Volles Programm an diesem KW 17-Samstag – mit dabei der IfZ-Birthday und eine Gästelisteverlosung.
frohfroh-Tagestipp //
9 I N E // Institut fuer Zukunft // 23:59 Uhr w/ fr.Jpla, Justine Perry, Kaiser, Ostbam, Karete Bu b2b Eves120, Mor Elian, ttyfal, DJ Luiser, Facci OG, Angelconda, Yung FSK18
Happy birthday, IfZ! Zum neunten Geburtstag gibt es ein extra volles Programm mit drei Floors voller Techno, House und Breaks sowie HipHip und Bass. Außerdem dabei: ein Bällebad im Darkroom, spontane Bierspiele mit dem Nebula-Kollektiv und neuer Merch mit Can’t Decide und Lion Sauterleute.
Musikalische Highlights sind auf jeden Fall Mor Elian und Justine Perry, neben den IfZ-Residents natürlich.
Wir verlosen 2 x 2 Gästelistenplätze für die Party: Einfach eine Mail an dance @ frohfroh.de schicken und sagen, worauf ihr euch am meisten freut.
Außerdem heute //
Heatwave – Neue Welle, 23:00 Uhr – Special Club-Sounds, Breaks, Prog Bass, Electro und Wave mit Lena Willikens, Miss Take, F.R. Fels
Opening Rave – Wuest (Pittlerwerke), 22:30 Uhr – Techno, Minimal, Fäncy-House mit André Galluzzi und Bonbons
24 h Wohnzimmer – Distillery, 23:00 Uhr – Techno, House mit Trikk, Ed Davenport, Aurora Halal, Meggy, Estella Boersma, Panthera Krause, Peter Invasion, Thomas Stieler, Qnete, Baby Mango, Preller, Napoleon Dynamite, DJ HDGDL, Paul Koski, Vincent Neumann, Ninette, Atalanta, Miami Müller
Ritmo Spumante – Kulturlounge, 23:00 Uhr – Italo, Disco, House mit Anka, Cremant Ultras, Robin E. Rubecula, Mensch Hans
Dieser Club-Freitag zur Buchmesse bietet eine Preview für ein neues Festival, ein xxx und viel Techno.
frohfroh-Tagestipp //
Chimaera x Waldbrand Teaserparty // Mjut // 23:55 Uhr w/ 503, Nthng, SQF2000, Carlo Caracho, Kaya Karacho, 3LNA, DJ Uludag, Acima, Kim Shine, Action Bronko, DJ DVB
Vom 23. bis 25. Juni 2023 findet im brandenburgischen Friedland das erste Chimaera Festival statt. Entstanden aus einer Idee von Dresdner Raver:innen soll hier Rave und Urlaub verbunden werden – unter anderem werden DJ Mell G und Lux im Sommer dabei sein.
Zur Teaserparty heute gibt es ein Team-up mit der Waldbrand-Crew. Es erwartet euch also eine gute Mischung aus Techno, Electro, Trance und Breaks – und mit Nthng sogar einen deepen Delsin-Act.
Außerdem heute //
PACE – Leipzig-West, 23:00 Uhr – Techno mit Houdafk, Konkarve, Dari And The Beast, DJ Tudor b2b Good Guy Roman
Breakfree, das recht junge Sub-Label von R.A.N.D. Muzik, hat in diesem Frühjahr zwei neue EP rausgebracht – hier sind beide in einer Review.
Grundlegend bin ich vor Tech House immer ein wenig geflüchtet. Seitdem Hard Techno und Trance ihren Platz in kommerziellen Clubs Leipzigs gefunden haben, ist das Genre auch nur noch wenig präsent. Um mich eines Besseren zu belehren, releasten Breakfree Records im Februar und März gleich zweimal. Breakfree ist das Sub-Label von Leipzig-Label-Größe R.A.N.D. Muzik und veröffentlicht seit Sommer letzten Jahres. Der Sound des Labels verschreibt sich einem progressiven House-Sound – verspielt und groovy.
Mtty „Shtüm“
Die 003 bildet da mit dem ersten Vinyl-Release des canberra-based Artists Mtty keine Ausnahme. First Track „Shtüm“ leitet die EP mit einem Sog aus Basslines und spielerischen Percussions ein. Die hintergründigen Synths wirken dabei schon fast ambient-artig und schaffen Kontrast; beruhigen gegen die aufgeregten kleinen Sounds und Elemente. Spätestens beim zweiten Track wird deutlich, dass sich die Befürchtung von einer Hommage an klassischen 2000er-Tech-House nicht bestätigt.
„Oma the Wailmer“ bleibt bassig und groovelastig, kommt aber vom typischen Four on the Floor ab und findet sich auf sehr sauberem Breakbeat wieder. Die hauptsächlich ausgelassene Stimmung des ersten Tracks schwindet: „Oma the Wailmers“ Pads wirken zwar recht ruhig, beginnen jedoch langsam aggressiver zu werden, sich weiter in den Vordergrund zu drängen.
Besonders atmosphärisch wird’s auf Track Nummer 3 „That’s Nonsensical“. Mit verschiedenen kleinen Voice-Samples, verträumten Synths und wabernden Acid-Basslines wird hier futuristischer Sound erzeugt. Erinnert sehr an die Reflex Blue-EP auf R.A.N.D. Muzik vom Januar 2022.
“Wonki“ wiederum ist schon fast trancig. Auf jeden Fall hält der Track, was er verspricht und bringt ganz viel Wonkiness ins Rennen. Groovy Bass, Percussions, luftige Voice-Samples sind mit am Start, dieses Mal halt nur ein wenig schneller.
Kepler “Sense“
Ein Monat später folgt die „Sense EP“ vom wiederkehrenden Artist Kepler. Dieser hat schon letztes Jahr einmal bei R.A.N.D. Muzik veröffentlicht. Was direkt auffällt: Keplers Sound geht ohne zu Zögern in eine klare Richtung. Drums, Basslines und Synths sind gezielt und präzise, laden zum tanzen ein. “Sense“ und “Confusion“ zeigen sich minimalistisch. Die einzelnen Elemente wirken ausgewählt, perfektionistisch. Dass Kepler sonst auch viel UK Garage produziert, lässt sich unweigerlich raushören und zeigt sich stetig bei den snappy Drums. Seine „Sense EP“ ist sauber und nüchtern, kriegt es dabei aber hin, abwechslungsreich zu bleiben. Dass liegt auch den wenigen Elementen, die hier exakt gesetzt wurden.
Im Vergleich klingen beide EPs zwar in der Wahl der glitchigen Sounds, kreativen Basslines und gelegentlichen Voice-Samples recht ähnlich, unterscheiden sich jedoch in ihrer Herangehensweise. Während sich Mtty einem atmosphärischeren Tech House verspricht, konzentriert sich Kepler auf weniger Sounds, die dafür aber umso aufgeräumter klingen.
Also: FREE003 & FREE004 machen sehr neugierig, was aus dem Hause Breakfree Records noch kommen mag. Dabei sind beide EPs garantiert etwas für Leute die Tech House mögen und so gut, dass sie auch was für Leute sind, die prinzipiell mit Tech House nichts anfangen können. Unbedingt mal reinhören!
All My Ghosts ist alles andere als ein Newcomer – in diesem Jahr feiert das Leipziger Label sein fünf-jähriges Bestehen. Wer dahinter steckt und wo es musikalisch hinmöchte, erfahrt ihr hier.
Es gibt nicht mehr viele Labels, die uns noch klassisch mit physischen Promos bemustern – wenn überhaupt. Meist suchen wir selbst bei Bandcamp oder Soundcloud nach neuen Leipzig-Releases. Bei All My Ghosts ist das anders. Im Dezember 2022 lag ein liebevoll verpackter Brief in unserem Briefkasten. Darin die damals parallel veröffentlichten neuen Album von Gregor Dys sowie Flowers & Fabini. Ein paar Monate davor waren wir über die Split-EP von Discount Furniture und 5AA5 erstmals auf das Label gestoßen und sehr fasziniert von dem diversen Label-Katalog.
Höchste Zeit also für ein Porträt. Kurz zu den Hard Facts: All My Ghosts ging Anfang 2018 an den Start, mittlerweile sind 20 Releases herausgekommen – oftmals auf Tape, teilweise auch auf Vinyl. Stilistisch bewegt sich All My Ghosts zwischen Indie-Rock und Postpunk, Ambient und Downbeat, Dream-Pop und experimenteller Electronica, House und Wave – ein beachtliches Spektrum also. Gegründet wurde das Label von Nils Schäfer. Als Nils Panda produziert er auch selbst elektronisch-poppig-indieske Tracks und schreibt seit Neuestem auch Reviews für frohfroh. Warum er das Label gegründet hat, erklärt er am besten selbst.
__Interview
Wie kam die Idee zu All My Ghosts?
Die Idee kam nach meinem Umzug von Berlin nach Leipzig. Ich hatte in Berlin gesehen, dass man im Kleinen schon eine Menge Dinge auf die Beine stellen kann. Damals hatte ich noch eine Band, die bei bei dem kleinen Berliner Label Späti Palace veröffentlicht hat. Die und ein paar andere Leute haben in Berlin Konzerte veranstaltet und die lokale Szene gepusht. Das hat mich fasziniert und inspiriert.
Ich wollte mit All My Ghosts dann auch eine Plattform haben, um selbst Dinge entstehen zu lassen. Und eine Base für eigene Releases und all die Leute um mich herum haben. Anschluss an die „Szene“ in Leipzig habe ich schnell gefunden, ich habe die Leute einfach immer angequatscht, wenn ich mitgekriegt habe, dass die Musik machen.
Wer steckt noch alles hinter dem Label und aus welchem musikalischen Kontext kommt ihr?
Hinter dem Label stecke ich, wobei ich aber mega unterstützt werde von Freund:innen, die immer mal aushelfen – vor allem von der Grafikerin Iska Kaek, mit der ich auch zusammen die Mixtape-Reihe „Ghost Tapes“ auf Soundcloud mache. Iska hat sehr viele Releases auf All My Ghosts gestaltet und steht auch immer tatkräftig zur Seite bei der Umsetzung der physischen Tonträger – also wenn es um Verpackung, Siebdruck usw. geht.
Ich habe mich immer für die lokalen Szenen der Städte interessiert, in denen ich lebe. In diesem Sinne ist mein jetziger Kontext in Leipzig die elektronische Musikszene und die junge Jazzszene. Aber auch in der Bandszene hänge ich mit drin. In Berlin und in München war es immer die Indie-/Postrockszene in der ich unterwegs war, ganz früher Techno und elektronische Musik. Jetzt ist das irgendwie alles zusammen. Ich denke das Konzept von DIY hat auch immer eine Rolle gespielt, egal in welcher Szene ich grad so unterwegs war.
Fotos: Iona Dutz
Dein Katalog ist recht divers – was ist aus deiner Sicht der musikalisch-künstlerisch rote Faden bei All My Ghosts?
Ich stehe hinter allem, was ich veröffentliche – das ist der rote Faden. Alle Menschen, die Musik auf All My Ghosts veröffentlichen, sind Freund:innen gewesen oder durch die Zusammenarbeit geworden. Ich möchte nur Musik veröffentlichen, für die ich 100 Prozent brenne. Da die Label-Arbeit quasi neben dem Job läuft, kann ich auch nur so arbeiten. Durch Events wie das Ghost Fest habe ich auch versucht, Dinge zusammenzubringen, die auf den ersten Blick vielleicht erstmal nicht zusammen passen. Ambient, Dreampop, Postrock. Am Ende ist es aber einfach alles Musik, die mir gefällt. Natürlich habe ich auch mal drüber nachgedacht, dem Label einen „Style“ zu verpassen, bin dann aber schnell gescheitert beim Nachdenken darüber, weil mir das zu gewollt erschien.
Wie schätzt du die Leipziger Musikszene ein – wo sind spannende Entwicklungen, woran hapert es noch?
Es ist schwierig, das als Zugezogener zu bewerten. Was ich aber sagen kann ist, dass ich in Leipzig eine sehr breit aufgestellte Musikszene vorgefunden habe, in die ich schnell eintauchen konnte. Es gibt so viele Leute, die coole Sachen machen und immer wieder neue Locations. Auch glaube ich, dass die Leute nicht so die Scheuklappen aufhaben, was Überschneidungen in den Szenen angeht. Ich bewege mich sehr gerne in den verschiedenen Szenen und genieße es. Natürlich versuche ich auch, einen Teil dazu beizutragen.
Vielleicht ein bisschen konkreter wäre es auf die Arbeit von den eingesessenen Institutionen wie UT Connewitz, Conne Island, Noch Besser Leben oder Ilses Erika hinzuweisen oder die Plattenläden zu nennen wie Inch By Inch und Vary. Oder die Labels, die schon ewig ihr Ding machen wie Altin Village & Mine, Kann etc. Auch spannend finde ich den Jazzclub, der die Jazztage organisiert und da neue Wege geht. Neue Locations ploppen auch immer wieder auf, im Westen wie im Osten. Die (Tape-)Labelszene ist auch so ein Ding, das komplett flashig ist. Es gibt sehr viele kleine Labels, die einfach machen, auf was sie Lust haben, sich dabei aber auch immer wieder miteinander verbünden. Prepaid Records und Cassettendienst fallen mir da spontan ein. Die Leute haben Bock, was zu machen und das inspiriert.
Was sind deine nächsten großen Pläne und Ziele mit dem Label?
Vor Kurzem ist die Vinyl-EP von Twins in Colour erschienen, einer Dream-Pop-Band aus Leipzig. Und dann kam eben ein IDM-Release von Discount Furniture auf Tape an.
Im Mai findet der „Fachmarkt für Kulturgut“ im Rahmen des Busy Hands Festivals – ein Festival für Konzertposter Festival – statt, wo diverse (Tape-)Labels am Start sind und ihr Zeug anbieten können. Ich möchte im Sommer unbedingt wieder ein Event auf die Beine stellen mit Bands und Acts. Auch sehr gerne will ich das „Ghost Tapes“-Mixtape-Konzept zu einer kleinen Partyreihe machen, die so durch die Bars tourt. Leute legen einfach ihre Lieblingsmusik auf. Dafür suche ich noch die passenden Locations.
Foto: Iona Dutz
__Label-Katalog
Zum Reinschnuppern in den All My Ghosts-Katalog gibt es ein paar unserer Highlights:
Discount Furniture „Envelope“
Eine rau und niedlich pulsierende Electronica-EP, die mit der Game Boy-Software Nanoloop entstand. Mit hölzernen Oldschool-Beats, kantigen Melodien und einer herrlich-kindlichen Neugier. Aber alles mit feinem Gespür für Pop.
Twins In Colour „In Event Of Moon Disaster“
Retrofuturistisch klingende Synth-Pop-EP mit zwei unterschiedlichen Gesangsstimmen und einer nächtlich-unterkühlten Atmosphäre. Und zwischendurch sehr amtlich-hitverdächtige Dream-Pop-Songs.
Gregor Dys „Verwoben“
Eine traumeinladende Reise durch modular erzeugte Synth-Sounds, einer Gitarre sowie anderen akustischen Instrumenten. Sehr kontemplativ und irgendwie auch trippy mit recht freien Arrangements.
Flowers & Fabini „Digitally Assisted Music Vol. 1“
Hier treffen Trompete und elektronische Experimente aufeinander. Erinnert mich direkt an Nils Petter Molvaer, mit kantigeren und kitschigeren Phasen. Auch hier: Ein tolles Album zum Abtauchen und angeregten Entspannen.
Elme „Shimmer“
Noch ein Duo – hier werden Samples und Synths, Loops und Cuts zu deep-crispen Downbeat- und House-Tracks. Sehr laidback und harmonisch.
Nils Panda „121212“
Und zum Schluss noch das Album des Label-Betreibers Nils. Auf „121212“ vereint er seine verschiedenen musikalischen Richtungen mit einigen Gästen. Heraus kommen zarte Indie-House-, verträumte Downbeat-Pop-Songs sowie sich freier entfaltende Electronica-Stücke.
__Fotos
Wir freuen uns sehr, dass uns ab sofort auch Iona Dutz beim Bebildern ausgewählter Porträts unterstützen wird – sie hat alle Bilder dieses Artikels aufgenommen. Wie sie arbeitet und was sie bei ihrem ersten frohfroh-Shooting geflasht hat, erzählt sie hier:
“Hey, ich bin Iona. (Licht-) Stimmungen und Menschen sind ein super wichtiger Teil meiner Arbeit als freie Porträt- und Dokumentarfotografin. An meinem Job liebe ich es, immer wieder in neue Situationen und (Lebens-) Geschichten einzutauchen und sie sichtbar zu machen.
Durch die Fotosession mit Nils bin ich auf sein kleines Label All My Ghosts aufmerksam geworden und geflasht von den Musikern, die er vertritt – insbesondere das neue Album von Twins in Color hat mich sofort in den Bann gezogen. Ich denke von All My Ghosts und der Band wird man künftig mehr hören …“
Es ist Zeit für eine Neuentdeckung aus der vitalen Leipziger Tape-Szene: ein neues Release des DIY-Labels Cassettendienst.
Mitte März gab es eine neue Veröffentlichung auf Cassettendienst, einem Leipziger Tape Label, welches zu 100 Prozent im DIY-Modus operiert und das man als Freund:in der lokalen Underground-Bandszene auf jeden Fall auf dem Schirm haben sollte. 2021 gegründet, kommt hier von Produktion bis Gestaltung fast immer alles aus einer Hand. Und zwar aus der von Illustrator, Musiker und Poster-Show-Veranstalter Markus Färber alias Holob.
Die neueste Kreation auf Cassettendienst trägt den schönen Namen Gummer, wobei sich der Labelchef hier wohl selbst hinter die Tasten und das Mischpult geklemmt hat. Zusammen mit seinen zwei Mitstreitern David Hummel und Wilm Beckhoff wurde die Musik mit Synth, E-Drums, Bass und Violine in mehreren Sessions live über einen 4-Spur-Recorder eingespielt.
Und so klingen die sechs vorliegenden Stücke auf „#1“ auch – noisy, hypnotisch, krautig, elektronisch und analog zugleich. Es rauscht, es wird getrommelt, der Filter verdreht, den Instrumenten alles abverlangt. Fans von Experimental, Kraut- und Postrock und solche, die es werden wollen, kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten. Abgerundet wird die EP mit sechs Tracks wie immer mit einem stilsicher gestalteten Tape, inklusive Risoprint-Artwork und Poster.
Noch ein Tipp für Tape-Fans – Busy Hands Fest
Übrigens: Wer auf Kassetten und Konzertposter – oder am besten gleich beides – steht, sollte sich auf jeden Fall die Zeit vom 12. bis 14. Mai 2023 dick im Kalender anstreichen. Denn dann findet die nächste Postershow im Neuen Schauspiel Leipzig statt – und zwar im Rahmen vom „Busy Hands Fest“ mit einem Labelmarkt. Dieses und weitere Tapes können hier gehört und erworben werden.
Draußen im Garten #openair // Villa Hasenholz // 12:00 Uhr w/ Modus
Oha, sollte nun also wirklich mal der Frühling losgehen? Wahrscheinlich ist das weiterhin erstmal nur ein Teaser an diesem Wochenende. Anyway. Heute darf draußen etwas getanzt und gechillt werden – Modus bespielen den Hasenholz-Garten, ein gemeinsames House / Tech House-Projekt von Daniel Stefanik, Dilivius Lenni und Norman Hentschel.
Nice, das Elipamanoke und Mjut kuratieren eine gemeinsame Nacht mit ihren eigenen Residents. Das ergibt ein sehr diverses Programm aus Hard Techno, House, Bass, Breaks Trance und Drag.
Außerdem heute //
Saturday Rave – Distillery, 23:00 Uhr – House und Techno mit Maayan Nidam, Edward, Kieran Behan, Yamour, Steffen Bennemann, Polo, Fr. Fels, Premio, Mp.ulle,
Ziemlich voller und diverser Freitag. Mit Italo, Mode-Techno, Electro und viel Techno.
frohfroh-Tagestipp //
Italo Island // Conne Island // 23:00 Uhr w/ Italo Brutalo, Anka, Möbelnder Pop, Filburt, Don Ramones, I. Marcello, Miriamore
Die beiden Leipziger Party-Crews Italo Fundamentalo und Hey Ciao treffen sich im Island und feiern eine ganze Nacht lang den analog-poppigen und teils skurrilen Charme von Italo Disco, Space Disco, Dark Disco und Cosmic Sounds. Mit Italo Brutalo ist auch ein Berliner Headliner mit am Start – im letzten Sommer hat der Vintage-Synth-Fan mit „Heartwave“ ein sehr schlüssiges Album veröffentlicht.
Außerdem heute //
Unknown – Kulturlounge, 23:00 Uhr – House, Techno und Trance mit Eva, Agua, William und André Hering
Formula – Neue Welle, 23:00 Uhr – Electro, Techno und Mash-up mit Cyan 85, Andi A, P.Vanillaboy
Coast Side Stories – Institut fuer Zukunft, 23:59 Uhr – House, Tech House, Slow House, Techno mit Okaxy, Sarah Kreis b2b Caleesi, Frida Carlo, Judith van Waterkant, Arne Schattenberg, Katzengold, Albina & Dario & Radičić
Nakt – Distillery, 23:00 Uhr – Mode-Techno mit Schering, Yesht, Floor Force One, Mødze, Nikolina, Warind
Exil – Elipamanoke, 23:59 Uhr – Hard Tek, Trance, Techno mit H369, Sanguinica, Illousion, Splinter, Tausendmesser, Goalz, Sistr, c4llin, Wasn’t Born
Schutt und Asche – Ilses Erika, 23:00 – Techno und Trance mit Rasante Rilke, ACSID, Surativ & Rbnstx, DJ Tudor
Dark, schroff und sehr eigen – so klingt das Debüt-Album von IfZ-Resident Subkutan. Letzte Woche kam es beim Leipziger Label Hypress heraus. Und wir haben reingehört.
Subkutan hat die Leipziger Clubszene der letzten fünfzehn Jahre deutlich mitgeprägt. Vor elf Jahren hatten wir ihn in einem längeren Interview – damals stand er mit seinem dytopisch-treibenden Techno recht allein in Leipzig. Heute schwer vorstellbar, aber Leipzig war Anfang der 2010er Jahre fest in House- und Minimal-Hand. In dieser Zeit hostete Subkutan die Vertigo-Reihe und gehörte zum Inner Circle der ersten aufregend-turbulenten Jahre des Institut fuer Zukunft.
Auch wenn er hauptsächlich für seine Techno-Sets bekannt ist, Subkutan produziert schon länger Musik, solo und als Teil des Duos artPara – erste Tracks waren bereits auf diversen IfZ-Compilations zu hören. Dort wurde schnell klar, dass er als Producer experimenteller und industrieller unterwegs ist.
Mit seinem Debüt-Album „Unwritten“ festigt Subkutan diese Linie nun weiter. Techno im klassischen Sinn gibt es nur auf einem Track: „I Can See We’re Already There“. Und selbst hier liegt eine schroffe Kühle und dystopische Unruhe in den Sounds. Ansonsten löst sich Subkutan rhythmisch von allen funktionalen Dancefloor-Ansätzen und spielt mit breakigen, dubbigen und scheppernden Kicks. Auch sonst ist „Unwritten“ klanglich stark von einer bedrohlichen und neurotischen Atmosphäre geprägt – mit industriell-harten Synths, unruhig-repetitiven Sounds und spooky Spoken Words und waviger Unterkühltheit. Überhaupt die Words: Subkutan scheint ein Faible für dunkle Poesie zu haben – in vielen Tracks kommen Poems vor. Am eindrücklichsten ist hier „The Early Bird“ mit einem theatralischen Vocal-Feature der Leipzigerin Mia Gara.
„Unwritten“ ist kein einfach zugängliches Album, es fordert und wehrt sich gegen eine vorschnelle Techno- und Club-Vereinnahmung. Es vertont viel mehr eine Welt voller Zerwürfnisse und Brüche, unangenehmer Umgebungen und verstörender Situationen. Und das auf sehr vielfältige und kompromisslose Weise – kein Track gleicht dem anderen, Subkutan wählt jedes Mal einen neuen Ansatz. Das macht es nicht leicht, „Unwritten“ als zusammenhängendes Artist-Werk zu verstehen, es könnte auch eine Compilation verschiedener Acts sein.
Aber andersherum liegt genau darin auch die Stärke des Albums: Es ist so unberechenbar und mutig, so eigen und dramatisch, wie auch Subkutan als DJ und Producer agiert. Wer aus diesem Kosmos doch etwas für den Club sucht, findet es mit den Remixen von Kaltes Herz und Sylie Mariarz. Alex.Do und Kareem lassen sich dagegen ebenfalls auf die musikalischen Experimente der Originale ein.
Etwas spät, aber diese EP müssen wir einfach noch vorstellen: Dj Balduins Teaser auf ein Album in diesem Sommer.
Dj Balduin auf Kann Records. Da steigt doch schon die Laune, bevor man überhaupt den ersten Ton gehört hat. Das Label steht seit nunmehr 15 Jahren für sehr gute elektronische Musik aus Leipzig – und darüber hinaus. Es hat quasi noch nie eine schlechte Platte veröffentlicht und zuletzt mit Releases von z. B. Innere Türen und dem Sub-Label Long Vehicle die Klangpalette nochmals stark erweitert.
Auch Balduin ist kein Unbekannter in der Szene. Er betreibt das experimentierfreudige Label GLYK Records, findet sich immer wieder auf den Line-ups der Stadt wieder und hat mit ein paar starken Releases auf QC Records und Kompakt bereits für einiges an Aufmerksamkeit gesorgt. Die zwei Tracks hier sind sein Kann-Debüt und als digitale Veröffentlichung via Bandcamp erhältlich.
„Da Float“ kommt als flächiger Breakbeat-Track mit Voicesample-Garnierung daher, der auf dem Dancefloor in null Komma nichts ein paar Happy Vibes verbreitet und tatsächlich die vom Label angekündigte Gänsehaut auszulösen vermag.
Das zweite Stück der Veröffentlichung namens „Kaset Sin“ entpuppt sich als House-Nummer mit 90s-Flair, die mit warmer Wander-Bassline, Jazz-Snare und organischen Percussion-Samples punktet. Habe ich die sphärischen Synth-Sounds bereits erwähnt? Schiebt auf jeden Fall sehr gut. Uh yeah! Wenn das die erste Brise von Balduin auf Kann war, darf man sich wohl ab jetzt offiziell auf mehr freuen. Im Sommer soll nämlich ein Album kommen.
Nochmals kurz zu GLYK: Fast zeitgleich mit dieser Kann-EP erschien auf Baldiuns Label nämlich ein sehr besonderes Album des griechischen Musikers Theremin Jennings. Seit 2013 lässt er in seinem Home Studio verschiedene Klanggeräte wie eine Farfisa-Orgel, String Machine sowie einige Effektgeräte laufen.
In improvisierten Sessions fängt er herrlich kosmisch-lofieske Sounds ein, die auch Soundtracks alter Science Fiction-Filme sein könnten. Vor allem wenn aus trippy Phasen plötzlich hell schimmernde Synth-Harmonien hervorkommen, eröffnen sich direkt große Bildwelten. Zugleich schafft die Orgal immer wieder auch eine sakrale Intimität. „Theremin Jennings“ gibt es digital und als limitiertes Tape.
Und hier noch ein Sonntagstipp mit guten Drinks, leckerem Essen und deepen Tracks.
frohfroh-Tagestipp //
Barcelounge // Barcelona Bar // 19:00 Uhr w/ Filburt, Zapotek
Die Barcelounge lädt mal wieder zu einem entspannten Ausklang aus diesem vollen Wochenende ein. Filburt bringt seine deep-soulful House-Platten mit – und dazu einiges an Electronica, Disco und Broken Beats.
Außerdem heute //
Up Home – 10 Jahre später – Distillery, 10:00 Uhr – Techno mit Nastia Reigel, One Agent, Qiu, Subtrak, Daniel Sailer
Happy Birthday, Alphacut! Das Leipziger Drum & Bass-Label feiert sein zwanzigjähriges Bestehen mit einem fulminanten Jubiläums-Line-up.
Was für eine Party-Ankündigung: Unter dem Motto RECON2TRUCTI0N – 20Y ALPHACUT feiert das Leipziger Label Alphacut sein zwanzigjähriges Bestehen auf zwei Floors in einer hier nicht genauer verratenen Connewitzer Location. Und zwar mit nicht weniger als 24 DJs, die hinter den Decks Schlange stehen werden. Ein logistisch nicht zu unterschätzender Aufwand, dessen notwendige Selbstorganisation wiederum sehr zur DIY-Kultur des Labels passt.
Alpha- wer wie was?
Dies werden sich so manche Leser:innen nun vielleicht fragen. Kurz gefasst und voller Lücken: Alphacut veröffentlicht seit 2003 Drum & Bass und Jungle auf Vinyl, wobei der Sound meist experimenteller und rhythmisch komplexer ist, als es die Dancefloors nicht nur in Leipzig in der Regel gewöhnt sind. Einen guten Einblick zu den Anfängen des Labels erhaltet ihr in unserem Artikel zum zehnjährigen Jubiläum des Labels wie auch in den aktuellen Ausgaben der Radiosendungen Querbass und Zonic Radio Show.
Gerade in besagten Anfangsjahren ließ Alphacut einige recht schroffe, brachialere Tracks auf die Menschheit los und widmete sich bald mit dem 7″-Sublabel Alphacute schnelleren und oft sehr spaßigen Breakcore-Tracks.
Zwei Dekaden und etwa vierzig Schallplatten später sind die Releases auf dem Hauptlabel Alphacut immer noch voller Bass, ungewöhnlicher Breaks und oft düsterer Atmosphären. Der wunderbare Querschnitt durch die Labelgeschichte von AeonFlux zeigt das prima auf:
Hier und da wurde der Sound aber auch um einen gewissen Dub-Einfluss erweitert, der dann auch seit 2012 auf den 23 erschienenen 7″-Singles des Sublabels 45Seven die Hauptrolle spielt. Zudem erforschen die zehn Releases der Reihe Alpha Cutauri die Möglichkeiten zwischen Ambient, Minimal und Drum&Bass. Und neben zahlreichen Veröffentlichungen von Label-Boss LXC außerhalb des Alphacut-Universums arbeitet dieser derzeit seinen eigenen Backkatalog auf einen eigens dafür angelegten Bandcamp-Account auf.
Dort erschienen zuletzt Live-Aufnahmen aus den frühen Nuller-Jahren und ein Album, das der damaligen Party- und Konzertreihe „Strukturbruch“ ein kleines Denkmal setzt. Wie immer bei LXC mit spannenden historischen Liner Notes.
Eine Menge Musik also, die neu entdeckt oder wieder hervorgeholt, auf jeden Fall aber in voller Wucht zur großen Jubiläumssause genossen werden kann und nicht zuletzt auch mit Spannung auf die nächste Dekade Bass & Breaks aus dem Hause Alphacut blicken lässt.
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