Anschnallen! Anschnallen!

Ausgehen und schick machen – frohfroh will euch beides bieten. Besser gesagt einem oder einer von euch. Denn unser besonderes Herbst-Accessoire gibt es vorerst nur einmal.

Auf die Idee brachten uns die Jungs von Wechselwild – einem Online-Shop, der einen weiteren Beitrag zur großen modischen DIY-Individualisierungswelle der letzten Jahre leistet. Und zwar mit Leckergürteln, deren Schnallen sich selbst gestalten lassen. Nicht nur dass: Sie lassen sich auch jederzeit austauschen. Eine sorgsam bedruckte Magnetplatte macht es möglich. Eine davon ziert nun unseren einmaligen frohfroh-Gürtel. Schwarz wie die Nacht, reduziert wie die Musik dazu.

Dafür wollen wir aber auch was sehen von euch: Ein Video mit den atemberaubendsten Tanz-Moves. Egal wo, egal wer, egal wie. Denn wie heißt es so schön Woche für Woche bei uns: Dance! Dance!

Einfach einen Link an dance [at] frohfroh.de schicken oder auf unserem Facebook-Profil direkt an die Pinnwand posten. Bis zum 31. Oktober, 18 Uhr habt ihr Zeit. Ein Starter-Set Classic im Wert von EUR 59,90, inklusive braunen oder schwarzen Gürtel, der magnetiscen Gürtelschnalle, unserem frohfroh-Motiv, einem Farb-Startmotiv nach Wahl sowie einer Sammelbox gewinnt das Video, das uns am meisten flasht.

Aber Achtung: Wir haben keine Lust auf zweit verwertete Youtube-Leichen von irgendwelchen Freundesfreunden. Die Videos müssen frisch bei Youtube oder sonst wo hoch geladen worden sein.

Wer Wechselwild auch so super findet, kann Eule und Edin am kommenden Wochenende übrigens auch live auf der Designers Open erleben. Dort haben sie einen Stand und bestimmt auch eine Menge Sets und vorgefertigte Wechselbilder im Koffer. Mit dem Freezone in der Nikolaistraße gibt es auch einen Laden in Leipzig, der Wechselwild im Programm hat.

Sevensol & Bender „Scuba“ (Fauxpas Musik)

Alles taucht scheinbar gerade ab – bei diesen Temperaturen kein Wunder. Da passt auch die neue EP von Sevensol & Bender. Wieder einmal verlassen sie ihre Kann-Heimat und landen in Hamburg.

Genauer gesagt bei Fauxpas Musik, einem noch jungen Label mit gerade mal vier Veröffentlichungen. Darunter aber auch eine von dem wunderbaren Duo Mittekill. Mit „Scuba“ schält sich in einem weiteren Schritt ein Sound heraus, der mittlerweile ganz charakteristisch für Sevensol & Bender ist – House von seiner deepsten Seite. Kein klassischer Deep House, klar. Aber eine Form, die sich nicht auf die Club-Hektik einlässt, die sich im Warm-up oder der Afterhour einer Nacht am wohlsten fühlt.

Dabei schwebt „Scuba“ noch einmal zeitverlorener und friedlich vor sich hin mäandernder als die bisherigen Tracks der beiden Kann-Mitbetreiber. Einerseits geerdet durch die herrschaftlich durchscheinenden Streicher, andererseits durch den auf und ab flirrenden Chord. Das ist Musik für Naturstummfilme, Strandspaziergänge oder einen späten Sonntag.

Oskar Offermann, der Betreiber des Berliner Labels White, holt „Scuba“ in seinem Edit den Track aus dieser weltentrückten Atmosphäre heraus. Das Flirrende bleibt zwar, aber die Rhythmik ist sehr viel angespannter. Irgendwie kommt mir das aber nicht so richtig auf den Punkt.

Der „Diving Dub“ von Aera ist auch stärker getrieben. Aber er schafft diesen Spagat zwischen der Verwunschenheit des Originals und einem dezent angezogenem Tempo. Und er nimmt sich unendlich viel Zeit: 15 Minuten. Wahnsinn, wie verschwenderisch hier mit der Zeit umgegangen wird. Aber irgendwie auch sehr sympathisch, wie konsequent auf jegliche Effekthascherei verzichtet. So understatement kann House sein, könnte das Motto dieser Platte sein.

Fauxpas Myspace
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Orange Dot „Hi John, By John“ (Spunky Monkey Records)

Es gehen hier ja durchaus Platten durch die Lappen. Bei der letzten Orange Dot-EP plagt mich jedoch am meisten ein schlechtes Gewissen. Seit Wochen schon möchte ich die hier vorstellen. Jetzt endlich geschieht es.

Ganze vier Monate ist es her, dass „Hi John, By John“ herauskam. Im kreuzer gab es damals auch einen Artikel dazu. Denn für Orange Dot alias Alexander Hessel ist diese Platte schon eine Überraschung – zumindest für Außenstehende. Denn bislang kannte man den frequenzcamping- und Alula Ton Serien-Kurator eher für seine im weitesten Sinne Electronica-verwurzelten Tracks.

Auf Spunky Monkey fand er sich erstmals auf dem Dancefloor wieder. Natürlich nicht so direkt und keineswegs Peak Time-kompatibel. Dafür ist „Hi John, By John“ eine dieser Platten, die lange nachhallen, die ein Zuhören reklamieren und bei dem die Hände getrost im Schoss liegen bleiben können. Es ist eine Platte, der man den Electronica-Background deutlich anhört.

Dass ich sie jetzt erst richtig in den Fokus nehme, hängt vielleicht mit der Jahreszeit zusammen. Die fünf Stücke eint nämlich eine gewisse Melancholie, die irgendwie erst in der Herbst-Tristesse richtig nachempfunden werden kann. Im Frühling sind die Gedanken und Gefühle meist woanders.

„Wendungen“, „Streifen“ und „Hund“ sind die Stücke, die tatsächlich relativ geradlinig und straight ausfallen – jedes für sich mit einer eigenen Prägnanz. „Hund“ baut sich beispielsweise zu einem episch abhebenden Slow-Raver auf, inklusive verschleiert dunklem Gesang. Überhaupt sind Stimmen bei Orange Dot hier ein wichtiges Element. Allerdings nicht um sich den Pop-Appeal reinzuholen, sondern um eine bestimmte Stimmung noch stärker zu verfestigen.

„Die Geschichte – erst recht die eigene – ist nie abgeschlossen. Sie wächst mit, sie macht Wendungen, sie bäumt sich auf, wenn man sie schon tot glaubt“, heißt es etwa bei „Wendungen“. Dabei ist der Track insgesamt aber wesentlich reduzierter und verrauschter. In manchen Sounds schimmert sogar die digitale Raster Noton-Kühle hervor.

„Streifen“ ist hingegen der Track, in dem die Kontraste von Orange Dot am besten zur Geltung kommen. Zu Anfang fegt die gerade Bassdrum los. Später wird sie gebrochen und das Tempo rausgenommen. Am Ende sind die Intervalle zwischen diesen beiden Seiten noch fließender ausformuliert.

„Selten“ und „Kristalle“ sind schließlich der Link auf Orange Dots musikalische Herkunft: Vertrackte, detailreiche und zugleich überaus harmonische Electronica-Stücke mit einem Klavier im Zentrum.

„Hi John, By John“ strahlt insgesamt eine klangliche und melodiöse Reife aus, die einfach umwerfend ist. Im frohfroh-Leserpoll – der bald ausgerufen werden soll – hoffe ich, dass diese Platte weit oben auftauchen wird!

Spunky Monkey Records Website
Orange Dot Myspace
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Marbert Rocel „Remix EP“ (Compost Black Label)

Und wieder ein Remix-Thema. Dass das thüringische House-Soul-Trio Marbert Rocel auch gute Verbindungen nach Leipzig unterhält, dürfte nicht neu sein. Insofern passt es auch, dass auf der Remix-EP gleich drei Leipziger Beiträge dabei sind.

Für Compost dürften Marbert Rocel ein echter Glücksfall gewesen sein. Keine Ahnung, ob wie erfolgreich die Band für das Label ist, aber sie hat die Münchner NuJazz-House-Downbeat-Institution wieder auffrischen können – neben den erfolgreichen Sub-Labels Black Label und Drumpoet Community. Aufgefrischt daher, weil sie der Schnittstelle von House und Soul überraschend viel an gutem Pop-Appeal verleihen konnten.

Die Remix-EP zum letztjährigen Album „Catch A Bird“ kommt daher zurecht umfangreich daher – insgesamt neun Remixe, vier davon noch einmal extra auf Vinyl gebündelt. Aus Leipzig haben sich Good Guy Mikesh & Filburt, Sevensol & Bender sowie Boytalk an die Tracks gesetzt. Bei „Love Me“ fällt die musikalische Differenz am deutlichsten auf. Im Original ist das Stück eine ruhige soulig-poppige Ballade, mit organischem Band-Sound und richtigen Vocals. Sevensol & Bender lassen die fast gänzlich weg und konzentrieren sich auf einen in sich ruhenden und sanft schwebenden House-Track in dem sogar ein Sound auftaucht, der nach einem Theremin klingt. Sehr deep, sehr ausgeglichen, süß-melancholisch.

Toll, wie Good Guy Mikesh & Filburt dann in demselben Track etwas ganz anderes betonen – und zwar den Pop-Einschlag. Das klingt dann so, als würde Mikesh leibhaftig im Duett mit der Marbert Rocel-Sängerin singen würde – wunderbar. Toll auch, wie gedrosselt das Tempo über den gesamten Track durchgehalten wird. Dadurch behält „Love Me“ einerseits seinen balladesken Charakter, wird andererseits aber ganz behutsam auf den Dancehall geführt. Das ist eigentlich schon eine Cover-Version, so musikalisch und fernab der Funktionalität hier mit dem ursprünglichen Vibe umgegangen wird.

Boytalk haben sich mit „Chambers“ einen der balearisch tänzelnden Tracks von Marbert Rocel rausgesucht. Im Original schwingt mir da zuviel Kitsch mit. Der wird bei den Neu-Leipzigern mit einem Disco-Filter überzogen, was den Track geradliniger macht und ihm ein permanentes Augenzwinkern verleiht. Ob das Marbert Rocel auch so ironisch gesehen haben? Bei Boytalk bin ich mir nicht immer ganz sicher, ob die sich nun über diese Disco-Funk-Lässigkeit lustig machen oder es total ernst meinen. Ist vielleicht auch egal. Denn kaum einer ist darin gerade so konsequent.

Marbert Rocel Website
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Geschnitten Brot

Gerade eben mit Erstaunen entdeckt: Cutz.Me, ein neues Label aus dem Ornaments- und Rotary Cocktail-Umfeld. Und wieder ist Leipzig dabei – mit Map.ache und Mod.Civil.

Cutz.Me ist quasi ein persönliches Konzept-Label der Herren Martin Müller und Daniel Stroeter alias youANDme. Konzept daher, weil es ausschließlich deren Lieblingshits der beiden in neuen Edits und Remixen featuren soll. Und zwar auf eine etwas funktionalere Weise als die Originale. Das Interessante an dem Ganzen ist die Art wie hier verschiedene Labels aufgezogen werden. Ornaments als Sammlerstücke mit farbigem Vinyl und gestempelten Sleeves, Rotary als klassisches Label und nun Cutz.Me als Liebhaber-Ding zweier Typen.

„We want to present songs that we love, bought, edited, played out and which we have the feeling more people should know about them“, heißt es auf Discogs. Der letzte Punkt geht aber nicht ganz auf, denn die Platten sind limitierte White-Labels. Und ich könnte mir vorstellen, dass die Ortloff-Auflagen nicht viel niedriger sind als die von Cutz.Me. Ortloff kommt deshalb ins Spiel, weil bei Cutz.Me zwei Tracks von Map.ache und Mod.Civil auf Spur gebracht wurden, die vorher bei Ortloff schon zu hören waren.

Map.aches „The Fool“ erschien bereits im März dieses Jahres. Und youANDme haben dem ursprünglich wunderbar vertrackt, holprigen Track auf eine gerade Bahn gelenkt. Sehr ravig, besonders in den Breaks wird da viel hoch gepeitscht. Kurioserweise klingt der eine – jetzt stärker betonte – Chord wie diese Tuba-Sounds von Die Vögel. Hätte es aber eigentlich nicht unbedingt gebraucht.

Bei Mod.Civils „Cold Flowers“ dann das gleiche Spiel. Ein paar Elemente werden stärker akzentuiert, dem Beat werden die sympathischen Flausen entzogen. Dadurch werden amtliche Rave-Fanfaren daraus. Okay, beides sind nur Edits. Da fallen die Neubearbeitungen ja meist eher behutsam aus. Trotzdem: Naja!

Marko Fürstenberg „Counter Mode“ (a.r.t.less)

Oh, mir gehen langsam die Worte aus bei Marko Fürstenberg. Nicht dass seine Tracks an Reiz verlieren, aber sein Sound ist so homogen, das die neue EP auf a.r.t.less sich nahtlos in die vorherigen EPs einreiht.

Wie weit kann Dub-Techno noch ausformuliert werden? Das frage ich mich auch immer wieder bei den Statik Entertainment– und Instabil-Releases. Marko Fürstenberg bleibt ebenso unbeirrt. Und man kann es ihm nicht verübeln, weil diese Dub-Deepness einfach so etwas Zeitloses hat. Unglaublich eigentlich.

Im Prinzip macht sich aber das Zeitlose durch seine permanente Wiederaufnahme irgendwann selbst unnötig. Der Grat zwischen „Es ist alles gesagt“ und „Das geht einfach immer“ ist durchaus schmal. Dennoch: Es gibt einfach nichts auszusetzen an diesen beiden neuen Fürstenberg-Tracks. Was auffällt ist, dass seine EPs bei a.r.t.less immer noch ein wenig rauer klingen.

Da ist der Beat schleppender und das Rauschen zwischen den Tönen lauter. Der Maurizio-Wind weht hier einfach deutlicher. „071020“ ist dabei noch etwas verschlungener, Welt entrückter und rougher als „BBT“ auf der A-Seite. Zwei echte Fürstenbergs eben.

Marko Fürstenberg Myspace
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Talking To Turtles „Monologue Remixed“ (Analogsoul)

Hier der Beweis, wie leicht sich mit Remixen von Gitarrensongs Aufmerksamkeit in der Elektronik-Ecke erheischen lässt. Das Duo Talking To Turtles hat bisher an mir vorbei gespielt – mit der Remix-Version des aktuellen Albums hat sich das geändert.

Prinzipiell gäbe es keinen Grund für mich Talking To Turtles absichtlich verpassen zu wollen. Ihr leichtfüßiger, süß-melancholischer Folk-Pop berührt mich schon weitaus mehr als viele andere Gitarrenbands. Ich habe „Monologue“, das Referenzalbum für „Monologue Remixed“ dennoch nicht in seiner Gesamtheit gehört. Insofern kann ich jetzt nicht sagen, wie die Remixe im Bezug auf ihre Originale ausfallen. Vielleicht ist es aber auch ganz gut, denn bei solch einer Genre-Vermischung entstehen eigentlich immer zwei von einander unabhängige Varianten – ganz im Gegenteil von Techno-Remixen, bei denen meist nur bestimmte Akzente verschoben werden, nicht aber die grundlegende Richtung.

Bei „Monologue Remixed“ geht es dagegen sehr vielseitig zu. Allein der „Can’t Make My Day Mix“ von Christian Schöfer hat mehrere Gesichter – ein gutes, das am Anfang und am Ende im positiven Sinne nach Bodi Bill klingt. Dazwischen erliegt Schöfer aber der Versuchung einen Rave-Pop-Hit aus dem Song zu machen. Dick aufgetragene Mayday-Synthies machen leider alles kaputt. Auch wenn das Ende eben wieder versöhnlicher klingt.

Die Audiolith-Electro-Punk-Pop-Boliden Supershirt imitieren Pop mit ebenso großer Geste. So stelle ich mir die Versuche von Rock sozialisierten Musikern vor sich auf elektronische Musik einzulassen. Irgendwie alles zu überladen und zu poppig.

Stimmiger klingen da die durchdringenden Remixe von Me And Oceans, Touchy Mod, Wooden Peak, Trickform und Micronaut. Da wird die ursprüngliche Stimmung aufgegriffen und mit anderen musikalischen Elementen verknüpft. Da wird nicht ein eigener Sound drüber gelegt. Da wird mit dem Ausgangsmaterial gearbeitet – ohne eben der Grundstimmung die Luft zum Atmen zu nehmen.

Talking To Turtles Myspace
Analogsoul Website
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Sammeln oder hören?

„Last digital copies …warehouse find!“– so verlinkten Kann Records via Facebook am letzten Freitag auf einen MP3-Shop in dem die aktuelle EP digital verkauft wird. Eine wunderbare Persiflage auf eine große Frage.

Und die Frage geistert nicht erst seit Freitag im Raum: Macht die materielle Verknappung von Tonträgern Musik an sich wertvoller? Ich kann die Freude nachvollziehen wenn plötzlich ein paar Exemplare einer verschollenen Lieblingsplatte auftauchen. Oder wenn im Plattenladen wieder eine limitierte Edition da steht. Vinyl ist einfach auch ein Sammlerstück.

Doch oft genug habe ich mich ertappt, dass ich Platten kaufe, die mich als limitiertes Sammlerobjekt begeistern – musikalisch bewegten sie mich dann aber doch weniger als erwartet. Was heißt Limitierung heute überhaupt noch, wo viele Labels nur noch 500er-Auflagen pressen lassen. Geht es hier nicht um zwei verschiedene Dinge: Sammelleidenschaft für ein Tonträgerformat hier, Musik da. Bei Vinyl trifft beides zusammen, wird allerdings auch unheimlich mit Bedeutung überladen.

Ein Track als MP3 scheint weniger wert zu sein als auf Vinyl. Klar, bei Zero“ kostet eine Kann Records-EP etwa 4 Euro, im Freezone sind es 8. Da gibt es Kosten-Unterschiede. Aber die Musik ist in beiden Shops gleich gut. Oder gleich langweilig.

Im Internet gibt es keine Limitierung mehr. Es kann sie durch all die Rapidshares & Co auch gar nicht geben. MP3s lassen sich super schnell kopieren und weiter vertreiben. Auch die CD ist davor nicht gefeit. Liegt da letztendlich der Reiz vom Vinyl? Hier kann ein Tonträgermedium ohne Maschinenbau-, Chemie -oder Physikstudium nicht so einfach vervielfältigt werden.

Im Prinzip ist es das einzige Medium in dem eine Limitierung auch tatsächlich garantiert werden kann – außer ein Label lässt heimlich nachpressen. Und doch geht für mich diese Verbindung von Tonträger und qualitativer Bewertung von Musik noch nicht ganz auf. Da wird zu schnell das digitale Medium abschätziger betrachtet als eine limitierte Platte. Wie lange bewegen wir uns also noch in einer Übergangsphase?

Fotos
Vinyl: http://www.flickr.com/photos/carljohnson/
Stick: http://www.flickr.com/photos/littledebbie11/

Überraschung und Scham

Ich muss gestehen, dass ich Frankmans Label etwas aus den Augen verloren habe. Dabei hat sich die wackerste Deep House-Adresse von Leipzig noch einmal aufgerappelt und legte in diesem Sommer vier digitale EPs vor.

Es ist schon komisch, es wirkte in der Vergangenheit oft so als sei es um Frankman stiller geworden nach seiner Hochphase um das Album „Different Divides“. Der Blick auf seine Diskografie widerlegt dieses Gefühl jedoch unmissverständlich. Andreas Greiner Jr. ist nur niemand, der laut nach draußen posaunt.

In diesem scheint aber dennoch wieder mehr zu passieren: Allein drei EPs kamen in diesem Jahr schon von ihm heraus. Wobei „Selected Works Vol. 1“ eine dreiteilige Rückschau auf sein Schaffen ist. Drei Tracks aus der Zeit zwischen 2002 und 2007.

Mit „Sunset“ kommt ein neues Stück – ein Zwölf-Minuten-Epos, das ganz behutsam verschiedene Spannungsbögen aufbaut, sich insgesamt aber doch sehr homogen entfaltet. Das ist klassischer, deeper House-Stuff, der aber selbst in der derzeitigen House-Renaissance irgendwie etwas altbacken klingt. Im „Mwua Remixs“ – wahrscheinlich von Frankman selbst – gewinnt das Stück dann überraschend an Dynamik. Allein wie präsent und tight die Bassdrum ausbricht und selbstbewusst den leiernden Synthie-Flächen entgegen tritt. Das ist groß.

Wuttig-Reuter-MarbellaÜberraschend auch die EP „Marbella“ von Wuttig & Reuter. Dort hätte ich die beiden „Kommerzer“ aus dem Shooting Allstars-Umfeld, wie Jan Wuttig neulich sehr sympathisch Selbstironie bewies, nicht erwartet. Hier kommt aber ihre erste richtige eigene EP – bei Ostwind und Mancha Recordings teilten sich die beiden noch die EPs mit anderen.

Die FM-Verbindung ist übrigens schnell offenbart: „All tracks written and produced by Andreas Greiner Jr.“ steht in der Unterzeile. Wuttig & Reuter sind demnach eher die Kuratoren für ihre Tracks. Und da heißt es offensichtlich: Straightere Beats und etwas mehr Rave-Appeal. Eigentlich ziemlich spannend, wie in den zwei Tracks „Marbella“ und „Fuengirola“ zwei Herzen schlagen: Die bekannte Frankman-Deepness, und der Pre-Peaktime-Druck eines DJ-Duos zwischen Tresor, Nachtcafé und Charleston Nischwitz.

Das ist aber weitaus weniger aufgeladen und funktional aufgepimpt, wie man im ersten Moment vermuten würde. Dafür halten die beiden Gegenpole doch ganz gut die Balance. Für FM-Verhältnisse ist diese EP aber doch auch recht straight.

Marvin-Zeyss-HerzVor gut einem Monat erschien schließlich die letzte FM-EP – von dem Nürnberger Marvin Zeyss, der in diesem Jahr mit sechs digitalen EPs gestartet ist. Bei „Herz“ muss ich mich erstmals bei FM wirklich fremd schämen – der ganz leicht angeraute Tech-House-Mix ist okay, aber das Vocal zerrt diesen Track in die Afterhour des ZDF-Fernsehgartens.

Soulig-säuselnde Frauen-Vocals sind ja in House-Tracks ganz generell schwierig. Aber auch noch auf Deutsch? No way! Da hilft auch der Frankman-Remix nichts. Mit „Move On“ versucht es Marvin Zeyss dann noch einmal mit einem Männer-Vocal – auf Englisch. Aber wieder mit diesem unsäglichen Sex-Appeal, der House irgendwann vor zehn Jahren zu belangloser Lounge-Wohlfühlbeschallung hat werden lassen. Da fehlt jeder Crisp. Wuttig & Reuter sind Helden dagegen. Aber eigentlich fehlen mir die Worte, wenn ich an diese EP denke!

FM-Musik Website
Wuttig & Reuter Myspace
Marvin Zeyss Myspace
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Instabile Statik

Oh, die Überschrift klingt so negativ. Dabei gehören Statik Entertainment und Instabil bekanntlich zusammen. Im September bringen beide Labels zwei neue Veröffentlichungen heraus, die alles andere instabil und statisch sind.

Daniel Stefanik ist nach seinem überraschend ruhigen und experimentellen Album „Reactivity“ im Herbst 2008 ja recht schnell wieder ins Tagesgeschäft der geraden Bassdrums zurückgekehrt – wenn auch einerseits ungewöhnlich technoid auf Oh! Yeah! und Be Chosen und andererseits ungewöhnlich housig auf Kann Records und Bangbang.

Mit der Statik 34 wird einmal mehr klar, dass dieses Label ein Rückzugsort für Stefaniks dunklere und roughere Seite bleibt. „Transmediale“ ist spannungsgeladener Track, der die klangliche Offenheit und die rhythmische Eleganz von Minimal mit dem rauen Charme von Techno in Einklang bringt.

Besonders in den Phasen, in denen schmutzige, hektisch umher wirbelnde Acid-Sounds den Sound dominieren klingt der Track wie eine Zeitreise zu den Techno-Anfängen.

In der „Reshape“-Version verdichtet Stefanik den Tracks und reduziert ihn damit so sehr aufs Wesentliche, dass er sich mühelos über 11 Minuten ausbreiten kann, ohne an Spannung einzubüßen. Einen ganzen Tick besser finde ich das Reshape dadurch.

Instabil-File-Under-Dub-3Der „Transmediale“-Platte beigelegt ist übrigens die neue Instabil-Compilation. Wieder ist sie voll gepackt mit Künstlern, die in der Dub- und Netlabel-Szene wahrscheinlich schon eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, die mir aber doch wenig sagen. Dubatech, Näköradiomies und P.Laoss ausgenommen.

In der Gesamtheit fällt sie dieses Mal sehr breit gefächert aus. Der reine Dub-Techno taucht nur noch bei der Häfte der Stücke auf. Stattdessen werden die Dub-Elemente behutsam in anderen Kontexten hörbar. Bei Fischerle, Ozka, Pandemrix und P.Laoss ist es eher House. Das ist nachvollziehbar, weil auch Dub-Techno irgendwann an seine kreativen Grenzen kommt.

Zwei Tracks stechen für mich am meisten heraus. Einmal „1111“ von Smiling Faces. Diese anskizzierte, latent euphorische Detroit-Rohheit hat mich schon bei Actress geflasht. Hier tut sie es ein weiteres Mal. Genau in die andere Richtung zieht das Stück von Time For Trees feat. Layden Bryant – ähnlich der Burial-Reihe von Rhythm & Sound wird hier der direkte – unheimlich bassstarke – Schnittpunkt zwischen gedrosseltem Techno und Dub herausgearbeitet.

Instabil bleibt also in Bewegung und auf weiterhin hohem Niveau digital unterwegs.

Instabil Myspace
Statik Entertainment Myspace
Daniel Stefanik Facebook
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Dan Drastic & Andreas Eckhardt „Help EP“ (Rrygular)

Dapayks Label Rrygular hat ja schon des Öfteren die Fühler nach Leipzig ausgestreckt. Anfang August war es wieder soweit und es brachte eine überraschende Kollaboration hervor.

Überraschend einmal, weil es den Distillery-Resident Andreas Eckhardt erstmals auch als Producer offenbart. Und überraschend, weil es Dan Drastic von einer sehr technoiden Seite zeigt. Die „Help EP“ ist nebenbei ein Verweis auf die gemeinsame Party-Reihe im Sweat und Café Waldi.

Der Titel-Track marschiert ziemlich großspurig los, behält aber trotz der klaren Richtung eine subtil-rauschende Spannung. Selbst das Vocal ist alles andere als anbiedernd. Das klingt nicht nett, das will eigentlich nicht bei Tageslicht auftauchen. Auch die schroffen Chords suchen die Dunkelheit. Doch es passt. Der Drive, das Spiel mit Funktionalitäten und Brüchen.

Der Dan Drastic-Remix von „Help“ überrascht dann fast noch mehr, legt er doch an Druck und roughen Sounds noch zu. Das können auch die Perkussions und die leicht housigeren Chords nicht abfedern. Solchen Techno hätte ich von Dan Drastic nicht erwartet, umso mehr freut der neue Blick.

Auf der B-Seite wird es dann ruhiger und minimaler – „Enjoy“ setzt auf abgefederte Beats und legt den Fokus stärker auf das Vocal und die Chords. Genau das Gegenteil der anderen Seite. An sich nicht schlecht, nach dem tighten Höhenflug von eben aber ein harter Kontrast.

Vielleicht muss man beide Seiten aber auch einfach getrennter von einander sehen. Denn zusammen mit „Thank You For Traveling“ bleibt die B-Seite stimmig. Etwas mehr Tempo und etwas positiven Appeal hat das Stück zwar, aber in seinem minimalistischen House-Gewand passt hier hin. Und es bildet den Link zu dem Sound, den ich sonst von Dan Drastic kannte. Mal sehen wie sich Andreas Eckhardt entwickelt.

Rrygular Website
Dan Drastic Myspace
Andreas Eckhardt Myspace
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Sieben Inch

Die 7“ – was für ein schönes Format für kurze, schnittige Tracks, die schnell raus wollen. An diesem 1. September sind gleich drei neue 7“-EPs mit einem Leipzig-Stempel herausgekommen.

Die erste 7“ in diesem Trio der ungeraden Beats kommt von LXC. Dieses Mal bei dem Hamburger Label Sozialistischer Plattenbau, wo er schon im letzten Jahr auf einer 7“-Split zu hören war. Jetzt also eine eigene Platte mit zwei Tracks, deren Entstehung überraschend offen dokumentiert wird vom Label, wohl auch weil sie beide so eng mit einander verknüpft sind.

„Lyzerk“ entsprang einem Zusammenspiel von der Acidlab Bassline, Vermona DRM und Alpha Juno 2. „Lyzwerk“ wurde dann durch einen Wolf aus Roland 606 und SH-101 gejagt. Geiles Fachsimpeln, bei dem allein schon das Nachsprechen der Worte ein gutes Gefühl bringt. Beim bloßen Hören der Tracks denke ich hingegen an kleine, widerspenstige Acid-Monster, die sich langsam und holprig bewegen – vor einem hallig-sakralen Hintergrund.

„Lyzwerk“ klingt einerseits kompakter und von den Beats her mächtiger, zugleich durch die Delays aber auch zerfranster. Dagegen ist „Lyzerk“ richtig klar abgesteckt in seinen Sounds. Nach drei vier Minuten ist auf allen Seiten Schluss. Damit ist aber auch einfach mal alles gesagt.

Solo-Banton-Maffi-NoJahtari hat sich mit der Maffi-Serie über die letzten Jahre hinweg eine tolle Plattform für Pop-Hits aufgebaut. Jetzt gibt es eine Doppel-Nummer mit Solo Banton. „No“ hat neben tiefer Stimme und tiefem Bass einen Hauch Disco-Glitzer angelegt. Komischerweise schimmert der an manchen Stellen auch bei „Dancehall Nice Again“ hervor. Ist das alles ein Thema? Eine Session?

Auf jeden Fall ist Solo Banton hier nicht allein. Er wird von Trevor Irie am Mikrofon unterstützt – mit einem sehr smoothen Gesang im Refrain. Der bringt eine gewisse Trägheit in das Stück rein, das sonst ordentlich Dampf hat. Die Disrupt-Versionen der beiden Stücke gefallen mir dann beinahe noch besser. Gerade bei „No“ ist der Sound sehr kompakt und angenehm weich gezeichnet. Außerdem ist es alles weniger hektisch, weil der Gesang fehlt.

Jahtari Website
Sozialistischer Plattenbau Website
LXC Myspace
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