20 Jahre Altin Village & Mine

Eines der spannendsten und musikalisch offensten Leipziger Labels feiert in diesem Jahr sein großes Jubiläum. Mit Showcases im Frühjahr und einer großen Compilation im Herbst. frohfroh begleitet dieses besondere Jahr von Altin Village & Mine.

Was haben bekannte Bands wie Die Goldenen Zitronen, Xiu Xiu, Future Islands, Fenster, Deehoof oder Acts wie P.A. Hülsenbeck, Sven Kacirek, Map.ache, Phoebe Killdeer von Nouvelle Vague sowie die Pulp Fiction-Schauspielerin Maria de Medeiros gemeinsam? Sie alle hatten in den vergangenen 20 Jahren Berührungspunkte mit Altin Village & Mine. Das Label zelebriert wie kaum ein anderes aus Leipzig die Auflösung der Genres. Sich durch den gesamten Back-Katalog mit über 70 Releases durchzuhören, gleicht einem Ritt durch verschiedene Welten. Indie und Punk hier, Electronica und Avant-Pop dort, Classic neben Future.

Das Erstaunliche dabei: Sowohl musikalisch als auch artwork- und musikvideo-gestalterisch agiert Altin Village & Mine auf internationalem und super professionellen Level. Und das eben durchweg seit 20 Jahren. Shame on us, dass bei uns darüber bisher so wenig berichtet wurde. Aber auch das ist Altin Village & Mine: Höchst bescheiden und unaufdringlich, was Promo angeht. Wie ein Riese unter dem Radar. Aber mit viel Dynamik – denn 2021 ist das Label zu einem Kollektiv zwischen Leipzig, Berlin und Köln avanciert.

Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, Altin Village & Mine dieses Jahr stärker in den Fokus zu rücken. Deshalb präsentieren wir den Jubiläums-Showcase im UT Connewitz und haben Marcel Schulz vom Label interviewt. Im Herbst soll dann eine große 3-fach-Vinyl-Jubiläums-Compilation namens „Free/Future/Music“ erscheinen – begleitet von einer Buch-Publikation. Aber erstmal: Here we go, Marcel:

20 Jahre Altin Village & Mine ist eines der dienstältesten Leipziger Labels – gibt es einen Gründungsmythos, den du uns hier preisgeben magst?

Der Labelgründung geht meine eigene Sozialisation als Teil der sogenannten DIY-Hard-Core-Szene voraus. Anfang der Neunziger waren US-Labels wie Dischord, Ebullition und Touch & Go essentiell für mich. Verstärkt wurde die entfachte Leidenschaft, durch eine überdurchschnittlich gut strukturierte Fanzine- und Mixtape-Kultur, die komplett autark, ohne das Internet funktionierte. Das motivierte mich, meine Freizeit interessenbezogen mit Inhalt zu füllen. Daraus resultierten mehrere Brieffreundschaften, inklusive dem Versand von Mixtapes, was mich dazu animierte, mit Freund:innen eigene Fanzines zu publizieren, für andere Künstler:innen Shirts zu drucken, Shows zu organisieren und das erste stripped down Drum-Kit von einem Klassenausflug mitzubringen. Dann spielte ich in eigenen Bands und wir veröffentlichten Mitte der Neunziger in Eigenregie die ersten Platten. Mit dem letzten Projekt planten wir, uns teilweise den Europa-Touren von befreundeten US-Bands, anzuschließen, weshalb wir unbedingt eine Veröffentlichung benötigten, die wir uns wiederum mit Freunden aus New York teilten. Und so gründeten Oliver „Holm“ Schütze und ich 2002, out of the blue, das Label Altin Village & Mine.

Altin Village & Mine ist ähnlich wie Warp, Kompakt etc. stilistisch sehr offen – was sind für dich die roten Fäden im Artist-Roster und Label-Katalog?

Wenngleich unsere Releases von einer subjektiven Ästhetik geprägt sind, dient eine reflektierte und kritische Haltung gegenüber bestehenden Verhältnissen als Grundlage und ist mindestens genauso wichtig, wie der rein musikalische Output. Darüber hinaus pflegen wir enge Freundschaften zu unseren Künstler:innen, die oftmals seit mehreren Jahren bestehen. 

Ist es schwerer, als Label so breit gefächert zu sein?

Total! Damit haben wir uns anfänglich sicher keinen Gefallen getan. Dennoch war uns Diversität immer wichtiger, als die Reproduktion des Backkatalogs, auch wenn es mit einer ökonomischen Unvernunft einher ging. Der Gedanke an Homogenität hat sich nie richtig angefühlt, sondern im Gegenteil, nach Tristesse und Stillstand. Daraus resultierend, stellte sich immer wieder die Frage: Weitermachen oder aufhören? Aktuell bin ich froh, dass wir seit Anfang 2021 als Kollektiv organisch zusammenwachsen und ressourcenorientiert Aufgaben verteilen. Danke Benni, Carmi, Sonja und Patrick.

Ihr wart immer sehr international ausgerichtet – wo sind eure Die Hard-Fans?

Das kann ich tatsächlich nicht beantworten, wahrscheinlich am Samstag im UT Connewitz?! (lacht) Als wir Bestellungen noch selbst abgewickelt haben, mussten wir regelmäßig Päckchen nach England, Spanien, Italien, Schweden und natürlich vorrangig Deutschland verschicken. Das war allerdings immer vom jeweiligen Genre der Veröffentlichung abhängig. Dank unserer weltweiten Vertriebsstruktur, die unsere Freund:innen von Morr Music, mit dem angegliederten gut sortierten Mailorder Anostprofessionell zuverlässig koordinieren, habe ich darin keinen Einblick mehr.

Was sind deine persönlichen Highlights in den letzten 20 Jahren Altin Village & Mine gewesen?

Jedes Release war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von besonderen Momenten getragen und wurde von einer langen Welle der Euphorie begleitet. Das war, unter anderem, auf den engen Austausch mit Freund:innen und die gemeinsamen Touren zu den jeweiligen Alben, die sich größtenteils wie Urlaub anfühlten, zurückzuführen. Wenngleich ich mit etwas Abstand sagen muss, dass ich nicht mehr zu allen Veröffentlichungen aus der Vergangenheit einen starken Bezug habe oder diese gar rezipiere. Ich bewege mich größtenteils doch lieber in der Gegenwart und vielleicht sogar ein klein wenig in der Zukunft. Wir befinden uns in der glücklichen Situation, auf Augenhöhe in einem kreativen Netzwerk aus talentierten Künstler:innen (Musik, Artwork, Video), in professionelle Strukturen (Vertrieb, Medienpartner, Presswerk, Booking), auf freundschaftlicher Ebene zu agieren und dabei meistens ein entspanntes Lächeln auf den Lippen zu tragen. Ich glaube das ist tatsächlich mein Highlight.

„Das macht mich glücklich und dafür bin ich zutiefst dankbar.“

Vielen Dank, Marcel, für das Interview. Damit nicht genug: Trotz des Stresses der Showcase-Vorbereitung hat er uns eine Playlist mit einigen Highlights aus 20 Jahren Altin Village & Mine zusammengestellt. Und in den nächsten zwei Jahrzehnten begleiten wir das Label intensiver, versprochen.


20th Anniversary of Altin Village & Mine – Showcase Leipzig

Am 9. April 2022 feiert Altin Village & Mine im UT Connewitz sein Jubiläum – mit drei Acts, die in diesem Jahr auch jeweils ihre Debüt-LPs bei dem Label veröffentlichen werden: Kalme, Modus Pitch und Cloud Management. Tickets gibt es online hier.

+++ Wir verlosen 1×2 Tickets für den Showcase – bitte schickt bis Freitag (08.04.22), 12 Uhr eine Mail an dance@frohfroh, Betreff: 20years AVM +++

Kalme ist ein Solo-Projekt von Sonja Deffner. Die Musikerin war bereits in vielen anderen Bands involviert, darunter Jason & Theodor, Die Heiterkeit, PTTRNS oder der Band von Christiane Rösinger. Soeben ist ihr erstes Album »Neue Sprache« erschienen, auf dem sie mit Synthesizer, Perkussion und Klarinette „intime und eindringliche, feministische Reflexionen über Atomisierung und Solidarität“ vertont.

Cloud Management pulsiert sich zurück in den trippig-elektronischen Minimalismus der 1960 und 1970er Jahre. Poly-rhythmisch groovend und dicht verwoben. Ulf Schütte sowie Mitglieder der Band Love-Songs stecken hinter dem Projekt. Im Herbst erscheint deren Debüt „s/t“.

Modus Pitch ist das Projekt des Leipziger Musikers Fritz Brückner, der auch bei White Wine mitwirkt. Hier befreit er sich scheinbar von allen Genre-Fesseln und bringt zusammen mit Freund:innen Jazz, New Age, Dub, Elektronik und Post-Punk zusammen. Ein extrem vitaler und äußerst zeitgenössischer Mix. Das Debüt-Album „Polyism“ erscheint ebenfalls im Herbst 2022.

KW 14 – Samstag

Altin Village & Mine und das Mjut feiern jeweils Geburtstag. Dazu noch drei weitere Termine. Der Samstag macht es hard to decide.

Partyname: 20th Anniversary – Altin Village & Mine
Zeit:09.04.2022, 21:00 Uhr
Location:UT Connewitz
Acts:Kalme, Cloud Management, Modus Pitch

frohfroh präsentiert:
Das wunderbare Leipziger Label Altin Village & Mine feiert sein 20-jähriges Bestehen. Unglaublich, wie divers der Sound dieses Labels ist. Wir haben in dieser Woche auch ein Interview mit einem der Betreiber:innen geführt. Beim Jubiläums-Showcase spielt die Musikerin Kalme experimentelle Pop-Musik, Cloud Management tauchen in den trippigen Minimalismus der 1970er ab und Modus Pitch mixen alle möglichen Genres zu einem erstaunlich schlüssigen Sound.

+++ Wir verlosen 1×2 Tickets für den Show Case – bitte schickt bis Freitag (08.04.22), 12 Uhr eine Mail an dance@frohfroh, Betreff: 20years AVM +++


Partyname: Re:Start – 4 Years Birthday
Zeit:09.04.2022, 23:00 Uhr
Location:Mjut
Acts:D. Tiffany, Nastya Vogan, Lia Catreux, Miss Take, Bunny Tsukino, Lucie Vuittong, Dietrich & Ruediger

Und auch das Mjut kehrt zurück. Das Re-Opening ist gleichzeit eine lange Birthday-Party. Denn der Club wird bereits 4. Zum Re-Start gibt es ein sehr internationales und spannendes Line-up. Zum einen kommt D. Tiffany aus Berlin mit ihrem treibenden, sphärisch-trancigen House-Mix. Außerdem ist Nastya Vogan vom Kiewer ∄ Club mit dabei – an den gehen übrigens auch 50 Prozent der heutigen Party-Erlöse. Und aus Paris ist Lia Catreux eingeladen.


Außerdem heute:

Reopening Part II – Institut fuer Zukunft, 23:59 Uhr – Techno, House und Ambient mit Wilhelm, Peter Invasion, I$A, Perm b2b Neele, Judith van Waterkant, DJ Balaton, S.ra, Vanta

Saturday Rave – Distillery, 23:30 Uhr – House und härterer Techno mit Ada, Shuray & Walle, Lars-Christian Müller, C4llin, Wasn’t Born, Krahner b2b Itsadisasta

Obscurité Rave – Elipamanoke, 22 Uhr – Fetisch-Party mit a-z_, Daniel Neuland, Houda FK, Lydia M, Manique, Mic Brown, Pernox, Tim Wuttke

KW 14 – Freitag

The Return of the Neue Welt – dazu der Start einer neuen spannenden Konzertreihe und massive Breaks-Wellen. Unsere Freitagstipps.

Partyname: Space Disco
Zeit:08.04.2022, 23:00 Uhr
Location:Neue Welt
Acts:Marcel Vogel, Heninspace, Onkit

Yeah, nun macht auch endlich die Neue Welt wieder auf. Auch wenn die Online-Tickets bereits ausverkauft sind, möchten wir das hier nicht unerwähnt lassen. Zum Re-Opening gibt es ein Wiedersehen mit der Space Disco-Reihe. Eingeladen ist der Betreiber des Amsterdamer Labels Lumberjacks in Hell – Marcel Vogel, er diggt tief in den klassischen Disco- und Soul-Classics. Außerdem ist Heinspace aus Dresden mit einem deep-trippigen Live-Set dabei.

Außerdem heute:

Embrace Embrace – LOFFT in Concert – LOFFT-Theater, 20 Uhr – Das LOFFT-Theater auf der Spinnerei startet eine interessante Konzert-Performance-Reihe. Zur Premiere wird es soulig und pathetisch mit dem Berliner Finn Ronsdorff. Ab 18 Uhr öffnet bereits eine begleitende Ausstellung im Foyer.

Boundless Beatz x Fat Bemme – Distillery, 23 Uhr – Liquid Funk, Drum & Bass und Neurofunk mit Zero T, Polly Mail, Tom Finster, Relict, Aloo, Audite, Dubbalot, Ace, Noxal Equity, Wintermute

Trancegedance alive! – Elipamanoke, 23 Uhr – Trance, Psy, Chill-out und Bass mit Ogrim, Psidelicat, Goagraf, fLausch, Acid Goldee aka Lars(goldee)Goldammer, Phara-O, Basskateers, Mo

New In – März 22

Nicht ganz pünktlich, aber hey, hier sind sie: Unsere Plattentipps aus dem März. Mit sehr unterschiedlichen Sounds und einem Februar-Nachzügler.

Panthera Krause „Como Dada“ (Riotvan)

Zum Start gleich mal zwei Hits. Panthera Krause ist zurück aus der Pandemie-Stille und macht klar, dass mit ihm weiterhin zu rechnen ist. Ich habe seine letzten Sachen nicht mehr ganz im Ohr, aber mir scheint, dass bei ihm eine Verschiebung zu historischen Pop-Gesten und größeren Floors stattfindet. Sowohl „Como Dada“ als auch „All I Want To Do“ kokettieren sehr selbstbewusst und versiert mit frühen Disco-Tracks. Bohrende Stakkato-Synths, ungewohnte Rave-Momente und prägnante Vocals. Wow, das klingt nach neuem Drive – und viel aufgestauter Vorfreude auf volle Floors

Mein Hit: „Como Dada“. Why: Weil er so pushend House-Pop und Disco Noir verbindet.


Lydia Eisenblätter „Surrealism EP“ ([OAM] Records)

Überraschung auch bei Lydia Eisenblätter. Auf ihrem eigenen Label [OAM] Records erschien soeben eine neue EP – und die bringt ihre Techno-Liebe sehr eindrucksvoll zum Vorschein. Bisher waren die meisten Tracks von ihr im House unterwegs, aber „Uncontrol“ und „Excile“ ziehen deutlich straighter und darker davon. Mit rasenden Acid-Schleifen und mächtigen Bassdrums. Dazu immer mal Spoken Word-Momente. Sehr classic, sehr gut auf dem Punkt. Und krass, Ben Sims treibt „Uncontrol“ mit seinem Remix noch ein paar Power-Stufen nach oben und lässt so auch den Big Room-Floor entzünden.

Mein Hit: „Excile“. Why: Weil die hohen, hell gleißenden Synth-Chords in der Mitte Detroit mitumarmen.


Various Artists „RM120115“ (R.A.N.D. Muzik)

Und wieder ein Monat mit neuem R.A.N.D.-Release. Es geht weiter mit den Verbeugungen vor alten Heroes der Neunziger. Dieses Mal kommt das Londoner Label Alien Recordings zu einer Hommage. Andy Panayi und Alec Stone aka A² gründeten es Ende der Neunziger und brachten fünf EPs heraus – dann wurde es still. Offensichtlich gehörten sie damals zu den frühen Tech House-Antreibern, die den später so prägenden Sound der Nuller Jahre auf den Weg brachten. Auf der R.A.N.D.-Compilation beleben die drei zentralen Alien Recordings-Acts mit vier neuen Tracks den Sound dieser Übergangszeit wieder. Mit dem heutigen lahmen Tech House hat das wenig zu tun. Es sind noch die analogen Synths und Kanten der ersten House-Jahre hörbar, allerdings klingt der Großteil unaufregter, breakiger und minimalistischer. Es sind forschende Tracks, die sich auch mal in trippigen Sound-Exkursen verlieren und den Dancefloor umschiffen. Allein „Acidbend“ dreht das Tempo hoch und bohrt sich mit seinen Acid-Sounds tief ins Mark. Schöne Entdeckung.

Mein Hit: „Pass Go“. Why: Weil der Track so deep anfängt und dann vielschichtig verspult mutiert.


Mandragora „Frost“ (Self-Released)

Und noch ein Again-Moment: LXC bringt ja nach und nach sein Archiv ans Bandcamp-Tageslicht. Vor wenigen Tagen erschien in dieser Serie die dritte EP – und zwar mit einer Live-Session aus der Distillery von 2001 sowie mit drei weiteren Tracks, die er unter dem Alias Mandragora laufen lässt. Die „Frost“-Session war eigens für frühmorgendliche meditiative Jungle-Momente produziert. Und wie so oft bei den Tracks aus dem Alphacut-Spektrum, holen mich besonders diese ruhigeren und deeperen Tracks am meisten ab. Ein 90-Minuten-Trip mit einer gewissen Nostalgie, es damals live verpasst zu haben. Dazu reiht LXC drei weitere Mandragora-Tracks, die bisher nur ein paar Mal in Live-Sets zu hören waren. Verspielt-dubbige und super perkussive Experimente, nah an sperriger Avantgarde. Aber insgesamt erstaunlich zeitlos. Checkt wieder die Liner Notes zum Release.

Mein Hit: „Frost Session“. Why: Weil sie so reduziert und scheinbar beiläufig und zugleich sehr konzentriert in den Bann zieht.


5AAH / Discount Furniture „Split EP“ (All My Ghosts) + Remixes (Graveyard Records)

Durch die Rituals-Konzert-Reihe am letzten Wochenende bin ich erstmals auf SupaKCs Label Graveyard Records aufmerksam geworden (shame on me, dass jetzt erst). Und über dessen aktuelle Remix-EP kam ich zu All My Ghosts – ein weiteres sehr spannendes Leipziger Label. Es passiert eh labelmäßig gerade wieder enorm viel in der Stadt. Da wird es demnächst einiges zu berichten geben. Aber erstmal zu dieser Kollaboration. Anfang März erschien bei All My Ghosts eine Split-EP mit jeweils fünf Tracks von 5AAH und Discount Furniture. Letzterer bewegt sich in einem Soundfeld zwischen IDM, Electronica und Gameboy-House. Also verspielte Sounds, angenehme naive Vibes mit viel lofi Oldschool-Färbung. 5AAH dagegen ist etwas düsterer und klarer in den Sounds. Aber auch eine Spur experimenteller. Doch im Zusammenspiel passen beide sehr gut zusammen. Interessante Listeneng-EP.

Bei Graveyard Records kamen zwei Wochen später zwei Remixe zu Discount Furnitures „Paah“ hinterher – einmal von Tim Rosenbaum und von SupaKC. Rosenbaum zerschreddert das eigentlich lieblich-soft-poppige Original in ein bedrohliches Noise-Stück. SupaKC behält die warme Atmosphäre und bettet sie in packende HipHop-beeinflusste Beats. Zwei krass unterschiedliche Wendungen also, die zusammen mit der Original-EP musikalisch viel bieten.

Mein Hit: „Paah (SupaKC’s Floweee Remix). Why: Weil die stockenden Beats vor den warmen, aber dennoch angerauten Melodien super gut matchen.


Late In – Feb 22

Warm Graves „Ease“ (Fuzz Club Records)

Eigentlich dachte ich, dass das neue Warm Graves-Album erst im März veröffentlicht werden sollte, aber nee, es kam schon im Februar. Hier also nun ein Late-in. Im Dezember hatten wir bereits eine Vorab-Single besprechen und in das Album reinhören können. Es hat seitdem nichts an seiner dunkel-wavigen Faszination verloren. Tief eingehüllt in Nebel, verwunschene und unterkühlte Dystopie-Assoziationen weckend – so klingen die neun Stücke auf „Ease“. Alles in sehr angenehm gedrosseltem Tempo, viel Hall und mit reduzierten Arrangements. Für den sich nun aufbäumenden Frühling wahrscheinlich nicht der beste Soundtrack – aber das Album ist zeitlos genug. Und die dunklen Jahreszeiten kommen bekanntlich jedes Jahr zurück.

Der Ableton-Workshop für Produzent:innen ist zurück

Kaum öffnen sich die Clubtüren nach zwei Jahren Pandemie, kommt auch die Workshop-Reihe für Produzent:innen ins Institut fuer Zukunft zurück. Wir haben alle Infos zum Start.

Elektronische Musik, ob experimentell oder für die Clubbühne, wird oft am heimischen Schreibtisch oder in Studios produziert. Viele Produzent:innen haben nicht die Möglichkeit, ihren Sound auf einer Clubanlage anzuhören und, nicht nur in Corona-Zeiten, oftmals nicht die Chance für Austausch, der über die eigene Bubble hinausgeht.

Um diese Lücke zu schließen, um die neuesten Tricks und Updates miteinander zu besprechen, Musik gemeinsam zu hören, nach Rat zu fragen und die selbst komponierten Tracks anderen Producer:innen zu zeigen, darum gab und gibt es den Ableton-Workshop im Institut fuer Zukunft in Leipzig.

Nach langer Pause (we all know why) sind die Macher:innen zurück. Und zwar mit einem neuen Konzept, das eine Live-Performance und anschließendes Abhören von Musik einschließt.

Am 7. April 2022 ab 19 Uhr (Einlass, Beginn der Performance 20 Uhr) sind alle Interessierten, von Basic bis Advanced Skills, auf Trakt I im IfZ eingeladen. 2G+!

Alle Infos zum Workshop, zum neuen Konzept und zum Open Call für Produzent:innen (der nicht nur für diese Veranstaltung gilt!) lest ihr bei Facebook und Instagram.

PS: Wer seine Tracks auf der Clubanlage während des Workshops im IfZ abhören möchte, trägt sich in diese Liste ein oder schreibt eine Nachricht via Instagram. Noch fünf Plätze sind frei! (Stand: 31.3.2022; 16:30 Uhr)

KW 13 – Samstag

Ein erste große Re-Opening-Marathon beginnt – das IfZ und Elipamanoke machen wieder auf, yeah.

Partyname: Reopening I
Zeit:02.04.2022, 23:59 Uhr
Location:Institut fuer Zukunft
Acts:Alex.Do, Fr.Jpla, Cleo Snk, Action Bronko b2b Nina Frizzante, Sevensol, Subkutan

Es ist soweit, das IfZ öffnet wieder seine Türen für lange dunkle Clubnächte. Dafür sind alle drei Floors offen und werden bis auf Alex.Do nur von super guten Locals bespielt. Welcome back. Nächste Woche folgt der zweite Teil des Reopenings.

+++ Es gilt 2G Plus Plus, d. h., Einlass ist nur geimpft, genesen oder geboostert PLUS ein tagesaktueller negativer Test möglich +++


Partyname: Back
Zeit:02.04.2022, 23:55 Uhr
Location:Elipamanoke
Acts:DJ Mell G, Hötsche, Kimya, Lars Goldammer, Luzi, Mathias Ache & Mule, Rarri, Red Harmony, Senta Julien, Sonnenstadt, Sui, Xynia

Und auch das Eli ist back – ebenfalls mit vielen Locals und langjährigen Residents. Neben viel House und Techno bringt DJ Mell G aus Hamburg aber auch neue Sounds mit – Footwork und Breaks, klingt spannend.


Außerdem heute:

Graveyard Records presents: Rituals – Noch Besser Leben, 19:30 Uhr – Zweiter Teil der Konzertreihe, heute mit Host und Label-Betreiberin SupaKC sowie Nspktklr

Saturday Rave – Distillery, 23:30 Uhr – House und Techno mit Cuthead, Anna Malysz, Albrecht Wassersleben, Tøsche, Leá Occhi, Møz

KW 13 – Freitag

Das KW13-Wochenende geht mit Synthpop, Rap und einer interaktiven Ausstellung los. Hier unsere drei Tipps.

Partyname: Graveyard Records presents: Rituals
Zeit:01.04.2022, 19:30 Uhr
Location:Noch Besser Leben
Acts:Zweatlana, Heath Karing

Das Leipziger Graveyard Records veranstaltet ein Mini-Festival mit zwei Konzertabenden und vier spannenden Acts. Wer auf Synthpop, Bass und Neo Soul steht, sollte sich um Tickets kümmern. Heute spielt neben Heath Karing auch Zweatlana – wir hatten sie im letzten Jahr im Interview.

+++ Es gilt 2G Plus Plus, d. h., Einlass ist nur geimpft, genesen oder geboostert PLUS ein tagesaktueller negativer Test möglich +++


Außerdem heute:

Gl0tchbl0K by Simon Schäfer – ZiMMT, 18-21 Uhr – Interaktive und audiovisuelle Installation mit einer Playstation 2 – bis 10.4. läuft die Ausstellung, weitere Informationen und ein Video gibt es hier.

Canê Tour 2022 – Distillery, 19 Uhr – Die wunderbare Rapperin Ebow ist auf Tour zum neuen Album.

Distillery bekommt Aufschub

Good News aus der Kurt-Eisner-Straße – die Distillery kann noch bis Ende Januar 2023 an jetzigen Standort bleiben.

Eigentlich lief der Mietvertrag der Distillery in der Kurt-Eisner-Straße zum 31. März 2022 aus, weil dahinter ein großes neues Wohngebiet entstehen soll. Im Vorfeld der Baubeginns sollte ein Artenschutzprogramm zur Umsiedlung der Wechselkröte stattfinden, weshalb die Distillery schon jetzt raussollte, obwohl die neue Location am Gleisdreieck noch nicht fertig ist.

Distillery-Betreiber Steffen Kache suchte aber das Gespräch mit dem Bauträger BUWOG sowie mit verschiedenen Ämtern der Stadt Leipzig, um etwas mehr Zeit zu bekommen. Das Engagment hat sich gelohnt: Die Distillery muss nun erst am 31. Januar 2023 die Location, in der sie seit 1995 zuhause ist, verlassen und wird dann auf der Alten Messe ein Interim beziehen. Aktuell wird dafür eine Baugenehmigungsverfahren vorbereitet. Außerdem stiftete die BUWOG der Leipziger Club- und Kulturstiftung 200.000 Euro – die Stiftung unterstützt Projekte zur Förderung von Musik, Kunst und Kultur, gegründet wurde sie von der Distillery und dem TV Club.

Distillery-Betreiber Steffen Kache sagt: „Wir sind sehr glücklich und froh, dass wir unseren Standort nicht räumen müssen und auch über den März hinaus unsere Gäste an der Kurt-Eisner-Straße begrüßen können.“ Und weiter:

„Gerade nach der langen Coronapause war es wichtig, wieder in den Betrieb zurückkehren zu können. Damit ist der Verbleib des Clubs am Standort noch für weitere neun Monate gesichert, danach ist jedoch in der Südvorstadt definitiv Schluss.“

Und die Wechselkröte? Das Programm beginnt dennoch im April 2022, allerdings wird der Bereich um die Distillery bis zum Auszug ausgespart.

Bild: Distillery-Instagram

KW 12 – Samstag

Zwei schöne Tipps für Samstag: Einmal Open Air im Skatepark, später in die Distillery.

Partyname: Skatepark Session w/ Music Of Color
Zeit:26.03.2022, 14:00 Uhr
Location:Heizhaus Skatepark
Acts:Music Of Color-Crew

Zum Finale der diesjährigen „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ lädt das Grünauer Heizhaus zu einer Skatepark-Session mit der tollen Leipziger Music Of Color-Crew. Sonne hat sich auch groß angekündigt. Dazu steht ein großes Soundsystem bereit, Bar und Soulfood sollen es auch geben. Klingt nach einem Happy Day mit Tanzen, Skaten, Streetball und Chillen. Bis 22 Uhr.


Außerdem heute …

Saturday Rave – Distillery, 23:30 Uhr – Techno und House mit Ryan Elliott, Manamana, Andreas Eckhardt, Senta Julien, Sailent Seihmen, Patrick Dre, Bigalke

KW 12 – Freitag

Ein Tipp, ein Rave – mehr braucht ein Freitag nicht. Oder?

Partyname: Sachsentrance
Zeit:25.03.2022, 23:00 Uhr
Location:Distillery
Acts:DJ Carpet Crawler 3000, Itsadisasta, The Jakob Sisterz, Raverpik, N.akin, Madda Chantal, Atreo, Hkkptr

Sachsentrance fährt voll auf. Mit vier Crew-Residents und DJ Carpet Crawler 3000 aka Brother Louie, der extra aus Amsterdam rüberkommt. Die Herzen werden hoch emotionalisiert fliegen und mächtig schnell in Trance geraten. Außer im Keller. Da dürfte es deutlich rauer und deftiger werden.

Bock auf noch mehr Sachsentrance? Die zweite Platte des Labels kam kürzlich heraus – hier unsere Review.

+++ Es gilt 2G Plus Plus, d. h., Einlass ist nur geimpft, genesen oder geboostert PLUS ein tagesaktueller negativer Test möglich +++

MZIN // MdbK

Wow, MZIN ist umgezogen. Nicht irgendwohin, sondern in das Museum der bildenden Künste. Wir waren dort, haben uns umgeschaut und mit den Betreiber:innen gesprochen.

Seit elf Jahren ist MZIN der Spot, um in Leipzig internationale Magazine, Bücher, Editionen und Kataloge zu bekommen – speziell aus den Design-, Kultur-, Musik-, Fashion-, Kunst- und Literaturwelten. Der Shop von Philipp Neumann und Karen Laube hatte auch einen entscheidenden Anteil daran, dass sich die Kolonnadenstraße zu einem Place to be der Stadt wurde. Der Gegend bleiben die beiden auch treu, allerdings wird der bisherige Laden zum MZIN-Lager und perspektivisch zu einem Co-Working-Space. Beide arbeiten auch selbst als Grafiker:innen und Kurator:innen.

Im Sommer 2021 kam aber die Anfrage vom Museum der bildenden Künste, ob MZIN nicht ins Haus kommen und nebenbei den Museumsshop wiederbeleben möchte. Überhaupt refresht sich das Museum immer mehr, seitdem Dr. Stefan Weppelmann die Direktion übernommen hat. Unsere frohfroh-Redakteurin Nastassja von der Weiden aka Antoinette Blume führte beispielsweise in einem aufwendigen Video-Produktion sowie einer Podcast-Reihe durch die neue „Bilderkosmos“-Ausstellung. Und auch die Gastronomie geht demnächst durch die Cantona-Crew in eine neue Richtung.

„Leipzig hat sich sehr weiterentwickelt, es ist viel internationaler geworden.“

Dies meint Philipp beim Besuch der neuen Location. Der neue MZIN-Store bespielt den Hof 2 mit seiner prägenden Zündkerzen-Neonreklame. Ein Raum mit riesigen Betonwänden und Blickachsen in die oberen Galerien. Hier haben Karen und er eine komplett gelbe Insel mit verschiedenen Displays, Ablagen und Bänken geschaffen. Ein offenes Raum-im-Raum-Konzept mit einer separaten Sitzecke.

Den Entwurf für das Store-Design hat Philipp gemeinsam mit dem Plagwitzer Studio Markus Mai entwickelt. Dabei wurden die alten Möbel wiederverwendet und in das gelbe Setting integriert und um neue Teile ergänzt. Der Raum wird künftig auch für Events wie Lesungen und Präsentationen genutzt. Rund zwei Veranstaltungen pro Monat sind angedacht. Neben dem bekannten MZIN-Programm gibt es auch einen Bereich für ausgewählte Prints und Ausstellungskataloge des Museums.

Mit dem Zugang vom Brühl hat MZIN auch einen eigenen Eingang für sich – sichtbar am riesigen Banner außen. Aber auch über das Foyer des Museums geht es in den Shop.

Offen ist vorerst immer dann, wenn das Museum aufhat:
Di, Do-So, Feiertage 10-18 Uhr
Mi 12-20 Uhr

Foto-Credits: CHOREO

Freund, DJ, Täter

Vor exakt einem Jahr erschien unsere große „Täter an den Decks“-Reihe, die sich mit sexualisierter Gewalt durch Leipziger DJs beschäftigt. Im Dezember ging eine Website online, die einen weiteren Fall an die Öffentlichkeit brachte. Am 22.3. wird eine Sendung bei Radio Blau zu dem Fall gesendet.

Triggerwarnung: Dieser Artikel verweist auf eine Story und Website, die sich mit non-consensual porn in der Leipziger Clubszene auseinandersetzt.

** Mrs. Pepsteins Welt 22.3.2022 // von 20-22 Uhr via Radio Blau ** 

„Ende letzten Jahres erschütterte mich diese Geschichte von an die 50 Frauen/Flintas, deren Fotos (privat aufgenommen oder von Social Media geklaut) auf einer Pornoplattform auftauchten. Was hinter dieser Geschichte steckt, warum das leider kein Einzelfall ist und wie das ganze juristisch einzuordnen ist, erfahrt ihr in meiner nächsten Sendung“, schreibt die Host Mrs. Pepstein zu ihrer Sendung.

Sie hat sich mit  Nina* und Sonja* getroffen, die ihr erzählt haben, wie sie davon erfahren haben, dass ihre Bilder missbraucht wurden und was das mit ihnen gemacht hat.  Gemeinsam mit anderen Betroffenen sind sie vor ein paar Monaten an die Öffentlichkeit gegangen. 

Außerdem hat sie mit Dr. Anja Schmidt gesprochen, die ihr bei der juristischen Einordnung geholfen hat. Sie ist Rechtswissenschaftlerin und ist Leiterin des DGF-Forschungsprojekts „Pornographie und sexuelle Selbstbestimmung“. Gegen Ende der Sendung hört ihr noch einen Beitrag aus dem Seminar „Feministische Medien“ (Frages Leipzig), der sich mit sexualisierter Gewalt in der Clubszene befasst. 

Nach Ausstrahlung ist die Sendung noch 7 Tage lang in der Radio blau Mediathek verfügbar.


„Not Your F***ing Porn!“ – hinter diesem wütenden Ausruf steckt eine Website von mehr als 50 Frauen, die vor rund einem Jahr feststellen mussten, das unzählige private, teilweise intime Bilder von ihnen auf einer bekannten Porno-Website hochgeladen wurden. Mit non-consensual porn gibt es auch einen eigenen Begriff für dieses Phänomen, das aber scheinbar bei der Leipziger Polizei und den Justizbehörden noch Neuland ist.

Denn die Website zeigt nicht nur auf erschreckende Weise auf, wie ein in der Leipziger Drum & Bass-Szene bestens vernetzter DJ und Veranstalter über einen langen Zeitraum illegal Bilder von Ex-Freundinnen, Kolleginnen und Bekannten mit misogynen und respektlosen Kommentaren veröffentlicht. Sie macht auch deutlich, wie schwer es ist, sich als betroffene Person bei der Polizei und Justiz Gehör zu verschaffen und ernst genommen zu werden.

Darauf möchte die Initiative aufmerksam machen. Zugleich liefert sie ausführliche Hintergrund-Informationen und Links zu Institutionen, die bei digitaler Gewalt helfen – darunter HateAid, Weißer Ring e. V. und Hassmelden.

Dieser Fall beweist einmal mehr: Sexuelle Gewalt gegen FLINTA* Personen – egal in welcher Form – bleibt ein strukturelles Problem.

Nicht irgendwo im Fernen, sondern auch in unserer lokalen und regionalen Club-Bubble.

Grafik: Not Your F***ing Porn!