Rundumschlag

Ein wilder Mix wieder einmal in diesem Rundumschlag. Zum Scheuklappen absetzen und Entdecken. Mit dabei: Kolortown, Bigalke & Sunset und Kassem Mosse.

Various Artists „Think And Change“ (Nonplus Records)

Los geht es mit Kassem Mosse. Vor einem Monat läutete er zusammen mit Label-Chef Boddika eine Sampler-Reihe namens „Think And Change“ beim britischen Nonplus Records ein. Damals stand auch schon ein 5-fach-Vinyl-Boxset im Pre-Order-Bereich. Nun ist sie draußen und Kassem Mosse findet sich wieder zwischen Joy Orbison, Four Tet, Martyn, Pearson Sound, Instra:mental & dBridge.

Ihr könnt diesen Satz jetzt gern noch einmal lesen. Große Compilation mit einem jener Kassem Mosse-Tracks, die sich vom Dancefloor davon geschlichen haben, um im lichtarmen, kargen Ambient- und Dub-Keller nach dem Rechten zu sehen. „IP Mirrors“ ist auf verstörende Art sakral, mit fiesem Quietschen und tiefem Hallraum. Zwischen all den sehr guten Dancetracks dieser Compilation der Ruhepol.

NACHTRAG: Es ist auf der Compilation übrigens auch ein Track von Ron Deacon dabei, im Remix von Lowtec. Da haben die Briten von Nonplus nicht richtig aufgepasst. Auf dem Backcover steht nämlich nur Lowtec drauf. Ohoh.

Kolortown „Sound Is Coming Part 3“ (Kyoto Inc.)

Eine Etage höher in der Dub-Lounge spielen Kolortown den dritten Teil ihrer „Sound Is Coming“-Reihe. Dem dänischen Trio um die Producer Jakob Ivarsson und Theodor Zox schenkte Statik Entertainment vor zwei Jahren quasi ein eigenes Sub-Label. Noch immer suchen sie nach neuen, poppigen Nuancen von Dub-Techno und Dub.

Neu ist aber auch ein stärkerer Reggae-Bezug bei „Inside The Machine“ und „Waiting“ zu hören. Dann klingen Kolortown sehr nach den frühen Massive Attack. Durchaus gewagt bei einer derart perfekt ausformulierten Vorlage. Auch wenn Kolortown mit allem versiert umgehen und die Anfänge dieses Sounds über zwanzig Jahre zurückliegen. Nur „Terrified“ überspannt die Gefälligkeit in den Vocals.

Bigalke & Sunset „The Fact EP“ (Basssport Music)

Georg Bigalke und Simon Sunset machen mit ihrem gemeinsamen Projekt einen Ausflug weg von Esoulate Music. In den Südwesten, zu Basssport Music geht es. Das Label um eine gleichnamige Radiosendung hatte im letzten Herbst auch schon eine EP des Leipzigers Stanley Hottek veröffentlicht. Submit Records hat er mitgegründet.

Bigalke & Sunset bleiben Techno, bei „The Fact“ aber sogar noch eine ganze Spur reduzierter. Um die mächtig durchrollende Bassdrum gruppieren sich nur ein paar dezent eingeschobene Sounds und ein Vocal-Sample. In seiner rauen Dunkelheit der bisher überzeugendste Track der beiden.

Klima, ein weiteres Leipziger Techno-Urgestein remixt „The Fact“. Er behält zwar das Tempo gleich, verdichtet das Stück aber stärker. Dem Original völlig ebenbürtig. Belanglos dagegen der Pablo Caballero. Ohne Reibung und mit schlimmen Rave-Breaks.

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Cajuu „Whispering“ (Avida Music)

Erst silbermeliert, nun lila – Avida Music, das Label von Marco Marset hat die zweite EP veröffentlicht. Von zwei Jungs, die zwischen den Flüssen leben.

Eisenhüttenstadt ist damit gemeint, die Heimat des Duos Cajuu. Noch nie vorher gehört, aber bei Soundcloud haben sie immerhin über 13.000 Follower. Eisenhüttenstadt ist nicht sonderlich groß, und so gehören sie auch zum dortigen Label Kleinstadtfeeling auf dem Mittagskind schon zu einer EP kam.

Nun aber zurück zu Avida Music. Ein Label, das sich einerseits der Deepness verschreiben mag, sich andererseits bisher eher an den ravigen Ausläufern des Tech-House bewegt. Cajuus „Whispering“ ist eine eindeutige Rave-Ansage, im zu effekterheischenden Sinne. Insofern verwunderlich, weil das Duo bei den anderen Tracks auf Soundcloud wesentlich zurückgenommener klingt.

Wie bei der ersten Avida-EP ist auch hier wieder ein namhafter Producer als Remixer eingeladen. Nach Tolga Fidan nun der Rumäne Mihai Popoviciu, der dem Original die raumgreifende Fülle im Sound nimmt. Entschlackter, perkussiver, leider nicht retten könnend.

Als Digital-Bonus geht auch Label-Chef Marco Marset an „Whispering“. Er zieht die Rave-Chords weiter ins Dunkle, bleibt dem Großraum-Vibe aber treu.

So richtig ist mir nicht klar, wo Avida Music eigentlich hin möchte. Okay, selbst die einst roughen Briten wie Scuba und sein Hotflush Recordings holen zunehmend weiter aus mit ihren Tracks. Aber da findet sich meist doch ein Bruch in eine bestimmte, abwegige Richtung. Die höre ich auf „Whispering“ allerdings nicht.

Avida Music Facebook
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Falk Golz „Freedom Is The Passion“ (MonoKrak)

Falk Golz bleibt seinen Netlabel-Wurzeln treu. Drei neue Tracks mit Detroit-Patina kamen neulich über das Genfer Label MonoKrak heraus.

Eine kurze Erinnerung, denn es gab länger nichts über ihn zu berichten: Falk Golz ist der Typ, der bislang einige Net-EPs mit erstaunlich reifen und oldschoolig klingenden Tracks hervor brachte, dann unter seinem Pseudonym Falke bei Kann Records eine waghalsige, leicht nervende EP veröffentlichte und als Pandemrix 202 auch bei Instabil auftauchte.

Musikalisch ist Falk Golz tief drin im Detroit der Achtziger und frühen Neunziger. In einer ganz angenehm unprätentiösen Weise. Die aktuelle EP setzt ebenfalls dort an, wo der musikalische Futurismus und die damit verbundene Melancholie einst so hell schillerten.

Die Basslines rattern analog, während sich im Hintergrund harmonische Synth-Chords weitläufig ausbreiten. Immer ein wenig eingedunkelt, egal ob ein Track so straight schiebt wie „Freedom Is The Passion“ oder sich vertrackter nach vorn bewegt wie „386 People exe“.

Fast hätte ich vergessen, welch ein Geheimtipp Falk Golz eigentlich ist. Da soll bitte noch mehr kommen. Vorhören ist nicht, hier lässt sich die EP aber gleich herunterladen.

MonoKrak Website

Jahtari-Frische

Wie erfrischend Jahtari-Platten nach längerer Pause klingen. Auch wenn der letzte Doppelpack erst ein halbes Jahr zurückliegt.

Vielleicht kommen die beiden neuen EPs auch einfach in einem richtigen Moment, ganz persönlich gesehen. Zwei 12″-EPs hauen Jahtari auf einmal raus, am gleichen Tag. Einmal von Tapes aus London, einmal von Monkey Marc aus Melbourne, zweimal digitaler Laptop-Reggae also aus zwei verschiedenen Himmelsrichtungen.

Und besonders Monkey Marcs Mischung aus HipHop-Lässigkeit und Dub-Schlurfen kommt so selbstverständlich rüber, dass man sofort mitwippt. In drei Tracks einfach mal zwei Welten umarmt. Disrupt nimmt sich auf der B-Seite Roots Manuvas „Who Goes There“ als Dub vor – mit der ihm so eigenen 8Bit-Sprödigkeit. Das Original hatte übrigens Monkey Marc produziert. Etwas düsterer und verschlungener sein „Destruction Dub“.

Bei Tapes klingt Jahtari wieder in seiner Reinform durch. Schwingend, leuchtend, auf gute Weise antiquiert, durch und durch positiv gestimmt, aber immer ohne ins Niedliche und Naive zu geraten. Auch auf dieser EP versteckt sich der Dub eines anderen Hits: hier ist es Vernon Maytones „Old Pan Sound“. Jahtari-Pop. Ist das schon der Frühling?

Vorhören ist nur hier und hier.

Jahtari Website
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Die Poll-Nachlese

Vorbei vorbei, die Gewinner der Goldenen Yvonne stehen fest. Wir haben ein Video von der Verleihung und ein paar Worte zu den Ergebnissen.

Über 900 Leute haben bei der zweiten Abstimmung mitgemacht, eine Verdreifachung zum vergangenen Jahr. Da fallen die Rangplatzierungen teilweise schon entscheidender aus, nicht nur durch eine ein paar Stimmen mehr oder weniger.

Die großen Überraschungen blieben dieses Jahr aus. Aber in dem vermeintlichen Einerlei gibt es durchaus etwas Positives: es konsolidiert sich scheinbar gerade ein Kern an Labels und Künstlern, der für die künftigen Strukturen in Leipzig wichtig sein wird. Strukturen, die andere ermutigen und mitziehen, die Netzwerke erleichtern, die vielleicht aber auch die ein oder andere Dichotomie verschärfen.

2012 war zweifellos ein großes Jahr für Daniel Stefanik und die Distillery. Micronaut zeigt darüber hinaus aber, wie wichtig die Neu-Leipziger sind. Musikalisch brachte er eine neue Note in die Stadt und die wurde in gleich fünf Kategorien in die oberen Bereiche gewählt. Was sich jedoch auch 2012 kaum verändert hat: die House- und Männer-Dominanz im Allgemeinen, entsprechend spiegelt sie sich auch in den Ergebnissen wider.

Großen Dank an Donis für die eigens geschriebene Ode an die Goldene Yvonne – am Sonnabend im „Skyfall“-Playback vorgetragen. Ein Haken gegen all die Ernsthaftigkeit, mit der sich so gern an den Genre- und Szene-Gräben beäugt wird. Die Goldene Yvonne ist nach wie vor ein ernst gemeinter Spaß, ein Barometer für Tendenzen, nicht für Wahrheiten. Und noch immer eine wunderbare Reibefläche für gepiesackte Eitelkeiten.

Und an dieser Stelle noch einmal ein Danke an: It’s Yours, wieder die Gewinner in der Kategorie „Beste Kooperationspartner“. Und an Peter Paasch für den Video-Mitschnitt.

Die Goldene Yvonne Website

Panthera Krause „Yorikke EP“ (Riotvan)

Mit etwas Verspätung kommt sie in diesen Tagen offiziell heraus – die erste komplette Panthera Krause-EP. Auch für Riotvan ist es eine Premiere.

Dass Robert – Panthera – Krause, sonst eher von Marbert Rocel bekannt, auch solo arbeitet, war im letzten Jahr bei O’RS zu hören. Da debütierte er mit seinem Track „Cassandra“. Riotvan legt drei weitere nach. Mit ähnlicher Leichtigkeit eingefärbt wie schon die letzte Riotvan-EP von Good Guy Mikesh & Filburt.

Panthera Krause nimmt viel von seinem Marbert Rocel-Background auch solo mit rein, aber mehr für den Dancefloor gestreckt. Die Soulwärme und deepe Musikalität bleiben erhalten. Auch die entspannte Haltung. Heimlicher Hit ist „Summer Breeze“, trotz des Saxofons. Aber das Zusammenspiel aus dem layerhaften Piano-Chord und der extrawarmen Bassdrum bringt eine Menge angenehme Melancholie hervor. Besonders bleiben die jazzigen Breaks hängen, herrlich zerfasert.

Mit „Smmr Brz“ gibt es ein reines Piano-Da-Capo als Ergänzung. Good Guy Mikesh pusht in seinen Mix des Tracks all sein Pop-Appeal rein, mit eigenen Vocals und weitaus offensiveren Ansatz. Lake People ist ebenfalls als Remixer mit dabei, unter seinem Alias Llewellyn geht er behutsam an „Fews“ heran, indem er dem Original die Disco-Kanten nimmt.

Eine Boutique-Liebhaber-Platte im besten Sinne. Mit einem von Panthera Krause selbst gestalteten Cover.

Riotvan Website
Panthera Krause
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Meier & Erdmann „Toxic Scythe“ (Alphacute / Moniker Eggplant)

Oh, mir war gar nicht so bewusst, dass bei der 7″-Serie Alphacute der Label-Split-Charakter so wichtig ist. Die neue Platte entstand dieses Mal zusammen mit dem Berliner DIY-Label Moniker Eggplant.

Giftgrün ist sie, wie immer bei Alphacute sieben Zoll groß und wie bei der letzten Platte auch wieder mit einem Cover von Iska Kaek umhüllt. Berlin und Leipzig sind auch die Städte aus denen Meier & Erdmann kommen. Beide eher aus einem Rock-, Jazz- und Pop-Background. Irgendwann mochten sie aber lieber mit elektronischen Geräten jammen und ab und an auch mal ein echtes Instrument mit einspielen.

Genau diesen Clash hört man dem zweiteiligen „Toxic Scythe“ an. Geschredderte Jazz-Orgeln, Funk im Acid-Pelz, analoge Stolpersteine und zwischendrin tatsächlich ein Britney Spears-Sample. Darf bestimmt keiner wissen. Vielleicht ist sie es auch nicht, klingt aber so. Insgesamt also eine verstörend-faszinierende Symbiose von zwei sich sonst eher skeptisch beäugenden Soundwelten.

Die Verbindung beider Labels kam übrigens schon im letzten Herbst zum Vorschein, wenn auch nicht hier. Aber bei der Compilation „Mashed Eggplants“ waren auch Stücke von Jakin Boaz und LXC enthalten.

Moniker Eggplant Website
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Soundforschungen in Lindenau

Blackred ist längst nicht allein mit seiner Liebe zum sphärischen, futuristisch anmutenden Electro-Sound hier in der Stadt. Seit letztem Sommer ist Yuyay auf ähnlichem Kurs unterwegs.

Mythen sind das große Ding im weiten Feld des Electro. Kryptische Zeichen und Theorien, retro-futuristische Reisen, unbekannte Künstler mit verschlungenen Label-Strukturen. Yuyay Records macht mit bei der Mythenbildung – aber nicht im Irgendwo, sondern in Lindenau. Im August veröffentlichte das Label erstmals eine EP via Bandcamp. Im Oktober die zweite, soeben die Dritte.

Scheinbar immer von anderen Künstlern, Investigators bei Yuyay genannt – Rey Y. Pastor, Gottfried Y. Leibniz, Sophus Y. Lie. Ohne das Label-Y. allesamt große Mathematiker aus vergangenen Jahrhunderten. Yuyay ist nun eine musikalische Verneigung von Yskay’ntikuna – wörtlich: zwei Sonnen –, „einem sagenumwobenen, ausgestorbenen Stamm von vorzeitlichen Wissenschaftlern und Mathematikern, deren Erforschung durch die Musik von Yuyay vorangetrieben und interpretiert wird“. So ist es dem Label-Betreiber zu entlocken.

Ein obskures Gesamtwerk also mit ehemaligen, sonnenanbetenden Superwissenschaftlichern, bei dem auch die Grafik passend reinspielt. Nicht nur, indem die Cover wie Vinyl-Etiketten aussehen. Musikalisch gleiten die drei bisherigen EPs auf analog klingenden Pfaden, entlang von Detroit Electro, Ambient, Electronica und House. Alles im Abtauchmodus mit verspielter und mäandernder Musikalität und in irgendwie entrückter Weise.

Eine wohltuende Überraschung im Bandcamp-Dschungel, auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Mythen-Dosierung nicht doch zu stark ausfällt, um sich darin fallen lassen zu können. Vielleicht fehlt mir aber auch der mathematische Kick im Kopf.

Yuyay Records Website

Sable Sheep „Keep It Rough“ (Moon Harbour Recordings)

Eine rasante Release-Taktung legt Moon Harbour mit seinem Digital-Ableger vor. Zwei Wochen nach Philip Bader kommt die nächste EP.

Sable Sheep – schwarzes Schaf, nee, ein schwarzes Schaf ist er nicht. Jüngster Teil des Moon Harbour-Booking-Rosters dafür. Nach drei EPs auf Be As One kamen jetzt vier Tracks eben auf Moon Harbour heraus. Und was sofort auffällt sind der füllig-basslastige Sound und die für Moon Harbour ungewohnt deutlichen Rave-Schwingungen.

Zwei doch sehr eindringliche Stücke hat Sable Sheep parat. „Keep It Rough“ mit seinem filigranen Piano-Interlude in der Mitte und den schiebenden Rave-Chords zum Schluss hin. So klar gebaut, aber durch die wunderbar rollende Bassline irgendwie deep geerdet. Bei „All The Devils Are Here“ ist die Floor-Ansage noch unmissverständlicher, aber auch etwas düsterer.

Unglaublich, wie Sable Sheep einerseits die Bässe hier hochpumpt, andererseits aber die Bodenhaftung behält. Nur einmal hakt es: Der leiernde Chord bei „Myrrh And Blood“ klingt doch sehr nach versteckter Euro-Dance-Kraftmeierei der Neunziger.

Und es gibt eine aktuelle Ausgabe des Moon Harbour-Radios mit Sable Sheep. Hier entlang.

Moon Harbour Website
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Leibniz „s/t“ (Fairplay Records)

Mod.Civil sind Fans, wir sind auch nicht weit davon weg nach dem Hören seiner wahrscheinlich ersten EP.

Mit Weißwurst und Brezel sitzt er auf der Alm, der Sonne entgegen blinzelnd – auf diesem einen Pressefoto. Leibniz ist 22, kommt aus Dillingen an der Donau, lebt nun in Leipzig und sein Soundcloud-Profil ist gut gefüllt mit ungeschliffener, analoger House-Schwelgerei. Anfang Februar formte sich daraus eine erste selbstbetitelte EP auf dem Berliner Label Fairplay Records, einem „super independent music label, strictly focussing on debut releases of yet undiscovered artists“.

Drei Tracks sind darauf, bei denen es wenig wundert, das Mod.Civil sie mögen. Denn die Ansätze sind ähnlich in ihrem flirrenden, melancholisch schwingenden Drive. Die HiHats rasseln, die Bassdrums kommen extra trocken. „Monatskarte“ dreht eine eigene Runde in ruhigere Gewässer mit tollen Field Recordings im Ausspann – „du bist so dumm“. Eine echte Perle für die Kopfhörer.

Und der Rest sind Perlen für den Floor. Eine Klavierausbildung liegt hinter Leibniz, das erklärt durchaus die hohe Musikalität seiner Tracks. Und Leibniz scheint gut vernetzt – Review bei Resident Advisor, MP3-Feature bei XLR8R, einige Radio-Airplays. Also: erster Anwärter auf den Leipzig-Newcomer des Jahres.

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Modern unterwegs

Modern Trips mit einer Kassette? Klar, meint das gleichnamige Label, das sich nicht nur auf Musik beschränken mag.

Vor wenigen Tagen erst habe ich Modern Trips entdeckt. Weil ein Link zu eben jener Kassette mit zwei Mixen von Rekorder aus dem Blackred-Umfeld und Subkutan & T.I.N. von der Party-Reihe Vertigo auch meine Aufmerksamkeitsbahnen kreuzte. Die Website dahinter macht aber schnell deutlich, dass sich Modern Trips auf verschiedenen Wegen ausdrücken wird.

Vor dem Tape entstanden Shirts und Pullover mit Siebdruck-Motiven. Alles in Schwarz-Weiß und illustrativ und handgemacht. Verschlungene Gesichter, Würmer, bald auch ein Soldat – der Assoziationsraum ist weit geöffnet und für jeden selbst auszufüllen. So wünschen es sich die Macher dahinter. Gerade bei den Textilien ginge es eher ums Thematisieren als Positionieren. Mit den folgenden Motiven dürfte diese Linie auch noch klarer werden.

Bei den Mixen geht es dagegen um das Ausloten von Kontrasten. Verschiedene Sounds von ausgewählten DJs auf einer Kassette. Und in diesem zweiseitigen Zusammenhang sollen sich bestenfalls auch die – wenn auch im ersten Moment wenig offensichtlichen – gemeinsamen Schnittstellen offenbaren können. Scheu vor Grindcore und Techno auf einem Tape haben die Modern Trips-Betreiber jedenfalls nicht. Sofern es vom Sound her passt.

Die Tape-Reihe wird auf jeden Fall fortgesetzt. Andere Ideen kreisen auch in den Köpfen, sind aber noch nicht spruchreif. Ein guter Anlass, den eigenen Kassettenrekorder wieder zu entstauben, um dem DJ-Mix einmal anders zu begegnen als es im täglichen Podcast-Update-Overkill mittlerweile passiert.

Modern Trips Shop
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The Micronaut „Bootsmann auf der Scholle“ (3000 Grad)

Bootsmann Micronaut ist wieder einmal raus aufs Meer. Mit auf der Scholle sind auch Lake People und Map.ache.

Ein Jahr ist es her, dass Micronauts erstes Album „Friedfisch“ herauskam. Und schon da zog sich der maritime Charme seiner mecklenburgischen Heimat wie ein roter Faden durch die Titel seiner Tracks. Bei „Bootsmann auf der Scholle“ bricht es etwas auf. Denn „What Else“ ist kein Fisch. Dafür trägt das Stück einen erstaunlich gerade gezogenen Pop-Appeal in sich.

Vertiefte sich „Friedfisch“ in überraschenden und teilweise überladenen Wendungen zwischen Electronica und House, geht dieser neue Track schnurstracks auf den Dance-Pop-Floor. Da wo auch Hot Chip spielen. Inklusive Filter-Vocals, schlanken Piano-Chords und warmfelliger Bassline. Haarscharf am Kitsch entlang, aber doch irgendwie auch packend. Mollono.Bass pumpt alles ein wenig auf und erhöht die Sanftmut gleich mit.

Die B-Seite widmet sich schließlich noch einmal „Friedfisch“. Lake People und Map.ache remixen zwei Tracks davon. Beide nehmen die rhythmischen Kanten heraus und vereinnahmen „Mairenke“ und „Rotfeder“ mit ihren eigenen Handschriften. Schwebend und flirrend, schöne House-Momente.

Übrigens auch checken: Micronauts Stadtteil-DJ-Mixe. Nach Schleußig und Lindenau hat kürzlich auch Connewitz seinen Mix bekommen.

Micronaut Website
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