht so ab.

Spot on – Yana Ponura

Yana Ponura ist DJ, Neu-Leipzigerin und ursprünglich aus Kyiv. Und ich werde wohl nie vergessen, wie sie mir bei Instagram schrieb: „Klar können wir das Interview machen. Falls ich lebend aus der Ukraine nach Leipzig kommen sollte.“ In Anbetracht der Lage, die in der Ukraine herrscht, ist das keine dramatische Übertreibung. Warum Yana Leipzig als ihren neuen Lebensmittelpunkt ausgesucht hat und wie in ihrer Heimat während des Krieges gefeiert wird, erzählt sie im Interview.

_Interview

Das Interview fand Mitte Januar statt. Es jetzt zu veröffentlichen, hat mehrere Gründe. Erstens: It was about time! Zweitens: It was about time, oh ja. Und Drittens: Yanas Label Progressive Future hat ein aktuelles Release, das ihr euch unbedingt anhören solltet. Deshalb verlinken wir es euch, als Soundtrack zu diesem Interview, gleich hier oben.

Yana Ponura sitzt auf einem der Wandklappstühle aus Holz im Vary, hier sind wir verabredet. Es ist voll, ein bisschen zu laut, Leute kommen, gehen, telefonieren, tippen auf ihren Laptoptastaturen, trinken Cappuccino oder Espresso-Tonic, tauchen Löffel in Milchschaum und Gabeln in Kuchenstücke, dabei schauen sie kaum von ihren Displays oder Büchern hoch. Musik wabert hörbar, aber nicht eindeutig durch den Raum und den Gang, in dem wir beide noch einen letzten Platz gefunden haben. Eine ruhige, dezente Frau sitzt mir gegenüber. Die Lautstärke und Hektik des Cafés prallen an ihr ab; sie sieht genau aus wie auf ihren Pressefotos, nur nicht so streng – eine gewisse, sehr eigene Widerständigkeit gegen den Alltagslärm umgibt sie. 

Wir sind beide überpünktlich, bestellen Kaffee und sprechen über die Radfahr-Situation in Leipzig und vom Platten-Kaufen, von Labels, von Berlin, von unseren Cluberfahrungen der letzten Wochen – ohne dass das Gespräch mitgeschnitten wird. Dann nehme ich ein paar O-Töne auf und bin beeindruckt, mit welcher Klarheit und wenigen Worten Yana von Kyiv erzählt, wie Wärme und Trauer gleichermaßen aus ihr sprechen. 

__Kyiv, Berlin und Leipzig

Zu Beginn frage ich Yana, ob es Trigger-Themen gibt, die wir aussparen sollen. Erst vor ein paar Monaten war sie in ihre Heimat, die Ukraine, gereist und unsicher, in welcher Verfassung sie zurück nach Leipzig kommen würde. Sie antwortet mir an diesem Nachmittag, Trigger-Themen gebe es für sie nicht – nichts sei schlimmer, als nicht über das, was gerade in der Ukraine passiert, zu sprechen. Aber wir sprechen nicht nur über den Krieg in der Ukraine – wir sprechen auch über Musik und Leipzig, von DJ-Gigs und Solidarität. 

Als Russland die Ukraine überfiel, floh die 27-Jährige wenige Wochen nach Kriegsbeginn von Kyiv nach Berlin. Ein Freund von ihr lud sie dann, als sie sich gerade in Berlin eingerichtet hatte, für einen Gig nach Leipzig ein und sie bleib eine Woche – danach packte sie ihre Sachen in Berlin wieder ein und zog nach Plagwitz.

Leipzig gefalle ihr, sagt sie, auch wenn sie noch nicht allzu viele Clubs, Cafés oder Spots der Stadt kennt:

„Ich fühle mich oft nicht gut genug, um auszugehen. Zuhause höre ich viel Musik, dort fühle ich mich wohl. Anfangs habe ich viele neue Leute kennengelernt und im IfZ, im Mjut und im Conne Island aufgelegt. Dann fuhr ich zurück in die Ukraine und wollte danach erst einmal nur in Ruhe gelassen werden. Trotzdem möchte ich mir hier ein neues Leben aufbauen. Es ist schwer zu erklären.“ – Yana Ponura

Nach über einem Jahr Krieg in der Ukraine hat sie sich darauf eingestellt, dass es nicht absehbar ist, ob und wann der russische Angriffskrieg endet. Der Krieg beschäftigt sie seitdem jeden Tag, vom morgendlichen News-Checken bis zum Abend. Ein neues Leben als DJ und Akteurin im Nachtleben in Leipzig zu beginnen, ist zwar ein Wunsch von Yana – aber vielmehr möchte sie zurück, in ihre Heimat, in ihr Viertel, ihre Wohnung. Sie wünscht sich Frieden und keine Bomben mehr für die Ukraine, betont sie.

__Techno in der Ukraine

Als wir von der Technoszene in der Ukraine sprechen – denn nicht nur in Kyiv, sondern auch in Odesa und Kharkiv habe es herausragende Clubs gegeben, erzählt Yana – schwärmt sie von den Bookings, der euphorischen Crowd, dem mittlerweile melancholischen Gefühl, dass hier etwas Großes, vergleichbar mit der Berliner Technoszene, hätte entstehen können. Hätte. Vor dem Krieg legte Yana regelmäßig in der Ukraine, aber auch international auf. Ihren Style bezeichnet sie selbst als Genre-übergreifend mit Elementen aus Dub, Garage, Breakbeat, IDM und „dirty Kyiv Electro“.

Aber auch während des Krieges gebe es Partys, Zusammenkünfte und Musik in der Ukraine. Bei ihrem Besuch vor ein paar Monaten, im Dezember, spielte sie auf einem Rave, der tagsüber stattfand. Tagsüber, weil Partys seit Kriegsbeginn nicht mehr in der Nacht stattfinden können, denn ab 23 Uhr herrscht Ausgangssperre. 

Das Gefühl in einem Bunker oder Club dort, während des Krieges, zu spielen, sei sehr besonders: 

„Mir gefällt die Stimmung, auch wenn sich das vielleicht für viele strange anhört. Mir gefällt, etwas zu tun, in dieser schwierigen Situation. Die Menschen in der Ukraine feiern, als könnte es – literally – das letzte Mal sein.“ – Yana Ponura

Ausländische DJs kämen zwar nicht mehr, aber es gebe genug lokale DJs, oder DJs wie Yana, die regelmäßig in die Ukraine reisen, um dort zu spielen. Die Partys werden mit Generatoren an unterschiedlichen Orten ermöglicht, erklärt sie weiter. Es klinge absurd, bizarr und man solle diese Partys nicht romantisieren. Aber sie seien unter gewissen Umständen weiterhin möglich und notwendig.

__Zukunft

Ihre Gedanken seien immer bei ihrer Familie in der Ukraine, auch wenn sie in Leipzig sei. Und bei ihren Freund:innen aus dem Nachtleben. Denn genau das bedeutet ihr weiterhin viel, natürlich. DJ-Auftritte in Berlin, Leipzig, Dresden, Warschau und London lenken sie zwar immer wieder ab, aber nur kurz. Pläne und Gigs gibt es auch bei Yana, aber die größte Hoffnung, die sie für die Zukunft hat, ist, dass der Krieg endlich endet. Und dass sie sich, egal wo, wieder sicher fühlen kann – denn das Gefühl von Sicherheit gibt es für sie derzeit nur, wenn sie Musik hört, im Studio experimentiert oder auflegt.

Etwas, an dem Yana gemeinsam mit Freund:innen gearbeitet hat, ist die neue EP ihres Labels „Progressive Future“. Die Solidarität und Spenden, auch innerhalb der Technoszene in Deutschland, nehme jeden Tag ab. Das sei zwar ganz normal, aber trotzdem schmerzlich, sagt sie. Ihr könnt das Label und Yana unterstützen, indem ihr die Tracks anhört, teilt und kauft. Also: Go for it! 


Hier findet ihr den Community-Fund des ukrainischen Labels ∄: https://k41community.fund

Yana Ponura bei HÖR, Instagram und Soundcloud.

Kassem Mosse „Workshop 32“ (Workshop)

Im Februar hat einer der spannendsten und international bekanntesten Leipziger Producer sein neues Album veröffentlicht – Kassem Mosse is back.

Wer frohfroh schon länger verfolgt, dürfte wissen: Ich bin Kassem-Mosse-Fanboy von Anfang an. Diese sehr eigene, mit Patina überzogene und lofi-eske Sound-Ästhetik, diese oftmals erfrischend unrund laufenden House-, Techno- und Electronica-Tracks – all das hat mich früh in den Bann gezogen. Unvergessen das treibende, tief verrauschte „578“ oder Mosses Debütalbum „Workshop 19“ vor knapp zehn Jahren.

Zuletzt haben sich bei mir aber auch ein paar Ermüdungserscheinungen breit gemacht. Mein Gefühl war: Der musikalische Radius von Kassem Mosse ist zwar endlos faszinierend, aber auch weitgehend abgesteckt. Wobei das nur bedingt stimmte. Denn mit seinem letzten Album „Disclosure“ auf dem britischen Traditionslabel Honest Jon’s atmomisierte Kassem Mosse 2016 seinen Trademark-Sound in die einzelnen Bestandteile und setzte sie zu einem lose oszillierenden Gemenge zusammen. Der Club stand hier nach den Hypejahren um 2012 definitiv nicht mehr so im Fokus, was auch gut war.

Einige seiner letzten Releases sind aber auch an mir vorbeigegangen – das tolle Ambient-Album „Scortched Erden“ seines zweiten Alias Seltene Erden zum Beispiel. Oder der Mitschnitt einer experimentellen MM/KM-Performance 2019, als Kassem Mosse mit Mix Mup den Off-Space Kardamom betrieben und den Katalog des Travel by Goods-Label live remixten.

Umso erfreuter war die News vom neuen Album. Dazu ein Comeback auf Lowtecs Label Workshop. Zehn Tracks, eine Stunde Laufzeit – es gibt also einiges zu entdecken. Auf dem ersten Blick ist „Workshop 32“ ist ein klassisches Kassem Mosse-Album. Es ist aber an vielen Stellen deutlich reduzierter, direkter, aufgeräumter und harmonischer. Zugleich spannt es eine Art Bogen über die vergangenen 15 Jahre von Kassem Mosse – mit all seinen kantig-pushenden, warm-ambienten und quer laufenden Sounds. Mit uniquen Dancefloor-Tracks und breakig-runtergefahrenen Interludes.

Bei genauerem Hinhören gibt es aber durchaus neue Impulse: Auf „C1“ und dem überraschend konkret betitelten „Provide Those Ends“ etwa. Hier tauchen Soul- und Rap-Spuren auf, die sich überraschend gut mit dem bekannten Kassem-Mosse-Sound vertragen. Sicher auch, weil sie sehr nahtlos und lässig integriert sind. In anderen Tracks – „D1“ und „D2“ – mischen sich genauso selbstverständlich kurz angespielte Soul-Samples unter. Und auch hier sorgen sie für eine gewisse Lässigkeit und eine etwas weniger sophisticated Atmosphäre.

Und mein Ermüdungsmoment? Ist einem angenehmen Gefühl der Vertrautheit gewichen. Denn klar: Kassem Mosse begleitet mich seit 2006 musikalisch. Und zwar so unique, dass er immer sofort zu erkennen ist und mich emotional in bestimmte Sphären mitnimmt. Damit schafft er eben auch ein tiefen-entspannendes Gefühl von unumstößlicher Stabilität und süßer Nostalgie. Etwas, dass in dynamischen Zeiten wie diesen alles andere als schlecht ist. Vielen Dank dafür!