Dispondant „Acid Jazz EP“ (Defrostatica Records)

Zum Ende des Jahres meldet sich Defrostatica nochmal mit einer EP zu Wort.

Defrostatica ist wahrscheinlich das bei frohfroh am häufigsten besprochene Label in 2018 und schiebt kurz vor Weihnachten die „Acid Jazz EP“ hinterher. Sechs Footwork-inspirierte Stücke von Dispondant aus London gibt es auf der 12″ zu hören.

Täuschend sanft beginnt die EP mit „Death“, denn der Track biegt nach einem ruhigen Intro in eine fiese Richtung ab. Die Bassdrum klingt, passend zum Titel, ab der Hälfte wie ein Herzflattern. Anschließend gibt es mit „Controller Weapon“ Futter für den Dancefloor. „Warehouse Acid“ besticht mit 303-Acid-Sounds, was bei mir immer auf großen Anklang findet, von mir aus könnte der Track allerdings noch viel wilder frei drehen.

Dispondant ist wahrscheinlich auch ein Musik-Nerd und macht sich den Spaß, den nun folgenden Track „Acid Jazz“ zu benennen. Der ist dann auch so sommerlich-jazzy verträumt wie viele Stücke des Genres, ohne dass die 303 irgendwo in Sichtweite wäre, was bei den Acid-Jazz-Leuten auch fast nie der Fall war. Guten Tag, Genre-Namen-Wirrwarr. „Jazz Solo“ und „Sanctum“ gehen dann in eine ähnliche Richtung – erstaunlich, wie gut die Acid-Jazz-Einflüsse mit Footwork-Drum-Programming zusammengehen. Wo ist eigentlich der dazu passende Sommer geblieben?

Clubkultur & Politik II: Barrierefreiheit & Inklusion

Clubs werden gern als Rückzugsräume für Menschen aus den verschiedensten Szenen und Milieus stilisiert. Was bei diesem inklusiven Gedanken oftmals übersehen wird: Die wenigsten Clubs ermöglichen ein barrierefreies Ausgehen.

Im ersten Teil der Artikelserie „Clubkultur & Politik“ wurde der Club zur Zeit der Entstehung der elektronischen Tanzmusik als ein Raum für alle Menschen, alle Szenen gedacht. Verschiedenste Menschen kamen nachts auf den Dancefloors zusammen. Nicht zuletzt war die Szene so inklusiv, weil Disco und House in afroamerikanischen und homosexuellen Szenen entstanden sind – auch als politischer Schutz- und Entfaltungsraum.

Ein bedeutender Wermutstropfen der heutigen Clublandschaften ist, so wie vermutlich auch schon in den 1990ern: Barrierefrei sind Clubs oftmals nicht. Die Inklusion reicht oft nur so weit, wie die Norm, die wir selbst als nicht beeinträchtige Erwachsene erleben, es zulässt.

Warum ist Barrierefreiheit so wichtig – auch in Clubs?
Back to basic: Was ist eigentlich Barrierefreiheit und warum brauchen wir sie? Auf der Website des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen liest man Folgendes: „Barrierefreiheit bedeutet einen umfassenden Zugang und uneingeschränkte Nutzungschancen aller gestalteten Lebensbereiche. Barrierefreiheit ist keine Speziallösung für Menschen mit Behinderungen, aber für gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben unverzichtbar.“

Ich spreche über die Notwendigkeit von Barrierefreiheit auch mit Susann Schreiber. Sie ist Inklusionsbeauftragte des Werk 2 e.V. in Leipzig. „Man sollte einfach versuchen, niemanden auszuschließen. Das betrifft nicht nur räumliche Gegebenheiten, auch Bereiche wie Programmpunkte oder Eintrittspreise, kostenlose Projekte – dass nicht an solchen Stellen schon eine Zugangshürde besteht.“

Ein weites Feld tut sich da auf. Zu Beginn meiner Recherche denke ich noch an Rampen für Rollstuhlfahrer*innen. Inklusion geht aber viel weiter.„Es ist eigentlich ziemlich komplex“, erklärt mir Susann. „Alles erreichbar zu machen, ist das eine. Das ist nicht nur relevant für Rollstuhlfahrer*innen, sondern beispielsweise auch für Menschen, die mit Rollator oder Gehhilfe unterwegs sind. Außerdem gibt es noch weitere körperliche Behinderungen wie zum Beispiel Sehbehinderungen. Da braucht es Leitsysteme in öffentlichen Einrichtungen – Tastsysteme, eine bestimmte Fußbodenbeschaffenheit, große oder beleuchtete Schrift. In manche Veranstaltungen sollten auch Menschen mit Begleithunden kommen können wie beispielsweise Hunde für Diabetiker*innen. Und es gibt noch einen weiteren Aspekt: Alles in einfacher Sprache und einfachen Grafiken darstellen, auf der Homepage oder auf Flyern, so dass die Ansprache auch im Hinblick auf Bildung niedrigschwellig ist.“

Sprich: Egal, welche Beeinträchtigungen Menschen mitbringen, sie sollten am täglichen (und nächtlichen) Leben teilhaben können wie jede*r andere auch.

Ich spreche mit Pia-Selina. Sie ist FSJlerin in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und findet es unverständlich, wie wenig barrierefrei viele Locations sind. „Ich kriege immer wieder mit, wie meine Betreuten unfassbar glücklich sind, wenn es endlich eine Veranstaltung gibt, wo auch sie die Möglichkeit haben hinzugehen. Spontanität wie es sie bei uns gibt, gibt es da eben nicht. Und das finde ich ziemlich traurig, dass viele Menschen mit Behinderung sich z. B. daran gewöhnt haben – normal sollte es nicht sein. Wir leben im 21. Jahrhundert und die meisten haben noch nicht einmal von dem Begriff Inklusion gehört. Wieso muss es extra Veranstaltungen für beispielsweise Rollstuhlfahrer*innen geben? Wieso kann das nicht eine Norm sein, dass alle zusammen feiern und Spaß haben können? Wir sind alle Menschen – eine Behinderung macht einen nicht zu etwas anderem. Ich fände es gut, wenn eine durchgängige Barrierefreiheit in mehr Clubs existieren würde und man sich vorab auch besser auf den Internetseiten informieren kann.“


NOTE NOTE –

Auf wheelmap.org kann man in der jeweiligen Stadt nach Locations schauen, die für Rollstuhlfahrer*innen barrierefrei in unterschiedlichen Abstufungen sind. Das Werk2 beispielsweise ist in vielen Punkte der Barrierefreiheit gut aufgestellt. Außerdem können im Conne Island Rollstuhlfahrer*innen sowohl den Saal als auch das Café erreichen und es gibt ein WC für Menschen mit Beeinträchtigung – ansonsten sieht es, was Clubs angeht, eher mau aus in Leipzig.

 

Was bedeutet es, als behinderter Mensch in einen Club zu gehen?
Um aufzuzeigen, welche Hürden gemeistert werden müssen, wenn man als beeinträchtigte Person einen Club oder eine Bar besuchen will, bemühe ich wieder das Beispiel einer*s Rollstuhlfahrer*in.

Es beginnt damit, dass abgeklärt werden muss, ob man überhaupt in die Location reinkommt. Gibt es Stufen? Kommt man ohne Weiteres auf die Toilette? Ist man das erste Mal vor Ort, kann die Orientierung sehr schwierig sein – auch hier können Leitsysteme helfen, genauso für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Als Rollstuhlfahrer*in sitzt man außerdem auf Hüfthöhe stehender Menschen. Man sieht wenig, fährt anderen über die Füße, wird angerempelt, bekommt Bier übergekippt. Und zwar nicht einfach vorn aufs Shirt, sondern eben überall hin. Die Theken sind oft sehr hoch, das Thekenpersonal übersieht eine*n leicht. Offiziell gelten Einrichtungen übrigens nur als barrierefrei, wenn Rollstuhlfahrer*innen auf keine weitere Hilfe angewiesen sind. Davon sind die meisten Clubs noch meilenweit entfernt.

Und zu all diesen technischen Details kommt am Ende noch dazu: Wie fühlt man sich eigentlich dabei? Vladimir ist 33 Jahre alt und leidet an Muskeldystrophie, weshalb er seit seinem elften Lebensjahr im elektrischen Rollstuhl sitzt. Gemeinsam mit den anderen Menschen seiner Wohngruppe geht er gelegentlich ganz fern mal feiern.

„Man macht sich die ganze Zeit Gedanken was alles wieder schief gehen könnte usw. Umso cooler ist es, wenn man dann ohne Probleme rein kommt und einfach Spaß haben kann. Einmal zum Beispiel ist aber das Gegenteil eingetreten: Wir wollten in einen Club. Recht spontan, aber dort musste man Treppen hoch. Das war schade und hat mich in dem Moment sehr geärgert. Seitdem schaue ich, bevor ich weggehe, ob das Ganze auch wirklich barrierefrei ist. Dass Clubbesitzer so häufig nicht oder immer weniger daran denken, dass auch Menschen im Rollstuhl gerne feiern gehen, ist schade und macht mich auch traurig und irgendwie sauer.“

Positive Diskriminierung und blinder Aktivismus
Neben all den Hürden, die behinderte Menschen zu überwinden haben, kommen die Blicke hinzu, die Reaktionen. Sprüche wie „Wow, wie cool, dass du hier bist und dich das traust“, mögen irgendwie nett gemeint sein, sind aber positive Diskriminierung, die den Personen immer wieder das Gefühl gibt: Es ist nicht die Normalität, dass du hier anzutreffen bist. Menschen werden so, wenn sie im Club wie jede*r andere einfach mal dem Alltag entfliehen wollen, immer wieder mit ihrer vermeintlichen und tatsächlichen Andersartigkeit konfrontiert. Auch meinen manche Menschen, es sei nett, Rollstuhlfahrer*innen einfach zu schieben: An die Bar, in die Mitte der Tanzfläche, irgendwo hin. Dafür gibt es einen Begriff: Blinder Aktivismus. Oder auch: Übergriffigkeit.

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Ein blinder Mensch mit Augenfehlstellung kommt in den Club. Schon an der Tür wird er*sie höchstwahrscheinlich abgewiesen, weil das Türpersonal davon ausgeht, dass der*diejenige einfach stark intoxikiert ist. Auf der Tanzfläche wird man für völlig raus und drauf gehalten, man verliert seine Begleitung noch schneller als ohnehin schon. Man kann an der Bar die Karte nicht lesen und wenn man noch nie im Club war, findet man aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Toilette nicht.

Wie auch bei allen anderen Arten der Diskriminierung ist es also sehr wichtig, dass das komplette Personal geschult und sensibilisiert wird, Barpersonal, Mitarbeiter, Security. Und dass Menschen mit Beeinträchtigung genauso wie andere auch die Chance bekommen, einen Abend lang mal den Alltag zu vergessen – zumindest ein bisschen.

Interview: Sebi sitzt im Rollstuhl und geht mindestens alle zwei Wochen feiern
Da ich selbst als nicht Betroffene nicht einmal annähernd verstehen kann, welche Barrieren sich im technischen und emotionalen Sinne auftun, wenn ein behinderter Mensch einen Club besuchen möchte, habe ich mit einer Rollstuhlfahrerin gesprochen.

Sebi ist 23 Jahre alt, kann ihre Arme und Beine nicht bewegen und hat immer ein Beatmungsgerät dabei. Feiern geht sie mindestens alle zwei Wochen, gemeinsam mit ihrem besten Freund, der gleichzeitig ihre Begleitperson für den Abend ist.Was bedeutet es für dich, feiern zu gehen?

Ich würde sagen, dass es keinen großen Unterschied macht, warum ein behinderter Mensch feiern geht, gegenüber einem normalen Menschen. Einfach um den Kopf frei zu kriegen, den Alltag mal Alltag sein zu lassen. Auch um ein bisschen Normalität zu haben – das ist ein Grund, warum ich gerne feiern gehe: Da treffen so viele Menschen, so viele Kulturen aufeinander.
Was kommen dir für Hürden in den Sinn?

Man muss es sich schon sehr genau überlegen, ob man das macht. Wegen der eigenen Sicherheit. Wenn da so unglaublich viele Menschen da sind, es wird mega eng – das kann zu Panik führen, denn du bist dann der letzte Mensch, der rein oder raus kommt und das ist schon krass. An Halloween war es zum Beispiel richtig heftig, ich wurde die ganze Zeit nur angerempelt. Außerdem wird in Bars oft geraucht. Es ist so makaber: Ich habe hinten auf dem Rollstuhl ein Sauerstoffgerät – und vor mir kifft jemand. Das kann man ja auch drei Meter weiter machen.

Das ist manchmal schwierig: Man weiß um die eigenen Bedürfnisse und muss darauf achten und in der Disko willst du dann auch Gleichberechtigung und kannst nicht einen auf Proleten machen und sagen „Hey, mein Beatmungsgerät“ – auf der anderen Seite muss man das ja aber irgendwie. Als Rollstuhlfahrer*in muss man sich auf jeden Fall überlegen, wie man hinkommt und reinkommt. Viele Clubbetreiber*innen gestalten ihre Clubs sogar absichtlich nicht barrierefrei, weil sie sagen, sie könnten für die Sicherheit gar nicht garantieren. Das finde ich extrem diskriminierend und ich frage mich manchmal schon, was mit den Menschen eigentlich los ist. Da wird es einfach hingenommen, dass so viele Menschen einfach wehrlos sind – und diesen Menschen sollte es trotzdem selbst überlassen werden, ob sie in den Club gehen wollen oder nicht, indem man ihnen einen gewissen Schutz gewährt. Da wird über die Sicherheit gesprochen, viele Menschen können sich nicht richtig wehren und das wird dann einfach so hingenommen – und trotzdem sollte es selbst dann ja immer noch deine eigene Entscheidung sein.

Bei dem Club, in den ich oft gehe, kenne ich die Türsteher inzwischen, die nehmen es dann in Kauf, dass drei normale Leute weniger reinkommen, die am Ende vielleicht sogar Stress schieben, damit ich rein kann und eine coole Nacht habe.
Ich glaube, es hat viel mit Konfrontation zu tun: Wenn du als normaler Mensch eine*n Behinderte*n siehst, denkst du dir eben deinen Teil: „Oh mein Gott, das ist ein*e Behinderte*r, der*dem geht’s vielleicht schlechter als mir, möchte ich das jetzt überhaupt sehen oder möchte ich mit meinen Kumpels einfach nur saufen und die Welt vergessen.“

Es gibt Menschen, die finden es cool, wenn Clubs inklusiv und barrierefrei sind. Es gibt aber auch Menschen, die sagen: „Warum lasst ihr sowas überhaupt in euren Schuppen rein?“ Ich kann es einfach nicht verstehen, wenn Clubbetreiber*innen so eine Diskriminierung à la 1940 unterstützen anstatt es zu unterbinden. Es kommt einfach darauf an, ob der*die Clubbetreiber*in sich selbst damit auseinandersetzt oder nicht.

Ich glaube, viele beeinträchtigte Menschen trauen sich dann einfach nicht, fühlen sich wertlos und denken, sie sind es eben nicht wert, in den Club zu gehen – das finde ich extrem traurig. Ich habe meinen besten Freund mit, mit dem ich viel unterwegs bin und es kommt oft vor, dass er mich beschützen muss, weil ich meine Arme und Beine nicht bewegen kann und so weiter. Und davor haben natürlich viele Angst, weil Menschen ihren Konsum und sich selbst dann manchmal hat nicht im Griff haben. Nicht jede*r achtet darauf, was in ihrem*seinem Drink ist, und dann vergessen sich manche eben. Es gibt ne Schlägerei, du hast damit nichts zu tun, stehst einfach in einer falschen Ecke – das geht ja so schnell. Bei uns war es oft so, dass mein Begleiter fast in eine Schlägerei gekommen wäre, weil er verhindern wollte, dass alle auf mich drauf fallen.

Und es macht, leider, ja nochmal einen Unterschied, ob man eine Frau oder ein Mann ist. Als Frau im Rollstuhl beispielsweise alleine feiern zu gehen – das sollte man sich schon sehr genau überlegen, ich persönlich würde das auf jeden Fall nicht machen.


NOTE NOTE –

(Positiver) Ableismus: Der Begriff „Ableismus“ setzt sich zusammen aus dem englischen Wort „able“ (to be able = fähig sein) und „ismus“. Ableismus ist die alltägliche Reduzierung eines Menschen auf seine Beeinträchtigung. Damit einher geht eine Abwertung (wegen seiner Beeinträchtigung) oder aber eine Aufwertung (trotz seiner Beeinträchtigung), die jeweiligen Personen werden nicht als gleichberechtigte Gegenüber wahrgenommen, sondern etikettiert, reduziert und auf- oder abgewertet.

 

Was fällt dir zum Thema positiver Ableismus ein?

Der Spruch „Hey, wie cool, dass du feiern gehst“, ist halt Standard. Es gibt drei verschiedene Arten von Menschen, die mir beim Feiern begegnen. Es gibt die Beobachter*innen, die sich einfach alles zusammenreimen, anstatt auf mich zuzugehen. Dann gibt es diejenigen, die bewusst so tun, als würde ich nicht reden können, und mit meiner Begleitung sprechen. „Hey, hat sie eine Krankheit / Hey, wie geht es ihr / Hey, lebt sie nicht mehr lange?“ – da denke ich mir, man kann auch mich das fragen, wenn überhaupt.

Und dann gibt es noch die Leute, die zu meiner Begleitung sagen: „Ey Respekt, Bruder, dass du dir das antust“ – und die bewusst mir als Menschen im Rollstuhl das Gefühl geben, dass ich eine Belastung bin. Das ist so krass, wenn du nicht mal einen Meter weg stehst und das mitbekommst. Außerdem gibt es dann auch Leute, die mir zum Beispiel einfach einen Kuss auf die Wange geben, die meinen: „Hey, schön dass du da bist“. Ich denke, okay, nett, dass du das feierst, aber du übertrittst hier gerade eine Grenze, das ist ein Übergriff. Oder, dass Typen mich einfach so antanzen, wo ich genau weiß, wenn ich allein da wäre, würde etwas passieren, was ich definitiv nicht wollen würde, und es wäre egal, wie oft ich „Nein“ sagen würde.

Es ist total bunt gemischt, an einem Abend sind es schon so 10-15 Leute, die einen ansprechen, viele Begegnungen, aber auch viele, die ich mir echt hätte sparen können. Ich würde oft gern drauf verzichten, weil ich so nie das Gefühl von irgendeiner Normalität bekomme, weil ich immer angesprochen werde, die Blicke immer auf mir liegen. Kommt auch immer darauf an, wie man sich selbst fühlt.

Was würdest du sagen, wie bereitet man sich am besten auf einen Abend im Club vor?

Es kommt ganz darauf an, was für Grundbedingungen man hat. Zum Beispiel auch, was für einen Rollstuhl. Man sollte sich sicher fühlen, alles bei sich haben. Man sollte sich bereit fühlen, auszugehen. Dann muss man noch unterscheiden, ob man eher am Rand sein möchte, zuschauen, oder ob man aktiv teilnehmen möchte. Prinzipiell würde ich immer empfehlen, dass man in Begleitung geht – damit man immer jemanden hat, den man im Notfall rufen hat.

Man kann auch kleine Barrieren aus der Welt schaffen, zum Beispiel dass man gleich drei statt einem Bier kauft, wenn man sich etwas zu trinken holt, damit man nicht immer hin und her muss. Dass man sich einen Platz sucht, an dem man sich wohl fühlt und dann da den Abend bleibt. Es kommt auch darauf an, was für ein Typ Mensch man ist, ich bin immer gern in der Mitte mit dabei.

Was sollten andere Menschen beachten? Beziehungsweise, wofür sollten Menschen, die feiern gehen, sich sensibilisieren, wenn sie einer behinderten Person begegnen?

Vor allem sollte man immer seinen Pegel kennen. Man sollte, wenn man einen über den Durst getrunken hat, nicht sofort auf die Menschen losgehen. Man sollte sich im Griff haben. Wenn man mit der Person tanzen möchte, auf Augenhöhe gehen „Hey, hast du Spaß, möchtest du was trinken“ – Konsens eben, so wie gegenüber allen anderen Menschen auch. Man sollte auch gewisse Distanz wahren. Man muss nicht 30 Meter weit weg stehen, aber das ist ja ein fremder Mensch und viele sind dann der Meinung, nur weil der*die andere eine Beeinträchtigung hat, kann man sich das Recht herausnehmen, aufdringlich zu sein.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Wenn man einfach agiert, jemanden küsst oder so, und die andere Person kann nicht reagieren, Arme und/oder Beine beispielsweise nicht bewegen – so schnell kann doch niemand ordentlich reagieren. Oder ich müsste halt schreien. Also: Niemals jemand anderem das Gefühl geben, dass er*sie eine Last sei oder dass es etwas Utopisches ist, dass er*sie gerade dort ist. Da muss man auf die Wortwahl achten, ich finde „Ey cool, dass du da bist“ ist schon nett gemeint. Aber wenn man sagt „Hey, hast du Lust zu tanzen“ kann man das Gleiche rüber bringen, ohne zu sagen „cool dass du da bist, dass du dich traust“. Was ist an mir falsch, dass ich mich nicht raus trauen sollte? Klar, das ist oft nicht böse gemeint. Diskriminierung ist es trotzdem.

In jeder Art von Begegnung und Kommunikation ist Ehrlichkeit und Offenheit so wichtig. Ich habe das Gefühl, manche Menschen sind so abgestumpft, dass sie vergessen, zu kommunizieren, und sich auch in die Situation von anderen hineinzuversetzen. Ich fände es so wichtig, dass viel mehr Menschen darüber nachdenken würden, was für sie selbstverständlich ist, was für das Gegenüber aber vielleicht nicht selbstverständlich ist.

Zum Abschluss noch ein kleiner Denkanstoß: Wie viele DJs mit Behinderung kennt ihr eigentlich?

VEF 137 „VEF Radio“ (Yuyay / PossblThings / R.A.N.D. Muzik)

Nanu, da machen drei Labels gemeinsame Sache – zum Glück, denn sonst würden wir die Synth-Abenteuer von VEF 137 verpassen.

Ein sich steigernder, langgezogener Ton, der am Ende von „Introvert“ höhepunktlos verebbt, gefolgt von uralter Telefon-Werbung am Anfang von „Telefon 1-800“: So beginnt das Album „VEF Radio“ von Kirill Junolainen alias VEF 137, das unter gemeinsamer Anstrengung von Yuyay, PossblThings und R.A.N.D. Muzik auf Vinyl, digital und als Tape herausgebracht wurde (wobei die 12″ elf der insgesamt zwanzig Tracks sammelt).

Eine Liebeserklärung an einst moderne Technik sei dies, erklärt der Promo-Text. Anhand der Tracklist wird dies deutlich: Da tauchen obsolet gewordene Geräte wie „Matrixprinter“, „Floppydisc“ oder „Telefax“ auf, aber auch solche wie der „SL-1200“, die vielleicht schon mehr Menschen vermisst werden. Track Nr. 12 heißt dann auch „Nostalgie“ – eigentlich klar, dass die Musik in der retro-futuristischen Welt zwischen Drum-Machines und Synthesizer, Electro und russischen Sprachsamples zuhause ist.

Die verschiedenen Geschwindigkeiten und Stimmungen auf „VEF Radio“ sind knackig auf den Punkt gebracht und dabei auf Albumlänge gesehen abwechslungsreich gestaltet. Meistens ist dies genre-typisch eher dark, wird aber auch ziemlich funky wie bei „Retroman“, rockt sehr munter nach vorne wie bei „UKW“ oder schaut verträumt in die Sterne wie bei „Kinofilm“. Zwischendurch hören wir nochmal rein, wie eigentlich ein „AM Transmitter“ klang und trauern darüber, dass mit Verschwinden des „56k Modem“ auch ein ikonischer Sound abhanden kam, der die vielversprechenden Weiten des Internet akustisch prägte. Ein feines Release und außerdem ein gutes Beispiel für gelungene Label-Kooperationen.

Namedropping: Don’t believe the hype

Braucht jede Party einen großen, bekannten Namen auf dem Plakat? Verschiedene Partyreihen und Kollektive treten den Gegenbeweis an, darunter Changing Factors aus Frankfurt. Und was nun Frankfurt mit Leipzig zu tun hat, lest ihr hier.

„Wer is‘n da Headliner?“, fragt der eine die andere in der Tram. Blick aufs Smartphone, Scrollen, Scrollen – ah, Antwort gefunden. Die Entscheidung ist gefallen – „kenn ich nicht“, was wohl so viel heißt wie „Nee, weitersuchen“, denn nun wird weitergescrollt und andere Locations und Namen werden aufgesagt. Nach drei erneuten Anläufen wird entschieden, man kenne genug der Auftretenden und die Abendgestaltung scheint gerettet. Handy in die Tasche, Blick nach vorn. Der subjektive Bekanntheitsgrad der Künstler*innen im Line-Up hat entschieden – denn manchmal will man nicht rumeiern, da muss man wissen, wo’s hingeht. Partys, die gar kein Line-Up präsentieren, kämen bei den zwei Tramfahrer*innen von eben eher mal so gar nicht durch. Schade eigentlich. „Oder auch nicht“, wie mir einer der Initiatoren einer neuen Line-Up-losen Partyreihe in Leipzig erzählt.

Volle Hütte
Ich glaube kaum, dass es allzu viele Raver*innen gibt, die völligst frei von der Anziehungskraft großer, bekannter Namen sind. DVS1 all night long, Kobosil diesdas und noch irgendwer vom Berghain – volle Hütte, geile Party. Nicht dass noch einer denkt, ich wolle mich da nun besonders individuell zeigen. Oft bis ganz oft sind bekannte Künstler*innen nicht umsonst gefeiert, erfolgreich, „in aller Munde“ – sondern eben richtig gut, in dem, was sie machen. Oder besonders vermarktbar, gehyped und überschätzt. Das gibt’s auch.

Wer schon mal eine eigene Veranstaltung im Nachtleben auf die Beine gestellt hat oder sich auch nur fantasiereich der Frage „Wenn ich eine Party machen würde …“ gewidmet hat, der weiß um die Bedeutung des Headliners, bestenfalls noch in der Mehrzahl. Dazu gerne noch nationale und lokale Künstler, die vom Austausch und eben auch von Publikumsmagneten profitieren, um Menschen zu erreichen. Eine Veranstaltung ohne Line-Up ist eine vergleichsweise risikoreiche Angelegenheit, denn viele Gäste möchten vorher „sicher“ sein, wofür sie 10-12-14 Euro am Einlass zahlen. Die Kuration einer Veranstaltung nach Grundsätzen, Werten jenseits der Verwertungslogik und einem bestimmten Soundstil, das ist ja gut und schön, aber wirtschaftlich – für alle Beteiligten – soll’s bitte auch sein.

Rillendisko, Made to Fade und Changing Factors
Ob mit oder ohne großen Headliner, nur um den Sound, nur um die Musik, geht es in der Clublandschaft nicht mehr. Entwicklungsreich wie eh und je haben sich weitere Kunstformen wie Lichtdesign, Performance, Literatur (ja, auch das gab es schon, ich bin Zeuge) oder Installationen angeschlossen. Bereicherung und_oder Distraktion.

Aber keine Bewegung kommt ohne Gegenbewegung aus. Es gibt sie, die Partys ohne Line-Up, ohne viel Licht, dafür mit Soundverliebtheit bis über beide Ohren. Beispielsweise die Rillendisko, die mittlerweile im IfZ als eigene Sonntagsreihe etabliert ist oder die Made to Fade-Partys („no names, just music“) im Elipamanoke folgen diesem Prinzip.

Zum Jahresende hin besucht nun eine Frankfurter Crew das Leipziger mjut, um dort ihre Partyreihe namens Changing Factors zu veranstalten. Eben jene Party kommt ebenfalls ohne Line-Up daher und kommuniziert vor allem mit einem Mix, was das Publikum zu erwarten hat und stellt die Frage in den Tanzraum, durch welche Kriterien unser gängiges Entscheidungsverhalten und die Erwartungshaltung an eine Party bestimmt wird.Kritik an Clubkultur
Die eine Seite des Konzepts von Changing Factors ist Kritik an bestehender Clubkultur. Gängige Marketingstrategien zielen darauf ab über Namen eine Erwartung zu generieren, die bestenfalls auch bedient wird. Orientierung bieten aktuelle Trends, um eine „erfolgreiche“ Party zu machen, was größtenteils über einen visuellen Zugang, einen gewissen Style funktioniert. In der Konsequenz geht es dann eher darum, seine Individualität durch das Aneignen dieses Styles auszudrücken; kurz: es geht um soziales Kapital. Was auf der Party selbst stattfindet, ist die Wiederholung dieser Erwartung, die durch den „Markt“ erzeugt wurde.

Die performative Seite des Konzepts besteht in der Ablehnung einer solchen Verwertungslogik, die das, was CF-Crew unter Cluberfahrung versteht, stark überformt. Im zweiten Schritt zielt Changing Factors darauf ab eine andere kollektive Erfahrung zu ermöglichen, welche über einen Fokus auf das Zusammenspiel von Musik und Tanz verläuft (mehr zu diesem Thema findet ihr hier).

„Um diese unmittelbarere Begegnung mit der Musik und seinem Körper zu ermöglichen, welche eben mehr als Wiederholung einer vorgefertigten Erfahrung sein will, ist es noch vor der Ablehnung der gängigen Verwertungslogik und der Minimierung von visuellen Reizen auf dem Dancefloor, nötig ein Awareness-Konzept umzusetzen, welches überhaupt erst für alle Gäste die Möglichkeit zu dieser Erfahrung garantieren soll“, erklären sie weiter.

Gerade das Augenmerk auf Awareness ist eine maßgebliche Verbindung zwischen Changing Factors und dem Leipziger mjut, wo hierfür auf jeder Party Personal vertreten ist. Ein weiterer Berührungspunkt des Kollektivs und des Clubs ist natürlich Techno – wobei hier die ‚Detroit-Perspektive‘ vorherrscht, welche Mad Mike wohl am besten erklären kann.

Eine weitere Referenz an die „goldene Era“ ist eine Rave-Line (better call: 0178/4189444), über die ihr Infos über die Party und ein wenig Musik zu hören bekommt.
Ob und wie der Versuch gelingen wird, die Party und das dahinterstehende Konzept von Frankfurt nach Leipzig zu bringen und dabei bewusst auf das gewohnte Namedropping zu verzichten, bleibt nicht ganz unspannend.

Wer sich das ganze anhören möchte, möge am 14.12. die Reise ins mjut zur Changing Factors antreten. Neben dem großen Techno-Floor wird es auch einen Chill-Out-Floor mit entspannter Atmosphäre und Sitz- bzw. Liegegelegenheiten geben. An diesem Abend zählen keine Namen.

Signalstoerung „S“ (Hymen Records) / „IDR“ (Inner Demons Records)

Kalt, schwerfällig, intensiv: Das Debüt-Album von Signalstoerung ist dieses Jahr erschienen.

Ein weiterer in Leipzig ansässiger Musiker, der bisher unter unserem Radar flog, ist Signalstoerung. Als Teil von Adventurous Music und des Kollektivs Global Noise Movement ist er seit geraumer Zeit im weiten Feld der experimentellen elektronischen Musik aktiv. Aber erst dieses Jahr wurde sein Debüt-Album bei Hymen Records veröffentlicht.

Signalstoerung „S“ (Hymen Records)

Das umtriebige Label Defrostica hat ja Anfang des Jahres vermutet, dass die CD ein Comeback haben wird. Nun, Hymen Records scheint dies zu bestätigen und veröffentlicht die elf Tracks des Album „S“ auf einer kleinen Silberscheibe. Eine passende Wahl, wie ich finde, denn wie auch das Medium selbst wirkt auch die Musik von Signalstoerung aufgeräumt, streng, ja fast schon klinisch. Auch die Tracklist folgt dem Konzept: Jeder Titel wurde mit dem Buchstaben „S“ und einer anschließenden Ziffer benannt.

Hier hat alles seinen Platz: Schwerfällige, an Dubstep erinnernde Beats schieben intensive Bässe voran und stellen einzelne, manchmal sanfte, manchmal lärmige Sounds in den Mittelpunkt. Gerade durch die wenigen Komponenten entfalten die reduzierten Melodien wie in „S9“ eine immense Kraft. Das ist keine Tanzmusik für Roboter – das ist eher der Soundtrack zur Präzision autonomer Waffensysteme. In den besten Momenten, wie „S8“, scheint die Zeit stehen zu bleiben, während die KI die nächsten hundert Schritte berechnet. Und wenn im „Copenhagen Edit“ von „S2“ plötzlich entfernter Gesang auftaucht, weiß ich nicht, ob ich fasziniert inne halten oder besser doch die Flucht ergreifen soll. Was für eine Dystopie!

Signalstoerung „IDR“ (Inner Demons Records)

Etwas roher hingegen klingen die vier Tracks, die auf einer – noch so ein obskures Medium – 3″-CD auf dem Label Inner Demons Records erschienen sind. Die Herangehensweise ist eine ähnliche, aber Noise spielt hier noch eine dominantere Rolle als auf „S“. Und wütender klingen die vier Tracks irgendwie auch: Das fällt mir spätestens bei dem fast schon punkigen Schreien auf „IDR4“ auf.

Credit 00 ‎presents „The Cosmic Funk Collection“ (Bordello A Parigi)

Sehr funky: Credit 00 präsentiert vier Tracks abseits der geraden Bassdrum.

Es ist immer wieder spannend zu hören, wenn sich Musiker abseits der üblichen Pfade bewegen und neue Spuren hinterlassen. Ok, Credit 00 pendelt ja schon immer munter von House zu Techno zu Electro zu Disco und allen möglichen Spielarten elektronischer Musik. Aber dennoch überrascht mich die „Cosmic Funk Collection“ auf Bordello A Parigi, da ich so deutlich im Zentrum stehende Breakbeats dann doch nicht erwartet hätte. Zugegebenermaßen habe ich auch nicht alle Veröffentlichungen von Credit 00 verfolgt, vielleicht gibt es also Nachholbedarf für mich.

Die Cosmic Side beginnt mit einem Breakbeat, der aus tiefsten Trip Hop-Zeiten zu stammen scheint, und einigen einleitenden Worten, bevor dann die „Traumorgel“ geheimnisvolle Melodien in den Weltraum schickt. „Sultan of Sansibar“ bohrt sich da schon intensiver in die Gehörgänge: Eine irgendwie ornamentale 303-Melodie mit schönen Hall legt sich über einen perkussiven Disco-Beat. Ohrwurm-Gefahr!

Platte einmal umdrehen. Die Funk Side rockt gleich mit dem Electro-Hip-Hop-Track „System Down“ los, der mit einer weirden Bassline, funkigen Synths und ordentlich Vocoder-Spaß die Bude wackeln lässt. Sehr fresh! Die EP endet mit „Cruisin“, dessen Beat direkt von einer 25 Jahre alten R’n’B- oder Rap-Platte gesamplet sein könnte und mit sonnig-verpeilten Sounds versetzt wurde.

Auffällig ist, wie simpel die Tracks funktionieren – im Grunde hätten sie auch schon in den 80er oder 90er Jahren so entstehen können, man höre nur die geloopten Breakbeats der damaligen Zeit. Vielleicht bin ich ja spät dran und die nächste Retro-Welle bzw. Genre-Plünderung ist schon in vollem Gange. So oder so, das macht hier eine Menge Spaß und ich freue mich gern über weiteren Funk.

Syncboy „Aufnahme Koch EP“ (Lustpoderosa) / „Pracht live Tapes #1“

Fast verpasst: Dieses Jahr gab es zwei neue Veröffentlichungen von Syncboy.

2018 nähert sich dem Ende und wir waren rezensionstechnisch ganz schön faul. Dabei ist sehr viel spannende Musik herausgekommen. Jene von Syncboy hätte ich beinah komplett verpasst. Wahrscheinlich haben wir Syncboy bisher noch nicht bei frohfroh vorgestellt, dochvielleicht hattet ihr bereits die Gelegenheit, eines seiner Live-Sets in Leipzig zu erleben und dabei seine Skills am Modular-Synthesizer kennenzulernen. Nun also gibt es auch mehrere Releases, die seine Musik dokumentieren.

Syncboy „Aufnahme Koch EP“ (Lustpoderosa)

Die „Aufnahme Koch EP“ von Syncboy, erschienen auf dem in Zürich ansässigen Label Lustpoderosa. Zu Beginn das Cover der EP: Das angeschnittene Gesicht von Bodo Hansen, der mit Zigarette im Mund eine Mücke betrachtet. Ein Hinweis?

Die EP startet unbeschwert: „Stolpern 0.3“ versetzt mich schlagartig in den Sommer zurück – Wochenende, Sonnenschein, auf der Wiese rumliegen, dazu nettes Modularsynth-Gebimmel … das klingt angesichts der Winter-Tristesse doch sehr verlockend. Ernster dagegen „Green Market“, hier melden sich dunklere Töne zu Wort, als würden sie der Unbedarftheit des ersten Stücks misstrauen. Vielleicht löst sich aber auch die selige Ruhe auf, weil bereit gesichtete Mücke hungrig in der Nähe herumschwirrt. „Kiss An Elefant“ führt diese Anspannung fort; einige aufblitzende Sounds piesacken nun den Hörer. Folgerichtig klingt „Waterfalls“ nicht zuletzt wegen der Handclaps wie die Vertonung der sich anschließenden Mückenjagd. Verrückt, wie gut die Musik zu dieser nervenaufreibenden Tätigkeit passen würde. Wie die Jagd wohl ausgeht?

Das Cover ist optimistisch: Auf der Rückseite finden wir die Mücke in Einzelteile zerlegt.

Syncboy „Pracht live Tapes #1“

Aber es gibt noch mehr von Syncboy. Die Pracht hat eines seiner Live-Sets auf Tape gebannt und im Grunde wirkt die „Aufnahme Koch EP“ fast wie ein ausgearbeiteter Ausschnitt aus dieser oder einer ähnlichen Session. Einerseits zeigt der Mitschnitt gerade durch die Länge von über fünfzig Minuten die hypnotisierende Qualität seiner Musik. Andererseits aber auch, wie Syncboy immer wieder ruppige Drums einsetzt, die den Hörer aus der Trance herausreißen und an die doch auch punkige Seite des Musikers erinnern.

Disrupt „Omega Station“ (Jahtari)

Mit „Omega Station“ stellt Disrupt neue Soundforschungen abseits von Dub und Reggae vor.

Es ist ja so ein Kreuz mit Library Music. Unzählige Musiker haben in der Vergangenheit diese Art der Gebrauchsmusik für Fernsehen und Werbung produziert, um ihre Miete zu zahlen, aber bestimmt auch, um in gut ausgestatteten Studios experimentieren zu können. Ebenso unzählige Reissues zeugen davon, dass diese Sounds auch abseits des Gebrauchswert (wieder) Interesse hervorrufen. Angesichts der zum Teil extrem kurzen Stücke frage ich mich aber, worin der Sinn für den Hörer und Käufer eigentlich liegt. Am logischsten erscheint mir die Verwendung als Sample-Material; gegen DJ-Zwecke und gegen Home-Listening spricht die Kürze der Stücke und die fehlende Entwicklung in der Musik.

Was hat das alles mit dem neuen Album von Disrupt zu tun? Ganz einfach, auf „Omega Station“ gibt es zwölf kurze atmosphärische Sound-Collagen zu hören, die zumeist ohne Beats auskommen. In der Label-Info wird direkt Bezug auf Library Music genommen und das macht durchaus Sinn: Selten sind die Tracks länger als drei Minuten. Das ist manchmal schade, denn oft habe ich das Gefühl, dass die Geschichten, die hier angedeutet werden, zu schnell abbrechen. Gleichzeitig passiert aber auch einiges in den Tracks: Es sind eben nicht nur reine Soundausschnitte, die auf weitere Verwendung warten. Erst im Gesamtpaket, also beim (gern auch mehrmaligen) Durchhören wird das deutlich – wenn sich das über die Tracktitel und Cover angedachte Science-Fiction-Kopfkino entfaltet.

Disrupt zeigt, dass er ein Meister darin ist, ein vielfältiges Klangspektrum voller liebevoller Details in wenige Minuten zu packen, auch wenn er auf das für Jahtari typische Dub-/Reggae-Korsett verzichtet. Und es macht sehr viel Spaß, den Ergebnissen seiner Studio-Forschungen zu lauschen, sich mit auf die Reise nehmen zu lassen. Diese Reise ist so atmosphärisch dicht und spannend erzählt, dass ich an vielen Orten gern länger verweilen möchte.

Bonus: Jahtari hat auch eine Reihe experimenteller Videos veröffentlicht, die das Album passend visualisieren.

10 Jahre Kann Records

2008 bis 2018 – Kann Records feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Hier ein Überblick über die Platten des Kann-Jubiläumsjahrs.

Zehn Jahre sind gefühlt mittlerweile ein Jahrhundert, wenn es um das Betreiben eines Labels geht. Viele andere Labels sind seit 2008 gekommen und wieder gegangen – Kann Records hat sich als Instanz gehalten und wirkt in diesem Jahr vitaler als je zuvor.

So ging die Kann-Crew um Map.ache, Bender, Sevensol, cmd q und Polo auf Jubiläumstour durch Europa. Und der Backkatalog ist um gleich fünf Platten gewachsen. „Das Ideale Geschenk“ von Sevensol & Bender hatten wir bereits vorgestellt.

Danach folgte die erste Artist-EP von Mary Yalex auf Kann Records. Und sie hat auf der „River EP“ ihren feingliedrigen Ambient-House noch weiter verfeinert. Wobei sich Mary Yalex hier eher von House entfernt hat.

Bis auf den Titeltrack stehen ihre dicht verwobenen, organisch pulsierenden Sounds sehr für sich, ohne von einer drückenden Bassdrum angetrieben zu werden. Das macht „River EP“ zu einer hervorragenden Listening-EP.

Das Konterprogramm lieferte cmd q kurz darauf. „Long Distance Call“ lotet die House-Techno-Übergänge sehr deep und classic aus. Mit Verweisen zum Dub-Techno und Power-House. „Fjord“ taucht noch einmal anders ab: neurotisch zuckend zum einen, subtil treibend zum anderen. Er ist der heimliche Hit der EP.

Höhepunkt des Kann-10-Years-Jubiläums war die große Compilation „Familiy Horror X Good Times“. Als 3-fach-Vinyl kam sie bereits im Frühjahr – kurz vor der Tour – heraus. Mit dabei viel fotografierte Kann-Euphorie, Rave-Impressionen und natürlich viel wahnsinnig gute Musik.

Mit Lawrence, Matt Karmil sowie Jacques Bon & Eugene Pascal, Art Alfie & Axel Boman waren auch ein paar internationale Label-Kumpels mit exklusiven Tracks dabei. Aber das Gros bestritt der aktuelle Inner Circle von Kann Records. Meine Superhits: Perms „HEGDL“ – wow, Perm lässt sich mal einen Tracktitel entlocken –, „Island Jam“ von Philipp Matalla und „Thank U Again“ von Map.ache.

Jetzt am Wochenende kommt noch eine weitere Mini-Compilation heraus, das kleine Post-Finale zum Ausklang des Jahres. „Banana Split“ featuret vier Tracks. Und hier punktet besonders Falke mit seinem extrem endorphinstreuenden „Music Institute“.

Durch His Masters’s Voice kommt außerdem ein ungewohnter Western-Blues-Post-Rock-Vibe in den Kann-Kosmos.Das 30-stündige Rave-Finale findet ebenfalls am kommenden Wochenende statt. Dann lädt die Kann Crew zur langen langen Party bis in den Montagmorgen. Mit dabei a lot of Wegbegleiter:

Bender, cmd Q, Daniel Stefanik, DJ Assam, Dwig, Ergin Erteber, Feinrausmarcel, Fr Fels
HW Rhapsody, I$a, Johannes Beck, Kali Avaaz, Kleine Klinke, Llewellyn, Lux, Manamana, Map.ache, MM/KM, Natascha Kann, Neele, Oceanic, Perm, Polo, Rentek, Sevensol, Victor


Btw: Map.ache hat übrigens gerade sehr überraschend sein neues Album veröffentlicht – auf Giegling. „Vom Ende Bis Zum Anfang“ heißt es, und es erzählt in bester Artist-Album-Weise eine sehr vielschichtige Geschichte zwischen House-, Electronica-, Ambient- und Breakbeat–Momenten.

Es ist damit sogar noch vielseitiger als das Debüt-Album, ohne zu zerfasern. Warum das so gut klappt? Ich vermute das: Map.aches Tracks strahlen immer eine große Persönlichkeit und Authentizität aus – das ist hier nicht anders und scheint ein guter Kit zu sein, um verschiedene Welten zu vereinen.

TransCentury Update Festival

Am kommenden Wochenende findet zum dritten Mal das TransCentury Update Festival statt. Dieses Jahr wird alles etwas größer – das wollten wir genauer wissen.

Es ist kein lupenreines frohfroh-Thema, aber irgendwie trotzdem spannend. Denn das TransCentury Update Festival ist gerade dabei, sich zu einem konstanten Highlight im Leipziger Konzert-Herbst zu etablieren. Stilistisch sehr offen und anspruchsvoll kuratiert traten in den vergangenen Jahren Acts wie Bohren und Der Club Of Gore, Thurston Moore, John Maus und Midori Takada auf. Also durchaus große Namen – und das alles im wunderbaren UT Connewitz mit aufwendiger Visuals-Begleitung.

In diesem Jahr erweitert sich das TransCentury Update Festival um weitere Locations und erstreckt sich über drei Tage. Wir wollten genauer erfahren, was ist mit dem Festival auf sich hat und warum es auch für frohfroh-Leser*innen interessant ist. Einer der Veranstalter hat uns geantwortet.

Was ist die konzeptionelle und musikalische Idee des Festivals?

Begonnen hat das ganze 2015 – als Kirmes unter „Eine Welt aus Hack“ sein letztes lokales Konzert im UT Connewitz veranstaltet hat. Wir fanden uns sympathisch und haben uns fix vorgenommen, in der Zukunft trotzdem weiter „Dinge“ zusammen zu machen.

Aus diesen „Dingen“ wurden irgendwann ziemlich konkrete Festivalpläne. Es gab verschiedene Ideen, letztendlich war unser kleinster gemeinsamer Nenner aber, spannende, neue, vergessene und genre-übergreifende Bands und Künstler*innen einzuladen.

Wir haben das als kleines Update für die Leipziger begriffen – ein musikalisches Update sozusagen. Und dass es in der Pre-Zweitausender-Generation dann eine Fernsehsendung gab, die sich „TransCentury Update“ nannte und den Mensch über das Thema Transhumanismus „geupdated“ hat – wurde von uns als spannend eingeschätzt. So kam es dann zu dem – für die meisten unserer Gäste – eher kryptisch wirkenden Namen.

Aber um auf die Frage zurück zu kommen: Das Konzept besteht darin, spannende Musik zu programmieren – und seit der letzten Edition auch mit passenden Visuals zu bestücken, dafür sind die talentierten Kollegen von Wisp zuständig. Klingt einfach, ist aber so.

In diesem Jahr erweitert ihr den Rahmen über das UT Connewitz hinaus – warum?

Wir hatten vor, ein besseres Festivalgefühl zu etablieren, da wir in den ersten beiden Editionen ausschliesslich im UT Connewitz stattgefunden haben. Das UT bleibt auch dieses Jahr als Festivalzentrum für alle Festivaltage erhalten, nur wird es zusätzlich Freitag auch ein Konzert im Ilses Erika geben, Samstag drei Konzerte im Conne Island und Sonntag eine Kurzfilmrolle bzw. Lecutre am Tage in der Kinobar Prager Frühling.

Welche Konzerte sollten wir „Raver“ nicht verpassen?

Wir würden es euch „Ravern“ ans Herz legen, alle Konzerte zu besuchen. Schließlich finden fast alle Konzerte vor eurer eigentlichen „Raver-Ausgehzeit“ statt, und man ist schon warm getanzt und kann locker bis in den morgen weiter raven.

Wer es aber dennoch ausschliesslich elektronisch will: dem sind WaqWaq Kingdom am Samstag im Conne Island, Mario Batkovic am Sonntag im UT Connewitz – btw. der perfekte Afterhour-Soundtrack! –, Gewalt – für den 80ies-Wave-Raver am Freitag im Tanzcafe Ilses Erika und Klaus Johann Grobe am Freitag im UT Connewitz ans Herz gelegt. Wir freuen uns über alle Besucher.

So und hier nun noch einmal das komplette Programm im Überblick – Tickets für einzelne oder alle drei Tage gibt es hier.

Freitag – 16.11.2018

UT Connewitz: Kikagaku Moyo, Klaus Johann Grobe, Orchestra of Spheres
Ilses Erika: Gewalt

Samstag – 17.11.2018

UT Connewitz: Crack Cloud, Ought, U.S. Girls
Conne Island: Dream Wife, Unknown Mortal Orchestra, WaqWaq Kingdom

Sonntag – 18.11.2018

Kinobar Prager Frühling: Jessica Nitsche „Denken Sie Groß“
UT Connewitz: Andromeda Mega Express Orchestra, Mario Batkovic

Notes from the Underground: 25 Jahre Zonic

Ein weiteres Jubiläum: Das Zonic Magazin feiert am 9.11. im IfZ sein 25-jähriges Bestehen mit einem Doppel-Event, das sich sehen und hören lässt.

Zweimal zurückspulen, bitte: Vor zwei Jahren gab es an dieser Stelle bereits ein Interview mit Alexander Pehlemann, der im Institut für Zukunft die Reihe Gegenkrach! kuratierte und Herausgeber des Magazins Zonic ist. Außerdem verfasste er die Liner Notes der Magnetband-Compilation, mit der rares Material der DDR-Kassetten-Szene wiederveröffentlicht wurde und die sich ebenfalls auf eine vom Zonic Magazin zusammengestellte Doppel-CD bezieht. Nun feiert Zonic am 9.11. 25-jähriges Bestehen im Institut für Zukunft und knüpft thematisch an die genannten Projekte an.

New Composers live 1985

Zunächst gibt es unter dem Motto Notes from the Underground zwei Talks: Erst werden Jan Kummer und Frank Bretschneider von Frank Apunkt Schneider zu ihrer Zeit als AG. Geige interviewt – ihre Frühwerke werden gerade wiederveröffentlicht. Wer bereits die Kassettentäter-Veranstaltung besucht hat, kann sich vorstellen, wie unterhaltsam das werden kann. Danach wird der Blick auf die Ex-USSR erweitert: Alexander Pehlemann spricht mit dem Valery Alakhov von den New Composers aus St. Petersburg über sein Schaffen, das von Magnetband-Experimenten über Rave bis zu Ambient reicht. Zwei Konzerte runden die Talks ab: Valery Alakhov spielt Material der New Composers aus den späten 80ern, danach stellt Karl Marx Stadt eine Auswahl von Musik aus, nun ja, Karl-Marx-Stadt derselbigen Zeit vor.

AG Geige live 1986

Bleiben wir kurz in der Vergangenheit: Die Talks und Konzerte hängen mit der Veröffentlichung der Compilation „Unearthing The Music presents Notes From The Underground. Experimental Sounds behind the Iron Curtain“ zusammen, auf der nicht nur AG. Geige und New Composers, sondern eine Vielzahl weiterer Underground-Musiker aus dem ehemaligen Ostblock und Jugoslawien vertreten sind. Die Aufnahmen stammen aus der Zeit vor dem Mauerfall und dem Ende des Eisernen Vorhangs, zum Teil auch aus der sich daran anschließenden Transformationszeit.

Zur Musik selbst sagt Alexander Pehlemann:
„Die versammelten Sounds sind experimentell im weitesten Sinne, stilistisch wie im damaligen Kontext. Von elektrischem Post Punk über Dada-Noise oder Schamanen-Punk bis hin zu vokaler Avantgarde-Poesie im Cut-up.“

Das auf der Compilation enthaltene Lied „Elektrische Banane“ von der AG. Geige gibt einen Eindruck, wie das klingen kann:

Die Zusammenstellung wurzelt in der Ausstellung „Notes from the Underground“, welche zuerst im polnischen Lodz und in der Berliner Akademie der Künste den Zusammenhang von Kunst und Klang im Osten zum Thema hatte. Sämtliche vertretenen Musiker waren dort ebenfalls präsent – es handelt sich also um eine Art Audio-Katalog, der von den beiden Kuratoren David Crowley und Daniel Muzyczuk in Zusammenarbeit mit Alexander Pehlemann, dem portugiesisches Online-Archiv-Projekt Unearthing The Music und dem Leipziger Major Label realisiert wurde. Wer in das Thema tiefer einsteigen möchte, kann zur Doppel-LP auch noch ein zusätzliches Buch über den Mailorder des Labels erwerben.

Das sich Alexander Pehlemann darüberhinaus für alle möglichen (nicht nur musikalischen) Subkulturen interessiert, bestätigen einerseits 25 Jahre Zonic wie auch auch der zweite Teil des Doppel-Events. Auf die Konzerte folgt unter dem Namen Electronica Eclectica eine Party auf zwei Floors, die von befreundeten DJs und Live-Acts bespielt werden: Unter anderem Frank Bretschneider, Cora S., Disrupt, Krystoff, LXC sowie diverse Teile der Al-Haca-Crew feiern das Jubiläum des Magazins. Das dürfte dann auch was für Freunde aktuellerer Sounds sein.

Happy Birthday, Zonic!

Various Artists „Recipe Decalogue“ (Moniker Eggplant)

Moniker Eggplant feiert das fünfjährige Bestehen – mit einer Compilation, die wie auch das Label Bezug zu Leipzig aufweist.

Irgendwie ist das ja auch manchmal kompliziert mit Leipzig. Einerseits habe ich längst den Überblick verloren, wer was so alles an Musik macht, andererseits ziehen auch immer wieder spannende KünstlerInnen weg. Das IDM-Duo Meier & Erdmann weilt bereits seit einigen Jahren in Berlin, hält aber nicht zuletzt mit der Auswahl ihrer Musiker auf dem hauseigenen Label Moniker Eggplant Kontakt zu Leipzig. Nun wird fünfjähriges Bestehen gefeiert: Zehn Tracks gibt es digital und auf Vinyl zum Geburtstag.

Ein Blick auf die Tracklist verdeutlicht den Netzwerkgedanken des Labels. Wie auch schon bei den vorangegangenen Compilations versammelt das Label eine Menge MusikerInnen, die sich gefühlt seit Ewigkeiten mit wilderen elektronischen Sounds beschäftigen, aber auch von den größeren Musikmedien ignoriert werden. Da tauchen IDM-KünstlerInnen wie Karsten Pflum, MimiCof, Ivan Shopov und Roel Funcken neben Skweee- und House-Maestro Duke Slammer und dem Bass-Experten Desmond Denker auf. Und auch Leipziger Musiker sind vertreten.

Beginnen wir mit Leise im Kran, den wir einerseits als Teil von Meier & Erdmann kennen, dessen Welding Sessions wir aber auch bereits vorgestellt haben. Sein „Krafthammer“ ist der zweite Track der Platte und vielleicht auch der wildeste: Er klingt, als ob verspulte Comic-Figuren Keller-Clubs stürmen, um auf dem Techno-Floor zu pogen. Ich kann mir keine größere Freude vorstellen, als „Krafthammer“ auf ein unvorbereitetes Publikum loszulassen.

Außerdem gibt es ein Wiederhören mit PorkFour: Sein „Specular Reflections“ ist eine gutgelaunte Frickel-Electro-Funk-Nummer, die durch ihren Reichtum an Melodien und durch verspielte Synthesizer beeindruckt, beides jedoch mit einem durchgängigen Groove zusammenhält. Selbst nach mehrmaligen Durchhören habe ich nicht das Gefühl, den Detailreichtum des Tracks erfasst zu haben, gleichzeitig wirkt er aber auch nicht überfrachtet.

Wie Leise im Kran hat auch Karl Marx Stadt Leipzig Richtung Hauptstadt verlassen. Möglicherweise deutet der Name „Wedding Sofa Crasher“ an, in welcher Lebensphase der Track entstanden ist. Roboterhafte Beats sind da auf dem Sofa entstanden, die zwischendurch unkontrollierte Laser durch die Luft ballern und eine bedrohliche Atmosphäre aufbauen.

Kommen wir zum Ende zurück zu Leise im Kran: Zu „Krafthammer“ gibt es ein fulminantes Video, in dem ein Werbevideo des VEB Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz remixt wurde. Seht selbst, wie gut DDR-Technik zu IDM passt:

Zum Spaß das Original:

Und hier die gesamte Compilation zum Reinhören und natürlich auch zum Kauf: