Boddika & Joy Orbison / Kassem Mosse „Think & Change Album Sampler 1“ (Nonplus Records)

Nonplus scheint in diesem Frühjahr eine größere Reihe mit Boxset und einzelnen Split-EPs rauszubringen. Kassem Mosse ist auch dabei.

Neben Workshop und Mikrodisko ist das Londoner Label Nonplus ja quasi die dritte Konstante in Kassem Mosses bisheriger Diskografie. Bei der „Think & Change“-Reihe ist er gleich zu Beginn mit dabei. Mit einem strauchelnden und sägenden House-Track namens „Broken Patterns“.

Dicht gestrickt klingt er, obwohl er mit nur wenigen, verhallten Sound-Schichten auskommt. Und wieder toll, wie sich aus der eigentlichen Kühle ein kleiner sehnsüchtiger Schimmer herausschält.

Auf der anderen Seite ist übrigens ein gemeinsames Boddika & Joy Orbison-Stück. In bester Gesellschaft also und mit Namensremix von Kassem Mosse auf dem Cover. Im März soll noch ein 5-Vinyl-Box-Set herauskommen.

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Die Goldene Yvonne 2012

Verspätet, aber nun doch online: Die Goldene Yvonne, der gemeinsame Leserpoll von It’s Yours und frohfroh. 16 Fragen sind es dieses Mal und ein etwas anderer Ablauf.

Okay, es ist Anfang Februar, wen interessiert noch 2012? Uns, und wir bleiben bestimmt nicht die einzigen. Also sind wir natürlich super gespannt, was euch 2012 am besten gefallen hat. Bei der Abstimmung gehen wir dieses Jahr neue Wege, zweigeteilt – erst offen, dann später konzentriert auf die gewählten 10 Favoriten einer Kategorie. Ihr nominiert eure Helden erst, und entscheidet dann, wer der Oberheld wird.

Die Details findet ihr auch noch einmal auf der Poll-Seite selbst. Am 2. März werden die Ergebnisse dann wieder live von Donis im Ilses Erika präsentiert. Nicht früher! Infos zum Line-up folgen noch.

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Einen großen Dank an die Verlosungspartner. Folgendes haben wir für alle Teilnehmer zusammengestellt:

1 x Johann S. Disco Shirt von Moon Harbour (Unisex in der gewählten Größe)

2 x Gutschein für Cotton Box in der Kochstraße, jeweils im Wert von EUR 25,-

1 x Ortloff-Labelpaket (John Barera, Deko Deko, QY)

2 x 1 Kinokarte für die Kino-Aufführung von „20 Jahre Distillery“ (Termin noch tba)

1 x Siebdruckplakat von Iska Kaek zum „Ulfo“-Album von Map.ache (aus der ersten auf 30 Stück limitierten Edition)(gesponsert von Kann Records)

3 x frohfroh-Beutel

2 x It’s Yours-Shirts

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Um noch einmal einen groben Überblick zu geben, was 2012 alles veröffentlicht wurde, gibt es hier die bei frohfroh vorgestellten Alben und EPs zusammengestellt und entsprechend verlinkt. Damit nicht doch noch eine Perle untergeht.

ALBEN & COMPILATIONS

Micronaut „Friedfisch“ (Acker Records)
Pentatones „The Devil’s Hand“ (Lebensfreude Records)
Here Is Why „HRSY“ (Riotvan)
Marbert Rocel „Small Hours“ (Compost)
Webermichelson „Album“ (No Label)
Various Artists „Jahtarian Dubbers Vol. 3“ (Jahtari)
Various Artists „Closed Expansion“ (Resistant Mindz / Cascade Records)
Various Artists „Moon Harbour Inhouse Vol. 4“ (Moon Harbour Recordings)
Daniel Stefanik „Confidence“ (Cocoon Recordings)
Praezisa Rapid 3000 „314159265“ (Noble)
Brockdorff Klang Labor „Die Fälschung der Welt“ (ZickZack)
Various Artists „SVS Sampler“ (Mayolove Music)
Various Artists „Tetsampler 2012“ (Tetmusik)
Klinke Auf Cinch „Highs & Hills“ (Analogsoul)
Map.ache „Ulfo“ (Kann Records)

EPs

Ron Deacon „Flying High“ (Team Records)
Deephope „A Day In Japan“ (FM Musik)
Jakob Altmann „KL007437“ (Statik Entertainment)
Jakob Altmann „The Depth Of Ceres“ (Instabil)

PorkFour „v/oct“ (Ortloff)
Various Artists „Soundprescription“ (Instabil)
Various Artists „File Under Dub #4“ (Instabil)

Dan Drastic „Noodle Stories“ (Moon Harbour Recordings)
Here Is Why „Waiting For The Sun“ (Riotvan)
Various Artists „Various Two“ (Rose Records)
Daniel Stefanik „Dambala Experience #2“
Udo Blitz „Salamitaktik“ (Oh! Yeah!)
Arado & Marco Faraone „Goodfellas“ (Moon Harbour Digital)
Wintermute „Out Of Scale“ (Katakis Recordings)
Juno6 „Pablo/Psycho Girl“ (Stretchcat)
Juno6 „Devils From Darkonia“ (Broque)

Connwax 01 (Connwax)
MM/KM „s/t“ (The Trilogy Tapes)
Me And Oceans „The Pond“ (Analogsoul)
Helly Larson & Deep Spelle „Trapped In Love EP“ (FM Musik)
Felipe L „Too Sexy Music“ (FM Musik)

John Barera „Mile End“ (Ortloff)
Hartmut Kiss „Flaming Passion“ (Definition Records)
ONNO „Paragroove EP“ (Moon Harbour Recordings)
Sven Tasnadi & Juno6 „Mulm“ (Oh! Yaeah!)

Lake People „On EP“ (URSL Records)
Various Artists „1700“ (O’RS)
Various Artists „Zugpferd EP“ (Esoulate)

Mix Mup „Drive-by“ (Mikrodisko Recordings)
Luna City Express „The Next Level“ (Moon Harbour Recordings)
Various Artists „Warehouse Vol. 2“ (Cargo Edition)

Wright & Bastard „Augmented Mind“ (Digitalgewitter)
Neonlight & Mefjus „Puppet Master/Hot Glue“ (Eat Brain)

Wuttig & Reuter „Broken Up“ (Tiefenherz 50)
Metasound & Lucius14 „Devoted“ (Break The Surface)

Here Is Why „HRSY Perspectives“ (Riotvan)

Martin Hayes „Stretchin’“ (Lazare Hoche)
Sven Tasnadi „Motore Grande EP“ (Cargo Edition)
Nil By Mouth „Broken Bones “ (Moon Harbour Recordings)

Morphy, Untouchables & Flatliners „Tread This Land/Raw Fi Dub“ (457)
Krink „Everyone“ (Deep Beep Records)
Bigalke & Sunset „The Green Nylon Bag Remix EP“ (Esoulate Music)
Sven Tasnadi „Raw Wedding/Just For Freaks“ (Katermukke)
Good Guy Mikesh & Filburt „No Other“ (Riotvan)
J.M.F. „Philipp Dolphia“ (Permanent Vacation)
Christian Fischer „Tactical Protection“ (Definition Records)
Various Artists „Paddeltour EP“ (Esoulate Music)
Ekkohaus „On The Road EP“ (Cargo Edition)
Various Artists „Various Three“ (Rose Records)
Mittagskind „Eulenfeder“ (Kleinstadtfeeling)
Pentatones „Determiner EP“ (Freude am Tanzen)
Marbert Rocel „Small Hours Remixes“ (Compost Black Label)

Momo „One Of These Mornings“ (Rivulet Records)
Various Artists „Nachti Zwölf Zoll“ (Nachtdigital)
Neonlight, sH1, Wintermute „Perpetuum Mobile“ (Bad Taste Recordings)
Neonlight & Aeph „Reminiscence/Space Truckers“ (Bad Taste Recordings)

Various Artists „Remixes Part One“ (Oh! Yeah!)
Diamond Eye „45 Remixes“ (Modern Urban Jazz)
Sevensol & Bender „How Not To Lose Things“ (Kann Records)
Various Artists „Stiff Little Spinners Vol. 2“ (Audiolith)
Zohki & Roozlee „One Way Out EP“ (Moon Harbour Recordings)
RDF „Code EP“ (RDF Music)
Various Artists „O’RS 1800“ (O’RS/Break The Surface)

Flowtec „Mental Therapy“ (Resistant Mindz)
Lake Powel „Bright Eyes, Dirty Hair“ (Fenou)
Petula/The Micronaut „Dia02“ (Dia Records)
Various Artists „Subscribe For All EP“ (Submit Records)
Various Artists „BR01“ (Blackred)
Deko Deko „Make Death Listen“ (Ortloff)
Marko Fürstenberg „Gesamtlaufzeit Reissue“ (Rotary Cocktail Recordings)
Markus Masuhr „Relative Septh/Falling Down“ (Pragmat)
R:eboerk Traxx „Out Of Her Depth“ (Tiefenherz 50)
Mr. Williamz „Dancehall Hobby“ (Jahtari)
Kenny Knots, Speng Bond, Part2Style „Tann Up Solid“ (Jahtari)

Sinistarr & Sub „Drama Dub / Instantaneous“ (Alphacut Records)
Imugem Orihasam „The Nippon Express Record 1“ (Statik Entertainment)
Guido Schneider & Florian Schirmacher „Places EP“ (Moon Harbour Recordings)
Philipp Matalla „Space Line“ (Internasjonal Spesial)
Ron Deacon „Songs About Love“ (Oh! Yeah!)
Ron Deacon „In Temptation“ (Farside Recordings)

Chris Manura „Cube EP“ (Dirtydrivesounds)
Tonsystem Klangkunst „High Five EP“ (Esoulate Music)
Bay B Kane „4Saken / Chills“ (Junglelivity)
Krink „Darkness EP“ (FormResonance)
Fit feat. Kassem Mosse „Enter The Fog“ (FXHE)
XDB/Kassem Mosse „Ekatem/Omrish“ (Diamonds and Pearls Music)

Imugem Orihasam „Otaru Chords“ (Instabil)
Flatliners, Mr Foul & Untouchables „Jah Victory/War Of Kings“ (457)
Dubmonger & The Untouchables „Kangaroo Dub/Hungry Belly“ (Alphacut Records)

Simon12345 & The Lazer Twins „If I Stay Here, I’ll Be Alone“ (Doumen)
Lake People „Point EP“ (Krakatau Records)
M.ono „Easydance“ (Rose Records)
Kassem Mosse / Diana Policapro „Staat Aus Glas“ (Sounds Of The Universe)
Marco Marset „Touch The Bell“ (Avida Music)
Sené Ceanes & Sebastian Weiske „Cold Feet EP“ (Spielgold)
Miruga „The Nippon Express Record 2“ (Statik Entertainment)
Stanley Schmidt „Won`t You Listen To Me“ (Rivulet Records)
Marco Marset „Flamingo Bar“ (Esoulate Music)
Steve Lawler „Silk Roads / Hoffman’s Potion“ (Moon Harbour Digital)
Appa Glas „Sunrise Collective“ (Shelving Music)

Neonlight „Byte Bites Bit“ (Lifted Music)
Shamir & Nyse „Urban Taoist“ (Resistant Mindz)

Viel Spaß beim Resümieren!

Philip Bader „Shades Of White EP“ (Moon Harbour Recordings)

Neues von Moon Harbour, und ein Link nach Berlin. Philip Bader widmet sich den Abstufungen von Weiß.

Was damit wohl gemeint ist? Die vornehme Blässe des TechHouse vielleicht? Aber gut, der häufige Moon Harbour-Missklang hier langweilt mich ja selbst schon. Mittlerweile ist der reduzierte House-Sound so fest eingebrannt, dass die erste Deep House-Zeit von Moon Harbour eigentlich nur als kurzer Einstand angesehen werden kann. Auch Philip Baders EP steht ganz klar für den aktuellen Label-Sound. Funk in Skizzen, Soul in Samples und dazwischen die perkussive Hypnose, ohne Anfang, ohne Ende.

Schaut man auf Baders Diskografie, so fallen die vielen Kollaborationen auf. Fast die Hälfte der bisherigen EPs entstanden gemeinsam mit anderen Producern. Auf der „Shades Of White EP“ gibt es auch eine Zusammenarbeit – mit Re.You. „Super Bell“ lebt maßgeblich durch seinen etwas naiv hämmernden Glockensound, der immer dann tolle Momente hat, wenn ein anderer Glocken-Delay dagegen hält.

Matthias Tanzmann lässt die „Super Bell“ quasi komplett draußen und bindet – wahrscheinlich – eine Klarinette ein. Nur angeteast, aber eine andere, leicht dunklere Farbe einbauend.

Bei „Rabbit Noise“ und „Way To Mexico“ ist Philip Bader schließlich auch solo zu hören. Verspielter und zackiger klingt er da, aber auch ein wenig zu umherschweifend mit seinen aufgereihten Ideen. Gerade „Rabbit Noise“ hat anfangs gute Passagen, die dann aber durch Neue ersetzt werden.

Wer mehr zu Philip Bader erfahren mag: es gibt auch eine Moon Harbour-Radio-Ausgabe mit ihm.

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Lake People „Step Over, Trace Into Part 1“ (Connaisseur Recordings)

Oha, nächstes Level für Lake People. Nach seiner fulminanten EP auf Krakatau Records im letzten Herbst kommt jetzt der Sprung zu Connaisseur Recordings.

Gerade mal fünf Jahre dabei und schon fast 60 Veröffentlichungen – das Offenbacher Label ist äußerst ambitioniert beim Verbreiten seiner warm perlenden House-Stücke. Hier passt Lake People natürlich gut hin. Interessant was das Label selbst schreibt. Denn die Entdeckung von Lake People erinnert die Betreiber an den Moment als die erste EP von Kollektiv Turmstraße bei ihnen erschien.

Ein ähnliches, überschaubares, aber merkliches Hype-Level, das durch eine vorhergegangene Platte erzeugt wurde – eben die auf Krakatau – auf das Connaisseur nachlegt. Von einem ähnlichen Potential wie bei den Mecklenburgern ist die Rede. Und die bespielen mittlerweile locker größere Clubs. „Part 1“ im EP-Namen deutet auch darauf hin, dass hier etwas weiter ein gemeinsamer Weg geplant wurde.

Auf „Step Over, Trace Into“ behält Lake People die emotionale Linie bei, die bei vielen seiner bisherigen Stücke so eindringlich ist. „Trace Ae“ mit seinem Gitarrensample und den Chords vielleicht eine Spur glatt gezogener als sonst, „Changeover“ ist wieder dissonanter mit wegslidenden Sounds, Piano, rasselnden Hi-Hats und es wagt sich sogar an ein Theremin. Im ersten Moment ungewohnt schrill zwischen all der Wärme. Aber es bleibt dann doch im Hintergrund.

Ghostek aus Russland bekommt „Changeover“ außerdem für zwei Remixe. Und er macht diesen Job unglaublich gut. Einmal sehr rough und technoid entschlackt. Auf die beste Weise trocken. Dann gemäßigter und breakiger irgendwo zwischen Dubstep und Electronica. Das Piano hält in beiden Fällen alles zusammen. Kommt gar nicht so oft vor, dass einen die Remixe genauso weghauen.

Das Artwork kommt übrigens auch aus Leipzig – wieder von Iska Kaek.

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Various Artists „Kann RSD II“ (Kann Records)

Vor zwei Jahren war Kann Records mit einer limitierten Platte beim Berliner Record Store Day dabei. In der Hauptstadt gibt es den Tag nicht mehr – Kann macht trotzdem weiter mit der Serie.

Immerhin haben sie ja ihren eigenen Laden. Quasi die letzte Bastian für elektronische Musik auf Vinyl in Leipzig. Insofern „sei hier jeder Tag ein Record Store Day“, so Alex. War es bei der ersten Platte noch ein Re-Issue eines älteren Sevensol & Bender-Tracks, so hebt die „RSD II“ mit drei komplett neuen Stücken den Ansatz noch einmal.

Wieder nur auf Vinyl, ohne dem Vinyl-Dogma nachhängen zu wollen. Und zugleich ist es eine Hommage an die 15 Jahre, die der Kann-Store-Vorgänger Freezone Records in Leipzig geöffnet war. Die A-Seite ist ihm gewidmet, auf der B dann Kann. Aber insgesamt ist es vom Sound her durch und durch eine Kann-Platte. Verschlungen und hochmusikalisch, in Wehmut eingehüllt und leicht angeraut.

Mit Lake People und Map.ache kommt zweimal die große Leipziger Deepness hervor, wie sie gerade fast prototypisch nach außen strahlt. „Whenever“ wirkt dabei wie ein Déjà-vu an „Ulfo“, das noch gar nicht lang zurückliegt, aber schon jetzt wie ein Meilenstein nachhallt. „If“ ist etwas aufgeräumter und nächtlicher.

Am überraschendsten aber Julian Neumann. Gerade als Entdeckung an sich. Bei Soundcloud sind weitere Tracks des Berliners zu hören, die seine durchaus schroffe House-Art noch weiter aufzeigen. „Unbearable“ klingt angenehm roh und kommt aber kurioserweise mit einem hochgepitchten Vocal-Sample rum, das man sonst eher aus Großbritannien erwarten würde. Toller Track, toller Typ. Und klar, tolle Platte.

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Kopfkino für die Leinwand

Jaja, ein oft strapaziertes Bild beim Beschreiben von Musik – das Kino im Kopf. Klangsüchtig geht es aber um die Vertonung eines echten Films und ruft zum zweiten Mal einen Contest aus. Die Global Space Odyssey sucht übrigens auch jemanden.

Filmmusik oder Sounddesign? Komponist oder Gestalter? Bei Klangsüchtig, dem Ableger des Kurzfilmfestivals, soll die Trennung keine Rolle spielen. Um einen Soundtrack oder Score für „Reizen der Gedachten“ von Miro Bernatek geht es vielmehr – siehe unten. Egal ob dahinter eine Partitur oder dutzende Ableton-Spuren stehen.

Der Wettbewerb richtet sich an Musiker aus Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen, die nicht älter als 35 Jahre sind. Bis zum 1. April können sie ihre Tonspuren einsenden. Zu gewinnen gibt es neben Studiotagen und Mastering auch ein Überraschungspaket von Wintermute und Neonlight, die mit leed:audio auch als Sounddesigner arbeiten.

Alles weitere hier weiterlesen.

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Dann eröffnet auch die Global Space Odyssey eine kreative Spielwiese. Nicht musikalisch, dafür grafisch. Die komplette Gestaltung wird in diesem Jahr öffentlich ausgeschrieben. Und öffentlich meint auch öffentlich: nach der Sichtung der eingesandten Entwürfe, wird öffentlich über den Sieger abgestimmt. Einsendeschluss ist der 17. März, mehr Details gibt es unter gso-grafik [at] gmx.de

Ironie und Saxofon?

Zwei auf einen Streich – hier vorgestellt. Die neue Cargo Edition und die neue Esoulate Music.

Vor zwei Wochen schon kam „The Death Of The Funky Chameloen“ heraus. Es ist die Steven Cocks erste Artist-EP auf Cargo Edition nachdem er auf den letzten beiden „Warehouse“-Compilations zu hören war. Schon dort gefiel sein dunkel eingefärbter, dezent schiebender Deep House. Die EP vergräbt sich bis auf den Titel-Track noch einmal mehr in den schwebenden, unaufgeregten Wohlklang. Sehr musikalisch und mit Disco-Glitzern bei „F.D. One“, dann wieder epischer bei „Language Of My City“.

„The Death Of The Funky Chameloen“ als Track tänzelt schließlich mit so trockener Bassdrum voran, dass man annehmen könnte in Dresden hätte man besondere Fähigkeiten im Umgang mit der House-Bassdrum. Die Uncanny Valley-Platten zeugen ja auch davon. Irgendwie aber abgefahren, dass es noch immer Vocals wie „Party People in da House“ in einen heutigen Track schaffen. Oder überhöre ich die Ironie?

Simon-Sunset-The-Owl-Tree-EsoulateBei Esoulate Music kommt Simon Sunset zu seiner ersten eigenen EP. Seine beiden Beiträge zu den anfänglichen Esoulate-Compilations deuteten einen schwelgerisch-aufgeräumten Sound an. Und die vier Tracks der „The Owl Tree“-EP tendieren ebenfalls dahin. Sie tragen aber auch eine Menge Wehmut mit sich.

Auf eine gewisse und durchaus tolle Weise etwas oldschool in der hintergründigen Musikalität, gerade bei „Watching Birds“ oder „Coasting Islands“. Ein wenig kratziger könnten sie sein. „Manihiki Gallery“ macht da eigentlich vieles richtig – bis das schreckliche Saxofon kommt. Der Oberkitsch. Oder bin ich mit meiner Saxofon-Antipathie allein?

Cargo Edition Website
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Unknown „Mini Royal 01“ (Mini Royal)

House-Realness predigen? 2013? Dies kann nur Persiflage oder verklärte Realität sein – bei Mini Royal ist die Stoßrichtung klar.

Richtig underground ist diese erste Platte von Mini Royal. Weder Artistname, noch Cover, einfach schwarzes Vinyl in einer ebenso schwarzen Papierhülle. Label-Etikett? Schwarz. Dafür kursiert ein beschreibendes Manifest herum, das den Kontext dieses auf Hymnenniveau hochgeschraubten Oldschool-House-Tracks erklärt. Denn die doomen Afterhour-Stunden verbrachte das unbekannte Trio mit einem schnell hingelegten, unvermissverständlichen House-Killer zu dem ein Vocal eingesprochen wurde.

Wie diese alten House-Platten, auf denen sonore Stimmen von der Kraft dieser Musik und der Realness einer ganzen Kultur predigen, von den unverbrauchten Anfängen einer Bewegung. Hier aber nicht in amerikanischem Englisch, sondern mit derb deutschem Akzent.

Und genau hier wird der augenzwinkernde Bruch auch ohne das Pamphlet deutlich. Es ist kein Appell für einen großen Wandel. Der Status Quo mit seinen nostalgischen Plattitüden und der Gewinnmaximierung wird hingenommen. Wer die sarkastische Reminiszenz erkennt, wird auch mehr daraus ziehen können, als die Kopie eines Pseudo-Chicago-Klassikers.

Aber: es ist eine Ironie ohne Trash-Anspruch. Ein perfektes trojanisches Pferd auf dem Dancefloor also. Nur auf Vinyl, logisch.

Digital vorhören geht hier.

Alpha Cutauri funkt

Nach 457 folgt nun ein weiteres Sublabel von Alphacut Records. Und Alpha Cutauri startet nicht einfach so, sondern mit gleich drei EPs – vertrieben vom Berliner Hardwax. Label-Betreiber LXC erzählt mehr.

Was für ein Start, was für eine Serie, was für ein Sound. Bei Alphacut sind mir ja oft die Tracks am liebsten, die sich eher etwas zurücknehmen, sich ruhiger und mit mehr Crisp bewegen. Alpha Cutauri konzentriert genau diesen Sound, der ebenso wenig an Genres festgezurrt ist, wie beim Hauptlabel. Es ist auch hier ein tief sitzender Sound-Ansatz, der sich unterschiedlich entfaltet.

Allerdings viel langsamer, ruhender und auch reduzierter. Bei Alpha Cutauri bleibt der Dancefloor meilenweit entfernt. Nicht in der aufgeräumten, seligen Ambient-Weise, mehr als Driften durch dunkle, weitläufige Sphären, entlang an kleinen Dissonanzen und Fetzen aus Drum’n’Bass, Dubstep, Drone, House und Electronica. Und immer wieder flasht der Minimalismus in den Tracks der ersten drei EPs.

Sub war auch schon auf anderen Alphacut-Platten zu hören. Koto ist noch jung dabei. Und Felix K ist so etwas wie das Zugpferd dieses Label-Einstands. Speziell für Alpha Cutauri entstand auch ein neues Artwork, Klarsicht-Sleeves mit siebgedruckten Alphacut-Schneeblumen. Flirrend wie die Sounds. Eine tolle Nuance, die bereits länger geplant war, wie LXC im Kurzinterview erklärt.

Wie kam die Idee zu Alpha Cutauri?

Die Idee spukt zugegebenermaßen schon ein paar Jahre auf Festplatten und in Köpfen herum. Zum einen basiert sie auf einer Demo von eben jenem Koto aus Großbritannien, der die zweite Alpha-Cutauri-Scheibe bestreitet. Der Demo-Ordner besagt, dass er schon Mitte 2010 Arbeitsversionen der Titel geschickt hat. In dem Jahr ist viel passiert im Bereich Microfunk in Russland und auch in sonstiger 170-BPM-Deepness weltweit.

Ich hatte Bock, auch mal solche Sounds zu pushen. Gleichzeitig war aber auch klar, dass Alphacut mit seiner DIY-Vertriebsstrategie solche Platten nicht ansatzweise zufriedenstellend in der Weltgeschichte verteilen könnte. So lief das Konzept einige Monde nebenher, wechselte mehrmals den Namen und das Outfit, dann kam aber mehr und mehr Material zusammen, und weitere Releases formierten sich erstaunlicherweise ohne jegliche Anstrengungen.

Von der anderen beiden?

Ja, die Zusammenarbeit mit Sub ist sehr fruchtbar, da er präzise auf den Punkt produziert. Ohne Schnickschnack aber trotzdem mit Liebe fürs Detail. Er ist ein echter Vollblutmusiker, macht auch Auftragssachen. Seine Platte hat ein schönes Spektrum an Tempi – das ist mir auch wichtig bei der Serie. Bei Felix K war auch schnell klar, was auf seine Alpha Cutauri kommt.

Und warum drei EPs auf einmal?

Es bringt einfach Synergieeffekte für die Fans, die am andern Ende der Welt sitzen und nicht alle paar Monate nur wegen einer 12″ eine Bestellung machen wollen. Ich denke auch, dass so deutlich namhaftere Leute auch einmal Produzenten mit Newcomer-Status mitziehen können.

Ich mag dieses Namedropping-Business nicht, aber die Erfahrung zeigt leider deutlich, dass so etwas immer mitspielt. Kleine, unbekannte Namen werden schnell links liegen gelassen. Deshalb kommen hier gleich drei Sachen und man kann halt alle sammeln, muss aber nicht.

Hardwax erstmals als Vertrieb klingt nach mehr.

Hardwax als Vertrieb zu haben, ist natürlich spannend und ich bin gespannt, wie die ganze Sache anläuft. Es sind schon einige zukünftige EPs in Planung, auf die ich mich sehr freue. Der eher experimentelle, ambienthafte, künstlerische Ansatz passt auf jeden Fall gut in ihr Repertoire.

Felix K war so freundlich, beim Hardwax noch einmal nachzubohren. Und ich denke, dass es das Projekt in der aktuellen Form gar nicht gäbe ohne ihn. Das Hardwax hat zwar ausgewählte Alphacuts und 457s im Regal, aber so richtig ist erst durch Felix und sein ebenfalls bei Hardwax vertriebenes Label Hidden Hawaii der Knoten geplatzt. Vielen Dank noch mal.

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Unbedingt checken: den Mix zum Label-Start. Knapp 90 Minuten lang Slow-Action.

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Grüße von den Pentatones

Nach dem Album und dem opulenten Sinwald-Auftritt mit dem MDR-Sinfonieorchester arbeitet die Band derzeit an einem neuen Album. Zwischendurch gibt es Video-Live-Mitschnitte.

Gefördert wird das Album von der Initiative Musik. Zwei Live-Mitschnitte des Sinwald-Konzerts gibt es bei Youtube. Darunter auch „Back Home“, das auf dem Album mit drauf sein wird.

Pentatones Website
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Gewonnen hat…

… das Musikvideo zu Daniel Stefanis Track „Reactivity 5“. Wir gratulieren und schauen es uns noch einmal an.

Vor vier Jahren wurde Daniel Stefaniks „Reactivity“-Album auf Statik Entertainment veröffentlicht. Damals entstand auch ein schönes Video zu einem der Tracks. Und genau das wurde jetzt für den unicato-Award 2012 in der Kategorie „Bestes Musikvideo“ nominiert. unicato ist das studentische Filmmagazin im MDR, und die Nominierungen beziehen sich auf Beiträge, die erstmals 2012 in der Sendung ausgestrahlt wurden.

Bei der Geschwindigkeit könnten dann vielleicht 2016 auch die Videos von Here Is Why, Marbert Rocel oder Praezisa Rapid 3000 mit reinkommen. Eine Auswahl von Leipziger Musikvideos gibt es übrigens schon jetzt in unserem frohfroh-Vimeo-Kanal.

Jetz hat das Video zu „Reactivity 5“ tatsächlich den MDR-Unicato-Preis gewonnen. Mit einem ordentlichen Abstand zu den beiden anderen Nominierten. Gratulation. Da hat das Facebook-Mobilisierungspotential funktioniert. Hier noch einmal zum Nachschauen.

Gedreht hat das Video übrigens filmatom.

Petula „Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula!“ (Dia)

Dia, das Analogsoul-Sublabel wird schon nach zwei Split-EPs erwachsen. Mit dem wunderbares Album von Petula. Und Indie-Hymnen in Miniatur. Ja, richtig gelesen: Indie.

Oder Loop-Folk, wie Petula selbst sagt. Schon auf der letzten Dia-EP waren zwei Stücke von ihm enthalten. Dass nun ein ganzes Album folgt, ist eine sehr angenehme Überraschung. Eine mit Gitarren, Indie-Leichtfüßigkeit und Loop-Überschlägen. Ich kenne das Solo-Projekt von Sebastian Cleemann, der auch bei den Bands Kate Mosh und SDNMT mitwirkte und das Label Sinnbus mitgründete als Experimentierwiese voller Skizzen, loser aber schöner Ideen, Veröffentlichungen auf CD-R und Floppy Disk.

Auf Indiepedia steht noch etwas von Aufnahmen, die „von Virtuosität weitgehend freie Studiosimulationen“ präsentieren. Es ist aber ein großer Sprung zum aktuellen, zweiten Album geschehen. Denn die Home-Recording-Niedlichkeit ist einem ausgewachsenen Pop-Entwurf gewichen. Ein Entwurf, der die großen Spannungsbögen ohne Mühe aufbaut und zugleich die brüchigen Wendungen und klanglichen Dissonanzen nicht scheut. Cleemann war aber nicht ganz allein. Oliver Stangl von Clickclickdecker verkroch sich mit in ein erzgebirgisches Bergidyll, um an dem Album zu arbeiten.

Geloopte Elektronik, Folk-Gitarren sowie flüsternder, samtiger und auch lausbübischer Gesang. Verdammt: es hat mich schon lange kein Gitarren-Album so bewegt wie „Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula!“. Nun bin ich auch nicht mehr so davon angetan und habe sicherlich auch vieles überhört in den vergangenen Jahren. Wenn schon. Von Petula lasse ich mich gern belehren. Um das Vergessen geht es inhaltlich. Diese elf Stücke werde ich wohl erstmal nicht wieder vergessen.

Dia Website
Petula Website