KW 36 – Samstag

Gebrochenes Herz? Heute gibt es die passende Party für dich! Dazu aber auch noch einiges. Unsere Samstagstipps.

Partyname: Club Heart Broken
Zeit:10.09.2022, 23:59 Uhr
Location:Institut fuer Zukunft
Acts:Malugi, Narciss, Leeza, Ostbam, Surf 2 Glory, Dchim b2b Sedaction

Das IfZ wird in dieser Nacht zum Safespace für alle People mit gebrochenen Herzen. Seit 2017 kümmert sich die Berliner Crew „Club Heart Broken“ mit Partys um diese nicht kleiner werdende Gruppe. Der Balsam: Musik, vor allem ein eklektischer Mix aus House, Soul, Footwork und anderen heilenden Sounds. Mit Narciss und Ostbam zieht das Tempo dann aber auch noch an.


Außerdem heute:

Saturday Rave – Distillery, 23:30 Uhr – House und Techno mit Fka.M4a, Mystery Affair, Sandrien, Peter Invasion, Stephan von Wolffersdorff

Portal – IG Fortunga – Kino der Jugend, 16 Uhr – Ambient Soundscapes und House mit Luzi, Sui und Sonnenstadt – powered by Elipamanoke

Allesamt Kollektiv & PVC – Elipamanoke, 23:55 Uhr – Techno und Hard Tec mit Lace Bobbin, Kosmovič, Iskra, Elle Empty, Paethrosilius Zwackelmann, Chacha, Medha, IZA, Eulogy

KW 36 – Freitag

Das neue Wochenende startet mit einem bekannten Club unter neuem Namen. Dazu gibt es fünf weitere Tipps im Osten und Westen.

Partyname: Heatwave
Zeit:09.09.2022, 23 Uhr
Location:Neue Welle
Acts:L.F.T., Chloe Lula, Rekorder

Neue Welle? Ja, richtig gelesen – der Club an der Antonienbrücke hat sich vor Kurzem umbenannt. Die Betreiber:innen wurden darauf hingewiesen, dass der alte Name nicht losgelöst von der europäischen Kolonialgeschichte gelesen werden kann. Das gesamte Statement dazu gibt auf der Club-Website. Starker und sehr reflektierter Move auf jeden Fall!

Die heutige Party wird etwas darker – mit Wave-, EBM- und Electro-durchsetztem Techno. L.F.T. aus Hamburg und Chloe Lula aus Berlin sind in diesem Bereich sehr versierte DJs und Produzent:innen.


Außerdem heute:

Never Grow Up – Ilses Erika, 23 Uhr – Italo Disco und Synth Wave mit Luigi Andrea Ramazotti, Catweasel, I. Marcello

Containern Extended – Mjut, 18 Uhr – Indoor- und Outdoor-Rave mit Aehm, DJ Trinkwasser, Bigo, Azil, Antonio Barbetta

Boundless Beatz – Distillery, 23 Uhr – Drum & Bass mit Pull 180, KamiKatze, Dørte, Dubbalot

Feels Like Friday – Kulturlounge, 22 Uhr – House und Tech House mit Henryk, Metulsky, Reece Walker

It’s A Eli Thing – Elipamanoke, 23:59 Uhr – House und Techno mit Bjørnje & Swendje, Kimya, Lars Goldammer, Ninette, Splinter, Zischko

Fitness-Oase – xxx, 22 Uhr – Minimal und House mit Audio Werner und Metaboman

Collagenhaft-trippiges Patchwork beim Meakusma Festival

Am vergangenen Wochenende fand im belgischen Eupen das Meakusma-Festival statt. Dort spielte auch Philipp Matalla sein Live-Debüt. Unsere Autorin Nikta war da und hat mit ihm gesprochen.

Seit 2016 findet in Eupen, einem beschaulichen 20.000-Einwohner-Städtchen kurz hinter der deutsch-belgischen Grenze, das Meakusma Festival statt. Gut 1.000 Menschen schlenderten nach dreijähriger Pause am diesjährigen ersten September-Wochenende durch Eupens Gassen und über das Gelände des Alten Schlachthofs, wo ein Großteil der Veranstaltungen stattfand. Das Line-up steht den großen Akteuren der Szene in nichts hinterher, ist ein Sammelbecken für Techno-Avantgarde, Zeitgenössische-Musik-Nerds und Feierwütige, die noch ein letztes Festival der Saison mitnehmen wollen. 

Auch ein Name aus der lokalen Halle-Leipzig-Szene tauchte im Line-up auf, und das gleich zweimal: Philipp Matalla. In Eupen feierte er eine Premiere: sein Live-Debüt. Das kommt mal dubbig daher, mit Elementen aus Hip Hop und Industrial, zunächst ganz experimentell und später tanzbar. So, wie auch die DJ-Sets des Künstlers: Alles ist unerwartet und auch mal gewollt disharmonisch. Aber dennoch harmoniert es, dieses collagenhaft-trippige Matalla-Patchwork. Wir haben mit ihm über aktuelle Projekte und seine Verbindung nach Eupen gesprochen.

Nach einer Pause findet nun wieder das Meakusma-Festival in Eupen statt. Du bist nicht zum ersten Mal dabei. Wie kam die Verbindung zum Meakusma zustande?

Ich wurde vor einigen Jahren mal eingeladen, in Eupen zu spielen, noch bevor es das Festival gab. Seitdem sind die Veranstalter und ich in Kontakt geblieben. 

Was macht für dich den Reiz des Meakusma-Festivals aus? 

Das Festival ist spannend kuratiert, sowohl die Auswahl der Künstler:innen als auch die Orte und Räume funktionieren unglaublich gut zusammen. Generell fühlt es sich oft eher an, als würde man eine Reihe von Ausstellungen besuchen, als auf ein Festival zu fahren. Auch weil Eupen als Ort gut integriert wird.

Das jüngste Release auf deinem Bandcamp-Account ist im Oktober 2021 auf dem „Training Tactics“-Sampler, einer Compilation hallescher Künstler:innen, erschienen. Was hast du die vergangenen Jahre so getrieben? 

Ich habe vor allem an meinem ersten Album als Philipp Matalla gearbeitet. Gemeinsam mit anderen Leuten habe ich  in Halle und Umgebung einige Veranstaltungen organisiert mit Partys, Konzerten und Ausstellungen. Zum Teil als WUEST, unter anderem in Spätis, im Theater oder auch im Schwimmbad. Auch beim Tarmac-Festival war ich involviert. Ansonsten habe ich im Januar noch eine Radiosendung bei Radio Corax angefangen.

Und woran arbeitest du gerade?

Bis zuletzt habe ich an einer ersten Version eines Live-Sets gearbeitet, das ich zum ersten Mal auf dem Meakusma Festival gespielt habe. Ich habe noch einige Ideen, die ich noch ausprobieren will, wie zum Beispiel eine zusätzliche Videokomponente.

Deine Gigs sind generell rar gesät. Wie fühlt es sich nach der langen Corona-Pause für dich an, wieder live zu spielen und aufzulegen?

Ich merke auf jeden Fall, wie viel da gefehlt hat, wenn man nach langer Zeit mal wieder einen guten Abend hatte. 

Du warst gleich doppelt im Meakusma-Line-up vertreten, einmal als Liveact und einmal als DJ. Wo liegen die Herausforderungen?

Beim Live-Set ist alles neu für mich und deshalb eine große Herausforderung. Als DJ will ich generell die Musik spielen, die mich in dem Moment abholt und jederzeit alles umwerfen können, wenn mir danach ist, unabhängig von üblichen Strukturen oder im Rahmen bestimmter Styles. Das war schon immer so, birgt aber das Risiko, dass die Stimmung im Raum jederzeit kippen kann. Es wird dafür aber umso mehr belohnt, wenn die Leute vor Ort ähnlich ticken. 

Und in welche Richtung geht das Set? Was war dir bei der Kuratierung fürs Meakusma-Set wichtig?

Das Meakusma Festival ist sehr offen. Deshalb lässt sich dort ohne Probleme ein Set so angehen wie eben beschrieben. Ansonsten habe ich auch ein paar Artists integriert, die am Wochenende auch vor Ort waren.

Lange ist’s her, dennoch verbindet man den Namen Philipp Matalla noch sehr mit dem Leipziger Label Kann. Wie hat dich diese Zeit geprägt?

Das war damals wichtig für mich. Sonst hätte ich definitiv schlechter Selbstvertrauen aufbauen können, was meinen Output angeht, sowohl als DJ, als auch in Produktionen. Die Leipziger Szene war wahnsinnig offen mir gegenüber und ich konnte in kürzester Zeit viele Leute und Clubs kennenlernen. Dafür bin ich immer noch sehr dankbar. 

Du machst seit Anfang des Jahres deine eigene Radio-Show: Sie heißt „Unarchived“ und läuft bei Radio Corax. Was verbirgt sich hinter dem Namen und was ist dir beim Gestalten der Sendungen wichtig?

Ich hatte während der Pandemie darüber nachgedacht, eine Sendung zu starten, damit ich einen neuen Kanal habe, um Musik zu spielen, auch wenn Clubs nicht offen sind. Das hat bisher gut geklappt, auch mit einigen super Gästen. 

Die Sendung soll möglichst zum Zeitpunkt der Ausstrahlung gehört werden. Es läuft zwar auch noch eine Wiederholung, aber auf ein Archiv vergangener Sendungen hatte ich keine Lust. Es soll sich nicht so anfühlen, als würde man was für die Ewigkeit aufnehmen, sondern eher ein klassischer Radio-Moment für die Hörer:innen sein.  

Was steht in nächster Zeit an?

Mein Album! Es heißt „Stakes“ und kommt später dieses Jahr auf dem Label Meakusma heraus.

Foto Live-Set: Caroline Lessire

Ein Sonntag im Werk – LUCY Festival

Demnächst ist wieder der Herbstrundgang auf der Spinnerei. Dieses Jahr lohnt es sich, am Sonntag auch ein paar Schritte weiterzugehen – zum LUCY Festival. Wir haben Tickets zum Verlosen.

Wer es noch nicht wusste: Hinter der Spinnerei versteckt sich seit 2020 ein architektonisches Highlight – die weiß-gläserne Kugel nach Plänen des berühmten brasilianischen und 2012 verstorbenen Architekten Oscar Niemeyer. Seine Kugel wirkt so, als sei sie direkt in eine alte Backstein-Fabrik reingerauscht. Ein urbaner Metorit inmitten eines aktiven Industrie-Unternehmens – den Kirow-Werken, immerhin führender Hersteller von Eisenbahnkränen. Die interessante Story hinter hinter der Kugel gibt es hier auch in einem Video zu sehen.

Der einzigartige Oscar-Niemeyer-Space ist Teil der Techne Sphere auf dem Gelände der Kirow-Werke, mittlerweile ein nicht unwichtiger Ort für die Leipziger Kulturszene. Denn die Techne Sphere wird immer wieder mit Performances, Ausstellungen und Theateraufführungen bespielt – und am 18. September mit einem Indoor-Rave im Warehouse-Style, dem LUCY Festival.

Das Tages-Festival sollte eigentlich schon im letzten Jahr auf dem Gelände der Pittlerwerke stattfinden, doch dann kam Corona nochmals dazwischen. Nach einer längeren Suche haben die beiden Kurator:innen Georg und Lucy nun im Techne Sphere einen ebenso imposanten wie passenden Ort gefunden, an dem auf zwei Floors Neues und Altes zwischen House und Techno aufeinandertreffen. Und das mit einem sehr spannenden Line-up.

Mit Marcel Dettmann, Job Jobse und Barker sind nicht nur drei wirklich großartige Headliner eingeladen, ab 11 Uhr werden eine ganze Reihe von internationalen Newcomer:innen und echten Geheimtipps auflegen – darunter Niks aus London sowie THC und Zeynep aus Berlin. Mit I$A und ttyfal sind auch zwei upcoming Acts aus Leipzig mit dabei. Hier ein Eindruck, was euch musikalisch alles erwartet:

Alles auf einem Blick / Verlosung:

LUCY Festival // 18. September 2022 // 11-23 Uhr
w/ Barker, I$A, Job Jobse, Marcel Dettmann, Niks, Rifts, THC, ttyfal, Victor, Zeynep

Wir verlosen 2 x 2 Tickets. Mitmachen geht ganz einfach: Einfach bis zum 12.9.22 eine Mail an dance @ frohfroh.de schicken und schreiben, auf welchen Act du dich am meisten freust.

Wer auf Nummer sicher gehen mag: Hier gibt es die Tickets im Vorverkauf.

Graphics by Squizzy.p

KW 35 – Samstag

Nach einem eher ruhigen Freitag fährt Leipzig am KW 35-Samstag wieder richtig auf. Mit zwei Open Airs und einem Re-Opening.

Partyname: Hey Ciao
Zeit:03.09.2022, 12 Uhr
Location:Richard-Wagner-Hain
Acts:Jess Passeri, Julita Just, Josi Miller, Don Ramones, Alekz Mulder

Die „Hey Ciao“-Reihe hat sich einen Open Air-Slot auf dem Wagner-Hain geschnappt und läutet diesen Samstag mit großer House-, HipHop-, Soul- und Disco-Lässigkeit ein.


Außerdem heute:

Reopening Clubnacht – Institut fuer Zukunft, 23:59 Uhr – House, Techno und Ambient mit Mats Heinrich, Jamaica Suk, Olivia Mendez, Shrœderin, Sinh Tai, Serdi, The Invisible Trainstation b2b Albina

Datsche #11 Open Air x Summer Closing – Elipamanoke, 23:59 Uhr – House, Techno, Minimal, Disco und Performance mit Bastian Balders, Hendrik Kaden, Jacqueline Boom-Boom, Kleinschmager Audio, New Hook,
s.ra, Vidsutnist

Bassmæssage – xxx, 22:22 Uhr – Dub, Breaks, Dubstep, 8Bit und mehr mit Sattadub Soundsystem (w/ Cate Hops, Dubby T., Mrn), Zoumo Soundsystem (w/ Bhed & Kaep, Valeska, Junktion, Cun, Tano & Tico) und dem Lab Under The Radar-Floor (w/ Ubunoir, Niki Matita & Coco Lowres, Kid Kozmoe, Shortee)

Saturday Rave – Distillery, 23:30 Uhr – House und Techno mit Matrixxman, André Galluzzi, Mella Dee, Stigmatique, Houdafk

Westhafen Klub – Westhafen, 18 Uhr – House und Techno mit DJ Hell, Britta Arnold, Empro Sledge

Weitere Tipps für heute bei SoundOfLeipzig

KW 35 – Freitag

Yeah, die frohfroh-Ausgehtipps sind zurück aus der Sommerpause. Zum Start geht’s breakig und divers los.

Partyname: Afro Latin What?!
Zeit:02.09.2022, 22 Uhr
Location:Kulturlounge
Acts:DJ Freegah, Lioness Mob & Linha Azul

Spätsommerliche Vibes im Osten. DJ Freegah aus Köln nimmt uns mit auf eine sehr diverse Reise durch alte und aktuelle Sounds aus den vielschichtigen Subkultur-Szenen Afrikas – zwischen Tropical Bass, Reggaeton und Afrohouse. Dazu gibt es Local Support von den „Afro Latin What?!“-Residents Lioness Mob & Linha Azul.


Außerdem heute:

Urban Bass Bungle Vol. 1 – Elipamanoke, 22 Uhr – Drum & Bass mit Particle, Bass Letics, Blightz, Covo, Chirac, Cptr, Highthere, Jivee, Kalleidos, Krambledore, Minako, Vj Nerddisco, Noir, Pijay, Schickmalzwo, Skeiz, Trone

New In – Jul / Aug 22

New In ist zurück aus der Sommerpause – wir haben die spannendsten Leipzig-Platten aus Juli und August herausgefiltert. Here we go!

Various Artists „Clear Memory 008“ (Clear Memory)

Direkt am 1. Juli kam eine neue Clear Memory heraus – dieses Mal eine 5-Track-Compilation mit einigen neuen Electro-Nuancen. Varum ist auch dabei und mixt wie schon bei seinem tollen Debüt-Album sehr erfrischende 80igs-HipHop-Vibes mit rein. Und Mr. Beefs „Project 15“ ist so nice melodiös und groovy, wie ich Electro schon lange nicht mehr gehört habe. Aber auch VR-Systems „Electro Queen“ hat einigen Pop-Appeal. Die größte Überraschung ist Hayter. Er haut mit seinem „Leicht Bewölkt, Sonst Hayter“ ein richtiges Wave-Pre-EBM-Brett heraus. Mit deutschen Vocals und guter Dramaturgie. Sehr vielseitige und spannende Compilation.

Mein Hit: „Project 15“. Why: Weil mich die ruppiger Softness direkt mitnimmt.


Gnork „RM12017“ (R.A.N.D. Muzik)

Bei R.A.N.D. gibt es erstmals House aus Budapest zu hören. Gnork steuert eine 4-Track-EP bei, die wie so oft bei R.A.N.D. in der House-Nostalgie schwelgt. Hier aber mal mit schön scheppernden Claps und HiHats sowie einigen Breaks-Sidekicks. „RM12017“ changiert sehr gut zwischen einer gewissen Straightness und der obligatorischen House-Deepness. Richtig warmflutend klingt „Lazy Beats“, ein unglaublich einnehmender Bass mit ebenso umarmenden und warmen Snyth-Chords. Dazu ein etwas verstockter Beat, der permanent die Spannung hält, ohne sie richtig aufzulösen. Mega.

Mein Hit: „xxx“. Why: xxx.


Limc „Ramp EP“ (Inch by Inch)

Yeah, Christoph ist für eine Plattenreview zurück, er hat die neue Inch by Inch und meint dazu: Beim Lindenauer Plattenladen Inch by Inch nimmt die Label-Arbeit mittlerweile immer mehr Fahrt auf. Während das zugehörige Hip Hop-Sublabel Hole in One seit 2020 fünf 7″-Singles mit Beats und Remixes von Inch by Inch-Chef Drunkenstein herausgebracht hat und sich außerdem um Reissues rarer Memphis-Rap-Aufnahmen kümmert, ist auf dem vielseitigen Hauptlabel nun die vierte Vinyl-Veröffentlichung erschienen. Nach sphärischen House-Gefilden, schmackhaften Italo-Disco-Edits und trockenen bangenden Electro folgt mit der „Ramp EP“ vom Leipziger Producer Limc ein Sound, der hier weder im Nachtleben noch in der Labellandschaft häufig stattfindet, aber dennoch auch nie wirklich weg war. Vertrackte Rhythmik, verspulte Melodien, oft durch eine unüberschaubare Anzahl von Effekten gejagt und vor allem in UK nicht selten mit einer verregneten Melancholie durchsetzt: Vor ein paar Jahrzehnten wurde diese Kombination vom legendären Label Rephlex treffend als Braindance bezeichnet.

Dabei könnte das epische Herzstück der A-Seite, „R.O.D.“ tatsächlich nicht nur das Hirn, sondern auch den Dancefloor waghalsiger 160+bpm-DJs zum Tanzen bringen, die diese Mischung aus klaustrophobischen Acid, sich gegenseitig ausbremsenden Breakbeats und Samples nachgeladener Munition einzusetzen wissen. Mit zurückhaltenen Beats entlässt „Ocean“ dann etwas Druck aus dem Kessel, wenngleich die Stimmung ähnlich angespannt bleibt.

Erst auf der B-Seite verschiebt sich die Stimmung: „Pulsim“ wirkt wie eine in Audioform festgehaltene, bittersüße Erinnerung an die soeben durchtanzte Nacht, „Hrzzlam“ erinnert an den Hangover nach der Party, den man mit Aspirin und Samurai-Videos auskurieren möchte, und zum fröhlich quietschenden „Klixx“ laden sich dann die Batterien wieder ganz passabel auf – für das nächste Level im Party-Game. Oder auch für den Neustart des Spiels, wofür die Platte einfach wieder auf Seite A umgedreht werden kann.

Mein Hit: „R.O.D.“. Why: Weil der Track auf fast zehn Minuten einen unfassbaren Sog entwickelt.


Jermaine Soul „Signs feat. Utelka“ (Defrostatica Records)

Ungewohnte Töne gab es Anfang Juli bei Defrostatica. Das Leipziger Label wagt sich mit dem Birminghamer Producer Jermaine Soul an einem breakig-sphärischen Downtempo-Pop-Ansatz. Utelka Johnson steuert dafür erfreulich unprätentiöse Soul-Vocals dazu. Das Experiment geht voll auf: „Signs“ beginnt zurückhaltend und düster, öffnet sich mit einem super einnehmenden, fast sakralen Refrain. Den beiden gelingt es tatsächlich, hier die Breaks- und Pop-Welten nahtlos zu verschmelzen, ohne dass eine der beiden Seiten dabei einstecken muss bzw. cheesy wird. Ticklish & Max9d zeigen mit ihrem Remix, dass „Signs“ auch bestens auf den Dancefloor passt. Hier zieht das Tempo deutlich an, die Vocals zerfasern und der Pop-Song wird mit typischen, aber keineswegs langweiligen Club-Dramaturgien neu aufgezogen. Eine sehr gute Überraschung im Defrostatica-Katalog.

Mein Hit: „Signs“. Why: Weil das Original so ausgewogen und selbstbewusst klingt.


Aromatisé „Melon“ (self-released)

Und zum Schluss noch ein Soundtrack für laue Sommernächte. Aromatisé, ein neues Duo von Titus Waldner und der Sängerin und Flötistin Manon, sind in diesem Sommer mit zwei ersten Tracks aufgetaucht. Die beiden haben offensichtlich ein Faible für softe 90s-House-Sounds und zuckrigen Lofi-Pop mit hingehauchter französischer Note. Während „Apricot“ eine dezent schiebende Ode an die Aprikose ist, wird die Herrlichkeit der Melone im neuen Track mit warmem Bass und weichen Synth-Chords zelebriert. Alles sehr schlüssig, eventuell auch mit ironischer Note. Denn das Video zu „Apricot“ ist in seiner VHS-Ästhetik doch etwas zu cheesy geraten.

Mein Hit: „Apricot“. Why: Weil sich House-Deepness und französischer Gesang wirklich sehr gut vertragen.


HAL „Placid“ (Counterchange)

Die Überraschung des Augusts ist eine EP von HAL. Als Name hatte ich schon länger zusammen mit Perm auf dem Schirm. Aber von eigenen EPs hatte ich bislang noch nichts mitbekommen. „Placid“ erscheint auch nicht irgendwo, sondern auf dem Label von Ed Davenport. Die vier Tracks hier nehmen einen auch direkt mit in die Techno-Zeit der späten Neunziger und frühen Zweitausender – als nicht wenige Artists sehr stilvoll mit Trance-Elementen und vernebelten Dub-Techno-Schüben Techno und House auf das nächste Level brachten. Alles klingt etwas wolkig und verschleiert, leicht mystisch aufgeladen und trotzdem straight in den Bassdrums. Mit „Kido“ entstand auch ein Track gemeinsam mit Perm. Beide schwingen sich in eine immer schneller und trippigere Reise, die nach und nach neue Dimensionen entfaltet. Unglaublich starke EP.

Mein Hit: „Kido“. Why: Weil es dramaturgisch so einnehmend produziert ist.


Salomo & Reece Walker „Free001“ (Breakfree Records)

Ende August startete auch ein neues Label aus Leipzig: Breakfree Records. Salomo und Reece Walker haben es gegründet, die beide schon aus anderen lokalen Backgrounds bekannt sind. Die „Free001“ teilen sich beide Gründer mit eigenen und gemeinsamen Tracks, die mit gewinnen Oldschool-Vibes in der House-Geschichte bewegen. Dezent treibend, immer mal wieder ungerade und dazu break-related Vocal-Samples und eine angenehme Lässigkeit. Eine sehr schöne Platte für den derzeit aufkommenden Mix aus Sommer-Nostalgie und spätsommerlicher Melancholie.

Mein Hit: „Evaporate“. Why: Weil der Track so geschmeidig und vielseitig zugleich groovt.


Maurice Schirm & Merlin May „Drifting In And Out Of Focus“ (110100100.global)

Zum Schluss ein neuer Release von 110100100.global – kürzlich hatten wir das spannende Label im Porträt. Und mit „Drifting In and Out of Focus“ featuret einmal mehr zwei weitere Neuentdeckungen: Maurice Schirm und Merlin May. Beide verbinden in ihren drei Tracks auf sehr schlüssige Weise Electronica mit Shoegaze, Ambient und Avantgarde. Besonders bei den ersten zwei Tracks geht dieser Sound-Mesh richtig gut auf, da sich Harmonie und Dissonanz in gleichberechtigter Balance halten. So entsteht ein Sog an hektischer Rhythmik und trippigen Synths.

Mein Hit: „Drifting In And Out Of Focus“. Why: Weil der Track wie ein gleitender Flug über flirrende Landschaften klingt.

Hey Hey – Inch by Inch

Einige werden es schon mitbekommen haben: Der Inch by Inch-Plattenladen ist umgezogen. Sebastian von unserem neuen Hey Hey-Podcast hat ihn mit seinem Mikrofon besucht.

Seit vier Jahren betreibt Philipp alias Drunkenstein den Inch by Inch-Plattenladen in Lindenau. Als kleiner Laden für vorwiegend gebrauchtes Vinyl und lokale Veröffentlichungen hat er sich schnell ein Stammpublikum aufgebaut. Parallel dazu betreibt Philipp einen durchaus großen Discogs-Shop und ist eng mit dem Inch by Inch-Vertrieb verbunden.

Seit Juli 2022 ist der Plattenladen nun eine Ecke weiter zu finden – in der Merseburger Straße 95. Mit mehr Platz und besser eingebettet in benachbarte Spätis, Bars und andere Läden.

Sebastian, unser Hey Hey-Podcast-Host, war im neuen Laden und hat mit Philipp darüber gesprochen, warum er umgezogen ist, welche Challenges er in der ersten Corona-Zeit durchstehen musste und was er an der neuen Location alles vorhat. Hier könnt ihr den Talk nun hören:

Wenn ihr jetzt im Inch by Inch stöbern wollt, dann haben wir hier noch ein paar Infos für euch:

Inch by Inch
Merseburger Straße 95, Leipzig
https://inchbyinch.eu/

Di – Fr 14 bis 19 Uhr
Sa 11 bis 16 Uhr


Ach ja, wir hatten bereits einen Podcast mit Philipp zur Frage: Wer kauft heute eigentlich noch Platten?

Fotos: Nina Köllner

frohfroh präsentiert: Sir Mantis am 27. August im Mjut

Der Leipziger Rapper und Producer Sir Mantis feiert sein neues Album „180 Grad“ mit einem Konzert im Mjut. Unterstützt vom Missy Magazine, Springstoff und frohfroh. Hier erfahrt ihr alle wichtigen Infos: Wo, wann, wie viel und mit welchen Acts.

Wo haben wir ja schon verraten: Das Mjut wird draußen und drinnen bespielt. Denn Sir Mantis komt nicht alleine, er hat noch einige Acts mit im Gepäck.

Wann wird das Ganze passieren? Am 27. August ab 19.30 Uhr. Yay! Seid gerne pünktlich, denn den frühen Abend werden wir im wunderschönen Mjut-Außenbereich verbringen, bevor es dann im Club mit den Konzerten losgeht.

Das Konzert, vielmehr die Konzerte, bringen eine Reihe bekannte Künstler:innen aus Leipzig und Berlin auf die Clubbühne: Haszcara, Saphira, Radikkali, Art3m1s, MC Ellenborgen, das Duo Der Nebenwiderspruch und Pexa wurden von Sir Mantis als Support eingeladen und werden von Rap-Fans sehnlichst erwartet.

Sir Mantis darf natürlich auch nicht fehlen, denn der Anlass des Konzerts ist sein Debut-Album namens 180 Grad, das genau einen Tag vorher erscheint.


Update Update

Mittlerweile ist das Album draußen – und ihr solltet es nicht verpassen:

Foto von Sophia Emmerich.

Filmtipp: Doku über den Elektro-Osten

Unser Filmtipp für alle, die gerade beim Nachti waren, die auskatern, die schon in den 90ern in den Technoclubs dabei oder zu dieser Zeit noch nicht geboren waren — die neue ARD Doku „Techno House Deutschland“ widmet sich neben Berlin und Frankfurt auch dem „Elektro-Osten“.

Von der Raving Society zum Mainstream-Sound: Wie der Techno die Region um Leipzig, Dresden und Jena eroberte und wie vielfältig sich die Szene im Osten entwickelt hat, das will MDR Kultur in zwei von insgesamt acht Doku-Folgen herausfinden. Mit dabei sind unter anderem die Macher:innen des Escape to Olganitz-Festivals und DJs wie Mira, Matthias Tanzmann und Daniel Stefanik. Ein Blick in die Vergangenheit, in die 90er und ins Jetzt.

„Techno ist Selbstverständnis. Es ist Popkultur. Techno ist nicht mehr Raving Society, wie es in den 90ern war. Es ist im Hier und Jetzt angekommen. Es gehört einfach dazu“, resümiert Thomas Sperling vom Kassablanca in Jena die Entwicklung.

Auch die Festivalszene rund um Leipzig wird begleitet: In der zweiten Folge erzählen die Macherinnen des Escape to Olganitz, ehemalig Nachtdigital, die Geschichte ihres Festivals. Passend zum langersehnten Comeback, das genau dieses Wochenende stattfand.


Die MDR-Doku „Elektro Osten“ ist Teil der achtteiligen ARD-Reihe „Techno House Deutschland“ mit Porträts und Liebeserklärungen an die Technoszene(n) in Deutschland.

Zu sehen sind alle Folgen ab 29. Juli in der ARD Mediathek und am Sonntag, 31. Juli ab 23.40 Uhr im Ersten.

Foto: Escape to Olganitz/Nachtdigital.

KW 29 – Samstag

Hot, hotter, Leipzig this weekend: Clubhopping und Pittlerwerke.

Partyname: Phobia
Zeit:23.7., 15-02 Uhr
Location:Pittlerwerke
Acts:AZIZAM, DJ Spit, Europa, madwoman und XVII

Der Hype-Spot im Leipziger Norden lädt ein, und zwar zur neuen Partyreihe „Phobia“. Mit Pool, Edits, Hyperpop und Power. Technoid wird es zwischendurch auch noch. Too hot to handle? Try it.

Am Börnchen 2, tagsüber (und zwar da, wo unter anderem die Serie ZERV gedreht wurde), open air – enjoy! And stay hydrated.


Außerdem heute:

Global Space Odyssey – Ab 12 Uhr: GSO! Global Space Odyssey-Demo durch Leipzig. Los geht es am Elipamanoke. Hier geht’s zur Route. #ResetthePreset

Clubnacht Soliticket Party Institut fuer Zukunft, 23:59 Uhr – Genrefluid – insgesamt neun Clubs laden alle Soliticketholder (und alle ohne Soliticket) zum Clubhopping ein. Auch das IfZ ist mit von der Partie. Und zwar mit Kontinum, Ninette, Atalanta, Schana, Gado Gado, Workshop, Sui, Valeska, DJ Fingerblast, Joy Sparks und T-Data.

Alle drei Floors im IfZ, krasses Line Up, neun Clubs. Neun? Yes, please, but how? Wer ein Soliticket der Livekomm hat und sich fragt, wie das Ticket denn nun eingelöst werden kann – wir haben Antworten für euch! Und einen Podcast-Tipp gleich dazu.

Hier geht’s lang zu „Hey Hey“, dem neuen Podcast von frohfroh:

KW 29 – Sonntag

Die frohfroh-Ausgehtipps sagen: Ciao, schönen Sommer! Aber ein paar Hinweise für die Pause gibt es trotzdem.

Ja, die Ausgehtipps gehen in die Sommerpause – auch, wenn viele Clubs noch etwas länger offen bleiben. Aber wir sind unterwegs und gönnen uns Urlaub.

Falls ihr dennoch informiert bleiben wollt, dann schaut unbedingt bei Twitter auf SoundOfLeipzig vorbei. Falk kuratiert ebenfalls jede Woche Ausgehtipps – auch über Leipzig hinaus.

Ansonsten sind über den Sommer jeden Mittwoch Halftime im Conne Island sowie die Sommerbar im Mjut. Beides übernice. Bis Ende Juli öffnet donnerstags auch der Teergarten im IfZ. Und die Distillery hat auch noch einige Termine.